Kurzer Einwurf: Die Juniorentrainer und NLZ-Leiter sollten sich an ihrer Club-Philosophie messen lassen! Spieler werden zu oft unnötig lang blockiert!

Seit etwa drei Jahren wird es von Jahr zu Jahr schlimmer, besonders während der Transferphase, wenn zwischen April und Juni die Mannschaftskader erstellt werden.

Ich fasse mich heute kurz, auch wenn ich es seit Wochen mitbekomme, und ich bereits an anderer Stelle darüber berichtete. Etliche Probetrainings finden ja bekanntlich im April und besonders im Mai statt – aber auch heute noch suchen „ausrangierte“ oder „ausgemusterte“ Talente noch nach Mannschaften, die sie aufnehmen könnten. Einige Spieler bleiben cool, andere reagieren nervöser und gereizter.Stand heute, signalisierten mir ein paar Trainer und NLZ-Leiter sowie Nachwuchskoordinatoren und Chefscouts, dass die Kader bereits bei einer 95%igen Auslastung sind. Natürlich wird auch überlegt, welche Internatsplätze vergeben werden. Manche Clubs zwischen 1. Bundesliga und 3. Liga haben noch gar kein Internat, hier müsste man dann auch noch die Unterkunftsfrage mit berücksichtigen, selbst wenn der Spieler interessant würde für das Team. Zeit ist Geld, für beide Seiten.

Dass sich die Clubs mit NLZ untereinander absprechen, welcher Spieler gerade wo sein Probetraining absolviert, ist schon korrekt. Auch, dass viele Trainer das Probetraining bestätigt wissen wollen, ist Okay.

ABER, wenn Spieler, talentierte zudem, bis ultimo „warm gehalten“ und blockiert werden, um danach im eigenen Verein doch nicht übernommen zu werden, dann hat das nichts mehr mit Fairplay im Verein selbst zu tun!

Die Vereine, so scheint es, sind immer fein raus, nehmen sich manchmal nicht einmal Zeit für eine seriöse und persönliche Stellungnahme oder ein paar Abschiedsworte. Ein paar Spieler bekamen in der vergangenen Saison ihr „Nein“ gar erst am letzten Spieltag der Saison.

Klar, Clubs können die Lücken auf Grund vieler Empfehlungen relativ schnell schließen. Sie warten einfach ab, welcher starke und reizvolle Spieler ggf. noch zusagen wird.

Deshalb: ich appelliere an die Clubs und NLZ-Leiter, die Junioren nicht so lang in Unwissenheit zu lassen! Manch einer der Spieler wittert zwar den „Braten“, manchmal auch dessen Berater, aber dennoch hofft ein jeder, dass er im Team bleiben kann, oder zumindest, früher ein Signal erhält, ob „Ja oder Nein!“

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Denn, ansonsten kann man den Leitlinien und Bildern der Vereine und ihren NLZ sowie Nachwuchsförderprogrammen keinen Glauben mehr schenken, vor allem, was sollen die Junioren lernen? (Das pseudo harte Fußballbusiness etwa, in dem es keine soziale Komponente oder Ehrlichkeit gibt??)

Wenn die NLZ-Leitlinien bei so vielen Clubs die Attribute wie

Respekt, Sportlichkeit, Fairness, Zuverlässigkeit(!) oder gar Offenheit und Ehrlichkeit  postulieren, ja, dann müssen die Trainer und Fußballlehrer oder Leiter genauso vorbildlich wirken, denn sonst braucht man diese Leitlinien nicht!

Sie sind dann schlichtweg unglaubwürdig.

An die Eltern und Spieler, so leid es mir tut, denkt mehr an Euer Fortkommen in der Karriere, fragt intern zwar immer offen, aber wenn der Club immer vage bleibt, dann geht Euren Weg, nehmt nicht zu viel Rücksicht auf den bisherigen Club, denn der wechselt Euch schnell aus, wenn ihm danach ist. Jeder, nicht nur im Fußball, ist ersetzbar.

Aber bestimmt findet Ihr als Spieler einen anderen, vielleicht, ehrlicheren und sozialeren Club (?).

 

** Gleich im Anschluss führte ich ein Gespräch mit einer Mutter, die bestätigte, dass solche „Hängepartien“ selbst im Regionalligabereich der U15 usus sei.

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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