Porträts und Biographien: Auf ein Telefonat mit Martin Andermatt. Eigentlich sollte der ehemalige Aufstiegstrainer des SSV Ulm, als Sportdirektor beim FC Yverdon-Sport die Geschicke lenken. Doch nun ist Andermatt (ganz aktuell und notgedrungen), als Interimstrainer beim schweizer Challenge-League-Club, der zweithöchsten Liga, eingesprungen. Das fast Unmögliche, der Wiederaufstieg, soll möglich gemacht werden. Ausgesprochen ruhig wirkt Andermatt…

Rettungsmission am Neuenburgersee – Ein Telefonat mit Martin Andermatt

Der Fußball schreibt Geschichten, und manchmal schließt sich ein Kreis. Als ich dieser Tage spontan mitMartin Andermatt telefoniere, klingt seine Stimme ruhig, wie immer, ja, unaufgeregt – aber auch fokussiert. Es sind intensive Tage beim Yverdon-Sport FC. Der Traditionsklub aus der Westschweiz steckt in einer schwierigen Phase, und ausgerechnet jetzt ist Andermatt wieder ganz nah dran an der Linie. Der 64-Jährige hatte eigentlich eine andere Rolle im Verein. Als „sportlicher Verantwortlicher“, also Sportdirektor, plante er langfristig. Doch im Fußball kommt es oft anders. Nun steht er selbst wieder im Mittelpunkt der täglichen Arbeit auf dem Trainingsplatz.

„Im Moment denke ich 24 Stunden an diese Mission“, sagt Martin Andermatt im Gespräch. Seine Worte wirken nicht dramatisch – eher nüchtern. Wer ihn kennt, und seine sportliche Vita bereits als Jugendlicher in Deutschland verfolgte, weiß: Genau so arbeitet er.

Zeit ist gerade ein knappes Gut. Das merkt man auch am Telefon. Der Schweizer Trainer entschuldigt sich fast, dass das Gespräch kurz bleiben müsse.Training, Analyse, Gespräche mit Spielern, Austausch mit dem Staff – die Tage sind voll. Doch trotz der Situation nimmt er sich einen Moment, um über Fußball zu sprechen. Über Spieler. Über Chancen. Und über Geduld. (https://www.blick.ch/sport/fussball/challengeleague/wiederaufstieg-weit-weg-trainerknall-bei-yverdon-ursea-muss-gehen-id21766675.html )

Immer wieder erreichen ihn Anfragen – auch von Probespielern, Beratern und auch Scouts (so wie wir, das nur am Rande), oder jungen Talenten. Andermatt bleibt dabei konsequent. Der Proficoach: „Versprechen kann ich nichts“, sagt er offen.

Eine gute Analyse brauche Zeit. Wer helfen könne, müsse genau geprüft werden. Dabei gehe es nicht nur um Talent. Ganz entscheidend seien Charakter und Sozialverhalten. Erst danach komme das fußballerische Können. Und dann natürlich der Wille, sich durchzusetzen. Neue Spieler müssen zum Club passen, und natürlich werde zuerst in der eigenen Jugendabteilung gesichtet.

Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Karriere. Martin Andermatt ist sich immer treu geblieben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Spieler ihm zuhören.



Denn auch beim FC Yverdon-Sport, geht es jetzt um mehr als nur Taktik. Es geht um Identifikation. Um Verantwortung gegenüber einem Verein, einer Stadt und einer ganzen Region. Der Klub hat Tradition. Und genau daran erinnert Andermatt seine Mannschaft immer wieder. Wenn die Spieler wirklich wollen, wenn sie sich mit dem Verein und der Region identifizieren, wenn sie bereit sind zuzuhören – dann könne hier noch etwas entstehen. Großes vielleicht sogar, meinen wir. Aber klar, Andermatt ist näher dran. Realismus ist Pflicht momentan. Yverdon fiebert jedenfalls mit.

Es sind keine großen Parolen. Eher ruhige Überzeugungen. Und wer Andermatt kennt, weiß: Er sagt so etwas nicht leichtfertig.

Während des Telefonats denken wir auch kurz, abschweifend, an eine wichtige Station seiner Vergangenheit. Die Zeit beim SSV Ulm 1846. Ein Klub, der (leider) aktuell wieder um den Klassenerhalt in der 3. Liga kämpfen muss. Auch dort kennt man Andermatt als ruhigen, strukturierten Fußballarbeiter, und Aufstiegstrainer in die 1. Bundesliga. Die geordnete, laufintensive sowie offensive Spielweise war damals, 1999, im deutschen Fußball, schon etwas Sensationelles.

Und auch in Liechtenstein, beim FC Vaduz, sowie als Nationaltrainer der Liechtensteiner, einem Fußballzwerg, ließ Andermatt aufhorchen. Andermatt feierte mit der Nationalmannschaft im Fürstentum Liechtenstein historische Erfolge: ein 2:2 gegen Portugal und wenig später einen 4:0-Sieg in Luxemburg. 

Der Fußball kann manchmal seltsame Parallelen schreiben: Ulm kämpft derzeit gegen den Abstieg – und Yverdon steckt ebenfalls in einer wichtigen und schwierigen sportlichen Phase zugleich. Doch Andermatt, das spürt man, denkt nicht in Nostalgie. Sein Blick geht nach vorne. Analyse. Struktur. Gespräche.

Und Schritt für Schritt wieder Stabilität.

Für uns persönlich hat dieses Gespräch übrigens noch eine besondere Note. Schon vor Jahren haben wir uns journalistisch mit Martin Andermatt beschäftigt – damals für das Rund-Magazin sowie später auch für unseren Blog hier, CheckFussballberater.de. [ https://www.rund-magazin.de
ews/1562/80/Interview-Martin-Andermatt/]  ++++ [https://checkfussballberater.de/martin-andermatt-befreien-von-dem-was-einen-nach-unten-zieht/ ] Der Kontakt, und das erfüllt uns ein Stück weit mit innerer Freude, ist nie abgerissen.

Schon damals fiel auf: Dieser Trainer denkt langfristig. Und er legt Wert auf Menschen.

Vielleicht passt genau das gerade jetzt zu dieser Situation in Yverdon. Denn Rettungsmissionen im Fußball beginnen selten mit großen Schlagzeilen. Sie beginnen mit ehrlicher Arbeit. Mit Gesprächen. Mit Vertrauen.
Und mit einem Trainer, der sich selbst treu bleibt.
Wir bleiben jedenfalls in Kontakt – das ist gewiss.


Zur Person: Martin Andermatt

Martin Andermatt – wurde am 28. November 1961 in Baar in der Schweiz geboren. Als Profispieler war er vor allem im Schweizer Fußball aktiv, unter anderem beim FC Basel  sowie beim Club Grasshopper Zürich.

Nach seiner aktiven Karriere wechselte er früh ins Trainerfach und arbeitete bei verschiedenen Vereinen im Profi- und Nachwuchsbereich.
Zu seinen Trainerstationen gehörten unter anderem der FC Vaduz, Young Boys Bern, und auch der deutsche Traditionsverein SSV Ulm 1846, danach auch das Engagement bei Eintracht Frankfurt.

Zudem war er viele Jahre im Nachwuchsbereich des FC Basel tätig, wo er als Ausbilder junger Talente arbeitete. Seit einiger Zeit ist Andermatt beim FC Yverdon-Sport, in verantwortlicher Position aktiv – aktuell sogar wieder direkt an der Seitenlinie. Der 64-Jährige Proficoach, gilt als analytischer Trainer mit klaren Werten: Charakter, Teamgeist und Disziplin stehen für ihn an erster Stelle. Andermatt meinte auch, charakterfest und glaubwürdig, „müssen auch die Trainer selbst sein…“, und er fügt feinsinnig hinzu: Es gibt die Übungsleiter, „die über 750 Übungen abrufen können, und es gibt die Trainer, mit ihren gelebten Erfahrungen…“ Vielleicht genau die Mischung, die ein Klub in schwierigen Zeiten braucht. Egal, bei wem und wo, übrigens…

Giovanni Deriu

  • LINKS ZU INTERVIEWS MIT ANDERMATT

https://youtu.be/JdpKQMJSpZk?is=SwKpLt6hUCOcwI0t  (Wiedersehn 24 Jahre später, mit dem SSV Ulm)

https://youtu.be/fHrdn6W-0oA?is=NYsnepbGeCCAjGQK  (Im Kopf des Trainers)

Fußball, Akteure & Scouting, sowie Erkenntnisse! Der FC Bayern zerlegt Atalanta: Eine Lehrstunde im Champions-League-Fußball – und das, obwohl auch Atalanta einen gepflegten Fußball bieten kann…Ein paar Nachgedanken und eine Analyse

Atalanta Bergamo kassiert im Champions-League-Duell gegen den Bayern München eine deutliche Niederlage. Doch hinter dem klaren Ergebnis, steckt mehr als nur ein Klassenunterschied. Die Partie zeigt, wie groß die Lücke zwischen europäischer Elite und ambitionierten Herausforderern aktuell ist – und warum Atalanta trotzdem ein Vorbild im modernen Fußball bleibt – es kann ja gar nicht plötzlich alles falsch sein, was sich Atalanta Bergamo über Jahre aufgebaut hat – Ja, Bergamo wird gern nachgeahmt.
Bayern dominierte Atalanta jedenfalls in der Champions League komplett, und dieser Meinung sind auch die Redakteure des CORRIERE DELLO SPORT

Wir machten uns die Mühe, das Match nochmals anzuschauen, einmal komplett, und dann nochmals in Ausschnitten über 20 Minuten – und immer wieder wurden wir daran erinnert, was Trainerlegende Fabio Capello neulich bei den Kollegen von SkySport Italia sagte – die anderen europäischen Teams, und er meinte damals die Norweger von Bodø Glimt (Eine Zeitung titelte, „Bodø shaming“, nachdem die Norweger INTER MAILAND mit zwei Siegen aus dem Wettbewerb warfen), würden mit einem höheren Rhythmus spielen – die Italienischen Clubs würden hinterher laufen. Ich wiederum warf hier die Frage dazu auf, ob sich die Italiener nicht wieder auf ihre eigene DNA, der starken Abwehr, mit perfekter Raumdeckung, orientieren sollten, um laufstarke Mannschaften „totlaufen“ zu lassen, gute und schnelle Stürmer würden dann den Rest besorgen.

Bayern München zeigte in Bergamo jedenfalls eine der stärksten Offensivleistungen der Saison. Mit hohem Tempo, präzisem Passspiel und individueller Qualität kontrollierten die Münchner das Spiel von Beginn an.

Schon früh wurde deutlich, dass Atalanta Probleme haben würde, das Angriffsspiel der Bayern zu stoppen. Besonders über die Flügel erzeugten die Gäste immer wieder gefährliche Situationen. Der deutsche Rekordmeister nutzte seine Chancen konsequent und ließ dem italienischen Vertreter kaum Raum zur Entfaltung.

Taktische Entscheidung öffnet Räume
Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Formation von Atalanta.

Trainer Raffaele Palladino begann mit einem 4-4-2-System
– eine Abweichung von der gewohnten Dreierkette der Bergamaschi. Diese Umstellung führte dazu, dass Bayern häufiger Eins-gegen-eins-Situationen bekam.

Ohne zusätzliche Absicherung entstanden immer wieder große Räume in der Defensive. Genau diese nutzten die Münchner konsequent aus.

Michael Olise als Schlüsselspieler

Einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz war Michael Olise.

Der Offensivspieler sorgte mit Dribblings, Distanzschüssen und Vorlagen für permanente Gefahr. Sein Tor zum 2:0 sowie seine Beteiligung an weiteren Treffern machten ihn zum entscheidenden Faktor der Partie.

Die wichtigsten Spielstatistiken

Die Daten unterstreichen die Dominanz von Bayern München:

* Torschüsse: 25 (Bayern) – 11 (Atalanta)
* Schüsse aufs Tor: 13 – 3
* Expected Goals (xG): 4,58 – 2,09

Diese Zahlen zeigen deutlich, wie groß der Unterschied in Chancenqualität und Spielkontrolle war.

Atalanta bleibt trotzdem ein europäisches Erfolgsmodell

Trotz der Niederlage bleibt Atalanta eines der interessantesten Projekte im europäischen Fußball.

Der Klub hat sich in den letzten Jahren durch kluge Transfers, eine klare Spielphilosophie und wirtschaftliche Stabilität einen festen Platz im internationalen Wettbewerb erarbeitet.

Mit mehreren Champions-League-Teilnahmen und dem Gewinn der Europa League gehört Atalanta inzwischen zu den konstantesten italienischen Teams auf europäischer Bühne.

Es gibt Abende im europäischen Fußball, an denen man sich vorkommt wie auf dem Schießstand. Und wenn man Pech hat, ist man nicht der Schütze – sondern die Zielscheibe. Für Atalanta Bergamo war genau das der Fall. Bayern München spielte nicht einfach Fußball, Bayern hielt eine Vorlesung. Tempo, Präzision, individuelle Klasse – alles auf einem Niveau, das die Bergamaschi an diesem Abend schlicht nicht erreichen konnten.



Fazit

Die Niederlage gegen Bayern München ist schmerzhaft, aber sie ändert nichts an der Entwicklung von Atalanta.

Der italienische Klub zeigt weiterhin, dass sportliche Kompetenz und nachhaltige Planung auch im modernen Fußball Erfolg bringen können.

Gegen einen Gegner wie Bayern München reicht das manchmal trotzdem nicht.

Aber genau solche Spiele zeigen, wo sich der europäische Spitzenfußball aktuell befindet. Es existiert eben doch ein Gefälle, aber es kommt auch sehr darauf an, wieviele Experten den Trainer unterstützen, um im Vorfeld den Gegner und die Spieler richtig zu lesen…

Giovanni Deriu

Biographien, Akteure & Scouting: Ein echtes Highlight, das immer bleiben wird! Ein Gespräch mit Walter Sabatini, unserem „Maestro“, der Scouts, Sportdirektoren und Kaderplaner! Über Talent, Risiko und die Nostalgie des ‚alten Scoutings’…

Es gibt Gespräche, die bleiben. Nicht wegen der Lautstärke. Nicht wegen großer Schlagzeilen. Sondern wegen der Atmosphäre. So war es bei dem Austausch mit Walter Sabatini. Im Online-Videozoom, und Walter Sabatini, direkt aus seinem Wohnzimmer.

Ein Gespräch, das sich langsam entwickelte.
Fast tastend. Mit dieser besonderen Mischung aus Leidenschaft, Müdigkeit und Erinnerungen.
Nach etwa einer halben Stunde sagte Sabatini ruhig, er müsse bald aufhören. Sein Sauerstoffgerät warte. Es war kein dramatischer Moment. Eher ein stiller, er hatte interessant und sehr lebhaft von seinen Erfahrungen erzählt. Und mit seiner nun chronischen Erkrankung geht er offen um. Man kennt ihn, Walter, ja bestens im italienischen Fußball.

Und dann sagte er einen Satz, der viel über ihn verrät. Der Fußball, der Austausch darüber, die Zeit bei Salernitana, habe ihn lebendig gehalten.

Man merkte sofort: Das war keine Floskel.

Dieses Gespräch, wir mochten es kaum glauben, kam nur zustande, durch den Workshop von Dozent Gianfranco Multineddu. Dessen Netzwerk ist über Jahre gewachsen, geprägt von tiefer Freundschaft.

Ein Mann, der es immer wieder schafft, Menschen aus dem Innersten des Fußballs zusammenzubringen. Scouts, Sportdirektoren sowieso, Manager, und Praktiker des Fußballs überhaupt. (Dazu gehören auch Antonio Di Battista, oder Ignazio Argiolas, beide hatten schon die unterschiedlichsten Posten inne, und oft auch sehr erfolgreich)

Und an diesem Abend neulich, eben auch Sabatini. Es ist schon fast drei Wochen her, aber wir mussten das Gespräch setzen, ja, nachwirken lassen…

Ein Leben im Fußball

Heute würde man ihn wahrscheinlich „Kaderplaner“ nennen. Früher hieß es schlicht: Sportdirektor. Beobachter, Scout, Verhandler in Personalunion.

Sabatini hat viele Stationen erlebt. Viele Vereine.
Viele Projekte. Doch besonders gern erinnerte er sich an eine Zeit. Damals, Palermo, Sizilien.

Der Club, den er gemeinsam mit Präsident
Maurizio Zamparini prägte. Eine Beziehung voller Reibung. Voller Emotion.
Sabatini selbst beschrieb sie einmal als
„turbulent, aber wunderbar“.

Zamparini sei ein authentischer Mann gewesen.
Direkt. Unberechenbar.
Manchmal schwierig. Aber eben auch einzigartig. Heute, so sagte Sabatini, fehlten ihm solche Figuren im Fußball.
Zamparini starb 2022. Ein Verlust, der Sabatini sichtbar berührt. Er erwähnte auch die Tragödie um Zamparinis Sohn, der Jahre zuvor in London ums Leben kam. Ein Schmerz, der einen Vater nie verlässt. Zamparini, der harte Hund, sei an gebrochenem Herzen gestorben, ist sich Sabatini ziemlich sicher.

Fußball vor der Datenflut

Der Fußball hat sich verändert. Nicht nur sportlich. Auch medial.
Früher gab es nur die Zeitungen. Mal einen Radiosender, bisschen Fernsehen. Alles überschaubar. Die großen Sportseiten am Morgen. Mehr nicht.

Heute gibt es permanente Öffentlichkeit.
Ständige Bewertung. Zig Sender, Blogs, Internet-Plattformen. Und Sabatini sagt offen:
Als ehemaliger Profi sehe er den Fußball auch etwas anders. Er spielte selbst auf hohem Niveau, unter anderem bei Perugia und Varese, sowie für die AS Roma. Wer selbst auf dem Platz gestanden habe, erkenne Dinge schneller.
Zum Beispiel, „Talent“. Ein echtes Talent, sagt Sabatini,
sei immer sichtbar. Man müsse nicht lange suchen.
Ein echter Topspieler „frisst den Platz“. Er nimmt ihn in Besitz. Die anderen?
Sie werden vom Platz verschluckt.

Hier mit US Palermo Presidente, Maurizio Zamparini, Walter Sabatini

Der romantische Teil des Scoutings

Sabatini erinnerte sich dabei auch an die frühen Jahre seines Scoutings.
Eine Zeit, die heute fast romantisch wirkt.
Fußball pur. Er erzählte, wie er früher mit einem kleinen Notizheft und einem Kugelschreiber unterwegs war. Oft saß er stundenlang im Auto.
In einem alten Fiat 500.

Acht oder neun Stunden Fahrt waren nichts Ungewöhnliches.

Er fuhr durch ganz Italien.
Bis in die tiefsten Provinzen.
Kleine Plätze. Staubige Trainingsfelder.

Dort, wo kaum jemand hinschaute.
Dort suchte er Spieler, folgte den Tipps anderer Jugendtrainer. Keine Datenbanken.
Keine Videoplattformen.
Nur das Auge. Und das „sichere“ Gefühl, ja, da könnte ein neuer Totti oder Cavani sein.

Sabatini, der Architekt von Mannschaften

Natürlich ging es auch um seine Arbeit als Sportdirektor. Besonders um die Zeit bei der
AS Roma. Sabatini war einer der Architekten der Mannschaft, lange bevor sie sportlich wieder an die Spitze kam.
Transfers. Mutige Entscheidungen. Risiken.
Er gab zu, im Onlinegespräch, 
ja, er sei auch Risiken eingegangen.
Aber er habe sich immer durchgesetzt.
In jedem Club. Nicht mit Lautstärke.
Sondern mit Überzeugung.

Viele große Spieler kamen durch ihn nach Italien.

Bei der US Palermo, in der Zamparini-Ära,
entstand eine Mannschaft, die heute fast nostalgisch wirkt. Eine Mischung aus Talent und Instinkt. Viele mutige Spieler, die nach Sizilien passten. Namhafte Spieler, wie Javier Pastore,
Edinson Cavani, oder, Josip Iličić, spielten plötzlich gemeinsam. Dazu Figuren wie
Fabrizio Miccoli.

Eine Mannschaft,
die sogar die Großen der Serie A nervös machte.
Sabatini sprach darüber nicht mit großem Stolz. Eher mit leiser Verwunderung, dass es so gut klappte. Vertrauen in seine Arbeit, seinem Bauchgefühl, hatte Walter aber immer – selbst, wenn auch er sich „hin und wieder in einem Talent, mit seinem Durchhaltewillen“ getäuscht habe. Aber er schwärmt schon, von dieser Zeit in Palermo, von diesem Team der Unbekannten. 

Talent reicht nicht

Im Raum hörte man kaum ein Geräusch.
Die Workshopteilnehmer hörten aufmerksam zu.
Scouts, Sportdirektoren, und
Beobachter generell.
Alle lauschten. Es war ein Moment des Lernens.
Und auch ein Moment des Respekts.
Denn Sabatini sprach nicht nur über Transfers.
Er sprach über Menschen.
Über Charakter.

Über das, was einen echten Profi ausmacht.
Talent allein genügt nicht.
Das haben viele. Entscheidend sei der Charakter.

Die Fähigkeit, Druck auszuhalten.
Selbstbewusstsein. Und fame, Hunger.
Ein Spieler müsse sich durchsetzen wollen.
Immer wieder. Auch wenn niemand mehr an ihn glaubt. Sabatini ist überzeugt:

Talente verschwinden nie. Es gibt sie immer wieder. Zum Beispiel, wie aktuell, Spieler wie Antonio Vergara, von der SSC Napoli mit Trainer Antonio Conte. Oder junge Spieler aus Akademien wie Atalanta Bergamo, die später bei Clubs wie
Cagliari Calcio Spielzeit bekommen.

Trainer spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Sie müssen Mut haben.
Mut dazu, junge Spieler einzusetzen.
Mit gerade einmal 17, oder mit 18.
So wie es in Spanien oder Deutschland längst üblich sei, in der Bundesliga zum Beispiel („Deriu muss es wissen und kann es bestägigen…“, spricht er mich direkt an, nachdem ich mich vorstellen und zwei Fragen stellen konnte)

Scouting ist Begegnung

Sabatini betonte auch etwas anderes. Scouting passiert nicht (nur) am Laptop.
Man muss auf die Plätze gehen. Zu den Spielen.
Zu den Trainings. Man muss sehen,
wie sich ein Spieler verhält. Wie er spricht.
Wie er reagiert. Talent zeigt sich im Spiel.
Charakter zeigt sich im Alltag.
Eine besonders talentreiche Region in Italien sei übrigens Latium (Lazio).
Rund um Rom. Dort herrsche eine Talentdichte, auch durch die unzähligen Clubs.
Und ebenso viele junge Spieler.

Ein Leben zwischen Leidenschaft und Abgrund

Doch bei aller Fußballromantik
blieb das Gespräch auch persönlich.
Sehr persönlich, Moderator Multineddu moderiert gekonnt und zurückhaltend.
Sabatini sprach offen über sein Leben.
Über seine Familie. Für ihn sei sie das Licht seines Alltags. Sabatini, ein ehrliche, tiefe Haut. Oft klingt er wie ein melancholischer Poet des Fußballs. Vielleicht passt das, denn Sabatini hat selbst einmal, in einem anderen Intervirw gesagt,
er fühle sich manchmal wie ein verfluchter Dichter. Ein Mann zwischen Leidenschaft und Selbstzerstörung. Seine Zitate sind berühmt.
Radikal. Schonungslos.
Einmal sagte er: „Ich begehe jeden Tag Selbstmord.“ Damit meinte er seine Lebensweise. Nächte voller Arbeit.
Unzählige Zigaretten. Fünfzehn Kaffees am Tag.

Er beschrieb sich selbst einmal so:

„Ich habe ein linkes Gehirn und einen rechten Körper. Sie sind ständig im Konflikt.“

Der Preis eines Lebens im Fußball

Sabatini hat schwere gesundheitliche Krisen erlebt. 2019 erlitt er eine lebensbedrohliche Atemwegserkrankung. Er fiel ins Koma. Die Serie A, der italienische Fußball bangte um ihn.

Heute leidet er unter chronischen Problemen mit Lunge und Bronchien. Zwei Stents stabilisieren sein Herz. Das Rauchen musste er aufgeben.
Nicht aus Überzeugung. Aus Notwendigkeit. Manchmal dampft er eine E-Zigarette. Selten.

Er selbst nannte seine frühere Beziehung zu Zigaretten einmal eine „nostalgische Liebesgeschichte“. Trotz allem blieb er dem Fußball treu. Vielleicht, weil der Fußball selbst eine Art Sauerstoff ist. Für Menschen wie ihn.

Ein Satz zum Abschied

Als das Gespräch endete, blieb eine stille Stimmung von Dankbarkeit im Raum.
Keine große Geste. Kein Applaus. Nur Respekt. Und ein großes „Grazie mille“, von uns Teilnehmern, für einen Mann,
der den Fußball nie als Geschäft verstanden hat.
Sondern als Leben.

Und vielleicht fasst ein Gedanke von Sabatini alles zusammen: „Der Fußball gehört den Mutigen. Wer keine Risiken eingeht, wird nie entdecken, wie groß ein Spieler wirklich sein kann.“

Giovanni Deriu

Anmerkung und Dank:

Ein besonderer Dank gilt Dozent und Workshop-Leiter
Gianfranco Multineddu,
der diesen außergewöhnlichen Austausch möglich gemacht hat. Seine Workshops bringen regelmäßig Persönlichkeiten des internationalen Fußballs zusammen. Gast- und Impulsgeber wie
Mario Marino, Antonio Di Battista, Cristiano Giaretta oder Ignazio Argiolas,
gewähren dabei seltene Einblicke in ihre Erfahrungen, Entscheidungen und Denkweisen.

Für alle Teilnehmer sind diese Begegnungen mehr als nur Vorträge. Sie sind Fenster in eine Welt, die man nur versteht, wenn man ihr wirklich zuhör, und auch ein wenig dazugehört. Man muss zuhören können, oder wie es Sabatini auch sagte: „Ich habe Leuten immer zugehört, ja, zuzuhören, war eine meiner Hauptaufgaben, und ich tu‘ es noch heute…“ – Und an diesem Abend hörten alle besonders aufmerksam zu…

Akteure & Scouting sowie Nachwuchsfußball: Vergleiche, die dich bremsen, oder brennen lassen? – Der Unterschied zu anderen Kickern, liegt oft nur im „Detail“ – und im Auge des Beobachters! Es gibt Momente im Fußball, die prägen sich ein, und Dich selbst auch. Drei Punkte im Gepäck. Auswärtssieg. Pflicht erfüllt. Und trotzdem sitzt da einer im Bus, Blick aus dem Fenster, innerlich unzufrieden. Warum nur? Die Kunst es ernst und dennoch leicht zu nehmen…

Selbstkritische und „unzufriedene“ Spieler sind immer gut, denke viele Trainer. Doch dem ist nicht so – es muss überall ein gesundes (Mittel-)Maß herrschen, was Kritik und Freude oder Zufriedenheit betreffen! Denn echte Entwicklung beginnt nicht im Jubel. Sie beginnt im Anspruch an sich selbst. Nach einem Sieg darf man gern auch abschalten, und sich mal gehörig feiern – lassen.

Viel zu oft empfiehlt der Mentalcoach, Francesco Borrelli, seinen Athleten – ganz gleich welchen Alters –, einer gefährlichen Versuchung aus dem Weg zu gehen: nämlich, dem ständigen Vergleichen. Wer ist schneller? Wer spielt öfter? Wer hat mehr Scorerpunkte? Wer wird mehr gefeiert?

Dieser Reflex ist menschlich. Aber er ist Gift für deinen Fokus.

Wer permanent nach links und rechts schaut, verliert die Spur nach vorne. Entwicklung ist kein Wettrennen gegen andere. Es ist ein Prozess gegen dich selbst.

Und du, Junge, der mit drei Punkten aus Arezzo im Kleinbus sitzt und trotzdem hadert: Wenn du dich vergleichen willst, dann mach es richtig. Vergleich dich mit dem Spieler, der du gestern warst.

  • Warst du mutiger im Eins-gegen-eins?
  • War deine Körpersprache stärker?
  • Hast du nach Fehlern sofort reagiert – oder bist du in ihnen stecken geblieben?

Das ist der einzige Vergleich, der dich wachsen lässt. Alles andere ist Lärm.

Leistung entsteht aus Klarheit. Klarheit entsteht aus Fokus. Und Fokus entsteht, wenn du deinen Weg akzeptierst – mit all seinen Kurven, Rückschlägen und Fortschritten.

Bleib bei dir. Arbeite. Wachse. Schritt für Schritt.

Wir, von Checkfussballberater.de , sind über unser italienisches Scouting-und Fußballnetzwerk, an dieser Personalie hängengeblieben, weil sie uns aus der Seele spricht -Leseempfehlung für Alle, die dabei sind, ihre Leichtigkeit zu verlieren!! Bitte nicht, der Fußball, Euer Hobby, sollte immer Freude bereiten…

Über Francesco Borrelli

Francesco Borrelli ist zertifizierter Mental Coach (ACSI – CONI). Nach seinem Jurastudium an der Universität Genua spezialisierte er sich im Bereich NLP durch Master- und Weiterbildungen in der Privatwirtschaft.

Seit Jahren verbindet er seine Leidenschaft für Sport mit seiner Tätigkeit als Unternehmensberater im Bankensektor und als Autor für ligurische Sportmedien.

Als Mental Coach begleitet er Athletinnen und Athleten auf dem Weg zu Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sowie Fußballer aller Altersklassen – von der Jugend bis zur ersten Mannschaft.

Sein Traum? Ganz klar: als Coach eines Tages sein Büro direkt neben der „Legenden-Gym“ in Milanello zu beziehen – Tür an Tür mit Ibra. Träume zur Zielverfolgung sind immer wichtig…

Fußballgeschichten, Clubbiographien und Erfolge: Meister der Unmöglichen – Europas größte Fußballmärchen! Der moderne Fußball erzählt uns jeden Tag dieselbe Geschichte: Geld regiert. Kaderwert entscheidet. Algorithmen wissen alles… und dann gibt es immer wieder Ausnahmen!

Und doch sitzt man jedes Wochenende wieder da – mit diesem leisen, kindlichen Trotz im Herzen. Mit der Hoffnung, dass es eben nicht immer die Reichen sind. Dass es noch diese eine Mannschaft gibt, die sich nicht berechnen lässt.

Vielleicht ist das naiv. Vielleicht ist es genau das, was diesen Sport rettet.

Denn immer wieder stehen plötzlich Teams da oben, die niemand eingeladen hat. Und dann beginnt dieses Flüstern. Erst in den Kurven. Dann in den Medien. Und irgendwann im ganzen Land.

So entstehen Legenden.

Leicester und die Explosion des Glaubens

Als Leicester City 2016 die Premier League gewann, war das kein Betriebsunfall – es war ein Aufstand gegen die Logik. Unter Claudio Ranieri wuchs eine Mannschaft zusammen, die diszipliniert verteidigte, gnadenlos konterte und mental unerschütterlich blieb. Ein Star war natürlich als Goalgetter, Jamie Vardy…

Kein Starensemble. Kein Milliardenprojekt. Nur Überzeugung.

Montpellier statt PSG

2011 setzte Frankreich auf Paris. Doch Meister wurde Montpellier HSC. Olivier Giroud traf 21-mal, Trainer Girard formte aus Außenseitern eine verschworene Einheit.

Kein Glanz. Keine große Bühne. Aber ein Team, das wusste, wofür es kämpft.

Kaiserslautern – Rehhagels Meisterstreich

1998 gelang dem 1. FC Kaiserslautern das Undenkbare: Aufstieg – und direkt Meister.

Angeführt von Otto Rehhagel, einem Trainer, der wusste, dass Struktur stärker ist als Eitelkeit. Defensive Stabilität, klare Rollen, Selbstvertrauen. Gleich am ersten Spieltag Sieg in München.

Das war kein Märchen. Das war akribische Arbeit – mit Mut.

Hellas Verona – der italienische Paukenschlag

1985 stellte Hellas Verona FC die Welt auf den Kopf.

Vor ihnen: Maradona, Platini, Rummenigge. Hinter ihnen: die gesamte Hierarchie des italienischen Fußballs.

Trainer Osvaldo Bagnoli baute keine Showtruppe. Er baute ein Kollektiv. Mit Preben Elkjaer-Larsen, Hans-Peter Briegel und Giuseppe Galderisi hatte Verona Qualität – aber keine Übermacht.

Was sie hatten, war Balance. Physis. Disziplin. Und diesen unerschütterlichen Glauben, der größer war als jedes Stadion.

Der FC AC Hellas Verona spielte damals nicht für Schlagzeilen. Verona spielte für Geschichte. Das Team von einst, mit Hans-Peter-Briegel, Preben Elkjaer-Larsen, Galderisi, Fanna, Marangon oder Keeper Garella, wird heute noch gefeiert für dieses Fußballmärchen, das aus einem Teamspirit entstanden ist…

Weitere Sensationsmeister

  • UC Sampdoria 1991 – Vialli und Mancini schossen Genua ins Glück.
  • Nottingham Forest unter Brian Clough – vom Aufsteiger zum Meister und zweimal Europas Krone.
  • Blackburn Rovers 1995 – die „SAS“ als Albtraum der Favoriten.
  • Deportivo La Coruña – das „Super Depor“.
  • Bursaspor 2010 – Ende der Istanbuler Vorherrschaft.
  • Boavista FC 2001 – Titelklau in Portugal.
Trainer Vujadin Boskov, Überraschungsmeister mit Sampdoria Genua, 1991!

Und auch Nationalteams schrieben Wunder

Die Dänische Fußballnationalmannschaft 1992 – als Nachrücker zur EM – und am Ende ganz oben.

Die Griechische Fußballnationalmannschaft 2004 – diszipliniert, defensiv kompromisslos, getragen von echtem Team Spirit. Rehhagel setzte auf eine starke Abwehr, klare Abläufe, totale Geschlossenheit. Viele spotteten. Am Ende standen sie ganz oben.

Vielleicht brauchen wir diese Wunder mehr als die Favoriten ihre Titel.

Vielleicht erinnern sie uns daran, dass Fußball kein Rechenmodell ist – sondern ein Versprechen.

Und vielleicht entsteht das nächste Meistermärchen genau dann, wenn wieder alle sagen: Das ist unmöglich.

Giovanni Deriu – überzeugt davon, dass Teamgeist stärker ist als jede Bilanz.

Und, was meint Ihr so?

Fußball & Scouting: Im Rahmen meiner Scouting-Diplom-Weiterbildung über die FIGC, dem italienischen Fußballverband, mit den Dozenten Gianfranco Multineddu und Bobby Venturini, wurden im Kurs auch interkulturelle Beobachtungs-Aspekte und Parameter besprochen…

Im modernen Fußball ist Scouting längst mehr als Bauchgefühl und Erfahrung. Videoanalyse, Datenmodelle, Softwarelösungen und standardisierte Bewertungsraster gehören heute zum Alltag. Und doch: Trotz globaler Tools und ähnlicher Technologien wird Fußball nicht überall gleich beobachtet.

Denn jede Nation schaut durch ihre eigene kulturelle und fußballerische Brille auf das Spiel. Die Methodik der Spielerbeobachtung ist immer auch ein Spiegel der jeweiligen Fußballkultur. Hier, das möchte ich festhalten, ist nur ein Kurzabriss zum Thema – mit Gianfranco Multineddu, der sogar einen Workshop zum Argentinischen Fußball konzipiert hat und momentan abhält, sind wir noch tiefer in die verschiedenen Fußball-DNA, vorgedrungen…

Italien – Taktik, Disziplin und defensive Verantwortung

In Italien beginnt die Beobachtung eines Spielers oft mit einer einfachen, aber entscheidenden Frage:
„Kann er sich innerhalb einer Mannschaftsstruktur richtig verhalten?“

Nicht nur individuelle Qualität zählt, sondern vor allem das taktische Verständnis. Positionsspiel, Raumaufteilung, defensives Mitdenken – auch bei offensiven Spielern – sind zentrale Bewertungskriterien. Ein Außenverteidiger mit starken Offensivaktionen, aber schwacher Absicherung, wird schnell kritisch gesehen.

Das italienische Scouting ist stark geprägt von der eigenen taktischen Tradition: Zonenverteidigung, kollektives Pressing, Spielintelligenz. Ebenso wichtig ist die mentale Komponente – Leidensfähigkeit, Disziplin und die Bereitschaft, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Deutschland – Struktur, Standards und physisch-mentale Selektion

Das deutsche Scouting war lange Zeit sehr strukturiert und stark normiert. Klare Profile, definierte Mindestanforderungen und standardisierte Bewertungsbögen prägten die Arbeit. Körperliche Parameter spielten – und spielen teilweise noch – eine große Rolle: Innenverteidiger über 1,85 m, Torhüter über 1,90 m, robuste Stürmer.

Doch es geht nicht nur um Größe und Kraft. Der Fokus liegt stark auf Konstanz, mentaler Belastbarkeit und Leistungsstabilität. Spieler werden anhand klarer Kriterien bewertet, häufig mit Punktesystemen und KPI-Logiken. Verhalten unter Druck ist dabei ebenso relevant wie technische Qualität.

Spanien – Technik, Spielintelligenz und kreative Freiheit

In Spanien steht die Beziehung zum Ball im Mittelpunkt. Körperliche Aspekte treten deutlich in den Hintergrund. Entscheidend ist, wie ein Spieler den Ball behandelt, Räume erkennt und Spielsituationen kreativ löst.

Scouts achten auf technische Sauberkeit, Entscheidungsfindung und Spielverständnis. Beobachtungen finden oft in freien Spielformen, Jugendturnieren oder Akademien statt. Videoanalyse wird genutzt, jedoch eher unterstützend – das subjektive Empfinden bleibt wichtig.

Das spanische Scouting ist weniger normativ, dafür flexibler. Talent wird nicht in feste Raster gepresst, sondern als Entwicklungsprozess verstanden.

Argentinien – Instinkt, Widerstandsfähigkeit und Straßenfußball

In Argentinien ist Scouting stark von der Kultur des Straßenfußballs geprägt. Spieler wachsen in engen Räumen, unter schwierigen Bedingungen und mit hoher Intensität auf. Entsprechend liegt der Fokus auf Technik unter Druck, Durchsetzungsvermögen und mentaler Stärke.

Beobachtungen erfolgen oft pragmatisch, mit wenig technischer Infrastruktur, aber großem Erfahrungswissen. Gesucht werden Spieler mit „Hunger“, Kreativität und der Fähigkeit, sich in chaotischen Spielsituationen zu behaupten.

Viele argentinische Talente bringen bereits früh eine hohe Belastbarkeit mit – eine Qualität, die ihnen den Übergang in physisch geprägte europäische Ligen erleichtert.

Fazit – Scouting braucht Kontext und Balance

Unabhängig vom Land gilt: Keine Methode funktioniert isoliert.
Weder reine Datenanalyse noch ausschließlich Live-Beobachtung liefern ein vollständiges Bild.

Erfolgreiches Scouting basiert auf einem ausgewogenen Zusammenspiel aus:

  • Live-Beobachtungen (Spiel und Training)
  • gezielter Videoanalyse
  • Verständnis der kulturellen und sportlichen Umgebung
  • menschlicher Einschätzung und Erfahrung

Denn hinter jedem Wert, jeder Aktion und jedem Zentimeter Körpergröße steht eine individuelle Fußballgeschichte.
Gute Scouts erkennen nicht nur Leistung – sie verstehen den Kontext, aus dem sie entsteht.


Akteure & Scouting: Ein paar Reflexionen mit Ariedo Braida – dem „Scouting-Papst“, und natürlich, mit Gianfranco Multineddu, der uns immer dazu ermuntert, den Fußball, das Scouting und die Talente, ganzheitlich zu sehen…!

Old School, Vecchia Scuola? – ein Plädoyer für den Menschen und die echten Charaktertypen im Fußball – was sagen Algorithmen schon wirklich aus?

Vielleicht bin ich ein wenig „old school“. Vecchia scuola.
Und ja – ich meine das nicht entschuldigend, sondern bewusst.


Ich glaube auch nach wie vor daran, dass man einen Fußballer nicht vollständig in Datensätzen, Grafiken und Algorithmen findet. Sondern draußen. Am Spielfeldrand. Dort, wo man nicht nur Bewegungen misst, sondern Menschen beobachtet. Dort, wo Erfahrung das Auge schult – und manchmal dreißig Minuten, eine Halbzeit wirklich genügen, um ein Gefühl zu entwickeln.

Ariedo Braida (wir haben ihn hier auf checkfussballberater.de vor ein paar Jahren bereits vorgestellt; https://checkfussballberater.de/der-mann-der-1000-kontakte-fuer-die-einen-die-fleissige-biene-fuer-die-anderen-ein-stiller-agent-ariedo-braida-neuer-sportdirektor-des-fc-barcelona/) hat dieses Selbstverständnis einmal treffend, auch für die Gazzetta dello Sport beschrieben. Er sagte, er gehe Spieler live anschauen, und mit seiner Erfahrung reiche ihm oft eine halbe Stunde, um eine Entscheidung zu treffen. Irren könne man sich immer, natürlich. Doch er verlasse sich mehr auf seine Augen als auf die aseptischen Daten einer Tabelle. Algorithmen könnten helfen, weil sie Zahlen, Statistiken und objektive Werte liefern. „Aber entscheiden müsse am Ende immer der Mensch…“


Ein Satz wie aus einer anderen Zeit – und doch aktueller denn je.

Denn was hätte ein Algorithmus, führt Braida weiter aus, über Van Basten, Gullit, Rijkaard, Savicevic, Shevchenko oder Kaká wirklich ausgesagt?
Er hätte Schüsse gezählt, Laufwege analysiert, Tore kategorisiert – rechter Fuß, linker Fuß, Kopfball. Alles korrekt. Alles messbar.
Aber wo bleibt die Persönlichkeit? (Dazu hat uns auch Gianfranco Multineddu im Scouting- und Beobachter-Fortbildungskurs der FIGC, der Scouting-Clinic, immer und immer wieder angehalten, die Spieler und Talente auch im Kontext und Miteinander des Clubs, mit anderen Spielern, auch im Training, zu sehen, zu analysieren…)
Wo die Haltung gegenüber den Mitspielern?
Wo das Verhalten gegenüber dem Trainer, gerade dann, wenn es schwierig wird?

Wie ist sein Auftreten nach Sieg oder Niederlage auch in der Öffentlichkeit?



Das sind keine statistischen Größen. Das sind Charakterfragen.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass mir dieser Blick so wichtig ist. Nicht nur, aber als Pädagoge interessiert mich immer auch der Mensch hinter dem Talent.

  • Wer ist dieser Spieler, wenn das Spiel kippt? Wie reagiert er auf Druck, auf Kritik, auf Ungerechtigkeit?
  • Wie fügt er sich in eine Gruppe ein, wie übernimmt er Verantwortung?

    Fußball ist Technik, Tempo, Taktik – keine Frage.
    Aber Fußball ist eben auch Beziehung. Haltung. Reife.

    Genau deshalb ist mir der Austausch so wichtig. Mit Menschen, die Fußball nicht nur sezieren, sondern verstehen. Mit Kennern und Experten wi– um nur einige zu nennen. Menschen, die den Fußball über den sportlichen, über den menschlichen Tellerrand hinaus denken.

    Vielleicht passt dieser Ansatz nicht immer in den Zeitgeist. Vielleicht ist er nicht effizient genug, nicht schnell genug, nicht digital genug.
    Aber bei CheckFussballBerater.de, glauben wir daran, dass Algorithmen unterstützen können. Dass Zahlen helfen. Dass Daten sicherlich gut strukturieren.

    Doch bewerten, einordnen, verstehen – das kann nur der Mensch.

    Und manchmal reicht dafür ein Blick.
    Ein Moment.
    Und ein geschultes Auge am Spielfeldrand. Oder ein Gespräch mit Tiefe danach…

Giovanni Deriu

Porträts, Akteure & Scouting: Raus aus dem Frost, rein in den Fußball – Sandro Palmeri zwischen Valencia, Murcia und Waiblingen. Das ist keine Reise – das ist (s)ein Rhythmus…

Internationale Bühne, regionales Herz: Mit Sandro Palmeri unterwegs in Murcia. Er hat uns interessante Einblicke gewährt. Raus aus dem Frost, rein in den Fußball.

Stuttgart noch grau, die Kälte hängt am Rollfeld. Der Flug ‚EW 2530‘ hebt frühmorgens ab – Ziel Valencia. Wenige Wochen vor Weihnachten. Der Körper reist, der Kopf ist längst im Spiel. Fußball kennt kein Wetter, nur Momente. Valencia, und gleich weiter nach Murcia. Sonne, offene, gut gepflegte Plätze, internationale Stimmen. Wo die Talente von morgen zu sehen sind, da lauern stets viele Berater. Bekannte und unbekannte. So ist der Fußball, bei einer Talentschau und „Messe“, wie dieser, nahe Valencia, Alicante – Urlaubsorte.

Treffpunkt der Scouts und Beraterszene. Notizblöcke, Tablets, kurze Gespräche, Blicke mit Bedeutung. Mittendrin: Sandro Palmeri – präsent, wach, überall willkommen. Manche erinnern sich sofort: an seine spielstarken, erfolgreichen Jugendteams von einst, vor den Toren Stuttgarts. An Waiblingen. An Ideen, die geblieben sind. Die Spieler tragen sie jedenfalls noch in sich. Denken gern zurück, und profitieren auch im aktiven Herrenbereich, oder im gehobenen Juniorenfußball davon, was Palmeri und sein Trainerstab ihnen vor Jahren mitgegeben haben.

Zurück nach Murcia. Auf dem Rasen: das U18-Vier-Länder-Turnier. Mit den Partien, Deutschland gegen Holland, sowie Norwegen und Dänemark, sind auch dabei. Pure Intensität, Tempo, höchste Nachwuchsbühne. Viele Scouts, wir zählen nur ein paar auf, von international bekannten Clubs wie Newcastle United, Genua, Torino Calcio, Hellas Verona, US Lecce – sind alle ganz nah dran. Holland gewinnt, die DNA des niederländischen Voetball total, des schönen offensiven Spiels mit der Flexibilität der Spieler, die Positionen auch schnell zu tauschen, Räume zu besetzen, den Gegner zu dominieren, lebt irgendwie weiter. Deutschland folgt knapp dahinter. Ergebnisse zählen. Eindrücke mehr.

Für Palmeri ist es eine besondere Reise.
Dahrel Tchitchi ist nämlich auch vor Ort. Heute U19-Kaderspieler, er hält als Verteidiger des FC Heidenheim die gegnerischen Stürmer in Schach, und läuft auch in Spanien für das DFB-Team auf – plötzlich weckt Tchitchi Begehrlichkeiten bei Clubs (teils auch von Sandro Palmeri aufgetan, ihn erreichten Anfragen), und auch Beratern (die Dahrels Entwicklung jedoch nie mitverfolgt, begleitet, haben). Sandro Palmeri, der sich längst einen Namen als Team- und Talent-Entwickler gemacht hat, gibt nur so viel bekannt, und das nach mehrmaliger Nachfrage: „Ich kenne ihn seit der ersten C-Jugend in Waiblingen“, erzählt der Fußballfachmann. Es folgte der KSC, dann der Wechsel zum FCH, nach Heidenheim – ein Weg, der Sinn ergibt, fasst Palmeri leise zusammen. Ruhig, ehrlich – vielleicht auch ein kleines Stück weit stolz (sich nicht getäuscht zu haben).

Zwischen den Spielen ein weiterer Moment: Austausch mit Jon Dahl Tomasson. Ex-VfB-Spieler zu Trapattonis Zeiten in Stuttgart, und ehemaliger AC Milan-Star (dort gewann Tomasson ein paar internationale Titel). Fußball über Generationen hinweg. Kurz. Intensiv. Wertvoll. Jede Nation hat so ihre eigene Fußball-Kultur und DNA.

„Solche Momente bleiben“, sagt Palmeri. Und man spürt: Der Italoschwabe meint nicht nur das Turnier. Sondern alles dazwischen. Kaum zurück in Stuttgart, wieder diese kalte, klirrende Luft – sitzt Sandro Palmeri auch schon wieder am Spielfeldrand. Auswärtsspiel des FSV Waiblingen in Aalen-Hofherrnweiler. Verbandsliga, regionale Luft, statt Mittelmeersonne. Aber, wie immer, die gleiche Leidenschaft.

Valencia. Murcia. Waiblingen.
Der Fußball treibt ihn an.
Und wer genau hinschaut, merkt: Das ist keine Reise – das ist (s)ein Rhythmus…

GiD

Fußball, Biographien und Porträts – Hier aber eine Art von Allem, als Reportage: Etwas mehr, als ’nur‘ ein Hobby – Sandro Palmeri, der Fußball-Enthusiast aus Waiblingen! Als Juniorentrainer sorgten seine Teams für Furore…

Ruit bei Stuttgart. Es ist ein gewöhnlicher Wochentag, und doch typisch Sandro Palmeri: Während andere nach Feierabend durchschnaufen, lässt der Italoschwabe und Fußballfachmann den Seminartag Revue passieren. Tagsüber noch zwischen Fußballplatz und Seminarraum des Württembergischen Fußballverbands (WFV), Praxis und Theorie eben im Wechsel, so will es die Fortbildung in Ruit – kreisen Palmeris Gedanken aber auch schon um „seine“ Aktiven-Mannschaft in der Verbandsliga, die Englische Woche liegt an, und am Mittwoch das Heimspiel des FSV Waiblingen gegen die Sportfreunde aus Schwäbisch Hall. Quasi „en passant“, wie Sandro Palmeri es zusammenfasst, möchte er auch die wichtige Fortbildung erfolgreich absolvieren. König Fußball hat seinen festen Platz im Alltag von Sandro Palmeri. Und zwar neben seiner Tätigkeit als Sportdirektor, den dazugehörenden Beratungen, der Kaderplanung in den vergangenen Wochen, darf auch das Familienleben nicht zu kurz kommen, und erst Recht nicht dessen Hauptjob, bei einem bekannten Automobilkonzern. Der Fußball, das ist klar, ist für ihn kein Beruf, sondern eine Lebensform, eine zweite Haut, die Palmeri nicht ablegen kann.

Die Stadt Waiblingen, und weit darüber hinaus, kennen ihn und seinen FSV längst: den ehemaligen Jugendtrainer, der vor rund zwölf Jahren den Juniorenfußball aufmischte, ja, ein Stück weit, „revolutionierte“ (und das sagt nicht er, Palmeri, sondern andere Protagonisten und Akteure, die wir befragten!) und den Sportdirektor, der heute auch Spieler berät, Kader plant, manchmal auch wie ein Sozialpädagoge und Teampsychologe agieren muss.

Die Jungs des FSV Waiblingen gegen ganz große Clubs von Weltformat!

„Entwicklung vor Ergebnis“

„Meine Trainerlaufbahn im Jugendbereich begann aus einer Mischung aus Leidenschaft und Papatrainer“, erzählt Sandro rückblickend. „Eigentlich wollte ich nur aushelfen. Doch sehr schnell habe ich gemerkt, dass mir die Arbeit mit jungen Talenten nicht nur Spaß macht, sondern ich auch einen Zugang zu den Jungs finde. Daraus ist dann über die Jahre eine echte Berufung geworden.“

Diese Berufung trug Waiblingen weit. Palmeris Philosophie war klar: Entwicklung vor Ergebnis. Hinzu kam, so Palmeri: „Disziplin, Teamgeist und Respekt waren Grundpfeiler – genauso wie Freude am Spiel. Wer Spaß hat, lernt schneller und wird besser.“ Es klingt nach Pädagogik und Didaktik, war auf dem Platz aber die pure Leidenschaft. Die Maxime lautete: Nie ohne, nur mit dem Ball, „und immer mutig, egal, ob der Gegner VfB Stuttgart, Bayern München oder Juventus Turin hieß…“

Achtungserfolge auf großer Bühne

Aus dem „unbekannten“ FSV Waiblingen, mit seinen Juniorenmannschaften, wurde somit ein gefürchteter Gegner auf bundesweiten Turnieren, und sogar auf internationalem Parkett. Sogar für das Mega-Mundialito-Weltturnier, qualifizierten sich die Remstäler Kicker. Palmeris Mannschaften traten gegen Ajax Amsterdam, Sporting Lissabon, Juventus Turin oder den FC Liverpool an – und sorgten für echte Achtungserfolge, die man so nicht erwartet hätte. Hier mal ein 1:0 gegen die Bayern, da mal ein Remis gegen Sporting Lissabon, Palmeris Jungs sorgten immer für Spiele, die Eindruck hinterließen. „Wir haben uns nicht versteckt, sondern mutig gespielt – egal, wie groß der Name des Gegners war.“ Der Spaß stand eindeutig im Vordergrund, so der Sportdirektor des FSV Waiblingen heute – klar, der Juniorenfußball beschäftigt ihn auch heute noch.

Die Lobeshymnen der gegnerischen Trainer und Beobachter ließen nicht lange auf sich warten. Palmeri erinnert sich: „Viele Trainer und Experten, waren überrascht, wie diszipliniert, technisch sauber und taktisch reif, meine Teams aufgetreten sind – besonders in den jüngeren Jahrgängen.“ (U10 und U12, die E- und D-Jugendlichen). Überall wo die Jungs des FSV auftraten, raunten die Zuschauer und Trainer gleich, „Klein- Barcelona“, so war dann ein Spitzname schnell geboren.

Auch die Jugend von Juventus Turin zollte dem FSV Waiblingen ihren Respekt!

Disziplin gehört dazu

Doch Sandro Palmeri wusste auch: „Talent allein reicht nicht…“, Palmeri verlangte mit seinem Trainerstaff auch Disziplin – und zwar früh. Palmeri zu seinen Forderungen: „Von 12- bis 14-Jährigen konnte man schon erwarten, dass sie ihre Sporttasche selbst packen“, erzählt er, vielsagend schmunzelnd. Wer seine Stutzen vergaß oder zu spät zum Treffpunkt kam, durfte schon mal auf der Bank Platz nehmen. „Dann spielten eben andere von Beginn an.“ Es war kein Strafsystem, sondern eine Lektion fürs Leben: Verantwortung übernehmen, auch als junger Spieler. Daran erinnern sich die Junioren von einst, und ihre Eltern heute noch – ja, eine Schule für’s Leben war es allemal.

Ein Kollektiv, das funktionierte

Der Erfolg war dabei nie die Art von Soloshow. „Die Unterstützung der Eltern war entscheidend. Ohne ihr Engagement – ob bei Fahrten, Organisation oder einfach beim Anfeuern – wäre vieles nicht möglich gewesen“, weiß Palmeri das Engagement noch heute zu schätzen. So wurde aus einer Mannschaft eine echte Gemeinschaft, fast wie ein Dorf, das die Kinder trug, und zusammenwachsen ließ. Eltern wie die Familie Scheiermann, zum Beispiel, erinnern sich noch heute. Sohn Oleg, inzwischen 18, sagt: „Sandro hat mir gezeigt, was es heißt, Fußball als Mannschaftssport zu leben.“

Das Echo der Jahre hallt nach: viele Spieler schafften den Sprung in Leistungszentren, einige in den Profibereich, fast alle blieben dem Fußball treu. Palmeri selbst erhielt mehrfach Angebote von höheren Vereinen. „Letztlich habe ich mich aber immer für das Projekt FSV Waiblingen entschieden.“


Die andere Seite des Geschäfts

Doch Fußball ist nicht nur Jubel und Sieg. Wenn Spieler nach langer Zeit zu großen Agenturen wechseln, bleibt ein Stich, eine leise Enttäuschung, die Palmeri aber am Ende immer auch sportlich nimmt: „Natürlich fragt man sich: Was können die mehr bieten?“ Etwa echte Menschlichkeit?, fügen wir hier fragend hinzu. Palmeri, aber meint, das muss jeder für sich beantworten, und sagt es leise, ohne Bitterkeit. Palmeri liebt diesen Sport, denn „Fußball heißt nicht nur Siege, sondern auch Niederlagen.“ Besonders aus Letzteren, gehört es, zu lernen.

Familie als Rückgrat

Dass Sandro Palmeri nicht aufgibt, im Gegenteil, neue Projekte anschiebt und Erfolge feiert, liegt auch an seiner Familie. Seine Frau Concetta lernte ihn über und mit dem Fußball kennen – und heiratete ihn mit all der Leidenschaft, die dazugehört. Die beiden Söhne sind längst selbst Kicker, oder fußballinteressiert, wie könnte es anders sein? „Meine Familie lebt Fußball genauso wie ich.“ Am Spielfeldrand fiebern sie mit, als seien sie Teil des Trainerstabs, oder „Conchi“, seine Frau, gibt eine freundliche Gastgeberin am FSV-Kiosk.

Und immer wieder FSV

Ob als Sportdirektor, Berater oder gar irgendwann wieder als Juniorencoach – Palmeri bleibt dem FSV Waiblingen verbunden. Erst im vergangenen Jahr feierten die Aktiven wieder Meisterschaft und Aufstieg. Und auch in Zukunft wird er seine Erfahrung einbringen, für Spieler, etwaige Talente und auch für seinen Club. (Und auch wir schätzen Sandro Palmeri als Berater, und werden als Scout und Vermittler weiterhin eng zusammenarbeiten – man ergänzt sich prima.)

Ein ausführliches Porträt und Interview über Palmeri, findet sich übrigens auch auf checkfussballberater.de.

So bleibt das Bild von Sandro Palmeri: ein Mann, der Fußball nicht nur denkt, sondern lebt. Der Disziplin mit Freude verbindet, Siege feiert, Niederlagen trägt – und immer weiter macht. Ein Enthusiast, ein Liebhaber des Spiels, wie ihn jeder Verein sich nur wünschen kann…


GiD

Mit dem Jugendtrainer vom Gegner FC Porto…

…im Austausch mit dem Coach von Galatasaray…

Palmeri mit Volker Finke, der einst den SC Freiburg prägte!

Ohne Übertreibung: Wo Sandro Palmeri ist, kommt der Erfolg!

Der FSV Waiblingen, mit den Jungs des FC Bayern!

Fußball, Club-Porträts und Geschichten allgemein – ein Reisebericht zu den Fußballplätzen Südtirols: Hoch hinaus – Eine grüne Bühne für große Fußballträume – Da, wo die Luft klar ist und der Rasen grüner kaum sein kann, wo sich morgens das Zirpen der Grillen mit dem Duft von Espresso mischt – dort liegt Natz, ein verträumtes Plateau über Brixen…

Auf über 1.000 Metern Höhe, eingebettet zwischen Apfelhainen und Bergsilhouetten, finden jedes Jahr Spitzenklubs aus Italien und Deutschland ihr Trainingsparadies.

Mit dabei: unsere Jungs, Mardo und Oleg (wie neulich berichtet). Zwei aufstrebende Talente, mit genügend Erfahrung, auf dem Sprung, begleitet auf einer Reise durch die Höhenlagen des Fußballsommers.

Der Rasen? Fast zu schade zum Drauftreten. Sattgrün, dicht und perfekt vertikutiert – ein kleines Wimbledon der Dolomiten. Die (Probe-)Spieler staunten, mal weg von den Kunstrasenplätzen, wo alles eben künstlich wirkt… Kein Wunder, dass hier der FC Heidenheim seine Zelte aufschlägt. Genauso wie US Lecce, aus der Serie A. Diszipliniert, schweißtreibend, aber mit Aussicht – das ist Sommervorbereitung Südtirol-Style.

Natz selbst? Ein Ort wie aus dem Bilderbuch. Ruhig, freundlich, mit einem Hauch Melancholie in der Luft – aber auch voller Tatkraft. Halb Italien, halb Österreich – oder vielleicht doch ein bisschen Deutschland? Hier grüßen fleißige Hände, man sagt „Grüß Gott“ und „Ciao“ in einem Atemzug.

Und dann ist da noch der FC Natz – frisch gebackener Meister, voller Elan. Der Verein lebt Aufbruch. Mit Trainer Alex Schraffl und Sportdirektor Hannes Peintner stehen zwei Macher am Steuer, die wissen, wie man junge Spieler formt. Hier wachsen nicht nur Äpfel, sondern auch Talente. Spielen, wo der Tourismus stets boomt – Die beiden nennen es „Vier-Jahreszeiten-Tourismus“. Nur der November sei ein bisschen ruhiger – wie eine Atempause zwischen zwei Spielzeiten.

Ein paar Serpentinen weiter liegt Valles. Ein Ort, der in seiner Ursprünglichkeit fast übersehen wird – wenn nicht gerade der FC Bologna samt Tross einzieht. Ciro Immobile, der Rückkehrer, ackert dort für sein Comeback. Die Höhenlage tut ihm gut, der Mannschaft auch. Wer hier läuft, braucht Lunge – und Willen.

Und dann: Dimaro im Trentino. Ein kleines Dörfchen, das sich jedes Jahr verwandelt – zur temporären Hauptstadt des Südens. Wenn die SSC Napoli anrückt, sind plötzlich 6.000 Tifosi im Ort. Blaue Fahnen wehen aus Balkonen, Trikots mit Maradona und Osimhen, Lukaku und jüngst auch mit dem Namen „De Bruyne“, bei Groß wie Klein, prägen das Straßenbild. Dimaro wird zu „Little Napoli“, eine Mischung aus Volksfest, Trainingscamp und religiöser Verehrung. Für viele Fans ist das Pflichttermin und Pilgerreise zugleich.

All das: im 90-Kilometer-Karree. Südtirol, Trentino – ein Schmelztiegel des Sports und der Kulinarik. Ob Knödel oder Pasta, Pizza oder Speckplatte – Genießer kommen genauso auf ihre Kosten wie Ausdauerläufer.

Für uns, Sandro Palmeri, sowie Giovanni Deriu, ist es nicht nur Arbeit. Es ist Privileg. Immer wieder dürfen wir dabei sein, wenn unsere Kicker sich durch Höhenmeter und Trainingseinheiten kämpfen. Schwitzen, laufen, wachsen – in luftigen Höhen.

Ob beim SSC Napoli, beim FC Bologna, bei Lecce oder beim aufstrebenden FC Natz – der Fußball lebt. Und wir mittendrin…

GiD

Trainingslager Napolis, auch die Kleinsten wissen, wer der Größte war!Dimaro 2025!



Und wie immer in Italien, von Nord bis Süd: Die Medien immer am Ball!