Spielerberater und -Vermittler / Versuch einer sachlichen Beschreibung

Der Versuch einer sachlichen Beschreibung:

Um einfach ein bisschen Ordnung in das freiwuchernde Feld der Spielberater zu bekommen, führte die FIFA (selbst aber auch stets in der Kritik) bereits 1995 ein FIFA-Reglement betreffend Spielerberater- und Vermittler ein.

(oder wie es Sebastian Greitemann in seiner Bachelorarbeit noch schöner umschrieb, die FiFA sorgte für ein Regelwerk, „Um den Wildwuchs von Spielerberatern zu kontrollieren und Spieler, sowie Vereine vor unseriösen Spielerberatern zu schützen.“) Der Fußball wandelte sich in den vergangenen Jahren immer mehr zum Wirtschaftszweig und Showgeschäft, und beide Bereich „befruchteten“ sich hervorragend. Denn der Fußball gehört (eigentlich) jedem, als „Kulturgut“ – seit aber Fußballspiele auch immer mehr im Pay-TV übertragen werden, wurde der Fußball immer mehr zur Ware. 

Die Kommerzialisierung steht im Vordergrund, und leider, so gewann nicht nur ich den Eindruck, schreckt diese Kommerzialisierung bereits im (gehobenen) Juniorenfußball nicht mehr zurück.

Fußball als Ware heißt:

Der Fußball wird von den Medien hofiert, Sponsoren und hohe Gewinnmargen gehören natürlich dazu. Ist auch nicht verwerflich, wenn der Fußball zum Business mutierte. Die Diskussionen um „explodierende“ Gehälter im Fußball, ich beschreibe sie wie Sebastian Greitemann lieber als Gehälter, die sich „vervielfachten“, hält an. Oft dreht sich die Frage auch darum, wie kommen solche Gehälter, oder exorbitante Ablösesummen zustande? Gibt es immer noch diesen Parameter, wie noch in den 80ern und 90ern Jahren, der sich in etwa zusammensetzte aus, Anzahl der Spiele, Alter des Spielers, Vertragslaufzeit, etc. ?

Seit dem Bosman-Urteil vom 15.12.1995 wurden Fußballspieler zu Spitzenverdienern, und mit dem Fußballer auch sein Berater:

Rund 45 Millionen Euro verdienten Spielerberater mit Spielertransfers innerhalb der 1. Bundesliga und 2.Bundesliga in der Saison 2006/07, wie Greitemann im Text festhielt.

Heute sind die Beratungs-Margen und Provisionen weiterhin gestiegen.

Spielerberater und Vermittler selbst, leben oft nicht nur vom Fußball, denn den wahren „Sechser im Lotto“, wie ein Berater einmal anonym festhielt, kommt dann doch seltener vor, sprich einen absoluten „Star“ zu entdecken und diesen über Jahre zu betreuen, kommt selten vor. Zumal auch Spieler und Eltern wählerischer geworden sind.

Spielerberater sind oft Personen in freiberuflicher Stellung, oder Mitarbeiter von Sportagenturen, die den Sportler – natürlich gegen finanzielle vertragliche Absicherung – auf dessen beruflichen Weg, möglichst langfristig, begleiten wollen. Kurz: der Fußballer soll sich nur auf den Fußball konzentrieren, die Agentur mit samt dem Berater dagegen kümmern sich (wohlgemerkt bei einem Profi-Spieler) um Medienauftritte, oder ums Aushandeln komplexer Sponsorenverträge oder des Vertrags bei einem Team. Und, meist muss sowieso noch eine Rechtsexperte, also Anwalt mit am Tisch sitzen.

Anwälte sind automatisch berechtigt, als Spielerberater zu fungieren.

(Wozu dann aber bereits U16 und U17-Spieler einen Berater brauchen, erschließt sich oft nicht ganz schlüssig, zumal sich viele Berater ausgerechnet bei den Junioren weigern, selbst in finanzielle Vorkasse zu treten, was z. B. Reisen zu Probetrainings oder die Bezahlung zusätzlicher Trainer und Trainingsstunden betrifft; oft tragen allein die Eltern diese Kosten, aber am Ende möchte der, so genannte Berater, immer partizipieren)

 Im Profi-Bereich, aber wie angemerkt, auch schon im Juniorenbereich, bieten oder versprechen Spielerberater eine „Rundum-Betreuung“.

Diese beinhaltet:

  • Allgemeine Karriereplanung
  • Vermarktung
  • Vermögensverwaltung
  • Risikomanagement

 

Oftmals müssen Eltern und Spieler gar keine Berater suchen, denn schon früh kommt ein ausgesprochenes Talent mit Spielervermittlern, Agenten und Beratern wie Managern in Kontakt.

Jeder aus diesem Bereich, da kann man sicher sein, der irgendwie seine Finger dran hat, verdient oft auch eine kleine „Entschädigung“.

Spielerberater sind oft auch als „Einflüsterer“ bekannt. Soll heißen, gut vernetzt in Vereinen, liegen sie Managern und Trainern oft in den Ohren, sie mögen doch diesen oder jenen Spieler berücksichtigen oder sichten, zumindest einmal zum Probetraining einladen (Junioren- und Amateurbereich, vor dem Sprung ins Profi-Lager).

Wie schon im interessanten Buch von Kai Psotta „Die Paten der Liga“- erschienen im PIPER-Verlag – hervorgeht, die horrenden Provisionssummen ziehen Spielerberater wie der Honig die Fliegen an, die Zahl der Spielerberater hat zugenommen. Echte und seriöse Experten sind nur wenige darunter. Es heißt ähnlich bei Greitemann wie Kai Psotta, zusammengefasst: „So findet sich eine Vielzahl von unqualifizierten Akteuren wieder, die binnen kurzer Zeit mit fragwürdigen Geschäftspraktiken viel Geld mit (professionellen)Fußballspielern verdienen wollen.“ Sie versprechen voreilig, besonders bei angehenden Profi-Spielern, lukrative Sponsoren und Ausrüsterverträge, Werbeverträge, sowie zusätzliche Einkunftsquellen und natürlich: Die Erhöhung des Bekanntheitsgrades.

Eigentlich ist immer die Leistung des Spielers vorab die wichtigste Komponente für eine erfolgreiche Karriere. Die Vergangenheit zeigte aber auch oft, dass minder qualifizierte Spieler ab der 2. Bundesliga abwärts vermittelt oder hin- und hergeschoben wurden, nur damit Provisionen im Bereich von, 500 bis 2000 Euro flossen. Hier, bei unseriösen Praktiken, geht es weniger um die Spieler, als vielmehr um den Geldbeutel der Berater.

Nicht alle Spieler werden zudem so entlohnt, wie es fair wäre oder versprochen wurde.

Der Berater ist oft auch der Spielervermittler in Personalunion, je nach Vernetzung und Kenntnisse auf dem Fußballmarkt. „Fußballspieler und Vereine zusammen zu bringen“, ist das primäre Ziel des Spielervermittlers. Der Spielervermittler verdient, rechtlich abgesichert, beim Abschluss eines Arbeitsvertrags zwischen Verein und Spieler.

 Spielervermittler generieren auch Aufträge der Suche eines geeigneten Spielers von Clubs und Sportveranstaltern. Man könnte auch sagen, sie sind Arbeitsvermittler. Die Vermittlung von Berufssportlern wird auch nach deutschem Recht im Arbeitsförderungsgesetz und in der Arbeitsvermittlerverordnung geregelt.

Und: Das Gesetz möchte Spielervermittler und Berater auch getrennt sehen! Eine Arbeitsvermittlung müsse eigentlich unparteiisch ausgeübt werden. Mit einer eingeholten Vollmacht des Spielers, bzw. der Eltern bei Minderjährigen Juniorenspielern, kann der Spielervermittler in dessen Namen Verhandlungen führen. (Nicht immer geht es um finanzielle Fragen, sondern besonders im Juniorenbereich auch um soziale wie pädagogische, oder, wie es mit Unterbringung in einem Internat aussieht)

Vergütungen für Arbeitsvermittler sind auch geregelt. (dazu mehr in einem anderen Punkt)

 Oftmals muss der Spielerberater aber einen Spielervermittler engagieren, bzw. der Spielervermittler tritt an den Spielerberater heran. Hier sind oft „verschwimmende“ Grenzen, und man sollte aufpassen, mit wem was genau vertraglich fixiert wird. Deshalb, selbst ernannte Spieler-Berater sollten eigentlich nicht als Spielervermittler auftreten.

Aber, wie erwähnt, wie merkt man das? Deshalb sollte ein Rechtsanwalt immer mit dabei sein, und Eltern wie Spieler, besonders im Juniorenbereich sollten immer Fragen stellen.

Geduld muss jede Seite mitbringen.

Die Aufgaben des Spielerberaters wurden grob bereits skizziert.

Aber dieser Blog dient auch dazu, dass sich Eltern wie Spieler hier updaten, um auch ein Stück weit ehrlicher und konstruktiver beraten zu werden. Kritikfähigkeit muss auf beiden Seiten gegeben sein.

Und, sehr oft kommt es vor, dass der Spielerberater eben auch als Spielervermittler auftritt, und auch diesen Part abdeckt. Wahrscheinlich ist es genau diese Konstellation, die den ehemaligen DFB-Präsidenten Mayer-Vorfelder zur Aussage veranlasste: „Das Spielerberaterwesen ist das Schlimmste, was dem deutschen Fußball passieren konnte.“

Gerhard Mayer-Vorfelder bezog diese Aussage auf die horrenden Provisionen und Transfersummen, bei denen manch Berater gar zwei- bis dreimal partizipierte.

Letztendlich eine Frage, wie der Vertrag gestaltet ist: Wird zum Sportlermanagementvertrag auch ein separater Sportlervermittlungsvertrag abgeschlossen, oder wird letzterer im Sportlermanagementvertrag integriert?

Ist das der Fall, so fällt der gesamte Vertrag unter die Regelungen zur Arbeitsvermittlung. Der Spielerberater kann auch als Angestellter des Spielers, der einen Verein sucht, fungieren. Da wiederum wäre es keine Arbeitsvermittlung, sondern quasi eine Eigensuche des Spielers. Oft täte rechtliche Beratung im Vorfeld gut.

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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