Bayern München: Fünf Spiele ohne Sieg, Aus im DFB-Pokal und in der Champions League, das ist in München eine Krise. Ancelotti wird hinterfragt und Julian Nagelsmann befeuert mit seinem Besuch die Gerüchteküche

Bis in die Gazzetta dello Sport schafft es Bayerns Krise, klar, auch weil der Italiener und Meistertrainer Carlo Ancelotti der Maestro am Spielfeldrand ist. Fünf Spiele ohne Sieg, das Aus in zwei Wettbewerben, dazu noch der Besuch von Hoffenheims Coach Julian Nagelsmann in der Allianz-Arena beim Halbfinale gegen den BVB – so wird die Gerüchteküche befeuert. Mit einer „5“, so La Gazzetta dello Sport, fängt das Leiden an, nicht nur in der Schule, sagt man. Allein, Carlo Ancelotti weiß die Situation richtig einzuschätzen und bleibt ruhig: es sei noch zu früh „um über die Saison zu urteilen“, meinte der Italiener, die Bayern hätten es selbst in der Hand, die Meisterschaft zu sichern.

Wäre eben dieser Meistertitel ein versöhnlicher Abschluss? Versöhnlich mehr denn ein krönender. Aber Mister Ancelotti hält zurecht fest, „Es ist noch ein bisschen früh, um die gesamte Saison zu beurteilen, und wenn man die Meisterschaft in einem Land gewinnt, kann die Saison nicht ganz negativ sein…“, meint der Trainer überzeugt und hebt seine Augenbraue. Seit dem Triple unter Jupp Heynckes (in einer absolut rund laufenden Saison), den auch Guardiola nicht erreichte, denkt man bei den Bayern eben in ganz anderen Kategorien. Das Trainerteam allein, sowie die medizinische Abteilung, wissen gegebenenfalls, was die Ausfälle eines Manuel Neuer oder einem angeschlagenen Hummels und Lewandowski wirklich bedeuten. In Topform waren sie zuletzt einfach nicht. Zeit zum Kurieren, jetzt in der Endphase, haben Profis dieser Klasse einfach nicht. Hummels, immerhin Torschütze gegen Dortmund, quälte sich über den Rasen. Ribery und Robben scheiterten bei 100-Prozentigen, die vor Wochen noch klar im Tor gelandet wären. So ist der Fußball. Eine Meisterschaft zu erringen, dauert 34 Spieltage, und ist eigentlich der wichtigere Titel allgemein.

Schlimm, wenn der FC Bayern und das Umfeld, sich nicht mehr über die Deutsche Meisterschale freuen würden. Fakt ist aber, seit 17 Jahren gab es solch eine „ausgewachsene“ Krise nicht mehr. Damals immerhin, anno 2000, erreichte man noch mit einem Unentschieden gegen Porto das Halbfinale der Champions League, davor verloren die Bayern nur in der Gruppenphase, und in der Liga wurde Unentschieden gespielt – damals holte der FCB noch das Double. Aber heuer? Innerhalb von acht Tagen flog der Rekordmeister aus zwei Wettbewerben, und spielte in der Bundesliga 0:0 gegen Leverkusen, sowie 2:2 gegen Mainz, davor das AUS in Madrid und bereits daheim die Hinspielniederlage. Gestern dann der GAU in der Allianz-Arena, 2:3 nach einer zwischenzeitlichen 2:1-Führung. Es tut einfach weh, wenn Konkurrent Dortmund im eigenen Haus feiert.

„Banal sind wir wieder aus einem Pokalwettbewerb ausgeschieden“, fasste es Arjen Robben nach dem Pokalfight zusammen. Der Abend zeigte auch, dass weder Coman noch Douglas Costa ein gleichwertiger Ersatz für Lewandowski, Robben oder Ribery sind. Xabi Alonso und Lahm beenden ihre Karrieren, und der Kader wirkt betagt. Bleibt Ancelotti?

Sollte der Italiener bleiben, und wer ihn kennt, weiß, dass ihn jetzt der Ehrgeiz erst Recht packt, um es besser zu machen, müsste er aber in de kommenden Saison beweisen, dass er in der Lage ist, die Bayern zu „reformieren“, umzubauen, und wieder kompetitiv in Europa zu machen. Carlo Ancelotti ist keiner, der einfach so das Handtuch wirft und geht. Nur, die Branche hat eben ihre eigenen Gesetze – besonders in München.

Dass sich Julian Nagelsmann das Halbfinal-Match unbedingt in der Allianz-Arena anschauen musste, gekleidet in einem roten feschen Mantel, war wahrscheinlich nicht unbedingt die feine Art unter Trainer-Gentlemen, zumal seit Wochen Gerüchte kolportiert werden, wann und wo Nagelsmann in München gesichtet wurde, und dass der junge Emporkömmling der Bundesliga sowieso nächster Bayerncoach würde. Also wozu das Ganze? Carlo Ancelotti, ein Trainer alter Schule, cool dazu, steht sicher drüber, nichtsdestotrotz ist es eine Frage des Stils, aber auch junge Trainer haben noch zu lernen…

 

http://www.gazzetta.it/Calcio/Bundesliga/27-04-2017/bundesliga-bayern-monaco-ancelotti-crisi-1901020576905.shtml

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Giovanni Deriu, Jahrgang 1971,
Vater, 2 Kinder,
lebte lange Zeit in Asien;

Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit.

Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist.

Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin.

Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit
Jugendtrainer-Lizenz.
In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert.
Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs.
Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.