Fußball, Porträts & Biographien – Italiens wohl beste Entscheidung im Fußball-Verband, FIGC, Trainer und Unikat, Silvio Baldini, für die Nachwuchsarbeit einzubinden. Mit der U21, sowie als Interimscoach der Squadra Azzurra, sorgte Baldini für Furore und eine neue Ausgeglichenheit. „Il Mister“ spricht eine andere Sprache und führt Teams eher ,,oldschool-mäßig“… Warum auch nicht?

Silvio Baldini – Oder: Wenn (Italiens) Fußball wieder Herz bekommt!
Seit nunmehr sechs Jahren, verfolge ich diese besondere Trainerbiographie.
Es gibt Trainer, die bringen einer Mannschaft ein System bei. Es gibt Trainer, die verbessern Spieler. Und es gibt Trainer, die gewinnen souverän Titel. Aber dann gibt es Menschen wie Silvio Baldini, bei denen man irgendwann merkt: Hier geht es um sehr viel mehr, als Fußball.

Baldini war schon immer ein unbequemer Geist. Streitbar, emotional, manchmal laut, gelegentlich provokant, wenn es galt, Farbe zu bekennen. Einer, der sich nicht besonders gut dafür eignet, in die üblichen Schubladen des Profifußballs gesteckt zu werden. Vielleicht wollte er dort auch nie wirklich hineinpassen.

Sein Weg war nie geradlinig. Sechs Jahre Abstand vom Profifußball, wären für viele Trainer das sichere Ende einer Karriere gewesen. Baldini kam zurück. Er trainierte sogar eine Amateurmannschaft zwei Jahre lang ohne Gehalt. Nicht gerade der klassische Karriereplan in einer Branche, in der sonst möglichst schnell der nächste Vertrag, die nächste Position und das nächste Gehalt gesucht werden.

Vielleicht liegt genau darin ein Teil seiner Philosophie.

Silvio Baldini musste dem Fußball offenbar nie hinterherlaufen. Er konnte für sich Abstand und Unabhängigkeit gewinnen. Er lebt in der Natur, kümmert sich um seine Tiere, fast eine kleine Farm, zig Hunde darunter. Baldini sieht andere Dinge, kommt zuhause runter. Vielleicht konnte er sich dadurch auch etwas bewahren, was im Profifußball schnell verloren geht: den Blick auf den Menschen hinter dem Spieler.

Auch sportlich war sein Weg selten der des großen Geldes. Häufig arbeitete er mit Mannschaften, deren Möglichkeiten begrenzt waren. Low Budget statt Luxus. Aufbau statt Einkauf. Entwicklung statt schneller Lösung.

Und trotzdem kamen Erfolge.

Mit Palermo und Pescara gelangen Meisterschaften und Aufstiege. Nicht unbedingt, weil Baldini die größten Möglichkeiten hatte, sondern weil er aus dem vorhandenen Material etwas entstehen ließ.

Das ist ein feiner Unterschied.

Ein Trainer kann eine Mannschaft verwalten. Ein anderer kann eine Mannschaft entwickeln. Und ein ganz besonderer Trainer kann Menschen davon überzeugen, dass sie mehr können, als sie selbst glauben.

Baldini gehört für mich zu dieser letzten Kategorie.

Seine Arbeit mit Italiens U21 zeigt das derzeit besonders eindrucksvoll. Die Mannschaft qualifizierte sich souverän für die Europameisterschaft 2027. Und beim 6:2 gegen Polen, ausgerechnet in Pescara, dem Ort, der für Baldini längst beinahe zu einem Fußballmythos geworden ist, wurde sichtbar, was seine Arbeit ausmacht.

Sechs Tore.
Aber die sechs Tore sind nicht das Entscheidende.

Entscheidend war, was danach geschah.
Die Spieler umarmten ihren Trainer. Junge Männer, teilweise sichtlich bewegt, manche beinahe zu Tränen gerührt. Sie sprachen über Baldini nicht nur als Coach, sondern als außergewöhnlichen Menschen.

Der Nationalspieler und Kapitän Ndour, formulierte es besonders eindrucksvoll: Baldini sei für die jungen Spieler wie ein Vater, ,,come un padre…“

Solche Sätze kann man nicht trainieren.
Man kann sie nicht taktisch vorbereiten.

Und man kann sie auch nicht kaufen.

Sie entstehen über Zeit.
Durch Vertrauen. Durch Konsequenz.
Durch gemeinsame Krisen.

Durch das Gefühl, dass jemand wirklich an dich glaubt. Vielleicht ist genau das Baldinis größtes Talent: Er sieht nicht zuerst den Fußballer. Er sieht den Menschen.

Und er verlangt von diesen jungen Spielern nicht nur Leistung. Er verlangt Haltung.

„Ihr seid Künstler“, soll er ihnen gesagt haben. Und Künstler, so seine Botschaft, würden mit Herz und Seele arbeiten.
Das klingt im heutigen Fußball fast schon zu romantisch. Aber vielleicht ist es gerade deshalb so wichtig.

Denn was ist aus dem Fußball geworden, wenn junge Spieler schon früh lernen, ihren Marktwert wichtiger zu nehmen als ihre Entwicklung?

Wenn Berater, Vermittler, Interessen und wirtschaftliche Erwartungen ständig mit am Tisch sitzen?

Wenn aus einem Talent möglichst schnell ein Produkt werden soll?

Baldini spricht dieses Thema ungewöhnlich offen an. Er kritisiert die vielen kleinen Interessenvertreter, die seiner Meinung nach junge Spieler eher benutzen als entwickeln. Menschen, die an einem Talent verdienen wollen, bevor dieses überhaupt gelernt hat, sich selbst zu verstehen. Sein Gegenmittel ist unbequem, aber eigentlich erstaunlich einfach:
Nicht jeden Tag darüber nachdenken, wie viel Geld man verdienen kann.

Sondern darüber, wie man jeden Tag ein besserer Spieler wird.
Das ist eine Haltung, die im modernen Fußball beinahe revolutionär wirkt.

Denn Entwicklung braucht Geduld.

Geld braucht oft nur einen schnellen Abschluss.

Baldini will seine Spieler deshalb nicht abhängig machen von Lob, Verträgen oder Erwartungen. Er möchte, dass sie Verantwortung für ihre eigene Entwicklung übernehmen.

Und vielleicht erklärt genau das auch die Energie, die seine Mannschaft auf dem Platz zeigt. Sie laufen, kämpfen, und spielen füreinander. Ja, sie leiden füreinander. Sie laufen manchmal doppelt so viel wie der Gegner. Nicht, weil Baldini eine magische Taktik erfunden hätte.

Sondern weil eine Mannschaft offenbar bereit ist, für ihren Trainer und vor allem füreinander zu laufen. Das ist Fußball.
Schweiß, Herz, und Tränen. Jeder Spieler hat seine Persönlichkeit.

Der Rest ist Macht um der Macht willen.
Manchmal funktioniert auch das.

Aber es baut nicht zwangsläufig etwas auf.

Baldinis eigenes Leben hat ihn vermutlich gelehrt, dass es wichtigere Dinge gibt als Macht, Status und Geld.
Der Tod seiner Tochter Valentina gehört zu den Erfahrungen, die kein Mensch einfach hinter sich lassen kann.

Sie wurde mit einer schweren Behinderung geboren. Die Ärzte gaben ihr zunächst nur wenige Monate. Sie konnte nicht sprechen, nicht stehen und war in vielen Dingen vollständig auf ihre Eltern angewiesen.

Sie wurde 21 Jahre alt.
Und sie fehlt ihrem Vater heute unendlich.

Aber Baldini beschreibt etwas, das vielleicht zu seinem gesamten Menschenbild passt: Valentina habe ihm die größte Lektion seines Lebens gegeben.

Zu lieben, ohne etwas zurückzuverlangen.
Ohne Gegenleistung.
Ohne Bedingungen.

Vielleicht versteht man seine Arbeit mit jungen Fußballern auch vor diesem Hintergrund ein wenig anders.

Er will aus ihnen keine Maschinen machen.
Keine Marktwerte. Keine Produkte.
Keine Spieler, die nur funktionieren.

Er will Menschen entwickeln.

Und vielleicht ist das der Grund, warum seine Spieler ihm so nahekommen.

Denn wer einem jungen Menschen nicht nur sagt, was er leisten soll, sondern ihm vermittelt, wer er sein kann, hinterlässt etwas.

Baldini hat selbst erlebt, dass das Leben nicht planbar ist.

Und vielleicht hat er deshalb eine andere Perspektive auf Siege.
Er weiß, dass eine Tabelle wichtig ist.
Aber nicht alles.

Er weiß, dass ein Aufstieg gefeiert werden darf.
Aber nicht alles bedeutet.

Er weiß, dass eine Nationalmannschaft gewinnen muss.

Aber am Ende sollen junge Menschen aus dieser Zeit etwas mitnehmen, das größer ist als eine Medaille. Baldini coachte zwischenzeitlich sogar die italienische A-Nationalmannschaft für zwei Spiele. Zwei Spiele. Zwei Siege. Aber auch das ist nur eine Episode. Die eigentliche Geschichte dieses Mannes begann viel früher. Mit Menschen.

Und mit der Entscheidung, sich selbst treu zu bleiben.

Vielleicht ist genau das die Trainerpersönlichkeit Silvio Baldini. Nicht perfekt. Schon gar nicht bequem. Diplomatisch? Selten.

Aber glaubwürdig.
Und Glaubwürdigkeit ist im Fußball ein Wert, der sich nicht in Millionen messen lässt. Ich selbst glaube, dass gerade junge Spieler solche Persönlichkeiten brauchen.

Trainer, die ihnen nicht nur erklären, wie man einen Gegner presst.
Sondern auch, warum man überhaupt Fußball spielt. Trainer, die ihnen sagen, dass Talent eine Verpflichtung ist.

Dass Geld nicht das Ziel der Entwicklung sein sollte. Dass Leidenschaft keine Schwäche ist.
Dass man auch scheitern darf.
Und dass man sich seinen eigenen Weg suchen muss.

Silvio Baldini hat seinen Weg gefunden.
Er lebte sein Leben. Und jetzt steht er mit Italiens U21 auf der internationalen Bühne. Vielleicht ist das die schönste Ironie dieser Geschichte:

Ausgerechnet ein Trainer, der sich so oft gegen die Mechanismen des Profifußballs gestellt hat, darf heute einer neuen Generation von Spielern seine Werte mitgeben.
Und vielleicht brauchen diese Spieler genau das.

Silvio Baldini ist für mich deshalb nicht nur eine interessante Trainerpersönlichkeit.
Er ist ein Beispiel dafür, dass Entwicklung manchmal Umwege braucht.
Dass ein Rückzug eben kein Scheitern sein muss.

Dass Erfahrung nicht nur aus Siegen entsteht.
Das souveräne, ,,aber nicht einfache“ 6:2 gegen Polen war ein Fußballergebnis.
Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2027 ist ein Erfolg.
Aber die Bilder danach erzählen die größere Geschichte. Junge Spieler, die ihren Trainer umarmen. Pure Emotionen. Viel Dankbarkeit.
Und das Gefühl, gemeinsam etwas erreicht zu haben. Vielleicht kann man exakt so, die Philosophie des Silvio Baldini beschreiben.

Denn am Ende geht es nicht darum, wie viele Titel wir gesammelt haben.
Es geht darum, was von uns bleibt, wenn das Spiel längst vorbei ist…

Von Giovanni Deriu

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Fußball aktuell +++NationsLeague+++die dreiwöchige Länderspielpause – Italien auf dem Weg der Besserung, Klopps DFB-Elf zündet noch nicht richtig!

Eine Nacht, die Hoffnung zurückbringt! Eine Nacht, die aber nicht dazu verleiten darf, die Realität zu vergessen. Italia hob wieder ab, stark verändert.

Diese italienische Nationalmannschaft war in Bursa kaum wiederzuerkennen – und gerade deshalb plötzlich wieder erkennbar. Erkennbar in ihrer Identität, in ihrem Mut, in ihrer Dynamik und in ihrem Willen, Fußball aktiv zu gestalten.

Nach der bitteren Niederlage gegen Belgien folgte eine Antwort, mit der wohl kaum jemand gerechnet hatte: 4:1 gegen die Türkei von Vincenzo Montella.

Nicht nur das Ergebnis beeindruckte. Vor allem die Art und Weise.

Italien dominierte die erste Halbzeit mit einer Mischung aus Tempo, Technik, Aggressivität und taktischer Klarheit. Ein Fußball, der lange vermisst wurde. Ein Fußball, der an bessere Zeiten erinnerte.

Die Mannschaft von Roberto Mancini wirkte plötzlich leicht – trotz schwieriger Bedingungen, trotz des schlechten Rasens, trotz des Drucks nach den letzten enttäuschenden Auftritten.Der italienische Fußball lebt von Emotionen. Und in Bursa bekam er seine Emotionen zurück.

Natürlich darf man nicht vergessen: Diese Türkei war nicht die stärkste Version ihrer selbst. Die Ausfälle von Hakan Calhanoglu und Kenan Yildiz waren spürbar. Trotzdem bleibt ein Auswärtssieg in dieser Atmosphäre alles andere als selbstverständlich.

Vincenzo Montella musste von der Seitenlinie aus beobachten, wie seine Mannschaft praktisch überrollt wurde. Ausgerechnet vor einem Mann, der den Spitznamen „Aeroplanino“ trägt, zeigte Italien wieder Flügel.

Aber: Fliegen bedeutet nicht automatisch, schon am Ziel angekommen zu sein.Die italienische Mannschaft braucht weiterhin Stabilität. Genau darauf weist auch Fabio Licari von der Gazzetta dello Sport hin: Man darf sich von dieser starken Nacht nicht blenden lassen. Jetzt wartet Frankreich – und dort wird sich zeigen, wie weit Italien wirklich ist.

Der große Unterschied zu den letzten Monaten: Dieses Mal gab es Antworten auf dem Platz. Mancini veränderte die Mannschaft mutig, brachte neue Kräfte und bekam sofort Wirkung.

Kayode war auf der rechten Seite überragend. Dynamisch nach vorne, aufmerksam gegen den Ball und sogar als Torschütze erfolgreich.

Später spielte die Squadra Azzurra dann in Paris nochmals 1:1 gegen Frankreich Elf um Zinedine Zidane, lag 0:1 zurück, und traf fast im Gegenzug durch einen aufmerksamen Bastoni zum 1:1 – Weltklasse war auch Torspieler Donnarumma, sowie die gesamte Abwehr, an der sich die Franzosen die Zähne ausbissen. Es kann nur so funktionieren, auf der eigenen Fußballkultur und DNA aufzubauen, und diese war immer, aus einer starken italienischen Abwehr heraus. Egal ob 3-5-2, 4-2-3-1 oder 4-3-3 , variabel gestaltet, verteidigte die Squadra Azzurra mit zwei engmaschigen Viererketten, oder phasenweise gar mit einem 6-3-1…

Die DFB Elf mit Jürgen Klopp: Groß waren die Erwartungen an den „Heilsbringer“ Klopp, nur, auch er steht erst am Anfang, aber die Fans und Medien sind auf seiner Seite, weil Klopp gut erklärt und ein Menschenfänger ist. Bis zur Implementierung seines Pressing-Systems, wird es noch dauern, dazu braucht es auch die jungen, willigen, laufstarken Spieler, aus 44 gecasteten Kickern, gilt es die 24 Besten zu finden… Nur ein Sieg aus vier Spielen ist mau, darunter ein 0:1 gegen Griechenland daheim, und ein torloses Remis in Griechenland…

Von Giovanni Deriu

Porträts & Fußball: Ganz aktuell +++ „Galatasaray-Kulttrainer“ Fatih Terim: „Italien fehlt die Identität“ – Warum der türkische Coach und Experte Recht hat, und die Azzurri ihre Fußball-DNA wiederfinden müssen…

Der „Imperatore“ kennt Italien ziemlich gut (wir berichteten auf Checkfussballberater.de bereits) – und spricht in der Gazzetta dello Sport, ein unbequemes Thema an. (Fußball, Porträts und Biographien: Fatih Terim, ein Junge aus Adana. Galatasarays Erfolge sind ohne Terim undenkbar. Ein erfolgreicher und emotionaler Typ, der in der Türkei sowie in Italien(!) verehrt wird. Die Fans liebten ihn, die Präsidenten rieben sich an ihm… – checkFussballberater )

Fatih Terim ist einer der wenigen Trainer, die beide Fußballwelten wirklich verstehen: die italienische und die türkische. Der ehemalige Nationaltrainer der Türkei, Galatasaray-Rekordmeister und frühere Coach von Fiorentina und dem AC Milan, hat den italienischen Fußball nicht nur beobachtet, sondern gelebt.

Deshalb haben seine Worte Gewicht.
Vor dem Duell Türkei gegen Italien analysierte Terim die Situation beider Nationalmannschaften und sprach einen Satz aus, der in Italien für Diskussionen sorgt: „Siete senza identità“ – „Ihr seid ohne Identität“.

Damit meint Terim nicht, dass Italien keine Qualität besitzt. Im Gegenteil: Er verweist auf die große Geschichte, die Erfolge und das weiterhin vorhandene Potenzial des italienischen Fußballs. Aber eine Nationalmannschaft braucht mehr als einzelne gute Spieler. Sie braucht eine klare Idee, eine Mentalität und einen Stil, der zur eigenen Fußballkultur passt.

Genau dieser Punkt ist entscheidend.
Italien hat in den vergangenen Jahren versucht, viele moderne Trends aufzunehmen. Mehr Ballbesitz, mehr Offensive, mehr Kontrolle – teilweise orientiert am Guardiola-Stil mit Tiki-Taka-Elementen.

Natürlich entwickelt sich Fußball weiter. Natürlich darf eine große Fußballnation nicht stehen bleiben.
Aber Italien wurde nicht Weltmeister, weil es Spanien kopierte.
Italien wurde Weltmeister, weil es Italien war.

Die verlorene DNA der Azzurri: Taktik, Organisation und Charakter

1982 und 2006 wurde Italien Weltmeister mit einer klaren Fußball-DNA: einer taktisch perfekt geschulten Defensive, einem kreativen und kompakten Mittelfeld sowie Stürmern, die technisch stark, körperlich robust und eiskalt vor dem Tor waren Diese Mannschaften konnten leiden, kämpfen und im entscheidenden Moment zuschlagen.

Auch der Europameistertitel 2021 zeigte noch viele dieser Eigenschaften: Zusammenhalt, Selbstvertrauen, taktische Flexibilität und eine Mannschaft, die an ihre Stärke glaubte.

Doch danach gingen wichtige Elemente verloren. Die italienische Schule war immer geprägt von Spielintelligenz. Nicht nur Verteidigen, sondern Räume verstehen. Nicht nur kämpfen, sondern Situationen lesen. Nicht nur laufen, sondern wissen, wann der richtige Moment gekommen ist.

Diese besondere Mischung machte Italien über Jahrzehnte erfolgreich.

Heute fehlt teilweise diese klare Richtung.
Dabei besitzt Italien weiterhin hervorragende Spieler: Donnarumma ist ein Weltklasse-Torhüter, Bastoni gehört zur internationalen Spitze, Barella bringt Dynamik und Mentalität, Tonali Qualität im Mittelfeld, Dimarco zählt zu den besten Außenverteidigern seiner Position und junge Talente machen Hoffnung.

Das Problem liegt also nicht nur bei den Spielern. Die Frage lautet: Welche Identität soll diese Mannschaft verkörpern?

Montella, Mancini und der schwierige Weg zurück. Interessant ist, dass Terim trotz seiner Kritik an der italienischen Entwicklung, sehr positiv über Vincenzo Montella spricht.

Der türkische Nationaltrainer Montella steht vor einem besonderen Spiel: Als Italiener auf der Bank der Türkei trifft er auf sein Heimatland. Er betonte, dass die Türkei für ihn inzwischen ein Zuhause geworden sei und er für dieses Land alles geben werde.

Terim kennt Montella und verfolgt dessen Arbeit genau. Er beschreibt ihn als Trainer, der Fußball versteht, Spiele lesen kann und eigene Ideen besitzt. Gleichzeitig macht Terim klar: Stabilität ist wichtig, denn eine Mannschaft braucht Zeit, um einen Stil zu entwickeln.

Diese Aussage gilt auch für Italien.
Ein neuer Trainer, ein neues System oder einzelne Veränderungen reichen nicht aus.
Der italienische Fußball braucht einen langfristigen Plan.

Die Nachwuchsarbeit muss verbessert werden. Junge Spieler müssen mehr Chancen erhalten. Vereine und Nationalmannschaft müssen wieder enger zusammenarbeiten.

Denn Italien hat weiterhin eine große Fußballkultur.

Die Erfolge der italienischen Klubs in Europa zeigen, dass Qualität vorhanden ist. Atalanta gewann die Europa League, Inter spielte auf höchstem Champions-League-Niveau, Napoli entwickelte eine eigene Fußballidee.

Das Potenzial ist da.
Aber eine Nationalmannschaft lebt nicht nur von Vereinsqualität.

Sie braucht eine Seele.
Fatih Terim hat deshalb einen wichtigen Punkt angesprochen: Italien muss nicht zurück in die Vergangenheit, aber es muss seine eigenen Stärken wiederfinden.

Nicht Spanien kopieren. Nicht England imitieren.
Auch nicht den Fußball anderer Nationen nachspielen.

Die Zukunft der Azzurri beginnt damit, wieder zu verstehen, wer sie sind.
Denn die größten italienischen Mannschaften hatten immer eines gemeinsam… Sie kannten ihre Identität.

Giovanni Deriu

Gehobener Junioren-Fußball aktuell – Die Youth League in der Region. Die Herren des VfB in der Champions-League, und die U19 spielt in der europäischen Liga der Besten. Ein guter Wettbewerb, um weiterzukommen, und Vergleiche zu ziehen. Großaspach, und die „Wir machen Druck“ Arena, sind die Heimstätte der VfB-Junioren…

Wir machen keinen Druck, aber wir sind dabei! Diesmal von hier aus Großaspach, 40 Km vor den Toren Cannstatts. Vom Youth League Match, U19, VfB STUTTGART gegen VIKING FK, die Champions League der A Jugendlichen quasi, berichten wir gern, wenn schon vor der Haustür.
Schöner saftiger Rasen, frischmildes Wetter. Gute Fußballbedingungen!!
Und 90 Minuten später stand es 5:0 für die Jungen Wilden. Die letzten drei Tore zum Endstand fielen erst ab der 83. Minute, da hatten sich die Kicker aus Norwegen wohl schon aufgegeben. Klar, die U19 des VfB war in vielen Belangen überlegen, aber ganz so schlecht, oder schwach, wie es dieses Ergebnis ausdrückt, waren die Wikinger wirklich nicht.
Das eine oder andere Mal vergaben sie sichere Einschussmöglichkeiten.
Und auch, wenn nach diesem satten und souveränen 5:0-Sieg fast alle von den Spielern Zezelj und Redzepi (mit einem Dreierpack) reden, es war eine geschlossene Mannschaftsleistung, und im Hintergrund wirkten effektiv und sicher, mit viel Umschaltspiel-Tempo und Rhythmus: Schramm, Yigit, sowie Kapitän und Mittelfeldspieler Massimo Di Benedetto, der wirklich stets anspielbar gewesen ist, und auch Bälle abfing.
Auf Seiten von VikingStavanger ragten folgende Spieler heraus, und zwar, mit starker Technik und Ballbehandlung, sowie flink und auch physisch robust im Dribbling: Al-Mabhouh, sowie S. Tveiten, und Frimpong.
Rund 500 Zuschauer, viele Familien mit Kindern, waren vor Ort, und sorgten für einen schönen internationalen Rahmen.

Übrigens wurde vor dem Match auch dem verstorbenen König Harald V. sowie den Opfern in Nepal in einer Schweigeminute gedacht.

Giovanni Deriu

Fußball, regional, und aktuell – Der WFV-Pokal, und das Beinah-Wunder von Schwäbisch Hall! Aber eben nur beinah‘ – der VfR Aalen mit seinem italienischen Trainer-Trio, denkt und plant den Fußball neu. Die Regionalliga ist kein Selbstläufer. Jedes Spiel wird ernst genommen, auch gegen den Verbandsligisten Sportfreunde Hall. VfR-Coach Beni Molinari motiviert und erdet sein Team zugleich…

WFV Pokal – der Pokalabend mit Herz, Drama und Traumtoren – Die Sportfreunde Schwäbisch Hall liefern Regionalligist VfR Aalen einen echten Pokalfight! 
Heute mal wieder in Schwäbisch Hall. Und manchmal sind es genau diese Fußballabende, die zeigen, warum dieser Sport so besonders ist. Nicht nur wegen Ergebnissen und Tabellen – sondern wegen der vielen Begegnungen, Geschichten und Menschen.

Schon vor dem Anpfiff lag etwas Besonderes in der Luft. Ein nettes Vorgeplänkel vor einem WFV-Pokalspiel, das auf dem Papier eine klare Sache schien: Verbandsligist Sportfreunde Schwäbisch Hall gegen den neuen alten Regionalligisten VfR Aalen.

Aber Papier spielt bekanntlich keinen Fußball.

Schön war es auch wieder, alte Freunde zu treffen. Die italienische Trainerfraktion gehört natürlich dazu.
Chefcoach #BeniMolinari, dazu seine Assistenten Giusé Catizone und LuigiCampagna. Drei echte Fußballtypen, die Leidenschaft, Erfahrung und Kompetenz verkörpern, und(!), auch vorleben Über Luigi Campagna musste ich natürlich schmunzeln. Die Sportfreunde waren ja auch immer wieder mal an ihm dran.

„Aber…“, lächelt Luigi vielsagend mit seinem typischen Augenzwinkern.
Manchmal sagt ein einziges Wort mehr als ein langer Satz.

Mister Molinari kann jedenfalls froh sein, so ein erfahrenes Trainerteam an seiner Seite zu haben. Und er ist es auch. Schließlich war es genau sein Wunsch, diese Konstellation zu schaffen.
Zum Spiel sagt Beniamino Molinari vor dem Anpfiff: „Gio, was soll ich sagen? Du weißt es – der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Aber klar, unserer Favoritenrolle wollen wir gerecht werden.“
Ein Satz, den jeder Fußballromantiker kennt. Denn der Pokal ist eben jener verrückte Wettbewerb, in dem David manchmal den Goliath ärgert.

 Und die Sportfreunde von Trainer Tobi Weiß?
Die kamen mit breiter Brust. So gut wie lange nicht mehr in die Saison gestartet. Die Mannschaft wirkte geschlossen, mutig und voller Energie.
Das Wetter spielte mit. Der Rasen war nach der Belastung durch American Football zwar etwas ramponiert, aber Greenkeeper Klaus und der Regen hatten ganze Arbeit geleistet. Der Platz präsentierte sich wieder saftig grün.
Die Bühne war bereitet.
Und was dann folgte, war ein Pokalabend, wie man ihn sich wünscht.
Die Sportfreunde starteten frech und mutig. Kein Respekt vor dem großen Namen, kein Verstecken vor dem Regionalligisten. Die Abwehr wirkte gut eingespielt, das Umschaltspiel variabel und gut einstudiert.

Bereits in der 6. Minute schlug der Außenseiter zu.
 1:0 L. Pfeiffer (6.), ohne Hemmungen angestaubt.
Schwäbisch Hall setzte nach und belohnte sich für den starken Beginn. Nur acht Minuten später bebte das Stadion erneut.

2:0 Philipp Minder (14.) Und was für ein Treffer! Ein satter Schlenzer, ein traumhafter Bogenschuss – ein Tor wie gemalt. Der Ball flog wie ein kleiner Komet Richtung Torwinkel.
Der VfR Aalen musste sich erst einmal schütteln.
Doch ein Regionalligist gibt nicht einfach auf. Und hat eben die nötige Qualität. Die Halbprofis drehten etwas auf.
2:1 S. Seitz (21.), die VfR-Tifosi auf der Gegentribüne flippten aus, die Hoffnung war ja nie weg. Aalen meldete sich zurück.

Die Sportfreunde beeindruckten trotzdem weiter. Sie spielten mutig, sicher und mit einer Mentalität, die jedem Fußballfan Freude machte.

Der VfR hatte sichtbar Probleme mit dem nicht perfekten Untergrund und wirkte in einigen Situationen nicht ganz abgestimmt. Lange Unterbrechung vor der Halbzeitpause, der VfR-Keeper und Abwehrspieler Barth prallen zusammen. Zumindest einer mit einer Platz-Wunde.
Doch Pokalspiele sind wie Marathonläufe, mit Sprintphasen. Und die hatten es in sich.
Der VfR Aalen blieb dran.
In der Pause wurde bei Aalen sachte Klartext geredet. Co-Trainer Catizone, ,,Ach, die Jungs haben sich untereinander selbst heiß gemacht…“

Die Folge:

2:2 S. Maksimovic (56.)
Alles wieder offen. RESET. Davor vergaben die Sportfreunde jedoch das 3:1.
Dann wurde es dramatisch.

Weit über eine Stunde war gespielt, die 70. Minute, ein Tackling, Nickligkeiten, und eine mega Rudelbildung, und dabei sah sogar Ersatzkeeper Bojan Spasojevic, die Rote Karte. Später in den Katakomben wirkte der Ersatztorwart noch ratlos, und etwas kleinlaut.
Doch manchmal wächst eine Mannschaft gerade dann über sich hinaus. Die Haller brannten noch. 
Der Regionalligist dagegeb blieb ruhig, spielte abgeklärt und zeigte seine Erfahrung. Chancen im S-Bahn-Takt. Da merkte man auch, was der Begriff Kondition beinhaltet. Es folgte das 2:3 (84.), 
Die Wende war geschafft. Und in der Nachspielzeit setzte D. Melo den Schlusspunkt.

2:4 D. Melo (90.+2)

Ein Traumtor zum Abschluss eines echten Pokalfights. Die aktiven VfR-Fans begleiteten ihre Mannschaft über die komplette Spielzeit lautstark. Kein Durchatmen, kein Verstummen – Fußball pur.

Trainer, il Mister, Beni Molinari hatte es vorausgeahnt: Der Underdog wird alles investieren. Und genau das taten die Sportfreunde.

Am Ende setzte sich der Favorit aus Aalen durch. Nicht unbedingt, weil er über 90 Minuten alles dominierte, sondern weil er in den entscheidenden Momenten die Ruhe und Qualität eines Regionalligisten zeigte. Der Pokalabend hatte zwei #Gewinner.
Der VfR Aalen nimmt den Sieg und das Weiterkommen mit.

Aber die Sportfreunde Schwäbisch Hall dürfen trotz der Niederlage stolz sein. Diese Leistung, diese Leidenschaft und diese Mentalität sind ein starkes Zeichen.

Wenn dieses Team so weitermacht, dann wird Coach Tobi Weiß mit seiner Mannschaft in der Verbandsliga noch viel Freude haben. Vielleicht sogar ganz oben angreifen.
Denn manchmal ist eine Niederlage, nur ein anderes Wort für eine große Bewerbung, ein Dosenöffner, für höhere Aufgaben und Projekte.
Der Fußball schreibt eben seine eigenen Geschichten. Und wie früher in den 70ern, oder den 80er-Jahren, hatte es das ‚Derby‘ Schwäbisch Hall gegen Aalen wieder mal in sich…  Danke für einen tollen Pokalabend!

Giovanni Deriu

Porträts & Biographien, gehobener Amateurfußball – Heute: Gianluca Trianni – wenn aus Kontakten Vertrauen wächst, und aus einem Mega-Potenzial Leistung werden soll. Trianni will es wissen, über (s)einen Wechsel mit Perspektive…

Ich denke ohne Übertreibung behaupten zu können, im Fußball schon etliche Talente sowie Topkicker und Akteure des Fußballs kennengelernt zu haben. Aber manchmal sind es genau diese Begegnungen im Fußball, die zeigen, dass nicht nur Tore und Tabellenplätze Geschichten schreiben. Es sind die Menschen dahinter, die Gespräche, das Vertrauen und die gemeinsamen Wege. Gianluca Trianni stand bereits auf unserem Zettel, lange bevor es zu einer konkreten Zusammenarbeit kam. Schon als Oberliga-Junior des SSV Reutlingen wurde er über Jahre hervorragend ausgebildet. Auch seine Stationen beim GSV Maichingen und beim VfL Nagold hatten wir aufmerksam verfolgt.

Irgendwann wurde aus Beobachtung Kontakt, aus Kontakt ein langes Telefonat und daraus schließlich ein persönliches Treffen. Fußball lebt von Verbindungen – manchmal entstehen daraus Türen, die vorher nur einen kleinen Spalt geöffnet waren. Bei Gianluca war schnell zu spüren: Da ist ein Spieler mit Qualität, Charakter und dem Wunsch, seinen Weg weiterzugehen.

Die vergangene Zeit bei Türkspor Neckarsulm war für den heute 23-Jährigen eine wichtige Erfahrung, aber nicht immer eine einfache Reise. Sportlich zeigte Gianluca immer wieder seine Fähigkeiten, auch wenn er nicht die gewünschte Einsatzzeit bekam und die Saison durch kleinere Verletzungen etwas holprig verlief. Dazu kamen schwierige Rahmenbedingungen beim Verein mit langen Anfahrten, finanziellen Herausforderungen und nicht immer planbaren Abläufen. Trotzdem blieb Gianluca dem Team treu, arbeitete weiter und stellte sich in den Dienst der Mannschaft.

Er erzielte eigene Treffer und bereitete Tore vor, meistens ballsicher, umsichtig, technisch einwandfrei und sehr gut ausgebildet, steckte er Bälle passgerecht durch, unter anderem für Goalgetter Giles-Sanchéz, der inzwischen beim Göppinger SV in der Verbandsliga spielt. Genau diese Einstellung zeichnet Gianluca, „Gianni“ Trianni aus: Nicht nur reden, sondern machen. Auch in schwierigen Phasen die Ärmel hochkrempeln.

Neue Herausforderung beim CfR Pforzheim

Nun beginnt für Gianluca ein neues Kapitel beim CfR Pforzheim. Der Oberligist, der mit einem ambitionierten Kader den Blick nach oben richtet, bietet ihm die Plattform, sein Potenzial noch konsequenter abzurufen. Dass der Wechsel zustande kam, hat auch mit der Arbeit des Sportlichen Leiters, Giuseppe Ricciardi zu tun, der Gianluca klare Wege und Perspektiven aufgezeigt hat. Letztendlich stimmten auch Sandro Palmeri und Giovanni Deriu zu, die Gianluca in seiner Karriere begleiten und beraten – die Wünsche des jungen Deutschitalieners, haben deshalb auch erste Priorität.


Auch die Verbindung zu Trainer Pablo Gil spielte eine Rolle. Der Coach aus der Real Madrid-Schule, steht für eine moderne Ausbildung und eine klare Spielidee. Gianluca ist überzeugt von seinem Schritt: „Ich bin froh, zu so einem gestandenen Oberligisten zu wechseln und habe sehr viel Bock, dieses Jahr zu zeigen, was ich kann.“

Die Zeit bei Türkspor bewertet er trotz aller Herausforderungen im Nachhinein positiv: „Es war eine gute Zeit, aus der ich persönlich viel mitnehmen konnte, auch wenn es nicht immer einfach und verletzungsfrei war. Vor allem war es wichtig, richtig im Herrenfußball anzukommen.“

Sein Blick geht nun nach vorne. „Ich war schon längere Zeit mit dem CfR im Kontakt und nun hat es endlich geklappt. Meine Ziele sind, verletzungsfrei durch die Saison zu gehen, mich auf ein neues Level zu bringen und natürlich mit der neuen Mannschaft schnell als Familie auf dem Platz zu stehen und ganz oben mitzuspielen.“

Flexibel, lernbereit und mit klarer Haltung

Gianlucas Spielweise passt zu seinem Charakter: flexibel, aufmerksam und mit dem Willen, sich weiterzuentwickeln. Seine Lieblingsposition liegt rund um den Stürmer herum. „Egal ob auf dem Flügel oder im Zentrum – ich kann beides“, sagt er selbstbewusst. Und jeder, der ihn mehrmals spielen sah, fasst die Art und Weise, wie Gianluca spielt, wie folgt zusammen: ,,Eine starke Präsenz, körperlich robust und technisch dennoch filigran und intelligent – von Null auf Hundert, also in wenigen Sekunden, entwickelt Gianluca eine Dynamik, die den Gegner ab dem Sechzehner vor großen Problemen stellt…“, kurz, seine 192 Zentimeter setzt Trianni mit seiner hervorragenden Technik und Schnelligkeit, perfekt ein.

Dabei weiß Trianni selbst auch, dass dieses Talent allein im Fußball nicht ausreicht. „Jeder hat seine Meinung, und Kritik gehört im Fußball dazu. Ich weiß, welches Potenzial in mir steckt, aber auch, dass Talent allein nicht reicht. Ich arbeite täglich an mir, um den nächsten Schritt zu machen. Am Ende zählen nicht die Worte, sondern die Leistungen auf dem Platz.“

Diese Einstellung ist wichtig, denn der Weg eines Fußballers verläuft selten wie eine gerade Linie. Manchmal geht es über Umwege, manchmal braucht es Geduld. Doch gerade diese Erfahrungen formen Spieler. Gianluca hat in den vergangenen Jahren verschiedene Trainer, Systeme und Herausforderungen kennengelernt. „Es ist sehr wichtig, mit offenen Augen und Ohren diesen Sport zu spielen. Ich konnte von jedem Trainer etwas mitnehmen und lernen.“

Neben dem Fußball bleibt er bodenständig. Gianluca arbeitet ganz normal und beginnt bald wieder mit seinem Studium. Die Kombination aus Sport und Ausbildung zeigt, dass er seinen Weg langfristig denkt.

Vertrauen als wichtiger Baustein

Auch die Zusammenarbeit mit einem Partner, der den Fußball kennt, gibt ihm Sicherheit. „Es erleichtert einen, wenn man weiß, dass jemand da ist, der sich wirklich gut auskennt, dem man vertrauen kann und der da ist, wenn etwas sein sollte.“ Sandro Palmeri und Giovanni Deriu versuchen, Trianni ehrlich und authentisch zu begleiten, auch deshalb passt Trianni sehr gut in dieses Fußballteam. In Pforzheim möchte Gianni Trianni mit dem Team und dem neuen Trainer viel erreichen – der Kader ist stark und ausgewogen. Die Kunst des spanischen Trainers wird wirklich sein, jeden Spieler auf der ihm geeignetsten Position einzusetzen. CfR-Sportchef Giuseppe Ricciardi wollte Trianni unbedingt für Pforzheim.

Genau dieses Vertrauen war der Ausgangspunkt einer Verbindung, die in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Jetzt liegt der Ball bei Gianluca Trianni. Der nächste Schritt ist gemacht, die Bühne ist vorbereitet. Mit Fleiß, Gesundheit und seiner Qualität möchte er beim CfR Pforzheim zeigen, was in ihm steckt.

Der Fußball schreibt seine Geschichten oft in kleinen Momenten. Bei Gianluca Trianni könnte die nächste große Etappe gerade erst begonnen haben. Dazu muss er kontinuierlich seine Leistung abrufen – und auch auf dem Platz stehen…

Giovanni Deriu

Aktuell+++aktuell +++ 23. A-Junioren Bundesliga Sparkassen-Cup: Schwäbisch Hall bleibt das Schaufenster der Stars von morgen! „Mister Sparkassen-Cup“, Thorsten Schift, hat mit seinem Helferteam einmal mehr ein herausragendes A-Juniorenturnier auf die Beine gestellt!

Es gibt Turniere, die sind Pflichttermine. Und es gibt Turniere, die längst zu einer Institution geworden sind. Der A-Junioren Bundesliga Sparkassen-Cup in Schwäbisch Hall gehört ohne Zweifel zur zweiten Kategorie. Bereits zum 23. Mal treffen sich hier einige der besten Nachwuchsmannschaften Deutschlands, um den letzten Feinschliff vor der neuen Saison zu holen. Gleichzeitig ist das Turnier seit Jahren ein Magnet für Scouts, Berater und Fußballfachleute aus dem gesamten Bundesgebiet.

Schon der Auftakt machte Lust auf mehr. Bei herrlichem Sommerwetter kamen rund 800 Zuschauer nach Schwäbisch Hall und sorgten für eine stimmungsvolle Kulisse. Auf und neben dem Platz war sofort zu spüren: Hier wird nicht nur Fußball gespielt – hier werden Entwicklungen beobachtet, Karrieren begleitet und vielleicht die ersten Kapitel neuer Bundesliga-Geschichten geschrieben.

Der Sparkassen-Cup ist längst mehr als ein Vorbereitungsturnier. Er ist ein Schaufenster des deutschen Nachwuchsfußballs. Wer hier überzeugt, landet automatisch auf den Notizblöcken zahlreicher Scouts. Und genau deshalb lohnt sich jeder Blick über den Spielfeldrand.

Noch im vergangenen Jahr begeisterte Bayerns Ausnahmetalent Lennart Karl in Schwäbisch Hall die Zuschauer. In früheren Jahren liefen hier bereits Mesut Özil, Sami Khedira, Youssoufa Moukoko oder Paris Brunner auf. Namen, die damals Talente waren und heute jeder Fußballfan kennt. Auch diesmal hört man bereits die ersten interessanten Namen rund um das Turnier. Doch noch ist Geduld gefragt. Die ersten Eindrücke müssen sich über mehrere Spiele bestätigen. Genau das macht seriöse Talentbeobachtung aus.

Dass der Sparkassen-Cup bundesweit inzwischen einen ausgezeichneten Ruf genießt, zeigt auch die Entwicklung des Teilnehmerfeldes. Der SC Freiburg und der FC Bayern München sind mittlerweile zum zweiten Mal mit voller Überzeugung dabei. Das ist kein Zufall.

Ein verantwortlicher Chefscout des SC Freiburg brachte es im Gespräch treffend auf den Punkt: „Schwäbisch Hall hat sich wirklich etabliert. Das Niveau ist hoch und die Organisation hervorragend.“

Mehr Anerkennung kann es für die Verantwortlichen kaum geben.

Und genau hier kommt ein Mann ins Spiel, der selbst nie das Rampenlicht sucht.
Thorsten Schift.

Der Multifunktionär, und bis vor kurzem noch Trainer der Sportfreunde Schwäbisch Hall, ist längst als „Mister Sparkassen-Cup“ bekannt. Jahr für Jahr gelingt es ihm gemeinsam mit einem außergewöhnlich engagierten Helfer- und Organisationsteam, dieses Turnier nahezu geräuschlos auf höchstem Niveau zu organisieren. Gerade wenn im Hintergrund alles funktioniert, merkt man, wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt. Gute Organisation ist im Fußball wie ein gutes Mittelfeld: Sie fällt oft erst dann auf, wenn sie fehlt.

Ebenso erfreulich ist das Wiedersehen mit vielen bekannten Gesichtern des deutschen Nachwuchsfußballs. Norbert Elgert von der Schalker Knappenschmiede gehört fast schon zum Inventar dieses Turniers. Dazu kommen zahlreiche Scoutingkollegen, die den Sparkassen-Cup seit weit mehr als 15 Jahren besuchen. Man kennt sich, tauscht Eindrücke aus und diskutiert über Spieler, Entwicklungen und Perspektiven. Genau diese Mischung macht den besonderen Reiz dieses Turniers aus.

Natürlich richtet sich der Blick auch auf den Gastgeber.

Dass die A-Junioren der Sportfreunde Schwäbisch Hall nach ihrem verdienten Aufstieg selbst Teil dieses hochklassigen Teilnehmerfeldes sind, passt hervorragend zum Gesamtbild.

Und die Mannschaft von Trainer Anil Öztürk sowie Co-Trainer Yilmaz verkaufte sich gegen den VfB Stuttgart ausgesprochen teuer.

Das 1:3 klingt am Ende deutlicher, als der Spielverlauf tatsächlich war.

Über lange Phasen begegnete Hall dem Favoriten auf Augenhöhe. Das zwischenzeitliche 1:1 war absolut verdient, und die Zuschauer honorierten den mutigen Auftritt mit viel Applaus. Die Sportfreunde spielten gepflegten, strukturierten Fußball und versteckten sich keineswegs.

Doch gegen Mannschaften wie den VfB entscheidet oft nicht eine halbe Stunde, sondern eine einzige Minute.

Nach einem Dreifachwechsel schlichen sich zwei nahezu identische Fehler ein. Zweimal versuchte Halls Nummer 14, den Gegenspieler auf engstem Raum auszuspielen. Gleich zweimal ging der Ball verloren. Gegen Spitzenmannschaften ist das, etwas plakativ formuliert, absolut tödlich. Große Topclubs wie der VfB Stuttgart, bestrafen solche Situationen kompromisslos. Und so haben die Jungs vom Wasen die Situation auch sofort (aus)genutzt. Genau diese individuelle Qualität machte letztlich den Unterschied.

Dennoch überwog nach dem Schlusspfiff der positive Eindruck, es gab viel Applaus. Diese Leistung macht Mut für die anstehende Saison.

Auch die übrigen Partien bestätigten das hohe Niveau des Turniers.

Eintracht Frankfurt überzeugte mit einer reifen Vorstellung gegen den FC Bayern München. Ebenso entwickelte sich das Duell zwischen Schalke 04 und der TSG Hoffenheim zu einer intensiven und ausgeglichenen Begegnung, in der viele kleine Details den Unterschied machten.

Schon der erste Turniertag zeigt eindrucksvoll, weshalb der Sparkassen-Cup bundesweit einen so hervorragenden Ruf genießt.

Hier treffen sich leistungsorientierte Nachwuchsfußballer, renommierte Trainer, erfahrene Scouts und Berater. Hier wird Fußball nicht nur gespielt, sondern gelesen – fast wie ein offenes Buch, in dem jede Aktion eine neue Zeile schreibt. Manche Kapitel enden im Nachwuchsbereich, andere beginnen genau hier ihre Reise Richtung Profifußball.

Die Rahmenbedingungen stimmen, die Organisation überzeugt, das sportliche Niveau ist hoch und die Begeisterung der Zuschauer ist spürbar.

Der Sparkassen-Cup bleibt das, was er seit vielen Jahren ist: einer der wichtigsten Treffpunkte des deutschen Nachwuchsfußballs.

Und wer weiß – vielleicht haben wir an diesem Wochenende bereits den nächsten Bundesligastar gesehen, ohne es heute schon zu wissen.


Giovanni Deriu

Porträts & Biographien: Ein bisschen „Real“ in Pforzheim – und ganz viel Bodenhaftung. Beim Testspiel in Waiblingen, siegt der Drittligist SG Sonnenhof-Großaspach 2:0 über den Oberligisten CfR Pforzheim. Das Team von Pablo Gil, erst vor einer Woche in die Saison gestartet, hielt gegen die Profis sehr gut mit.

Waiblingen. Manchmal kommt es im Fußball eben anders, als man denkt. Das gilt für Spiele ebenso wie für Trainerkarrieren. Und manchmal führt genau dieser Umweg einen ehemaligen Profi und Trainer aus dem Umfeld von Real Madrid ausgerechnet an die Seitenlinie eines Oberligisten in Pforzheim.

Bei der Raseneinweihung in Waiblingen stand für den 1. CfR Pforzheim zwar am Ende eine verdiente 0:2-Niederlage gegen Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach. Rund 400 Zuschauer sahen aber weit mehr als nur zwei Tore. Sie sahen eine Mannschaft, die trotz schwerer Beine mutig nach vorne spielte, und einen Trainer, der jede Szene aufsaugte wie ein Schwamm.

Natürlich war Großaspach insgesamt reifer, eingespielter und kaltschnäuziger. Der ambitionierte Dorfclub hätte durchaus mit 4:2 oder 5:3 gewinnen können. Doch auch der CfR versteckte sich keineswegs. Mal im 3-4-3, mal im 4-3-3 suchten die Goldstädter konsequent den Weg nach vorne. Was fehlte, war weniger der Wille als vielmehr die Präzision im Abschluss.

Hier mit Neuzugang, Gianluca Trianni.

Genau dafür sind Testspiele schließlich da.

Während auf dem Platz munter durchgewechselt wurde, analysierte Pablo Gil Sarrión nahezu jede Aktion. Nach dem Schlusspfiff verschwand der neue Cheftrainer zunächst mit seinem Trainerstab zur Nachbesprechung. Besonders auffällig: die intensive, aber ausgesprochen wertschätzende Zusammenarbeit mit Co-Trainer Steven Riechers. Hier wurde nicht diskutiert, um Recht zu behalten, sondern um gemeinsam besser zu werden.

Kurz danach nahm sich Gil Zeit für ein Gespräch.

Der 37-Jährige spricht erstaunlich gutes Deutsch. Ruhig. Überlegt. Fast leise. Einer, der lieber nachdenkt als große Schlagzeilen produziert.

„Es muss noch besser, noch tiefer werden“, sagt er selbstkritisch. Und meint damit zunächst sich selbst.

„Ich muss den Spielern die Dinge noch verständlicher erklären.“

Dieser Satz verrät vermutlich mehr über den Spanier als jede Trainerlizenz. Verantwortung beginnt für ihn nicht bei den Spielern, sondern beim Trainer.

Warum aber entscheidet sich ein Mann mit einer Vita, die Stationen bei Real Madrid umfasst, ausgerechnet für den CfR Pforzheim?

Gil lächelt.

„Pforzheim hat sich ehrlich und aufrichtig um mich bemüht. Vor allem Giuseppe Ricciardi. Wir kennen und schätzen uns. Dieses Projekt hat mich gereizt.“

Es ist kein Satz für die Galerie, sondern einer, den man ihm abnimmt.

„Wenn man irgendwann wieder weiter oben im Profifußball arbeiten möchte, muss man bereit sein, unten etwas aufzubauen.“

Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch seine Philosophie.

Wer jetzt allerdings glaubt, der Spanier komme mit königlichem Glamour nach Pforzheim, liegt völlig daneben.

Ja, Pablo Gil arbeitete zuletzt fünf Jahre als Trainer und Technischer Direktor im internationalen Ausbildungsprogramm der Stiftung von Real Madrid in Mexiko. Dort ging es nicht nur um Fußball, sondern auch um Werte, Persönlichkeit und soziale Verantwortung.

Und ja – als Spieler trainierte der ehemalige Innenverteidiger bei Real Madrid Castilla sogar regelmäßig unter José Mourinho mit den Profis. Namen wie Iker Casillas, Sergio Ramos, Pepe, Marcelo, Mesut Özil, Sami Khedira, Kaká, Karim Benzema oder Cristiano Ronaldo gehörten damals zum Trainingsalltag.

Doch von Starallüren ist bei Gil nichts zu spüren.

Als ich ihn frage, wie der CfR Pforzheim von diesen Erfahrungen profitieren könne, lächelt er erneut.

„Ob Real Madrid oder Pforzheim – jeder Spieler möchte gewinnen.“

Dann macht er eine kurze Pause.

„Der Leistungsgedanke ist überall derselbe.“

Seine Fußballphilosophie klingt fast verblüffend einfach.

„Jeder Spieler muss seine Stärken kennen.“

Und weiter:

„Ich möchte die Spieler begeistern und ihnen helfen, besser zu werden. Vom Einfachen zum Schweren.“

Für Gil beginnt guter Fußball nicht mit spektakulären Spielzügen, sondern mit den Grundlagen. Saubere Pässe. Klare Laufwege.
Konsequente Balleroberungen.

Automatismen.

„Das muss man immer wieder trainieren.“

Es klingt unspektakulär.

Ist aber wahrscheinlich genau der Grund, weshalb erfolgreiche Mannschaften am Ende oft die einfachen Dinge außergewöhnlich gut beherrschen.

Professionalität ist Pablo Gil wichtig. Allerdings kennt er die Realität eines Oberligisten sehr genau.

„Fußball muss so professionell wie möglich sein“, sagt er.

Dann schiebt er einen Satz nach, der seine Bodenständigkeit unterstreicht.

„Aber ohne die Mannschaft zu überfordern.“

Schließlich gehen die meisten CfR-Spieler tagsüber ganz normalen Berufen nach. Großaspach lebt den Profifußball, Pforzheim lebt den Amateurfußball mit professionellem Anspruch.

Auch das gehört zur Wahrheit.

Umso mehr freut es den neuen Trainer, wie offen seine Mannschaft arbeitet.

„Die Spieler sind sehr interessiert und lernwillig.“

Das hört jeder Trainer gern.

Und wann hat man in der Oberliga schon die Möglichkeit, unter einem Coach zu trainieren, der nicht nur bei Real Madrid gearbeitet, sondern unter José Mourinho mit Weltstars auf dem Trainingsplatz gestanden hat?

Nein, der CfR Pforzheim wird deshalb morgen nicht zu den Königlichen.

Aber vielleicht gelingt es Pablo Gil, etwas viel Wichtigeres nach Pforzheim mitzubringen: eine klare Idee vom Fußball, eine Kultur des Lernens und den Glauben daran, dass große Entwicklungen fast immer mit kleinen, sauberen Schritten beginnen.

Ein bisschen Real ist also tatsächlich beim CfR angekommen.

Nicht als Glamour.

Sondern als Haltung.

Ich finde, diese Version kommt deinem Stil sehr nahe: erzählerisch, mit feinen Beobachtungen, pointierten Übergängen und einem Schluss, der nicht pathetisch wirkt, sondern nachhallt.

Giovanni Deriu

Hier Checkfussballberater.de, Giovanni Deriu mit SGS-Profi, Luca Molinari, den wir

von Kindesbeinen an kennen. Gewann im Testmatch 2:0 (GiD)


WM 2026, Porträts und Biographien – der Brasilianische Traum ist wieder geplatzt. Woran lag es, wenn es selbst der beste Clubtrainer der Welt nicht vermochte, die Selecao bis ins Finale zu bringen? Eine Analyse über Brasilien und Carlo Ancelotti…

Oder: Carlo Ancelotti – Warum auch der erfolgreichste Trainer der Welt in Brasilien an Grenzen stößt

Als Carlo Ancelotti 2009 nach London ging, sprach er kein Wort Englisch. Er redet bis heute auf seine ganz eigene Weise: ruhig, gelassen, auf Italienisch, oft durchsetzt mit römischem Dialekt. Schlagfertige Bemerkungen und Aphorismen gehören ebenso zu ihm wie die acht Jahre in Rom (171 Spiele, 12 Tore), die ihm im Blut geblieben sind – genauso wie seine emilianischen Wurzeln, auch wenn man in seiner Sprache kaum einen regionalen Akzent heraushört. In Rom fand er zudem die Liebe: Seine erste Ehefrau Luisa schenkte ihm die beiden Kinder Davide und Katia.

Heute, siebzehn Jahre später, spricht Ancelotti fließend Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch und inzwischen auch Portugiesisch – eine Sprache, in die er sich unmittelbar nach seiner Ernennung zum Nationaltrainer Brasiliens vertieft hat. Nichts Außergewöhnliches: Wer als Spitzenprofi quer durch Europa und die Welt zieht, muss sich verständigen können – mit Spielern, Funktionären und seinem Umfeld. Es ist nicht nur eine berufliche Notwendigkeit, sondern auch eine Frage des alltäglichen Lebens.

Seine Stationen – vom FC Chelsea zu Paris Saint-Germain, von Real Madrid zum FC Bayern München, später zum FC Everton, mit einem Zwischenstopp in Neapel und nun in Rio de Janeiro – zwangen ihn immer wieder, sich sprachlich und kulturell anzupassen. Das gelang ihm scheinbar mühelos. Sein wichtigstes Prinzip, als Mensch wie als Trainer, lautet: führen und managen. Das hat er in seiner Familie ebenso bewiesen wie in nahezu jedem Verein, den er trainierte – selbst beim Everton oder in Neapel, wo die großen Titel ausblieben. Seine größte Stärke ist die Empathie, mit der er Beziehungen zu Vereinsführungen, Spielern, Fans und Medien aufbaut.

Am Ende bleibt jedoch der Erfolg das entscheidende Kriterium, nach dem ein Trainer beurteilt wird. Anders kann es kaum sein. Der Mensch Ancelotti gilt als loyal, direkt, freundlich, sympathisch und geistreich. Er zeigt nur selten scharfe Kanten und besitzt den gutmütigen, geduldigen und toleranten Charakter eines Mannes vom Land. Der Trainer dagegen muss sich an den Ergebnissen seiner Mannschaften messen lassen.

Brasilien scheiterte bei der Weltmeisterschaft – zunächst spielerisch, dann auch hinsichtlich der eigenen Ambitionen. Das Aus gegen Norwegen im Achtelfinale löste einen Sturm der Kritik aus. Der frühere Nationaltrainer Vanderlei Luxemburgo (1998–2000) ließ kein gutes Haar an seinem Nachfolger. Nachdem er Ancelotti bereits für dessen Umgang mit Neymar kritisiert hatte („Unser bester Spieler hätte immer spielen müssen“), ging er noch weiter:

„Ancelotti hat bei der Aufstellung, bei seinen Entscheidungen und bei der Spielanalyse Fehler gemacht. Dadurch haben wir die Chance auf den sechsten WM-Stern verspielt. Wäre der Trainer Brasilianer, würde die Presse bereits seinen Rücktritt fordern, Sondersendungen ausstrahlen und das gesamte Projekt für gescheitert erklären. Bei einem Ausländer scheint es dagegen immer eine Entschuldigung zu geben, den Wunsch, ein Auge zuzudrücken, und eine Geduld, die man brasilianischen Trainern nie entgegengebracht hat. Schluss mit diesem Minderwertigkeitskomplex, der uns glauben lässt, alles, was von außen kommt, sei besser. Der brasilianische Fußball braucht mehr Brasilien. Mehr Identität, mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und mehr Respekt für unsere Fachleute und für das Wesen unseres Fußballs. Sollen sie über die Premier League, die Champions League oder worüber auch immer sprechen. Für mich bedeutet Fußball noch immer legendäre Trikots, bunte Tribünen, Späße und Legenden, bemalte Straßen, Kinder, die ihre Nationalmannschaft zum ersten Mal Weltmeister werden sehen – und vor allem jene Leidenschaft, die nur die Brasilianer wirklich verstehen.“

Eine solche Reaktion ist nachvollziehbar und keineswegs ungewöhnlich. Einige Personalentscheidungen, manche taktischen Einschätzungen und vor allem eine ausgesprochen vorsichtige Spielweise stehen im Widerspruch zur traditionellen brasilianischen Fußballkultur, die stets vom Angriff lebte – immer angreifen, überall angreifen, mit Außenverteidigern, Innenverteidigern und Mittelfeldspielern. Selbst dann, wenn Beobachter mehr Vorsicht und mehr Balance empfohlen hätten.

Auch die brasilianische Presse zeigte sich nicht gnädiger und griff im Wesentlichen denselben Gedanken auf wie Luxemburgo: „Wäre er Brasilianer, wäre er längst entlassen worden.“

Nach der Niederlage, besiegelt durch den Doppelpack von Erling Haaland, sprach Ancelotti dennoch vom Beginn eines neuen Zyklus. Es ist schwierig, die Grenze zwischen der inzwischen seit Jahren offensichtlichen technischen Schwäche vieler brasilianischer Spieler – mit wenigen Ausnahmen – und der Verantwortung des Nationaltrainers zu ziehen. Natürlich trägt auch der Trainer seinen Anteil an einem Debakel, das durch einen Ballbesitzanteil verschärft wurde, der Kritiker und Fans fast noch mehr verärgerte als die Niederlage selbst, weil Brasilien den Norwegern die Kontrolle über das Spiel überließ.

Zwar stimmt es, dass Norwegen die einzige Nationalmannschaft der Geschichte ist, die Brasilien noch nie besiegen konnte (drei Siege und zwei Unentschieden in den bisherigen Duellen). Ebenso stimmt, dass die besten Torchancen bis zehn Minuten vor Schluss überwiegend auf Seiten der Seleção lagen und der norwegische Torhüter Ørjan Nyland der beste Mann auf dem Platz war. Und ebenso richtig ist, dass Brasilien ohne Vitinha und Lucas Paquetá sowie mit einem nie richtig durchgestarteten Endrick, einem eher blassen Gabriel Martinelli und einem Mittelfeld um Casemiro, Bruno Guimarães und Gabriel weit von den großen Mannschaften vergangener Jahrzehnte entfernt ist. Dennoch waren die Erwartungen ungleich höher. Sehr viel höher. Aberglaube, Glück oder Pech spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Auch wolle Ancelotti kein Vorbild für andere sein, entgegnete er einer Journalistin, die fragte, was denn von ihm überdauern solle? Carlo wörtlich auf der PK nach der Niederlage: ,,Ich bin immer der Gleiche, ich will kein Vorbild sein – ich liebe die Passion zum Fußball seit ich ein kleiner Junge war. Erfolge und auch eben solche Niederlagen gehören zum Fußball dazu…“

„König Carlo“ als Trainer wurde von seinen Kritikern – und nicht nur von ihnen – stets als außergewöhnlich glücklich bezeichnet. Dabei war ausgerechnet er es, der mir einst erklärte, dass es im Sport, im Fußball, kein Glück gebe. Damals war er noch Spieler und ich ein junger Reporter. Immer wieder sagte er zu mir:

„Du kannst den Pfosten treffen, wegen eines Abprallers, eines schlechten Rasenstücks oder einer abgefälschten Aktion verlieren oder nicht gewinnen. Aber du hast 90 Minuten Zeit zu zeigen, dass du besser bist. Wenn dir das nicht gelingt, ist es deine Schuld – und das Verdienst des Gegners.“

Dieser Satz gilt heute genauso wie damals. Er beschreibt Ancelottis Fußballphilosophie besser als jede Trophäensammlung. Und vielleicht muss er sich nun an seinen eigenen Worten messen lassen.

Ancelotti hat bei der Seleção noch vier Jahre Vertrag. Genug Zeit, um Kritiker zu widerlegen und Brasilien wieder zu alter Stärke zu führen. Leicht wird das nicht. Doch wenn einer weiß, dass Erfolg weder Glück noch Zufall ist, sondern das Ergebnis harter Arbeit, dann ist es Carlo Ancelotti.

Boa sorte, Carletto. Viel Glück.

Giovanni Deriu

Fußball, Porträts & Biographien, sowie Calciomercato Oberliga Baden-Württemberg: Luigi Mignano (20) – Einer, der lieber abliefert als redet! Zwischen Waiblingen, Hoffenheim, Heidenheim und Darmstadt – Und, warum der nächste Schritt jetzt Normannia Gmünd heißt…

Manche Spieler reden viel. Luigi Mignano gehört nicht dazu. Wenn er etwas zeigen will, macht er das lieber auf dem Platz.

Wer Luigi zum ersten Mal trifft, erlebt einen ruhigen, oft nachdenklichen jungen Mann. Einen, der lieber zuhört als große Reden schwingt. Einen, der selten im Mittelpunkt stehen will. Doch sobald der Ball rollt, verändert sich das Bild. Dann wird aus dem eher zurückhaltenden Typen ein Fußballer voller Ideen, Energie und Entschlossenheit.

Wir von Checkfussballberater.de kannten Luigi Mignano bereits aus seiner Zeit im Nachwuchs der TSG Hoffenheim. Richtig intensiv beschäftigt haben wir uns mit ihm allerdings erst über Sandro Palmeri, während Luigis Jahre beim 1. FC Heidenheim. Seitdem verfolgen und begleiten wir gemeinsam einen Spieler, dessen Entwicklung spannend geblieben ist – sportlich wie menschlich.

„Lui“, wie ihn Freunde, Mitspieler und Wegbegleiter nennen, ist ein moderner Angreifer. Einer, der auf mehreren Positionen spielen kann, polyvalent also, dazu auch technisch sehr stark ist, und immer wieder spielerisch Lösungen findet. Vor dem Tor sucht er konsequent den Abschluss, gleichzeitig hat er den Blick für den besser postierten Mitspieler.

Vor allem aber spielt er mit Überzeugung.

Geprägt von Waiblingen – Fußball mit Idee und Kreativität

Die ersten wichtigen Grundlagen bekam Luigi beim FSV Waiblingen. Dort arbeitete er unter Sandro Palmeri, dessen Mannschaften damals über Jahre hinweg, für mutigen Offensivfußball und starke Nachwuchsarbeit bekannt war.

Lui, Italoschwabe mit Doppelpass, erinnert sich gern an die Zeit bei Palmeri als Trainer zurück: „Sein Spiel war sehr stark von Kombinationen und einem klaren Tiki-Taka-Gedanken geprägt. Genau das trage ich bis heute in mir“, erzählt Mignano.

Wer ihn heute spielen sieht, erkennt diese Prägung sofort.

Er ist keiner, der vorne auf Zuspiele wartet. Luigi will am Spiel teilnehmen, Bälle fordern, kombinieren und selbst Lösungen finden. Er lässt sich gerne fallen, verbindet Mannschaftsteile miteinander und taucht dann genau dort auf, wo es gefährlich wird.


„Ich bin ein Stürmer, der gerne aktiv ins Spiel eingebunden werden will. Meine Stärken liegen in meiner technischen Ausführung, meinem Abschluss und meiner Spielintelligenz.“

Seine Bewegungen wirken oft unspektakulär. Aber genau darin liegt eine seiner Qualitäten. Er erkennt Räume früh, trifft gute Entscheidungen und denkt mehrere Aktionen voraus.

Talent ist dabei nur ein Teil der Geschichte.
Der andere Teil heißt Arbeit.

Lehrjahre fern von zuhause

Der Weg führte den jungen Schwaben früh weg von seinem gewohnten Umfeld.
Erst zur TSG Hoffenheim, später zum 1. FC Heidenheim und zuletzt zu Darmstadt 98.

Drei Vereine. Drei unterschiedliche Philosophien. Drei wichtige Kapitel seiner Entwicklung.

„In Hoffenheim lag der Schwerpunkt sehr stark auf der technischen und taktischen Ausbildung. Dort wurde viel Wert auf Ballbesitz, Spielverständnis und die individuelle Entwicklung gelegt.“

Die Zeit bei der TSG brachte ihm viele fußballerische Werkzeuge mit auf den Weg.

In Heidenheim kamen andere Dinge hinzu.

„Dort habe ich vor allem gelernt, wie wichtig Mentalität, Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit sind.“
Werte, die den Verein bis heute auszeichnen.
Auch Darmstadt hinterließ Eindruck.

„Man merkt, dass die ganze Stadt hinter dem Verein steht. Die Fans und das Umfeld sorgen für eine besondere Atmosphäre.“

Was viele allerdings vergessen: Der Weg durch die Nachwuchsleistungszentren besteht nicht nur aus Fußball. Wer schon in jungen Jahren seine Heimat verlässt, erlebt auch Momente, in denen Familie und Freunde weit weg sind. Trotz neuer Kontakte und neuer Mannschaften gibt es Phasen, in denen man vieles mit sich selbst ausmachen muss. Gerade daran wächst man.

Auch Luigi ist in diesen Jahren gereift. Nicht nur als Spieler, sondern als Mensch.

Warum der Wechsel zur Normannia mehr als nur ein Vereinswechsel ist

Luigi hätte bei Darmstadt 98 bleiben können. Die Tür war keineswegs geschlossen. Gespräche gab es. Möglichkeiten ebenfalls. Auch Regionalligisten fragten an, selbst Norditalien meldete sich – aber die meisten befinden sich noch in der Entscheidungsphase, Entscheidungsfindung…

Doch dauerhaft auf die eine Chance zu warten, war ihm zu wenig. Wer mit ihm über Fußball spricht, merkt schnell: Er will spielen. Er will Verantwortung übernehmen. Er will auf dem Platz zeigen, was in ihm steckt. Man darf nie vergessen, dass in den meisten U23-Mannschaften, der Zweiten eines Proficlubs, auch immer die Rekonvaleszenten, die Profispieler nach ihren auskurierten Verletzungen herangeführt werden (müssen). Sie erhalten stets den Vorzug, auch dazu dienen die Zweiten Mannschaften, meist die U23.

Luigi dazu: „Es gab durchaus Gespräche darüber, in Darmstadt zu bleiben. Am Ende habe ich mich aber bewusst für den Wechsel zur Normannia entschieden.“

Die Entscheidung fiel nicht aus dem Bauch heraus. „Mir wurde eine klare Perspektive aufgezeigt, wie ich mich sportlich weiterentwickeln kann.“


Für Mignano geht es nicht darum, möglichst schnell irgendwo auf einer höheren Bühne zu landen. Ihm geht es darum, die richtigen Schritte zu gehen.

Schritte, die Sinn ergeben. Schritte, bei denen Entwicklung im Mittelpunkt steht.
Denn Luigi brennt für Fußball. Das merkt man sofort, wenn er über seine Leidenschaft spricht. Dann leuchten die Augen des sonst eher ruhigen Angreifers.

„Ich gebe immer alles.“

Wer seine Trainingswoche betrachtet, erkennt schnell, dass dieser Satz keine Floskel ist. Fünf bis sechs Einheiten pro Woche, dazu das Spiel am Wochenende. Immer mit voller Intensität.

Doch ein Spieler wie Mignano braucht mehr als Training.
Er braucht Vertrauen.

„Wenn ich das Vertrauen des Trainers spüre und die Freiheit bekomme, mein Spiel auf den Platz zu bringen, kann ich meine Stärken am besten entfalten.“
Genau dieses Gefühl entstand früh in den Gesprächen mit der Normannia.

Ein wichtiger Faktor war dabei auch der Trainerwechsel. Patrick Faber, ein ehemaliger Normannia-Spieler und geprägt von der bekannten Zorniger-Schule, überzeugte Mignano mit seiner Philosophie und seiner Idee vom Fußball. Die Spielweise passt.

Die Perspektive passt. Das Umfeld passt.

Und manchmal sind genau diese Dinge wichtiger als alles andere.

Hinzu kommt, dass Giovanni Deriu das Umfeld der Normannia seit Jahren kennt. Die Gespräche verliefen offen, ehrlich und auf Augenhöhe. Auch Sandro Palmeri unterstützte den Schritt als Karriereberater von Anfang an.

Beide schätzen Mignano nicht nur wegen seiner fußballerischen Qualitäten.

Sondern vor allem wegen seiner Art.
Talent haben viele. Charakter nicht immer.

Genau deshalb halten Palmeri und Deriu große Stücke auf Luigi Mignano.

Jetzt wartet der Schwerzer

Besonders auffällig ist, wie reflektiert Luigi über seinen bisherigen Weg spricht.
Er redet selten über sich selbst. Viel häufiger spricht er über Menschen, die ihn geprägt haben.
„Besonders hervorheben möchte ich Timm Fahrion und Patrick Mayer. Unter ihnen habe ich großes Vertrauen gespürt und gleichzeitig die Freiheiten bekommen, die ich brauche.“

Wieder fällt dieses Wort. Vertrauen.

Vielleicht beschreibt es seinen Weg besser als jedes andere.

Denn Luigi Mignano ist kein Spieler, der den einfachen Weg sucht.

Er sucht den richtigen.

Jetzt beginnt für ihn ein neues Kapitel.

Nicht mehr Hessenliga.

Nicht mehr die regelmäßigen Duelle mit Mannschaften wie Kickers Offenbach oder Eintracht Frankfurt II.

Jetzt wartet die Oberliga Baden-Württemberg.
Eine Liga mit Tradition.
Mit Leidenschaft.

Mit vielen Herausforderungen.

Und mittendrin die Normannia.

Im Schwerzer, diesem besonderen Stadion mitten in einer Wohngegend, hoffen die Fans auf frischen Wind und neue Impulse.

Vielleicht auch auf Tore. Die Voraussetzungen dafür bringt Luigi Mignano mit. Denn er ist einer dieser Spieler, die nicht viele Worte brauchen.
Einer, dessen Augen leuchten, wenn es um Fußball geht.

Einer, der lieber abliefert als viel zu reden.

Und genau deshalb darf man gespannt sein, ob „Lui“ dabei hilft, dass bei der Normannia ein neuer Ruck entsteht…

GiD