Zdenek Zeman in Pescara: Zum Einstieg gleich mit 5:0 über Genua gestartet. Der Tscheche lässt ein flexibles 4:3:3 spielen

„Ich hoffe, die Jungs folgen mir weiter…“

So ist der Fußball, des einen Freud‘ und Spektakel ist des anderen Leid – nach dem 5:0-Kantersieg über den FC Genua von Ivan Juric, dreht sich das Trainerkarussell schneller – der kroatische Coach Juric musste seinen Stuhl räumen, Andrea Mandorlini steht zumindest bis zum Saisonende bereit. Juric, der Crotone in die Serie A brachte, dann zu Genua wechselte, lässt mit Vorliebe offensiv spielen, gegen Zemans Pescara war sein Team aber – chancenlos. Mutlos.

Dafür hauchte der Italo-Böhme Zeman seinem Team wieder Leben ein. Und wie, das „Adriatico“ tobte beim 5:0-Sieg. Die Zuversicht ist nun wieder groß in Pescara.

Der erfahrene Zeman bremste nach dem Match, mit der ihm eigenen Trockenheit und Ironie in seinem Pokerface, erst einmal die Euphorie: „Es ist noch viel zu früh, um an die Rettung zu denken…“. Gerade hatte „sein“ Pescara Genua deklassiert, aber der Böhme und Bohéme, Zeman, schaute drein, als hätte sein Team verloren.

Zeman hielt fest, dass er sein Team gerade einmal „bei drei Trainingseinheiten“ zusammen hatte. Große Veränderungen „konnte ich daher gar nicht vornehmen“, und in der Tat hatte der Tscheche und Wahlitaliener die Anfangsformation gegen Genua nur auf einer Position verändert. Nach der 3:5-Niederlage in der Woche zuvor beim AC Torino, musste Zeman das Team „nur aufbauen“, und ein paar Dinge „einstudieren“, die einfach waren. Ein Tor fiel nach einem Eckball, und auch sonst waren die Standardsituationen gefährlich, meinte ein Reporter. Zeman blickte cool drein und meinte nur: „Normalerweise habe ich schon lange nicht mehr Eckbälle trainieren lassen, denn im Grunde genommen, brachte es nie Vorteile früher…“. Aber, er veränderte eben ein paar Stellschrauben, um auf einfache Spielzüge aufmerksam zu machen.

In der Schnelle muss eben die „Einfachheit“ liegen, um eine Elf schnell in die Spur zu bringen.

Das flexible 4:3:3 begriff das Team schnell, zügig spielten die Mittelfeldspieler den Ball in die Spitze. Das Zeman-Team überfoderte Genuas Spieler (3:4:3) total.

Es läge jetzt an den Jungs, so Zeman, dass „sie nicht denken, es sei alles erreicht!“ Man müsse gemeinsam weiterhin „konzentriert arbeiten“.

Zeman über sich selbst: „Ich habe nur das Fundament gelegt. Darauf lässt sich hoffentlich aufbauen.“ Schelmisch schaute er in die Kameras und meinte: „Eine Siegesserie wie die von Juventus würde uns helfen…“.

Der alte Tscheche ist noch lang nicht fertig, und seine Spielweise spricht sich (noch) herum – vielleicht auch bis nach China, „wo sie mich aber nicht kennen“, scherzte Zeman. Das kann sich ändern, aber ob ihn Pescara bei erfolgreicher Mission diesmal wieder gehen lassen würde?

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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