England, Premier League: Antonio Conte festigt die Tabellenführung mit einer taktischen Meisterleistung – Guardiola hadert mit City über die vergebenen Chancen

Das 3:1 bei Manchester City von Pep Guardiola, sei ein Sieg des „Charakters“ gewesen, hält der ehemalige italienische Nationaltrainer und Chelsea-Coach, Antonio Conte, nach dem Match fest. Zum Ärgernis der Journalisten blieb Conte der anschließenden Pressekonferenz fern, die Begründung: die frühe Rückfahrt mit dem Zug sei schon zu früh gebucht gewesen.

Außerdem wird nun immer ersichtlicher, dass Contes, zum Anfang oft kritisierte 3-4-3, endlich Früchte trägt. Platz Eins und acht Siege in Folge sprechen eine deutliche Sprache, während Pep Guardiolas Team mit Umstellungen, Unsicherheiten und Emotionen zu kämpfen hat. Dennoch, so Pep, sei er stolz auf die Leistung seines Teams, diktierte der smarte Katalane den Journalisten in die Notizblöcke.

Antonio Conte, dieser „Emotionsbolzen“ und Derwisch an der Außenlinie (das englische Publikum von Chelsea liebt ihn), hielt fest, dass dieser Sieg bei ManCity nur auf Grund der geschlossenen Teamleistung, des „speziellen Spirits“ und der Laufleistungen möglich gewesen sei. Außerdem, obwohl noch „ausbaufähig“, hielte sich sein Team derzeit absolut an die taktischen Vorgaben. Das zu Beginn oft kritisierte 3-4-3-System scheint der Mannschaft von Chelsea nun in Fleisch und Blut übergegangen zu sein. Es liegt der Mannschaft. Conte lobte sein Team, hob aber die Leistungen von Fabregas und Diego Costa hervor. Dass bei ManCity Agüero und Fernandinho des Platzes verwiesen wurden, spielte den Blues natürlich in die Karten, aber Conte hatte sein Team einfach gut eingestellt.

Dass es ein Duell zweier Spitzenmannschaften auf Augenhöhe war, beschreibt auch die sehr gute Analyse auf Spielverlagerung.de, http://spielverlagerung.de/2016/12/03/manchester-city-chelsea-1-3/

Sehr früh presste Contes Team gegen die Mannen von Pep Guardiola, so dass es die Abwehr oft mit Lupfern und hohen Bällen gegen die anrennenden Chelsea-Angreifer versuchte, hauptsache weg mit dem Ball.

Symptomatisch war aber auch, dass Pep Guardiolas Team nur durch ein Eigentor von Cahill in Führung ging. So hieß es 1:0 zur Halbzeit. Guardiola ließ eher raumorientiert agieren, Conte setzte partiell auf Manndeckung-/Übernahme, nach 60 Minuten glich Costa aus – „er nutzt auch keine Torchancen“, so Mister Conte – und Willian brachte Chelsea zehn Minuten später in Führung.  Eden Hazard machte dann in der 90. Minute alles klar, die Hausherren erhielten eine herbe Lektion. In der Nachspielzeit hatte Agüero seine Nerven nicht im Griff, und flog vom Platz – er wird den Citizens wohl länger fehlen.

Man muss aber auch festhalten, dass Guardiolas Team phasenweise nach der Halbzeit dem 2:0 näher war, als Chelsea dem Ausgleich, der ja auch fiel. So ist es dann aber auch ganz klar die Sache des jeweiligen Trainers, wie intelligent und aktiv er auf sein Team einwirkt.

Einmal mehr bewies Conte, dass er seinen Teams bisher immer das nötige taktische und systemrelevante „Rüstzeug“ vermittelte, um in großen Spielen zu bestehen. Ob wie bei der letzten EM gegen Spanien, sowie früher oft mit Juventus Turin, so zeigte Conte auch am Sonntag, wie sich sein Team aus einer Drangphase des Gegners gekonnt befreite, und anschließend selbst das Spiel drehte.

Guardiola hatte sein Team gleich auf mehreren Positionen verändert, und im Nachhinein muss die Frage erlaubt sein, ob das nötig gewesen wäre, nach zuletzt sechs Siegen. Es ist eben die hohe Kunst und Intelligenz der Trainer, nach welchen Kriterien und Informationen vorab, sie ihre Stammformationen verändern.

Vom stets „schlaflosen“ Conte weiß man ja, dass er bis in die Nacht über das kommende Spiel grübelt und nachdenkt, und mindestens sechs bis sieben Alternativen hat, um auf Situationen des Gegners einzugehen, eben Plan A, Plan B, Plan C, Plan D…

Nur in einer spielfreien Zeit, schläft Trainer Conte nachts ruhig durch.

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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