Fußball-Karrieren, Die Überraschung im DFB-Kader des Confed-Cups: Jogi Löw nimmt Amin Younes von Ajax Amsterdam mit. Verdientermaßen! Der Ball gehorcht Younes

Bundestrainer Jogi Löw hat immer wieder erwähnt, dass er sich schon als Fußball-Ästhet sieht. Dementsprechend hat Löw auch über Jahre die deutsche Elf und deren Spielweise „umgebaut“, zum Verzücken der Fans, und dass 2014 die Weltmeisterschaft daraus resultierte, war die Krönung. Löw geht seinen Weg weiter, das Ziel ist klar die Titelverteidigung in Russland 2018. Vom 17. Juni bis zum 02. Juli nehmen neben Deutschland auch Russland, Portugal sowie Australien, Kamerun, Neuseeland und Chile als auch Mexiko am Confed-Cup teil. Und einer freut sich heute wohl ganz besonders, dass seine Leistungen der vergangenen Monate, auch in der Europa-League, endlich honoriert wurden: Amin Younes, von Ajax Amsterdam ist im Kader.

Manchmal gilt der (Fußball-)Prophet im eigenen Lande nicht viel. Wer sich dann, wie der 23-jährige gebürtige Düsseldorfer Amin Younes nicht beklagt, dass ihm in Deutschland und der Bundesliga andere vorgezogen wurden, stattdessen seinen (eigenen) Weg in Demut und Entschlossenheit geht, sich bei einer spielerischen Mannschaft, wie der von Ajax Amsterdam durchsetzt, der hat es auch verdient, dass der Weltmeistercoach Löw ihn ins Nationalteam nominiert.

Wir als Fachkundige, wenn auch mit weniger Recherchemittel als die Kollegen beim DFB, wunderten uns aber schon länger, nicht erst seit Younes‘ genialen Europapokal-Auftritten, weshalb der Junge nicht wieder ins Visier von Bundesliga-Teams, sowie der, der Nationalelf, gelang. Aber, man möchte fast hinzufügen, dass die Ajax-Schule, wenn auch spät, einen Spieler immer weiter bringt. Und davon konnte sich jeder überzeugen, als Younes gegen Schalke und Lyon traf – aber nicht irgendwie, sondern immer zum „Zungeschnalzen“. Jogi Löw spricht davon, dass es besonders auf dem Gebiet „Eins gegen Eins“ kaum stärkere Spieler wie Amin Younes gibt. Vier Tore erzielte er im laufenden Europapokal-Wettbewerb.

Ausgerechnet beim großen niederländischen Traditionsclub Ajax Amsterdam, dem Jahrhundertverein Hollands mit dem berühmten „Fußball total“, macht Younes als Deutscher eine starke Karriere momentan. Die Holländer und ihre Mentalität passen zu Younes, und auch zu seiner Statur, nur 168 cm, und wirkt dennoch wie ein Großer auf dem Platz. Ihm merkt man noch die Leichtigkeit des Spiels an, sehr ungezwungen, und mit viel Spaß und Esprit bei seinen Dribblings, aber genauso bei seinem Passspiel. Ein neuer Iniesta(?), ein Cocu (?), wenn auch auf anderer Position, oder gar ein Mesut Özil(?), auch nicht ganz, aber Younes bringt einen ganz eigenen Style mit – und der fasziniert nicht nur Bundestrainer Löw.

Beim SG Unterrath erlernte der gebürtige Deutsche mit libanesischen Wurzeln das Kicken. Der Vater hatte ihn dort angemeldet im Düsseldorfer Norden.

Von 2000 bis ins Jahr 2014 diente er sich von Borussia Mönchengladbachs Junioren über die Zweite hinein in den Bundesliga-Kader, um dann aber doch an den 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen zu werden, wo es auch eher durchwachsen lief, warum auch immer.

Seit fast anderthalb Jahren ist Amin Younes nun bei Ajax, und es scheint, er sei „angekommen“. Younes machte wohl einen Sprung, wie kaum ein anderer in dieser schön wie schnell spielenden Mannschaft – das wird evtl. auch noch Mourinhos ManU im Finale von Stockholm erfahren.

Ganz fremd ist Younes das Umfeld des DFB natürlich nicht, spielte er doch seit der U16 bis zur U21 immerhin 45 Mal für Deutschland, und wurde bei der U21-EM 2015 unter Trainer Hrubesch im Spiel gegen Dänemark gar zum „Man of the Match“ mit nur einer Torvorlage gewählt. Kevin Volland hatte zwei Mal getroffen. Was uns das sagen soll? Younes hat eine Art zu spielen, die viele fasziniert, und sie (seine Fußballkunst) zeigt dennoch, dass Younes stets die Kameraden im Blick hat, und falls nicht, trifft er auch mal selbst…

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Giovanni Deriu, Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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