Zur Bombenattacke auf den BVB: Der Fußball in den unsicheren Zeiten des Terrors. Wie kann man sich selbst, und wer soll die Sportler schützen? Angst ist zwar natürlich, darf uns aber nicht ständig begleiten!

Was hatten sich der normale Fußballfreund, aber vor allem die Fans von Borussia Dortmund und dem AS Monaco auf das Champions-League-Spiel gefreut. Dortmund war gerüstet, ein ausverkauftes Haus, und die üblichen Sicherheitsvorkehrungen, wie bei allen großen Spielen (nicht nur der Dortmunder), in der Bundesliga oder im europäischen Wettbewerb, wurden getroffen – besonders rund ums Stadion, dem Signal-Iduna-Park, und den Wegen zum Bahnhof. Dass die Dortmunder Elf bereits vom Hotel auf dem Weg ins Stadion attackiert würde, hatten alle Sicherheitsexperten nie auf dem Schirm, obwohl bereits dort ein kleiner Polizeikonvoi, fast unsichtbar, den Teambus begleitete. Ist der Profifußball und vor allem dessen Spieler wegen seiner Plattform in der Weltöffentlichkeit nun tatsächlich eine terroristische Zielscheibe geworden? Eines ist klar, die 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.

Der Schreck, oder besser, die Schreckensmeldung zur Bombenattacke auf den BVB-Bus war immens. Ein Glück blieben die Fans im Stadion ruhig und wurden ebenso gesichert aus dem Dortmunder Stadion geleitet, als sich die Nachricht der Terrorattacke rasch verbreitete. Ein Polizist sowie Dortmunds Profi-Spieler Marc Bartra, der neuverpflichtete Spanier, wurden mittelschwer verletzt. Es hätte alles schlimmer enden können und, aus Sicht der pathologischen Terroristen, auch sollen. Todesopfer wurden gezielt eingeplant. Profimäßig gingen die Bombenleger vor – solch Bomben, ausgeklügelt wie sie waren, kann kein Hobbybastler zusammenstellen. Der Terror gegen Zuschauer und Fans ist uns seit dem Länderspiel zwischen Frankreich und Deutschland noch bekannt. Jetzt aber soll es gezielt gegen die Sportler gehen, die sich als, Vertreter des Profisports und Konsums, nicht mehr sicher fühlen sollen. Und, weil sie natürlich in der Weltöffentlichkeit stehen.

Noch wussten die Ermittler und Staatsanwälte zwar nicht, wem sie diese Missetat und Attacke zuschreiben sollen (zwei Bekennerbriefe wurden ja gefunden), aber der Text des einen Briefes, ganz so, wie von Islamisten verfasst, hatte diese Zeilen:

Darin wird der Abzug von Bundeswehr-Tornados aus Syrien gefordert. Die Flugzeuge sind in der Türkei stationiert und kommen im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zum Einsatz. Zudem wird gefordert, die US-Basis Ramstein in Rheinland-Pfalz zu schließen.

Es wird weiterhin behauptet, dass die deutschen Kampfflugzeuge daran beteiligt seien, Muslime im Kalifat des „Islamischen Staates“ (IS) zu ermorden. Weiter heißt es, ab sofort stünden Sportler und andere Prominente „in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen“ auf einer „Todesliste“.

Egal, von wem und von welcher Organisation das Schreiben stammt, und vom wem die Tat wirklich begangen wurde – es sind krankhafte pathologische Personen, die auf diese Weise vorgehen. Die Aufmerksamkeit, und das wissen sie jedoch, ist ihnen sicher.

Heutzutage Profifußballer zu sein, heißt dann wohl auch, ein Stück weit mit der Angst zu leben, auch wenn diese langfristig immer ein schlechter Berater ist. Ein bisschen Angst lässt uns wachsam sein, und schützt uns auch – aber ständig die Angst dabei zu haben, das kann auch blockieren. Und der Terrorismus macht sich momentan in jeder Ecke, in jeder Branche der Gesellschaft breit.

Die Angst fährt mit, ja, fliegt überall mithin. Da hilft nur der eigene starke Glauben und die Gewissheit, dass Terrorattacken und Angriffe eben doch nicht alle Tage, und dann auch noch immer am selben Platz stattfinden. Das beruhigt aber nicht jeden, schon gar nicht diejenigen, die bereits ein oder zweimal in solch „abstruse“ Albträume verwickelt waren. Ob in Paris oder jetzt in Dortmund. Terroristen suchen sich Plattformen der Weltöffentlichkeit – und der Fußball zieht eben (Massen an).

Es gibt zwar tatsächlich, wie nirgends im Leben, die 100-prozentige Sicherheit, Gefahren oder solchen Attacken immer aus dem Weg zu gehen, aber eines dürfen Menschen in der Öffentlichkeit, genauso wie der ganz normale Bürger schon erwarten:

Dass der Staat sein Möglichstes tut, um Gefahren, wie solche hinterhältige Attacken (auch wie in Berlin), einfach abzuwehren, um die Menschen generell zu schützen. Auch im Sport müssen wir uns wohl an Polizei-Eskorten bei ganz normalen Spielen von größerem Interesse gewöhnen. Das ist zwar mit einem hohen Personalaufwand und Mehrkosten verbunden, doch das muss es dem Staat letzendlich auch Wert sein.

Dieses Bild zum Beispiel, ist in Italien, hier beim Spitzenspiel zwischen dem SSC Napoli und Juventus Turin, schon sehr üblich. Beide Teams, hier der Juventus-Bus („aus dem verhassten Norden“), werden immer ins Stadion eskortiert, und das mit zahlreichen Polizeiwägen und Motorrädern. Einst vom Ministerium des Innern deshalb festgelegt, um Rowdys und Ultras davon abzuhalten, den Bussen und den Spielern zu nahe zu kommen, und, um den möglichen Tätern schneller habhaft zu werden. Es gilt schon einmal als Abschreckung, selbst wenn man ein Attentat wie gestern vielleicht auch nicht hätte verhindern können – aber der Bus wäre wahrscheinlich besser flankiert gewesen.

Wir werden uns an diese Bilder gewöhnen müssen – der Schutz der Spieler und der zahlreichen Zuschauer muss dem Staat wichtig sein. Auch wenn Polizisten zu Schaden kommen würden, ist es sehr traurig wie um jedes Menschenleben. Doch gewisse Berufsgruppen, Polizisten sowie andere Personenschützer (oder auch Berufssoldaten), genauso wie bei der Feuerwehr, wissen genau, dass ihr Beruf das eigene Leben kosten kann. Auch sie müssen in Zukunft noch besser geschützt werden, damit sie andere schützen. Es kann sonst jeden von uns treffen, irgendwo, irgendwann…

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Giovanni Deriu, Jahrgang 1971,
Vater, 2 Kinder,
lebte lange Zeit in Asien;

Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit.

Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist.

Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin.

Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit
Jugendtrainer-Lizenz.
In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert.
Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs.
Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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