Eines steht fest, Beniamino Molinari wurde extra dafür verpflichtet, mit dem VfR Aalen dorthin zurückzukehren, also aufzusteigen, woher der Gegner aus Göppingen gekommen ist: nämlich in die Regionalliga Südwest. Und es sieht nach dem 3:1-Sieg über den Göppinger SV auch ganz gut aus. Es war ein Ergebnis mit Signalwirkung im Aufstiegsrennen der Oberliga Baden-Württemberg. Der Tabellenführer baut seinen Vorsprung auf fünf Punkte vor dem VfR Mannheim aus – und hat dazu sogar noch ein Spiel weniger absolviert.
Doch dieses Spiel war mehr als nur ein weiterer Dreier.
Es war ein Derby mit Atmosphäre, taktischer Würze – und italienischem Trainerflair an der Seitenlinie
Drei italienische Trainer prägen das Oberligaderby
Im Mittelpunkt standen drei Trainerpersönlichkeiten: Gianni Coveli. Beniamino Molinari und Giuseppe Catizone.
Auf Göppinger Seite steht mit Coveli eine echte Institution. Der frühere Mittelfeldspieler – unter anderem bei den Stuttgarter Kickers – prägt den Göppinger SV seit vielen Jahren. Als Trainer führte er den Verein Schritt für Schritt nach oben und schaffte sogar den Sprung in die Regionalliga Südwest.
Gianni Coveli gilt als Trainer mit klarer Spielidee: offensiver Fußball, Mut zum Risiko und Vertrauen in junge Talente. Schon als Spieler dachte er taktisch, und zwar wie ein Trainer – der verlängerte Arm der Bank auf dem Platz.
In Göppingen ist er längst mehr als nur Coach. Er ist Sportvorstand, Impulsgeber und Identifikationsfigur zugleich. Besonders gefeiert wurde er in der Saison seines zehnjährigen Trainerjubiläums, als der Verein sportlich große Erfolge erlebte. Der Aufstieg in die Regionalliga war das berühmte i-Tüpfelchen. Leider, ging es nach nur einer Saison wieder hinunter in die Oberliga. Das war ganz klar „Lehrgeld“ das sie in der Regionalliga bezahlen mussten, gibt Coveli zu. In einer Liga, in der an die 12 Vereine unter absoluten Profibedingungen trainieren, war der Göppinger SV eben immer noch ein Club mit Amateurflair, gegebenenfalls ein Hauch von Semiprofessionalität, aber trainiert wurde eben meist feierabends, erst nach der Arbeit der Spieler und Trainer. Und klar, auch Geld und Sponsoren sind in der Regionalliga enorm wichtig. In der nächsten Saison 2026/27 möchte Coveli mit dem GSV einen neuen Anlauf starten. Die Kaderplanungen laufen bereits, bestätigte der Chefcoach.
Doch an diesem Nachmittag stand ihm, Gianni Coveli, ein Trainerduo gegenüber, das aktuell die Schlagzeilen in Aalen prägt.

Beniamino Molinari – vom Torjäger zum Trainer
Cheftrainer Beniamino Molinari ist ein Fußball- und Familienmensch durch und durch. Der gebürtige Schwäbisch Gmünder war früher selbst ein gefürchteter Strafraumstürmer. Über 200 Tore soll er in rund 23 Jahren aktiven Fußball erzielt haben – genau gezählt hat er nie. Seine erfolgreichste Zeit hatte er beim, mit dem er mehrere Titel gewann.
Früh zeichnete sich ab, dass Molinari dem Fußball auch nach seiner Spielerkarriere treu bleiben würde.
Trainerstationen bei der TSG Backnang und beim TSV Essingen machten ihn im süddeutschen Amateurfußball schnell bekannt. Seine Teams spielten offensiv, intensiv und mutig – genau so, wie Molinari selbst den Fußball liebt.
„Offensiv, wild und voller Energie“, so beschreibt er seine Spielphilosophie.
Der nächste Schritt führte ihn sogar in den Profifußball. Sein früherer Weggefährte Alexander Zorniger holte ihn zum zypriotischen Spitzenklub Apollon Limassol. Sie feierten auf Anhieb die Meisterschaft, und der Jubel war grenzenlos. Wir, von Checkfussballberater.de berichteten bereits (https://checkfussballberater.de/fussball-portraets-und-biographien-das-bewegte-trainerleben-des-beniamino-molinari-bereits-im-amateurfussball-machte-er-sich-im-sueddeutschen-raum-einen-namen-als-co-trainer-von-alexander-zorniger/ ).
Später arbeitete Molinari im Trainerstab des Traditionsvereins FC Schalke 04 unter Frank Kramer.
Erfahrungen, die ihn geprägt haben.
„Der Profifußball tickt anders“, sagt Molinari heute. „Das muss man wissen.“
Trotz verschiedener Anfragen anderer Vereine blieb er stets ruhig und analysierte, welcher Verein tatsächlich in Frage käme. Molinari reflektiert seine Erfahrungen, arbeitete zwischendurch an weiteren Trainerlizenzen und entwickelt dabei auch seine Ideen weiter – ohne Hektik – und das kommt nun, wie man sieht, dem VfR Aalen zu Gute, für den sich Molinari letztendlich bewusst entschied – nicht weit von Daheim entfernt, und dass man in Aalen etwas bewegen kann, wusste „Beni“ Molinari sofort, selbst, wenn es im Aalener Umfeld nie richtig einfach zu sein scheint. Ein Auf- und Ab, in den vergangenen Jahren. Doch jetzt, wirkt alles viel professioneller im Rohrwang. „Natürlich ist das Umfeld auch wichtig, damit die Trainer und Spieler in Ruhe und konzentriert arbeiten können“, unterstreicht Molinari.
Giuseppe Catizone – der ruhige Taktiker im Trainerteam
An Molinaris Seite arbeitet Giuseppe Catizone, ehemaliger Bundesligaspieler des VfB Stuttgart. Beim VfB in der Jugend wurde „Giuse“ auch ausgebildet.
Catizone gilt als analytischer Kopf im Trainerteam des VfR Aalen. Während Molinari emotional und impulsiv coacht, sehr wichtig für eine offensive Spielweise mit steter Kontrolle über die Abwehr, bringt Catizone all seine Ruhe(das ist auch sein Naturell), Struktur und Erfahrung ein.

Standardsituationen, Spielanalyse, taktische Feinheiten – vieles läuft über seine Vorbereitung (wichtige Details, die ein Spiel mitentscheiden können, interessant auch das Interview mit Giuse von einst: https://www.rund-magazin.de/news/1461/80/Interview-Giuseppe-Catizone/ ). Gleichzeitig ist er für viele Spieler ein wichtiger Ansprechpartner, der seine Erfahrungen aus dem Profifußball weitergibt. Und da hat der Italoschwabe aus Fellbach ein großes Repertoire. Bereits der FSV Waiblingen konnte von Catizone profitieren, denn vor der Anfrage Molinaris und seinem Engagement in Aalen, brachte Catizone die Waiblinger in die Verbandsliga. Gleich nach der Meisterfeier in Waiblingen, fanden bereits der Ideenaustausch und die Planungen für die neue Oberligasaison in Aalen statt.
Die beiden Trainer, „Moli“ und „Giuse“, kennen sich seit mehr als zwanzig Jahren – damals standen sie gemeinsam bei Normannia Gmünd auf dem Platz. Beide wurden auch von Alexander Zorniger geprägt.
Heute funktioniert diese Kombination auch auf der Bank: Emotionales und motivierendes Coaching, trifft auf Analyse, und „Ruhig Blut, con calma“, wenn es zu hitzig auf dem Feld wird. Kurz, die Spieler, das merkt man, fühlen sich gut aufgehoben und supported.
Göppinger SV überrascht den Tabellenführer
Für ein tolles Derby war alles angerichtet. Das Spiel selbst begann allerdings überraschend. Der Göppinger SV startete stark, technisch sauber und aggressiv in den Zweikämpfen. Das kompakte 5-3-2-System funktionierte hervorragend. Manchen vielleicht etwas zu defensiv, doch dazu muss man dann die Spielweise Covelis verstehen, und auch erklären, dass nämlich die Abwehrspieler, zum Beispiel Bastian Frölich und auch Filip Milisic, die Order haben, sich immer wieder in die Offensive zu begeben. Und das trägt tatsächlich oft Früchte.
Bereits in der 7. Minute gingen die Gäste verdient in Führung. Torschütze? Abwehrspieler Frölich, über eine schöne „Kombi“ mit Milisic. 0:1, aus Sicht des VfR.
An der Seitenlinie reagierte Molinari sofort:
„Kommt, aufwachen…!“
Der VfR Aalen hatte zunächst Mühe, ins Spiel zu finden. Das eigene 4-5-1, wirkte oft eher wie ein 4-4-2-System, griff jedoch noch nicht richtig, während Göppingen diszipliniert verteidigte.
Das Eigentor der Göppinger war dann schon eine Art Wendepunkt.
Es fiel das Tor, das dem Spiel eine neue Richtung gab. Das 1:1 entstand plötzlich – ein Eigentor aus dem Nichts, bestätigten beide Trainer nach der Partie.
„Erst dann konnten wir uns etwas befreien“, erklärte Molinari später.
Der Treffer brachte Aalen zurück ins Spiel. Der Tabellenführer gewann mehr Kontrolle im Mittelfeld und fand zunehmend besser in die Partie. Die VfR-Abwehr kann man schon als Kernstück bezeichnen, Sicherheit ist wichtig, aber dennoch zeigt Molinaris Spielphilosophie, dass so schnell wie möglich nach Ballgewinn, über die Schnittstellen im Mittelfeld, nach vorn gespielt wird. Wichtig sind beim VfR Aalen die „Achsenspieler“, Döringer, sowie der erfahrene Ali Odabas, und je nachdem, über welche Seite, Reece Hannam, der sich für keinen Weg zuweit ist, wie auch der Trainer festhielt (Molinari: „Normalerweise, lobe ich Einzelne selten…“). Oft geht es dann geht flugs über Luigi Campagna,der Bälle sichert und abfängt aber gleichzeitig, sehr schnell Kindsvater oder Maksimovic sucht. Kindsvater und Maksimovic bekamen dann auch viel Freiraum, da Antlitz die Göppinger Abwehr beschäftigte, und auch Vico Meien wirbelte, rannte des Sechzehner an, und schuf Räume für Maksimovic, der immer wieder gefährlich agierte.
VfR Aalen dreht das Derby
Nach der Pause wurde der VfR stärker. In der Halbzeit wurden wohl nochmals Abläufe erklärt.
In der 54. Minute erzielte Kindsvater die Aalener Führung. Die OstalbArena explodierte förmlich vor Begeisterung. Die Fans sangen, trommelten und machten Rabatz. Nach den Toren ertönte aus den Lautsprechern ein Lied, das inzwischen fast schon zum Aalener Heimspiel gehört: „E vola, vola…“ – die pure Partystimmung, da springen dann auch die Fans auf der Tribüne von ihren Sitzen und feiern. Ja, das kann man schon sagen, VfR-Stadionsprecher, Michael „Flex“ Flechsler, beherrscht die Klaviatur der guten Laune, besonders, wenn das Wetter grau und trüb ist.

Der bekannte Stadionsprecher des VfR Aalen: Michael „Flex“ Flechsler
Ein passender Soundtrack zudem – denn der VfR schien nun tatsächlich zu fliegen. Vieles ging nun leichter, so schien es, dennoch gaben die Göppinger nie auf, kämpften um jeden Ball und Zentimeter auf dem Feld. Viele dachten wirklich, entweder ein 3:1 oder es endet 2:2.
Die Entscheidung fiel schließlich in der 84. Minute. Maksimovic, ein überragender und umsichtiger Spieler, traf zum 3:1 und machte den Derbysieg perfekt.
Kurz vor Schluss war Molinaris Stimme noch einmal über den Platz zu hören:
„Hey – Nur noch 5-4-1 bitte!“, die Order ging an seine Mannen, vier Minuten Nachspielzeit – dann war das Spiel entschieden.
Große Emotionen nach dem Schlusspfiff
Nach dem Abpfiff feierten die Aalener Fans ausgelassen. Stadionsprecher„Flex“ ließ die Stimmung noch einmal hochleben.
Auf Göppinger Seite dagegen herrschte eher Nachdenklichkeit.
Trainer Coveli analysierte das Spiel nüchtern:
„Aalen ist wirklich eine Klasse für sich. Ein Unentschieden wäre jedoch gerechter gewesen.“ Dann folgte ein Satz, der für ein hörbares Raunen sorgte:
„Sei’s drum – ich gratuliere dir, Beni, schon jetzt zur Meisterschaft.“
Ein Derby mit Bedeutung für die Oberliga
Ob diese Prognose tatsächlich eintrifft, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Doch eines steht fest: Der VfR Aalen ist aktuell das Maß der Dinge in der Oberliga Baden-Württemberg. Der Göppinger SV wiederum bleibt ein Gegner, der mit Leidenschaft, Organisation und Trainerkompetenz jedem Team Probleme bereiten kann. Und wenn diese beiden Mannschaften aufeinandertreffen, entsteht fast immer das, was Fußballfans lieben: Ein intensives Derby voller Emotionen, Geschichten und Charaktere.
Giovanni Deriu
NACHTRAG, ein Kurz-Interview mit Marc Elser, der als Sportdirektor auch maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass das Team, der Kader, und alle die dazugehören, in Ruhe arbeiten können. Wir erreichten ihn am nächsten Tag, Marc Elser war beruflich, wie so oft, „on the road“.
Hallo Marc, Du als Sportlicher Leiter, hast natürlich auch einen Anteil am bisherigen Erfolg, hattest Du damit gerechnet, dass er sich so schnell einstellt?
Marc Elser: In gewisser Hinsicht kann man den Erfolg natürlich ein Stück weit planen, dass wir aber mittlerweile im zweiten Jahr (Anmerkung: vom auferlegten Dreijahresplan) mit so einer Dominanz momentan die Liga beherrschen, ist natürlich sensationell. Die Stellschrauben an denen wir in den vergangenen anderthalb Jahren gedreht haben, scheinen ineinander zu greifen. Dennoch sind wir noch lange nicht durch, und stehen erst am Anfang unserer Vision…
Ab wann plant man konkret für die Regionalliga, laufen bereits die ersten Schritte dafür?
Marc Elser: Natürlich planen wir zweigleisig, für die Ober – aber genauso wie für die Regionalliga Südwest. Die jeweiligen Lizenzanträge liegen bereits den Verbänden vor. Die sportliche Planung begann bereits im vergangenen Jahr, schon im Laufe der Vorrunde.
Was glaubst Du, welche Hauptgründe es dafür gibt, dass der VfR auch insgesamt wieder besser in der Stadt, und bei den Fans, ankommt?
Marc Elser: Natürlich trägt der momentane sportliche Erfolg immer etwas dazu bei. Ich denke aber auch, dass die Region unsere Arbeit im Verein wahrnimmt, und sieht, dass durch diese wachsende Gemeinschaft im Umfeld, neue Dinge entstehen und wachsen können. Wir im Präsidium, und auch da sind wir ein Team, versuchen sehr transparent, bodenständig und nachhaltig zu arbeiten. In der Hoffnung, dass das auch genauso angenommen wird.
Danke für Deine Zeit.





















































































































































































































































































