VfR Aalen – das Meisterstück! Unsere italienische Version! Molinari e Catizone, il miracolo VfR Aalen – Il VfR Aalen, al Sud della Germania, era quasi sparito dalle mappe del calcio che conta… fino a scorso sabato sera, era tutto diverso. Ora invece si é ribaltato tutto. Tra Stoccarda e Heidenheim, si torna finalmente a parlare anche di Aalen…

Un club storico, passato appena quattordici anni fa dalla 2. Bundesliga, poi precipitato tra crisi sportive, instabilità e delusioni continue. Aalen sembrava aver perso identità, fiducia e prospettiva. E invece, nel silenzio operoso del ‚Rohrwang‘ dové l’arena, qualcosa è cambiato davvero. Non con proclami. Non con investimenti folli. Ma con idee, lavoro e personalitá.

Dietro questa rinascita ci sono due uomini dal cuore italiano:
Beniamino Molinari (la famigia di Napoli) e Giuseppe Catizone (Calabria)

Un tandem moderno e complementare.
Uno vive il calcio con energia, emozione e spirito offensivo. L’altro porta calma, lettura tattica e organizzazione.

Insieme hanno rimesso in piedi un club che sembrava smarrito.
E soprattutto hanno restituito anima a una squadra che l’aveva persa.

Molinari, nato a Schwäbisch Gmünd, è stato per anni un attaccante prolifico nei campionati del sud della Germania. Oltre 200 reti in carriera, raccontano quelli che lo conoscono bene. Numeri forse mai contati davvero, perché “Beni” ha sempre preferito il campo alle statistiche.



Da allenatore ha mantenuto la stessa filosofia:
calcio offensivo, aggressivo, intenso.
“Offensiv, wild und voller Energie”, ripete spesso.


Dopo le esperienze alla TSG Backnang e al TSV Essingen, il salto nel professionismo è arrivato grazie ad un vecchio compagno di viaggio: Alexander Zorniger.
Con lui, Molinari ha conquistato il titolo cipriota con l’Apollon Limassol, vivendo un’esperienza che lo ha profondamente formato. Successivamente è arrivata anche l’esperienza allo FC Schalke 04, in uno degli ambienti più esigenti del calcio tedesco.

Esperienze che oggi si riflettono chiaramente nel suo lavoro ad Aalen.
Molinari trasmette fame, mentalità e coraggio.
E soprattutto ha saputo creare un gruppo compatto.

Al suo fianco lavora Giuseppe Catizone.
Ex professionista del VfB Stuttgart, cresciuto nella scuola calcistica sveva, Catizone rappresenta il lato razionale dello staff tecnico.

Se Molinari accende la squadra, Catizone la equilibra.
Analisi tattica, preparazione delle partite, calci piazzati, dettagli strategici: moltissimo passa dalle sue mani.

Ma il suo peso umano conta altrettanto.
I giocatori ascoltano “Giuse”, si fidano della sua esperienza e percepiscono immediatamente la credibilità di chi il calcio professionistico lo ha vissuto davvero.

Anche Catizone arrivava da un successo importante: la promozione in Verbandsliga con il FSV Waiblingen. Subito dopo i festeggiamenti, erano già iniziate le prime riunioni con Molinari per pianificare il futuro del VfR Aalen.

I due si conoscono da oltre vent’anni.
Giocavano insieme alla Normannia Gmünd.
Condividono cultura calcistica, mentalità e ambizione.

E oggi questa sintonia si vede chiaramente in panchina. Emozione e analisi.
Intensità e calma.
Fuoco e controllo.

Il VfR Aalen gioca con identità, coraggio e organizzazione.
La squadra appare finalmente viva, unita e mentalmente forte.

La promozione in Regionalliga rappresenta molto più di un semplice salto di categoria.
È il simbolo di una ricostruzione credibile.
Di un club che ha ritrovato stabilità e ambizione.



Nel calcio moderno, spesso dominato dall’improvvisazione, il lavoro di Molinari e Catizone assomiglia davvero ad un piccolo capolavoro sportivo.
E forse il viaggio non è ancora finito.

Perché entrambi custodiscono da sempre lo stesso sogno:
allenare un giorno nella loro Italia.
La terra delle origini, della famiglia e della passione calcistica.

E chissà che, prima o poi, una panchina italiana — magari in Serie D, oppure ancora più in alto — non aspetti davvero i due italosvevi che hanno riportato il VfR Aalen alla vita.

Il capolavoro del VfR Aalen è stato praticamente sigillato nella decisiva sfida di Heilbronn contro il Neckarsulm.
A firmare il gol dell’1-0, quasi simbolicamente, è stato un altro italiano: Luigi Campagna, autore di una rete pesantissima nel momento più importante della stagione. A la fine hanno festegiatto un 4-0 con 2000 tifosi fuori casa.

GiD




Porträts, Clubs & Biographien: Das MEISTERSTÜCK DES VfR AALEN – Wie ein Traditionsclub seine Seele wieder zurückeroberte… mit schwäbischer Gründlichkeit und italienischem Flair. Der VfR Aalen so scheint es, hat aus seiner Vergangenheit die richtigen Schlüsse gezogen. Die Stadt und Fans stehen jedenfalls wieder hinter ihrem Verein…und das will was heißen!

Am Ende gab es kein Halten mehr, mit dem Abpfiff im Heilbronner Stadion am See, stürmten die rund 800 VfR-Fans den Rasen, und feierten ausgelassen mit dem ganzen Team. Mit einer 4:0-Galavorstellung, machte der VfR Aalen drei Spieltage vor Schluss den Knopf drunter.

Ja, es gibt Aufstiege, die liest man nüchtern in Tabellen. Und es gibt Aufstiege, die riechen nach Schweiß, Hoffnung und gekonnter Souveränität durch Fleiß…

Der VfR Aalen hat nicht einfach die Oberliga gewonnen. Der VfR Aalen hat ein Stück seiner Identität zurückerobert.

Vor zehn Jahren spielte dieser Verein noch in der 2. Bundesliga. Große Stadien. Große Gegner. Großer Fußball. Danach kamen schwere Zeiten. Enttäuschungen. Zweifel. Unruhe. Vom FC Heidenheim und zeitweise Ulm überholt. Klar schmerzte das, Vereine aus der Nachbarschaft. Viele Vereine verschwinden nach solchen Abstürzen langsam im Nebel der Bedeutungslosigkeit.

Doch manche Clubs tragen ein besonderes Feuer in sich.

Aalen ist so ein Club.

Jetzt ist das Meisterstück vollbracht.
Der VfR steigt in die Regionalliga Südwest auf und setzt damit ein starkes Zeichen im württembergischen Fußball.

Und das Beeindruckende daran:
Eigentlich war dieser Erfolg erst für nächstes Jahr geplant.
Doch manchmal beschleunigt Fußball seine eigenen Geschichten.

Das 4:0 gegen Neckarsulm in Heilbronn war mehr als nur ein Sieg.
Es war die Krönung monatelanger Arbeit.
Schon nach 25 Minuten war klar: Mannheim spielt nur 3:3 in Villingen. Der VfR ist Meister. Viele Mannschaften hätten danach Spannung verloren. Doch Aalen spielte weiter mit Hunger, mit Kontrolle und mit der Aura eines echten Champions.



Campagna eröffnete den großen Feier-Abend am Nachmittag.
Hannam erhöhte.
Meien legte nach.
Maksimovic setzte den Schlusspunkt.

Vier Tore wie vier Hammerschläge auf die Tür zur Regionalliga. Und auch noch schön anzusehen, zollten selbst die Gegner von Türkspor Neckarsulm Respekt und gratulierten später voller Anerkennung!

Die Bilder danach waren emotional.
800 Fans machten Heilbronn kurzzeitig zu Aalener Stadtgebiet. Gesänge. Fahnen. Emotionen. Und später verlagerte sich die Feier tief hinein in die Aalener Innenstadt.

Diese Stadt hatte wieder das Gefühl, der VfR lebt. Großen Anteil daran trägt Cheftrainer Beniamino Molinari. Er wurde genau für diesen Auftrag verpflichtet. Den VfR dorthin zurückzuführen, wo Vereine wie Göppingen bereits angekommen waren: in die Regionalliga Südwest. (Und wieder runter mussten.)

Und Molinari lieferte.
Doch Erfolg im Fußball entsteht nie allein.

Giuseppe Catizone bildet gemeinsam mit ihm ein Trainerduo, das Fußball nicht nur versteht, sondern lebt. Beide bringen Erfahrung aus höheren Spielklassen mit. Beide wirken authentisch. Beide verbinden Emotion mit Analyse. Und vor allem, beide heben immer auch das Funktionsteam, und weitere Trainer des Teams hervor.

Das ist heute selten geworden.

  • Viele Trainer wollen modern wirken.
    Viele Trainer wollen sich inszenieren.
    Doch Molinari und Catizone wirken wie Fußballarbeiter alter Schule – nur mit modernen Ideen.
  • Akribisch. Detailverliebt.
    Klar in der Kommunikation.

    Vor allem aber: glaubwürdig.

    Die Mannschaft folgte ihnen blind.

    Das war während der gesamten Saison sichtbar.
    Variable Systeme. Flexible Rollen. Hohe Intensität. Gleichzeitig Stabilität und Ordnung. Der VfR konnte dominant auftreten, aber auch leiden. Er konnte Tempo spielen oder geduldig sein.

    Genau diese Balance macht Meistermannschaften aus.

    Interessant war auch die emotionale Seite nach dem Spiel. Beide Trainer bedankten sich öffentlich bei ihren Familien und besonders bei ihren Frauen.

    Ein oft unterschätzter Aspekt im Fußball.

    Trainer leben nicht nach Uhrzeiten.
    Sie leben in Spielplänen, Analysen und Drucksituationen. Die Familie trägt vieles mit. Sie stabilisiert. Sie opfert Zeit. Sie fängt Emotionen auf.

    Deshalb wirkten diese Worte ehrlich.

    Und Ehrlichkeit war ohnehin ein Markenzeichen dieser Saison.
  • Auch im Vorstand.
    Denn selbst Präsident Michael Schäfer wurde anfangs skeptisch betrachtet. Viele wollten erst Ergebnisse sehen. Doch gemeinsam mit Sportdirektor Marc Elser und Mehmet Deli entstand eine bemerkenswert ruhige Führungsebene.

    Keine großen Schlagzeilen.
    Keine öffentlichen Machtkämpfe.
    Keine Selbstdarsteller.

    Sondern Struktur.

    Der Vorstand schuf die Rahmenbedingungen und ließ die sportliche Verantwortung dort, wo sie hingehört: beim Trainerteam.

    Ein entscheidender Faktor. Gerade im Amateur- und Halbprofifußball scheitern viele Projekte an Eitelkeiten und internen Reibungen. In Aalen dagegen entstand Vertrauen.

    Und Vertrauen ist im Fußball oft wertvoller als jedes Budget.

    Vor einigen Wochen gratulierte sogar Göppingens Gästecoach Gianni Coveli bereits frühzeitig zur Meisterschaft. Auch das zeigte, wie dominant und konstant dieser VfR in dieser Saison agierte. Das Derby mit mehreren italienischen Trainern an der Seitenlinie hatte ohnehin besonderen Charme. Leidenschaft. Emotion. Temperament.

    Man spürte förmlich:
    Hier geht es um mehr als nur Punkte.

    Fußball ist Kultur. Fußball ist Familie. Fußball ist Identität.
    Und genau diese Identität hat der VfR Aalen zurückgewonnen.
    Vielleicht liegt darin die größte Leistung dieser Saison. Nicht nur der Aufstieg.

    Sondern die Tatsache, dass Fans und Stadt wieder gemeinsam hinter diesem Verein stehen.

    Drei Spieltage vor Saisonende darf gefeiert werden. Verdient gefeiert werden.

    Doch gleichzeitig beginnt jetzt bereits die nächste Herausforderung.

    Die Regionalliga wird härter.
    Schneller. Noch einen Tick professioneller. Kurz, die Regionalliga ist größtenteils bereits Profibetrieb. Aber Aalen wirkt vorbereitet.
    Nicht nur sportlich.

    Sondern strukturell.

    Und genau deshalb fühlt sich dieser Aufstieg nicht wie ein Zufall an.

    Sondern wie der Beginn von etwas Neuem.

    Vielleicht wird es noch dauern bis zur Rückkehr in den Profifußball. Vielleicht wird der Weg steinig.

    Doch der VfR Aalen hat wieder eine Richtung.

    Und manchmal ist genau das im Fußball der wichtigste Sieg überhaupt. Die eindrucksvollen Fans feierten dies bis spät in die Nacht, oder besser, in den frühen Morgen hinein. Der pure Wahnsinn, wie Giuse und Beni immer wieder kopfschüttelnd vor Freude festhielten…

    Giovanni Deriu

Fußball, Akteure & Biographien: „Mister“ Giovanni Stroppa trägt das AC Milan-Gewinner-Gen in sich. Stroppa gilt als knurrender Aufstiegstrainer. Oder, als Mann für besondere und schwierige Missionen. Wir hatten einst das Vergnügen, den italienischen Coach in Südtirol persönlich kennenzulernen. Jedenfalls ist Stroppa wieder in der Serie A angekommen – Venezia jubelt!

Warum die lautesten Trainer selten die besten sind – und was Giovanni Stroppa anders macht? Er schreit nicht. Er inszeniert sich nicht.
Und wahrscheinlich genau deshalb, gewinnt er mit seinen Teams, die ihm folgen.
Während andere Trainer Schlagzeilen produzieren, baut Stroppa Mannschaften.
Still. Konsequent. Erfolgreich.
Ein Gegenentwurf zum modernen Fußball-Lärm.

Im Fußball herrscht oft ein Irrglaube: Wer laut ist, wirkt kompetent. Wer sich verkauft, gilt als Führungspersönlichkeit. Doch die Realität auf dem Platz sieht anders aus. Erfolg entsteht nicht durch Show – sondern durch Struktur, Klarheit und Glaubwürdigkeit. Und vor allem, durch die tägliche Arbeit auf dem Platz, und außerhalb im Stillen mit all den planerischen Dingen.

Giovanni Stroppa ist der lebende Beweis dafür.

Wer ihn früher beim FC Südtirol erlebt hat, erinnert sich nicht an große Reden. Sondern an Präsenz. An Beobachtung. An dieses Gefühl: Der Mann weiß genau, was er tut – auch wenn er es nicht permanent ausspricht. Jedenfalls waren seine Augen damals überall, auch bei den Juniorenteams, U17, U19, la Primavera oder Berretti.

Knurrig? Vielleicht. Direkt? Sicher.
Aber vor allem: authentisch.

Und genau das ist der Punkt, den viele im (Jugend-)Fußball unterschätzen.


Junge Spieler hören nicht auf Worte – sie hören auf Menschen. Sie spüren sofort, ob ein Trainer Erfahrung hat, ob er Situationen selbst erlebt hat oder nur darüber spricht. Stroppa bringt diese Tiefe mit. Seine Vergangenheit bei AC Milan ist kein dekorativer Eintrag im Lebenslauf – sie ist Fundament. Stroppa bringt diese DNA des ,,Gewinnenwollens“, in allen Facetten mit: im Auftreten, nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch außerhalb, in jedem Club.

Champions-League-Sieger. UEFA-Cup-Gewinner. Aber wichtiger: jemand, der den Weg kennt.

Und genau deshalb funktioniert sein Ansatz.

Erfolg ist kein Zufall – sondern Wiederholung

Vier Aufstiege. Nicht irgendwie. Nicht einmalig.
Sondern wiederholt, bestätigt, reproduzierbar.

Mit dem FC Crotone.
Mit AC Monza – historisch, erstmals in die Serie A. Damals bereits unter dem bereits verstorbenen, Silvio Berlusconi, mit seinem Topdirektor Adriano Galliani. Monza? Das war wie der AC Milan, nur etwas kleiner…
Dann, noch etwas schwieriger, mit US Cremonese.
Und zuletzt, mit Venezia FC. Vergangenes Jahr runter, und gleich wieder aufgestiegen – wem trauten sie es zu, na klar, Giovanni Stroppa. Genau sein Umfeld.

Der jüngste Aufstieg sagt alles:
2:2 bei Spezia Calcio – und wieder oben.
Venezia? Nur elf Monate nach dem Abstieg zurück in der Serie A.
Kein Zufall. Kein Lauf. Ein Muster.

Vier Aufstiege in sechs Jahren.

Wenn das kein System ist – was dann?

Der Unterschied: Stroppa baut – andere reagieren

Viele Trainer leben von Momenten.
Ein guter Lauf. Eine starke Phase. Eine glückliche Saison.
Stroppa lebt von Konstruktion.

Er kommt in einen Verein – und redet nicht sofort. Er schaut.
Stroppa analysiert gut und lang, wie es die Zeit eben erlaubt.
Er versteht die Dynamik.

Erst dann greift er ein.

Sein Fußball ist kein Chaos mit Glückstreffern.
Er ist organisiert:
hohes Pressing, enge Linien, klarer Aufbau.
Das klingt simpel – ist aber brutal anspruchsvoll.
Denn es verlangt Disziplin. Und Überzeugung.

Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Kein Dogma – aber eine klare Handschrift

Der nächste Punkt, den viele übersehen:
Stroppa ist kein sturer Ideologe.



Er passt sich an – ohne sich zu verlieren.
Unterschiedliche Teams, unterschiedliche Spielertypen, unterschiedliche Ziele.
Und trotzdem erkennt man seine Handschrift.

Das ist hohe Trainerkunst.

Nicht stur bleiben. Aber auch nicht beliebig werden.

Warum genau solche Trainer eigentlich in den Nachwuchs gehören

Hier wird es unbequem – aber notwendig:

Die besten Jugendtrainer sind nicht die lautesten.
Nicht die, die am meisten erklären. Sondern die, die verstanden werden.

Warum? Weil sie es selbst erlebt haben.

Ein Spieler akzeptiert Kritik nur dann wirklich, wenn sie glaubwürdig ist. Wenn sie von jemandem kommt, der die Situation kennt. Der Druck gespürt hat. Der Fehler selbst gemacht hat.

Stroppa ist genau so ein Trainer. Er schaut auch immer bei den Junioren zu, schätzt die Arbeit der Trainer.

Und genau deshalb nimmt er sich Zeit für Nachwuchs, für Gespräche, für empfohlene Spieler. Nicht aus Imagegründen – sondern aus Überzeugung.

Serie A ist kein Ziel mehr – sondern Mindeststandard

Hier liegt die vielleicht wichtigste Entwicklung:
Früher galt:
Stroppa bringt Teams nach oben.
Heute gilt: Stroppa gehört nach oben. Nur noch eine Frage der Zeit, wann ihm ein Champions-League taugliches Team anvertraut wird. Er kann Serie B, genauso aber europäischen Fußball, genau das Niveau, das er auch als Profikicker erlebt und geatmet hat.

Die Serie A ist kein Bonus mehr.
Sie ist die logische Konsequenz seiner Arbeit.

Und jetzt beginnt die eigentliche Aufgabe:
Nicht nur aufsteigen. Sondern bleiben.
Und bestehen.

Die leisen gewinnen am Ende

Es gibt dieses Bild:
Spiel vorbei. Sieg eingefahren.
Und Stroppa? Kein Ausrasten. Kein Jubel-Drama. Aber klar, die Freude sieht man ihm schon auch an.

Ein kurzes Lächeln.
Ein Blick nach vorne. Das war’s.
Warum? Weil er weiß: Das Ziel liegt nicht im Sieg.
Sondern im nächsten Schritt.

Der moderne Fußball liebt Geschichten.
Hype. Emotion. Lautstärke.

Aber am Ende gewinnt oft etwas anderes:

Klarheit. Struktur Und echte Erfahrung.

Giovanni Stroppa liefert genau das.

Ohne Show. Ohne Theater.
Ohne Ausreden.

Und genau deshalb ist er einer der Trainer, über die man mehr sprechen sollte…

Giovanni Deriu

AKTUELLES +++ AKTUELLES +++ mehr als ’nur‘ ein Gerücht: Guardiola als Neuer Nationalcoach für Italien? Zwischen Heilsversprechen und Selbst-Täuschung…

Es ist mal wieder so weit: Der Name Pep Guardiola schwebt wie ein Heilsversprechen über dem italienischen Fußball. Ein leiser Hauch von Erlösung, gewürzt mit der Hoffnung, dass ein Genie von außen das richten könnte, was innen seit Jahren knirscht. Die Versuchung ist groß. Zu groß vielleicht.Denn ja – Guardiola liebt Italien. Das ist keine Floskel, sondern gelebte Geschichte. Brescia, Rom, Begegnungen, Respekt. Italien ist für ihn kein fremdes Terrain. Und genau das macht die Sache so brisant. Gefährlich, weil Nähe manchmal den Blick vernebelt.

Der Reflex: Der große Name muss es richtenIn Spanien wird sein Abschied aus Manchester längst diskutiert, der Gedanke an eine Nationalmannschaft reizt ihn schon länger. Weniger täglicher Druck, mehr Fokus auf Idee statt Dauerfeuer – das passt zu einem Trainer, der Fußball wie ein Schachspiel denkt.

Und Italien? Greift nach diesem Gedanken wie ein Ertrinkender nach einem Ast. Doch genau hier beginnt die Selbsttäuschung.

Der Reflex ist alt: Wenn es nicht läuft, holt man den großen Namen. Den Visionär. Den Retter. Dabei wird übersehen, dass ein Trainer allein kein strukturelles Problem löst.Guardiola ist kein Feuerwehrmann. Er ist ein Architekt.Wer ihn holt, holt keine schnelle Lösung – sondern eine radikale Baustelle. Guardiola ist kein Trainer – er ist ein System!

Das Problem liegt tiefer: Guardiola bringt nicht nur Taktik mit, sondern eine komplette Denkweise. Seine Idee durchdringt alles – vom Training über die Spielerentwicklung bis hin zur Kultur eines Verbandes.Das bedeutet: Wer ihn holt, muss bereit sein, sich selbst zu verändern. Und genau da wird es kritisch. Italien fehlt seit Jahren nicht an Talent oder Leidenschaft. Es fehlt an Klarheit. An Mut zur Linie. An konsequenter Umsetzung. Die Strukturen sind träge, die Vision oft kurzfristig.Guardiola würde das sichtbar machen. Schonungslos.Aber er würde es nicht automatisch lösen.Im Gegenteil: Die Gefahr ist groß, dass er zum überstrahlenden Mittelpunkt wird. Zum Guru, zum Macher – während im Hintergrund die alten Muster weiterleben. Dann wäre er nicht Teil der Lösung, sondern Teil einer neuen Illusion. Die vergessene Revolution:

Baggios 900 Seiten Staub

Und dann ist da diese fast bittere Ironie. Italien hatte seine Vision bereits. Roberto Baggio hat 2011 ein umfassendes Konzept zur Erneuerung des italienischen Fußballs vorgelegt. 900 Seiten Analyse, Idee, Zukunft.Und was ist passiert? Nichts. Das Papier verstaubte. Die Chance verpuffte. Der Wille zur echten Veränderung blieb aus.Das ist der Kern des Problems. Nicht der fehlende Guardiola. Sondern die fehlende Konsequenz. Die Verbindung zwischen Guardiola und Baggio ist dabei fast symbolisch: zwei große Fußball-Denker, die sich respektieren. Der eine könnte kommen – der andere wurde nie wirklich gehört. Vielleicht sollte genau das zu denken geben.

Entscheidung statt Sehnsucht

Natürlich wäre Guardiola ein Statement. Ein Signal für Aufbruch, für Mut, für Veränderung. Aber ein Signal allein gewinnt keine Spiele – und schon gar keine Identität. Italien steht an einem Punkt, an dem es sich entscheiden muss. Will man wieder nur hoffen, dass jemand von außen alles richtet? Oder ist man bereit, sich selbst zu hinterfragen und einen klaren Weg zu gehen – mit oder ohne großen Namen?

Pep Guardiola kann ein Teil dieser Antwort sein. Vielleicht sogar ein entscheidender. Aber er darf nicht die Antwort selbst sein. Sonst bleibt am Ende nur das, was man in Italien inzwischen zu gut kennt: große Erwartungen, große Namen – und eine Realität, die wieder hinterherhinkt.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob Guardiola kommt. Sondern, ob Italien endlich weiß, wohin es will…

Giovanni Deriu

Quelle: La Gazzetta dello Sport

https://www.gazzetta.it/Calcio/Nazionale/24-04-2026/azzurro-guardiola-pep-ama-l-italia-e-una-scommessa-che-lo-attira.shtml

Aktuell++ aktuell! Italien fehlt mit seiner Squadra Azzurra – ist aber bei der WM dabei: Wie der Maschinenraum des Calcio den Weltfußball weiter antreibt… ganz ohne italienisches „Knowhow geht es doch nicht!

Der italienische Fußball taumelt noch – die Nationalmannschaft hat die WM verpasst, die Wunden sind frisch, die Stimmung irgendwo zwischen Melancholie und Espresso doppio. Aber – und jetzt kommt der Teil, bei dem man die Augenbraue hebt – ganz weg ist Italien von der großen Bühne eben doch nicht. Denn wenn die Welt 2026 in Nordamerika rollt, steht „Made in Italy“ weiterhin geschniegelt an der Seitenlinie. Und zwar nicht zu knapp.

Zusammenfassung – süffisant, aber sauber gespielt

Also gut: Italien fährt nicht zur WM. Sagt das Ergebnis von Zenica, und das ist so endgültig wie ein schlecht verteidigter Standard in der Nachspielzeit. Aber wer glaubt, die Italiener bleiben im Juni alle am Strand von Rimini, hat das Spiel nicht verstanden.

Denn während die Azzurri zu Hause die Narben zählen, exportiert Italien weiter das, was es seit Jahrzehnten kann: Fußballhirn, Taktik, Staff-Power.

Allen voran Carlo Ancelotti. Der Mann, der jetzt ausgerechnet Brasilien organisiert – also Defensive zuerst, Struktur rein, und vorne dürfen dann Künstler wie Vinícius tanzen. Ein bisschen wie ein Architekt, der in Rio plötzlich deutsche Baupläne ausrollt. Funktioniert? Sieht so aus.

Dann Vincenzo Montella. Der „Aeroplanino“ hat die Türkei zurück zur WM gebracht – nach 24 Jahren Pause. Und das mit einem Team, das mehr kann, als viele denken. Viertelfinale bei der EM, solide Gruppe bei der WM – Montella liefert. Leise, aber effizient. Kein Spektakel, sondern Substanz.

Und Fabio Cannavaro? Der Weltmeister von 2006 schreibt das vielleicht charmanteste Kapitel: WM-Debüt mit Usbekistan. Ein Fußballmärchen zwischen Moscheen und Außenseiterträumen. Und ganz ehrlich – genau solche Geschichten machen Turniere groß.

Die eigentliche Pointe – Italiens unsichtbare Armee

Jetzt wird’s interessant. Denn Italien ist nicht nur Trainerland, sondern eine Art geheime Supermacht im Maschinenraum des Fußballs:

Fitnesstrainer, die mehr laufen als die Spieler
Physiotherapeuten, die Karrieren verlängern
Analysten, die Gegner seziern wie Chirurgen

Beispiele? Bitte sehr:

Yuri Annecchiarico bei Frankreich – Weltmeister 2018, wieder heißer Kandidat.
Guido Nanni in Algerien – der Mann vom legendären Totti-Selfie, arbeitet nun Trainer Petkovic zu.
Mario Pafundi – vom Radsport zum Vertrauensphysio eines der besten Stürmer der Welt.
Fabio Massimo Francioni – Sportwissenschaftler beim Katar-Team.
Andrea Lanfranco – Daten, Reha, Präzision bei der Schweiz.

Das ist kein Zufall. Das ist System. Italien liefert keine Masse mehr auf dem Feld – aber Klasse hinter den Kulissen.

Fazit, das Hoffnung macht

Die bittere Wahrheit: Italien fehlt auf dem Platz.
Die süße Wahrheit: Italien ist trotzdem überall.

Vielleicht ist genau das die neue Realität: weniger Hymne vor dem Spiel, mehr Einfluss währenddessen. Weniger Pathos, mehr Professionalität.

Oder, um es im passenden Ton zu sagen:
Italien hat die WM verpasst – aber den Fußball noch lange nicht.

Giovanni Deriu

Quelle: La Gazzetta dello Sport

(https://www.gazzetta.it/Calcio/nazionali/storie/03-04-2026/ancelotti-montella-cannavaro-gli-italiani-che-vanno-al-mondiale/gli-italiani-al-mondiale.shtml)

Reportage – Fußball-WM 2026: ohne Squadra Azzurra! Zenica: Italiens dritter Sturz ins Nichts. Diesmal scheitert Italien an Bosnien. Schon zum dritten Mal berichten wir hier auf dem Blog, über das Aus der Italiener… Die Probleme liegen viel tiefer, als gedacht!

Es ist nicht mehr nur ein Scheitern. Es ist ein Muster. Bosnien schickt eine ganze Fußballnation ins Tal der Tränen – und wenn nicht in Depressionen, dann aber zumindest in tiefe Melancholie.

In Bosniens Zenica vor knapp 10.000 Fans, im engen Stadion, das rein gar nichts mit den oft künstlichen Arenen zu tun hat, vollendete sich am Dienstagabend, was sich seit Jahren ankündigt: Die italienische Nationalmannschaft ist zum dritten Mal in Folge nicht bei einer Weltmeisterschaft dabei.

Ein Drama pur. Erst nach Elfmeterschießen fiel die Entscheidung zur WM-Teilnahme. Unentschieden 1:1 hieß es nach regulärer Spielzeit, die Verlängerung verlief torlos. Dann wurde die Niederlage gegen das ‚kleine‘ Bosnien bittere Realität. Aus, finito la festa, 2:5. Gefeiert haben die Bosnier. So nüchtern lässt sich das Ergebnis zusammenfassen.

Aber die Wahrheit dahinter ist alles andere als nüchtern. Sie ist laut. Und sie ist unangenehm. Italiens Problem, das vermuteten schon viele Experten und Schwarzmaler im Vorfeld, sitzt tiefer – im Kopf.

Auf dem Papier war Italien besser: mehr Qualität. Mehr Erfahrung. Mehr Fußball-Geschichte.
Doch auf dem Papier wurde noch nie ein Tor geschossen. Zenica hat das ein für alle Mal klargemacht.

Scheitern I: Der Kopf ist schwach – und keiner will es hören

Die größte Lüge dieses italienischen Fußballs ist, dass es an Details liegt. Tut es nicht. Italien scheitert nicht an Taktik. Auch nicht an Technik. Nicht einmal am Talent. Italien scheitert wieder einmal an sich selbst.

Zweimal hat man bereits die WM verpasst – 2018 und 2022. Jetzt ein drittes Mal. Kaum zu glauben, dass Italien die Europameisterschaft 2021 in England gewann.

Das Verpassen einer WM zum dritten Mal nacheinander ist kein Ausrutscher mehr. Das ist fast schon eine neue Fußballidentität. Und trotzdem klammert man sich an gestern. An 1982. An 2006. An Namen wie Dino Zoff, Paolo Rossi oder Del Piero und Totti, sowie Weltmeistertrainer Marcello Lippi.

Vergangenheit als Betäubung. Nicht mehr als Inspiration, als es noch echte Charaktere gab. Starke Typen. Dabei hatte einer den Finger in die Wunde gelegt: Gennaro Gattuso, der Nationaltrainer selbst. Keine Poesie. Keine Ausflüchte. Seine Botschaft war klar: arbeiten, leiden, Verantwortung übernehmen. So ist ‚Rino‘ Gattuso selbst Weltmeister unter Lippi geworden. 2006 in Berlin.

Nach dem Spiel stand der ‚Cití‘, commissario tecnico, mit glasigen Augen da. Das Spiel hatte ihn arg mitgenommen, über 120 Minuten coachte er sein Team, das über 80 Minuten in Unterzahl spielen musste. Teamchef Gattuso entschuldigte sich, dass es leider „wieder nicht gereicht“ habe, diese Niederlage sei nur schwer zu verdauen. Eine Niederlage, die größer ist als er. Vielleicht ist genau das das Problem: Die Ehrlichen tragen die Schuld. Die Verantwortlichen schweigen.

Scheitern II: Das System schützt sich, nicht den Fußball

Wer jetzt über den Schiedsrichter spricht, hat nichts verstanden. Ja, es gab natürlich strittige Szenen. Und ja, es gab eine rote Karte. Aber das sind Symptome. Keine Ursachen. Die Ursache liegt dort, wo selten Kameras sind: Im System. Im italienischen Fußballverband, in dessen Ausrichtung.

Wenn zum Beispiel im Jugendbereich Beziehungen wichtiger sind als Leistung, wo
(subtile) Korruption kein Skandal mehr ist, sondern ein offenes Geheimnis, dann stirbt der Fußball nicht spektakulär. Er verrottet langsam, von innen. Und alle sehen zu.

Hat die FIGC, die italienische Fußball-Federation, je den Mut gehabt, das offen anzusprechen? Nein, natürlich nicht. Einschnitte tun weh. Und kurzfristige Erfolge, wie der EM-Titel vor fünf Jahren in London, übertünchen Flecken und Risse im System. Es wird viel diskutiert – aber hinter verschlossenen Türen. Geflüstert statt gehandelt. Warum?

Weil zu viele abhängig sind. Zu viele profitieren. Zu viele Angst haben, ausgeschlossen zu werden. Also redet man, macht aber weiter wie bisher. Das ist kein Versagen mehr. Das ist ein System, das sich selbst schützt.

Diejenigen, die konstruktive Kritik üben, werden nicht gehört oder vertröstet. Es gibt etliche gute und integre Scouts und Beobachter in Italien. Allein, das System ist stärker, wie ein Abwehrbollwerk – das Catenaccio: Dafür waren die Italiener einst gefürchtet auf dem Platz. Mit viel Mentalität und Gattusos Coaching an der Außenlinie hielt die Abwehr bis zum Elfmeterschießen auch stand.

Die Arroganz vor dem Fall

Bosnien? „Machbar.“ Ein Wort, das wie ein Bumerang zurückschlug. In sozialen Medien lachte man erfreut über den Gegner Bosnien, der Wales bereits eliminiert hatte – nach Elfmeterschießen. Auch Federico Dimarco relativierte später. Zu spät.

Denn Bosnien spielte nicht auf „Machbarkeit“. Bosnien spielte mutig. Klar. Entschlossen, wie es die Kräfte noch zuließen. Das muss man anerkennen. Sie waren nicht größer. Nicht berühmter. Aber sie waren bereit. Und genau das hat gereicht.

Während Italien dachte, Erfahrung werde irgendwie reichen, hat Bosnien gehandelt. Während Italien zweifelte, hat Bosnien geglaubt. Das ist kein Zufall. Das ist ein Urteil. So empfanden es jedenfalls viele Fans und Beobachter.

Eine Generation ohne Erwartung

Es gibt junge Italiener, für die eine Weltmeisterschaft ohne Italien normal ist. Nicht schockierend. Fast nicht mehr tragisch. Einfach normal. Früher (!) zählte Italien stets zum erweiterten Favoritenkreis. Das ist der eigentliche Kollaps. Der Fußball – il Calcio – war einmal mehr als Sport. Er war Stolz. Identität. Drama.

Heute ist er oft nur noch Erinnerung. Und Erinnerungen schießen keine Tore. Die Medien drehen durch. Die Fans toben. Und der Name Gabriele Gravina, der Verbandspräsident, steht im Zentrum der Kritik. Vielleicht fällt er. Vielleicht nicht. Aber, es wäre nun, nach einer Pleitenserie, längst überfällig. Aber selbst wenn – das reicht nicht. Ein neues Gesicht ändert kein krankes System.

Keine Ausreden mehr

„Italiener verlieren Kriege, als seien es Fußballspiele – und sie verlieren Fußballspiele, als seien es Kriege.“ Ein Satz, oft Winston Churchill zugeschrieben. Heute klingt er weniger wie Spott. Mehr wie Diagnose. Denn Zenica war keine Niederlage. Es war ein Spiegel.

Keine Ausreden mehr. Kein „Pech“. Kein „nächstes Mal“. Nur noch Wahrheit, bitte. Am Ende bleibt nur Stille, nach dem Fiasko und Drama im Hexenkessel von Zenica. Ein Trainer wie Gennaro Gattuso, der Tränen verdrückt. Ein Team, das gekämpft hat – aber etwas nicht gereicht hat.

Ein Land, das sich entscheiden muss: zurück zur Realität oder weiter in die Illusion. Irgendwo klingt es fast schon zynisch, aber auch ein wenig poetisch. Wie einst beim italienischen Barden, Lucio Dalla:
„Ma l’America è lontana …“, Amerika ist weit weg.

So weit wie dieser Traum. Vielleicht noch weiter. Vielleicht – auf der anderen Seite des Mondes. Bei der WM in Amerika, Mexiko und Kanada jedenfalls, wird man die Squadra Azzurra vielleicht vermissen. Vielleicht aber auch nicht …

Giovanni Deriu

Der Bericht erschien zuerst hier, bei TichysEinblick:

Fußball, Scouting & Akteure: Reportage – Der VfR Aalen auf dem Weg nach Oben! Im Heimspiel besiegte das Molinari-Team den Regionalliga-Absteiger, 1. Göppinger SV, mit 3:1! Es war ein umkämpftes Match, und am Ende gratulierte GSV-Gästecoach Gianni Coveli bereits zur Meisterschaft… Ein interessantes Derby und drei italienische Trainer an der Seitenlinie – da war was geboten!

Eines steht fest, Beniamino Molinari wurde extra dafür verpflichtet, mit dem VfR Aalen dorthin zurückzukehren, also aufzusteigen, woher der Gegner aus Göppingen gekommen ist: nämlich in die Regionalliga Südwest. Und es sieht nach dem 3:1-Sieg über den Göppinger SV auch ganz gut aus. Es war ein Ergebnis mit Signalwirkung im Aufstiegsrennen der Oberliga Baden-Württemberg. Der Tabellenführer baut seinen Vorsprung auf fünf Punkte vor dem VfR Mannheim aus – und hat dazu sogar noch ein Spiel weniger absolviert.

Doch dieses Spiel war mehr als nur ein weiterer Dreier.

Es war ein Derby mit Atmosphäre, taktischer Würze – und italienischem Trainerflair an der Seitenlinie

Drei italienische Trainer prägen das Oberligaderby
Im Mittelpunkt standen drei Trainerpersönlichkeiten: Gianni Coveli. Beniamino Molinari und Giuseppe Catizone.

Auf Göppinger Seite steht mit Coveli eine echte Institution. Der frühere Mittelfeldspieler – unter anderem bei den Stuttgarter Kickers – prägt den Göppinger SV seit vielen Jahren. Als Trainer führte er den Verein Schritt für Schritt nach oben und schaffte sogar den Sprung in die Regionalliga Südwest.

Gianni Coveli gilt als Trainer mit klarer Spielidee: offensiver Fußball, Mut zum Risiko und Vertrauen in junge Talente. Schon als Spieler dachte er taktisch, und zwar wie ein Trainer – der verlängerte Arm der Bank auf dem Platz.

In Göppingen ist er längst mehr als nur Coach. Er ist Sportvorstand, Impulsgeber und Identifikationsfigur zugleich. Besonders gefeiert wurde er in der Saison seines zehnjährigen Trainerjubiläums, als der Verein sportlich große Erfolge erlebte. Der Aufstieg in die Regionalliga war das berühmte i-Tüpfelchen. Leider, ging es nach nur einer Saison wieder hinunter in die Oberliga. Das war ganz klar „Lehrgeld“ das sie in der Regionalliga bezahlen mussten, gibt Coveli zu. In einer Liga, in der an die 12 Vereine unter absoluten Profibedingungen trainieren, war der Göppinger SV eben immer noch ein Club mit Amateurflair, gegebenenfalls ein Hauch von Semiprofessionalität, aber trainiert wurde eben meist feierabends, erst nach der Arbeit der Spieler und Trainer. Und klar, auch Geld und Sponsoren sind in der Regionalliga enorm wichtig. In der nächsten Saison 2026/27 möchte Coveli mit dem GSV einen neuen Anlauf starten. Die Kaderplanungen laufen bereits, bestätigte der Chefcoach.

Doch an diesem Nachmittag stand ihm, Gianni Coveli, ein Trainerduo gegenüber, das aktuell die Schlagzeilen in Aalen prägt.



Beniamino Molinari – vom Torjäger zum Trainer

Cheftrainer Beniamino Molinari ist ein Fußball- und Familienmensch durch und durch. Der gebürtige Schwäbisch Gmünder war früher selbst ein gefürchteter Strafraumstürmer. Über 200 Tore soll er in rund 23 Jahren aktiven Fußball erzielt haben – genau gezählt hat er nie. Seine erfolgreichste Zeit hatte er beim, mit dem er mehrere Titel gewann.

Früh zeichnete sich ab, dass Molinari dem Fußball auch nach seiner Spielerkarriere treu bleiben würde.

Trainerstationen bei der TSG Backnang und beim TSV Essingen machten ihn im süddeutschen Amateurfußball schnell bekannt. Seine Teams spielten offensiv, intensiv und mutig – genau so, wie Molinari selbst den Fußball liebt.
„Offensiv, wild und voller Energie“, so beschreibt er seine Spielphilosophie.

Der nächste Schritt führte ihn sogar in den Profifußball. Sein früherer Weggefährte Alexander Zorniger holte ihn zum zypriotischen Spitzenklub Apollon Limassol. Sie feierten auf Anhieb die Meisterschaft, und der Jubel war grenzenlos. Wir, von Checkfussballberater.de berichteten bereits (https://checkfussballberater.de/fussball-portraets-und-biographien-das-bewegte-trainerleben-des-beniamino-molinari-bereits-im-amateurfussball-machte-er-sich-im-sueddeutschen-raum-einen-namen-als-co-trainer-von-alexander-zorniger/ ).

Später arbeitete Molinari im Trainerstab des Traditionsvereins FC Schalke 04 unter Frank Kramer.

Erfahrungen, die ihn geprägt haben.

„Der Profifußball tickt anders“, sagt Molinari heute. „Das muss man wissen.“
Trotz verschiedener Anfragen anderer Vereine blieb er stets ruhig und analysierte, welcher Verein tatsächlich in Frage käme. Molinari reflektiert seine Erfahrungen, arbeitete zwischendurch an weiteren Trainerlizenzen und entwickelt dabei auch seine Ideen weiter – ohne Hektik – und das kommt nun, wie man sieht, dem VfR Aalen zu Gute, für den sich Molinari letztendlich bewusst entschied – nicht weit von Daheim entfernt, und dass man in Aalen etwas bewegen kann, wusste „Beni“ Molinari sofort, selbst, wenn es im Aalener Umfeld nie richtig einfach zu sein scheint. Ein Auf- und Ab, in den vergangenen Jahren. Doch jetzt, wirkt alles viel professioneller im Rohrwang. „Natürlich ist das Umfeld auch wichtig, damit die Trainer und Spieler in Ruhe und konzentriert arbeiten können“, unterstreicht Molinari.

Giuseppe Catizone – der ruhige Taktiker im Trainerteam

An Molinaris Seite arbeitet Giuseppe Catizone, ehemaliger Bundesligaspieler des VfB Stuttgart. Beim VfB in der Jugend wurde „Giuse“ auch ausgebildet.

Catizone gilt als analytischer Kopf im Trainerteam des VfR Aalen. Während Molinari emotional und impulsiv coacht, sehr wichtig für eine offensive Spielweise mit steter Kontrolle über die Abwehr, bringt Catizone all seine Ruhe(das ist auch sein Naturell), Struktur und Erfahrung ein.


Standardsituationen, Spielanalyse, taktische Feinheiten – vieles läuft über seine Vorbereitung (wichtige Details, die ein Spiel mitentscheiden können, interessant auch das Interview mit Giuse von einst: https://www.rund-magazin.de/news/1461/80/Interview-Giuseppe-Catizone/ ). Gleichzeitig ist er für viele Spieler ein wichtiger Ansprechpartner, der seine Erfahrungen aus dem Profifußball weitergibt. Und da hat der Italoschwabe aus Fellbach ein großes Repertoire. Bereits der FSV Waiblingen konnte von Catizone profitieren, denn vor der Anfrage Molinaris und seinem Engagement in Aalen, brachte Catizone die Waiblinger in die Verbandsliga. Gleich nach der Meisterfeier in Waiblingen, fanden bereits der Ideenaustausch und die Planungen für die neue Oberligasaison in Aalen statt.

Die beiden Trainer, „Moli“ und „Giuse“, kennen sich seit mehr als zwanzig Jahren – damals standen sie gemeinsam bei Normannia Gmünd auf dem Platz. Beide wurden auch von Alexander Zorniger geprägt.
Heute funktioniert diese Kombination auch auf der Bank: Emotionales und motivierendes Coaching, trifft auf Analyse, und „Ruhig Blut, con calma“, wenn es zu hitzig auf dem Feld wird. Kurz, die Spieler, das merkt man, fühlen sich gut aufgehoben und supported.

Göppinger SV überrascht den Tabellenführer

Für ein tolles Derby war alles angerichtet. Das Spiel selbst begann allerdings überraschend. Der Göppinger SV startete stark, technisch sauber und aggressiv in den Zweikämpfen. Das kompakte 5-3-2-System funktionierte hervorragend. Manchen vielleicht etwas zu defensiv, doch dazu muss man dann die Spielweise Covelis verstehen, und auch erklären, dass nämlich die Abwehrspieler, zum Beispiel Bastian Frölich und auch Filip Milisic, die Order haben, sich immer wieder in die Offensive zu begeben. Und das trägt tatsächlich oft Früchte.

Bereits in der 7. Minute gingen die Gäste verdient in Führung. Torschütze? Abwehrspieler Frölich, über eine schöne „Kombi“ mit Milisic. 0:1, aus Sicht des VfR.

An der Seitenlinie reagierte Molinari sofort:
„Kommt, aufwachen…!“

Der VfR Aalen hatte zunächst Mühe, ins Spiel zu finden. Das eigene 4-5-1, wirkte oft eher wie ein 4-4-2-System, griff jedoch noch nicht richtig, während Göppingen diszipliniert verteidigte.

Das Eigentor der Göppinger war dann schon eine Art Wendepunkt.

Es fiel das Tor, das dem Spiel eine neue Richtung gab. Das 1:1 entstand plötzlich – ein Eigentor aus dem Nichts, bestätigten beide Trainer nach der Partie.

„Erst dann konnten wir uns etwas befreien“, erklärte Molinari später.

Der Treffer brachte Aalen zurück ins Spiel. Der Tabellenführer gewann mehr Kontrolle im Mittelfeld und fand zunehmend besser in die Partie. Die VfR-Abwehr kann man schon als Kernstück bezeichnen, Sicherheit ist wichtig, aber dennoch zeigt Molinaris Spielphilosophie, dass so schnell wie möglich nach Ballgewinn, über die Schnittstellen im Mittelfeld, nach vorn gespielt wird. Wichtig sind beim VfR Aalen die „Achsenspieler“, Döringer, sowie der erfahrene Ali Odabas, und je nachdem, über welche Seite, Reece Hannam, der sich für keinen Weg zuweit ist, wie auch der Trainer festhielt (Molinari: „Normalerweise, lobe ich Einzelne selten…“). Oft geht es dann geht flugs über Luigi Campagna,der Bälle sichert und abfängt aber gleichzeitig, sehr schnell Kindsvater oder Maksimovic sucht. Kindsvater und Maksimovic bekamen dann auch viel Freiraum, da Antlitz die Göppinger Abwehr beschäftigte, und auch Vico Meien wirbelte, rannte des Sechzehner an, und schuf Räume für Maksimovic, der immer wieder gefährlich agierte.

VfR Aalen dreht das Derby
Nach der Pause wurde der VfR stärker. In der Halbzeit wurden wohl nochmals Abläufe erklärt.

In der 54. Minute erzielte Kindsvater die Aalener Führung. Die OstalbArena explodierte förmlich vor Begeisterung. Die Fans sangen, trommelten und machten Rabatz. Nach den Toren ertönte aus den Lautsprechern ein Lied, das inzwischen fast schon zum Aalener Heimspiel gehört: „E vola, vola…“ – die pure Partystimmung, da springen dann auch die Fans auf der Tribüne von ihren Sitzen und feiern. Ja, das kann man schon sagen, VfR-Stadionsprecher, Michael „Flex“ Flechsler, beherrscht die Klaviatur der guten Laune, besonders, wenn das Wetter grau und trüb ist.

Der bekannte Stadionsprecher des VfR Aalen: Michael „Flex“ Flechsler

Ein passender Soundtrack zudem – denn der VfR schien nun tatsächlich zu fliegen. Vieles ging nun leichter, so schien es, dennoch gaben die Göppinger nie auf, kämpften um jeden Ball und Zentimeter auf dem Feld. Viele dachten wirklich, entweder ein 3:1 oder es endet 2:2.

Die Entscheidung fiel schließlich in der 84. Minute. Maksimovic, ein überragender und umsichtiger Spieler, traf zum 3:1 und machte den Derbysieg perfekt.

Kurz vor Schluss war Molinaris Stimme noch einmal über den Platz zu hören:

„Hey – Nur noch 5-4-1 bitte!“, die Order ging an seine Mannen, vier Minuten Nachspielzeit – dann war das Spiel entschieden.

Große Emotionen nach dem Schlusspfiff
Nach dem Abpfiff feierten die Aalener Fans ausgelassen. Stadionsprecher„Flex“ ließ die Stimmung noch einmal hochleben.

Auf Göppinger Seite dagegen herrschte eher Nachdenklichkeit.

Trainer Coveli analysierte das Spiel nüchtern:

„Aalen ist wirklich eine Klasse für sich. Ein Unentschieden wäre jedoch gerechter gewesen.“ Dann folgte ein Satz, der für ein hörbares Raunen sorgte:

„Sei’s drum – ich gratuliere dir, Beni, schon jetzt zur Meisterschaft.“

Ein Derby mit Bedeutung für die Oberliga

Ob diese Prognose tatsächlich eintrifft, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Doch eines steht fest: Der VfR Aalen ist aktuell das Maß der Dinge in der Oberliga Baden-Württemberg. Der Göppinger SV wiederum bleibt ein Gegner, der mit Leidenschaft, Organisation und Trainerkompetenz jedem Team Probleme bereiten kann. Und wenn diese beiden Mannschaften aufeinandertreffen, entsteht fast immer das, was Fußballfans lieben: Ein intensives Derby voller Emotionen, Geschichten und Charaktere.

Giovanni Deriu

NACHTRAG, ein Kurz-Interview mit Marc Elser, der als Sportdirektor auch maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass das Team, der Kader, und alle die dazugehören, in Ruhe arbeiten können. Wir erreichten ihn am nächsten Tag, Marc Elser war beruflich, wie so oft, „on the road“.

Hallo Marc, Du als Sportlicher Leiter, hast natürlich auch einen Anteil am bisherigen Erfolg, hattest Du damit gerechnet, dass er sich so schnell einstellt?
Marc Elser: In gewisser Hinsicht kann man den Erfolg natürlich ein Stück weit planen, dass wir aber mittlerweile im zweiten Jahr (Anmerkung: vom auferlegten Dreijahresplan) mit so einer Dominanz momentan die Liga beherrschen, ist natürlich sensationell. Die Stellschrauben an denen wir in den vergangenen anderthalb Jahren gedreht haben, scheinen ineinander zu greifen. Dennoch sind wir noch lange nicht durch, und stehen erst am Anfang unserer Vision…

Ab wann plant man konkret für die Regionalliga, laufen bereits die ersten Schritte dafür?
Marc Elser: Natürlich planen wir zweigleisig, für die Ober – aber genauso wie für die Regionalliga Südwest. Die jeweiligen Lizenzanträge liegen bereits den Verbänden vor. Die sportliche Planung begann bereits im vergangenen Jahr, schon im Laufe der Vorrunde.

Was glaubst Du, welche Hauptgründe es dafür gibt, dass der VfR auch insgesamt wieder besser in der Stadt, und bei den Fans, ankommt?
Marc Elser: Natürlich trägt der momentane sportliche Erfolg immer etwas dazu bei. Ich denke aber auch, dass die Region unsere Arbeit im Verein wahrnimmt, und sieht, dass durch diese wachsende Gemeinschaft im Umfeld, neue Dinge entstehen und wachsen können. Wir im Präsidium, und auch da sind wir ein Team, versuchen sehr transparent, bodenständig und nachhaltig zu arbeiten. In der Hoffnung, dass das auch genauso angenommen wird.

Danke für Deine Zeit.

Porträts und Biographien: Auf ein Telefonat mit Martin Andermatt. Eigentlich sollte der ehemalige Aufstiegstrainer des SSV Ulm, als Sportdirektor beim FC Yverdon-Sport die Geschicke lenken. Doch nun ist Andermatt (ganz aktuell und notgedrungen), als Interimstrainer beim schweizer Challenge-League-Club, der zweithöchsten Liga, eingesprungen. Das fast Unmögliche, der Wiederaufstieg, soll möglich gemacht werden. Ausgesprochen ruhig wirkt Andermatt…

Rettungsmission am Neuenburgersee – Ein Telefonat mit Martin Andermatt

Der Fußball schreibt Geschichten, und manchmal schließt sich ein Kreis. Als ich dieser Tage spontan mitMartin Andermatt telefoniere, klingt seine Stimme ruhig, wie immer, ja, unaufgeregt – aber auch fokussiert. Es sind intensive Tage beim Yverdon-Sport FC. Der Traditionsklub aus der Westschweiz steckt in einer schwierigen Phase, und ausgerechnet jetzt ist Andermatt wieder ganz nah dran an der Linie. Der 64-Jährige hatte eigentlich eine andere Rolle im Verein. Als „sportlicher Verantwortlicher“, also Sportdirektor, plante er langfristig. Doch im Fußball kommt es oft anders. Nun steht er selbst wieder im Mittelpunkt der täglichen Arbeit auf dem Trainingsplatz.

„Im Moment denke ich 24 Stunden an diese Mission“, sagt Martin Andermatt im Gespräch. Seine Worte wirken nicht dramatisch – eher nüchtern. Wer ihn kennt, und seine sportliche Vita bereits als Jugendlicher in Deutschland verfolgte, weiß: Genau so arbeitet er.

Zeit ist gerade ein knappes Gut. Das merkt man auch am Telefon. Der Schweizer Trainer entschuldigt sich fast, dass das Gespräch kurz bleiben müsse.Training, Analyse, Gespräche mit Spielern, Austausch mit dem Staff – die Tage sind voll. Doch trotz der Situation nimmt er sich einen Moment, um über Fußball zu sprechen. Über Spieler. Über Chancen. Und über Geduld. (https://www.blick.ch/sport/fussball/challengeleague/wiederaufstieg-weit-weg-trainerknall-bei-yverdon-ursea-muss-gehen-id21766675.html )

Immer wieder erreichen ihn Anfragen – auch von Probespielern, Beratern und auch Scouts (so wie wir, das nur am Rande), oder jungen Talenten. Andermatt bleibt dabei konsequent. Der Proficoach: „Versprechen kann ich nichts“, sagt er offen.

Eine gute Analyse brauche Zeit. Wer helfen könne, müsse genau geprüft werden. Dabei gehe es nicht nur um Talent. Ganz entscheidend seien Charakter und Sozialverhalten. Erst danach komme das fußballerische Können. Und dann natürlich der Wille, sich durchzusetzen. Neue Spieler müssen zum Club passen, und natürlich werde zuerst in der eigenen Jugendabteilung gesichtet.

Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Karriere. Martin Andermatt ist sich immer treu geblieben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Spieler ihm zuhören.



Denn auch beim FC Yverdon-Sport, geht es jetzt um mehr als nur Taktik. Es geht um Identifikation. Um Verantwortung gegenüber einem Verein, einer Stadt und einer ganzen Region. Der Klub hat Tradition. Und genau daran erinnert Andermatt seine Mannschaft immer wieder. Wenn die Spieler wirklich wollen, wenn sie sich mit dem Verein und der Region identifizieren, wenn sie bereit sind zuzuhören – dann könne hier noch etwas entstehen. Großes vielleicht sogar, meinen wir. Aber klar, Andermatt ist näher dran. Realismus ist Pflicht momentan. Yverdon fiebert jedenfalls mit.

Es sind keine großen Parolen. Eher ruhige Überzeugungen. Und wer Andermatt kennt, weiß: Er sagt so etwas nicht leichtfertig.

Während des Telefonats denken wir auch kurz, abschweifend, an eine wichtige Station seiner Vergangenheit. Die Zeit beim SSV Ulm 1846. Ein Klub, der (leider) aktuell wieder um den Klassenerhalt in der 3. Liga kämpfen muss. Auch dort kennt man Andermatt als ruhigen, strukturierten Fußballarbeiter, und Aufstiegstrainer in die 1. Bundesliga. Die geordnete, laufintensive sowie offensive Spielweise war damals, 1999, im deutschen Fußball, schon etwas Sensationelles.

Und auch in Liechtenstein, beim FC Vaduz, sowie als Nationaltrainer der Liechtensteiner, einem Fußballzwerg, ließ Andermatt aufhorchen. Andermatt feierte mit der Nationalmannschaft im Fürstentum Liechtenstein historische Erfolge: ein 2:2 gegen Portugal und wenig später einen 4:0-Sieg in Luxemburg. 

Der Fußball kann manchmal seltsame Parallelen schreiben: Ulm kämpft derzeit gegen den Abstieg – und Yverdon steckt ebenfalls in einer wichtigen und schwierigen sportlichen Phase zugleich. Doch Andermatt, das spürt man, denkt nicht in Nostalgie. Sein Blick geht nach vorne. Analyse. Struktur. Gespräche.

Und Schritt für Schritt wieder Stabilität.

Für uns persönlich hat dieses Gespräch übrigens noch eine besondere Note. Schon vor Jahren haben wir uns journalistisch mit Martin Andermatt beschäftigt – damals für das Rund-Magazin sowie später auch für unseren Blog hier, CheckFussballberater.de. [ https://www.rund-magazin.de
ews/1562/80/Interview-Martin-Andermatt/]  ++++ [https://checkfussballberater.de/martin-andermatt-befreien-von-dem-was-einen-nach-unten-zieht/ ] Der Kontakt, und das erfüllt uns ein Stück weit mit innerer Freude, ist nie abgerissen.

Schon damals fiel auf: Dieser Trainer denkt langfristig. Und er legt Wert auf Menschen.

Vielleicht passt genau das gerade jetzt zu dieser Situation in Yverdon. Denn Rettungsmissionen im Fußball beginnen selten mit großen Schlagzeilen. Sie beginnen mit ehrlicher Arbeit. Mit Gesprächen. Mit Vertrauen.
Und mit einem Trainer, der sich selbst treu bleibt.
Wir bleiben jedenfalls in Kontakt – das ist gewiss.


Zur Person: Martin Andermatt

Martin Andermatt – wurde am 28. November 1961 in Baar in der Schweiz geboren. Als Profispieler war er vor allem im Schweizer Fußball aktiv, unter anderem beim FC Basel  sowie beim Club Grasshopper Zürich.

Nach seiner aktiven Karriere wechselte er früh ins Trainerfach und arbeitete bei verschiedenen Vereinen im Profi- und Nachwuchsbereich.
Zu seinen Trainerstationen gehörten unter anderem der FC Vaduz, Young Boys Bern, und auch der deutsche Traditionsverein SSV Ulm 1846, danach auch das Engagement bei Eintracht Frankfurt.

Zudem war er viele Jahre im Nachwuchsbereich des FC Basel tätig, wo er als Ausbilder junger Talente arbeitete. Seit einiger Zeit ist Andermatt beim FC Yverdon-Sport, in verantwortlicher Position aktiv – aktuell sogar wieder direkt an der Seitenlinie. Der 64-Jährige Proficoach, gilt als analytischer Trainer mit klaren Werten: Charakter, Teamgeist und Disziplin stehen für ihn an erster Stelle. Andermatt meinte auch, charakterfest und glaubwürdig, „müssen auch die Trainer selbst sein…“, und er fügt feinsinnig hinzu: Es gibt die Übungsleiter, „die über 750 Übungen abrufen können, und es gibt die Trainer, mit ihren gelebten Erfahrungen…“ Vielleicht genau die Mischung, die ein Klub in schwierigen Zeiten braucht. Egal, bei wem und wo, übrigens…

Giovanni Deriu

  • LINKS ZU INTERVIEWS MIT ANDERMATT

https://youtu.be/JdpKQMJSpZk?is=SwKpLt6hUCOcwI0t  (Wiedersehn 24 Jahre später, mit dem SSV Ulm)

https://youtu.be/fHrdn6W-0oA?is=NYsnepbGeCCAjGQK  (Im Kopf des Trainers)

Fußball, Akteure & Scouting, sowie Erkenntnisse! Der FC Bayern zerlegt Atalanta: Eine Lehrstunde im Champions-League-Fußball – und das, obwohl auch Atalanta einen gepflegten Fußball bieten kann…Ein paar Nachgedanken und eine Analyse

Atalanta Bergamo kassiert im Champions-League-Duell gegen den Bayern München eine deutliche Niederlage. Doch hinter dem klaren Ergebnis, steckt mehr als nur ein Klassenunterschied. Die Partie zeigt, wie groß die Lücke zwischen europäischer Elite und ambitionierten Herausforderern aktuell ist – und warum Atalanta trotzdem ein Vorbild im modernen Fußball bleibt – es kann ja gar nicht plötzlich alles falsch sein, was sich Atalanta Bergamo über Jahre aufgebaut hat – Ja, Bergamo wird gern nachgeahmt.
Bayern dominierte Atalanta jedenfalls in der Champions League komplett, und dieser Meinung sind auch die Redakteure des CORRIERE DELLO SPORT

Wir machten uns die Mühe, das Match nochmals anzuschauen, einmal komplett, und dann nochmals in Ausschnitten über 20 Minuten – und immer wieder wurden wir daran erinnert, was Trainerlegende Fabio Capello neulich bei den Kollegen von SkySport Italia sagte – die anderen europäischen Teams, und er meinte damals die Norweger von Bodø Glimt (Eine Zeitung titelte, „Bodø shaming“, nachdem die Norweger INTER MAILAND mit zwei Siegen aus dem Wettbewerb warfen), würden mit einem höheren Rhythmus spielen – die Italienischen Clubs würden hinterher laufen. Ich wiederum warf hier die Frage dazu auf, ob sich die Italiener nicht wieder auf ihre eigene DNA, der starken Abwehr, mit perfekter Raumdeckung, orientieren sollten, um laufstarke Mannschaften „totlaufen“ zu lassen, gute und schnelle Stürmer würden dann den Rest besorgen.

Bayern München zeigte in Bergamo jedenfalls eine der stärksten Offensivleistungen der Saison. Mit hohem Tempo, präzisem Passspiel und individueller Qualität kontrollierten die Münchner das Spiel von Beginn an.

Schon früh wurde deutlich, dass Atalanta Probleme haben würde, das Angriffsspiel der Bayern zu stoppen. Besonders über die Flügel erzeugten die Gäste immer wieder gefährliche Situationen. Der deutsche Rekordmeister nutzte seine Chancen konsequent und ließ dem italienischen Vertreter kaum Raum zur Entfaltung.

Taktische Entscheidung öffnet Räume
Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Formation von Atalanta.

Trainer Raffaele Palladino begann mit einem 4-4-2-System
– eine Abweichung von der gewohnten Dreierkette der Bergamaschi. Diese Umstellung führte dazu, dass Bayern häufiger Eins-gegen-eins-Situationen bekam.

Ohne zusätzliche Absicherung entstanden immer wieder große Räume in der Defensive. Genau diese nutzten die Münchner konsequent aus.

Michael Olise als Schlüsselspieler

Einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz war Michael Olise.

Der Offensivspieler sorgte mit Dribblings, Distanzschüssen und Vorlagen für permanente Gefahr. Sein Tor zum 2:0 sowie seine Beteiligung an weiteren Treffern machten ihn zum entscheidenden Faktor der Partie.

Die wichtigsten Spielstatistiken

Die Daten unterstreichen die Dominanz von Bayern München:

* Torschüsse: 25 (Bayern) – 11 (Atalanta)
* Schüsse aufs Tor: 13 – 3
* Expected Goals (xG): 4,58 – 2,09

Diese Zahlen zeigen deutlich, wie groß der Unterschied in Chancenqualität und Spielkontrolle war.

Atalanta bleibt trotzdem ein europäisches Erfolgsmodell

Trotz der Niederlage bleibt Atalanta eines der interessantesten Projekte im europäischen Fußball.

Der Klub hat sich in den letzten Jahren durch kluge Transfers, eine klare Spielphilosophie und wirtschaftliche Stabilität einen festen Platz im internationalen Wettbewerb erarbeitet.

Mit mehreren Champions-League-Teilnahmen und dem Gewinn der Europa League gehört Atalanta inzwischen zu den konstantesten italienischen Teams auf europäischer Bühne.

Es gibt Abende im europäischen Fußball, an denen man sich vorkommt wie auf dem Schießstand. Und wenn man Pech hat, ist man nicht der Schütze – sondern die Zielscheibe. Für Atalanta Bergamo war genau das der Fall. Bayern München spielte nicht einfach Fußball, Bayern hielt eine Vorlesung. Tempo, Präzision, individuelle Klasse – alles auf einem Niveau, das die Bergamaschi an diesem Abend schlicht nicht erreichen konnten.



Fazit

Die Niederlage gegen Bayern München ist schmerzhaft, aber sie ändert nichts an der Entwicklung von Atalanta.

Der italienische Klub zeigt weiterhin, dass sportliche Kompetenz und nachhaltige Planung auch im modernen Fußball Erfolg bringen können.

Gegen einen Gegner wie Bayern München reicht das manchmal trotzdem nicht.

Aber genau solche Spiele zeigen, wo sich der europäische Spitzenfußball aktuell befindet. Es existiert eben doch ein Gefälle, aber es kommt auch sehr darauf an, wieviele Experten den Trainer unterstützen, um im Vorfeld den Gegner und die Spieler richtig zu lesen…

Giovanni Deriu

Biographien, Akteure & Scouting: Ein echtes Highlight, das immer bleiben wird! Ein Gespräch mit Walter Sabatini, unserem „Maestro“, der Scouts, Sportdirektoren und Kaderplaner! Über Talent, Risiko und die Nostalgie des ‚alten Scoutings’…

Es gibt Gespräche, die bleiben. Nicht wegen der Lautstärke. Nicht wegen großer Schlagzeilen. Sondern wegen der Atmosphäre. So war es bei dem Austausch mit Walter Sabatini. Im Online-Videozoom, und Walter Sabatini, direkt aus seinem Wohnzimmer.

Ein Gespräch, das sich langsam entwickelte.
Fast tastend. Mit dieser besonderen Mischung aus Leidenschaft, Müdigkeit und Erinnerungen.
Nach etwa einer halben Stunde sagte Sabatini ruhig, er müsse bald aufhören. Sein Sauerstoffgerät warte. Es war kein dramatischer Moment. Eher ein stiller, er hatte interessant und sehr lebhaft von seinen Erfahrungen erzählt. Und mit seiner nun chronischen Erkrankung geht er offen um. Man kennt ihn, Walter, ja bestens im italienischen Fußball.

Und dann sagte er einen Satz, der viel über ihn verrät. Der Fußball, der Austausch darüber, die Zeit bei Salernitana, habe ihn lebendig gehalten.

Man merkte sofort: Das war keine Floskel.

Dieses Gespräch, wir mochten es kaum glauben, kam nur zustande, durch den Workshop von Dozent Gianfranco Multineddu. Dessen Netzwerk ist über Jahre gewachsen, geprägt von tiefer Freundschaft.

Ein Mann, der es immer wieder schafft, Menschen aus dem Innersten des Fußballs zusammenzubringen. Scouts, Sportdirektoren sowieso, Manager, und Praktiker des Fußballs überhaupt. (Dazu gehören auch Antonio Di Battista, oder Ignazio Argiolas, beide hatten schon die unterschiedlichsten Posten inne, und oft auch sehr erfolgreich)

Und an diesem Abend neulich, eben auch Sabatini. Es ist schon fast drei Wochen her, aber wir mussten das Gespräch setzen, ja, nachwirken lassen…

Ein Leben im Fußball

Heute würde man ihn wahrscheinlich „Kaderplaner“ nennen. Früher hieß es schlicht: Sportdirektor. Beobachter, Scout, Verhandler in Personalunion.

Sabatini hat viele Stationen erlebt. Viele Vereine.
Viele Projekte. Doch besonders gern erinnerte er sich an eine Zeit. Damals, Palermo, Sizilien.

Der Club, den er gemeinsam mit Präsident
Maurizio Zamparini prägte. Eine Beziehung voller Reibung. Voller Emotion.
Sabatini selbst beschrieb sie einmal als
„turbulent, aber wunderbar“.

Zamparini sei ein authentischer Mann gewesen.
Direkt. Unberechenbar.
Manchmal schwierig. Aber eben auch einzigartig. Heute, so sagte Sabatini, fehlten ihm solche Figuren im Fußball.
Zamparini starb 2022. Ein Verlust, der Sabatini sichtbar berührt. Er erwähnte auch die Tragödie um Zamparinis Sohn, der Jahre zuvor in London ums Leben kam. Ein Schmerz, der einen Vater nie verlässt. Zamparini, der harte Hund, sei an gebrochenem Herzen gestorben, ist sich Sabatini ziemlich sicher.

Fußball vor der Datenflut

Der Fußball hat sich verändert. Nicht nur sportlich. Auch medial.
Früher gab es nur die Zeitungen. Mal einen Radiosender, bisschen Fernsehen. Alles überschaubar. Die großen Sportseiten am Morgen. Mehr nicht.

Heute gibt es permanente Öffentlichkeit.
Ständige Bewertung. Zig Sender, Blogs, Internet-Plattformen. Und Sabatini sagt offen:
Als ehemaliger Profi sehe er den Fußball auch etwas anders. Er spielte selbst auf hohem Niveau, unter anderem bei Perugia und Varese, sowie für die AS Roma. Wer selbst auf dem Platz gestanden habe, erkenne Dinge schneller.
Zum Beispiel, „Talent“. Ein echtes Talent, sagt Sabatini,
sei immer sichtbar. Man müsse nicht lange suchen.
Ein echter Topspieler „frisst den Platz“. Er nimmt ihn in Besitz. Die anderen?
Sie werden vom Platz verschluckt.

Hier mit US Palermo Presidente, Maurizio Zamparini, Walter Sabatini

Der romantische Teil des Scoutings

Sabatini erinnerte sich dabei auch an die frühen Jahre seines Scoutings.
Eine Zeit, die heute fast romantisch wirkt.
Fußball pur. Er erzählte, wie er früher mit einem kleinen Notizheft und einem Kugelschreiber unterwegs war. Oft saß er stundenlang im Auto.
In einem alten Fiat 500.

Acht oder neun Stunden Fahrt waren nichts Ungewöhnliches.

Er fuhr durch ganz Italien.
Bis in die tiefsten Provinzen.
Kleine Plätze. Staubige Trainingsfelder.

Dort, wo kaum jemand hinschaute.
Dort suchte er Spieler, folgte den Tipps anderer Jugendtrainer. Keine Datenbanken.
Keine Videoplattformen.
Nur das Auge. Und das „sichere“ Gefühl, ja, da könnte ein neuer Totti oder Cavani sein.

Sabatini, der Architekt von Mannschaften

Natürlich ging es auch um seine Arbeit als Sportdirektor. Besonders um die Zeit bei der
AS Roma. Sabatini war einer der Architekten der Mannschaft, lange bevor sie sportlich wieder an die Spitze kam.
Transfers. Mutige Entscheidungen. Risiken.
Er gab zu, im Onlinegespräch, 
ja, er sei auch Risiken eingegangen.
Aber er habe sich immer durchgesetzt.
In jedem Club. Nicht mit Lautstärke.
Sondern mit Überzeugung.

Viele große Spieler kamen durch ihn nach Italien.

Bei der US Palermo, in der Zamparini-Ära,
entstand eine Mannschaft, die heute fast nostalgisch wirkt. Eine Mischung aus Talent und Instinkt. Viele mutige Spieler, die nach Sizilien passten. Namhafte Spieler, wie Javier Pastore,
Edinson Cavani, oder, Josip Iličić, spielten plötzlich gemeinsam. Dazu Figuren wie
Fabrizio Miccoli.

Eine Mannschaft,
die sogar die Großen der Serie A nervös machte.
Sabatini sprach darüber nicht mit großem Stolz. Eher mit leiser Verwunderung, dass es so gut klappte. Vertrauen in seine Arbeit, seinem Bauchgefühl, hatte Walter aber immer – selbst, wenn auch er sich „hin und wieder in einem Talent, mit seinem Durchhaltewillen“ getäuscht habe. Aber er schwärmt schon, von dieser Zeit in Palermo, von diesem Team der Unbekannten. 

Talent reicht nicht

Im Raum hörte man kaum ein Geräusch.
Die Workshopteilnehmer hörten aufmerksam zu.
Scouts, Sportdirektoren, und
Beobachter generell.
Alle lauschten. Es war ein Moment des Lernens.
Und auch ein Moment des Respekts.
Denn Sabatini sprach nicht nur über Transfers.
Er sprach über Menschen.
Über Charakter.

Über das, was einen echten Profi ausmacht.
Talent allein genügt nicht.
Das haben viele. Entscheidend sei der Charakter.

Die Fähigkeit, Druck auszuhalten.
Selbstbewusstsein. Und fame, Hunger.
Ein Spieler müsse sich durchsetzen wollen.
Immer wieder. Auch wenn niemand mehr an ihn glaubt. Sabatini ist überzeugt:

Talente verschwinden nie. Es gibt sie immer wieder. Zum Beispiel, wie aktuell, Spieler wie Antonio Vergara, von der SSC Napoli mit Trainer Antonio Conte. Oder junge Spieler aus Akademien wie Atalanta Bergamo, die später bei Clubs wie
Cagliari Calcio Spielzeit bekommen.

Trainer spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Sie müssen Mut haben.
Mut dazu, junge Spieler einzusetzen.
Mit gerade einmal 17, oder mit 18.
So wie es in Spanien oder Deutschland längst üblich sei, in der Bundesliga zum Beispiel („Deriu muss es wissen und kann es bestägigen…“, spricht er mich direkt an, nachdem ich mich vorstellen und zwei Fragen stellen konnte)

Scouting ist Begegnung

Sabatini betonte auch etwas anderes. Scouting passiert nicht (nur) am Laptop.
Man muss auf die Plätze gehen. Zu den Spielen.
Zu den Trainings. Man muss sehen,
wie sich ein Spieler verhält. Wie er spricht.
Wie er reagiert. Talent zeigt sich im Spiel.
Charakter zeigt sich im Alltag.
Eine besonders talentreiche Region in Italien sei übrigens Latium (Lazio).
Rund um Rom. Dort herrsche eine Talentdichte, auch durch die unzähligen Clubs.
Und ebenso viele junge Spieler.

Ein Leben zwischen Leidenschaft und Abgrund

Doch bei aller Fußballromantik
blieb das Gespräch auch persönlich.
Sehr persönlich, Moderator Multineddu moderiert gekonnt und zurückhaltend.
Sabatini sprach offen über sein Leben.
Über seine Familie. Für ihn sei sie das Licht seines Alltags. Sabatini, ein ehrliche, tiefe Haut. Oft klingt er wie ein melancholischer Poet des Fußballs. Vielleicht passt das, denn Sabatini hat selbst einmal, in einem anderen Intervirw gesagt,
er fühle sich manchmal wie ein verfluchter Dichter. Ein Mann zwischen Leidenschaft und Selbstzerstörung. Seine Zitate sind berühmt.
Radikal. Schonungslos.
Einmal sagte er: „Ich begehe jeden Tag Selbstmord.“ Damit meinte er seine Lebensweise. Nächte voller Arbeit.
Unzählige Zigaretten. Fünfzehn Kaffees am Tag.

Er beschrieb sich selbst einmal so:

„Ich habe ein linkes Gehirn und einen rechten Körper. Sie sind ständig im Konflikt.“

Der Preis eines Lebens im Fußball

Sabatini hat schwere gesundheitliche Krisen erlebt. 2019 erlitt er eine lebensbedrohliche Atemwegserkrankung. Er fiel ins Koma. Die Serie A, der italienische Fußball bangte um ihn.

Heute leidet er unter chronischen Problemen mit Lunge und Bronchien. Zwei Stents stabilisieren sein Herz. Das Rauchen musste er aufgeben.
Nicht aus Überzeugung. Aus Notwendigkeit. Manchmal dampft er eine E-Zigarette. Selten.

Er selbst nannte seine frühere Beziehung zu Zigaretten einmal eine „nostalgische Liebesgeschichte“. Trotz allem blieb er dem Fußball treu. Vielleicht, weil der Fußball selbst eine Art Sauerstoff ist. Für Menschen wie ihn.

Ein Satz zum Abschied

Als das Gespräch endete, blieb eine stille Stimmung von Dankbarkeit im Raum.
Keine große Geste. Kein Applaus. Nur Respekt. Und ein großes „Grazie mille“, von uns Teilnehmern, für einen Mann,
der den Fußball nie als Geschäft verstanden hat.
Sondern als Leben.

Und vielleicht fasst ein Gedanke von Sabatini alles zusammen: „Der Fußball gehört den Mutigen. Wer keine Risiken eingeht, wird nie entdecken, wie groß ein Spieler wirklich sein kann.“

Giovanni Deriu

Anmerkung und Dank:

Ein besonderer Dank gilt Dozent und Workshop-Leiter
Gianfranco Multineddu,
der diesen außergewöhnlichen Austausch möglich gemacht hat. Seine Workshops bringen regelmäßig Persönlichkeiten des internationalen Fußballs zusammen. Gast- und Impulsgeber wie
Mario Marino, Antonio Di Battista, Cristiano Giaretta oder Ignazio Argiolas,
gewähren dabei seltene Einblicke in ihre Erfahrungen, Entscheidungen und Denkweisen.

Für alle Teilnehmer sind diese Begegnungen mehr als nur Vorträge. Sie sind Fenster in eine Welt, die man nur versteht, wenn man ihr wirklich zuhör, und auch ein wenig dazugehört. Man muss zuhören können, oder wie es Sabatini auch sagte: „Ich habe Leuten immer zugehört, ja, zuzuhören, war eine meiner Hauptaufgaben, und ich tu‘ es noch heute…“ – Und an diesem Abend hörten alle besonders aufmerksam zu…