Kurz-Umfrage: Wie das Verhalten und die Qualität der Trainer im Juniorenbereich kontrolliert, und wie gehandelt wird! Die neuen Medien gelten nur zu Informationszwecken!

Auch im Juniorenbereich stehen die Trainer unter Beobachtung und unter (Erfolgs-)Druck, selbst wenn der Erfolg im Juniorenbereich bestimmt nicht nur über Ergebnisse zu definieren ist.

Aber gerade im Nachwuchsbereich muss und darf man von den Übungsleitern viel verlangen, was Trainingslehre und Soziales betrifft. Ob mit oder ohne Studium, ein Nachwuchstrainer, muss der Altersstufe seiner Spieler entsprechend pädagogisch und psychologisch angemessen handeln. Trainer im Kinder- und Jugendlichen-Bereich sind immer auch Vorbilder. Soll heißen, sie können NIE Dinge verlangen, die sie selbst nie einhalten. In unserer Mini-Umfrage, nach dem uns über ein Jahr lang teils haarsträubende Geschichten erreichten, befragten wir 30 Klubs zwischen der 1. Bundesliga, über die 2. Bundesliga bis hin zur 3. Liga und wir schrieben auch ein paar Regionalligisten an. Die Resonanz war so hoch zwar nicht, aber die, die uns antworteten, zeigten, dass sie das Thema, aber die Qualität in ihrem Verein selbst, sehr ernst nehmen. Und, Alles in Allem, können die Eltern beruhigt sein, denn die Nachwuchstrainer werden in der Tat kontrolliert.

Teils hatten wir es selbst erlebt und waren wie andere Eltern Zeuge, dann wiederum bekamen wir Anrufe und Emails (bestimmt nicht nur von frustrierten Eltern, sondern auch von Vätern und Müttern, deren Kinder zur Stammelf gehörten), die beschrieben, wie sich einige Trainer im Nachwuchsbereich, vor allem bei Proficlubs aufführen und verhalten würden. Anfangs wollten wir es nicht glauben, bis wir es ja selbst mitbekamen.

Trainer mit falscher Ansprache, z. B. im U12-Bereich wie mit Erwachsenen zu reden und zu trainieren, oder aber, Kinder sogar in der Gruppe „abzukanzeln“, Ausdrücke am Spielfeldrand (zwar ganz selten, aber auch – die Konsequenzen folgten aber auch sofort!), Trainer, die ständig, auch während des Trainings mit dem Handy am Ohr zu sehen waren, oder ständig darauf (Nachrichten?) tippten. Von einer Veröffentlichung eines eindeutigen Fotos wurde uns abgeraten…

Deshalb starteten wir zwar auch, aber nicht nur, eine Umfrage, die Idee war schon etwas älter, aber wurde daher plötzlich etwas drängender.

So stellten wir die Fragen bei unserer Erhebung, und im Anschluss können Sie die Antworten unserem Bericht entnehmen:

  1. Wird das Verhalten und die Vorbildfunktion der Trainer, fernab von den Ergebnissen, auch vom Verein regelmäßig kontrolliert, oder unter die Lupe genommen?

2. Wann reagiert der Verein, bzw. der Jugenkoordinator, oder NLZ-Leiter?

3. Unser Leben und Umfeld wird immer schnelllebiger, Medien spielen eine große Rolle, wie kommunizieren die Trainer? Wird WhatsApp bevorzugt, oder sollen sich Trainer nur an den Email-Verkehr mit Jugendlichen und deren Eltern halten?

4. Welche Konsequenzen gibt es für Juniorentrainer, die auf dem Platz, während des Trainings z. B. ständig auf Ihrem Smartphone Nachrichten prüfen oder gar telefonieren würden? Wenn sich Trainer mehrmals unbegründet verspäten, und auch sonst von Vorgaben total abweichen. Müssen sie dann intern zur Fortbildung?

Viele schwärmen zur Zeit vom „Leipziger Weg“, dem Fußballumfeld, und von der Profi-Elf des RB Leipzig, und das zu Recht. Der Weg der Leipziger zeigt seit etwa sechs Jahren kontinuierlich nach oben – dass die Leipziger finanziell schon durch ihren Mäzen gut aufgestellt sind, ist das Eine, das andere aber ist, dass der Klub das Geld auch gut investiert, und zwar, in die Besten der Besten auf ihren jeweiligen Gebieten, sowie in eine gute Infrastruktur, die den Weg für einen lanfristigen und erfolgreichen Fußball bietet. Die Nachwuchsabteilung mit ihrem Internat, mit den Pädagogen, den Ernährungsberatern, aber mit den geschulten Trainern allgemein, sucht ihresgleichen. Geld wird natürlich in die Ausbildung der besten Talente investiert – aber diese Talente gilt es, erst einmal aufzutun, zu entdecken.

Ralf Rangnick, Fußballlehrer und RB-Sportdirektor (Leipzig und Salzburg), hat früh dafür gesorgt, dass nur Experten ihres Faches bei RB das Sagen haben, und für Qualität sorgen. So folgten Rangnick schon früh der ehemalige Trainer, Ausbilder und Jugendleiter des VfB Stuttgart, Thomas Albeck und Frieder Schrof (der freundliche und grauhaarige Internatsleiter), nach Leipzig. Sehr schnell wurde auch dem VfB klar, dass er somit zwei absolute Fachmänner aus dem Juniorensektor verloren hatte, die für etliche Meisterschaften verantwortlich waren.

Jedenfalls ordnen und strukturieren Albeck wie Schrof nun den Juniorenbereich bei Leipzig – ebenso erfolgreich und nachhaltig.

Mit unseren Fragen konfrontiert, antwortete Frieder Schrof als Nachwuchs- und Akademieleiter recht zügig. Schrof antwortete wie ein Fachmann, der genau weiß, was bei ihm im Klub läuft, wofür er und andere die Verantwortung tragen, das „QM“, das Qualitätsmanagement, steht ganz oben.

„Die von ihnen geschilderten und abgefragten Verhaltensweisen von Trainern werden zumindest in Profivereinen kaum vorkommen…“, so Frieder Schrof zu uns, in der Überzeugung, dass der Profibereich im Großen und Ganzen sauber sei, und solche Verhaltensweisen von Trainern, keine Chance hätten. Ja, aber es gibt sie eben.

Frieder Schrof mit fester Überzeugung, was seinen RB betrifft: „Auf jeden Fall legen unsere Nachwuchstrainer ein professionelles Verhalten an den Tag, so dass wir mit anderweitigen Verhaltensweisen nicht konfrontiert werden.“

Ebenso schnell und fachlich professionell antwortete uns Markus Rüdt, Administrativer Leiter (des) Nachwuchsleistungszentrum, VfB Stuttgart. Obwohl nun in der 2. Bundesliga, und auch die U19-Junioren momentan eine schwere Zeit durchmachen, ist und bleibt der VfB im Ländle immer noch eine gute „Ausbildungsstätte“ mit Tradition. Der VfB hat ein großes Einzugsgebiet, was Talente betrifft, gerade arbeitet man aber wieder verstärkt daran, die besten Trainertalente(!) zu holen und zu binden.

Markus Rüdt als administrativer NLZ-Leiter beim VfB Stuttgart, zeigt, dass die Qualitätsstandards sehr im Fokus stehen. Die Entwicklung der Mitarbeiter stünden in der Agenda des VfB immer ganz oben, und seien wichtig, „insbesondere, da die Trainer eine wichtige Vorbildfunktion einnehmen“, wird deren tägliche Arbeit ganz eng begleitet. Über Sanktionen oder Details der Zusammenarbeit und Qualitätskontrolle bei Trainern, wollte Markus Rüdt (wie auch andere NLZ-Leiter) nichts konkretes sagen, das sei „vertraulich“, und bat dafür um Verständnis. Aber die Aussage kam professionell und authentisch bei uns an.

Auch im Schwäbischen, beim 1. FC Heidenheim, koordiniert und stukturiert Fußballlehrer Bernhard Raab die Nachwuchsabteilung des Zweitligisten. Die Juniorenarbeit kennt Raab aus dem Eff-Eff. Der Fußballlehrer ging auf unsere Fragen ausführlicher ein. Beim FC Heidenheim wird wirklich nichts dem Zufall überlassen (Klagen sollen gar nicht erst aufkommen), und die Trainer, so Bernhard Raab, würden regelmäßig „im Trainings- und Spielbetrieb vom sportlichen Leiter“ beobachtet. Außerdem erfolge auch immer ein „zeitnahes Feedback“. Man würde auch „unmittelbar“ nach einem Fehlverhalten reagieren – toi, toi, toi, war das bisher unter Raabs Führung noch nie nötig.

Auch zu den (gängigen) Kommunikationsmitteln nahm Raab Bezug: „Sämtliche Kommunikationsmittel, Telefon, Email, auch WhatsApp, werden genutzt – allerdings nur für informative Zwecke.“ Sollten Probleme auftreten, würden diese immer in einem persönlichen Gespräch angesprochen und geklärt – so die Richtlinie für Trainer und Spieler.

Sollten tatsächlich härtere Konsequenzen notwendig werden, auch dafür hat Raab einen klaren Ablauf: „Sollte das vorkommen, würde der erste Schritt ein klärendes Gespräch sein“, im Wiederholungsfall würde die Trennung stattfinden. Aber, so Raab, und da ist er überzeugt wie auch Frieder Schrof in Leipzig: „Solche Trainer wären nicht die richtigen für uns…“

Aus dem Norden meldeten sich zwar auch ein paar wenige Vereine zurück, aber am aussagekräftigsten war die Antwort von Werder Bremen, durch den Sozialpädagogen im Leistungszentrum, Daniel Mentzel.

Einmal im Jahr finden beim SV Werder Bremen „Mitarbeitergespräche zwischen dem sportlichen Leiter des NLZ und den Trainern statt“, so Mentzel. Der Sozialpädagoge betont außerdem, dass gerade geplant werde, „dass unser Sportpsychologe das Trainercoaching mit unseren Trainern der U15, U16 und U17 beginnt.“ Es sei auch klar, so Mentzel weiter, dass die Trainer natürlich einer Vorbildfunktion nachkommen „müssen“, sie genießen aber auch Vertrauen und Freiheiten, die der Vorbildfunktion aber nicht schaden dürfen.

In Extremfällen, so Daniel Mentzel, würde es sofort zu einem Gespräch kommen mit der Sportlichen Leitung des NLZ. Der Sportpsychologe „ist auch bei einigen Spielen dabei und beobachtet viel“, so Mentzel.

Aber auch Sozialpädagoge Mentzel erwähnt, dass er in seiner Zeit im Fußball und bei Werder Bremen, ein „solches Fehlverhalten“ noch nie erlebt habe. Wenn aber ein Verhalten nach „Außen untragbar wäre“, würde eine Reaktion umgehend erfolgen.

Die Kommunikation in WhatsApp-Gruppen finde statt, in der auch immer ein Trainer involviert sei, um Aktualitäten mitzuteilen. Ansonsten aber, erwähnt Daniel Mentzel, finden beim SV Werder Bremen dreimal im Jahr „Gespräche zwischen den Trainern und den Spielern“ statt. Es sind die üblichen Entwicklungs- und Zukunftsgespräche. Es gehe immer um transparente Prognosen und Einschätzungen. „Bei Bedarf kommen auch der Sportpsychologe und der sportliche Leiter hinzu.“

Im U15-Bereich seien auch immer die Eltern anwesend.

Aber ganz klar gibt es bei Werder auch die Richtlinie: „Handys sind auf dem Trainingsplatz nicht erlaubt.“ Es würde sofort Strafen für ein solches Verhalten geben, aber die sportlichen Leiter des jeweiligen Jahrgangs sind sowieso auch beim Training regelmäßig dabei. Mentzel zu Verspätungen: „Auch für diese gibt es einen Strafenkatalog.“

Die Klubs, die uns ausführlich antworteten zeigen uns und ihnen als interessierte Leser, wahrscheinlich auch viele Eltern darunter, dass die Vereine offen und transparent sind – allen ist es wichtig, die Qualitätsstandards stets zu garantieren.

Wir wissen auch, dass es nur wenige „negative Ausreißer“ gibt, aber diese haben im Juniorenfußball einfach nichts zu suchen…

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Giovanni Deriu, Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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