Sportdirektoren und Kaderplaner: Sie entscheiden oft mehr über die Mannschaftszusammenstellung als die Trainer! Schmadtke trat freiwillig zurück, anscheinend um Trainer Stöger nicht „opfern“ zu müssen beim 1.FC Köln

Nur, um einen kleinen Thementrend aufzugreifen:

Wer hat eigentlich mehr Macht im Club als die Sportdirektoren und Kaderplaner, wie sich viele seit Neuestem nennen(?). Die Trainer haben zwar oft Spieler im Kopf, die sie gern bei sich wüssten, doch oftmals klappt es wegen übertriebener Gehaltsforderungen der Spieler, ab und zu wegen des knappen Budgets der Clubs einfach nicht. Stattdessen stecken in einigen Clubs eher die Chefscouts, freelance-Scouts und Kaderplaner die Köpfe zusammen, und tüfteln aus, wie denn der Kader adäquat zusammen gestellt werden könnte. Man kann mit Fug und Recht behaupten, nicht jeder Trainer hat die Spieler im Team, die er sich wünschte, aber die Positionen müssen eben besetzt werden… Jörg Schmadtke, ehemals Sportmanager und Geschäftsführer Sport des „EffCeh“, zog selbst die Notbremse und trat (wohl) freiwillig zurück.

Kaum war Schmadtke weg, schon gewinnt der Eff-Ceh sein Pokalspiel bei der Hertha. Es ehrt Schmadtke wirklich, dass er die Konsequenzen zog, anstatt dass dem Trainer, Peter Stöger, gekündigt wurde. Bei anderen Clubs wäre der Trainer wohl schon weg gewesen, und diese Gefahr ist beim FC auch noch nicht gebannt. Der Sieg bei der Hertha war zwar sehr wichtig, für die Kassen, für die Moral, aber gesichert ist in Köln noch nichts. Wahrscheinlich lag und liegt es auch an der Dreifachbelastung, Europa-League und Bundesliga, plus den DFB-Pokal.

Aber, das wussten Schmadtke und der Club bereits davor. Vor anderthalb Jahren wurde Schmadtke vom Magazin „11 Freunde“ noch zum Sportmanager des Jahres gekürt, aber momentan nur 2 Punkte aus neun Spielen in der Bundesliga ist definitiv zu wenig. Das Team hat sich noch nicht gefunden, und laut Fans und Experten hat sich der FC nicht adäquat für die Wettbewerbe in dieser Saison verstärkt…

Soll heißen, die rund 45 Mio € für den Stürmer Modeste wurden nicht gut und zielgerichtet wieder eingesetzt. Jhon Cordoba von Mainz, oder ein Joao Queiros, Jorge Meré, Guirassy?… um nur ein paar (fast) No Names zu nennen. Wer bitteschön sollte auch annähernd auf wenigstens 20 Tore kommen, wenn nicht gar auf die 25 von Modeste?

Die Kunst eines Kaderplaners oder Sportdirektors, oder von beiden, ist in der Tat, einen Geldsegen in einen, oder höchstens zwei Topspielern zu re-investieren, wenn nicht unbedingt große Schulden den Club plagen, um ggf. ein paar Millionen anders anzulegen.

Um in Europa, egal ob in der Europa-League oder Champions-League mithalten zu können, braucht man entweder vielversprechende Talente mit Erfahrungen (doch so viele Mbappés gibt es auch nicht), oder aber ein bis zwei echte Leader, gern im Alter eines Modeste (29), die ein Team führen, und für Punkte sorgen können. Und in der Bundesliga sollte man immer bestehen wollen.

Immerhin ging Schmadtke von selbst, vielleicht werden aber auch die Clubs samt ihrer Geschäftsführer und Präsidenten mutiger, Kaderplaner und Sportdirektoren zu kündigen, wenn diese sich einfach verhoben, oder falsch eingekauft haben. Es soll schon Trainer gegebene haben, denen wurden Spieler ohne deren Mitsprache einfach vorgesetzt, und „jetzt mach‘ ma‘ „. Klappt es nicht, musste immer der Trainer dran glauben. Trainer und Scouts müssen sich immer austauschen, und auch Spielerberater und externe Scouts hinterfragen.

Denn, steht irgendwo im Hintergrund nur das „unseriöse“ Mitverdienen und verschieben von 100 000en von Euro, ist weder dem Club noch dem Trainer und der Mannschaft auf Dauer geholfen – was sich leider in dieser Saison am 1. FC Köln wie nirgends zuvor zeigt.

Aber: die Zeiten für Kaderplaner werden nun auch etwas unruhiger…

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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