Ein Lebensprojekt: Wer Maradonas Manager war, der hat bereits alles erlebt! Jorge Cyterszpiler prägte das Beratergeschäft wie kein anderer

Bis heute noch diskutieren Männer und Fußballkenner aller Generationen, besonders aber die, die das Alter 40-Plus haben, ob Diego Armando Maradona nachwievor der beste Fußballer aller Zeiten ist. Pelé und Maradona sind laut FIFA die Fußballer des Jahrhunderts. Einig sind sich viele mit dem verstorbenen Kult-Trainer, Ernst Happel, dass Diego Maradona wohl “ das schlampigste Genie“ gewesen sei, und nur „65% seines Könnens je abgerufen“ habe. Leider trainierte Happel den argentinischen Gaucho nie, der Österreicher (Meister und Landesmeister-Cup-Sieger=Champions League, nicht nur mit dem HSV) lehnte einst das Angebot des SSC Neapel ab. Happel: „Da wäre der Vesuv ausgebrochen.“

Soll heißen, Training in der Garage seiner Villa (und da nur Balljonglieren) hätte Happel nie geduldet. Gerade einmal 95 von möglichen 230 Trainingstagen nahm Maradona aktiv mit dem Team an den Übungen teil. In Barcelona, und später beim SSC Napoli tickten die Uhren anders, die Trainer akzeptierten es wie die Mitspieler teils murrend, aber, den Wert, einen Maradona im Team zu haben, erkannten sie alle – Lockenkopf Maradona machte seine Mitspieler reich. Zwischen den 1980er und 90er-Jahre prägte Maradona wie kein anderer das Fußballbusiness. Und, Diego hatte nur den Ball im Kopf, und seine Familie. Business? Hauptsache das Geld war da. Darum kümmerte sich Jorge Cyterszpiler, ein kleiner stämmiger Mann, jüdischer Abstammung (die Familie immigrierte einst aus Warschau; sie hießen Zitherspieler), war schnell von Maradonas Können und Talent seit dessen 16. Lebensjahr überzeugt. Früh sicherte sich Jorge Cyterszpiler, heute überall in der Welt unterwegs und daheim, die Rechte, Maradona zu „vermarkten“ – und das gekonnt wie geschäftstüchtig. In jedem Zirkus der Welt hätte Maradona das Publikum unterhalten.

Die Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko entschied Maradona fast im Alleingang, darunter allein im England-Match, das Tor durch „die Hand Gottes“, um dann noch das Dribbling des Jahrhunderts draufzusetzen. Belgien erledigte „Dieguito“ ebenso allein. Noch heute Dauerbrenner auf Youtube.

Kaum auszudenken, was gewesen wäre, hätte Diego Maradona seine Drogenexzesse und Gesundheitsprobleme nicht gehabt, seine Weste wäre ganz weiß geblieben, aber so…?

Nichtsdestotrotz, aus ärmlichen Verhältnissen stammend, kannte Diego nur den Fußball. Dass Diego Maradona auf Jorge Cyterszpiler traf, ist bis heute, obwohl beide mehr trennt als vereint nach all den Jahren, ein Erfolg. Cyterszpiler, der noch heute wichtige Südamerikanische Spieler mit seinem Agenten-Team betreut, schwelgt nie gern in Nostalgie, und will zu seinem einstigen „Schützling“ auch nimmer viel sagen. Viel haben sie zusammen erlebt, aber auch groß waren Jorges Cyterszpilers Enttäuschungen über Diego. Kaum richtig flügge, hörte Maradona auf andere „Einflüsterer“.

Dass während der Napoli-Zeit auch die Mafia ihre Hände im Spiel hatte (wie sonst hätte der SSC die damals hohe Ablösesumme von 24 Millionen stemmen können? Dazu noch Maradonas Gehalt und die Apanage für dessen Großfamilie?), steht außer Frage. Sauber blieb immer nur einer, und das wohl zurecht, Agent Cyterszpiler, ebenfalls ein Familienmensch durch und durch.

Auch er lässt es heute ein wenig ruhiger angehen, und offizielle Interviews, schon gar nicht zur Zeit mit Maradona, gibt Jorge gar nicht.

Wer ihn kennt, schätzt das lose „Fußballgeplänkel“ am Telefon oder via WhatsApp, mehr aber nicht!

„Tempi passati“, so Jorge Cyterszpiler.

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(Screenshot; ein Foto aus vergangenen Tagen)

Vergangene Zeiten. Ganz vom Fußball lassen kann er nicht, aber Fakt ist, auch ohne den Fußball und speziell ohne Maradona, hätte es Cyterszpiler bestimmt weit gebracht. Geschäftstüchtig ist der Argentinier mit polnischen Wurzeln jedenfalls, und immer noch ein gern gesehener Gast in Europas Top-Ligen. Ob England, Deutschland oder in Italien und Spanien – gute südamerikanische Spieler vertrauen noch immer seiner „Staff“.

Cyterszipler regelte damals alles für Maradona und dessen Familien-Clan.

Maradona „vermarktete“ Cyterszpiler zu einer Zeit, als der Fußball zwar schon Show und Business bedeutete, jedoch noch in den Kinderschuhen steckte – gemessen an heute.

In einem Spiegel-Artikel, Mai 1982, hieß es unter anderem:

> (…) Jetzt hat Jorge seinen mächtigen Bauch hinter einem Schreibtisch versteckt und ist dabei, zwei irischen Reportern, die ein Interview mit Maradona machen wollen, die Preisliste vorzulesen: für ein Zeitungs-Interview 1000 Dollar, für ein Fernseh-Interview 5000 Dollar. Einer der beiden Iren ist Photograph. Das sieht Jorge höchst ungern, denn wofür hat die Firma Maradona einen Photographen angestellt, der den ganzen Tag nichts anderes macht, als den Star zu photographieren. Die Bilder kann man kaufen; für wenig Geld, behauptet Jorge.(…)<<

Ob Kurztrips und Auftritte zur Autogrammstunde in Kaufhäusern bis nach Japan, Cyterszpiler hatte alles im Griff, und machte Diego reich. Geschätzt wird, dass bereits in den 80er-Jahren eine Autogrammstunde (die meist nur 30 Minuten dauerte) bereits einen Wert von 1000,- $ ! hatte. Kaufhausauftritte in Asien, Japan und in Hongkong, ließ Cyterszpiler mit einer Gage von bis zu 40.000,- DM damals festlegen. Da lohnte sich ein 12-stündiger Flug schon mal.

Klar, heuer sind die Zahlen bei einem Cristiano Ronaldo oder Messi weit höher, aber Maradona war ein Unikum. Und Cyterszpiler dessen Manager, Sozialarbeiter und väterlicher Freund – bis zum Bruch.

Telefonate (in der Warteschleife des argentinischen Festnetzanschluss‘ in Jorges Office in Buenos Aires ertönen aufgzeichnete Live-Reportagen mit Torschrei) oder WhatsApp-Kommunikationen laufen stets nach dem selben Muster, einsilbig (in einem italienisch-spanischem Kauderwelsch):

Jorge: „Deriu, Du versuchst es immer wieder! (lacht laut), kein Interview mit Niemandem, und nichts zu Maradona…!“

Meine Fragen kann man sich im weiteren Verlauf hinzu denken

Jorge: „Vergangene Zeiten. Tempi passati. Ich gebe nie Interviews…schlechte Erfahrungen“

Jorge: „Heute verdienen viele Spieler mehr Geld mit weniger Talent…!“

Jorge: „Die Familie ist und bleibt immer das Wichtigste“

Jorge: „Bin viel in Spanien unterwegs…“

Jorge: „Ok, Profile zuschicken“

 

Jorge: „…bin bis Ende September in Europa“

 

Jorge: „…bis bald mein Freund und eine große Umarmung von Herzen…“

 

So ist Jorge Cyterszpiler, der „weise Mann“ und Vorgänger aller Berater der Generation 4.0

Aber, es sind oft die einfachen Dinge, die einen Berater (wie Cyterszpiler) ausmachen – diese zu ergründen, darüber nachzudenken, das sollte jeder Berater oder Agent für sich in einer stillen Stunde machen.

 

Cyterszpiler liebt sein Leben und die Familie, ist aktiv, schätzt gutes Essen im Kreise von Freunden und schaut viel Fußball – auch im Zeitalter nach Maradona…

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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