Mister Manchester United – Alex Ferguson, ein smarter Trainer

BUCH-TIPP

Vom Pubbesitzer in die Champions League

Die Autobiographie von Alex Ferguson liefert einen spannenden Einblick in die Arbeitswelt eines Topklubs. Der schottische Erfolgstrainer lässt sich nach seiner Karriere auf 430 Seiten tatsächlich in die Karten schauen.

 Biographie Alex FergusonStolz wie ein Schotte: Alex Ferguson stellt seine Biographie vor.

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  Alex Ferguson, ein Großer seiner Zunft, Schotte dazu, prägte 27 Jahre das Gesicht und die Geschichte des englischen Traditionsvereins Manchester United. Ein Vierteljahrhundert lebte Alex Ferguson für ManU – dass dabei einiges an Erlebnissen zusammenkommt, ist einleuchtend. Ferguson ist aber auch immer eine streitbare Person geblieben – und so gelungen die Autobiographie von „Sir“ Alex Ferguson (erschienen im Edel-Verlag: Alex Ferguson – Meine Autobiographie) auch sein mag, gleicht sie doch an vielen Stellen einer Abrechnung mit alten Weggefährten und mit Trainerkollegen. Zwar nie richtig derb, aber subtil feinsinnig, wie „Föhn“ Alex Ferguson selbst.
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Taktikfüchse, die einst auch Praktikanten waren

PRAKTIKANTEN

Wie hat der das gemacht?

Arrigo Sacchi hospitierte bei Ernst Happel, Ralf Rangnick schaute sich Arsène Wengers Training in London an: Selbst im Spitzenfußball waren große Trainer mal Praktikanten. Von Giovanni Deriu.

 

Ralf Rangnick
Taktikfachmann und RB-Sportdirektor Rangnick

Die Generation Praktikum ist im Fußball ein alter Hut: Angehende Fußballlehrer und bereits die Teilnehmer der Vorstufe, die A-Lizenz-Anwärter, müssen zwei bis drei Monate bei Bundesligisten hospitieren. Auch ehemalige Profis wie Bruno Labbadia, Mehmet Scholl oder Stefan Effenberg standen als Praktikanten am Spielfeldrand. Am beliebtesten ist Arsenal London mit seinem Coach Arsène Wenger: Matthias Sammer, Felix Magath und Ralf Rangnick hospitierten bei Arsenal und beobachteten Wengers Training und Umgang mit den Spielern.
 
Jeder angehende Fußballlehrer lernt, dass der Trainer seine Spieler kennen und analysieren muss, welches Konzept am besten zu ihm passt. Nichts ist schlimmer, als eine undefinierbare Handschrift des Trainers, und ein Konzept oder Spielsystem, das die Mannschaft total überfordert. Im Profi-Fußball bleibt keine Zeit, um den Schaden zu beheben.
 
Ralf Rangnick perfektionierte das Pressing und Spiel gegen den Ball, weil er es verstand, die Eindrücke und Erlebnisse seiner Beoachtungen (teilweise auch stundenlang am Fernseher) des AC Milan von Arrigo Sacchi in den späten 80ern zuerst auf den Amateurfußball (SSV Ulm) herunterzubrechen, um ihn dann später noch besser in der Bundesliga zu praktizieren.

Mehrmals gab Rangnick zu, dass das Milan-Team als Schablone galt, ebenso Zdenek Zemans US Foggia. Die schaute sich Rangnick während seines Urlaubs in Südtirol im Trainingslager an. Sein Schlüsselerlebnis war als Rangnick als Spielertrainer von Viktoria Backnang gegen Lobanowskis Kiew spielte. Rangnick dachte immer, das Team von Kiew habe drei Mann mehr auf dem Platz. Als die damalige  UDSSR dann in Stuttgart 1988 während der EM auch noch die Italiener vorführte, schwärmten alle vom Forechecking und Pressing der Russen – dieses Spiel kostete aber Kraft, im Finale von München siegten die Holländer 2:0 gegen die UDSSR. Gerade Goalgetter Marco van Basten und Ruud Gullit aus der Ajax-Schule waren fast ein Jahrzehnt mit verantwortlich für Milans Erfolge unter Arrigo Sacchi und Capello. Letzterer übernahm Sacchis Taktik, jedoch wiederum eine Prise defensiver. Einengen der Räume, wenn der Gegner am Ball war, schnelles Kurzpassspiel und plötzliche Steil- oder Diagonalpässe aus dem Nichts, Rangnick kopierte vieles von Sacchi, und schon war das Märchen der TSG 1899 Hoffenheim geboren. Ganze Heerscharen angehender Trainer aus Japan und China wollten Rangnicks Wunder-System in Sinsheim hautnah miterleben.
 
Egal ob Valerij Lobanowski oder Arrigo Sacchi, auch sie waren gute Beobachter und immer offen für neue Ideen. Ernst Happel, längst verstorben, und immer noch eine Legende in Hamburg, war seiner Zeit voraus, das gaben die Italiener gern zu, denn Ernst Happel holte den Henkel-Pott, damals der Landesmeister-Cup, 1983 gegen die favorisierte Elf von Juventus Turin. Gegen den AC Milan verloren Happels Mannschaften nie, halb Italien und Silvio Berlusconi wollten ihn holen, aber nie folgte der grantige Österreicher den Rufen der italienischen Klubs. Sacchi studierte Happels Training mit dem HSV direkt in Hamburg, und das über zwei Wochen lang. Gespeist mit eigenen Ideen und den passenden Spielern, war eine neue Übermacht geboren.
 
Doch alles ist vergänglich, jede Ära endet irgendwann. Milan, Inter, Barcelona und Arsenal haben das schmerzhaft erleben müssen. Ein Trost bleibt, dass auch bei den neuen jungen Konzepttrainern die Ideen von Happel, Lobanowski, Rinus Michels oder Johan Cruyff weiterleben. Ganz neu erfinden kann den Fußball niemand.

Giovanni Deriu, 43, Freier Journalist und DaF-Dozent

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Neymar – eine ganz neue Spielergeneration

FUSSBALLBÜCHER als Geschenkidee

Neymar senior über Pelé 2.0

Die Biographie des brasilianischen Wunderknaben ist als Dialog mit seinem Vater, der seine Profikarriere früh beenden musste, angelegt. Von Giovanni Deriu.  www.rund-magazin.de

 

Ich bin Neymar

Die ganze (Fußball-)Welt nahm Anteil, als sich Neymar im Viertelfinale gegen Kolumbien verletzte. Warum das Schicksal des brasilianischen Wunderknaben so viele bewegte, kann man nur verstehen, wenn man einen Blick in die Biographie von Neymar da Silva Santos Junior, also Neymar Junior, wirft. Kurz, in einem von Beginn an eher mittelmäßig aufspielendem brasilianischen Team galt Neymar als „Heilsbringer“. Der Druck um das Team von Trainer Felipe Scolari war immens, doch als der brasilianischen Selecao quasi ihr Rückgrat brach, weinte nicht nur Neymar vor Schmerzen auf – er hatte durch Juan Zunigas krudes Foul einen Wirbelbruch erlitten. Fans in aller Welt ahnten, dass damit der brasilianischen Elf das Herzstück und die Kreativität verloren gegangen war.
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Ein authentischer Holländer im Schwabenland! Wird er zum VfB-Retter?

BUCH

Trainer des Jahrhunderts und Vier-Minuten-Meister

Mit Schalke holte er den Uefa-Cup und 2001 fast den Titel, nun ist er zurück beim VfB Stuttgart: Die Biographie von Huub Stevens kommt dem Menschen recht nah, geschrieben hat sie der Niederländer Theo Vaessen, erschienen ist die Biographie im riva-Verlag. Eine Rezension von Giovanni Deriu.

Der Autor kennt seinen Protagonisten schon sehr lange. Der vielgereiste Theo Vaessen beobachtet Huub Stevens seit den Zeiten, als der als 16-Jähriger bei Fortuna Sittard spielte. Im WM-Jahr 1974 war das. Aus zahlreichen Gesprächen mit Stevens sowie dessen Umfeld entstand dieses Buch, das schlicht: „Huub Stevens“ betitelt ist.

Nicht immer waren holländische Trainer in der Bundesliga beliebt (wenn auch erfolgreich) – man denke nur an Rinus Michels, den „General“ in Köln und Leverkusen, immerhin Pokalsieger – oder Aad de Mos bei Werder Bremen, der nach nur einem Jahr im Amt als Nachfolger von Otto Rehhagel entlassen wurde. Anders Huub Stevens. Dass es quasi gleich auf Anhieb bei den Schalkern klappte, lag vielleicht auch an Stevens‘ Herkunft selbst:

Huub entstammt als dritter Sohn einer Grubenarbeiterfamilie.  Vater Joseph Stevens, später kam er in Belgien ausgerechnet bei einem Autounfall durch einen deutschen Lkw-Fahrer ums Leben, arbeitete 30 Jahre lang in der staatlichen Grube Staatsmijn Maurits, und baute in mehreren hundert Metern Tiefe Kohle ab. Stevens erinnerte sich: „Vater ackerte wie ein Pferd …“. Die Familie war nicht reich, aber niemand durfte es wagen, sie als arm zu bezeichnen. Mia, die Mutter, war das Familienoberhaupt. Und sie setzte auf Disziplin – wer nicht gehorchte, wurde bestraft – nur, so, liest man zwischen den Zeilen, könne eine Familie zusammen gehalten werden. Mit Disziplin, Pflichten – aber nicht zu vergessen, mit der Liebe einer Mutter.

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Motivator und Entdecker Massimo Morales

INTERVIEW
Morales: Twitter, Internet und die üblichen Verdächtigen

Er war Assistent von Giovanni Trapattoni in München, brachte die Fortuna aus Düsseldorf wieder in die 3. Liga und coachte Waldhof Mannheim sowie die Stuttgarter Kickers. Ein Leben ohne Fußball? Unvorstellbar für den sympathischen Coach. Interview Giovanni Deriu.

 

Massimo Morales

Massimo Morales im Jahre 2004 als Trainer bei Fortuna Düsseldorf

Sein Name klingt wie Musik. Und als Fußballtrainer liebt Coach Massimo Morales auch einen offensiven Rhythmus im Spiel seiner Teams. Morales ist in Deutschland, in Europa allgemein, kein Unbekannter. Vom B-Juniorentrainer der Bayern wurde er schnell ins Rampenlicht der 1. Bundesliga sowie der Medien katapultiert. Anfang der 1990er-Jahre, als sich Massimo Morales neben Giovanni Trapattoni auf der Trainerbank wiederfand – als dessen Assistent und Dolmetscher. Dass Morales ein Auge für Junioren und Talente habe, merkten die Verantwortlichen des FC Bayern München schnell. Danach trainierte Morales gar Ghanas Junioren-Nationalmannschaft und war als Scout, unter anderem, für den AC Milan in der Serie A tätig.

Morales trainierte in Tschechien und Ungarn, in der italienischen Schweiz – der italienische Fußballlehrer brachte die Fortuna aus Düsseldorf wieder in die 3. Liga und coachte Waldhof Mannheim und die Stuttgarter Kickers. Ein Leben ohne Fußball? Unvorstellbar für den sympathischen Coach.

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Wie Ancelotti bei REAL „The Special One“ ablöste

SPANIEN

4:3:3 statt Defensive
Wie Real Madrid Mourinhos Ära vergessen möchte: Die italienische „Gazzetta dello Sport“ macht sich Gedanken, was Carlo Ancelotti für die „Ent-Mou-isierung“ Reals tun könnte. Von Giovanni Deriu. Erschienen bei rund-magazin.de

 José Mourinhos Erfolgsbilanz war für seine Ansprüche zu wenig: Eine Meisterschaft, ein Pokalsieg  und dreimal im Halbfinale der Champions-League gescheitert. Auf den selbst ernannten „The Special One“ folgt nun der ausgleichende Moderator und Taktiker, Carlo Ancelotti, der zuletzt Paris Saint-Germain zum französischen Meister gemacht hatte.Die italienische „Gazzetta dello Sport“ macht sich Gedanken, was Carlo Ancelotti für die „Ent-Mou-isierung“ Reals tun könnte

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Biografie, Interview mit Pavel Kuka

„Ich bin nicht der Matthias Sammer von Pilsen“
Es ist der zweite Titel nach 2011: Viktoria Pilsen ist am Wochenende erneut tschechischer Meister geworden. Für RUND nahm sich Sportdirektor Kuka während der Feierlichkeiten Zeit für ein kurzes Interview. Das Gespräch führte Giovanni Deriu.

 

 

Pavel Kuka

 

Über weite Strecken der Saison lieferten sich der FC Viktoria Pilsen und der traditionsreiche Hauptstadtklub Sparta Prag in der tschechischen Gambrinus-Liga ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zwei Punkte Vorsprung hatte die Viktoria vor dem letzten Spieltag. Dabei blieb es auch, weil FC Viktoria Pilsen beim Absteiger FC Hradec Kràlové schon nach einer Minute durch Vladimir Darida in Führung ging – 3:0 für die Pilsener stand es am Ende. Als die Elf von Trainer Pavel Vrba dann kurz vor Mitternacht endlich in Pilsen ankam, wurde sie gefeiert. Mittendrin auch der noch recht frische Sportdirektor, Pavel Kuka (44), der den FC Viktoria seit Januar unterstützt. Pavel Kuka, 44, wurde mit Tschechien Vize-Europameister 1996, und gewann mit dem 1. FC Kaiserslautern 1996 den DFB-Pokal und zwei Jahre später die Deutsche Meisterschaft. Für RUND nahm sich Sportdirektor Kuka während der Feierlichkeiten Zeit für ein kurzes Interview. Das Gespräch führte Giovanni Deriu.

RUND: Herr Kuka, es ist sehr laut bei Ihnen. Wo sind Sie gerade?
Pavel Kuka: Guten Tag, wir sind gerade am Stadion von FC Viktoria, an der Geschäftsstelle, wo die Feierlichkeiten zur Meisterschaft heute weiter gehen.
RUND: Gratulation zur zweiten Meisterschaft in der Gambrinus-Liga, hatten Sie in den vergangenen Wochen jemals Zweifel, dass es klappen würde?
Pavel Kuka: Naja, wir haben immer an unser Team geglaubt, und wir hatten ja eigentlich immer einen kleinen Vorsprung. Klar, die zwei Niederlagen zuletzt gegen den Meister der vergangenen Saison, Slovan Liberec oder Slavia Prag, machten die Meisterschaft noch einmal spannend, aber auch Sparta zeigte sich eben nicht souveräner als wir. Wir hatten immer Vertrauen in unsere Mannschaft!
RUND: Sie sind ja noch nicht so lange beim FC Viktoria, haben aber schon die wichtigen Spiele in der Europa-League miterlebt, wie hoch ist Ihr Anteil an der Meisterschaft?
Pavel Kuka: Oh, das müssen andere Leute beurteilen, mit denen ich täglich zusammen arbeite – ich kann nur sagen, dass es mir sehr viel Spaß macht, und dass ich den Verein FC Viktoria sehr schätze. Ich genieße natürlich den Moment.

RUND: Haben Sie als Sportdirektor möglicherweise die selbe Funktion wie Matthias Sammer beim FC Bayern inne? Quasi als Bindeglied des Teams zum Vorstand sowie als Motivator und Mahner?
Pavel Kuka: (kurze Pause, ein kleiner Seufzer) Nein, ich bin nicht mit Matthias Sammer und dessen Funktion bei Bayern zu vergleichen. Ich bin noch dabei zu lernen. Ich lerne jeden Tag dazu in meiner noch sehr jungen Funktion. Klar, ich bringe auch meine Erfahrungen mit ein, aber auf dem Platz stehen immer die Spieler, letzendlich haben es immer die Spieler in der Hand – oder auf dem Fuß – was passiert. Wir genießen jetzt unseren Erfolg, das Team und alle die dazu gehören.

RUND: Was sind Ihre weiteren Ziele mit der Viktoria?
Pavel Kuka: Natürlich da weitermachen und anknüpfen, was die Pilsener in den vergangenen drei Jahren aufgebaut mit mitgemacht haben: Meisterschaft, Champions-League und Teilnahme am Uefa- bzw. Europa-League-Pokal.
RUND: Ist die Viktoria schon wieder europatauglich?
Pavel Kuka: Wir werden uns natürlich verstärken müssen im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wir haben schnell gelernt, dass Erfolg in Europa auch eine Frage des Geldes ist: Hier zum Beispiel die Viktoria mit einem Budget von sechs bis sieben Millionen Euro, dort unser letzter Gegner Fenerbahce Instanbul mit einem Etat von 180 Millionen Euro.
RUND: Sind bei der Meisterschaftsfeier auch ehemalige Spieler dabei?
Pavel Kuka: Also Pavel Nedved (Scout und Delegierter bei Juventus Turin, Anm. der Red.) wird hier sein, und zu ihm halte ich mit FC Viktoria auch den Kontakt. Zudem kooperieren wir manchmal, was die Ausbildung von Junioren betrifft.
RUND: Und jetzt nach diesem Erfolg und einer intensiven Saison wartet der wohlverdiente Urlaub?
Pavel Kuka: Jetzt geht es mit Nedved erst einmal zum Abschiedsspiel von Michael Ballack nach Leipzig. Danach laufen schon die Planungen für die Qualifikationsspiele zur Champions League, die Mitte Juli schon beginnen. Ich haben keinen Urlaub, aber das ist egal. Die Arbeit macht viel Spaß.

Biografie, Trainer und Talentsichter Zeman

ITALIEN
Der böhmische Ernst Happel

Dieser Kettenraucher spricht nur das Nötigste: Zdenek Zeman ist Fußballtrainer bei der AS Roma, aber auch Philosoph, Exzentriker, und Bohemien. Und er liebt den Offensivfußball. Von Giovanni Deriu

 

 

Zdenek ZemanKritiker des italienischen Fußballs: Zdenek Zeman, Ex-Trainer der AS Roma

Als der italienische Fußball im Sommer wieder sein skandalöses Gesicht zeigte, sorgte ein tschechische Fußballtrainer und Intimus des italienischen Calcio für Schlagzeilen. War es doch Exzentriker Zdenek Zeman gewesen, der vor bald 15 Jahren öffentlich Vermutungen über systematisches Doping in der Serie A angestellt hatte.  Der Tscheche wurde zur persona non grata – und gilt bei einigen immer noch als Nestbeschmutzer. Dem inzwischen 65-jährigen scheint das nichts auszumachen: „Viel scheint der italienische Fußball aus der Vergangenheit nicht gelernt zu haben …“, sagte er in der „Gazzetta dello Sport“. Und im europäischen Wettbewerb schnitten die italienischen Vereine außerdem noch „schlecht ab“.

Zdenek Zeman kann sich als Kritiker aufspielen, seine Fan-Gemeinde hat er sicher. In der abgelaufenen Saison stieg er mit dem Serie-B-Verein Pescara Calcio in die Serie A auf. Pescara setzte mit 83 Punkten aus 42 Spielen und 90 Treffern auf Offensivfußball. Zudem, und das macht den „Grandsignore“, der in der Regel sehr leise und zurückhaltend ist, besonders stolz, wurden fünf Spieler Pescaras in die italienische U21-Nationalelf berufen.  In der Hafenstadt östlich von Rom brach selten erlebte Fußballbegeisterung aus.

Zeman hatte in Pescara bereits in seinem ersten Jahr den Dreh raus, und fand die richtige Mischung. Viele fühlten sich wieder voller Nostalgie an das „Magische Team“ des US Foggia erinnert – bis heute schwärmen Fans in Italien von Zemans  „Foggia dei miracoli“ (1989- 1994). Damals kaum aufgestiegen, schafften die Foggianer unter Zemans Regie mit einem unkonventionellen offensiven 4-3-3-System dreimal hintereinander den Klassenerhalt, und klopften gar an Europas Tür. Auch Sacchis Milan und Juventus Turin wurde vorgeführt, und alle attestieren sie dem Italo-Böhmen Zeman bis heute ein „Auge für Talente“. Zu vergleichen wäre das Foggia von damals mit Trainer Finkes SC Freiburg in der Bundesliga vor Jahren.

Vom Typ her ist der Böhme Zeman eine Mischung aus Philosoph, Exzentriker, und Boheme. Von der Art ähnelt der Tscheche oft Ernst Happel. Zdenek Zeman, der gelernte Sportpädagoge (er studierte an der Uni von Palermo und schloss mit der höchstmöglichen Punktzahl ab), ist auch noch Kettenraucher. Von der Fluppe mag er nicht lassen, wie er schon mal in einer Fernsehtalkrunde feststellte. Deshalb, so der wortkarge Trainer besuche er auch nicht so gern das Kino – dort könne man ja „schließlich nicht rauchen“.

Zdenek Zeman, der nach der Doping-Affäre erst einmal keinen Verein in Italien fand, wechselte als Coach zu Fenerbahce Istanbul, wo er sich aber nie richtig wohl fühlte – genauso wenig beim späteren Abstecher zu Roter Stern Belgrad. Zdenek Zeman ist vom Italienischen Fußball nicht mehr wegzudenken. Ja, obwohl tschechischer Herkunft, und ein leichter Akzent lässt sich in seinem perfekten Italienisch nicht unterdrücken, nahm Zeman vor einigen Jahren den italienischen Pass an. Seit dem Prager Frühling, als die Russen einmarschierten, und „klein Zdenek“ seine Sommerferien beim Onkel  Čestmír Vycpálek (früher ein bekannter Trainer in Italien) auf Sizilien verbrachte, lebt und liebt Zeman Italien. Und nun also die AS Roma, die den Vertrag mit Luis Enrique aus Barcas Schule nicht verlängern wollte. Eine Episode voller Missverständnisse und ohne Geduld für den Spanier.

Zdenek Zeman kennt das Umfeld der Ewigen Stadt wie kein anderer – Der gebürtige Böhme trainierte bereits beide Hauptstadt-Vereine, Lazio und die Roma. Die „Laziali“ führte er zur Vize-Meisterschaft (1994), und mit „la Roma“ erreichte er Platz vier und fünf. Spielen ließ Zeman bis heute immer attraktiv, dafür sich aber wenig von Präsidenten aufdiktieren.
Spieler lieben und respektieren ihn, fürchten aber seine Trainingseinheiten – besonders in der Saisonvorbereitung, wenn Konditionsläufe anstehen – meist fährt Zeman auf dem Mountainbike nebenher.

Überhaupt, spricht Zeman nur das Notwendigste (wieder Happel like), Talkshows meidet er – und wenn sich der tschechische Italiener doch mal zu einem Interview in die Sendung überreden lässt, dann kommen meist kurze Sätze voller Ironie. Zeman sitzt der Schalk im Nacken. So erklärte Moderator Fabio Fazio, in einer Show laufe es so, der Moderator fragt, der Gast antwortet. Zeman darauf: „Wenn ich die Antwort weiß…“. Der Moderator Fazio stellte ihm die DVD vor, „Die Rückkehr von Zeman“, ein Film über den US Foggia zu Zemans Zeiten. Ob sich der Trainer denn im Film gefallen habe? Zeman trocken: „Ich weiß, dass der Film existiert, aber ich habe ihn nicht gesehen. Für mich bleibt vieles im Dunkeln“. Fazio perplex, er wollte doch das 20-Minuten-Interview auf den Film aufbauen. Was soll ich tun, stöhnte er theatralisch. Abermals Zeman: „Ja normalerweise entstehen solche Filme nach der Karriere, wenn einer nicht mehr da ist – ich bin aber noch da!“ Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen. Zdenek Zeman nahm das Angebot der AS Roma mit der tiefen Einsicht an: „Es ist wohl die letzte Chance in meiner langen Karriere, einen großen Club in einer wichtigen Stadt zu trainieren …“, sowie einen in die Jahre gekommenen Star wie Francesco Totti. Und das klingt dann fast nach einer Bitte um Verständnis an die Fans von Aufsteiger Pescara – aber auch nach einer versteckten Warnung an Totti.

Giovanni Deriu, Redakteur und freier Journalist, zudem DaF-Dozent, und reist regelmäßig nach Italien und Tschechien. Zemans Karriere und Biographie beobachtet Deriu seit 1992.

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Zwischen Seriosität und Märchengeschichten

Buch-Rezension: Die Paten der Liga
Zwischen Lügen und Seriosität – Spielerberater und ihre Geschäfte

BILD-Reporter Kai Psotta hat sich mit seinem Buch (Die Paten der Liga; Piper-Verlag) unter Beratern, oder solchen, die sich selbst so nennen, bestimmt keine Freunde gemacht. Das war bestimmt auch nicht sein Anliegen – der Sportjournalist untersuchte vielmehr eine Branche, die immer stärker in Verruf kommt, nach Ablösesummen und Vermittlungsprovisionen zu gieren, ohne dabei wirklich die betreuten Spieler im Auge zu haben – geschweige denn, zu betreuen oder ehrlich zu beraten! Denn, ein Gewinn oder eine satte Vermittlungsgebühr winkt oft schon bei eher mittelmäßigen Drittligaspielern.

Es will etwas heißen, so im Buch von Kai Psotta, wenn selbst der angesehene Christoph Schickhardt, Anwalt und Sportrechtler aus Ludwigsburg, nichts „schönreden“ mag: „Es tummeln sich in diesem Geschäft Scharlatane der schlimmsten Kategorie, aber auch seriöse Profis.“ Nur 25 Prozent würden allerdings gut beraten. Andere 40 Prozent eher schlecht – und der Rest ist unseriös. Der ehemalige Profi Thomas Kroth, zudem Kenner der japanischen Fußballszene fasst es so zusammen, die Branche sei „nicht per se schmutzig, aber im Einzelfall versaut.“ Wie überall, wo es um viel Geld – und Show gehe. Lügen, Neid und Missgunst, kämen in der Berater-Szene öfter zum Vorschein als in anderen Berufszweigen. Zwischen Seriosität und Märchengeschichten weiterlesen