Trainer-Karrieren und Biografien, Trainer-Psychologie: Von Carlo Ancelotti lernen heißt, den Stil zu bewahren, egal wie schlecht man behandelt und wie viel „Dreck“ einem nachgeworfen wird! Es wird immer klarer: Bayern Münchens Problem ist eigentlich Uli Hoeneß, dessen Auftreten und Management nicht mehr zeitgemäß ist

Carlo Ancelotti ist und bleibt ein Mann mit Stil – selbst nach dessen „ad-hoc-Entlassung“ bei den Bayern, wahrt der Meistermacher und dreimalige Champions-League-Sieger die Fasson. Obwohl, warum auch immer, so viel „schmutzige Wäsche“ gewaschen wird von Seiten der Bayern, die es eigentlich auch nicht nötig hätten, ihren Meistercoach der vergangenen Saison so „bloß zu stellen“, zumindest versuchen sie es seit Tagen. Carlo hat geschwiegen, und war gut damit beraten, allein, sein Sohn Davide bezog neulich in der heimischen Gazzetta dello Sport Stellung, besonders zu den Vorwürfen, Ancelotti habe „seinen Familien-Clan um sich geschart“. Jeder moderne Trainer, so Ancelottis Sohn und Co-Trainer, Davide, würde sein eigenes Team zusammen stellen und überallhin mitnehmen. Das gesamte Ancelotti-Trainer-Team habe stets nach bestem Wissen und Gewissen „Alles für die Bayern“ gegeben. Die Vorwürfe der „Vetternwirtschaft und des laschen Trainings“ seien einfach „hässlich, beleidigend und unwürdig“, damit hat Davide Ancelotti nicht ganz Unrecht. Carlo Ancelotti bleibt sich und seiner Linie treu – wenig zu sagen ist oft mehr und dazu noch stilvoll. Was soll ihn auch beunruhigen, die Bayern bezahlen noch sein Gehalt, und gewonnen hat „Carlone“ quasi alles im europäischen Fußball! Was stört es die stolze Eiche, wenn sich „Schweine“ an ihr reiben…

Nur am Rande, dem FC Bayern stünde es besser zu Gesicht, wenn sich Uli Hoeneß, bei allen früheren Verdiensten um den FC Bayern (die zweifelsohne gegeben sind), aus dem operativen Tagesgeschäft zurück ziehen und nur noch Fan-Clubs sowie die Arena besuchen würde. Mag Uli Honeß der Bayern-Integrator und Präsident sein, ist Karl-Heinz-Rummenigge immerhin der stilvolle und sachliche „Macher“ bei den Bayern. Wahrscheinlich konnte „Kalle“ mit Ancelotti und dessen Trainer-Team noch am besten, und hätte am Coach noch festgehalten. Doch man merkte schnell, bei wem sich unzufriedene Spieler, obwohl erfahrene wie Robben und Ribèry ausweinten: beim Uli – dem Hoeneß.

Uli Hoeneß ist immer noch der Bayern-Pappa! Seine soziale Ader, die er immer noch hat, schützt aber oft die Falschen. Klar, ein ganzes Team kann man nicht auswechseln, und wenn Hoeneß (s)eine Binse von sich gibt, wie: „Der Feind läge meistens im eigenen Bett…“, zeigt diese nur, Hoeneß traue selbst keinem. Vielleicht hat auch er Ancelottis AUS betrieben. Obwohl die Saison noch jung ist. Die 0:3-Klatsche von Paris ist zwar kritikwürdig, und alles müsse man unter die Lupe nehmen, aber so einen „schlechten Abgang und Abschied“ hatte der „Mister Carlo“ bisher noch nirgends. „Einmal ist immer das erste Mal“, gab Ancelotti in die Mikrophone nach Tagen der Ruhe. Und Davide, Ancelottis Sohn meinte nur:

„Nun kennt mein Vater eben auch diese Erfahrung, wie andere Trainer…“

Carlo Ancelotti fühle sich absolut wohl momentan, und könne sich keine Vorwürfe machen. Er werde, so Carlo Ancelotti, erst einmal Pause machen, wahrscheinlich in Vancouver, der Heimat seiner Frau, und den Markt sondieren. Nein, zurück zum AC Milan, wo Montella in der Kritik stehe, werde er momentan nicht gehen. Sprach es und trainierte Junioren in Israel auf einer Benefiz-Veranstaltung.

Ganz sauber werden aber auch Arjen Robben, Ribéry (jetzt auch noch länger verletzt), Hummels, sowie Coman und ein paar andere „Unzufriedene“ aus dieser Nummer nicht herauskommen. Dass ein Ancelotti ein ganz anderer Trainer als Guardiola sei, wussten alle. Dass eine Mannschaft, um die Champions-League zu gewinnen, a) dem Trainer vertrauen und b) stets physisch wie psychisch auf der Höhe sein muss, scheinen die Bayern vergessen zu haben.

Mag sein, Carlo hätte vielleicht mehr Deutsch statt Englisch sprechen sollen, aber international gesehen, ist nun mal Englisch auch im Fußball-Business eigentlich Amtssprache. Pep Guardiola hatte alles im Griff, selbst Deutsch parlierte er verständlich, nahm sich aber sonst überall raus, auch in den Medien, Pep wollte und musste sich kaum erklären. Drei Meisterschaften in Folge, zwei Double-Gewinne, aber die Champions-League holte auch er nicht nach München.

Außerdem hatte Ancelotti auch damit zu kämpfen, dass Thomas Müller genauso wie Lewandowski anfangs ihrer Form hinterher liefen, nicht zu unterschätzen auch, dass National-Torspieler Manuel Neuer immer wieder einige Monate ausgefallen ist, und auch heuer weiterhin ausfällt…

Nie klagte der Italiener, Champions-League-Sieger als Trainer wie Spieler, öffentlich. Nie machte Ancelotti die absolut verfehlte Einkaufspolitik der Bayern verantwortlich – für den Champions-League-Titel müssten Stars her!

Jedenfalls hatten dies bereits Pep Guardiola (weshalb wechselte er sonst zu Manchester City, wo Geld keine Rolle spielt), sowie Lewandowski lautstark moniert. Fakt ist auch, dass Ribéry und Robben auch wegen Lewandowski angefressen waren, sahen sie sich doch auch in Frage gestellt. Lewandowski wollte zu Beginn der Saison sogar noch wechseln.

Ancelotti hätte, heute gesehen, wirklich auf Verstärkungen von Rang und Namen setzen sollen. Bisher ist ein Correntin Tolisso eher ein starker Ergänzungsspieler, nicht mehr. Rudy und Süle müssen ihren Weg und Spielstil noch anpassen, doch hier war Carlo Ancelotti bereits dabei, diese Spieler zu formen. Doch das braucht Zeit, stattdessen fielen Hoeneß und andere auf das Gejammere hintenrum von Robben & Co. herein.

Noch einmal, Ancelotti ist Profi durch und durch! Es mag schon sein, dass sich sein Training vielleicht von der Intensität eines Guardiolas sehr unterschied, aber es hatte auch (s)einen Sinn: Wer fast schon gezwungen ist, in allen Wettbewerben Erfolg zu haben, muss eben auch auf Rotation setzen im Team, und die Trainingseinheiten wohl dosieren (können). Wenn sich ein Arjen Robben, mit Ironie beklagt, das Training hätte von der Intensität das Niveau des D-Jugend-Trainings seines Sohnes, dann ist das nur noch schlechter Stil. Robben selbst kann gar nicht mehr 4 Spiele hintereinander 90 Minuten lang durchhalten…

Ob bei Real Madrid, hier spanischer Pokal- und Super-Cup-Sieger sowie Champions-League-Gewinner, sowie bei PSG oder Chelsea London, überall ließ er im Team rotieren, schonte Stars für wichtige Spiele, und gewann Titel. Die großen Spieler wie Beckham, Inzaghi, Ibrahimovic sowie Ronaldo, Marcelo und Benzema verstanden den Sinn und die Philosophie eines Meistertrainers wie Ancelotti! Die Bayern wollten ihn nicht verstehen.

Außerdem kann Ancelotti das Spiel anderer Mannschaften in Extremsituationen wie kaum ein anderer „lesen“. Ein bisschen Zeit, sowie eine gnadenlose Analyse der Situation, hätte Ancelotti verdient gehabt – zumal der Italiener und Genießer sich stets selbst hinterfragt. Nie hätte er wohl damit gerechnet, dass ihm ein paar Spieler der Bayern so „in den Rücken fallen“, um vom eigenen Unvermögen abzulenken…

So verabschiedete sich Carlo aus Bayern, jedenfalls mit Grandezza:

 

 

 

 

Und lesen Sie auch:

https://www.tz.de/sport/fc-bayern/biograph-von-carlo-ancelotti-erhebt-schwere-vorwuerfe-gegen-bayern-bosse-und-rib-ry-8740768.html

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.