Die bekannte Unbekannte: Die Scouting-Bewertungsliste

Fortsetzung zum Thema Scouting und Beobachtung…

und die Bewertungs-Matrix:

Als Scout muss man seine Bewertungs-Kriterien haben, und wie bereits an anderer Stelle erwähnt, es wird oft mehrmals gescoutet, bevor man sich ein abschließendes Urteil zu einem Spieler erlaubt. Manchmal werden auch verschiedene Scouts entsendet, um denselben Spieler zu beobachten.

Da ich selbst nur ein mittelmäßiger Kicker war, aber zumindest Spiele lesen konnte, wie mein langjähriger Trainer und Fußballlehrer Kun meinte, wollte ich immer wissen, was macht den perfekten Fußballer, das (fast)perfekte Talent aus?

Als Scout darf man sich nie zu schade sein, dazu lernen zu wollen. Es sind manchmal langwierige aber nie langweilige Sitzungen, oder auch Trainingsbeobachtungen. Ein paar meiner Bekannten und drei Fußballlehrer darunter, verifizierten eine, ja, allgemeingültige Liste der wichtigsten Kriterien, die ein Scout immer „abzuklopfen“ hat.

Ein Scout selbst sollte sich immer wieder hinterfragen, in welchen Bereichen er scouten möchte und vor allem, wo? Weltweit, europaweit oder nur auf Bundesebene? Die Arbeit dürfte nicht ausgehen. Es gibt auch mehr freiberufliche denn fest angestellte Scouts. Die meisten Freiberufler jedoch oft mit festen und regalmäßigen Aufträgen.

Außerdem sollte sich jeder Scout selbst noch ein zusätzliches Netzwerk in verschiedenen Regionen, oder eingeschränkt, im Umkreis seiner nächsten 2 bis 300 Km, aufbauen und pflegen.

Was auch wichtig ist, so hält es auch Kai Psotta in seinem Buch „Die Paten der Liga“ fest, jeder Scout solle sich mindestens einmal im Monat auch die „eigene U19 des Auftraggebers live“ anschauen. Nur wenn der Scout dann jemanden sieht, der besser ist als die Jungs, die beim Auftraggeber (Club) bereits spielen, soll er „Alarm“ schlagen. Klar, in den Juniorenbundesligen liegen die Talente und Fähigkeiten ganz dicht beieinander. Es entscheiden oft nur Nuancen (und selbst diese Nuancen können Experten nicht immer richtig erklären – besonders nicht den Eltern gegenüber oder dem Spieler, der vielleicht gerade „aussortiert“ wurde).

Fakt ist, jeder seriös arbeitende Scout, ist nur seinem Auftraggeber und sich selbst verpflichtet (wenn er auch mal ohne Auftrag unterwegs ist). Jeder Scout sollte vom jeweiligen Verein und dessen Trainer gut „gebrieft“ sein.

Die Kriterien, nach denen die Scouts beobachtete Spieler bewerten müssen, sind „haarklein“ festgelegt.

Man spricht auch von der Bewertungsmatrix, und die kann in etwa so aussehen, aber variiert auch manchmal, je nach Schwerpunktlage des suchenden Clubs:

  • Körper (Größe, Gewicht, athletisch, kompakt, quirlige Bewegungen, etc.)
  • Ballfertigkeiten, Technik, Ballannahme, Ballmitnahme (zügige, fließende Bewegungen?)
  • Schnelligkeit (manchmal liegen bereits Daten vor, die gut in Erfahrung gebracht werden können; Schnelligkeit auf 20, 30  und 50 m – wichtige Fähigkeit beim Pressing, Forechecking)
  • Zweikampf defensiv
  • Zweikampf offensiv
  • Genauigkeit beim Passspiel, Kurzpass oder über weitere Distanz
  • Über weitere Distanz: Aussage über Genauigkeit bei der Spieleröffnung
  • (Bei Torhütern, die Genauigkeit der Abschläge, etc. , Reaktionsfähigkeit; Das Scouting von Torhütern übernehmen spezielle Scouts/ fast immer ehemalige Keeper)
  • Ausspieltechnik, Dribblings und Finten
  • Auge und Übersicht in speziellen Spielsituationen, besonders ohne Ball (!)
  • Handlungsschnelligkeit, Partizipation, schnell Lösungen zu finden, z. B. auf engstem Raum zu improvisieren, etc.
  • Torschuss, allgemeine Schussstärke
  • Der Wille (wie verhält sich der Spieler bei Rückständen und anderen widrigen Umständen im Match? Kann er das Team mitreißen ? Kann der Spieler auch in der Verlängerung „beißen“ und an seine Reserven gehen, bzw. diese gut einteilen?)
  • und auf ein paar Nuancen achte ich ganz speziell, aber diese behalte ich vorerst für mich, weil sie mir in stundenlanger „Freiwilligenarbeit“ (unbezahlte Beobachtungen, fast wie eine Hospitation) näher gebracht wurden, eben von meinem Bekannten und ausgebildetem Fußballlehrer, selbst Profi gewesen und jüngster Coach in Rumänien.

Ein Spieler muss in der Lage sein, Fußball zu spielen, und auch das Kämpfen soll spielerisch gelöst werden. Ballkontrolle und Ballbehandlung hat seine Geheimnisse.

Ein guter Scout kann Trainer fachlich und sachlich überzeugen, manchmal können Scouts auch Transfers einleiten und „seriös und sauber“ über die Bühne bringen. Die Grenzen der Akteure sind oft fließend…

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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