Wer es als Fußballer weit bringen will, sollte immer die Ernährung beachten!

Warum nicht einmal DAS kochen, was die Nationalspieler täglich essen? Gerade als Hobby- und Juniorenkicker!

„It’s not the Wurst!“

„Leichte Beute“ zum Frühstück, Manuel Neuers Vorlieben und mit Griespudding in den Spieltag: „Das Kochbuch der Nationalmannschaft“ von DFB-Küchenchef Holger Stromberg ist lesenswert. Von Giovanni Deriu.

Holger Stromberg: Das Kochbuch der Nationalmannschaf
Holger Stromberg: Das Kochbuch der Nationalmannschaft. Titelfoto: Paul Ripke

 

Bei der WM standen nicht nur die Spieler unter Dampf – auch im Campo Bahia ging einer mit erhöhten Temperaturen gekonnt um:  DFB-Koch Holger Stromberg sorgt für das Wohl der deutschen Kicker. Dass die Nationalmannschaft sich in Brasilien den vierten Stern holte, hat auch etwas mit der ausgewogenen Ernährung zu tun. Während eine britische Zeitung nach dem 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien titelte „It’s the Wurst“ weiß es der Leser des „Kochbuches der Nationalmannschaft“ besser: Es herrscht die Fusion-Kitchen im Deutschen Lager, und auf Vorlieben und Geschmäcker der Stars nimmt Stromberg gern Rücksicht.

Dass Miroslav Klose trotz seiner 36 Jahre immer noch leistungsstark ist und Rekorde knackt, erklärt der Stürmer von Lazio Rom auf Seite 10 des interessanten Kochbuchs selbst. Zitat: „Wenn man jeden Tag darauf achtet, was man isst, was man trinkt, wie man lebt, dann zahlt sich das aus.“ Wem, wenn nicht ihm, nimmt man dieses Lebensmotto ab?

Auch Klose setzt auf den Mix aus Vollwertkost und Vitalstoffen, die in der Nationalelf seit 2007 verstärkt Einzug erhielten. Seit dieser Zeit etwa ist auch Küchenmeister Stromberg mit an Bord. Und der kochte davor schon für ganz andere VIPs – und stellte bisher noch jeden zufrieden. Vollwertkost (auch Nudeln, und natürlich das Brot) macht 90 Prozent der Ernährung aus. Interessant ist das Kochbuch, weil es auch den Unterschied vom Profi-Sportler zum Normalverbraucher aufzeigt, aber eines ist klar, jeder sollte sich so ernähren, dass er  a) gesund  und  b) leistungsfähig über den Tag verteilt bleibt. Konzentriert muss „Otto Normalverbraucher“ schließlich auch im Job bleiben. Der Hobbykicker profitiert zudem von einer ausgewogenen Ernährung.

Deshalb wird der Tag und die Nahrungszufuhr im Allgemeinen auch in „morgens, mittags und abends“ gegliedert. Wenn wie in Brasilien, bei unkonventionellen Anstoßzeiten, verschiebt sich bei den Profikickern natürlich die eine oder andere Essenaufnahme, und ist auch davon abhängig, ob einmal oder zweimal am Tag trainiert werde – dann sind Zwischenmahlzeiten Pflicht! Jedoch gilt:  morgens als Starter in den Tag ruhig Kohlenhydrate die uns bis zum Abend Energie liefern. Mittags soll ein Närhstoffmix aus verschiedenen Vitalstoffen herhalten  und vorm Zubettgehen soll jeder auf Eiweiß setzen „der für die Zellreparaturen in der Nacht verwendet wird“.

Wie bei den Kindern und manch Erwachsenen, so ist ausgerechnet das Frühstück auch bei den deutschen Profis nicht Jedermanns Sache. Da muss das Team um Holger Stromberg schon „Tricks“ anwenden, damit die Spieler bereits nach dem Aufstehen wichtige Proteine und Vitamine zu sich nehmen. Es heißt im Buch, das Frühstück werde gern „vergessen“, und da nicht jeder essen mag, trinkt André Schürrle gern „Smoothies“. Raus aus den Federn und ran ans Frühstück also – und das schmeckt, und ist nicht allzuschwer nachzumachen: Überkrustetes Hafermüsli, im Ofen für 40 Minuten erhitzt, beinhaltet zudem Ahornsirup, ein Ei, Kokosmilch und Bananen. Oder bildlich schön aufbereitet auch das Sauerteigbrot mit Avocado und Banane. Das Bananen-Haferflocken-Shake „Leichte Beute“ ist das Richtige für Frühstücksmuffel.

Dass das Essen ruhig gut aussehen kann, wird immer wieder betont, das Auge isst schließlich mit. Die Tomatensuppe „Spezial“ entstand während der WM 2010 in Südafrika. Per Mertesacker, so heißt es, würde für die „Spezialo“ durch die Themse schwimmen. Die warme Suppe, angereichert mit Cherrytomaten, Basilikumblätter und Parmesan, kommt als leichter Energielieferant bestens an im Team. Brotwürfel sind natürlich erlaubt dazu. Die Rotkohlschaumsuppe mit Garnelen ist wohl wirklich Fusion-Kitchen pur. Irgendwie Deutsch und Exotisch anmutend.

Ofengemüse und Sesamfrikadellen mit Brokkoli-Paprika-Gemüse sind immer leicht verdaulich und belasten den Körper auch drei bis vier Stunden vor dem Match nicht. Die Squadra Azzurra würde sich schütteln, aber sie ist ja auch schon ausgeschieden – im deutschen Lager immer wieder der Renner „Pasta mit Banane und Speck“. Parmesan und Salbei drüber, fertig ist der Gaumenschmaus und „Akkuauflader“ nach Training oder Match. Alle Rezepte im Buch sind übrigens auf vier Portionen abgestimmt.

„Carbonara für Gewinner“ sollten natürlich immer „al dente“ sein. Auch Fette gehören zu den Hochleistungssportlern, denn sie verbrennen ja auch viel: Chicken Wings mit Röstbrot und Guacamole gibt es ebenso oft am Buffet-Tisch.

Ebenso beliebt im Team ist das Truthahnsandwich mit Brie und Preiselbeeren. Belegen sich die Nationalspieler oft selbst. „Soul Food“ wird das Sandwich genannt. Fischstäbchen frisch paniert und selbst geformt bzw. in Streifen geschnitten, gehören auch zum Speiseplan.

Das Kapitel „Snacks und Grundrezepte“ zeigt erfrischende Fotos, so wie es in jedermanns Küche aussehen könnte. Absoluter Renner im Nationalteam ist die klassische „Bruschetta“. Erwärmtes Ciabatta mit Tomaten in Olivenöl und Balsamico belegen. „Mindestens 100 Stück“ müssten immer her für ein Büffet.

Völlig ohne Sauce, so der Hinweis, kommt der Oktopussalat aus. Und dieser Tintenfischsalat ist der Lieblingssnack von Keeper Manuel Neuer, „der unverfälschte Gerichte“ liebe. Kein Wunder kommt es einem vor, als habe Manuel Neuer im Kasten etwa fünf Arme auf jeder Seite. Energiebällchen, auch süße, würden immer wieder gereicht – besonders nach Spielen, und die seien auch besser als Schokoriegel. Und was wäre das deutsche Team ohne den klassischen bürgerlichen Kuchen? Der Marmorkuchen ist ein beliebter „Standardkuchen“, oft auch als Snack in der Kabine.
 
Als Dessert darf es auch mal Crépes mit Rhabarber sein, sowie der Griespudding „Spieltag“. Gut kommt als Nachtisch auch immer das Basilikum-Sorbet an, weil erfrischend. Genauso erfrischend und gut erklärt, wie im lesenswerten Kochbuch der Nationalmannschaft.
Holger Stromberg: Das Kochbuch der Nationalmannschaft
160 Seiten, 17,95 Euro, edel Germany
ISBN 978-3841902726
 

Holger Stromberg: Das Kochbuch der Nationalmannschaf

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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