Old School, Vecchia Scuola? – ein Plädoyer für den Menschen und die echten Charaktertypen im Fußball – was sagen Algorithmen schon wirklich aus?
Vielleicht bin ich ein wenig „old school“. Vecchia scuola.
Und ja – ich meine das nicht entschuldigend, sondern bewusst.
Ich glaube auch nach wie vor daran, dass man einen Fußballer nicht vollständig in Datensätzen, Grafiken und Algorithmen findet. Sondern draußen. Am Spielfeldrand. Dort, wo man nicht nur Bewegungen misst, sondern Menschen beobachtet. Dort, wo Erfahrung das Auge schult – und manchmal dreißig Minuten, eine Halbzeit wirklich genügen, um ein Gefühl zu entwickeln.
Ariedo Braida (wir haben ihn hier auf checkfussballberater.de vor ein paar Jahren bereits vorgestellt; https://checkfussballberater.de/der-mann-der-1000-kontakte-fuer-die-einen-die-fleissige-biene-fuer-die-anderen-ein-stiller-agent-ariedo-braida-neuer-sportdirektor-des-fc-barcelona/) hat dieses Selbstverständnis einmal treffend, auch für die Gazzetta dello Sport beschrieben. Er sagte, er gehe Spieler live anschauen, und mit seiner Erfahrung reiche ihm oft eine halbe Stunde, um eine Entscheidung zu treffen. Irren könne man sich immer, natürlich. Doch er verlasse sich mehr auf seine Augen als auf die aseptischen Daten einer Tabelle. Algorithmen könnten helfen, weil sie Zahlen, Statistiken und objektive Werte liefern. „Aber entscheiden müsse am Ende immer der Mensch…“

Ein Satz wie aus einer anderen Zeit – und doch aktueller denn je.
Denn was hätte ein Algorithmus, führt Braida weiter aus, über Van Basten, Gullit, Rijkaard, Savicevic, Shevchenko oder Kaká wirklich ausgesagt?
Er hätte Schüsse gezählt, Laufwege analysiert, Tore kategorisiert – rechter Fuß, linker Fuß, Kopfball. Alles korrekt. Alles messbar.
Aber wo bleibt die Persönlichkeit? (Dazu hat uns auch Gianfranco Multineddu im Scouting- und Beobachter-Fortbildungskurs der FIGC, der Scouting-Clinic, immer und immer wieder angehalten, die Spieler und Talente auch im Kontext und Miteinander des Clubs, mit anderen Spielern, auch im Training, zu sehen, zu analysieren…)
Wo die Haltung gegenüber den Mitspielern?
Wo das Verhalten gegenüber dem Trainer, gerade dann, wenn es schwierig wird?
Wie ist sein Auftreten nach Sieg oder Niederlage auch in der Öffentlichkeit?

Das sind keine statistischen Größen. Das sind Charakterfragen.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass mir dieser Blick so wichtig ist. Nicht nur, aber als Pädagoge interessiert mich immer auch der Mensch hinter dem Talent.
- Wer ist dieser Spieler, wenn das Spiel kippt? Wie reagiert er auf Druck, auf Kritik, auf Ungerechtigkeit?
- Wie fügt er sich in eine Gruppe ein, wie übernimmt er Verantwortung?
Fußball ist Technik, Tempo, Taktik – keine Frage.
Aber Fußball ist eben auch Beziehung. Haltung. Reife.
Genau deshalb ist mir der Austausch so wichtig. Mit Menschen, die Fußball nicht nur sezieren, sondern verstehen. Mit Kennern und Experten wi– um nur einige zu nennen. Menschen, die den Fußball über den sportlichen, über den menschlichen Tellerrand hinaus denken.
Vielleicht passt dieser Ansatz nicht immer in den Zeitgeist. Vielleicht ist er nicht effizient genug, nicht schnell genug, nicht digital genug.
Aber bei CheckFussballBerater.de, glauben wir daran, dass Algorithmen unterstützen können. Dass Zahlen helfen. Dass Daten sicherlich gut strukturieren.
Doch bewerten, einordnen, verstehen – das kann nur der Mensch.
Und manchmal reicht dafür ein Blick.
Ein Moment.
Und ein geschultes Auge am Spielfeldrand. Oder ein Gespräch mit Tiefe danach…
Giovanni Deriu










