Porträts & Biographien: Ein bisschen „Real“ in Pforzheim – und ganz viel Bodenhaftung. Beim Testspiel in Waiblingen, siegt der Drittligist SG Sonnenhof-Großaspach 2:0 über den Oberligisten CfR Pforzheim. Das Team von Pablo Gil, erst vor einer Woche in die Saison gestartet, hielt gegen die Profis sehr gut mit.

Waiblingen. Manchmal kommt es im Fußball eben anders, als man denkt. Das gilt für Spiele ebenso wie für Trainerkarrieren. Und manchmal führt genau dieser Umweg einen ehemaligen Profi und Trainer aus dem Umfeld von Real Madrid ausgerechnet an die Seitenlinie eines Oberligisten in Pforzheim.

Bei der Raseneinweihung in Waiblingen stand für den 1. CfR Pforzheim zwar am Ende eine verdiente 0:2-Niederlage gegen Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach. Rund 400 Zuschauer sahen aber weit mehr als nur zwei Tore. Sie sahen eine Mannschaft, die trotz schwerer Beine mutig nach vorne spielte, und einen Trainer, der jede Szene aufsaugte wie ein Schwamm.

Natürlich war Großaspach insgesamt reifer, eingespielter und kaltschnäuziger. Der ambitionierte Dorfclub hätte durchaus mit 4:2 oder 5:3 gewinnen können. Doch auch der CfR versteckte sich keineswegs. Mal im 3-4-3, mal im 4-3-3 suchten die Goldstädter konsequent den Weg nach vorne. Was fehlte, war weniger der Wille als vielmehr die Präzision im Abschluss.

Hier mit Neuzugang, Gianluca Trianni.

Genau dafür sind Testspiele schließlich da.

Während auf dem Platz munter durchgewechselt wurde, analysierte Pablo Gil Sarrión nahezu jede Aktion. Nach dem Schlusspfiff verschwand der neue Cheftrainer zunächst mit seinem Trainerstab zur Nachbesprechung. Besonders auffällig: die intensive, aber ausgesprochen wertschätzende Zusammenarbeit mit Co-Trainer Steven Riechers. Hier wurde nicht diskutiert, um Recht zu behalten, sondern um gemeinsam besser zu werden.

Kurz danach nahm sich Gil Zeit für ein Gespräch.

Der 37-Jährige spricht erstaunlich gutes Deutsch. Ruhig. Überlegt. Fast leise. Einer, der lieber nachdenkt als große Schlagzeilen produziert.

„Es muss noch besser, noch tiefer werden“, sagt er selbstkritisch. Und meint damit zunächst sich selbst.

„Ich muss den Spielern die Dinge noch verständlicher erklären.“

Dieser Satz verrät vermutlich mehr über den Spanier als jede Trainerlizenz. Verantwortung beginnt für ihn nicht bei den Spielern, sondern beim Trainer.

Warum aber entscheidet sich ein Mann mit einer Vita, die Stationen bei Real Madrid umfasst, ausgerechnet für den CfR Pforzheim?

Gil lächelt.

„Pforzheim hat sich ehrlich und aufrichtig um mich bemüht. Vor allem Giuseppe Ricciardi. Wir kennen und schätzen uns. Dieses Projekt hat mich gereizt.“

Es ist kein Satz für die Galerie, sondern einer, den man ihm abnimmt.

„Wenn man irgendwann wieder weiter oben im Profifußball arbeiten möchte, muss man bereit sein, unten etwas aufzubauen.“

Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch seine Philosophie.

Wer jetzt allerdings glaubt, der Spanier komme mit königlichem Glamour nach Pforzheim, liegt völlig daneben.

Ja, Pablo Gil arbeitete zuletzt fünf Jahre als Trainer und Technischer Direktor im internationalen Ausbildungsprogramm der Stiftung von Real Madrid in Mexiko. Dort ging es nicht nur um Fußball, sondern auch um Werte, Persönlichkeit und soziale Verantwortung.

Und ja – als Spieler trainierte der ehemalige Innenverteidiger bei Real Madrid Castilla sogar regelmäßig unter José Mourinho mit den Profis. Namen wie Iker Casillas, Sergio Ramos, Pepe, Marcelo, Mesut Özil, Sami Khedira, Kaká, Karim Benzema oder Cristiano Ronaldo gehörten damals zum Trainingsalltag.

Doch von Starallüren ist bei Gil nichts zu spüren.

Als ich ihn frage, wie der CfR Pforzheim von diesen Erfahrungen profitieren könne, lächelt er erneut.

„Ob Real Madrid oder Pforzheim – jeder Spieler möchte gewinnen.“

Dann macht er eine kurze Pause.

„Der Leistungsgedanke ist überall derselbe.“

Seine Fußballphilosophie klingt fast verblüffend einfach.

„Jeder Spieler muss seine Stärken kennen.“

Und weiter:

„Ich möchte die Spieler begeistern und ihnen helfen, besser zu werden. Vom Einfachen zum Schweren.“

Für Gil beginnt guter Fußball nicht mit spektakulären Spielzügen, sondern mit den Grundlagen. Saubere Pässe. Klare Laufwege.
Konsequente Balleroberungen.

Automatismen.

„Das muss man immer wieder trainieren.“

Es klingt unspektakulär.

Ist aber wahrscheinlich genau der Grund, weshalb erfolgreiche Mannschaften am Ende oft die einfachen Dinge außergewöhnlich gut beherrschen.

Professionalität ist Pablo Gil wichtig. Allerdings kennt er die Realität eines Oberligisten sehr genau.

„Fußball muss so professionell wie möglich sein“, sagt er.

Dann schiebt er einen Satz nach, der seine Bodenständigkeit unterstreicht.

„Aber ohne die Mannschaft zu überfordern.“

Schließlich gehen die meisten CfR-Spieler tagsüber ganz normalen Berufen nach. Großaspach lebt den Profifußball, Pforzheim lebt den Amateurfußball mit professionellem Anspruch.

Auch das gehört zur Wahrheit.

Umso mehr freut es den neuen Trainer, wie offen seine Mannschaft arbeitet.

„Die Spieler sind sehr interessiert und lernwillig.“

Das hört jeder Trainer gern.

Und wann hat man in der Oberliga schon die Möglichkeit, unter einem Coach zu trainieren, der nicht nur bei Real Madrid gearbeitet, sondern unter José Mourinho mit Weltstars auf dem Trainingsplatz gestanden hat?

Nein, der CfR Pforzheim wird deshalb morgen nicht zu den Königlichen.

Aber vielleicht gelingt es Pablo Gil, etwas viel Wichtigeres nach Pforzheim mitzubringen: eine klare Idee vom Fußball, eine Kultur des Lernens und den Glauben daran, dass große Entwicklungen fast immer mit kleinen, sauberen Schritten beginnen.

Ein bisschen Real ist also tatsächlich beim CfR angekommen.

Nicht als Glamour.

Sondern als Haltung.

Ich finde, diese Version kommt deinem Stil sehr nahe: erzählerisch, mit feinen Beobachtungen, pointierten Übergängen und einem Schluss, der nicht pathetisch wirkt, sondern nachhallt.

Giovanni Deriu

Hier Checkfussballberater.de, Giovanni Deriu mit SGS-Profi, Luca Molinari, den wir

von Kindesbeinen an kennen. Gewann im Testmatch 2:0 (GiD)


Fußball, Porträts & Biographien, sowie Calciomercato Oberliga Baden-Württemberg: Luigi Mignano (20) – Einer, der lieber abliefert als redet! Zwischen Waiblingen, Hoffenheim, Heidenheim und Darmstadt – Und, warum der nächste Schritt jetzt Normannia Gmünd heißt…

Manche Spieler reden viel. Luigi Mignano gehört nicht dazu. Wenn er etwas zeigen will, macht er das lieber auf dem Platz.

Wer Luigi zum ersten Mal trifft, erlebt einen ruhigen, oft nachdenklichen jungen Mann. Einen, der lieber zuhört als große Reden schwingt. Einen, der selten im Mittelpunkt stehen will. Doch sobald der Ball rollt, verändert sich das Bild. Dann wird aus dem eher zurückhaltenden Typen ein Fußballer voller Ideen, Energie und Entschlossenheit.

Wir von Checkfussballberater.de kannten Luigi Mignano bereits aus seiner Zeit im Nachwuchs der TSG Hoffenheim. Richtig intensiv beschäftigt haben wir uns mit ihm allerdings erst über Sandro Palmeri, während Luigis Jahre beim 1. FC Heidenheim. Seitdem verfolgen und begleiten wir gemeinsam einen Spieler, dessen Entwicklung spannend geblieben ist – sportlich wie menschlich.

„Lui“, wie ihn Freunde, Mitspieler und Wegbegleiter nennen, ist ein moderner Angreifer. Einer, der auf mehreren Positionen spielen kann, polyvalent also, dazu auch technisch sehr stark ist, und immer wieder spielerisch Lösungen findet. Vor dem Tor sucht er konsequent den Abschluss, gleichzeitig hat er den Blick für den besser postierten Mitspieler.

Vor allem aber spielt er mit Überzeugung.

Geprägt von Waiblingen – Fußball mit Idee und Kreativität

Die ersten wichtigen Grundlagen bekam Luigi beim FSV Waiblingen. Dort arbeitete er unter Sandro Palmeri, dessen Mannschaften damals über Jahre hinweg, für mutigen Offensivfußball und starke Nachwuchsarbeit bekannt war.

Lui, Italoschwabe mit Doppelpass, erinnert sich gern an die Zeit bei Palmeri als Trainer zurück: „Sein Spiel war sehr stark von Kombinationen und einem klaren Tiki-Taka-Gedanken geprägt. Genau das trage ich bis heute in mir“, erzählt Mignano.

Wer ihn heute spielen sieht, erkennt diese Prägung sofort.

Er ist keiner, der vorne auf Zuspiele wartet. Luigi will am Spiel teilnehmen, Bälle fordern, kombinieren und selbst Lösungen finden. Er lässt sich gerne fallen, verbindet Mannschaftsteile miteinander und taucht dann genau dort auf, wo es gefährlich wird.


„Ich bin ein Stürmer, der gerne aktiv ins Spiel eingebunden werden will. Meine Stärken liegen in meiner technischen Ausführung, meinem Abschluss und meiner Spielintelligenz.“

Seine Bewegungen wirken oft unspektakulär. Aber genau darin liegt eine seiner Qualitäten. Er erkennt Räume früh, trifft gute Entscheidungen und denkt mehrere Aktionen voraus.

Talent ist dabei nur ein Teil der Geschichte.
Der andere Teil heißt Arbeit.

Lehrjahre fern von zuhause

Der Weg führte den jungen Schwaben früh weg von seinem gewohnten Umfeld.
Erst zur TSG Hoffenheim, später zum 1. FC Heidenheim und zuletzt zu Darmstadt 98.

Drei Vereine. Drei unterschiedliche Philosophien. Drei wichtige Kapitel seiner Entwicklung.

„In Hoffenheim lag der Schwerpunkt sehr stark auf der technischen und taktischen Ausbildung. Dort wurde viel Wert auf Ballbesitz, Spielverständnis und die individuelle Entwicklung gelegt.“

Die Zeit bei der TSG brachte ihm viele fußballerische Werkzeuge mit auf den Weg.

In Heidenheim kamen andere Dinge hinzu.

„Dort habe ich vor allem gelernt, wie wichtig Mentalität, Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit sind.“
Werte, die den Verein bis heute auszeichnen.
Auch Darmstadt hinterließ Eindruck.

„Man merkt, dass die ganze Stadt hinter dem Verein steht. Die Fans und das Umfeld sorgen für eine besondere Atmosphäre.“

Was viele allerdings vergessen: Der Weg durch die Nachwuchsleistungszentren besteht nicht nur aus Fußball. Wer schon in jungen Jahren seine Heimat verlässt, erlebt auch Momente, in denen Familie und Freunde weit weg sind. Trotz neuer Kontakte und neuer Mannschaften gibt es Phasen, in denen man vieles mit sich selbst ausmachen muss. Gerade daran wächst man.

Auch Luigi ist in diesen Jahren gereift. Nicht nur als Spieler, sondern als Mensch.

Warum der Wechsel zur Normannia mehr als nur ein Vereinswechsel ist

Luigi hätte bei Darmstadt 98 bleiben können. Die Tür war keineswegs geschlossen. Gespräche gab es. Möglichkeiten ebenfalls. Auch Regionalligisten fragten an, selbst Norditalien meldete sich – aber die meisten befinden sich noch in der Entscheidungsphase, Entscheidungsfindung…

Doch dauerhaft auf die eine Chance zu warten, war ihm zu wenig. Wer mit ihm über Fußball spricht, merkt schnell: Er will spielen. Er will Verantwortung übernehmen. Er will auf dem Platz zeigen, was in ihm steckt. Man darf nie vergessen, dass in den meisten U23-Mannschaften, der Zweiten eines Proficlubs, auch immer die Rekonvaleszenten, die Profispieler nach ihren auskurierten Verletzungen herangeführt werden (müssen). Sie erhalten stets den Vorzug, auch dazu dienen die Zweiten Mannschaften, meist die U23.

Luigi dazu: „Es gab durchaus Gespräche darüber, in Darmstadt zu bleiben. Am Ende habe ich mich aber bewusst für den Wechsel zur Normannia entschieden.“

Die Entscheidung fiel nicht aus dem Bauch heraus. „Mir wurde eine klare Perspektive aufgezeigt, wie ich mich sportlich weiterentwickeln kann.“


Für Mignano geht es nicht darum, möglichst schnell irgendwo auf einer höheren Bühne zu landen. Ihm geht es darum, die richtigen Schritte zu gehen.

Schritte, die Sinn ergeben. Schritte, bei denen Entwicklung im Mittelpunkt steht.
Denn Luigi brennt für Fußball. Das merkt man sofort, wenn er über seine Leidenschaft spricht. Dann leuchten die Augen des sonst eher ruhigen Angreifers.

„Ich gebe immer alles.“

Wer seine Trainingswoche betrachtet, erkennt schnell, dass dieser Satz keine Floskel ist. Fünf bis sechs Einheiten pro Woche, dazu das Spiel am Wochenende. Immer mit voller Intensität.

Doch ein Spieler wie Mignano braucht mehr als Training.
Er braucht Vertrauen.

„Wenn ich das Vertrauen des Trainers spüre und die Freiheit bekomme, mein Spiel auf den Platz zu bringen, kann ich meine Stärken am besten entfalten.“
Genau dieses Gefühl entstand früh in den Gesprächen mit der Normannia.

Ein wichtiger Faktor war dabei auch der Trainerwechsel. Patrick Faber, ein ehemaliger Normannia-Spieler und geprägt von der bekannten Zorniger-Schule, überzeugte Mignano mit seiner Philosophie und seiner Idee vom Fußball. Die Spielweise passt.

Die Perspektive passt. Das Umfeld passt.

Und manchmal sind genau diese Dinge wichtiger als alles andere.

Hinzu kommt, dass Giovanni Deriu das Umfeld der Normannia seit Jahren kennt. Die Gespräche verliefen offen, ehrlich und auf Augenhöhe. Auch Sandro Palmeri unterstützte den Schritt als Karriereberater von Anfang an.

Beide schätzen Mignano nicht nur wegen seiner fußballerischen Qualitäten.

Sondern vor allem wegen seiner Art.
Talent haben viele. Charakter nicht immer.

Genau deshalb halten Palmeri und Deriu große Stücke auf Luigi Mignano.

Jetzt wartet der Schwerzer

Besonders auffällig ist, wie reflektiert Luigi über seinen bisherigen Weg spricht.
Er redet selten über sich selbst. Viel häufiger spricht er über Menschen, die ihn geprägt haben.
„Besonders hervorheben möchte ich Timm Fahrion und Patrick Mayer. Unter ihnen habe ich großes Vertrauen gespürt und gleichzeitig die Freiheiten bekommen, die ich brauche.“

Wieder fällt dieses Wort. Vertrauen.

Vielleicht beschreibt es seinen Weg besser als jedes andere.

Denn Luigi Mignano ist kein Spieler, der den einfachen Weg sucht.

Er sucht den richtigen.

Jetzt beginnt für ihn ein neues Kapitel.

Nicht mehr Hessenliga.

Nicht mehr die regelmäßigen Duelle mit Mannschaften wie Kickers Offenbach oder Eintracht Frankfurt II.

Jetzt wartet die Oberliga Baden-Württemberg.
Eine Liga mit Tradition.
Mit Leidenschaft.

Mit vielen Herausforderungen.

Und mittendrin die Normannia.

Im Schwerzer, diesem besonderen Stadion mitten in einer Wohngegend, hoffen die Fans auf frischen Wind und neue Impulse.

Vielleicht auch auf Tore. Die Voraussetzungen dafür bringt Luigi Mignano mit. Denn er ist einer dieser Spieler, die nicht viele Worte brauchen.
Einer, dessen Augen leuchten, wenn es um Fußball geht.

Einer, der lieber abliefert als viel zu reden.

Und genau deshalb darf man gespannt sein, ob „Lui“ dabei hilft, dass bei der Normannia ein neuer Ruck entsteht…

GiD

Fußball-Aktuell, Porträts, Calciomercato im gehobenen Amateurbereich: Verbands- und Oberligageflüster. Über Goalgetter und mögliche Toptrainer mit viel „Karacho“ aus dem Königlichen Lager…

Mit Erfahrung und jungem Elan nach Oben – und, mit viel Trainer-Karacho… wer kann schon von sich behaupten, Real Madrid zugearbeitet zu haben?

Ob wir es wollen oder nicht: Im Fußball werden einem Personalien zugetragen. Mal am Spielfeldrand, mal im Vereinsheim, mal zwischen Tür und Angel. Und meistens mit dem Zusatz: „Schreib’s bloß noch nicht.“ Interessanterweise fehlt dieser Zusatz oft dann, wenn die Sache längst zu 95 Prozent in trockenen Tüchern zu sein scheint. Der Amateurfußball lebt von den Personalien, und von den Fans sowie Groundhoppern…

Deshalb behandeln wir die folgenden Informationen weiterhin ohne Gewähr – auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass aus Gerüchten bald Fakten werden.

Bei den SportfreundenSchwäbischHall übernimmt bekanntlich Tobias Weiss das Traineramt von Thorsten Schift. Eine Verpflichtung, die im württembergischen Fußball durchaus Beachtung findet. Wer Weiss kennt, der weiß: Der ehrgeizige Fußballfachmann kommt nicht nach Hall, um die Verbandsliga lediglich zu verwalten.

Die sportlich Verantwortlichen Ralph Schön und Martin Kleinschrodt (beide mit ziemlich viel Fußballsachverstand, wenn auch unterschiedlich gewichtet), haben größere Ziele. Schwäbisch Hall möchte mittelfristig dorthin, wo Vereine wie die Normannia aus Gmünd, die TSG Backnang, Essingen, oder der CfR Pforzheim, und der SSV Reutlingen bereits spielen – in die #Oberliga.

Und dafür braucht es Tore. Seit Jahren, woll(t)en sie hoch, aber der Haller Fußball in der #Verbandsliga, ja, stagnierte, obwohl es nicht an tollen Kickern fehlte…

Nach unseren Informationen soll der neue Coach und Ex-Profi, TobiWeiss, einen echten Torjäger erhalten. Nicht den oft gehandelten Gilés-Sanchez von Türkspor Neckarsulm (viel Herz, schwache Finanzkraft derzeit, wie fast überall!), sondern einen anderen Namen, der in der Oberliga seit Jahren Gewicht besitzt.

Die Rede ist von Alexander Aschauer.
(https://www.fupa.net/player/alexander-aschauer-45191 )

Der ehemalige österreichische Juniorennnationalspieler sowie Profi von Großaspach, zählt seit Jahren zu den zuverlässigsten Torlieferanten der Liga und war für die Normannia Gmünd oftmals weit mehr als nur ein Stürmer – eher eine sportliche Lebensversicherung.

34 Jahre alt? Nun ja, das Alter darf kein Kriterium sein, sondern nur die Qualität, sagen Experten.

Aber in der Verbandsliga dürften für Aschauer dennoch 15 bis 25 Tore realistisch sein.

Noch läuft Aschauers Vertrag in Gmünd ein weiteres Jahr. Allerdings hören wir, dass sich beide Vereine aktuell über die Rahmenbedingungen eines möglichen Wechsels austauschen, und sich fast einig sind. Normannia soll wohl ein bisschen entgegenkommen, so der Wunsch der Sportfreunde. Die Normannia wiederum möchte nicht auf Alles verzichten wollen, schließlich sollte auch ein adäquater Sturm bereitstehn (wohl durch junge, ambitionierte, und gut ausgebildete Spieler!) Es wird verhandelt, um ein Win-Win auf beiden Seiten.

Hinzu kommt: Der neue Normannia-Coach(Faber) setzt auf eine laufintensive und dynamische Spielweise. Nicht jeder Spieler passt automatisch in ein neues Konzept.

Und so könnte sich eine Tür öffnen.

++++ aktuell +++ aktuell +++

Auch beim CfRPforzheim tut sich derweil einiges.

Die Goldstädter möchten ihren ohnehin attraktiven Fußball der vergangenen Saison weiterentwickeln. Sportdirektor Giuseppe Ricciardi und die Vereinsführung arbeiten intensiv am Kader.

„Die Spieler passen – und werden bald bekannt gegeben“, heißt es aus dem Umfeld.

Noch spannender ist allerdings die Trainerfrage.

Ein Kandidat, der ursprünglich als Nachfolger Rohdes vorgesehen war, sagte zunächst zu, zog anschließend wieder zurück, heuerte kurzzeitig bei Illertissen in der Regionalliga Bayern an – und verabschiedete sich dort keine 36 Stunden später ebenfalls wieder. Das nennt man allgemein, als wankelmütig und unsicher.

Der Fußball schreibt manchmal Geschichten, die kein Drehbuchautor erfinden würde.

Doch möglicherweise hat genau diese Entwicklung dem CfR die Tür zu einer noch interessanteren Lösung geöffnet.

Denn nach unseren Informationen steht Pablo Gil ganz oben auf der Liste.

Der spanische #Fußballlehrer bringt nicht nur die UEFA-Pro-Lizenz mit, sondern auch Erfahrungen aus dem Umfeld von Real Madrid. Dort arbeitete er im Bereich Performance Development und Talentförderung.

Dazu kennt Gil den deutschen Fußball bestens.

Als Spieler trug er unter anderem die Trikots des FC Villingen und der TSG Balingen.

Vor allem aber genießt er den Ruf eines modernen Trainers.

Ballbesitz mit Tempo. Mutiges Pressing. Individuelle Entwicklung von Spielern. Klare Strukturen. Hohe Intensität.

Attribute, die hervorragend zum sportlichen Weg des CfR Pforzheim passen würden.

Wer mit Menschen aus seinem Umfeld spricht, hört zudem immer wieder dieselben Beschreibungen, die vielleicht noch wichtiger für das Innenleben, für den #Willen eines Teams sind:

Fachlich stark. Kommunikativ.
Empathisch. Anspruchsvoll.
Ein Trainer, der Mannschaften besser macht.

Deshalb würde es viele mit uns überraschen, wenn auf den letzten Metern doch noch etwas dazwischenkäme.

Verein, Stadt und Trainerprofil scheinen bemerkenswert gut zusammenzupassen.

Genau für solche Kontakte und Netzwerke wurde Giuseppe Ricciardi schließlich installiert. Ricciardi selbst hielt sich bewusst (vielsagend schweigsam) zurück. Vor dem Kurzurlaub mit der Familie meinte der Sportdirektor zu Checkfussballberater.de nur: ,,Alles zu seiner Zeit…!“

Fest steht:

Die Oberliga Baden-Württemberg bleibt auch in diesem Sommer ein faszinierendes Spielfeld für große Ambitionen, spannende Personalien und Geschichten, die oft lange vor der offiziellen Verkündung erzählt werden.

Und meistens steckt mehr Wahrheit dahinter, als viele glauben.

Checkfussballberater.de bleibt natürlich auch dran…

Giovanni Deriu

Sportfreunde Schwäbisch Hall 1912 e.V.

FuPa.net

Cfr Pforzheim

Oberliga BW VerbandsligaBadenWürttemberg

Fußball, Porträts & Biographien: LIEBE AUF DEN ZWEITEN ANLAUF? Warum Ralf Rangnick plötzlich wieder perfekt zum AC Milan passen könnte…

Der AC Milan wirkt derzeit wie ein schwer angeschlagener Adelspalast im lombardischen Nebel. Viel Glanz an den Wänden, viele Erinnerungen in den Gängen – aber auf dem Spielfeld fehlte zuletzt die Seele.

Die Saison endete nicht einfach nur enttäuschend. Sie implodierte beinahe geräuschlos. Coach, il „Mister“ Max Allegri scheiterte, Igli Tare musste gehen, weitere Figuren aus dem inneren Machtzirkel verschwanden ebenfalls von der Bühne. Milan steht nun vor einem radikalen Neuanfang. Nicht kosmetisch. Sondern strukturell.

Und genau in solchen Momenten tauchen manchmal Namen wieder auf, die nie ganz verschwunden waren.

Ralf Rangnick.

Es ist fast schon eine Ironie der Fußballgeschichte, dass ausgerechnet jetzt die alte Verbindung zwischen dem deutschen Professor des Pressings und dem italienischen Traditionsriesen wieder aufflammt. Denn Rangnick und Milan – das war schon vor Jahren eine Geschichte voller Spannung, Annäherung und plötzlich gezogener Handbremsen. (https://www.rund-magazin.de/news/1781/80/Rangnick-AC-Mailand/ )

Damals fehlte der Mut.

Heute fehlt Milan vor allem Orientierung.

SACCHIS GEIST IM HINTERGRUND

Die „Gazzetta dello Sport“ berichtet dieser Tage von neuen Gesprächen rund um Rangnick. Gerry Cardinale und Zlatan Ibrahimovic sollen intensiv nach einer neuen sportlichen Architektur suchen. Nicht nur nach einem Trainer. Sondern nach einem Gehirn für den gesamten Verein. (https://www.gazzetta.it/Calcio/Serie-A/Milan/28-05-2026/allenatore-milan-rangnick-jaissle-pochettino.shtml )

Und genau dort beginnt Rangnicks eigentliche Stärke.

Denn viele reduzieren ihn bis heute auf Pressing, Laufarbeit und Red-Bull-Fußball. Dabei war Rangnick immer viel mehr als das. Er war Fußballarchitekt, Talentscout, Systemdenker und Visionär zugleich. Einer, der Vereine nicht nur trainiert, sondern umprogrammiert.

Das Faszinierende:
Seine Ideen entstanden teilweise ausgerechnet durch den AC Milan selbst.

Rangnick studierte einst obsessiv Arrigo Sacchis legendäre Milan-Mannschaft der späten 80er. Raumverknappung, aggressives Gegenpressing, kollektive Bewegungen – vieles davon saugte der Schwabe auf wie ein Musikstudent alte Opernpartituren. Während andere Trainer nur Spiele schauten, analysierte Rangnick Mechanismen.


Sacchi war für ihn keine Inspiration.
Sacchi war eine Fußballuniversität.

Und vielleicht schließt sich genau deshalb nun ein Kreis.

WARUM MILAN JETZT EINEN SYSTEMDENKER BRAUCHT

Während Milan heute oft wirkt wie ein Ferrari im Leerlauf, könnte Rangnick genau jener Mechaniker sein, der den Motor wieder versteht. Nicht nur taktisch, sondern strukturell.

Interessant ist dabei auch die mögliche Trainerfrage.

Laut italienischen Medien favorisiert Rangnick Matthias Jaissle, den jungen deutschen Coach von Al Ahli. Ebenfalls geprägt vom Red-Bull-Kosmos, dynamisch, modern, mutig. Einer, der Intensität trainieren lässt wie andere Mannschaften Standards. Auch Mauricio Pochettino bleibt ein Thema. Ebenso Iraola oder Oliver Glasner.

Aber egal welcher Trainer am Ende kommt:
Milan braucht vor allem eine Idee.

Zu oft wirkte der Club zuletzt wie eine Modeschau ohne Stilrichtung. Große Namen, hohe Erwartungen, aber kein klarer Plan. Mal defensiv denken, mal offensiv reden, mal Jugend fördern, dann wieder hektisch Veteranen holen. Alles wirkte wie ein teures Menü ohne Hauptgang.

Rangnick dagegen denkt in Prozessen.
In Entwicklungsstufen.
In Fußballlogik.

Genau deshalb könnte er für Milan gefährlich gut passen.

ITALIENS STOLZ GEGEN DEN WANDEL

Natürlich bleibt Italien speziell. Dort regieren nicht nur Taktiktafeln, sondern auch Eitelkeiten, Netzwerke und alte Fußball-Dynastien. Schon 2020 verhinderten interne Widerstände seine Ankunft. Viele wollten keinen Deutschen, der plötzlich erklärt, wie italienischer Spitzenfußball modernisiert werden müsse.

Doch die Zeiten haben sich verändert.

Der italienische Fußball lebt längst nicht mehr nur von Nostalgie. Inter arbeitete international stabiler, Atalanta revolutionierte Denkweisen, Bologna überraschte mit Struktur und Mut. Milan dagegen verlor sich zuletzt zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Vielleicht braucht es nun tatsächlich jemanden von außen.

Einen, der die Milan-DNA nicht zerstören, sondern neu entzünden will.

Und vielleicht ist genau das die eigentliche Pointe dieser Geschichte:
Dass ein Deutscher den Geist Sacchis womöglich besser konserviert hat als viele Italiener selbst. Zuerst aber, kann man Rangnick mit der Österreichischen Nationalelf bei der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko erleben – dort, wohin es die Squadra Azzurra abermals nicht hingeschafft hat…

EINE VERSPÄTETE FUSSBALL-ROMANZE?

Noch stehen für Rangnick die WM-Gruppenspiele mit Österreich im Mittelpunkt. Aber Mailand hört offenbar wieder aufmerksam hin.

Liebe auf den zweiten Anlauf?

Im Fußball sind gerade die verspäteten Geschichten oft die interessantesten.

Giovanni Deriu

VERSIONE Italiana:

Nebbia lombarda. Molto splendore sulle pareti, molti ricordi nei corridoi – ma sul campo, ultimamente, mancava l’anima.

La stagione non si è conclusa semplicemente in modo deludente. È quasi implosa in silenzio. Il tecnico, il “Mister” Max Allegri ha fallito, Igli Tare ha dovuto lasciare, e anche altre figure del cerchio interno del potere sono uscite di scena. Ora il Milan si trova davanti a un nuovo inizio radicale. Non cosmetico. Ma strutturale.

Ed è proprio in momenti come questi che a volte riemergono nomi che non erano mai davvero scomparsi.

Ralf Rangnick.

È quasi un’ironia della storia del calcio che proprio adesso il vecchio legame tra il professore tedesco del pressing e il gigante della tradizione italiana torni a riaccendersi. Perché Rangnick e il Milan – già anni fa – erano una storia fatta di tensione, avvicinamenti e improvvisi freni a mano tirati. (https://www.rund-magazin.de/news/1781/80/Rangnick-AC-Mailand/ )

Allora mancò il coraggio.

Oggi al Milan manca soprattutto una direzione.

LO SPIRITO DI SACCHI SULLO SFONDO

La “Gazzetta dello Sport” riferisce in questi giorni di nuovi colloqui attorno a Rangnick. Gerry Cardinale e Zlatan Ibrahimović sarebbero alla ricerca intensa di una nuova architettura sportiva. Non soltanto di un allenatore. Ma di un cervello per l’intero club. (https://www.gazzetta.it/Calcio/Serie-A/Milan/28-05-2026/allenatore-milan-rangnick-jaissle-pochettino.shtml )

Ed è proprio qui che inizia la vera forza di Rangnick.

Perché ancora oggi molti lo riducono a pressing, corsa e calcio stile Red Bull. In realtà Rangnick è sempre stato molto più di questo. È stato architetto calcistico, talent scout, pensatore sistemico e visionario allo stesso tempo. Uno di quelli che non si limitano ad allenare i club, ma li riprogrammano.

La cosa affascinante:
le sue idee nacquero in parte proprio grazie al Milan stesso.

Rangnick studiò in modo quasi ossessivo il leggendario Milan di Arrigo Sacchi della fine degli anni ’80. Riduzione degli spazi, gegenpressing aggressivo, movimenti collettivi – il tecnico svevo assorbì tutto questo come uno studente di musica che analizza antiche partiture d’opera. Mentre altri allenatori guardavano semplicemente le partite, Rangnick studiava i meccanismi.

Sacchi per lui non era un’ispirazione.
Sacchi era un’università del calcio.

E forse proprio per questo ora si chiude un cerchio.

PERCHÉ IL MILAN HA BISOGNO DI UN PENSATORE SISTEMICO

Mentre oggi il Milan spesso sembra una Ferrari al minimo, Rangnick potrebbe essere proprio quel meccanico capace di capire di nuovo il motore. Non solo tatticamente, ma anche strutturalmente.

Interessante è anche la possibile questione allenatore.

Secondo i media italiani, Rangnick favorirebbe Matthias Jaissle, il giovane tecnico tedesco dell’Al Ahli. Anche lui formato nell’universo Red Bull: dinamico, moderno, coraggioso. Uno che allena l’intensità come altre squadre allenano i calci piazzati. Anche Mauricio Pochettino resta un nome in corsa. Così come Iraola o Oliver Glasner.

Ma indipendentemente da chi arriverà alla fine:
il Milan ha soprattutto bisogno di un’idea.

Troppo spesso il club ultimamente è sembrato una sfilata di moda senza uno stile preciso. Grandi nomi, aspettative elevate, ma nessun piano chiaro. A volte pensare in modo difensivo, altre parlare offensivamente, poi puntare sui giovani e subito dopo prendere veterani in modo frenetico. Tutto sembrava un menù costoso senza piatto principale.

Rangnick invece ragiona in processi.
In fasi di sviluppo.
In logica calcistica.

Ed è proprio per questo che potrebbe adattarsi al Milan in modo pericolosamente perfetto.

L’ORGOGLIO ITALIANO CONTRO IL CAMBIAMENTO

Naturalmente l’Italia resta un ambiente particolare. Lì non governano solo le lavagne tattiche, ma anche vanità, reti di potere e antiche dinastie calcistiche. Già nel 2020 le resistenze interne impedirono il suo arrivo. Molti non volevano un tedesco che improvvisamente spiegasse come modernizzare il calcio italiano di vertice.

Ma i tempi sono cambiati.

Il calcio italiano ormai non vive più soltanto di nostalgia. L’Inter ha lavorato con maggiore stabilità internazionale, l’Atalanta ha rivoluzionato i modi di pensare, il Bologna ha sorpreso con struttura e coraggio. Il Milan invece ultimamente si è perso tra passato e presente.

Forse ora serve davvero qualcuno dall’esterno.

Qualcuno che non voglia distruggere il DNA del Milan, ma riaccenderlo.

E forse proprio questa è la vera ironia della storia:
che un tedesco abbia conservato lo spirito di Sacchi forse meglio di molti italiani stessi. Prima però si potrà vedere Rangnick con la Nazionale austriaca ai Mondiali 2026 negli Stati Uniti, in Canada e in Messico – là dove la Squadra Azzurra ancora una volta non è riuscita ad arrivare…

UNA ROMANZA CALCISTICA IN RITARDO?

Per ora, per Rangnick, al centro dell’attenzione ci sono le partite del girone mondiale con l’Austria. Ma Milano sembra ascoltare di nuovo con attenzione.

Amore al secondo tentativo?

Nel calcio, proprio le storie arrivate in ritardo sono spesso le più interessanti.



Porträts, Clubs & Biographien: Das MEISTERSTÜCK DES VfR AALEN – Wie ein Traditionsclub seine Seele wieder zurückeroberte… mit schwäbischer Gründlichkeit und italienischem Flair. Der VfR Aalen so scheint es, hat aus seiner Vergangenheit die richtigen Schlüsse gezogen. Die Stadt und Fans stehen jedenfalls wieder hinter ihrem Verein…und das will was heißen!

Am Ende gab es kein Halten mehr, mit dem Abpfiff im Heilbronner Stadion am See, stürmten die rund 800 VfR-Fans den Rasen, und feierten ausgelassen mit dem ganzen Team. Mit einer 4:0-Galavorstellung, machte der VfR Aalen drei Spieltage vor Schluss den Knopf drunter.

Ja, es gibt Aufstiege, die liest man nüchtern in Tabellen. Und es gibt Aufstiege, die riechen nach Schweiß, Hoffnung und gekonnter Souveränität durch Fleiß…

Der VfR Aalen hat nicht einfach die Oberliga gewonnen. Der VfR Aalen hat ein Stück seiner Identität zurückerobert.

Vor zehn Jahren spielte dieser Verein noch in der 2. Bundesliga. Große Stadien. Große Gegner. Großer Fußball. Danach kamen schwere Zeiten. Enttäuschungen. Zweifel. Unruhe. Vom FC Heidenheim und zeitweise Ulm überholt. Klar schmerzte das, Vereine aus der Nachbarschaft. Viele Vereine verschwinden nach solchen Abstürzen langsam im Nebel der Bedeutungslosigkeit.

Doch manche Clubs tragen ein besonderes Feuer in sich.

Aalen ist so ein Club.

Jetzt ist das Meisterstück vollbracht.
Der VfR steigt in die Regionalliga Südwest auf und setzt damit ein starkes Zeichen im württembergischen Fußball.

Und das Beeindruckende daran:
Eigentlich war dieser Erfolg erst für nächstes Jahr geplant.
Doch manchmal beschleunigt Fußball seine eigenen Geschichten.

Das 4:0 gegen Neckarsulm in Heilbronn war mehr als nur ein Sieg.
Es war die Krönung monatelanger Arbeit.
Schon nach 25 Minuten war klar: Mannheim spielt nur 3:3 in Villingen. Der VfR ist Meister. Viele Mannschaften hätten danach Spannung verloren. Doch Aalen spielte weiter mit Hunger, mit Kontrolle und mit der Aura eines echten Champions.



Campagna eröffnete den großen Feier-Abend am Nachmittag.
Hannam erhöhte.
Meien legte nach.
Maksimovic setzte den Schlusspunkt.

Vier Tore wie vier Hammerschläge auf die Tür zur Regionalliga. Und auch noch schön anzusehen, zollten selbst die Gegner von Türkspor Neckarsulm Respekt und gratulierten später voller Anerkennung!

Die Bilder danach waren emotional.
800 Fans machten Heilbronn kurzzeitig zu Aalener Stadtgebiet. Gesänge. Fahnen. Emotionen. Und später verlagerte sich die Feier tief hinein in die Aalener Innenstadt.

Diese Stadt hatte wieder das Gefühl, der VfR lebt. Großen Anteil daran trägt Cheftrainer Beniamino Molinari. Er wurde genau für diesen Auftrag verpflichtet. Den VfR dorthin zurückzuführen, wo Vereine wie Göppingen bereits angekommen waren: in die Regionalliga Südwest. (Und wieder runter mussten.)

Und Molinari lieferte.
Doch Erfolg im Fußball entsteht nie allein.

Giuseppe Catizone bildet gemeinsam mit ihm ein Trainerduo, das Fußball nicht nur versteht, sondern lebt. Beide bringen Erfahrung aus höheren Spielklassen mit. Beide wirken authentisch. Beide verbinden Emotion mit Analyse. Und vor allem, beide heben immer auch das Funktionsteam, und weitere Trainer des Teams hervor.

Das ist heute selten geworden.

  • Viele Trainer wollen modern wirken.
    Viele Trainer wollen sich inszenieren.
    Doch Molinari und Catizone wirken wie Fußballarbeiter alter Schule – nur mit modernen Ideen.
  • Akribisch. Detailverliebt.
    Klar in der Kommunikation.

    Vor allem aber: glaubwürdig.

    Die Mannschaft folgte ihnen blind.

    Das war während der gesamten Saison sichtbar.
    Variable Systeme. Flexible Rollen. Hohe Intensität. Gleichzeitig Stabilität und Ordnung. Der VfR konnte dominant auftreten, aber auch leiden. Er konnte Tempo spielen oder geduldig sein.

    Genau diese Balance macht Meistermannschaften aus.

    Interessant war auch die emotionale Seite nach dem Spiel. Beide Trainer bedankten sich öffentlich bei ihren Familien und besonders bei ihren Frauen.

    Ein oft unterschätzter Aspekt im Fußball.

    Trainer leben nicht nach Uhrzeiten.
    Sie leben in Spielplänen, Analysen und Drucksituationen. Die Familie trägt vieles mit. Sie stabilisiert. Sie opfert Zeit. Sie fängt Emotionen auf.

    Deshalb wirkten diese Worte ehrlich.

    Und Ehrlichkeit war ohnehin ein Markenzeichen dieser Saison.
  • Auch im Vorstand.
    Denn selbst Präsident Michael Schäfer wurde anfangs skeptisch betrachtet. Viele wollten erst Ergebnisse sehen. Doch gemeinsam mit Sportdirektor Marc Elser und Mehmet Deli entstand eine bemerkenswert ruhige Führungsebene.

    Keine großen Schlagzeilen.
    Keine öffentlichen Machtkämpfe.
    Keine Selbstdarsteller.

    Sondern Struktur.

    Der Vorstand schuf die Rahmenbedingungen und ließ die sportliche Verantwortung dort, wo sie hingehört: beim Trainerteam.

    Ein entscheidender Faktor. Gerade im Amateur- und Halbprofifußball scheitern viele Projekte an Eitelkeiten und internen Reibungen. In Aalen dagegen entstand Vertrauen.

    Und Vertrauen ist im Fußball oft wertvoller als jedes Budget.

    Vor einigen Wochen gratulierte sogar Göppingens Gästecoach Gianni Coveli bereits frühzeitig zur Meisterschaft. Auch das zeigte, wie dominant und konstant dieser VfR in dieser Saison agierte. Das Derby mit mehreren italienischen Trainern an der Seitenlinie hatte ohnehin besonderen Charme. Leidenschaft. Emotion. Temperament.

    Man spürte förmlich:
    Hier geht es um mehr als nur Punkte.

    Fußball ist Kultur. Fußball ist Familie. Fußball ist Identität.
    Und genau diese Identität hat der VfR Aalen zurückgewonnen.
    Vielleicht liegt darin die größte Leistung dieser Saison. Nicht nur der Aufstieg.

    Sondern die Tatsache, dass Fans und Stadt wieder gemeinsam hinter diesem Verein stehen.

    Drei Spieltage vor Saisonende darf gefeiert werden. Verdient gefeiert werden.

    Doch gleichzeitig beginnt jetzt bereits die nächste Herausforderung.

    Die Regionalliga wird härter.
    Schneller. Noch einen Tick professioneller. Kurz, die Regionalliga ist größtenteils bereits Profibetrieb. Aber Aalen wirkt vorbereitet.
    Nicht nur sportlich.

    Sondern strukturell.

    Und genau deshalb fühlt sich dieser Aufstieg nicht wie ein Zufall an.

    Sondern wie der Beginn von etwas Neuem.

    Vielleicht wird es noch dauern bis zur Rückkehr in den Profifußball. Vielleicht wird der Weg steinig.

    Doch der VfR Aalen hat wieder eine Richtung.

    Und manchmal ist genau das im Fußball der wichtigste Sieg überhaupt. Die eindrucksvollen Fans feierten dies bis spät in die Nacht, oder besser, in den frühen Morgen hinein. Der pure Wahnsinn, wie Giuse und Beni immer wieder kopfschüttelnd vor Freude festhielten…

    Giovanni Deriu

Aktuell++ aktuell! Italien fehlt mit seiner Squadra Azzurra – ist aber bei der WM dabei: Wie der Maschinenraum des Calcio den Weltfußball weiter antreibt… ganz ohne italienisches „Knowhow geht es doch nicht!

Der italienische Fußball taumelt noch – die Nationalmannschaft hat die WM verpasst, die Wunden sind frisch, die Stimmung irgendwo zwischen Melancholie und Espresso doppio. Aber – und jetzt kommt der Teil, bei dem man die Augenbraue hebt – ganz weg ist Italien von der großen Bühne eben doch nicht. Denn wenn die Welt 2026 in Nordamerika rollt, steht „Made in Italy“ weiterhin geschniegelt an der Seitenlinie. Und zwar nicht zu knapp.

Zusammenfassung – süffisant, aber sauber gespielt

Also gut: Italien fährt nicht zur WM. Sagt das Ergebnis von Zenica, und das ist so endgültig wie ein schlecht verteidigter Standard in der Nachspielzeit. Aber wer glaubt, die Italiener bleiben im Juni alle am Strand von Rimini, hat das Spiel nicht verstanden.

Denn während die Azzurri zu Hause die Narben zählen, exportiert Italien weiter das, was es seit Jahrzehnten kann: Fußballhirn, Taktik, Staff-Power.

Allen voran Carlo Ancelotti. Der Mann, der jetzt ausgerechnet Brasilien organisiert – also Defensive zuerst, Struktur rein, und vorne dürfen dann Künstler wie Vinícius tanzen. Ein bisschen wie ein Architekt, der in Rio plötzlich deutsche Baupläne ausrollt. Funktioniert? Sieht so aus.

Dann Vincenzo Montella. Der „Aeroplanino“ hat die Türkei zurück zur WM gebracht – nach 24 Jahren Pause. Und das mit einem Team, das mehr kann, als viele denken. Viertelfinale bei der EM, solide Gruppe bei der WM – Montella liefert. Leise, aber effizient. Kein Spektakel, sondern Substanz.

Und Fabio Cannavaro? Der Weltmeister von 2006 schreibt das vielleicht charmanteste Kapitel: WM-Debüt mit Usbekistan. Ein Fußballmärchen zwischen Moscheen und Außenseiterträumen. Und ganz ehrlich – genau solche Geschichten machen Turniere groß.

Die eigentliche Pointe – Italiens unsichtbare Armee

Jetzt wird’s interessant. Denn Italien ist nicht nur Trainerland, sondern eine Art geheime Supermacht im Maschinenraum des Fußballs:

Fitnesstrainer, die mehr laufen als die Spieler
Physiotherapeuten, die Karrieren verlängern
Analysten, die Gegner seziern wie Chirurgen

Beispiele? Bitte sehr:

Yuri Annecchiarico bei Frankreich – Weltmeister 2018, wieder heißer Kandidat.
Guido Nanni in Algerien – der Mann vom legendären Totti-Selfie, arbeitet nun Trainer Petkovic zu.
Mario Pafundi – vom Radsport zum Vertrauensphysio eines der besten Stürmer der Welt.
Fabio Massimo Francioni – Sportwissenschaftler beim Katar-Team.
Andrea Lanfranco – Daten, Reha, Präzision bei der Schweiz.

Das ist kein Zufall. Das ist System. Italien liefert keine Masse mehr auf dem Feld – aber Klasse hinter den Kulissen.

Fazit, das Hoffnung macht

Die bittere Wahrheit: Italien fehlt auf dem Platz.
Die süße Wahrheit: Italien ist trotzdem überall.

Vielleicht ist genau das die neue Realität: weniger Hymne vor dem Spiel, mehr Einfluss währenddessen. Weniger Pathos, mehr Professionalität.

Oder, um es im passenden Ton zu sagen:
Italien hat die WM verpasst – aber den Fußball noch lange nicht.

Giovanni Deriu

Quelle: La Gazzetta dello Sport

(https://www.gazzetta.it/Calcio/nazionali/storie/03-04-2026/ancelotti-montella-cannavaro-gli-italiani-che-vanno-al-mondiale/gli-italiani-al-mondiale.shtml)

Reportage – Fußball-WM 2026: ohne Squadra Azzurra! Zenica: Italiens dritter Sturz ins Nichts. Diesmal scheitert Italien an Bosnien. Schon zum dritten Mal berichten wir hier auf dem Blog, über das Aus der Italiener… Die Probleme liegen viel tiefer, als gedacht!

Es ist nicht mehr nur ein Scheitern. Es ist ein Muster. Bosnien schickt eine ganze Fußballnation ins Tal der Tränen – und wenn nicht in Depressionen, dann aber zumindest in tiefe Melancholie.

In Bosniens Zenica vor knapp 10.000 Fans, im engen Stadion, das rein gar nichts mit den oft künstlichen Arenen zu tun hat, vollendete sich am Dienstagabend, was sich seit Jahren ankündigt: Die italienische Nationalmannschaft ist zum dritten Mal in Folge nicht bei einer Weltmeisterschaft dabei.

Ein Drama pur. Erst nach Elfmeterschießen fiel die Entscheidung zur WM-Teilnahme. Unentschieden 1:1 hieß es nach regulärer Spielzeit, die Verlängerung verlief torlos. Dann wurde die Niederlage gegen das ‚kleine‘ Bosnien bittere Realität. Aus, finito la festa, 2:5. Gefeiert haben die Bosnier. So nüchtern lässt sich das Ergebnis zusammenfassen.

Aber die Wahrheit dahinter ist alles andere als nüchtern. Sie ist laut. Und sie ist unangenehm. Italiens Problem, das vermuteten schon viele Experten und Schwarzmaler im Vorfeld, sitzt tiefer – im Kopf.

Auf dem Papier war Italien besser: mehr Qualität. Mehr Erfahrung. Mehr Fußball-Geschichte.
Doch auf dem Papier wurde noch nie ein Tor geschossen. Zenica hat das ein für alle Mal klargemacht.

Scheitern I: Der Kopf ist schwach – und keiner will es hören

Die größte Lüge dieses italienischen Fußballs ist, dass es an Details liegt. Tut es nicht. Italien scheitert nicht an Taktik. Auch nicht an Technik. Nicht einmal am Talent. Italien scheitert wieder einmal an sich selbst.

Zweimal hat man bereits die WM verpasst – 2018 und 2022. Jetzt ein drittes Mal. Kaum zu glauben, dass Italien die Europameisterschaft 2021 in England gewann.

Das Verpassen einer WM zum dritten Mal nacheinander ist kein Ausrutscher mehr. Das ist fast schon eine neue Fußballidentität. Und trotzdem klammert man sich an gestern. An 1982. An 2006. An Namen wie Dino Zoff, Paolo Rossi oder Del Piero und Totti, sowie Weltmeistertrainer Marcello Lippi.

Vergangenheit als Betäubung. Nicht mehr als Inspiration, als es noch echte Charaktere gab. Starke Typen. Dabei hatte einer den Finger in die Wunde gelegt: Gennaro Gattuso, der Nationaltrainer selbst. Keine Poesie. Keine Ausflüchte. Seine Botschaft war klar: arbeiten, leiden, Verantwortung übernehmen. So ist ‚Rino‘ Gattuso selbst Weltmeister unter Lippi geworden. 2006 in Berlin.

Nach dem Spiel stand der ‚Cití‘, commissario tecnico, mit glasigen Augen da. Das Spiel hatte ihn arg mitgenommen, über 120 Minuten coachte er sein Team, das über 80 Minuten in Unterzahl spielen musste. Teamchef Gattuso entschuldigte sich, dass es leider „wieder nicht gereicht“ habe, diese Niederlage sei nur schwer zu verdauen. Eine Niederlage, die größer ist als er. Vielleicht ist genau das das Problem: Die Ehrlichen tragen die Schuld. Die Verantwortlichen schweigen.

Scheitern II: Das System schützt sich, nicht den Fußball

Wer jetzt über den Schiedsrichter spricht, hat nichts verstanden. Ja, es gab natürlich strittige Szenen. Und ja, es gab eine rote Karte. Aber das sind Symptome. Keine Ursachen. Die Ursache liegt dort, wo selten Kameras sind: Im System. Im italienischen Fußballverband, in dessen Ausrichtung.

Wenn zum Beispiel im Jugendbereich Beziehungen wichtiger sind als Leistung, wo
(subtile) Korruption kein Skandal mehr ist, sondern ein offenes Geheimnis, dann stirbt der Fußball nicht spektakulär. Er verrottet langsam, von innen. Und alle sehen zu.

Hat die FIGC, die italienische Fußball-Federation, je den Mut gehabt, das offen anzusprechen? Nein, natürlich nicht. Einschnitte tun weh. Und kurzfristige Erfolge, wie der EM-Titel vor fünf Jahren in London, übertünchen Flecken und Risse im System. Es wird viel diskutiert – aber hinter verschlossenen Türen. Geflüstert statt gehandelt. Warum?

Weil zu viele abhängig sind. Zu viele profitieren. Zu viele Angst haben, ausgeschlossen zu werden. Also redet man, macht aber weiter wie bisher. Das ist kein Versagen mehr. Das ist ein System, das sich selbst schützt.

Diejenigen, die konstruktive Kritik üben, werden nicht gehört oder vertröstet. Es gibt etliche gute und integre Scouts und Beobachter in Italien. Allein, das System ist stärker, wie ein Abwehrbollwerk – das Catenaccio: Dafür waren die Italiener einst gefürchtet auf dem Platz. Mit viel Mentalität und Gattusos Coaching an der Außenlinie hielt die Abwehr bis zum Elfmeterschießen auch stand.

Die Arroganz vor dem Fall

Bosnien? „Machbar.“ Ein Wort, das wie ein Bumerang zurückschlug. In sozialen Medien lachte man erfreut über den Gegner Bosnien, der Wales bereits eliminiert hatte – nach Elfmeterschießen. Auch Federico Dimarco relativierte später. Zu spät.

Denn Bosnien spielte nicht auf „Machbarkeit“. Bosnien spielte mutig. Klar. Entschlossen, wie es die Kräfte noch zuließen. Das muss man anerkennen. Sie waren nicht größer. Nicht berühmter. Aber sie waren bereit. Und genau das hat gereicht.

Während Italien dachte, Erfahrung werde irgendwie reichen, hat Bosnien gehandelt. Während Italien zweifelte, hat Bosnien geglaubt. Das ist kein Zufall. Das ist ein Urteil. So empfanden es jedenfalls viele Fans und Beobachter.

Eine Generation ohne Erwartung

Es gibt junge Italiener, für die eine Weltmeisterschaft ohne Italien normal ist. Nicht schockierend. Fast nicht mehr tragisch. Einfach normal. Früher (!) zählte Italien stets zum erweiterten Favoritenkreis. Das ist der eigentliche Kollaps. Der Fußball – il Calcio – war einmal mehr als Sport. Er war Stolz. Identität. Drama.

Heute ist er oft nur noch Erinnerung. Und Erinnerungen schießen keine Tore. Die Medien drehen durch. Die Fans toben. Und der Name Gabriele Gravina, der Verbandspräsident, steht im Zentrum der Kritik. Vielleicht fällt er. Vielleicht nicht. Aber, es wäre nun, nach einer Pleitenserie, längst überfällig. Aber selbst wenn – das reicht nicht. Ein neues Gesicht ändert kein krankes System.

Keine Ausreden mehr

„Italiener verlieren Kriege, als seien es Fußballspiele – und sie verlieren Fußballspiele, als seien es Kriege.“ Ein Satz, oft Winston Churchill zugeschrieben. Heute klingt er weniger wie Spott. Mehr wie Diagnose. Denn Zenica war keine Niederlage. Es war ein Spiegel.

Keine Ausreden mehr. Kein „Pech“. Kein „nächstes Mal“. Nur noch Wahrheit, bitte. Am Ende bleibt nur Stille, nach dem Fiasko und Drama im Hexenkessel von Zenica. Ein Trainer wie Gennaro Gattuso, der Tränen verdrückt. Ein Team, das gekämpft hat – aber etwas nicht gereicht hat.

Ein Land, das sich entscheiden muss: zurück zur Realität oder weiter in die Illusion. Irgendwo klingt es fast schon zynisch, aber auch ein wenig poetisch. Wie einst beim italienischen Barden, Lucio Dalla:
„Ma l’America è lontana …“, Amerika ist weit weg.

So weit wie dieser Traum. Vielleicht noch weiter. Vielleicht – auf der anderen Seite des Mondes. Bei der WM in Amerika, Mexiko und Kanada jedenfalls, wird man die Squadra Azzurra vielleicht vermissen. Vielleicht aber auch nicht …

Giovanni Deriu

Der Bericht erschien zuerst hier, bei TichysEinblick:

Fußball, Scouting & Akteure: Reportage – Der VfR Aalen auf dem Weg nach Oben! Im Heimspiel besiegte das Molinari-Team den Regionalliga-Absteiger, 1. Göppinger SV, mit 3:1! Es war ein umkämpftes Match, und am Ende gratulierte GSV-Gästecoach Gianni Coveli bereits zur Meisterschaft… Ein interessantes Derby und drei italienische Trainer an der Seitenlinie – da war was geboten!

Eines steht fest, Beniamino Molinari wurde extra dafür verpflichtet, mit dem VfR Aalen dorthin zurückzukehren, also aufzusteigen, woher der Gegner aus Göppingen gekommen ist: nämlich in die Regionalliga Südwest. Und es sieht nach dem 3:1-Sieg über den Göppinger SV auch ganz gut aus. Es war ein Ergebnis mit Signalwirkung im Aufstiegsrennen der Oberliga Baden-Württemberg. Der Tabellenführer baut seinen Vorsprung auf fünf Punkte vor dem VfR Mannheim aus – und hat dazu sogar noch ein Spiel weniger absolviert.

Doch dieses Spiel war mehr als nur ein weiterer Dreier.

Es war ein Derby mit Atmosphäre, taktischer Würze – und italienischem Trainerflair an der Seitenlinie

Drei italienische Trainer prägen das Oberligaderby
Im Mittelpunkt standen drei Trainerpersönlichkeiten: Gianni Coveli. Beniamino Molinari und Giuseppe Catizone.

Auf Göppinger Seite steht mit Coveli eine echte Institution. Der frühere Mittelfeldspieler – unter anderem bei den Stuttgarter Kickers – prägt den Göppinger SV seit vielen Jahren. Als Trainer führte er den Verein Schritt für Schritt nach oben und schaffte sogar den Sprung in die Regionalliga Südwest.

Gianni Coveli gilt als Trainer mit klarer Spielidee: offensiver Fußball, Mut zum Risiko und Vertrauen in junge Talente. Schon als Spieler dachte er taktisch, und zwar wie ein Trainer – der verlängerte Arm der Bank auf dem Platz.

In Göppingen ist er längst mehr als nur Coach. Er ist Sportvorstand, Impulsgeber und Identifikationsfigur zugleich. Besonders gefeiert wurde er in der Saison seines zehnjährigen Trainerjubiläums, als der Verein sportlich große Erfolge erlebte. Der Aufstieg in die Regionalliga war das berühmte i-Tüpfelchen. Leider, ging es nach nur einer Saison wieder hinunter in die Oberliga. Das war ganz klar „Lehrgeld“ das sie in der Regionalliga bezahlen mussten, gibt Coveli zu. In einer Liga, in der an die 12 Vereine unter absoluten Profibedingungen trainieren, war der Göppinger SV eben immer noch ein Club mit Amateurflair, gegebenenfalls ein Hauch von Semiprofessionalität, aber trainiert wurde eben meist feierabends, erst nach der Arbeit der Spieler und Trainer. Und klar, auch Geld und Sponsoren sind in der Regionalliga enorm wichtig. In der nächsten Saison 2026/27 möchte Coveli mit dem GSV einen neuen Anlauf starten. Die Kaderplanungen laufen bereits, bestätigte der Chefcoach.

Doch an diesem Nachmittag stand ihm, Gianni Coveli, ein Trainerduo gegenüber, das aktuell die Schlagzeilen in Aalen prägt.



Beniamino Molinari – vom Torjäger zum Trainer

Cheftrainer Beniamino Molinari ist ein Fußball- und Familienmensch durch und durch. Der gebürtige Schwäbisch Gmünder war früher selbst ein gefürchteter Strafraumstürmer. Über 200 Tore soll er in rund 23 Jahren aktiven Fußball erzielt haben – genau gezählt hat er nie. Seine erfolgreichste Zeit hatte er beim, mit dem er mehrere Titel gewann.

Früh zeichnete sich ab, dass Molinari dem Fußball auch nach seiner Spielerkarriere treu bleiben würde.

Trainerstationen bei der TSG Backnang und beim TSV Essingen machten ihn im süddeutschen Amateurfußball schnell bekannt. Seine Teams spielten offensiv, intensiv und mutig – genau so, wie Molinari selbst den Fußball liebt.
„Offensiv, wild und voller Energie“, so beschreibt er seine Spielphilosophie.

Der nächste Schritt führte ihn sogar in den Profifußball. Sein früherer Weggefährte Alexander Zorniger holte ihn zum zypriotischen Spitzenklub Apollon Limassol. Sie feierten auf Anhieb die Meisterschaft, und der Jubel war grenzenlos. Wir, von Checkfussballberater.de berichteten bereits (https://checkfussballberater.de/fussball-portraets-und-biographien-das-bewegte-trainerleben-des-beniamino-molinari-bereits-im-amateurfussball-machte-er-sich-im-sueddeutschen-raum-einen-namen-als-co-trainer-von-alexander-zorniger/ ).

Später arbeitete Molinari im Trainerstab des Traditionsvereins FC Schalke 04 unter Frank Kramer.

Erfahrungen, die ihn geprägt haben.

„Der Profifußball tickt anders“, sagt Molinari heute. „Das muss man wissen.“
Trotz verschiedener Anfragen anderer Vereine blieb er stets ruhig und analysierte, welcher Verein tatsächlich in Frage käme. Molinari reflektiert seine Erfahrungen, arbeitete zwischendurch an weiteren Trainerlizenzen und entwickelt dabei auch seine Ideen weiter – ohne Hektik – und das kommt nun, wie man sieht, dem VfR Aalen zu Gute, für den sich Molinari letztendlich bewusst entschied – nicht weit von Daheim entfernt, und dass man in Aalen etwas bewegen kann, wusste „Beni“ Molinari sofort, selbst, wenn es im Aalener Umfeld nie richtig einfach zu sein scheint. Ein Auf- und Ab, in den vergangenen Jahren. Doch jetzt, wirkt alles viel professioneller im Rohrwang. „Natürlich ist das Umfeld auch wichtig, damit die Trainer und Spieler in Ruhe und konzentriert arbeiten können“, unterstreicht Molinari.

Giuseppe Catizone – der ruhige Taktiker im Trainerteam

An Molinaris Seite arbeitet Giuseppe Catizone, ehemaliger Bundesligaspieler des VfB Stuttgart. Beim VfB in der Jugend wurde „Giuse“ auch ausgebildet.

Catizone gilt als analytischer Kopf im Trainerteam des VfR Aalen. Während Molinari emotional und impulsiv coacht, sehr wichtig für eine offensive Spielweise mit steter Kontrolle über die Abwehr, bringt Catizone all seine Ruhe(das ist auch sein Naturell), Struktur und Erfahrung ein.


Standardsituationen, Spielanalyse, taktische Feinheiten – vieles läuft über seine Vorbereitung (wichtige Details, die ein Spiel mitentscheiden können, interessant auch das Interview mit Giuse von einst: https://www.rund-magazin.de/news/1461/80/Interview-Giuseppe-Catizone/ ). Gleichzeitig ist er für viele Spieler ein wichtiger Ansprechpartner, der seine Erfahrungen aus dem Profifußball weitergibt. Und da hat der Italoschwabe aus Fellbach ein großes Repertoire. Bereits der FSV Waiblingen konnte von Catizone profitieren, denn vor der Anfrage Molinaris und seinem Engagement in Aalen, brachte Catizone die Waiblinger in die Verbandsliga. Gleich nach der Meisterfeier in Waiblingen, fanden bereits der Ideenaustausch und die Planungen für die neue Oberligasaison in Aalen statt.

Die beiden Trainer, „Moli“ und „Giuse“, kennen sich seit mehr als zwanzig Jahren – damals standen sie gemeinsam bei Normannia Gmünd auf dem Platz. Beide wurden auch von Alexander Zorniger geprägt.
Heute funktioniert diese Kombination auch auf der Bank: Emotionales und motivierendes Coaching, trifft auf Analyse, und „Ruhig Blut, con calma“, wenn es zu hitzig auf dem Feld wird. Kurz, die Spieler, das merkt man, fühlen sich gut aufgehoben und supported.

Göppinger SV überrascht den Tabellenführer

Für ein tolles Derby war alles angerichtet. Das Spiel selbst begann allerdings überraschend. Der Göppinger SV startete stark, technisch sauber und aggressiv in den Zweikämpfen. Das kompakte 5-3-2-System funktionierte hervorragend. Manchen vielleicht etwas zu defensiv, doch dazu muss man dann die Spielweise Covelis verstehen, und auch erklären, dass nämlich die Abwehrspieler, zum Beispiel Bastian Frölich und auch Filip Milisic, die Order haben, sich immer wieder in die Offensive zu begeben. Und das trägt tatsächlich oft Früchte.

Bereits in der 7. Minute gingen die Gäste verdient in Führung. Torschütze? Abwehrspieler Frölich, über eine schöne „Kombi“ mit Milisic. 0:1, aus Sicht des VfR.

An der Seitenlinie reagierte Molinari sofort:
„Kommt, aufwachen…!“

Der VfR Aalen hatte zunächst Mühe, ins Spiel zu finden. Das eigene 4-5-1, wirkte oft eher wie ein 4-4-2-System, griff jedoch noch nicht richtig, während Göppingen diszipliniert verteidigte.

Das Eigentor der Göppinger war dann schon eine Art Wendepunkt.

Es fiel das Tor, das dem Spiel eine neue Richtung gab. Das 1:1 entstand plötzlich – ein Eigentor aus dem Nichts, bestätigten beide Trainer nach der Partie.

„Erst dann konnten wir uns etwas befreien“, erklärte Molinari später.

Der Treffer brachte Aalen zurück ins Spiel. Der Tabellenführer gewann mehr Kontrolle im Mittelfeld und fand zunehmend besser in die Partie. Die VfR-Abwehr kann man schon als Kernstück bezeichnen, Sicherheit ist wichtig, aber dennoch zeigt Molinaris Spielphilosophie, dass so schnell wie möglich nach Ballgewinn, über die Schnittstellen im Mittelfeld, nach vorn gespielt wird. Wichtig sind beim VfR Aalen die „Achsenspieler“, Döringer, sowie der erfahrene Ali Odabas, und je nachdem, über welche Seite, Reece Hannam, der sich für keinen Weg zuweit ist, wie auch der Trainer festhielt (Molinari: „Normalerweise, lobe ich Einzelne selten…“). Oft geht es dann geht flugs über Luigi Campagna,der Bälle sichert und abfängt aber gleichzeitig, sehr schnell Kindsvater oder Maksimovic sucht. Kindsvater und Maksimovic bekamen dann auch viel Freiraum, da Antlitz die Göppinger Abwehr beschäftigte, und auch Vico Meien wirbelte, rannte des Sechzehner an, und schuf Räume für Maksimovic, der immer wieder gefährlich agierte.

VfR Aalen dreht das Derby
Nach der Pause wurde der VfR stärker. In der Halbzeit wurden wohl nochmals Abläufe erklärt.

In der 54. Minute erzielte Kindsvater die Aalener Führung. Die OstalbArena explodierte förmlich vor Begeisterung. Die Fans sangen, trommelten und machten Rabatz. Nach den Toren ertönte aus den Lautsprechern ein Lied, das inzwischen fast schon zum Aalener Heimspiel gehört: „E vola, vola…“ – die pure Partystimmung, da springen dann auch die Fans auf der Tribüne von ihren Sitzen und feiern. Ja, das kann man schon sagen, VfR-Stadionsprecher, Michael „Flex“ Flechsler, beherrscht die Klaviatur der guten Laune, besonders, wenn das Wetter grau und trüb ist.

Der bekannte Stadionsprecher des VfR Aalen: Michael „Flex“ Flechsler

Ein passender Soundtrack zudem – denn der VfR schien nun tatsächlich zu fliegen. Vieles ging nun leichter, so schien es, dennoch gaben die Göppinger nie auf, kämpften um jeden Ball und Zentimeter auf dem Feld. Viele dachten wirklich, entweder ein 3:1 oder es endet 2:2.

Die Entscheidung fiel schließlich in der 84. Minute. Maksimovic, ein überragender und umsichtiger Spieler, traf zum 3:1 und machte den Derbysieg perfekt.

Kurz vor Schluss war Molinaris Stimme noch einmal über den Platz zu hören:

„Hey – Nur noch 5-4-1 bitte!“, die Order ging an seine Mannen, vier Minuten Nachspielzeit – dann war das Spiel entschieden.

Große Emotionen nach dem Schlusspfiff
Nach dem Abpfiff feierten die Aalener Fans ausgelassen. Stadionsprecher„Flex“ ließ die Stimmung noch einmal hochleben.

Auf Göppinger Seite dagegen herrschte eher Nachdenklichkeit.

Trainer Coveli analysierte das Spiel nüchtern:

„Aalen ist wirklich eine Klasse für sich. Ein Unentschieden wäre jedoch gerechter gewesen.“ Dann folgte ein Satz, der für ein hörbares Raunen sorgte:

„Sei’s drum – ich gratuliere dir, Beni, schon jetzt zur Meisterschaft.“

Ein Derby mit Bedeutung für die Oberliga

Ob diese Prognose tatsächlich eintrifft, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
Doch eines steht fest: Der VfR Aalen ist aktuell das Maß der Dinge in der Oberliga Baden-Württemberg. Der Göppinger SV wiederum bleibt ein Gegner, der mit Leidenschaft, Organisation und Trainerkompetenz jedem Team Probleme bereiten kann. Und wenn diese beiden Mannschaften aufeinandertreffen, entsteht fast immer das, was Fußballfans lieben: Ein intensives Derby voller Emotionen, Geschichten und Charaktere.

Giovanni Deriu

NACHTRAG, ein Kurz-Interview mit Marc Elser, der als Sportdirektor auch maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass das Team, der Kader, und alle die dazugehören, in Ruhe arbeiten können. Wir erreichten ihn am nächsten Tag, Marc Elser war beruflich, wie so oft, „on the road“.

Hallo Marc, Du als Sportlicher Leiter, hast natürlich auch einen Anteil am bisherigen Erfolg, hattest Du damit gerechnet, dass er sich so schnell einstellt?
Marc Elser: In gewisser Hinsicht kann man den Erfolg natürlich ein Stück weit planen, dass wir aber mittlerweile im zweiten Jahr (Anmerkung: vom auferlegten Dreijahresplan) mit so einer Dominanz momentan die Liga beherrschen, ist natürlich sensationell. Die Stellschrauben an denen wir in den vergangenen anderthalb Jahren gedreht haben, scheinen ineinander zu greifen. Dennoch sind wir noch lange nicht durch, und stehen erst am Anfang unserer Vision…

Ab wann plant man konkret für die Regionalliga, laufen bereits die ersten Schritte dafür?
Marc Elser: Natürlich planen wir zweigleisig, für die Ober – aber genauso wie für die Regionalliga Südwest. Die jeweiligen Lizenzanträge liegen bereits den Verbänden vor. Die sportliche Planung begann bereits im vergangenen Jahr, schon im Laufe der Vorrunde.

Was glaubst Du, welche Hauptgründe es dafür gibt, dass der VfR auch insgesamt wieder besser in der Stadt, und bei den Fans, ankommt?
Marc Elser: Natürlich trägt der momentane sportliche Erfolg immer etwas dazu bei. Ich denke aber auch, dass die Region unsere Arbeit im Verein wahrnimmt, und sieht, dass durch diese wachsende Gemeinschaft im Umfeld, neue Dinge entstehen und wachsen können. Wir im Präsidium, und auch da sind wir ein Team, versuchen sehr transparent, bodenständig und nachhaltig zu arbeiten. In der Hoffnung, dass das auch genauso angenommen wird.

Danke für Deine Zeit.

Porträts und Biographien: Auf ein Telefonat mit Martin Andermatt. Eigentlich sollte der ehemalige Aufstiegstrainer des SSV Ulm, als Sportdirektor beim FC Yverdon-Sport die Geschicke lenken. Doch nun ist Andermatt (ganz aktuell und notgedrungen), als Interimstrainer beim schweizer Challenge-League-Club, der zweithöchsten Liga, eingesprungen. Das fast Unmögliche, der Wiederaufstieg, soll möglich gemacht werden. Ausgesprochen ruhig wirkt Andermatt…

Rettungsmission am Neuenburgersee – Ein Telefonat mit Martin Andermatt

Der Fußball schreibt Geschichten, und manchmal schließt sich ein Kreis. Als ich dieser Tage spontan mitMartin Andermatt telefoniere, klingt seine Stimme ruhig, wie immer, ja, unaufgeregt – aber auch fokussiert. Es sind intensive Tage beim Yverdon-Sport FC. Der Traditionsklub aus der Westschweiz steckt in einer schwierigen Phase, und ausgerechnet jetzt ist Andermatt wieder ganz nah dran an der Linie. Der 64-Jährige hatte eigentlich eine andere Rolle im Verein. Als „sportlicher Verantwortlicher“, also Sportdirektor, plante er langfristig. Doch im Fußball kommt es oft anders. Nun steht er selbst wieder im Mittelpunkt der täglichen Arbeit auf dem Trainingsplatz.

„Im Moment denke ich 24 Stunden an diese Mission“, sagt Martin Andermatt im Gespräch. Seine Worte wirken nicht dramatisch – eher nüchtern. Wer ihn kennt, und seine sportliche Vita bereits als Jugendlicher in Deutschland verfolgte, weiß: Genau so arbeitet er.

Zeit ist gerade ein knappes Gut. Das merkt man auch am Telefon. Der Schweizer Trainer entschuldigt sich fast, dass das Gespräch kurz bleiben müsse.Training, Analyse, Gespräche mit Spielern, Austausch mit dem Staff – die Tage sind voll. Doch trotz der Situation nimmt er sich einen Moment, um über Fußball zu sprechen. Über Spieler. Über Chancen. Und über Geduld. (https://www.blick.ch/sport/fussball/challengeleague/wiederaufstieg-weit-weg-trainerknall-bei-yverdon-ursea-muss-gehen-id21766675.html )

Immer wieder erreichen ihn Anfragen – auch von Probespielern, Beratern und auch Scouts (so wie wir, das nur am Rande), oder jungen Talenten. Andermatt bleibt dabei konsequent. Der Proficoach: „Versprechen kann ich nichts“, sagt er offen.

Eine gute Analyse brauche Zeit. Wer helfen könne, müsse genau geprüft werden. Dabei gehe es nicht nur um Talent. Ganz entscheidend seien Charakter und Sozialverhalten. Erst danach komme das fußballerische Können. Und dann natürlich der Wille, sich durchzusetzen. Neue Spieler müssen zum Club passen, und natürlich werde zuerst in der eigenen Jugendabteilung gesichtet.

Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Karriere. Martin Andermatt ist sich immer treu geblieben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Spieler ihm zuhören.



Denn auch beim FC Yverdon-Sport, geht es jetzt um mehr als nur Taktik. Es geht um Identifikation. Um Verantwortung gegenüber einem Verein, einer Stadt und einer ganzen Region. Der Klub hat Tradition. Und genau daran erinnert Andermatt seine Mannschaft immer wieder. Wenn die Spieler wirklich wollen, wenn sie sich mit dem Verein und der Region identifizieren, wenn sie bereit sind zuzuhören – dann könne hier noch etwas entstehen. Großes vielleicht sogar, meinen wir. Aber klar, Andermatt ist näher dran. Realismus ist Pflicht momentan. Yverdon fiebert jedenfalls mit.

Es sind keine großen Parolen. Eher ruhige Überzeugungen. Und wer Andermatt kennt, weiß: Er sagt so etwas nicht leichtfertig.

Während des Telefonats denken wir auch kurz, abschweifend, an eine wichtige Station seiner Vergangenheit. Die Zeit beim SSV Ulm 1846. Ein Klub, der (leider) aktuell wieder um den Klassenerhalt in der 3. Liga kämpfen muss. Auch dort kennt man Andermatt als ruhigen, strukturierten Fußballarbeiter, und Aufstiegstrainer in die 1. Bundesliga. Die geordnete, laufintensive sowie offensive Spielweise war damals, 1999, im deutschen Fußball, schon etwas Sensationelles.

Und auch in Liechtenstein, beim FC Vaduz, sowie als Nationaltrainer der Liechtensteiner, einem Fußballzwerg, ließ Andermatt aufhorchen. Andermatt feierte mit der Nationalmannschaft im Fürstentum Liechtenstein historische Erfolge: ein 2:2 gegen Portugal und wenig später einen 4:0-Sieg in Luxemburg. 

Der Fußball kann manchmal seltsame Parallelen schreiben: Ulm kämpft derzeit gegen den Abstieg – und Yverdon steckt ebenfalls in einer wichtigen und schwierigen sportlichen Phase zugleich. Doch Andermatt, das spürt man, denkt nicht in Nostalgie. Sein Blick geht nach vorne. Analyse. Struktur. Gespräche.

Und Schritt für Schritt wieder Stabilität.

Für uns persönlich hat dieses Gespräch übrigens noch eine besondere Note. Schon vor Jahren haben wir uns journalistisch mit Martin Andermatt beschäftigt – damals für das Rund-Magazin sowie später auch für unseren Blog hier, CheckFussballberater.de. [ https://www.rund-magazin.de
ews/1562/80/Interview-Martin-Andermatt/]  ++++ [https://checkfussballberater.de/martin-andermatt-befreien-von-dem-was-einen-nach-unten-zieht/ ] Der Kontakt, und das erfüllt uns ein Stück weit mit innerer Freude, ist nie abgerissen.

Schon damals fiel auf: Dieser Trainer denkt langfristig. Und er legt Wert auf Menschen.

Vielleicht passt genau das gerade jetzt zu dieser Situation in Yverdon. Denn Rettungsmissionen im Fußball beginnen selten mit großen Schlagzeilen. Sie beginnen mit ehrlicher Arbeit. Mit Gesprächen. Mit Vertrauen.
Und mit einem Trainer, der sich selbst treu bleibt.
Wir bleiben jedenfalls in Kontakt – das ist gewiss.


Zur Person: Martin Andermatt

Martin Andermatt – wurde am 28. November 1961 in Baar in der Schweiz geboren. Als Profispieler war er vor allem im Schweizer Fußball aktiv, unter anderem beim FC Basel  sowie beim Club Grasshopper Zürich.

Nach seiner aktiven Karriere wechselte er früh ins Trainerfach und arbeitete bei verschiedenen Vereinen im Profi- und Nachwuchsbereich.
Zu seinen Trainerstationen gehörten unter anderem der FC Vaduz, Young Boys Bern, und auch der deutsche Traditionsverein SSV Ulm 1846, danach auch das Engagement bei Eintracht Frankfurt.

Zudem war er viele Jahre im Nachwuchsbereich des FC Basel tätig, wo er als Ausbilder junger Talente arbeitete. Seit einiger Zeit ist Andermatt beim FC Yverdon-Sport, in verantwortlicher Position aktiv – aktuell sogar wieder direkt an der Seitenlinie. Der 64-Jährige Proficoach, gilt als analytischer Trainer mit klaren Werten: Charakter, Teamgeist und Disziplin stehen für ihn an erster Stelle. Andermatt meinte auch, charakterfest und glaubwürdig, „müssen auch die Trainer selbst sein…“, und er fügt feinsinnig hinzu: Es gibt die Übungsleiter, „die über 750 Übungen abrufen können, und es gibt die Trainer, mit ihren gelebten Erfahrungen…“ Vielleicht genau die Mischung, die ein Klub in schwierigen Zeiten braucht. Egal, bei wem und wo, übrigens…

Giovanni Deriu

  • LINKS ZU INTERVIEWS MIT ANDERMATT

https://youtu.be/JdpKQMJSpZk?is=SwKpLt6hUCOcwI0t  (Wiedersehn 24 Jahre später, mit dem SSV Ulm)

https://youtu.be/fHrdn6W-0oA?is=NYsnepbGeCCAjGQK  (Im Kopf des Trainers)

Fußball, Akteure & Scouting, sowie Erkenntnisse! Der FC Bayern zerlegt Atalanta: Eine Lehrstunde im Champions-League-Fußball – und das, obwohl auch Atalanta einen gepflegten Fußball bieten kann…Ein paar Nachgedanken und eine Analyse

Atalanta Bergamo kassiert im Champions-League-Duell gegen den Bayern München eine deutliche Niederlage. Doch hinter dem klaren Ergebnis, steckt mehr als nur ein Klassenunterschied. Die Partie zeigt, wie groß die Lücke zwischen europäischer Elite und ambitionierten Herausforderern aktuell ist – und warum Atalanta trotzdem ein Vorbild im modernen Fußball bleibt – es kann ja gar nicht plötzlich alles falsch sein, was sich Atalanta Bergamo über Jahre aufgebaut hat – Ja, Bergamo wird gern nachgeahmt.
Bayern dominierte Atalanta jedenfalls in der Champions League komplett, und dieser Meinung sind auch die Redakteure des CORRIERE DELLO SPORT

Wir machten uns die Mühe, das Match nochmals anzuschauen, einmal komplett, und dann nochmals in Ausschnitten über 20 Minuten – und immer wieder wurden wir daran erinnert, was Trainerlegende Fabio Capello neulich bei den Kollegen von SkySport Italia sagte – die anderen europäischen Teams, und er meinte damals die Norweger von Bodø Glimt (Eine Zeitung titelte, „Bodø shaming“, nachdem die Norweger INTER MAILAND mit zwei Siegen aus dem Wettbewerb warfen), würden mit einem höheren Rhythmus spielen – die Italienischen Clubs würden hinterher laufen. Ich wiederum warf hier die Frage dazu auf, ob sich die Italiener nicht wieder auf ihre eigene DNA, der starken Abwehr, mit perfekter Raumdeckung, orientieren sollten, um laufstarke Mannschaften „totlaufen“ zu lassen, gute und schnelle Stürmer würden dann den Rest besorgen.

Bayern München zeigte in Bergamo jedenfalls eine der stärksten Offensivleistungen der Saison. Mit hohem Tempo, präzisem Passspiel und individueller Qualität kontrollierten die Münchner das Spiel von Beginn an.

Schon früh wurde deutlich, dass Atalanta Probleme haben würde, das Angriffsspiel der Bayern zu stoppen. Besonders über die Flügel erzeugten die Gäste immer wieder gefährliche Situationen. Der deutsche Rekordmeister nutzte seine Chancen konsequent und ließ dem italienischen Vertreter kaum Raum zur Entfaltung.

Taktische Entscheidung öffnet Räume
Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Formation von Atalanta.

Trainer Raffaele Palladino begann mit einem 4-4-2-System
– eine Abweichung von der gewohnten Dreierkette der Bergamaschi. Diese Umstellung führte dazu, dass Bayern häufiger Eins-gegen-eins-Situationen bekam.

Ohne zusätzliche Absicherung entstanden immer wieder große Räume in der Defensive. Genau diese nutzten die Münchner konsequent aus.

Michael Olise als Schlüsselspieler

Einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz war Michael Olise.

Der Offensivspieler sorgte mit Dribblings, Distanzschüssen und Vorlagen für permanente Gefahr. Sein Tor zum 2:0 sowie seine Beteiligung an weiteren Treffern machten ihn zum entscheidenden Faktor der Partie.

Die wichtigsten Spielstatistiken

Die Daten unterstreichen die Dominanz von Bayern München:

* Torschüsse: 25 (Bayern) – 11 (Atalanta)
* Schüsse aufs Tor: 13 – 3
* Expected Goals (xG): 4,58 – 2,09

Diese Zahlen zeigen deutlich, wie groß der Unterschied in Chancenqualität und Spielkontrolle war.

Atalanta bleibt trotzdem ein europäisches Erfolgsmodell

Trotz der Niederlage bleibt Atalanta eines der interessantesten Projekte im europäischen Fußball.

Der Klub hat sich in den letzten Jahren durch kluge Transfers, eine klare Spielphilosophie und wirtschaftliche Stabilität einen festen Platz im internationalen Wettbewerb erarbeitet.

Mit mehreren Champions-League-Teilnahmen und dem Gewinn der Europa League gehört Atalanta inzwischen zu den konstantesten italienischen Teams auf europäischer Bühne.

Es gibt Abende im europäischen Fußball, an denen man sich vorkommt wie auf dem Schießstand. Und wenn man Pech hat, ist man nicht der Schütze – sondern die Zielscheibe. Für Atalanta Bergamo war genau das der Fall. Bayern München spielte nicht einfach Fußball, Bayern hielt eine Vorlesung. Tempo, Präzision, individuelle Klasse – alles auf einem Niveau, das die Bergamaschi an diesem Abend schlicht nicht erreichen konnten.



Fazit

Die Niederlage gegen Bayern München ist schmerzhaft, aber sie ändert nichts an der Entwicklung von Atalanta.

Der italienische Klub zeigt weiterhin, dass sportliche Kompetenz und nachhaltige Planung auch im modernen Fußball Erfolg bringen können.

Gegen einen Gegner wie Bayern München reicht das manchmal trotzdem nicht.

Aber genau solche Spiele zeigen, wo sich der europäische Spitzenfußball aktuell befindet. Es existiert eben doch ein Gefälle, aber es kommt auch sehr darauf an, wieviele Experten den Trainer unterstützen, um im Vorfeld den Gegner und die Spieler richtig zu lesen…

Giovanni Deriu