Wenn die Schule stagniert, und der Spielerberater nichts tut

Normaler Alltag, normaler Wahnsinn,

als, ich betone, freiberuflicher Karriereberater und Spieler-Begleiter, habe ich neulich eine Email sowie einen Anruf einer Lehrerin erhalten, mit der Bitte, doch „nachzufassen“, was mit dem jungen Fußballer denn los sei.

Obwohl nun näher an der Schule wohnend, würde der Schüler und Juniorenfußballer (übrigens, afrikanischer Herkunft) ständig fehlen. Vor Monaten noch sei alles „bestens gewesen, die Noten waren gut, und auch die Kommunikation“, schloss die Lehrerin.

Die Kommunikation zu mir passe nachwievor, doch ich will hier nicht unerwähnt lassen, dass dieser junge talentierte Fußballer, 17, eher auf seinen 25-jährigen Bruder hörte, denn auf mich (was ja legitim ist, wenn man sich seine eigene Meinung bildet), und einfach einen neuen (leider skurrilen) Fußballberater anheuerte, der ihn übrigens seit langem schon via Facebook und WhatsApp  ankontaktierte, quasi hintenrum. Ausgerechnet ein Berater, aus dem Rhein-Neckar-Raum, vor dem ich stets gewarnt hatte, weil sich auch ein Bundesligaclub von diesem Berater/Vermittler distanzierte (Nie habe dieser Berater das Okay des bekannten Vereins gehabt, Spieler im Auftrag anzuwerben, oder besser, abzuwerben). Lange Rede, kurzer Sinn (ich werde auf diesen Fall zurückkommen), der neue Berater hatte den Bruder und den Juniorenspieler gut „abgefüttert“ mit Trendy-Klamotten und Geld, Einladungen zu Discobesuchen, so dass beide auf Wolke Sieben schwebten – wer weiß, was nicht noch alles versprochen wurde. Jedenfalls, und das ist leider oft so, kommt dieser türkischstämmige Berater seiner Pflicht nicht nach, a) die Karriere des Juniorenspielers wirklich seriös zu planen, b) auch die monatliche Kommunikation mit der Schule zu führen, und c) den Jungen zu motivieren, für die Schule den gleichen Einsatz zu geben, wie für den Fußball.

Es tut manchmal weh zu sehen, wie sich Junioren und deren Geschwister und Eltern über Analysen und Meinungen hinwegsetzen. Aber Fakt ist auch, ich möchte überzeugen nicht überreden, und letztendlich zählt immer die Entscheidung des Spielers (mit familiärem Anhang).

Nun ist eben nebenbei wieder „Troubleshooting“ gefragt, weil die schulische und berufliche Karriere des Jungen einfach zu wichtig ist.

Kategorie des Beraters: zwischen „Möchtegern-Berater“ und unseriös sowieso. Das ist übrigens die Aussage eines Juniorentrainers bei einem Bundesliga-Verein, der diesen Berater kennt und wörtlich meinte, „sein Auftreten ist wie Graf-Rotz“.

Leider keine Einzelfälle, und ich werde hier natürlich Erfahrungen anderer Spieler und Eltern dokumentieren, aber auch Wert darauf legen, seriöse und schöne Geschichten und Erfahrungen zu platzieren – denn: die seriösen Berater und Vermittler gibt es definitiv! Es sind eben eher wenige.

(Zu empfehlen hierzu auch das Buch von Reporter Kai Psotta, „Die Paten der Liga“ im PIPER-Verlag)

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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