Probetrainings und Verhandlungen: Das Selbstbewusstsein der Eltern ist sehr klein. Warum nur?

Immer wieder das Gleiche, Es herrscht wirklich die Meinung, lanciert von der Berater-Gilde(?) selbst, dass ein Juniorenspieler, im U16 bis U23-Bereich bereits einen Berater haben müsste! Aber selbst Vetreter von TopClubs und von der Berater-Vereinigung sind der Meinung, in diesem Alter braucht man keinen Extra-Berater, und selbst danach, nicht immer wirklich.

Wie berichtet, werde ich immer wieder von Eltern kontaktiert, und das ist ja auch mein Anliegen, als Pädagoge und Journalist, der die Fußball-(Junioren)-Szene seit Jahren begleitet. Ich möchte aufklären. Und noch einmal: Nicht jeder echte seriöse Berater ist per se zu meiden.

Es geht eben um seriöse und unseriöse Agenturen und Berater. Manch einer sagt zu mir, da ich ja selbst Spieler scoute und begleite, ich sei doch selbst eine Art Berater!

Nochmals Nein(!): Ich bin freiberuflicher Scout und Vermittler (auf Anfrage). Im Juniorenbereich stelle und bekomme ich nie Provisionen oder Honorare in Rechnung. Für gewünschte Spiel- und Spielerbeobachtungen dagegen schon.

Ich würde, wenn es denn überhaupt soweit käme, erst im Falle der Berufung eines Spielers in den Profikader „profitieren“ – und das finde ich mehr als fair (zu diesem Thema gibt es ja unter der Rubrik, „Fließende Grenzen der Akteure“ auf diesem Blog bereits Erläuterungen).

Der Fußball, besonders im Juniorenbereich, wird immer schnelllebiger und oberflächlicher. Deutschland ist zwar Weltmeister geworden, aber der Preis scheint hoch zu sein, die 23 Weltmeisterspieler aus dem WM-Kader heraus zu filtern. Jeder träumt davon, mit dem Hobby Geld verdienen, ggf. eine Familie ernähren zu können. Und das ist auch etwas Schönes.

Und eine gute Agentur oder ein Berater, spricht mit dem Spieler und den Eltern immer Klartext!

Und ein Berater, sollte dann auch offen und ehrlich akzeptieren, wenn ein Spieler, z. B. aus dem Bayern München-Internat, einen Kontakt zum zukünftigen Club selbst hergestellt hat!

am Beispiel: Der sehr talentierte junge Mann, nennen wir ihn einmal Max, wurde nach drei Jahren bei den Bayern nicht übernommen. Das kann vorkommen: Eine Verletzung ging voraus, dann war da ein Trainerwechsel, und schon war Max als bodenständiger Abwehrspieler nicht mehr so gefragt.

Dass Max nun beim FC Augsburg, in der U23 unterkommt, hat der Spieler selbst geschickt eingefädelt nach einer Partie. Er kannte Augsburgs Trainer, einen ehemaligen Sportlehrer.

So? Nun konsultierte mich der Vater. Und ich gebe gern Tipps und „coache“ gern vor Beratungsgesprächen. Ich bin quasi der „Berater“, der andere berät, wie man mit den (teils) abgehobenen (gar nicht so negativ gemeint, aber viele haben ja ihre Agenturen weit weg) Beratern vor einem Termin spricht, und was besprochen wird! ES GEHT schließlich immer um den Spieler!

Deshalb, vor dem Treffen mit dem „Berater“ (oder demjenigen, der es vielleicht gern werden würde) geht es darum, sich eine Wunschliste zu machen, „was wünsche ich mir/ was wünschen wir uns“. Bei einem Berater muss alles angesprochen werden können, realistische wie unrealistische(?) Fragen oder Wünsche gestellt werden können. Es gibt keine dumme Fragen . . .

Also zum möglichen Fragenkatalog an den Berater, nur am Bsp. von Max, und nur in Auszügen(!) :

(und der Vater sagte immer wieder, es gehe nur darum, dass der Junior glücklich sei und wieder spielen würde, regelmäßig)

  • Wie sehen Sie Max‘ Leistung momentan selbst? (ist der Berater überhaupt im Bilde? Wie oft schaut er im Süden zu, wenn sein Büro in Berlin ist und er ggf. 10 bis 40 Mandanten hat?)
  • Was ist denn momentan realistisch bei einem neuen Club, speziell, bei Verein XY, oder hier FC Augsburg?
  • Den Kontakt stellte jetzt mein Sohn her, was oder wie sehen Sie ihre Aufgabe?
  • Welche Strategie schlagen Sie vor ? (Also ein Berater selbst muss vor einem Gespräch, egal ob mit Spieler und Eltern, immer bestens vorbereitet sein)
  • Mögliche Probetrainings im Ausland (?).
  • Finanzielle Unterstützung? Was ist Max‘ Leistung und Werdegang dem neuen Verein Wert? Wohn- und Fahrtgeld-Unterstützung, oder Fahrten der Eltern zum Zuschauen. Finanzielle Unterstützung beim Führerschein? Oder, dass sich die Eltern bzw. der Spieler eben nicht am Internat beteiligen müssen…?

Das waren jetzt nur wenige Beispiele. Und ich fordere alle Spieler und Eltern auf, ihre Berater wirklich zu fordern! Seien Sie selbtsbewusst, und fragen Sie  A L L E S ! Letztendlich will und wird ein Berater immer partizipieren… ABER: Es geht nicht um dessen Bankkonto in erster Linie.

Seriöse Agenturen und Berater wissen, besonders noch im U17-Bereich, nach vielen Beobachtungen und langen ausführlichen Analysen:

You’ve to spend money to make money.

Es wird Geld eingesetzt, um den Spieler in seiner Karriereplanung zu stärken (z. B. zusätzliche Trainings in Absprache mit dem Club; Fahrten und Reisen zu Probetrainings; etc.)

Denken Sie immer daran, es geht in erster Linie um ihren Junior. Und Sie kennen Ihren Junior selbst am Besten!

An Euch Spieler: Hinterfragt Eure Berater!

Sagt Ihm ganz klar, wo Ihr evtl. gar nicht spielen wollt. Egal, was der Berater Euch vom Himmel runter erzählt!

Eine Familie, Vater und/oder Mutter, mit einem guten Rechtsanwalt, das reicht oft bei Verhandlungen (später).

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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