Die Zeichen verdichten sich. In Bologna gilt die Verpflichtung von Domenico Tedesco inzwischen nahezu als beschlossene Sache. Noch sind einige bürokratische Details mit Fenerbahçe zu klären, doch die italienischen Medien berichten übereinstimmend von einer Einigung. Für den ehemaligen belgischen Nationaltrainer wäre es die erste Trainerstation in der Serie A.
Die Fans der Rossoblù dürfen sich auf einen Trainer freuen, der trotz seiner erst 40 Jahre bereits eine bemerkenswerte Karriere hinter sich hat. Für uns bei Checkfussballberater.de besitzt diese Personalie noch eine zusätzliche Bedeutung. Wir durften Domenico Tedesco bereits in seinen frühen Jahren als Nachwuchstrainer beim VfB Stuttgart und später bei der TSG Hoffenheim erleben und mit ihm sprechen. Schon damals war er keiner, der laut auftrat oder große Schlagzeilen produzieren wollte. Stattdessen überzeugte er mit Fachwissen, Akribie und einer bemerkenswerten Bodenständigkeit.
Geboren wurde Tedesco 1985 im kalabrischen Rossano, aufgewachsen ist er in Deutschland. Parallel zu seinem Studium als Wirtschaftsingenieur entwickelte er sich zu einem der spannendsten Nachwuchstrainer des Landes.
Während seiner Zeit bei der TSG Hoffenheim absolvierte er den renommierten Fußballlehrer-Lehrgang des DFB. Die Doppelbelastung zwischen Trainertätigkeit und Ausbildung meisterte er mit Bravour. Am Ende stand die Bestnote 1,0 und die Auszeichnung als Jahrgangsbester des Fußballlehrer-Lehrgangs 2016.
Schon damals beeindruckte Tedesco mit seiner klaren Vorstellung von moderner Trainerarbeit. Seine Mannschaften sollten mutig, offensiv und gleichzeitig strukturiert auftreten. Besonders wichtig war ihm jedoch immer die individuelle Entwicklung seiner Spieler.
Sein Grundsatz lautete:
„Ein Spieler muss durchgängig bestmöglich begleitet werden.“
Diese Philosophie zog sich durch seine gesamte Laufbahn.
Die Chance in Aue und der Blick für Talente
Seinen Durchbruch im Profifußball schaffte Tedesco im Frühjahr 2017 beim FC Erzgebirge Aue. Die Sachsen standen damals mit einem Bein in der 3. Liga, als der junge Trainer die Verantwortung übernahm.
Innerhalb weniger Wochen gelang ihm das, was viele Beobachter kaum noch für möglich hielten: der Klassenerhalt.
Tedesco strukturierte die Mannschaft neu, ordnete Spieler ihren optimalen Rollen zu und entwickelte sofort eine klare Spielidee. Die erfolgreiche Rettungsmission machte ihn schlagartig bundesweit bekannt.
Nach Aue ging es steil bergauf. Schalke 04 verpflichtete den damals erst 31-Jährigen. Es folgten die Vizemeisterschaft in der Bundesliga, Stationen bei Spartak Moskau und RB Leipzig sowie der Gewinn des DFB-Pokals mit den Sachsen.
Warum Bologna auf Tedesco setzt
Heute steht Domenico Tedesco vor dem nächsten spannenden Kapitel seiner Laufbahn. Die italienische Sportzeitung Corriere dello Sport titelte bereits „Il Bologna di Tedesco“ und unterstreicht damit die Erwartungen rund um den Traditionsverein aus der Emilia-Romagna.
Sportdirektor Giovanni Sartori soll sich bereits seit längerer Zeit mit dem Deutsch-Italiener beschäftigt haben. Schon nach dem Abschied von Thiago Motta galt Tedesco als Kandidat. Nun scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein.
Der ehemalige belgische Nationaltrainer spricht sechs Sprachen, verfügt über internationale Erfahrung und steht für modernen, kontrollierten Offensivfußball. Seine Mannschaften sollen schnell torgefährlich werden, ohne dabei die defensive Stabilität zu verlieren.
Dabei denkt Tedesco nie in starren Systemen. Viel wichtiger ist für ihn, die vorhandenen Qualitäten einer Mannschaft bestmöglich zu nutzen.
Mit Bologna übernimmt er einen Verein, der sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt hat und erneut europäische Ambitionen verfolgt.
Für Tedesco schließt sich damit zugleich ein Kreis. Der gebürtige Kalabrese kehrt erstmals als Cheftrainer in das Land seiner Wurzeln zurück.
Bologna bekommt keinen Selbstdarsteller. Bologna bekommt einen akribischen Fußballfachmann, der Spieler besser machen kann und Mannschaften entwickelt.
Genau deshalb könnte diese Verbindung hervorragend funktionieren.
Der AC Milan wirkt derzeit wie ein schwer angeschlagener Adelspalast im lombardischen Nebel. Viel Glanz an den Wänden, viele Erinnerungen in den Gängen – aber auf dem Spielfeld fehlte zuletzt die Seele.
Die Saison endete nicht einfach nur enttäuschend. Sie implodierte beinahe geräuschlos. Coach, il „Mister“ Max Allegri scheiterte, Igli Tare musste gehen, weitere Figuren aus dem inneren Machtzirkel verschwanden ebenfalls von der Bühne. Milan steht nun vor einem radikalen Neuanfang. Nicht kosmetisch. Sondern strukturell.
Und genau in solchen Momenten tauchen manchmal Namen wieder auf, die nie ganz verschwunden waren.
Ralf Rangnick.
Es ist fast schon eine Ironie der Fußballgeschichte, dass ausgerechnet jetzt die alte Verbindung zwischen dem deutschen Professor des Pressings und dem italienischen Traditionsriesen wieder aufflammt. Denn Rangnick und Milan – das war schon vor Jahren eine Geschichte voller Spannung, Annäherung und plötzlich gezogener Handbremsen. (https://www.rund-magazin.de/news/1781/80/Rangnick-AC-Mailand/ )
Und genau dort beginnt Rangnicks eigentliche Stärke.
Denn viele reduzieren ihn bis heute auf Pressing, Laufarbeit und Red-Bull-Fußball. Dabei war Rangnick immer viel mehr als das. Er war Fußballarchitekt, Talentscout, Systemdenker und Visionär zugleich. Einer, der Vereine nicht nur trainiert, sondern umprogrammiert.
Das Faszinierende: Seine Ideen entstanden teilweise ausgerechnet durch den AC Milan selbst.
Rangnick studierte einst obsessiv Arrigo Sacchis legendäre Milan-Mannschaft der späten 80er. Raumverknappung, aggressives Gegenpressing, kollektive Bewegungen – vieles davon saugte der Schwabe auf wie ein Musikstudent alte Opernpartituren. Während andere Trainer nur Spiele schauten, analysierte Rangnick Mechanismen.
Sacchi war für ihn keine Inspiration. Sacchi war eine Fußballuniversität.
Und vielleicht schließt sich genau deshalb nun ein Kreis.
WARUM MILAN JETZT EINEN SYSTEMDENKER BRAUCHT
Während Milan heute oft wirkt wie ein Ferrari im Leerlauf, könnte Rangnick genau jener Mechaniker sein, der den Motor wieder versteht. Nicht nur taktisch, sondern strukturell.
Interessant ist dabei auch die mögliche Trainerfrage.
Laut italienischen Medien favorisiert Rangnick Matthias Jaissle, den jungen deutschen Coach von Al Ahli. Ebenfalls geprägt vom Red-Bull-Kosmos, dynamisch, modern, mutig. Einer, der Intensität trainieren lässt wie andere Mannschaften Standards. Auch Mauricio Pochettino bleibt ein Thema. Ebenso Iraola oder Oliver Glasner.
Aber egal welcher Trainer am Ende kommt: Milan braucht vor allem eine Idee.
Zu oft wirkte der Club zuletzt wie eine Modeschau ohne Stilrichtung. Große Namen, hohe Erwartungen, aber kein klarer Plan. Mal defensiv denken, mal offensiv reden, mal Jugend fördern, dann wieder hektisch Veteranen holen. Alles wirkte wie ein teures Menü ohne Hauptgang.
Rangnick dagegen denkt in Prozessen. In Entwicklungsstufen. In Fußballlogik.
Genau deshalb könnte er für Milan gefährlich gut passen.
ITALIENS STOLZ GEGEN DEN WANDEL
Natürlich bleibt Italien speziell. Dort regieren nicht nur Taktiktafeln, sondern auch Eitelkeiten, Netzwerke und alte Fußball-Dynastien. Schon 2020 verhinderten interne Widerstände seine Ankunft. Viele wollten keinen Deutschen, der plötzlich erklärt, wie italienischer Spitzenfußball modernisiert werden müsse.
Doch die Zeiten haben sich verändert.
Der italienische Fußball lebt längst nicht mehr nur von Nostalgie. Inter arbeitete international stabiler, Atalanta revolutionierte Denkweisen, Bologna überraschte mit Struktur und Mut. Milan dagegen verlor sich zuletzt zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Vielleicht braucht es nun tatsächlich jemanden von außen.
Einen, der die Milan-DNA nicht zerstören, sondern neu entzünden will.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Dass ein Deutscher den Geist Sacchis womöglich besser konserviert hat als viele Italiener selbst. Zuerst aber, kann man Rangnick mit der Österreichischen Nationalelf bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko erleben – dort, wohin es die Squadra Azzurra abermals nicht hingeschafft hat…
EINE VERSPÄTETE FUSSBALL-ROMANZE?
Noch stehen für Rangnick die WM-Gruppenspiele mit Österreich im Mittelpunkt. Aber Mailand hört offenbar wieder aufmerksam hin.
Liebe auf den zweiten Anlauf?
Im Fußball sind gerade die verspäteten Geschichten oft die interessantesten.
Giovanni Deriu
VERSIONE Italiana:
Nebbia lombarda. Molto splendore sulle pareti, molti ricordi nei corridoi – ma sul campo, ultimamente, mancava l’anima.
La stagione non si è conclusa semplicemente in modo deludente. È quasi implosa in silenzio. Il tecnico, il “Mister” Max Allegri ha fallito, Igli Tare ha dovuto lasciare, e anche altre figure del cerchio interno del potere sono uscite di scena. Ora il Milan si trova davanti a un nuovo inizio radicale. Non cosmetico. Ma strutturale.
Ed è proprio in momenti come questi che a volte riemergono nomi che non erano mai davvero scomparsi.
Ralf Rangnick.
È quasi un’ironia della storia del calcio che proprio adesso il vecchio legame tra il professore tedesco del pressing e il gigante della tradizione italiana torni a riaccendersi. Perché Rangnick e il Milan – già anni fa – erano una storia fatta di tensione, avvicinamenti e improvvisi freni a mano tirati. (https://www.rund-magazin.de/news/1781/80/Rangnick-AC-Mailand/ )
Ed è proprio qui che inizia la vera forza di Rangnick.
Perché ancora oggi molti lo riducono a pressing, corsa e calcio stile Red Bull. In realtà Rangnick è sempre stato molto più di questo. È stato architetto calcistico, talent scout, pensatore sistemico e visionario allo stesso tempo. Uno di quelli che non si limitano ad allenare i club, ma li riprogrammano.
La cosa affascinante: le sue idee nacquero in parte proprio grazie al Milan stesso.
Rangnick studiò in modo quasi ossessivo il leggendario Milan di Arrigo Sacchi della fine degli anni ’80. Riduzione degli spazi, gegenpressing aggressivo, movimenti collettivi – il tecnico svevo assorbì tutto questo come uno studente di musica che analizza antiche partiture d’opera. Mentre altri allenatori guardavano semplicemente le partite, Rangnick studiava i meccanismi.
Sacchi per lui non era un’ispirazione. Sacchi era un’università del calcio.
E forse proprio per questo ora si chiude un cerchio.
PERCHÉ IL MILAN HA BISOGNO DI UN PENSATORE SISTEMICO
Mentre oggi il Milan spesso sembra una Ferrari al minimo, Rangnick potrebbe essere proprio quel meccanico capace di capire di nuovo il motore. Non solo tatticamente, ma anche strutturalmente.
Interessante è anche la possibile questione allenatore.
Secondo i media italiani, Rangnick favorirebbe Matthias Jaissle, il giovane tecnico tedesco dell’Al Ahli. Anche lui formato nell’universo Red Bull: dinamico, moderno, coraggioso. Uno che allena l’intensità come altre squadre allenano i calci piazzati. Anche Mauricio Pochettino resta un nome in corsa. Così come Iraola o Oliver Glasner.
Ma indipendentemente da chi arriverà alla fine: il Milan ha soprattutto bisogno di un’idea.
Troppo spesso il club ultimamente è sembrato una sfilata di moda senza uno stile preciso. Grandi nomi, aspettative elevate, ma nessun piano chiaro. A volte pensare in modo difensivo, altre parlare offensivamente, poi puntare sui giovani e subito dopo prendere veterani in modo frenetico. Tutto sembrava un menù costoso senza piatto principale.
Rangnick invece ragiona in processi. In fasi di sviluppo. In logica calcistica.
Ed è proprio per questo che potrebbe adattarsi al Milan in modo pericolosamente perfetto.
L’ORGOGLIO ITALIANO CONTRO IL CAMBIAMENTO
Naturalmente l’Italia resta un ambiente particolare. Lì non governano solo le lavagne tattiche, ma anche vanità, reti di potere e antiche dinastie calcistiche. Già nel 2020 le resistenze interne impedirono il suo arrivo. Molti non volevano un tedesco che improvvisamente spiegasse come modernizzare il calcio italiano di vertice.
Ma i tempi sono cambiati.
Il calcio italiano ormai non vive più soltanto di nostalgia. L’Inter ha lavorato con maggiore stabilità internazionale, l’Atalanta ha rivoluzionato i modi di pensare, il Bologna ha sorpreso con struttura e coraggio. Il Milan invece ultimamente si è perso tra passato e presente.
Forse ora serve davvero qualcuno dall’esterno.
Qualcuno che non voglia distruggere il DNA del Milan, ma riaccenderlo.
E forse proprio questa è la vera ironia della storia: che un tedesco abbia conservato lo spirito di Sacchi forse meglio di molti italiani stessi. Prima però si potrà vedere Rangnick con la Nazionale austriaca ai Mondiali 2026 negli Stati Uniti, in Canada e in Messico – là dove la Squadra Azzurra ancora una volta non è riuscita ad arrivare…
UNA ROMANZA CALCISTICA IN RITARDO?
Per ora, per Rangnick, al centro dell’attenzione ci sono le partite del girone mondiale con l’Austria. Ma Milano sembra ascoltare di nuovo con attenzione.
Amore al secondo tentativo?
Nel calcio, proprio le storie arrivate in ritardo sono spesso le più interessanti.
Der SV Fellbach (ein ziemlich mitgliedsstarker Verein vor den Toren Stuttgarts) verliert im heimischen „Max-Graser-Stadion“ zwar deutlich mit 0:4 gegen die Sportfreunde Schwäbisch Hall. Eine klare Revanche der Haller, nachdem Fellbach das Hinspiel in Schwäbisch Hall noch mit 3:1 gewonnen hatte. Aber, die Saison ist quasi gelaufen, und der SV Fellbach steht weiter oben, als vor der Saison überhaupt geglaubt und gedacht.
Die kurze Abfolge der Tore:
0:1 L. Minder (6.)
0:2 M. Bunk (26.)
0:3 L. Pfeiffer (61.)
0:4 G. Schmidt (89.)
Doch wie so oft im Fußball, erzählt das Ergebnis nicht die komplette Wahrheit. Denn so deutlich der Sieg der Sportfreunde auf dem Papier aussieht – der SV Fellbach war keineswegs chancenlos oder hoffnungslos unterlegen. Die Haller waren schlicht wacher, effizienter und nutzten ihre Momente eiskalt aus. Besonders nach einem unglücklichen Zusammenprall zweier Fellbacher Spieler wirkte die junge SVF-Elf im Kollektiv kurz benommen. Schwäbisch Hall erkannte diese Phase sofort, und schlug gnadenlos zu.
Aber:Trotz der Niederlage bleibt der SV Fellbach Tabellenvierter – und genau das ist die eigentliche Geschichte dieser Saison.
Nach dem Abstieg und einer finanziell notwendigen Neustrukturierung setzte der Verein mutig auf ein extrem junges Team und auf zwei Trainer, die außerhalb der Szene zunächst kaum größere Bekanntheit hatten: Nicos Gountoulas (33) und Kiri Gountoulas (35). Natürlich kannten wir von Checkfussballberater.de die beiden schon als Juniorentrainer, aber, Viele waren skeptisch. Zu jung. Zu unbekannt. Zu riskant? Wir kannten zwar die Beiden, wie erwähnt, aus dem gehobenen Juniorenbereich, waren aber dennoch etwas skeptisch. Zwei Juniorentrainer, direkt in die Verbandliga zu einem wichtigen Traditionsclub? Unser guter Podcastfreund Michele Vulcano (#PizzaHawaii2025), Kenner des Fußballs und SVF speziell, damals auch noch innerhalb des Vereins als Sponsoren-Betreuer und Organisator aktiv, meinte nur: ,,Wartet ab, die haben schon was drauf. Schwieriger wird das zweite Jahr…“ Heute muss man sagen: Der Mut des Vereins wurde belohnt.
15 Siege, 3 Unentschieden, 11 Niederlagen, bis dato – das ist für diese Voraussetzungen ein bemerkenswerter Saisonerfolg.
Der Fußball der Fellbacher ist besonders. Laufintensiv, mutig, technisch anspruchsvoll. Teilweise wirkt das Spiel beinahe vogelwild. Aber nur auf den ersten Blick. Dahinter stecken klare Abläufe, feste Zuordnungen und bewusst eingeräumte Freiheiten im Offensivspiel.
Die „Gebrüder“ Gountoulas stehen für „mutigen und frechen Fußball“, wie es der Verein formuliert. Junge Spieler sollen Verantwortung übernehmen, kreativ sein und sich entwickeln dürfen. Der Schlüssel zum Erfolg, einem kleinen lokalen Märchen, benennt Nicos Gountoulas so: „Klare Vorgaben und verständliche Spielsysteme“, als Grundlage der Entwicklung. Bruder Kiri ergänzt: „Die jungen Spieler wollen einfach zeigen, was sie draufhaben.“
Und genau dieses Feuer hat Fellbach in dieser Saison ausgezeichnet.
Die beiden Trainer bringen gemeinsam 13 Jahre Erfahrung aus dem Jugendfußball mit. Sie arbeiteten erfolgreich beim FSV Waiblingen, entdeckt und gestützt von Sandro Palmeri, und trainieren zuletzt die U19 des FSV 08 Bietigheim-Bissingen. Besonders der Klassenerhalt mit der U15 des FSV Waiblingen in der Regionalliga 2021/22 gilt als wichtiger Erfolg ihrer bisherigen Laufbahn. Immerhin konnten sie sich mit Topteams und anderen Trainern messen, aus Hoffenheim, Heidenheim und Stuttgart.
Ab Sommer übernehmen sie offiziell die Nachfolge von Trainer Tomislav Zoric beim SV Fellbach.
Wichtig dabei: Die Planung des Vereins ist langfristig angelegt – unabhängig davon, ob man in der Oberliga oder Verbandsliga spielt. Mit Sportdirektor Theo Fringelis kam zusätzlich Stabilität und Struktur in den Verein.
Nach dem Spiel zeigen sich die Brüder entspannt, humorvoll und bodenständig. Man merkt schnell: Hier arbeiten keine Blender, sondern echte Fußballtypen.
Kiri Gountoulas beschreibt sich und seinen Bruder mit einem Lächeln selbst als „Menschenfischer“. Spieler überzeugen, motivieren, emotional mitnehmen – genau darin liegt offenbar ein großer Teil ihres Erfolgs.
„Die Spieler folgen uns blind“, sagt er grinsend.
Und wenn man diese Fellbacher Mannschaft beobachtet, glaubt man ihm das sofort.
Auf Seiten der Sportfreunde Schwäbisch Hall endet dagegen langsam eine Ära. Trainer Schift befindet sich auf Abschiedstour. Zur kommenden Saison übernimmt Ex-Profi Tobias Weiss, der bereits jetzt Einfluss auf die Kaderplanung nimmt. Sein Ziel ist klar: Schwäbisch Hall soll wieder ganz oben angreifen.
Doch egal ob in Fellbach oder Schwäbisch Hall: Am Ende bleibt Fußball vor allem Menschenführung.
Oder einfacher gesagt: Du musst Menschen und Spieler erst einmal erreichen, bevor sie für dich laufen…
Am Ende gab es kein Halten mehr, mit dem Abpfiff im Heilbronner Stadion am See, stürmten die rund 800 VfR-Fans den Rasen, und feierten ausgelassen mit dem ganzen Team. Mit einer 4:0-Galavorstellung, machte der VfR Aalen drei Spieltage vor Schluss den Knopf drunter.
Ja, es gibt Aufstiege, die liest man nüchtern in Tabellen. Und es gibt Aufstiege, die riechen nach Schweiß, Hoffnung und gekonnter Souveränität durch Fleiß…
Der VfR Aalen hat nicht einfach die Oberliga gewonnen. Der VfR Aalen hat ein Stück seiner Identität zurückerobert.
Vor zehn Jahren spielte dieser Verein noch in der 2. Bundesliga. Große Stadien. Große Gegner. Großer Fußball. Danach kamen schwere Zeiten. Enttäuschungen. Zweifel. Unruhe. Vom FC Heidenheim und zeitweise Ulm überholt. Klar schmerzte das, Vereine aus der Nachbarschaft. Viele Vereine verschwinden nach solchen Abstürzen langsam im Nebel der Bedeutungslosigkeit.
Doch manche Clubs tragen ein besonderes Feuer in sich.
Aalen ist so ein Club.
Jetzt ist das Meisterstück vollbracht. Der VfR steigt in die Regionalliga Südwest auf und setzt damit ein starkes Zeichen im württembergischen Fußball.
Und das Beeindruckende daran: Eigentlich war dieser Erfolg erst für nächstes Jahr geplant. Doch manchmal beschleunigt Fußball seine eigenen Geschichten.
Das 4:0 gegen Neckarsulm in Heilbronn war mehr als nur ein Sieg. Es war die Krönung monatelanger Arbeit. Schon nach 25 Minuten war klar: Mannheim spielt nur 3:3 in Villingen. Der VfR ist Meister. Viele Mannschaften hätten danach Spannung verloren. Doch Aalen spielte weiter mit Hunger, mit Kontrolle und mit der Aura eines echten Champions.
Campagna eröffnete den großen Feier-Abend am Nachmittag. Hannam erhöhte. Meien legte nach. Maksimovic setzte den Schlusspunkt.
Vier Tore wie vier Hammerschläge auf die Tür zur Regionalliga. Und auch noch schön anzusehen, zollten selbst die Gegner von Türkspor Neckarsulm Respekt und gratulierten später voller Anerkennung!
Die Bilder danach waren emotional. 800 Fans machten Heilbronn kurzzeitig zu Aalener Stadtgebiet. Gesänge. Fahnen. Emotionen. Und später verlagerte sich die Feier tief hinein in die Aalener Innenstadt.
Diese Stadt hatte wieder das Gefühl, der VfR lebt. Großen Anteil daran trägt Cheftrainer Beniamino Molinari. Er wurde genau für diesen Auftrag verpflichtet. Den VfR dorthin zurückzuführen, wo Vereine wie Göppingen bereits angekommen waren: in die Regionalliga Südwest. (Und wieder runter mussten.)
Und Molinari lieferte. Doch Erfolg im Fußball entsteht nie allein.
Giuseppe Catizone bildet gemeinsam mit ihm ein Trainerduo, das Fußball nicht nur versteht, sondern lebt. Beide bringen Erfahrung aus höheren Spielklassen mit. Beide wirken authentisch. Beide verbinden Emotion mit Analyse. Und vor allem, beide heben immer auch das Funktionsteam, und weitere Trainer des Teams hervor.
Das ist heute selten geworden.
Viele Trainer wollen modern wirken. Viele Trainer wollen sich inszenieren. Doch Molinari und Catizone wirken wie Fußballarbeiter alter Schule – nur mit modernen Ideen.
Akribisch. Detailverliebt. Klar in der Kommunikation.
Vor allem aber: glaubwürdig.
Die Mannschaft folgte ihnen blind.
Das war während der gesamten Saison sichtbar. Variable Systeme. Flexible Rollen. Hohe Intensität. Gleichzeitig Stabilität und Ordnung. Der VfR konnte dominant auftreten, aber auch leiden. Er konnte Tempo spielen oder geduldig sein.
Genau diese Balance macht Meistermannschaften aus.
Interessant war auch die emotionale Seite nach dem Spiel. Beide Trainer bedankten sich öffentlich bei ihren Familien und besonders bei ihren Frauen.
Ein oft unterschätzter Aspekt im Fußball.
Trainer leben nicht nach Uhrzeiten. Sie leben in Spielplänen, Analysen und Drucksituationen. Die Familie trägt vieles mit. Sie stabilisiert. Sie opfert Zeit. Sie fängt Emotionen auf.
Deshalb wirkten diese Worte ehrlich.
Und Ehrlichkeit war ohnehin ein Markenzeichen dieser Saison.
Auch im Vorstand. Denn selbst Präsident Michael Schäfer wurde anfangs skeptisch betrachtet. Viele wollten erst Ergebnisse sehen. Doch gemeinsam mit Sportdirektor Marc Elser und Mehmet Deli entstand eine bemerkenswert ruhige Führungsebene.
Keine großen Schlagzeilen. Keine öffentlichen Machtkämpfe. Keine Selbstdarsteller.
Sondern Struktur.
Der Vorstand schuf die Rahmenbedingungen und ließ die sportliche Verantwortung dort, wo sie hingehört: beim Trainerteam.
Ein entscheidender Faktor. Gerade im Amateur- und Halbprofifußball scheitern viele Projekte an Eitelkeiten und internen Reibungen. In Aalen dagegen entstand Vertrauen.
Und Vertrauen ist im Fußball oft wertvoller als jedes Budget.
Vor einigen Wochen gratulierte sogar Göppingens Gästecoach Gianni Coveli bereits frühzeitig zur Meisterschaft. Auch das zeigte, wie dominant und konstant dieser VfR in dieser Saison agierte. Das Derby mit mehreren italienischen Trainern an der Seitenlinie hatte ohnehin besonderen Charme. Leidenschaft. Emotion. Temperament.
Man spürte förmlich: Hier geht es um mehr als nur Punkte.
Fußball ist Kultur. Fußball ist Familie. Fußball ist Identität. Und genau diese Identität hat der VfR Aalen zurückgewonnen. Vielleicht liegt darin die größte Leistung dieser Saison. Nicht nur der Aufstieg.
Sondern die Tatsache, dass Fans und Stadt wieder gemeinsam hinter diesem Verein stehen.
Drei Spieltage vor Saisonende darf gefeiert werden. Verdient gefeiert werden.
Doch gleichzeitig beginnt jetzt bereits die nächste Herausforderung.
Die Regionalliga wird härter. Schneller. Noch einen Tick professioneller. Kurz, die Regionalliga ist größtenteils bereits Profibetrieb. Aber Aalen wirkt vorbereitet. Nicht nur sportlich.
Sondern strukturell.
Und genau deshalb fühlt sich dieser Aufstieg nicht wie ein Zufall an.
Sondern wie der Beginn von etwas Neuem.
Vielleicht wird es noch dauern bis zur Rückkehr in den Profifußball. Vielleicht wird der Weg steinig.
Doch der VfR Aalen hat wieder eine Richtung.
Und manchmal ist genau das im Fußball der wichtigste Sieg überhaupt. Die eindrucksvollen Fans feierten dies bis spät in die Nacht, oder besser, in den frühen Morgen hinein. Der pure Wahnsinn, wie Giuse und Beni immer wieder kopfschüttelnd vor Freude festhielten…
Warum die lautesten Trainer selten die besten sind – und was Giovanni Stroppa anders macht? Er schreit nicht. Er inszeniert sich nicht. Und wahrscheinlich genau deshalb, gewinnt er mit seinen Teams, die ihm folgen. Während andere Trainer Schlagzeilen produzieren, baut Stroppa Mannschaften. Still. Konsequent. Erfolgreich. Ein Gegenentwurf zum modernen Fußball-Lärm.
Im Fußball herrscht oft ein Irrglaube: Wer laut ist, wirkt kompetent. Wer sich verkauft, gilt als Führungspersönlichkeit. Doch die Realität auf dem Platz sieht anders aus. Erfolg entsteht nicht durch Show – sondern durch Struktur, Klarheit und Glaubwürdigkeit. Und vor allem, durch die tägliche Arbeit auf dem Platz, und außerhalb im Stillen mit all den planerischen Dingen.
Giovanni Stroppa ist der lebende Beweis dafür.
Wer ihn früher beim FC Südtirol erlebt hat, erinnert sich nicht an große Reden. Sondern an Präsenz. An Beobachtung. An dieses Gefühl: Der Mann weiß genau, was er tut – auch wenn er es nicht permanent ausspricht. Jedenfalls waren seine Augen damals überall, auch bei den Juniorenteams, U17, U19, la Primavera oder Berretti.
Knurrig? Vielleicht. Direkt? Sicher. Aber vor allem: authentisch.
Und genau das ist der Punkt, den viele im (Jugend-)Fußball unterschätzen.
Junge Spieler hören nicht auf Worte – sie hören auf Menschen. Sie spüren sofort, ob ein Trainer Erfahrung hat, ob er Situationen selbst erlebt hat oder nur darüber spricht. Stroppa bringt diese Tiefe mit. Seine Vergangenheit bei AC Milan ist kein dekorativer Eintrag im Lebenslauf – sie ist Fundament. Stroppa bringt diese DNA des ,,Gewinnenwollens“, in allen Facetten mit: im Auftreten, nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch außerhalb, in jedem Club.
Champions-League-Sieger. UEFA-Cup-Gewinner. Aber wichtiger: jemand, der den Weg kennt.
Und genau deshalb funktioniert sein Ansatz.
Erfolg ist kein Zufall – sondern Wiederholung
Vier Aufstiege. Nicht irgendwie. Nicht einmalig. Sondern wiederholt, bestätigt, reproduzierbar.
Mit dem FC Crotone. Mit AC Monza – historisch, erstmals in die Serie A. Damals bereits unter dem bereits verstorbenen, Silvio Berlusconi, mit seinem Topdirektor Adriano Galliani. Monza? Das war wie der AC Milan, nur etwas kleiner… Dann, noch etwas schwieriger, mit US Cremonese. Und zuletzt, mit Venezia FC. Vergangenes Jahr runter, und gleich wieder aufgestiegen – wem trauten sie es zu, na klar, Giovanni Stroppa. Genau sein Umfeld.
Der jüngste Aufstieg sagt alles: 2:2 bei Spezia Calcio – und wieder oben. Venezia? Nur elf Monate nach dem Abstieg zurück in der Serie A. Kein Zufall. Kein Lauf. Ein Muster.
Vier Aufstiege in sechs Jahren.
Wenn das kein System ist – was dann?
Der Unterschied: Stroppa baut – andere reagieren
Viele Trainer leben von Momenten. Ein guter Lauf. Eine starke Phase. Eine glückliche Saison. Stroppa lebt von Konstruktion.
Er kommt in einen Verein – und redet nicht sofort. Er schaut. Stroppa analysiert gut und lang, wie es die Zeit eben erlaubt. Er versteht die Dynamik.
Erst dann greift er ein.
Sein Fußball ist kein Chaos mit Glückstreffern. Er ist organisiert: hohes Pressing, enge Linien, klarer Aufbau. Das klingt simpel – ist aber brutal anspruchsvoll. Denn es verlangt Disziplin. Und Überzeugung.
Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
Kein Dogma – aber eine klare Handschrift
Der nächste Punkt, den viele übersehen: Stroppa ist kein sturer Ideologe.
Er passt sich an – ohne sich zu verlieren. Unterschiedliche Teams, unterschiedliche Spielertypen, unterschiedliche Ziele. Und trotzdem erkennt man seine Handschrift.
Das ist hohe Trainerkunst.
Nicht stur bleiben. Aber auch nicht beliebig werden.
Warum genau solche Trainer eigentlich in den Nachwuchs gehören
Hier wird es unbequem – aber notwendig:
Die besten Jugendtrainer sind nicht die lautesten. Nicht die, die am meisten erklären. Sondern die, die verstanden werden.
Warum? Weil sie es selbst erlebt haben.
Ein Spieler akzeptiert Kritik nur dann wirklich, wenn sie glaubwürdig ist. Wenn sie von jemandem kommt, der die Situation kennt. Der Druck gespürt hat. Der Fehler selbst gemacht hat.
Stroppa ist genau so ein Trainer. Er schaut auch immer bei den Junioren zu, schätzt die Arbeit der Trainer.
Und genau deshalb nimmt er sich Zeit für Nachwuchs, für Gespräche, für empfohlene Spieler. Nicht aus Imagegründen – sondern aus Überzeugung.
Serie A ist kein Ziel mehr – sondern Mindeststandard
Hier liegt die vielleicht wichtigste Entwicklung: Früher galt: Stroppa bringt Teams nach oben. Heute gilt: Stroppa gehört nach oben. Nur noch eine Frage der Zeit, wann ihm ein Champions-League taugliches Team anvertraut wird. Er kann Serie B, genauso aber europäischen Fußball, genau das Niveau, das er auch als Profikicker erlebt und geatmet hat.
Die Serie A ist kein Bonus mehr. Sie ist die logische Konsequenz seiner Arbeit.
Und jetzt beginnt die eigentliche Aufgabe: Nicht nur aufsteigen. Sondern bleiben. Und bestehen.
Die leisen gewinnen am Ende
Es gibt dieses Bild: Spiel vorbei. Sieg eingefahren. Und Stroppa? Kein Ausrasten. Kein Jubel-Drama. Aber klar, die Freude sieht man ihm schon auch an.
Ein kurzes Lächeln. Ein Blick nach vorne. Das war’s. Warum? Weil er weiß: Das Ziel liegt nicht im Sieg. Sondern im nächsten Schritt.
Der moderne Fußball liebt Geschichten. Hype. Emotion. Lautstärke.
Aber am Ende gewinnt oft etwas anderes:
Klarheit. Struktur Und echte Erfahrung.
Giovanni Stroppa liefert genau das.
Ohne Show. Ohne Theater. Ohne Ausreden.
Und genau deshalb ist er einer der Trainer, über die man mehr sprechen sollte…
Es ist mal wieder so weit: Der Name Pep Guardiola schwebt wie ein Heilsversprechen über dem italienischen Fußball. Ein leiser Hauch von Erlösung, gewürzt mit der Hoffnung, dass ein Genie von außen das richten könnte, was innen seit Jahren knirscht. Die Versuchung ist groß. Zu groß vielleicht.Denn ja – Guardiola liebt Italien. Das ist keine Floskel, sondern gelebte Geschichte. Brescia, Rom, Begegnungen, Respekt. Italien ist für ihn kein fremdes Terrain. Und genau das macht die Sache so brisant. Gefährlich, weil Nähe manchmal den Blick vernebelt.
Der Reflex: Der große Name muss es richtenIn Spanien wird sein Abschied aus Manchester längst diskutiert, der Gedanke an eine Nationalmannschaft reizt ihn schon länger. Weniger täglicher Druck, mehr Fokus auf Idee statt Dauerfeuer – das passt zu einem Trainer, der Fußball wie ein Schachspiel denkt.
Und Italien? Greift nach diesem Gedanken wie ein Ertrinkender nach einem Ast. Doch genau hier beginnt die Selbsttäuschung.
Der Reflex ist alt: Wenn es nicht läuft, holt man den großen Namen. Den Visionär. Den Retter. Dabei wird übersehen, dass ein Trainer allein kein strukturelles Problem löst.Guardiola ist kein Feuerwehrmann. Er ist ein Architekt.Wer ihn holt, holt keine schnelle Lösung – sondern eine radikale Baustelle. Guardiola ist kein Trainer – er ist ein System!
Das Problem liegt tiefer: Guardiola bringt nicht nur Taktik mit, sondern eine komplette Denkweise. Seine Idee durchdringt alles – vom Training über die Spielerentwicklung bis hin zur Kultur eines Verbandes.Das bedeutet: Wer ihn holt, muss bereit sein, sich selbst zu verändern. Und genau da wird es kritisch. Italien fehlt seit Jahren nicht an Talent oder Leidenschaft. Es fehlt an Klarheit. An Mut zur Linie. An konsequenter Umsetzung. Die Strukturen sind träge, die Vision oft kurzfristig.Guardiola würde das sichtbar machen. Schonungslos.Aber er würde es nicht automatisch lösen.Im Gegenteil: Die Gefahr ist groß, dass er zum überstrahlenden Mittelpunkt wird. Zum Guru, zum Macher – während im Hintergrund die alten Muster weiterleben. Dann wäre er nicht Teil der Lösung, sondern Teil einer neuen Illusion. Die vergessene Revolution:
Baggios 900 Seiten Staub
Und dann ist da diese fast bittere Ironie. Italien hatte seine Vision bereits. Roberto Baggio hat 2011 ein umfassendes Konzept zur Erneuerung des italienischen Fußballs vorgelegt. 900 Seiten Analyse, Idee, Zukunft.Und was ist passiert? Nichts. Das Papier verstaubte. Die Chance verpuffte. Der Wille zur echten Veränderung blieb aus.Das ist der Kern des Problems. Nicht der fehlende Guardiola. Sondern die fehlende Konsequenz. Die Verbindung zwischen Guardiola und Baggio ist dabei fast symbolisch: zwei große Fußball-Denker, die sich respektieren. Der eine könnte kommen – der andere wurde nie wirklich gehört. Vielleicht sollte genau das zu denken geben.
Entscheidung statt Sehnsucht
Natürlich wäre Guardiola ein Statement. Ein Signal für Aufbruch, für Mut, für Veränderung. Aber ein Signal allein gewinnt keine Spiele – und schon gar keine Identität. Italien steht an einem Punkt, an dem es sich entscheiden muss. Will man wieder nur hoffen, dass jemand von außen alles richtet? Oder ist man bereit, sich selbst zu hinterfragen und einen klaren Weg zu gehen – mit oder ohne großen Namen?
Pep Guardiola kann ein Teil dieser Antwort sein. Vielleicht sogar ein entscheidender. Aber er darf nicht die Antwort selbst sein. Sonst bleibt am Ende nur das, was man in Italien inzwischen zu gut kennt: große Erwartungen, große Namen – und eine Realität, die wieder hinterherhinkt.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Guardiola kommt. Sondern, ob Italien endlich weiß, wohin es will…
Der italienische Fußball taumelt noch – die Nationalmannschaft hat die WM verpasst, die Wunden sind frisch, die Stimmung irgendwo zwischen Melancholie und Espresso doppio. Aber – und jetzt kommt der Teil, bei dem man die Augenbraue hebt – ganz weg ist Italien von der großen Bühne eben doch nicht. Denn wenn die Welt 2026 in Nordamerika rollt, steht „Made in Italy“ weiterhin geschniegelt an der Seitenlinie. Und zwar nicht zu knapp.
Zusammenfassung – süffisant, aber sauber gespielt
Also gut: Italien fährt nicht zur WM. Sagt das Ergebnis von Zenica, und das ist so endgültig wie ein schlecht verteidigter Standard in der Nachspielzeit. Aber wer glaubt, die Italiener bleiben im Juni alle am Strand von Rimini, hat das Spiel nicht verstanden.
Denn während die Azzurri zu Hause die Narben zählen, exportiert Italien weiter das, was es seit Jahrzehnten kann: Fußballhirn, Taktik, Staff-Power.
Allen voran Carlo Ancelotti. Der Mann, der jetzt ausgerechnet Brasilien organisiert – also Defensive zuerst, Struktur rein, und vorne dürfen dann Künstler wie Vinícius tanzen. Ein bisschen wie ein Architekt, der in Rio plötzlich deutsche Baupläne ausrollt. Funktioniert? Sieht so aus.
Dann Vincenzo Montella. Der „Aeroplanino“ hat die Türkei zurück zur WM gebracht – nach 24 Jahren Pause. Und das mit einem Team, das mehr kann, als viele denken. Viertelfinale bei der EM, solide Gruppe bei der WM – Montella liefert. Leise, aber effizient. Kein Spektakel, sondern Substanz.
Und Fabio Cannavaro? Der Weltmeister von 2006 schreibt das vielleicht charmanteste Kapitel: WM-Debüt mit Usbekistan. Ein Fußballmärchen zwischen Moscheen und Außenseiterträumen. Und ganz ehrlich – genau solche Geschichten machen Turniere groß.
Die eigentliche Pointe – Italiens unsichtbare Armee
Jetzt wird’s interessant. Denn Italien ist nicht nur Trainerland, sondern eine Art geheime Supermacht im Maschinenraum des Fußballs:
Fitnesstrainer, die mehr laufen als die Spieler Physiotherapeuten, die Karrieren verlängern Analysten, die Gegner seziern wie Chirurgen
Beispiele? Bitte sehr:
Yuri Annecchiarico bei Frankreich – Weltmeister 2018, wieder heißer Kandidat. Guido Nanni in Algerien – der Mann vom legendären Totti-Selfie, arbeitet nun Trainer Petkovic zu. Mario Pafundi – vom Radsport zum Vertrauensphysio eines der besten Stürmer der Welt. Fabio Massimo Francioni – Sportwissenschaftler beim Katar-Team. Andrea Lanfranco – Daten, Reha, Präzision bei der Schweiz.
Das ist kein Zufall. Das ist System. Italien liefert keine Masse mehr auf dem Feld – aber Klasse hinter den Kulissen.
Fazit, das Hoffnung macht
Die bittere Wahrheit: Italien fehlt auf dem Platz. Die süße Wahrheit: Italien ist trotzdem überall.
Vielleicht ist genau das die neue Realität: weniger Hymne vor dem Spiel, mehr Einfluss währenddessen. Weniger Pathos, mehr Professionalität.
Oder, um es im passenden Ton zu sagen: Italien hat die WM verpasst – aber den Fußball noch lange nicht.
Es ist nicht mehr nur ein Scheitern. Es ist ein Muster. Bosnien schickt eine ganze Fußballnation ins Tal der Tränen – und wenn nicht in Depressionen, dann aber zumindest in tiefe Melancholie.
In Bosniens Zenica vor knapp 10.000 Fans, im engen Stadion, das rein gar nichts mit den oft künstlichen Arenen zu tun hat, vollendete sich am Dienstagabend, was sich seit Jahren ankündigt: Die italienische Nationalmannschaft ist zum dritten Mal in Folge nicht bei einer Weltmeisterschaft dabei.
Ein Drama pur. Erst nach Elfmeterschießen fiel die Entscheidung zur WM-Teilnahme. Unentschieden 1:1 hieß es nach regulärer Spielzeit, die Verlängerung verlief torlos. Dann wurde die Niederlage gegen das ‚kleine‘ Bosnien bittere Realität. Aus, finito la festa, 2:5. Gefeiert haben die Bosnier. So nüchtern lässt sich das Ergebnis zusammenfassen.
Aber die Wahrheit dahinter ist alles andere als nüchtern. Sie ist laut. Und sie ist unangenehm. Italiens Problem, das vermuteten schon viele Experten und Schwarzmaler im Vorfeld, sitzt tiefer – im Kopf.
Auf dem Papier war Italien besser: mehr Qualität. Mehr Erfahrung. Mehr Fußball-Geschichte. Doch auf dem Papier wurde noch nie ein Tor geschossen. Zenica hat das ein für alle Mal klargemacht.
Scheitern I: Der Kopf ist schwach – und keiner will es hören
Die größte Lüge dieses italienischen Fußballs ist, dass es an Details liegt. Tut es nicht. Italien scheitert nicht an Taktik. Auch nicht an Technik. Nicht einmal am Talent. Italien scheitert wieder einmal an sich selbst.
Zweimal hat man bereits die WM verpasst – 2018 und 2022. Jetzt ein drittes Mal. Kaum zu glauben, dass Italien die Europameisterschaft 2021 in England gewann.
Das Verpassen einer WM zum dritten Mal nacheinander ist kein Ausrutscher mehr. Das ist fast schon eine neue Fußballidentität. Und trotzdem klammert man sich an gestern. An 1982. An 2006. An Namen wie Dino Zoff, Paolo Rossi oder Del Piero und Totti, sowie Weltmeistertrainer Marcello Lippi.
Vergangenheit als Betäubung. Nicht mehr als Inspiration, als es noch echte Charaktere gab. Starke Typen. Dabei hatte einer den Finger in die Wunde gelegt: Gennaro Gattuso, der Nationaltrainer selbst. Keine Poesie. Keine Ausflüchte. Seine Botschaft war klar: arbeiten, leiden, Verantwortung übernehmen. So ist ‚Rino‘ Gattuso selbst Weltmeister unter Lippi geworden. 2006 in Berlin.
Nach dem Spiel stand der ‚Cití‘, commissario tecnico, mit glasigen Augen da. Das Spiel hatte ihn arg mitgenommen, über 120 Minuten coachte er sein Team, das über 80 Minuten in Unterzahl spielen musste. Teamchef Gattuso entschuldigte sich, dass es leider „wieder nicht gereicht“ habe, diese Niederlage sei nur schwer zu verdauen. Eine Niederlage, die größer ist als er. Vielleicht ist genau das das Problem: Die Ehrlichen tragen die Schuld. Die Verantwortlichen schweigen.
Scheitern II: Das System schützt sich, nicht den Fußball
Wer jetzt über den Schiedsrichter spricht, hat nichts verstanden. Ja, es gab natürlich strittige Szenen. Und ja, es gab eine rote Karte. Aber das sind Symptome. Keine Ursachen. Die Ursache liegt dort, wo selten Kameras sind: Im System. Im italienischen Fußballverband, in dessen Ausrichtung.
Wenn zum Beispiel im Jugendbereich Beziehungen wichtiger sind als Leistung, wo (subtile) Korruption kein Skandal mehr ist, sondern ein offenes Geheimnis, dann stirbt der Fußball nicht spektakulär. Er verrottet langsam, von innen. Und alle sehen zu.
Hat die FIGC, die italienische Fußball-Federation, je den Mut gehabt, das offen anzusprechen? Nein, natürlich nicht. Einschnitte tun weh. Und kurzfristige Erfolge, wie der EM-Titel vor fünf Jahren in London, übertünchen Flecken und Risse im System. Es wird viel diskutiert – aber hinter verschlossenen Türen. Geflüstert statt gehandelt. Warum?
Weil zu viele abhängig sind. Zu viele profitieren. Zu viele Angst haben, ausgeschlossen zu werden. Also redet man, macht aber weiter wie bisher. Das ist kein Versagen mehr. Das ist ein System, das sich selbst schützt.
Diejenigen, die konstruktive Kritik üben, werden nicht gehört oder vertröstet. Es gibt etliche gute und integre Scouts und Beobachter in Italien. Allein, das System ist stärker, wie ein Abwehrbollwerk – das Catenaccio: Dafür waren die Italiener einst gefürchtet auf dem Platz. Mit viel Mentalität und Gattusos Coaching an der Außenlinie hielt die Abwehr bis zum Elfmeterschießen auch stand.
Die Arroganz vor dem Fall
Bosnien? „Machbar.“ Ein Wort, das wie ein Bumerang zurückschlug. In sozialen Medien lachte man erfreut über den Gegner Bosnien, der Wales bereits eliminiert hatte – nach Elfmeterschießen. Auch Federico Dimarco relativierte später. Zu spät.
Denn Bosnien spielte nicht auf „Machbarkeit“. Bosnien spielte mutig. Klar. Entschlossen, wie es die Kräfte noch zuließen. Das muss man anerkennen. Sie waren nicht größer. Nicht berühmter. Aber sie waren bereit. Und genau das hat gereicht.
Während Italien dachte, Erfahrung werde irgendwie reichen, hat Bosnien gehandelt. Während Italien zweifelte, hat Bosnien geglaubt. Das ist kein Zufall. Das ist ein Urteil. So empfanden es jedenfalls viele Fans und Beobachter.
Eine Generation ohne Erwartung
Es gibt junge Italiener, für die eine Weltmeisterschaft ohne Italien normal ist. Nicht schockierend. Fast nicht mehr tragisch. Einfach normal. Früher (!) zählte Italien stets zum erweiterten Favoritenkreis. Das ist der eigentliche Kollaps. Der Fußball – il Calcio – war einmal mehr als Sport. Er war Stolz. Identität. Drama.
Heute ist er oft nur noch Erinnerung. Und Erinnerungen schießen keine Tore. Die Medien drehen durch. Die Fans toben. Und der Name Gabriele Gravina, der Verbandspräsident, steht im Zentrum der Kritik. Vielleicht fällt er. Vielleicht nicht. Aber, es wäre nun, nach einer Pleitenserie, längst überfällig. Aber selbst wenn – das reicht nicht. Ein neues Gesicht ändert kein krankes System.
Keine Ausreden mehr
„Italiener verlieren Kriege, als seien es Fußballspiele – und sie verlieren Fußballspiele, als seien es Kriege.“ Ein Satz, oft Winston Churchill zugeschrieben. Heute klingt er weniger wie Spott. Mehr wie Diagnose. Denn Zenica war keine Niederlage. Es war ein Spiegel.
Keine Ausreden mehr. Kein „Pech“. Kein „nächstes Mal“. Nur noch Wahrheit, bitte. Am Ende bleibt nur Stille, nach dem Fiasko und Drama im Hexenkessel von Zenica. Ein Trainer wie Gennaro Gattuso, der Tränen verdrückt. Ein Team, das gekämpft hat – aber etwas nicht gereicht hat.
Ein Land, das sich entscheiden muss: zurück zur Realität oder weiter in die Illusion. Irgendwo klingt es fast schon zynisch, aber auch ein wenig poetisch. Wie einst beim italienischen Barden, Lucio Dalla: „Ma l’America è lontana …“, Amerika ist weit weg.
So weit wie dieser Traum. Vielleicht noch weiter. Vielleicht – auf der anderen Seite des Mondes. Bei der WM in Amerika, Mexiko und Kanada jedenfalls, wird man die Squadra Azzurra vielleicht vermissen. Vielleicht aber auch nicht …
Giovanni Deriu
Der Bericht erschien zuerst hier, bei TichysEinblick:
Eines steht fest, Beniamino Molinari wurde extra dafür verpflichtet, mit dem VfR Aalen dorthin zurückzukehren, also aufzusteigen, woher der Gegner aus Göppingen gekommen ist: nämlich in die Regionalliga Südwest. Und es sieht nach dem 3:1-Sieg über den Göppinger SV auch ganz gut aus. Es war ein Ergebnis mit Signalwirkung im Aufstiegsrennen der Oberliga Baden-Württemberg. Der Tabellenführer baut seinen Vorsprung auf fünf Punkte vor dem VfR Mannheim aus – und hat dazu sogar noch ein Spiel weniger absolviert.
Doch dieses Spiel war mehr als nur ein weiterer Dreier.
Es war ein Derby mit Atmosphäre, taktischer Würze – und italienischem Trainerflair an der Seitenlinie
Drei italienische Trainer prägen das Oberligaderby Im Mittelpunkt standen drei Trainerpersönlichkeiten: Gianni Coveli. Beniamino Molinari und Giuseppe Catizone.
Auf Göppinger Seite steht mit Coveli eine echte Institution. Der frühere Mittelfeldspieler – unter anderem bei den Stuttgarter Kickers – prägt den Göppinger SV seit vielen Jahren. Als Trainer führte er den Verein Schritt für Schritt nach oben und schaffte sogar den Sprung in die Regionalliga Südwest.
Gianni Coveli gilt als Trainer mit klarer Spielidee: offensiver Fußball, Mut zum Risiko und Vertrauen in junge Talente. Schon als Spieler dachte er taktisch, und zwar wie ein Trainer – der verlängerte Arm der Bank auf dem Platz.
In Göppingen ist er längst mehr als nur Coach. Er ist Sportvorstand, Impulsgeber und Identifikationsfigur zugleich. Besonders gefeiert wurde er in der Saison seines zehnjährigen Trainerjubiläums, als der Verein sportlich große Erfolge erlebte. Der Aufstieg in die Regionalliga war das berühmte i-Tüpfelchen. Leider, ging es nach nur einer Saison wieder hinunter in die Oberliga. Das war ganz klar „Lehrgeld“ das sie in der Regionalliga bezahlen mussten, gibt Coveli zu. In einer Liga, in der an die 12 Vereine unter absoluten Profibedingungen trainieren, war der Göppinger SV eben immer noch ein Club mit Amateurflair, gegebenenfalls ein Hauch von Semiprofessionalität, aber trainiert wurde eben meist feierabends, erst nach der Arbeit der Spieler und Trainer. Und klar, auch Geld und Sponsoren sind in der Regionalliga enorm wichtig. In der nächsten Saison 2026/27 möchte Coveli mit dem GSV einen neuen Anlauf starten. Die Kaderplanungen laufen bereits, bestätigte der Chefcoach.
Doch an diesem Nachmittag stand ihm, Gianni Coveli, ein Trainerduo gegenüber, das aktuell die Schlagzeilen in Aalen prägt.
Beniamino Molinari – vom Torjäger zum Trainer
Cheftrainer Beniamino Molinari ist ein Fußball- und Familienmensch durch und durch. Der gebürtige Schwäbisch Gmünder war früher selbst ein gefürchteter Strafraumstürmer. Über 200 Tore soll er in rund 23 Jahren aktiven Fußball erzielt haben – genau gezählt hat er nie. Seine erfolgreichste Zeit hatte er beim, mit dem er mehrere Titel gewann.
Früh zeichnete sich ab, dass Molinari dem Fußball auch nach seiner Spielerkarriere treu bleiben würde.
Trainerstationen bei der TSG Backnang und beim TSV Essingen machten ihn im süddeutschen Amateurfußball schnell bekannt. Seine Teams spielten offensiv, intensiv und mutig – genau so, wie Molinari selbst den Fußball liebt. „Offensiv, wild und voller Energie“, so beschreibt er seine Spielphilosophie.
Später arbeitete Molinari im Trainerstab des Traditionsvereins FC Schalke 04 unter Frank Kramer.
Erfahrungen, die ihn geprägt haben.
„Der Profifußball tickt anders“, sagt Molinari heute. „Das muss man wissen.“ Trotz verschiedener Anfragen anderer Vereine blieb er stets ruhig und analysierte, welcher Verein tatsächlich in Frage käme. Molinari reflektiert seine Erfahrungen, arbeitete zwischendurch an weiteren Trainerlizenzen und entwickelt dabei auch seine Ideen weiter – ohne Hektik – und das kommt nun, wie man sieht, dem VfR Aalen zu Gute, für den sich Molinari letztendlich bewusst entschied – nicht weit von Daheim entfernt, und dass man in Aalen etwas bewegen kann, wusste „Beni“ Molinari sofort, selbst, wenn es im Aalener Umfeld nie richtig einfach zu sein scheint. Ein Auf- und Ab, in den vergangenen Jahren. Doch jetzt, wirkt alles viel professioneller im Rohrwang. „Natürlich ist das Umfeld auch wichtig, damit die Trainer und Spieler in Ruhe und konzentriert arbeiten können“, unterstreicht Molinari.
Giuseppe Catizone – der ruhige Taktiker im Trainerteam
An Molinaris Seite arbeitet Giuseppe Catizone, ehemaliger Bundesligaspieler des VfB Stuttgart. Beim VfB in der Jugend wurde „Giuse“ auch ausgebildet.
Catizone gilt als analytischer Kopf im Trainerteam des VfR Aalen. Während Molinari emotional und impulsiv coacht, sehr wichtig für eine offensive Spielweise mit steter Kontrolle über die Abwehr, bringt Catizone all seine Ruhe(das ist auch sein Naturell), Struktur und Erfahrung ein.
Standardsituationen, Spielanalyse, taktische Feinheiten – vieles läuft über seine Vorbereitung (wichtige Details, die ein Spiel mitentscheiden können, interessant auch das Interview mit Giuse von einst: https://www.rund-magazin.de/news/1461/80/Interview-Giuseppe-Catizone/ ). Gleichzeitig ist er für viele Spieler ein wichtiger Ansprechpartner, der seine Erfahrungen aus dem Profifußball weitergibt. Und da hat der Italoschwabe aus Fellbach ein großes Repertoire. Bereits der FSV Waiblingen konnte von Catizone profitieren, denn vor der Anfrage Molinaris und seinem Engagement in Aalen, brachte Catizone die Waiblinger in die Verbandsliga. Gleich nach der Meisterfeier in Waiblingen, fanden bereits der Ideenaustausch und die Planungen für die neue Oberligasaison in Aalen statt.
Die beiden Trainer, „Moli“ und „Giuse“, kennen sich seit mehr als zwanzig Jahren – damals standen sie gemeinsam bei Normannia Gmünd auf dem Platz. Beide wurden auch von Alexander Zorniger geprägt. Heute funktioniert diese Kombination auch auf der Bank: Emotionales und motivierendes Coaching, trifft auf Analyse, und „Ruhig Blut, con calma“, wenn es zu hitzig auf dem Feld wird. Kurz, die Spieler, das merkt man, fühlen sich gut aufgehoben und supported.
Göppinger SV überrascht den Tabellenführer
Für ein tolles Derby war alles angerichtet. Das Spiel selbst begann allerdings überraschend. Der Göppinger SV startete stark, technisch sauber und aggressiv in den Zweikämpfen. Das kompakte 5-3-2-System funktionierte hervorragend. Manchen vielleicht etwas zu defensiv, doch dazu muss man dann die Spielweise Covelis verstehen, und auch erklären, dass nämlich die Abwehrspieler, zum Beispiel Bastian Frölich und auch Filip Milisic, die Order haben, sich immer wieder in die Offensive zu begeben. Und das trägt tatsächlich oft Früchte.
Bereits in der 7. Minute gingen die Gäste verdient in Führung. Torschütze? Abwehrspieler Frölich, über eine schöne „Kombi“ mit Milisic. 0:1, aus Sicht des VfR.
An der Seitenlinie reagierte Molinari sofort: „Kommt, aufwachen…!“
Der VfR Aalen hatte zunächst Mühe, ins Spiel zu finden. Das eigene 4-5-1, wirkte oft eher wie ein 4-4-2-System, griff jedoch noch nicht richtig, während Göppingen diszipliniert verteidigte.
Das Eigentor der Göppinger war dann schon eine Art Wendepunkt.
Es fiel das Tor, das dem Spiel eine neue Richtung gab. Das 1:1 entstand plötzlich – ein Eigentor aus dem Nichts, bestätigten beide Trainer nach der Partie.
„Erst dann konnten wir uns etwas befreien“, erklärte Molinari später.
Der Treffer brachte Aalen zurück ins Spiel. Der Tabellenführer gewann mehr Kontrolle im Mittelfeld und fand zunehmend besser in die Partie. Die VfR-Abwehr kann man schon als Kernstück bezeichnen, Sicherheit ist wichtig, aber dennoch zeigt Molinaris Spielphilosophie, dass so schnell wie möglich nach Ballgewinn, über die Schnittstellen im Mittelfeld, nach vorn gespielt wird. Wichtig sind beim VfR Aalen die „Achsenspieler“, Döringer, sowie der erfahrene Ali Odabas, und je nachdem, über welche Seite, Reece Hannam, der sich für keinen Weg zuweit ist, wie auch der Trainer festhielt (Molinari: „Normalerweise, lobe ich Einzelne selten…“). Oft geht es dann geht flugs über Luigi Campagna,der Bälle sichert und abfängt aber gleichzeitig, sehr schnell Kindsvater oder Maksimovic sucht. Kindsvater und Maksimovic bekamen dann auch viel Freiraum, da Antlitz die Göppinger Abwehr beschäftigte, und auch Vico Meien wirbelte, rannte des Sechzehner an, und schuf Räume für Maksimovic, der immer wieder gefährlich agierte.
VfR Aalen dreht das Derby Nach der Pause wurde der VfR stärker. In der Halbzeit wurden wohl nochmals Abläufe erklärt.
In der 54. Minute erzielte Kindsvater die Aalener Führung. Die OstalbArena explodierte förmlich vor Begeisterung. Die Fans sangen, trommelten und machten Rabatz. Nach den Toren ertönte aus den Lautsprechern ein Lied, das inzwischen fast schon zum Aalener Heimspiel gehört: „E vola, vola…“ – die pure Partystimmung, da springen dann auch die Fans auf der Tribüne von ihren Sitzen und feiern. Ja, das kann man schon sagen, VfR-Stadionsprecher, Michael „Flex“ Flechsler, beherrscht die Klaviatur der guten Laune, besonders, wenn das Wetter grau und trüb ist.
Der bekannte Stadionsprecher des VfR Aalen: Michael „Flex“ Flechsler
Ein passender Soundtrack zudem – denn der VfR schien nun tatsächlich zu fliegen. Vieles ging nun leichter, so schien es, dennoch gaben die Göppinger nie auf, kämpften um jeden Ball und Zentimeter auf dem Feld. Viele dachten wirklich, entweder ein 3:1 oder es endet 2:2.
Die Entscheidung fiel schließlich in der 84. Minute. Maksimovic, ein überragender und umsichtiger Spieler, traf zum 3:1 und machte den Derbysieg perfekt.
Kurz vor Schluss war Molinaris Stimme noch einmal über den Platz zu hören:
„Hey – Nur noch 5-4-1 bitte!“, die Order ging an seine Mannen, vier Minuten Nachspielzeit – dann war das Spiel entschieden.
Große Emotionen nach dem Schlusspfiff Nach dem Abpfiff feierten die Aalener Fans ausgelassen. Stadionsprecher„Flex“ ließ die Stimmung noch einmal hochleben.
Auf Göppinger Seite dagegen herrschte eher Nachdenklichkeit.
Trainer Coveli analysierte das Spiel nüchtern:
„Aalen ist wirklich eine Klasse für sich. Ein Unentschieden wäre jedoch gerechter gewesen.“ Dann folgte ein Satz, der für ein hörbares Raunen sorgte:
„Sei’s drum – ich gratuliere dir, Beni, schon jetzt zur Meisterschaft.“
Ein Derby mit Bedeutung für die Oberliga
Ob diese Prognose tatsächlich eintrifft, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Doch eines steht fest: Der VfR Aalen ist aktuell das Maß der Dinge in der Oberliga Baden-Württemberg. Der Göppinger SV wiederum bleibt ein Gegner, der mit Leidenschaft, Organisation und Trainerkompetenz jedem Team Probleme bereiten kann. Und wenn diese beiden Mannschaften aufeinandertreffen, entsteht fast immer das, was Fußballfans lieben: Ein intensives Derby voller Emotionen, Geschichten und Charaktere.
Giovanni Deriu
NACHTRAG, ein Kurz-Interview mit Marc Elser, der als Sportdirektor auch maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass das Team, der Kader, und alle die dazugehören, in Ruhe arbeiten können. Wir erreichten ihn am nächsten Tag, Marc Elser war beruflich, wie so oft, „on the road“.
Hallo Marc, Du als Sportlicher Leiter, hast natürlich auch einen Anteil am bisherigen Erfolg, hattest Du damit gerechnet, dass er sich so schnell einstellt? Marc Elser: In gewisser Hinsicht kann man den Erfolg natürlich ein Stück weit planen, dass wir aber mittlerweile im zweiten Jahr (Anmerkung: vom auferlegten Dreijahresplan) mit so einer Dominanz momentan die Liga beherrschen, ist natürlich sensationell. Die Stellschrauben an denen wir in den vergangenen anderthalb Jahren gedreht haben, scheinen ineinander zu greifen. Dennoch sind wir noch lange nicht durch, und stehen erst am Anfang unserer Vision…
Ab wann plant man konkret für die Regionalliga, laufen bereits die ersten Schritte dafür? Marc Elser: Natürlich planen wir zweigleisig, für die Ober – aber genauso wie für die Regionalliga Südwest. Die jeweiligen Lizenzanträge liegen bereits den Verbänden vor. Die sportliche Planung begann bereits im vergangenen Jahr, schon im Laufe der Vorrunde.
Was glaubst Du, welche Hauptgründe es dafür gibt, dass der VfR auch insgesamt wieder besser in der Stadt, und bei den Fans, ankommt? Marc Elser: Natürlich trägt der momentane sportliche Erfolg immer etwas dazu bei. Ich denke aber auch, dass die Region unsere Arbeit im Verein wahrnimmt, und sieht, dass durch diese wachsende Gemeinschaft im Umfeld, neue Dinge entstehen und wachsen können. Wir im Präsidium, und auch da sind wir ein Team, versuchen sehr transparent, bodenständig und nachhaltig zu arbeiten. In der Hoffnung, dass das auch genauso angenommen wird.
Rettungsmission am Neuenburgersee – Ein Telefonat mit Martin Andermatt
Der Fußball schreibt Geschichten, und manchmal schließt sich ein Kreis. Als ich dieser Tage spontan mitMartin Andermatt telefoniere, klingt seine Stimme ruhig, wie immer, ja, unaufgeregt – aber auch fokussiert. Es sind intensive Tage beim Yverdon-Sport FC. Der Traditionsklub aus der Westschweiz steckt in einer schwierigen Phase, und ausgerechnet jetzt ist Andermatt wieder ganz nah dran an der Linie. Der 64-Jährige hatte eigentlich eine andere Rolle im Verein. Als „sportlicher Verantwortlicher“, also Sportdirektor, plante er langfristig. Doch im Fußball kommt es oft anders. Nun steht er selbst wieder im Mittelpunkt der täglichen Arbeit auf dem Trainingsplatz.
„Im Moment denke ich 24 Stunden an diese Mission“, sagt Martin Andermatt im Gespräch. Seine Worte wirken nicht dramatisch – eher nüchtern. Wer ihn kennt, und seine sportliche Vita bereits als Jugendlicher in Deutschland verfolgte, weiß: Genau so arbeitet er.
Immer wieder erreichen ihn Anfragen – auch von Probespielern, Beratern und auch Scouts (so wie wir, das nur am Rande), oder jungen Talenten. Andermatt bleibt dabei konsequent. Der Proficoach: „Versprechen kann ich nichts“, sagt er offen.
Eine gute Analyse brauche Zeit. Wer helfen könne, müsse genau geprüft werden. Dabei gehe es nicht nur um Talent. Ganz entscheidend seien Charakter und Sozialverhalten. Erst danach komme das fußballerische Können. Und dann natürlich der Wille, sich durchzusetzen. Neue Spieler müssen zum Club passen, und natürlich werde zuerst in der eigenen Jugendabteilung gesichtet.
Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Karriere. Martin Andermatt ist sich immer treu geblieben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Spieler ihm zuhören.
Denn auch beim FC Yverdon-Sport, geht es jetzt um mehr als nur Taktik. Es geht um Identifikation. Um Verantwortung gegenüber einem Verein, einer Stadt und einer ganzen Region. Der Klub hat Tradition. Und genau daran erinnert Andermatt seine Mannschaft immer wieder. Wenn die Spieler wirklich wollen, wenn sie sich mit dem Verein und der Region identifizieren, wenn sie bereit sind zuzuhören – dann könne hier noch etwas entstehen. Großes vielleicht sogar, meinen wir. Aber klar, Andermatt ist näher dran. Realismus ist Pflicht momentan. Yverdon fiebert jedenfalls mit.
Es sind keine großen Parolen. Eher ruhige Überzeugungen. Und wer Andermatt kennt, weiß: Er sagt so etwas nicht leichtfertig.
Während des Telefonats denken wir auch kurz, abschweifend, an eine wichtige Station seiner Vergangenheit. Die Zeit beim SSV Ulm 1846. Ein Klub, der (leider) aktuell wieder um den Klassenerhalt in der 3. Liga kämpfen muss. Auch dort kennt man Andermatt als ruhigen, strukturierten Fußballarbeiter, und Aufstiegstrainer in die 1. Bundesliga. Die geordnete, laufintensive sowie offensive Spielweise war damals, 1999, im deutschen Fußball, schon etwas Sensationelles.
Und auch in Liechtenstein, beim FC Vaduz, sowie als Nationaltrainer der Liechtensteiner, einem Fußballzwerg, ließ Andermatt aufhorchen. Andermatt feierte mit der Nationalmannschaft im Fürstentum Liechtenstein historische Erfolge: ein 2:2 gegen Portugal und wenig später einen 4:0-Sieg in Luxemburg.
Der Fußball kann manchmal seltsame Parallelen schreiben: Ulm kämpft derzeit gegen den Abstieg – und Yverdon steckt ebenfalls in einer wichtigen und schwierigen sportlichen Phase zugleich. Doch Andermatt, das spürt man, denkt nicht in Nostalgie. Sein Blick geht nach vorne. Analyse. Struktur. Gespräche.
Und Schritt für Schritt wieder Stabilität.
Für uns persönlich hat dieses Gespräch übrigens noch eine besondere Note. Schon vor Jahren haben wir uns journalistisch mit Martin Andermatt beschäftigt – damals für das Rund-Magazin sowie später auch für unseren Blog hier, CheckFussballberater.de. [ https://www.rund-magazin.de ews/1562/80/Interview-Martin-Andermatt/] ++++ [https://checkfussballberater.de/martin-andermatt-befreien-von-dem-was-einen-nach-unten-zieht/ ] Der Kontakt, und das erfüllt uns ein Stück weit mit innerer Freude, ist nie abgerissen.
Schon damals fiel auf: Dieser Trainer denkt langfristig. Und er legt Wert auf Menschen.
Vielleicht passt genau das gerade jetzt zu dieser Situation in Yverdon. Denn Rettungsmissionen im Fußball beginnen selten mit großen Schlagzeilen. Sie beginnen mit ehrlicher Arbeit. Mit Gesprächen. Mit Vertrauen. Und mit einem Trainer, der sich selbst treu bleibt. Wir bleiben jedenfalls in Kontakt – das ist gewiss.
– Zur Person: Martin Andermatt
Martin Andermatt – wurde am 28. November 1961 in Baar in der Schweiz geboren. Als Profispieler war er vor allem im Schweizer Fußball aktiv, unter anderem beim FC Basel sowie beim Club Grasshopper Zürich.
Nach seiner aktiven Karriere wechselte er früh ins Trainerfach und arbeitete bei verschiedenen Vereinen im Profi- und Nachwuchsbereich. Zu seinen Trainerstationen gehörten unter anderem der FC Vaduz, Young Boys Bern, und auch der deutsche Traditionsverein SSV Ulm 1846, danach auch das Engagement bei Eintracht Frankfurt.
Zudem war er viele Jahre im Nachwuchsbereich des FC Basel tätig, wo er als Ausbilder junger Talente arbeitete. Seit einiger Zeit ist Andermatt beim FC Yverdon-Sport, in verantwortlicher Position aktiv – aktuell sogar wieder direkt an der Seitenlinie. Der 64-Jährige Proficoach, gilt als analytischer Trainer mit klaren Werten: Charakter, Teamgeist und Disziplin stehen für ihn an erster Stelle. Andermatt meinte auch, charakterfest und glaubwürdig, „müssen auch die Trainer selbst sein…“, und er fügt feinsinnig hinzu: Es gibt die Übungsleiter, „die über 750 Übungen abrufen können, und es gibt die Trainer, mit ihren gelebten Erfahrungen…“ Vielleicht genau die Mischung, die ein Klub in schwierigen Zeiten braucht. Egal, bei wem und wo, übrigens…
Giovanni Deriu
LINKS ZU INTERVIEWS MIT ANDERMATT
https://youtu.be/JdpKQMJSpZk?is=SwKpLt6hUCOcwI0t (Wiedersehn 24 Jahre später, mit dem SSV Ulm)