Wieviel Dosis Fußball braucht der Fan? Mit FUSSBALL-Bild ist gerade eine tägliche Fußballzeitung auf dem Markt. Was in Italien und Spanien existiert, kann auch hier klappen. Aber bitte bloß nichts „Aufgewärmtes“…

FUSSBALL-Bild wird derzeit zumindest im deutschen Süden getestet, für 1,- €uro gibt es das Fußballblatt an etlichen Tankstellen und Kiosken rund um München sowie im Großraum Stuttgart. Wie in Italien, wo es gar drei bis vier täglich erscheinende Fußballzeitungen gibt, könnte aus der Testphase ein Erfolg werden. Das Fach-Blatt kommt gut und frisch daher. Das Team um Redaktionsleiter Matthias Brügelmann gibt sich Mühe. Eine Blattkritik…

Nun, Tag für Tag wird mehr über Fußball gesprochen, das runde Leder bestimmt  nicht nur den Alltag der Fans. Wie in Italien, wo der Fußball omnipräsent ist, und mit der Gazzetta dello Sport, dem Corriere dello Sport sowie TuttoSport gleich mehrere Fußball-Tageszeitungen Informationen liefern und Meinungsmache betreiben, könnte der Springer-Verlag zumindest in der jetzigen Zeit wieder eine Lücke aufgetan und „gefüllt“ haben.  Zwar sind einst, wer bekam es eigentlich groß mit(?), die Kurzprojekte von Sport-B. Z. sowie „Sport-Tag“ gescheitert, doch scheint die FUSSBALL-Bild besser aufgemacht zu sein auf ihren 24 Seiten.

Klar, machen wir uns nichts vor, ganz neu ist diese Idee auch so nicht, zumal auch keine neuen „Geschichten und Storys“ erscheinen, die nicht schon irgendwo platziert worden wären – nämlich vorwiegend in den Regionalausgaben der  Bild-Zeitungen des Tages, eben so, wie wir sie seit Jahren kennen.

Aber, der gemeine Fan und Fußballinteressierte möchte schon auch über die anderen Clubs und Konkurrenten zwischen der 1. und 2. Bundesliga gut informiert sein. Teilweise auch über die 3. Liga.

(In der Ausgabe vom 08.09.2016, Donnerstag kommt auf der Seite 17 eine Rundschau der 2.Liga/3.Liga/4.Liga, wie ein Kessel Buntes, oder wussten Sie, dass sich Kevin Kuranyi kurzzeitig bei den abgestiegenen Stuttgarter Kickers in der Regionalliga fit hält?)

Natürlich werden Seiten mit Tabellen und Statistiken gefüllt, und auch die internationale Seite ist sehr ansprechend, Neymar, Messi und Klinsi („mit USA auf WM-Kurs“) sind präsent, aber der Aufmacher scheint zu sein, dass „Ter Stegen so wichtig wie Messi“ für Barca zu sein scheint. Und das, obwohl der FC Barcelona mit dem niederländischen Nationaltorwart Jasper Cillessen einen weiteren sehr guten Torwart, der beide Beine zu nutzen weiß, verpflichtet hat. Claudio Bravo wechselte ja kurzfristig zu Manchester City, und daher vermutet Autorin Carmen Kayser, Ter Stegen wäre quasi gesetzt (Barca-Präsident Josep Bartomeu wird aus einem Radio-Interview zietiert, das diese Schlussfolgerung in etwa zulässt…)

Auf einer Doppelseite, die Welttafel vor einem ausgebreitet, erfährt man von einer guten Infografik „des Tages“, dass 866 Spiele auf 208 Verbände kommen, was die WM-Qualifikation betrifft.

DFB-Sportdirektor Hansi Flick, kommt herum, und sieht sich auch die 2. Bundesliga an. Und da Deutschland immer noch ein Stürmerproblem hat, so wird suggeriert, bringt Flick, laut Martin Funk, auch Cedric Teuchert ins Spiel.

Dann wird natürlich das Derby in Baden-Württemberg behandelt (VfB gegen Heidenheim), ein Interview mit FCH-Coach Frank Schmidt darf daher nicht fehlen, und sein Gegenüber, VfB-Coach Luhukay stellt gleich klar, für welche neuen Spieler er verantwortlich sei, und für welche eben nicht.

Reporterin Ursula Vielberg kennen wir auch schon aus der täglichen regionalen Bild-Zeitung.

Fußball-Vorstand Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt wird das Wort in einem Interview, verteilt auf zwei Ausgaben, erteilt. Bobic kommt charmant und fachlich gut vorbereitet zur Geltung.

Dass der verletzte oder Rekonvaleszent, Max Kruse in Tschechien für einen guten Zweck im Kasino zockt, und auf Krüken abgebildet ist, ist wieder näher dran am Boulevard, obwohl das Match Werder gegen den FC Augsburg im Mittelpunkt steht.

Die ersten Seiten mit den Vorberichten zum Schlager Schalke 04 gegen die Bayern sind wiederum kurzweilig und interessant zusammengefasst, und Markus Weinzierl, gleich mit einer Niederlage in die Saison gestartet, möchte nun unbedingt zeigen, mit welchen Tricks und mit welcher Einstellung sein Team die Mannschaft von Aneclotti bezwingen möchte (mit einem „Bank-Trick“). Bei den Bayern schwärmt Xabi Alonso von Sanchez, der „Rasta-Rakete“, berichten Kai Psotta und David Verhoff.

Auf den Seiten 4 und 5 wird der nächte Kracher aufbereitet: RB Leipzig gegen Borussia Dortmund, und in großen Lettern steht: „Joker Götze“, für Jogi reicht’s, für Dortmund nicht. Keine Frage aber, dass Mario Götze mit ein paar Minuten in Leipzig belohnt wird. Und bei Leipzig macht sich Abwehrrecke Papadopoulos für Dortmund warm. „Papa“ ist sowieso nur zu Leipzig gewechselt, weil er von Ralph Rangnick, noch von gemeinsamen Schalke-Zeiten, sehr überzeugt ist.

Was wäre eine Fußballzeitung ohne eine „Berater-Story“, und man erfährt, auch nicht schlecht für diesen Blog hier, dass es den „Schattenmann“ von Manager Allofs, Giacomo Petralito, gibt. Der Spielerberater, der sich allgemein Handels-Reisender bezeichnet, soll aber der „Consulter“ von Klaus Allofs sein, und ist eher ein „Strippenzieher“ für mehrere Clubs. FUSSBALL-Bild listet auf, wo dieser Mann mit dem Namen Giacomo Petralito überall seine Finger im Spiel, bei welchen Transfers er irgendwie mitgewirkt und mitverdient habe. VfL-Geschäftsführer Allofs braucht anscheinend diesen Typus Berater (gestutzter grauer Schnauzer, dunkle Sonnebrille und den Knopf im Ohr – so gesehen passt auch sein Name, der echt ist): „Er stellt Verbindungen her und hat europaweite Beziehungen zu Klubs…“, äußerte sich Allofs früher einmal. Und wir dachten immer, heißt man Klaus Allofs, habe man diese Kontakte selbst…

An sich eine gelungene FUSSBALL-Bild, eine Fußball-Tageszeitung, die aber noch ein bisschen mehr fußballerische Tiefe (zu Taktiken, Aufstellungen und Systemfragen) vertragen würde, denn sonst, scheint die Luft schneller aus dem Ball zu sein, als wie sie hinein gepumpt wurde. Man wünsche sich eine Blattmischung aus Sport-Bild und dem kicker. Jedenfalls haben die Gazzetta und der Corriere in Italien fachlich ein bisschen mehr Substanz, Spielsysteme und Positionen werden stärker und tiefer beschrieben und diskutiert, es gibt mehr (Kurz-)Interviews, und viel weniger bunte Geschichten.

Und, die Frage wird sein, mit welchen Geschichten wollen die Reporter sonst noch aufwarten? Speziell unter der Woche? Klar, die Nachbereitung der Spiele vom Wochenende dauern bis Dienstag, dann beginnt wieder der Blick nach vorne.

So schreiben die Regionalreporter die gleichen Texte für zwei Ausgaben, für das gleiche Gehalt oder Honorar?

Und wir hoffen nicht, dass in der wöchentlich einmalig erscheinenden SPORT-Bild nochmals „Aufgewärmtes“ erscheint. Oder eben in der FUSSBALL-Bild.

Ich kann mir denken, dass FUSSBALL-Bild etliche Leser gewinnen, dafür andere Ausgaben einige verlieren wird.

Wie ich mich kenne, werde ich so zwei bis dreimal die Woche auf diese neue Ausgabe zurückgreifen, die sich die Gesamtnote „von 2 bis 3“ zu Beginn verdient. Dafür werde ich mir die SPORT-Bild aber schenken, die auch teurer wurde im Lauf der Jahre.

Und, teurer als 1,-€uro sollte das Blatt nicht werden. In Italien kostet die Gazzetta zwar 1,50 €uro (der Corriere 1,30), dafür ist der Kaffee an der Bar aber viel günstiger. Über die Inhalte der Fußballzeitung wird in Italien schließlich an der Bar diskutiert. Morgens, sowie am späten Nachmittag.

 

Fussi2

 

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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