Trainer-Karriere: Von Fabio Capello lernen – der mehrfache Meister und Champions-League-Gewinner erzählte aus seinem Fundus, und wie man mit „schwierigen“ Stars umgeht.

Der 70-jährige Italiener und ehemalige Profi hat den AC Milan, Juventus Turin und die Roma zu Erfolgen geführt. Mit jeder Mannschaft gewann er die Meisterschaft, ja, zweimal sogar mit den Königlichen von Real Madrid. Mit dem AC Milan holte der bärbeißig wirkende, aber stoische, Capello die Champions-League: 1994 in Athen deklassierte sein AC Milan die Mannschaft von Johan Cruyff, den FC Barcelona, mit sage und schreibe 4:0 ! Es war, Fußball vom Feinsten, die Favoriten aus Barcelona sahen kein Land. Fabio Capello führte zwar auch die Nationalmannschaften Englands und Russlands, doch die ganz großen Erfolge wie im Clubfußball blieben aus. Fabio Capello trainierte die ganz großen Stars des Fußballs, viele „Einzelsolisten“ musste er oftmals in ein gut klingendes Orchester integrieren, oder erst, alle zu einem Orchester „dirigieren“. Jedenfalls glaubten ihm die Spieler stets, dass seine Art und sein Training, ihr eigener Erfolg bedeuten würde. Heute kommentiert der 70-jährige Meistertrainer das Fußballgeschehen in Italien und England.Wen hat Fabio Capello nicht alles trainiert? Marcel Desailly, Zvonimir Boban, Dejan Savicevic, Francesco Totti, David Beckham, Weltmeister-Torwart Bodo Illgner, Roberto Carlos, Marcelo, Rául, den tschechischen Mittelfeldspieler Nedved und Zlatan Ibrahimovic sowie den Brasilianischen Weltmeister Ronaldo. Ja, aber eben auch diesen „Ibra-kadabra“ Ibrahimovic, als dieser frisch von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin kam.

Fabio Capello, das kann man schon behaupten, formte Ibrahimovic zum Superstar. Damals hatte Ibrahimovic zwar schon oft in der niederländischen Liga getroffen, galt aber als zu verspielt und emotional. Noch heute gibt Ibrahimovic zu, dass ihn Capello weiter gebracht habe, weil er ihm wichtige Tipps und Ratschläge gab, wie sein Spiel noch erfolgreicher werden könne – und damit auch Juves Spiel. Capello feierte mit Juve und „Ibra“ Meisterschaften.

Fabio Capello, hier bei einer Podiumsdiskussion in Italien, bei der auch Ibrahimovics‘ Buch präsentiert wurde, beschrieb Capello seinen ehemaligen Star und Mannschaftsspieler wie folgt: „Ibra, sei eine stolze aber zugleich demütige Person, und wolle immer dazu lernen…“. Schon früher galt der große Schweder als emotional und schwierig. „Nicht bei mir“, so Capello. Als Trainer habe er ihn immer ernst genommen, und Ibra merkte das, und wollte es dem Trainer beweisen, dass er ein hart arbeitender Spieler sei, und lernen wollte. Capello, wie so oft, machte sich gleich an die Arbeit, analysierte Ibrahimovic und dessen Spiel. Er zeigte dem Schweden auch Videomitschnitte (s)eines einstigen Stars, einem Holländer, Marco van Basten, der in Milan und Italien immer noch als Legende unter den Stürmern zählt und sehr beliebt ist. Marco van Basten ist von der Körperlänge einem Zlatan sehr ähnlich. Zlatan noch ein paar Zentimeter größer. Capello wollte „Ibra“ zeigen, um noch viel besser und effektiver zu werden, müsse er weniger tricksen, als viel mehr ab dem Sechzehner „zum Abschluss“ kommen. Egal, ob mit dem rechten oder linken Fuß. Von da an, trainierte Ibrahimovic viele Extra-Einheiten mit Capello oder den Assistenten, um seine Torschusstechnik zu verbessern – aus allen möglichen Positionen. Ibrahimovic, so Capello, sei ganz klar ein „Leader“, von seiner ganzen Art. Er könne das Teams stets mitreißen, brauche aber auch das volle Vertrauen des Trainers (das er wohl bei Barca mit Guardiola nicht hatte; Neben Messi schien für einen extrovertierten Spieler wie „Ibra“ kein Platz zu sein). Ja, am Ende, so schien es, wollte Guardiola Ibra nur noch loswerden, oder aber dessen Berater, Mino Raiola.

Capello konzentrierte sich immer auf seine Spieler, und auf seine Aufgabe als Trainer: „Ein ordentliches Training zu liefern, und drei bis vier verschiedene Spielsysteme einzustudieren, das ist wichtig.“

Capello ist als Taktiker bekannt, große Schlachten lieferten sich seine Teams stets. Und in Madrid, wo Fabio Capello auch trainierte und Erfolge feierte, schwärmt man noch heute von ihm. Wie auch Ancelotti, lebte Capello gern in Madrid und identifizierte sich mit dem Club total.

Dass REAL mit seinem Starensemble nie ein einfaches Pflaster ist, weiß jeder. Oftmals seien weniger die Spieler „schwierig oder stressig“, als vielmehr deren Umfeld mit den vielen Leuten, die partizipieren möchten. Capello hielt sie alle auf Abstand!

Fabio Capello hielt sich Stars immer warm, aber gleichzeitig auch auf Abstand. Nie vereinnahmen lassen, weder vom Spieler noch von dessen Berater, so lautete die Maxime Capellos! Die Spieler respektierten Capello immer. Capello über die zahlreichen Stars, die er bereits trainierte oder gar formte: „Stars, das sind gewisse Spieler mit einem herausragenden Talent. Diese Spieler, eben wie Ibrahimovic oder Beckham, bringen eine Mannschaft immer weiter, sie sind manchmal spielentscheidend mit einer einzigen Aktion.“ Fabio Capellos Ansatz war immer dieser, dass ein Star ohne das Team nicht Erfolg haben kann, aber das Team wiederum auch den Star braucht.

Der Friulianer-Venezianer Capello, aus dem nördlichen Teil Italiens, spielte als Profi selbst für Roma, Milan und Juventus, und gewann mit eben diesen Clubs auch als Trainer den Scudetto.

Mit der AS Roma, die Capello noch heute huldigt, verbrachte er fünf interessante Jahre. Er formte das Team, ja den Club um, und brachte die Roma einmal als Meister sowie als Vizemeister in die Champions-League.

Absolute Hochachtung habe er vor Francesco Totti, der römischen Legende schlechthin, ein Toptalent durch und durch. Aber „auch Francesco hat mit 28 Jahren gemerkt, dass er sein Leben und seine Spielweise ändern muss, um eben noch effektiver zu sein und um langfristig spielen zu können auf hohem Niveau…“, erst jetzt mit bald 40 hört Totti wohl auf.

Capello resümiert allgemein: „Ich habe wirklich viele Talente, bereits im Jugendbereich, trainiert. Ein paar bin ich später als Trainer im Profibereich begegnet. Viele haben es aber nicht geschafft nach ganz oben. Warum? Es fehlte wohl das gewisse Etwas. Talent ist zwar wichtig, aber noch wichtiger ist, ständig weiter zu arbeiten, an seinen Fehlern, diese auch verbessern zu wollen. Man braucht Ausdauer und Disziplin im Fußball, um ein ganz Großer zu werden…“, jedenfalls habe er immer gesehen, wie ehrgeizig Totti, Ibrahimovic oder Beckham -um nur ein paar zu nennen- stets am eigenen Spiel trainiert haben.

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Giovanni Deriu, Jahrgang 1971,
Vater, 2 Kinder,
lebte lange Zeit in Asien;

Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit.

Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist.

Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin.

Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit
Jugendtrainer-Lizenz.
In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert.
Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs.
Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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