EDITORIAL: Einen Berater zu haben ist schick, aber eigentlich unnötig

 Juniorenfußball: Einen Berater zu haben ist schick, aber eigentlich unnötig

(gid).

 Umstritten war der ehemalige VfB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder immer, ob im Fußball oder in der Landespolitik, aber wahrgenommen haben ihn stets alle. So meinte Mayer-Vorfelder – „MV“ war auch DFB-Präsident – über die in Mode kommenden Fußballberater bereits vor einigen Jahren: „Das Beraterwesen ist das Schlimmste, was dem Fußball passieren konnte.“ Natürlich ging es ums Geld und den Verwurf, Berater würden doppelt „kassieren“. Von den Clubs und den Spielern. Und wie man weiß, beim Geld enden die Freundschaft und das Vertrauen sehr oft. Und in Zeiten, wo viele den Gürtel enger schnallen müssen, wird auch umso härter um Provisionen und Ablösesummen gefeilscht. Oder wie ein anderer Ex-Profi und Manager meinte: „Die Berater wollen das Beste vom Profi. Und zwar sein Geld.“ Vielleicht etwas übertrieben, aber wie in jeder Branche – Es gibt solche und solche – unter den Fußballberatern, aber „mehr Solche“.  Umso größer der Aufschrei unter den Clubs, aber auch bei den Beratern, die sich für seriös halten, als die FIFA ankündigte, die Lizenzen für Spielerberater abschaffen zu wollen. In der Tat ist es ein Unding, dass immer mehr, und der Begriff ist erlaubt, „zwielichtige Typen“ den Markt bereits im Juniorenfußball überschwemmen. Bereits 14-jährigen Spielern werden „unmoralische und unseriöse Avancen“ gemacht – manchmal auch ohne Beisein der Eltern, einfach „schmierig hintenherum“ via WhatsApp und Facebook.

 Ein paar Bundesliga-Clubs reagierten bereits, und sprachen unautorisierten Beratern bereits „Platzverbot“ aus.

 Auf den Punkt brachte es nicht nur der Geschäftsführer der Spielerberater-Vereinigung in Deutschland (DFVV), Gregor Reiter: „Ich kann es doch – mit Verlaub – keinem Busfahrer oder Pizzabäcker überlassen, dass er Karrieren von Fußballspielern managt. Vielleicht auch noch von Minderjährigen.“

Seine Befürchtungen wurden längst von der Wirklichkeit eingeholt. Deshalb auch dieser Blog, der erst einmal „nebenberuflich“ entsteht. Warum? Weil ich selbst in den Genuss kam, junge Talente „nur“ als Karriereberater begleitet zu haben. Juniorenkicker, die ich als freiberuflicher Scout entdeckte – und immer nur über die Eltern den Kontakt herstellte.

Ich habe die Eltern und Spieler dann teilweise erfolgreich beraten, welche Berater, die oft „anklopften“, wirklich seriös sind. Eingeständnis: Nicht immer hör(t)en die Junioren und Eltern auf meine Wertungen, besonders wenn bereits „Geschenke“ im Spiel sind. Wer will es Ihnen übel nehmen, besonders wenn Familien aus prekären Verhältnissen kommen?

Nichtsdestotrotz, bis heute halte ich den Kontakt zu seriösen Clubs mit deren Trainern und Scouts, die immer auch den schulischen und beruflichen Weg im Auge haben.

Im Alter von 15 oder darunter, einem Spieler schon das Blaue vom Himmel zu versprechen, ist einfach unseriös! Ein seriöser Berater kümmert sich nachhaltig und all umfassend um Dinge des Alltags, ohne jedoch ALLES abzunehmen. Der Juniorenspieler soll zur eigenständigen Person erzogen werden.

Ein ehemaliger Nachwuchskoordinator und Jugendtrainer des VfB Stuttgart, zudem mein Ausbilder an der Sportschule in Ruit, meinte: „Ein Berater handelt mehr und redet draußen weniger. Außerdem ist er nicht nur dann anwesend, wenn es um eine Vertragsunterzeichnung und die Provision geht.“ Die Idee zu diesem Blog entstand auch, weil ich immer wieder von Eltern angesprochen wurde, ob ich nicht selbst beraten könnte, aber zumindest, ob ich seriöse Berater und Agenturen nennen könnte.

Das kann ich. Porträts und Biographien kenne ich, es sollen aber noch mehrere hinzukommen, die sich ebenfalls offen beurteilen lassen möchten. Authentisch bodenständig ohne „Märchengeschichten“ – selbst wenn der Fußball immer zum Träumen einlädt.

Der RUF der Berater und der Beraterbranche

Und es ist leider nicht übertrieben, wenn, wie im neuen lesenswertem Buch von BILD-Reporter KAI PSOTTA – „Die Paten der Liga“ (PIPER-Verlag), beschrieben wird: „ihr Ruf ist jedenfalls schlimmer“, als der von Immobilienmaklern und Autoverkäufern zusammen. Und weiter, in Psottas gut recherchiertem Sachbuch, „Wo Vermittler mehr Provision für sich aushandelten, als ihre Kunden dann bei ihrem neuen Klub verdienten. Wo Spielermanager für ihren Mandanten monatelang nicht mehr zu sprechen waren, weil es an ihm scheinbar nichts mehr zu verdienen gab…“. Das Business lockt eben nicht nur moralisch gefestigte Menschen an.

Lesenswert ist Kai Psottas Buch, über die „Paten der Liga“ auch deshalb, weil einem selbst viele Dinge sehr bekannt vorkommen.

Alles schon erlebt, von menschlicher Tiefe bis zur absoluten Dreistigkeit. Belege dafür habe ich in den vergangenen Jahren gesammelt, auch SMS- oder Email-Texte „schwarz auf weiß“, wo sich die Berater nicht einmal schämten, für das, was sie schrieben. Da tun einem die Juniorenspieler dann schon ein wenig leid. Aber: Auch menschlich soll der Spieler ja an Erfahrungen wachsen.

Seriöse Berater, manchmal auch (Sport-)Anwalt in Personalunion, darunter z. B. Sportrechtler Christoph Schickhardt aus Ludwigsburg, sind der Meinung: „Rund 25 Prozent beraten gut und seriös“, aber ansonsten tummeln sich etliche Scharlatane der schlimmsten Kategorie – aber mit Bauernschläue ausgestattet – auf diesem Markt der Träume.

Fakt ist, soweit meine Erfahrungen bisher, gute talentierte und spielstarke Junioren sind bisher immer durch Leistung aufgefallen, und wurden von Scouts und den Klubs direkt über die Eltern kontaktiert. Es geht immer über die Leistung – und dann haben die Eltern und der Spieler noch Zeit genug, wenn unbedingt nötig, einen Berater auszuwählen. Oftmals, und das sage ich immer wieder, reichen: „Der gesunde menschliche Verstand, Authentizität, und ein guter Anwalt.“ Aber, ich hörte auch immer wieder: „Mann Deriu, jeder hat doch im Team einen Berater.“ Immer dann, wenn ich im Alter von 15 oder 16 gegen einen Berater anreden wollte.

Zu meiner Tätigkeit als „Karriereberater und Planer“ im U17 bis U19-Bereich gehört:

  •  Kontakt zum Trainer, zum Scout und zum Nachwuchskoordinator zu halten

 

  • Und stets (!) die Eltern zu informieren, auch und besonders bei unpopulären Entscheidungen des Klubs

 

  • Der weit größere Teil macht die Kontaktpflege zur Schule des Schützlings aus; als gelernter Dipl. Sozialpädagoge natürlich eine Selbstverständlichkeit

 

  • Schule – Eltern – Pädagogische Leitung im Klub des Spielers, müssen an einem Strang ziehen. Ich fungiere nur als Vermittler.

 

  • Hilfestellung und Analyse beim Profiling einer möglichen Agentur oder eines Beraters.

 Außerdem fielen immer wieder, auch bei ausländischen Jugendspielern, immer wieder Tätigkeiten und Korrespondenzen mit Behörden an, wenn z. B. die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt wurde. Ein wichtiger Punkt und ein neuer Abschnitt für den Juniorenspieler zwar, aber auch eine Herausforderung wenn, wie oben beschrieben, die „Scharlatane“ plötzlich den Spieler mit dem deutschen Pass umgarnen – mit allen Mitteln.

Da geben sie sich als seriöse Berater, die aber, teilweise wirklich, Immobilienmakler, Autoverkäufer oder Internetcafé-Besitzer im Hauptberuf sind.

Ein Markt der Eitelkeiten.

Dieser Blog soll also auch als Austausch-Plattform dienen, und meine Zuarbeiter und ich wollen ein Stück weit für Offenheit sorgen. Porträts von Trainern, Scouts und Beratern beschreiben, denn die Guten leisten immer seriöse Arbeit. Welcher Klub kann es sich schon leisten, von unseriösen Beratern unterwandert zu werden? Ein Fakt ist auch, Juniorentrainer stehen zwar nicht immer im Fokus, aber dennoch unter Druck.

Verdienen tun sie oft eher als Freiberufler oder nebenberuflich. Und da wundert es dann nicht, dass selbst Junioren- und Auswahltrainer(!) empfänglich sind für monetäre Zuwendungen – von Beratern, die gern ihre Spieler erfolgreich platzieren. Auch hier wurden mir in der Vergangenheit haarsträubende Geschichten „gesteckt“. Manche wirkten übertrieben, ein paar aber stimmten, als ich „gegen-recherchierte“.

Dennoch an alle Juniorenspieler, die täglich hart trainieren, um dem Traum vom Profi näher zu kommen, und an alle Eltern, die ihre Kinder gern und oft unterstützen, und selbst Opfer bringen:

Es gibt sie natürlich, die seriösen Berater. Aber, Obacht ist immer geboten, denn sonst heißt es nämlich, wie im Buch von Kai Psotta: Manager lügen. Trainer lügen. Spieler lügen. Unverfroren.

Ohne mit der Wimper zu zucken.

Oft machen die Berater den Anfang.

Wer will das schon, ständig in einer falschen Wirklichkeit leben, in der man niemandem trauen kann? Die Persönlichkeit leidet irgendwann, und nimmt Schaden.

Auch das soll dieser Blog verhindern.

Man kann so, oder so Weltmeister werden. Ausschlaggebend sind Talent, Wille, und dabei immer authentisch bleiben.

In diesem Sinne

herzlichst

giovanni deriu

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Giovanni Deriu, Jahrgang 1971,
Vater, 2 Kinder,
lebte lange Zeit in Asien;

Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit.

Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist.

Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin.

Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit
Jugendtrainer-Lizenz.
In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert.
Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs.
Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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