Carlo Ancelotti (Teil II): Wie eine gute Kommunikation funktioniert – mit dem Team, und sich stets selbst hinterfragen

Ausgerechnet in der Region, in der Carlo Ancelotti einst geboren wurde, fiel ihm als Trainer von Reggio Emilia aller Anfang schwer. Als Assistenztrainer von Sacchi gerade Vize-Weltmeister 1994 geworden, wollte sich Ancelotti nun selbst als Coach einer Mannschaft beweisen. Das Rüstzeug hatte er ja als ehemaliger Topspieler von Milan unter Trainer Arrigo Sacchi mitbekommen. Dann durfte er Milans Erfolgscoach Sacchi auch noch bei der Squadra Azzurra studieren. Aber fest stand auch, Carlo Ancelotti musste (s)einen eigenen Weg finden, wie es der dreifache Championsleague-Sieger als Trainer im Buch, „Il mio albero di Natale“ (erschienen bei best BUR), selbst beschreibt. Eine authentische Kommunikation ist viel Wert.

Es wurmte Ancelotti dennoch, obwohl er wusste, dass sein Trainervorbild Sacchi vor vielen Jahren ebenfalls mit Schwierigkeiten startete – bevor er noch das große Milan kreierte.

Gerade einmal vier Punkte aus sieben Spielen(!) erreichte Ancelotti in seiner ersten Trainerstation einer Aktivenmannschaft, hier Reggio Emilia.

Nicht gerade viel für ein Team, das als Ziel vorgab, den Aufstieg in Italiens erste Liga, die SerieA, zu schaffen.

Heute noch meint Ancelotti, dass das seine schwierigste Zeit war, und warum, wird im Buch rhetorisch gefragt? Weil er die „Instrumente“ und Erfahrungen als Trainer noch nicht hatte, und, viel schlimmer, weil ein Scheitern wahrscheinlich seine ganze Trainerkarriere etwas blockiert hätte, wie Ancelotti reflektiert.

Letztenlich stellte sich Ancelotti die richtigen Fragen, versuchte mit seinem Trainerstab Lösungen zu finden, und von da an, nahm Reggio Emilia einen Lauf zum Aufstieg in die SerieA.

Welche Fragen stellte Ancelotti in dieser schwierigen Phase, und welche Schlüsse zog er aus den Analysen?

Er stellte sich schonungslos einer Selbstkritik und Analyse:

Bist Du dir ganz sicher, dass das was und wie Du es tust, derzeit das Richtige ist? Bist Du dir sicher, dass das Spielsystem, dass du ausgesucht hast, auch zu den Charakteristiken deiner Spieler passt?

Bist Du dir auch ganz sicher, dass Dein Trainingsprogramm in allen Aspekten dem Kollektiv als Team, aber auch den individuellen Fähigkeiten der Spieler nützt?

Bist Du Dir sicher, dass die Spieler auch wissen und überzeugt sind davon, was Du von ihnen verlangst, und was sie umsetzen sollen?

Bist Du dir auch sicher, dass das Team kompakt und solide ist, dass es immer das Maximale gibt um die Ziele zu erreichen?

 

Wenn Du als Trainer dann alle Fragen mit einem „Ja“ beantworten kannst, musst Du deiner Linie treu bleiben – dann kommt der Erfolg mit der Zeit, auch wenn die Zeit immer knapper wird im Fußballbusiness.

Nehme aber Modifizierungen vor, wenn ein paar „Nein“ darunter sind. Denn dafür ist es nie zu spät.

Als Trainer muss man seiner eigenen Philosophie auch in der Kommunikation treu bleiben, und wenn man authentisch bleibt, was soll dann schon passieren? Jeder Trainer ist anders, deshalb soll auch jeder Coach, egal ob im Juniorenfußball im U12 oder im Profi-Bereich, seiner Linie treu bleiben und immer echt wirken.

Es gibt Typen wie Eriksson, so Ancelotti, die gaben vor dem Training jedem die Hand und scherzten auch mal, dann wiederum erlebte Ancelotti einen Fabio Capello, der eher bärbeißig und grimmig in die Runde schaute, und nur selten flachste, aber dennoch stark im Zwiegespräch „face-to-face“ war. Erfolge hatten beide Trainer, weil sie für eine gesunde Gesprächskultur in der Mannschaft sorgten – obwohl verschieden, aber immer stimmig.

Gut zu kommunizieren heißt auch immer, besser zu lehren, also Dinge zu vermitteln, und damit auch eine bessere Aufnahme auf der anderen Seite.

Eine gute Kommunikation und ein guter Umgang verbessern immer auch das Miteinander im Team, und damit verbunden ist auch eine Leistungssteigerung.

Wichtig ist für einen Trainer immer zu wissen:

  • Welche Aufgabe soll ich vermitteln?
  • Was wird wirklich kommuniziert?
  • Mit wem kommuniziere ich?
  • Wie kommuniziere ich?

Dialoge und Kommunikation JA, aber nicht in jeder Situation.

Ein guter Trainer weiß, was und wann man es kommunizieren kann. Auch hier sind Lebenserfahrung und Fingerspitzengefühl notwendig.

Fortsetzung folgt…

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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