RB Leipzig: Ob Red Bull oder Rasenballsport – Wo RB drauf steht, ist Erfolg drin! Eine wahre und gute Geschichte ist als Club-Biografie im Verlag „Die Werkstatt“ erschienen. Aber, so schnell wachsen die Bäume auch nicht in den Himmel…

Eine wahre Geschichte, aber die Bäume wachsen auch für Leipzig nicht sofort in den Himmel, wie die jüngste 0:3-Niederlage gegen die Bayern zeigte. Da wollte man wohl schon zu viel auf einmal, und war sich seiner Spielweise zu sicher.

 Jedenfalls ist dem Leipziger Sportjournalisten  Ulrich Kroemer ein sehr interessantes und kurzweiliges Buch gelungen, in etwa die Club-Biographie des RB Leipzig. Erschienen ist das Buch im Verlag „Die Werkstatt“, der ja bekannt ist für hervorragende Sportbücher. „RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen“, heißt der Titel des 191-Seiten starken Buches. Wo dem RB Leipzig die Grenzen gesetzt werden, wird sich noch zeigen, jedenfalls sind die Leipziger um ihren Coach Ralph Hasenhüttl nach der 0:3-Pleite in München, wieder ein bisschen geerdet worden. Aber: erfolgreich ist die Story der Leipziger allemal. Wir fassen die Biografie ein wenig zusammen.

Es begann also alles damit, dass sich das große Brause-Imperium von „Imperator“ Mateschitz das Ziel gesetzt hatte, den großen Fußball nach Deutschland, und damit nach Leipzig zu bringen.

Dem Oberligisten SSV Markranstädt wurde quasi die Spielerlaubnis „abgekauft“, um eben als RB Leipzig starten zu können. RB hatte das Spielrecht, und so kam die kleine Fusion des SSV zum Rasenballsport Leipzig zustande. Dass mit diesem Auftrag auch Juristen bemüht wurden, unter anderem Stephan Oberholz, wie im Buch auch beschrieben wird, ist auch klar, es musste alles seine unanfechtbare Ordnung haben. Im Buch wird das ganze Procedere „Fusion Light“ genannt, und wie viele Vorbehalte gegen RB mobilisiert wurden, nicht nur von den gegnerischen Fans.

Bis heute sehen viele die Tradition des Fußballs vom Kommerz bedroht. Doch so einfach lautet die Erfolgsformel und -Geschichte der Leipziger nicht. Hinter der finanziellen Zugkraft steht ein Projekt, schließlich „kaufte“ RB bisher immer eher „unbekannte“ Talente und Spieler ein. Dafür investierte RB und sein Sportdirektor Ralf Rangnick eher in Infrastruktur und Experten auf jedem Sachgebiet des Sports.

Überhaupt setzte RB von Beginn an auf  „Visionär“ Rangnick. So steht im Buch genau, dass Red-Bull-Boss Mateschitz höchst persönlich mit dem Hubschrauber im schwäbischen Sonnenhof-Großaspach einflog, da, wo auch Rangnicks Berater Uli Ferber wohnt, um Rangnick für das Projekt zu gewinnen. Rangnick selbst, der bereits das Projekt „TSG 1899 Hoffenheim“ erfolgreich aufgebaut und implementiert hatte, war über dieses Engegament des knapp 75-Jährigen Imperium-Inhabers aus Österreich sehr angetan.

Der sparsame Schwabe überzeugte Mateschitz, dem nichts zu teuer schien, mit folgendem Satz: „Gehen Sie davon aus, dass ich mit ihrem Geld umgehe wie mit meinem eigenen.“ Es sei schließlich kein „virtuelles Monopoli“. Ab sofort zeichnete Rangnick für RB Salzburg und RB Leipzig verantwortlich, und suchte sich überall Experten zusammen, auf die er sich verlassen konnte.

Vom VfB Stuttgart folgten, z. B. in den Nachwuchs- und Scoutingbereich Frieder Schrof und Thomas Albeck (übrigens auch mein Ausbilder damals beim wfv, als angehender Jugendtrainer; Anm. der Red.).

 

Aus Schwäbisch Gmünd folgte der Spieler Dominik Kaiser, von Hoffenheim kommend, sowie der Fachmann und Trainer sowie „Bruddler“, Alexander Zorniger.

Dominik Kaiser wurde zum absoluten Fixpunkt und Führungsspieler. Von Trainer Zornigers Philosophie und Spielweise war Rangnick zwar angetan, doch menschlich waren beide Persönlichkeiten auf einer anderen Wellenlänge. RB Leipzig stieg jedenfalls mit Zorniger und Kaiser zweimal erfolgreich auf, einmal als Meister der Regionalliga Nordost, mit 14 Punkten Vorsprung auf Vizemeister Jena, das war 2012/13. Anschließend gleich als Zweiter hinter dem FC Heidenheim aus der 3. Liga in die avisierte 2. Bundesliga. (Alle Mannschaftsdaten und Fotos sowie Fakten sind im sehr guten Buch enthalten, ein Fundus der Erinnerungen). Man kann auch sagen, dass Stürmer Daniel Frahn bei beiden Aufstiegen als bester Torschütze maßgeblichen Anteil am Erfolg hatte, und auch so zur absoluten Legende wurde. Der authentische Stürmer wird im Buch ebenfalls befragt. Sein Abschied bei RB ging unter die Haut.

Dass sich Trainer Alexander Zorniger in der 2. Bundesliga „abnutzte“, hatte vielmehr mit seiner Art zu tun, wie er versuchte, selbst als Alpha-Tier, Ziele zu stecken, und Ziele des Clubs ein bisschen „herunter zu fahren“. Man müsse ja nicht unbedingt aufsteigen, ja, das war ein fataler Satz. Worum solle RB Leipzig denn sonst noch die Saison, als damaliger Tabellen-Siebter, zu Ende spielen? Rangnick, und das liest und hört man aus dem sehr guten Interview heraus, geht es immer um Entwicklung und Leistungen im Sport.

Zorniger ging, Baierlorzer brachte die Saison interimsmäßig irgendwie zu Ende, und in der kommenden Zweitligasaison sorgte Ralf Rangnick selbst für den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Leipzig stand Kopf, und Rangnick hatte einmal mehr bewiesen, dass er ein sehr guter Projekt-Manager und Trainer ist. Dass der emsige Schwabe aber nach dem Aufstieg wieder zurück treten sollte, war auch klar. Ralph Hasenhüttl war dessen Wunschtrainer für die 1. Bundesliga.

Zum System RB und dessen Spielweise und Philosophie:

 Professor Dr. Daniel Memmert, einst auch in Hoffenheim Rangnicks Zuarbeiter und Taktikexperte sowie Analyst, kommt im Buch auch zu Wort, und wir geben seine Kernsätze wieder, es lohnt sich auf jeden Fall, das Buch „RB Leipzig – Aufstieg ohne Grenzen“ schon wegen aller Interviews mit den Protagonisten zu kaufen.

 Die Grundidee, so Prof. Memmert, hinter RB Leipzigs Spiel, sei ein „frühzeitiges Pressing in der gegnerischen Hälfte“, um damit Ballverluste des Gegners in der Tornähe zu provozieren. Außerdem, „die Wahrscheinlichkeit, dass man Tore schießt, ist höher, wenn man nicht den Ball hat.“ Das höre sich zwar etwas widersinnig an, aber die Erhebungen haben gezeigt, dass diese Aussage stimme. Rangnick und seine Experten stimmen sich stets ab, und verfeinern die Taktik(en) und das System.

Zudem: ein wichtiges Merkmal sei, (fast die totale Synchronisation), dass „alle Spieler ihre Aufgaben, Räume und anzulaufenden Gegenspieler kennen“, und somit das Team wie ein Vogelschwarm agieren kann.

 Ballgewinn um jeden Preis und auch unter Zeitnot werde permanent trainiert.

 Die „Jungbullen-Zucht“, das RB-Nachwuchsleitungszentrum am bekannten Cottaweg ist zu einer hervorrangenden Adresse im Juniorenfußball geworden. Spieler wie Spielerberater und Agenten geben die Adresse gern in ihrem Navi ein, doch nicht jeder wird eingeladen oder vorgelassen. Das RB-Netzwerk verlässt sich gern auf die Expertisen der eigenen Scouts.

 Und ein Stück der, ehemals, VfB-Jugendphilosophie adaptierten Frieder Schrof mit Albeck und Rangnick (alle waren bereits beim VfB Stuttgart aktiv, als der Juniorenfußball dort noch etliche Erfolge zu verbuchen hatte) auch in Leipzig, nein, sie implementierten sie viel mehr, und machten die Philosophie für RB authentisch und passend.

 Dass im NLZ auch ein hauptamtlicher Psychologe zugegen ist, versteht sich selbtsredend. Ideen und Anregungen, für das neue 13.500 Quadratmeter große Areal holte sich RB auch in anderen Ländern und Akademien. Der überdimensionale rote Stier darf natürlich nicht fehlen – als Wahrzeichen. Wie in der gesamten Stadt Leipzig.

 Einmal die Woche sitzen alle(!) Nachwuchstrainer zusammen, und erstatten Bericht zum Entwicklungsstand in ihren Teams. Und dieser Entwicklungsstand beinhaltet nicht nur(!) die sportliche Seite…

 Den Junioren mangelt es an Nichts, ein Internatsehepaar (beide Pädagogen)kümmert sich zudem um alle Belange. „Um fairen und dennoch aggressiven Tempofußball spielen zu klönnen“, muss natürlich die Fitness stimmen, die Jungs sollen sich schon frühzeitig an ein professionelles Leben gewöhnen, es bringt sie weiter, egal, wo sie später spielen werden.

 Die Ganzheitlichkeit steht im Mittelpunkt. Dazu gehöre eben auch ein sogenanntes „Verhaltens-ABC“, das aber nicht „nur“ niedergeschrieben ist, sondern auch eingehalten werden muss, und überprüft wird!

 Kurz zusammen gefasst, auf die von Schrof übliche und ehrliche Art: „Fußball und Schule sollen im Vordergrund stehen und nicht extravagante Frisuren, die womöglich auch noch hinderlich im Fußball sind.“ Außerdem wolle man auch nicht, dass sich Spieler im jungen Alter „Tattoos stechen lassen“, in dem sie die Folgen ihres Handelns noch gar nicht absehen können, so Nachwuchsleistungszentrum-Leiter Frieder Schrof.

 Zum Abschluss, ein Verhaltens-Kodex sei zwar nötig, aber nur „Ja-Sager“ brauche man bei RB Leipzig auch nicht, die würden dann auch nicht ins ständig ballfordernde System passen. Wie sagte bereits Prof. Memmert, der Analyst? Die Spieler müssen „geil“ auf den Ball sein… und diese Philosophie steckt auch in Hasenhüttls Team – in der 1.Bundesliga…

 

 

Anmerkung in eigener Sache:

 

Ich hatte als Scout und Vermittler bereits dreimal das „interessante Vergnügen“, Spieler zu RB begleiten zu dürfen, und zwar zu Probetrainings. Das Ambiente, die Ansprechpartner sowie die Atmosphäre allgemein sind von Professionalität und echter Freundlichkeit geprägt.

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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