Porträts & Biographien +++aus aktuellem Anlass, und mit Diskussionen, die in der Italienischen Serie A anhalten: Das AUS von Domenico Tedesco beim FC Bologna! Nach knapp 100 Tagen. Wir haben recherchiert, und uns einen Reim auf diese skurrile Kündigung gemacht…

Bologna und Domenico Tedesco: Eine zu kurze Romanze. Viel zu früh beendet, um wirklich zu wissen, was möglich gewesen wäre…

Einen Trainer nach vier Spieltagen zu entlassen, das ist selten und wirft Fragen auf – und dazu ein Projekt, von dem anfangs alle angetan waren, das nach gerade einmal 97 Tagen schon wieder Geschichte ist?Die Bilanz von Domenico Tedesco beim FC Bologna war zu Saisonbeginn tatsächlich mau. Die Entscheidung des Vereins wirft trotzdem viele Fragen auf.

Es gibt im Fußball Entscheidungen, die lassen sich allein mit der Tabelle erklären.

Und es gibt Entscheidungen, bei denen man sich die Tabelle anschauen muss – aber danach noch lange nicht fertig ist.
Der Abschied von Domenico Tedesco beim FC Bologna, gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie.

Und, ich schreibe das nicht einfach so, Tedescos Trainerkarriere beobachten und begleiten wir von Checkfussballberater.de , seit den Zeiten als B-Jugend-Trainer des VfB.

Die Schlagzeile hatte es in sich: Domenico Tedesco ist nicht mehr Trainer des FC Bologna.

Und das, nach gerade einmal vier Meisterschaftsspielen. Nach nur einem Punkt.
Nach zwei erzielten Toren.
Nach drei Niederlagen und einem Unentschieden. Und, mit diesem Kader aber, kann man beim Titelaspirant Neapel verlieren, 0:1, eigentlich kein Ding. Auch Neapel mit Massimo Allegri, bei dem Tedesco mal hospitierte, startete schwach in die Saison.

97 Tage sind seit seiner offiziellen Vorstellung in Bologna vergangen, alle dachten, das matched.

Sein Nachfolger stand da wohl schon fest, es ist Raffaele Palladino.
Damit ist eine Geschichte beendet, die eigentlich ganz anders beginnen sollte.

Wir rekapitulieren mal, was die italienischen Medien so zusammenfassen und recherchiert haben.

Tedesco kam mit einem Auftrag

Der Bologna FC hatte Tedesco Anfang Juni verpflichtet. Vertrag bis 2028, dazu eine Option auf eine weitere Saison.

Der Klub holte demnach keinen Feuerwehrmann, sondern einen Team-Entwickler.
Der FC Bologna, holte einen Trainer für ein neues Kapitel.

Einen Coach, wie Domenico, mit internationaler Erfahrung, mit Stationen unter anderem bei Schalke 04, Spartak Moskau, RB Leipzig, der belgischen Nationalmannschaft und Fenerbahçe.
Mit Leipzig gewann Tedesco sogar den DFB-Pokal. Leipzigs erster Titel in der Bundesliga bisher.

Mit Fenerbahçe den türkischen Supercup.
Er hatte Champions-League-Erfahrung.

Und er sollte in Bologna einen neuen Fußball aufbauen. Das war zumindest der Plan.
Und Bologna war eben nicht dieselbe Mannschaft wie zuvorGenau hier beginnt das Problem.
Bologna befand sich im Sommer 2026 selbst in einem Umbruch.Es ging nicht einfach darum, die erfolgreiche Mannschaft der vergangenen Jahre unverändert weiterzuführen.

Wichtige Spieler waren gegangen.
Andere kamen hinzu.

Positionen mussten neu besetzt werden.
Neue Rollen mussten gefunden werden.

Neue Automatismen mussten entstehen.

Schon im Juli wurde in der lokalen Berichterstattung darauf hingewiesen, dass Tedesco teilweise mit einem Kader arbeiten musste, dessen endgültige Zusammensetzung noch gar nicht feststand.

Auch Sportdirektor Marco Di Vaio, ein ehemaliger Profi, sprach damals von einem neuen Trainer, neuen Ideen – und ausdrücklich davon, dass man Geduld brauche. [Il Resto del Carlino]

Das ist kein unwichtiges Detail.
Denn einen neuen Trainer nach vier Spielen zu beurteilen, ist eine Sache.

Einen neuen Trainer nach vier Spielen, während eines personellen Umbruchs zu beurteilen, ist eine andere. Und so manch ein Experte vermutet, Di Vaio selbst wurde es zu heiß…

Die nackten Zahlen sprechen erst einmal gegen Tedesco

Das darf man nicht verschweigen.
Vier Spiele. Nur ein Punkt.
Zwei Tore. Kein Sieg.

Da wäre das 0:1 gegen Lazio, mit Trainer Gattuso. 0:1 bei Atalanta.
2:2 gegen Sassuolo, in letzter Minute den Punkt gerettet. Und das 0:1 bei Napoli.

Vor allem die Offensive funktionierte über weite Strecken nicht. Gegen Napoli kam Bologna kaum gefährlich vor das Tor.

Gegen Sassuolo war die Mannschaft phasenweise langsam und ungeordnet, schrieb La Gazzetta.
In der Defensive suchte Tedesco ebenfalls noch nach seiner idealen Formation.

Die italienische Presse kritisierte genau diese fehlende Stabilität. Und auch das gehört zur Wahrheit, die Tedesco selbst aber intern auch offen analysierte.

Aber auch die vier Spiele erzählen nicht die ganze Geschichte

Denn schon das 0:1 in Bergamo war kein Spiel, in dem Bologna chancenlos gewesen wäre.
Im Gegenteil. Bologna hatte über weite Strecken die bessere Spielanlage, mehrere gute Möglichkeiten und traf sogar den Pfosten.

Atalanta gewann durch einen späten Distanzschuss von Lazar Samardžić.

Das offizielle Liga-Protokoll beschreibt ebenfalls, dass Bologna zahlreiche Chancen hatte und erst in der Schlussphase bestraft wurde. [Lega Serie A]

Gegen Sassuolo rettete Bologna in der Nachspielzeit noch ein 2:2.
Nicht überzeugend. Aber immerhin eine Reaktion. Gegen Napoli verlor man anschließend 0:1.

Und ausgerechnet dort fehlte Tedesco wegen einer Sperre an der Seitenlinie.

Zudem wurde Torhüter Lukasz Skorupski aus disziplinarischen Gründen nicht eingesetzt, weil er zu spät zu einer Mannschaftsbesprechung gekommen war. Man könnte meinen, Aha!, wir kommen der Sache näher…

Auch das zeigt, wie viele Baustellen zu diesem Zeitpunkt gleichzeitig existierten. [Lega Serie A]

Tedesco wollte offenbar bleiben

Und jetzt kommt der vielleicht entscheidende Punkt. #DomenicoTedesco ist kein Trainer, der seine Vorstellungen jeden Montag neu erfindet, und präsentiert. Wankelmütig war Tedesco noch nie. Das kann eine Stärke sein.
Es kann aber auch zum Problem werden.

Die italienische #Berichterstattung beschreibt ihn, Tedesco, als ausgesprochen konsequent und wenig kompromissbereit.

Im Gespräch mit den Verantwortlichen soll er nicht bereit gewesen sein, seine grundsätzlichen Vorstellungen bei Taktik und Mannschaftsführung aufzugeben.

Beim Treffen mit Claudio Fenucci, Giovanni Sartori(Mäzen, Vorstand) und Marco Di Vaio wurden offenbar genau diese unterschiedlichen Vorstellungen deutlich. [Il Resto del Carlino]

Und damit sind wir bei der eigentlichen Frage:

Sollte Tedesco seine Philosophie verändern – oder hätte Bologna ihm die Zeit geben müssen, sie durchzusetzen? Auch wenn sich zig Fans und auch ein paar gefragte Reporter genauso, pro Tedesco äußerten (auch wir sind davon überzeugt), eine eindeutige Antwort darauf gibt es wohl nicht.

Denn genau dafür hatte Bologna ihn doch geholt

Ein Trainer wird verpflichtet, weil man ihm etwas zutraut. Tedesco sollte nicht einfach der Verwalter des bisherigen Bologna sein.

Er sollte etwas entwickeln.
Ein neues Team. Neue Abläufe.
Neue Hierarchien. Eine neue Spielidee.

Und dann braucht es normalerweise etwas, das im modernen Fußball fast schon als Luxus gilt:
Zeit!

Bologna gab Tedesco diese Zeit nicht.
Zumindest nicht annähernd so viel, wie man zunächst hätte erwarten können.

Die eigene Vereinsführung hatte noch unmittelbar vor der Trennung betont, dass man dem Trainer Zeit geben müsse.

Und dabei wurde ausdrücklich auf die Geduld verwiesen, die Bologna zuvor auch Thiago Motta und Vincenzo Italiano entgegengebracht hatte.
Nur einen Tag später war Tedesco schon Geschichte.

97 Tage

Das ist vielleicht die Zahl, die am meisten über diese Geschichte aussagt.

97 Tage.

Vom Beginn der Tedesco-Ära bis zu ihrem Ende.
Die italienische Zeitung zählt seit seiner Vorstellung am 11. Juni gerade einmal 97 Tage.
Vier Pflichtspiele.
Dann war Schluss, so Il Resto del Carlino aus Bologna.

Und genau deshalb empfinden viele Beobachter und Fans den Zeitpunkt als extrem früh.

Nicht weil die Ergebnisse gut gewesen wären.

Sondern weil man nach vier Spielen kaum wissen kann, wie ein Projekt ausgesehen hätte, wenn es tatsächlich einmal Form angenommen hätte.

Tedesco selbst sagt erstaunlich wenig

Vielleicht ist das Menschliche an dieser Geschichte sogar das Auffälligste.
Tedesco verließ Casteldebole, Bolognas Hauptsitz, am Morgen des 16. September.
Ohne Wut. Keine Abrechnung, und schon gar
keine öffentliche Schuldzuweisung.
Der deutschitalienische Coach sagte sinngemäß:

,,Was zwischen ihm und dem Verein besprochen wurde, bleibe zwischen ihnen…“
Er sei aber sehr enttäuscht.

Und er hätte gerne länger in Bologna gearbeitet.

Er sprach außerdem darüber, wie großartig er von der Stadt und den Fans aufgenommen worden sei. Und genau hier erkennt man den Menschen hinter dem Trainer.
Tedesco hätte allen Grund gehabt, sich öffentlich zu rechtfertigen.
Er tat es nicht, das ist vielleicht die eigentliche Größe.

„Sereno? Solo fuori.“

Besonders bemerkenswert ist eine Aussage, die im italienischen Bericht hängen bleibt.

Auf die Frage, dass er so ruhig sei, antwortete Tedesco sinngemäß:

„Nur äußerlich.“
Das passt zu dem Bild, das viele von ihm haben.

Ein authentischer Trainer.
Direkt. Auch Rigoros.
Nicht immer bequem.
Aber auch keiner, der seine Überzeugungen für den nächsten Tabellenplatz sofort über Bord wirft.

Man kann genau diese Eigenschaften kritisieren.

Man kann sie aber genauso gut als Voraussetzung dafür sehen, überhaupt eine eigene Fußballidee entwickeln zu können. Der Kommentar von Ivan Zazzaroni trifft einen wunden PunktIm Corriere dello Sport, wird die Sache noch grundsätzlicher betrachtet.

Die Überschrift lautet:

„Dal caviale alle uova di lompo“ – vom Kaviar zu den Rogen des Seehasen.

Eine ziemlich bissige Metapher.
Zazzaroni argumentiert sinngemäß:

Bologna sei innerhalb kürzester Zeit, aus einer Phase mit Motta und Italiano, Champions League und Europa League in eine deutlich bescheidenere sportliche Situation geraten.

Die tragenden Spieler wie Calafiori, Beukema, Zirkzee, Lucumi, Castro, Freuler und Rowe, allesamt Beispiele für Spieler, die nicht mehr zur Verfügung stehen.

Der Kader ist also nicht einfach derselbe geblieben.

Und genau deshalb sei es fragwürdig, nach zwei Monaten bereits wieder alles auf null zu stellen.

Die Kritik richtet sich deshalb nicht nur gegen Tedesco

Das ist für mich der entscheidende Punkt.

Wenn ein Trainer nach vier Spielen entlassen wird, dann ist das selbstverständlich zunächst eine Entscheidung über den Trainer.

Aber es ist immer auch eine Entscheidung derjenigen, die ihn verpflichtet haben.

Bologna hat Tedesco ausgesucht.
Bologna hat ihm einen Vertrag bis 2028 gegeben. Bologna hat einen neuen Kader zusammengestellt.

Der FC Bologna hat diesen Kader in die Saison geschickt. Und, Bologna hat öffentlich sogar #Geduld eingefordert.

Und der Club hat diese Geduld anschließend selbst nicht aufgebracht.

Das ist keine Anklage.
Es ist schlicht die logische Konsequenz einer solchen Entscheidung.

Die Verantwortung endet nicht beim Trainer allein.

Wenn ein Verein einen Trainer nach drei oder vier schlechten Spielen austauscht, kann das richtig sein.

Manchmal ist eine Zusammenarbeit tatsächlich gescheitert. Manchmal gibt es Probleme im Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft.

Manchmal stimmt die taktische Idee nicht.

Oft erkennt ein Verein, oder es wird den Verantwortlichen aus der Kabine zugetragen, dass der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht.

Genau das sagt die Bologna-Führung nun auch.
Geschäftsführer Claudio Fenucci erklärte, man habe sich wegen der Entwicklung der Mannschaft Sorgen gemacht.

Zusammen mit Sartori und Di Vaio sei man zu der Einschätzung gekommen, dass Tedesco nicht mehr so auf die Mannschaft einwirken könne, wie man es erwartet habe.

Von Vereinsseite wird also nicht mehr nur behauptet, es habe ausschließlich an den Ergebnissen gelegen.

Es gehe auch um Vertrauen in die weitere Entwicklung des Projekts.

Das ist die Gegenposition.
Und sie muss fairerweise genauso genannt werden.

Tedesco war nicht unschuldig

Auch das gehört zur Bilanz.
Seine Mannschaft wirkte zu häufig statisch.
Die Defensive wechselte mehrfach.
Die Offensive produzierte zu wenig.
Das Spiel gegen Napoli war schwach.
Gegen Sassuolo fehlte lange die Struktur.

Und Tedesco selbst sorgte mit seiner emotionalen Reaktion an der Seitenlinie nicht unbedingt für Ruhe.
Er wurde gegen Sassuolo sogar vom Platz gestellt. [La Gazzetta dello Sport]

Ein Trainer muss sich daran messen lassen.
Natürlich.

Aber genau deshalb hätte man ihm vielleicht auch die Möglichkeit geben können, aus diesen Problemen zu lernen.

Was Bologna jetzt mit Palladino macht?

Ein Trainer, der vom Verein als jemand präsentiert wird, der grundsätzlich eine gewisse Kontinuität zur bisherigen Fußballidee mitbringen soll. Palladino selbst sagte bei seiner Vorstellung, er habe wenig Zeit und viel Arbeit vor sich. Er wolle zunächst die Spieler kennenlernen, ihre Gedanken, ihre Ängste und ihre Ambitionen verstehen.

Auch er sprach davon, schnell Intensität und neue Automatismen in die Mannschaft zu bekommen. Das klingt normal und vernünftig, in dieser Situation.

Aber es stellt gleichzeitig eine interessante Frage: Wenn Palladino jetzt Zeit bekommt, warum bekam Tedesco sie nicht?

Und genau hier liegt das eigentliche Problem.

Nicht darin, dass Bologna einen Trainer gewechselt hat. Nicht darin, dass Palladino nun seine Chance bekommt.
Sondern darin, dass ein Klub innerhalb weniger Wochen von „Wir müssen Geduld haben“, zu
„Wir müssen sofort handeln“, gewechselt ist.

Das kann notwendig sein.

Aber es ist eben auch ein Eingeständnis, dass die ursprüngliche Planung möglicherweise nicht funktioniert hat.

Und dafür trägt ein Trainer Verantwortung.
Die sportliche Leitung aber ebenfalls.

Tedesco hätte mehr Zeit verdient gehabt?
Ich würde diese Frage nicht als unumstößliche Wahrheit formulieren.
Aber, Fakt ist, es gibt sehr gute Argumente dafür.

Nicht, weil seine vier Spiele gut waren.
Sie waren es (noch) nicht.

Sondern weil ein neuer Trainer mit einem veränderten Kader nach gerade einmal vier Spieltagen kaum die Chance hatte, sein eigentliches Projekt zu zeigen.
Das ist der Unterschied.

Man kann Tedesco für seine taktische Konsequenz kritisieren.
Man kann seine fehlende Flexibilität kritisieren.
Man kann seine Ergebnisse kritisieren.

Aber man sollte nicht so tun, als hätte Bologna nach einer halben Saison feststellen müssen, dass das Projekt nicht funktioniert. Es waren vier Spiele.

Und vielleicht war Tedesco gerade deshalb Tedesco. Er ist offenbar kein Trainer, der sich nach drei Niederlagen hinstellt und sagt:
„Dann machen wir eben alles anders.“

Das kann manchmal genau das Problem sein.
Aber es kann genauso die Voraussetzung für einen nachhaltigen Aufbau sein.

Wer einen Trainer mit einer klaren Philosophie verpflichtet, muss irgendwann entscheiden, ob er diese Philosophie tatsächlich tragen will.

Oder ob er bei den ersten Problemen wieder zurückrudert. Bologna hat sich jetzt für die zweite Variante entschieden. Steigende Ansprüche, bitte schnell, Europa, wachsende Transfererlöse haben Lust auf mehr Kaviar gemacht. Und plötzlich beginnt man wieder über einen einzigen Punkt nach vier Spieltagen zu sprechen.

Das tut weh. Aber ein Neuaufbau bedeutet eben manchmal auch, dass man zunächst schlechter aussieht, bevor man wieder besser wird.

Was bleibt von Tedesco?
Eine extrem kurze Amtszeit.
Eine maue Bilanz.

Eine Mannschaft, die seine Idee noch nicht verinnerlicht hatte.
Aber auch ein Trainer, der bei seinem Abschied keine öffentliche Schlammschlacht veranstaltete. Der sagte, er sei enttäuscht.
Der gerne länger geblieben wäre, um der Stadt und den Fans, die ihn so phantastisch empfangen hatten, mehr zurückzuzahlen…

Ja, Tedescos Arbeit in Bologna war noch nicht fertig, im Gegenteil, sie hatte gerade erst begonnen!

Anmerkung: Ziemlich vollmundig und pseudo-selbstbewusst ging Nachfolger Palladino die PK, dopo Tedesco, an! Letztendlich spielte Bologna gegen Torino auch nur Unentschieden – und Palladino beklagt die mangelnde Fitness und Kondition des Teams… einfach nur noch stillos – dabei sagen es alle Fans, Tedesco hätte auf einen viel stärkeren Kader beharren sollen, das sei der einzige Fehler des Deutschitalieners gewesen…

Giovanni Deriu

Porträts & Biographien – Von einem, der auszog, um Profi zu werden, und es auch schaffte. Mit Talent, Fleiß und Geduld. Die VfB-Kaderschule ist weltweit immer noch recht angesehen. Und Moise, ,,Moses“, Ngwisani ist das beste Beispiel. Der Deutsch-Kongolese muss sich nichts mehr beweisen – Moses hat das Fußballbusiness kennengelernt und angenommen. Ziele setzt er sich immer noch – sein Weg ist noch nicht zu Ende! Im Gegenteil…

Manchmal erzählt ein Fußballweg mehr über einen Menschen als jede Statistik. Nicht jeder Weg führt geradeaus ins Rampenlicht, nicht jeder talentierte Spieler steht irgendwann auf der großen Bühne der Bundesliga. Manche Karrieren sind anders geschrieben – mit Umwegen, Herausforderungen und Erfahrungen, die einen Spieler nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich wachsen lassen.

Moses Ngwisani ist so ein Fußballer. Übrigens berichteten wir hier auf unserem Blog bereits über ihn [https://checkfussballberater.de/junioren-fussball-in-eigener-sache-wir-freuen-uns-sehr-fuer-moses-ngwisani-ueber-den-profivertrag-beim-fc-erzgebirge-aue-ab-juli-2017-weiter-so-disziplin-und-biss-zahlen-sich-aus/ ]. Moses, ein Spieler mit kongolesischen Wurzeln, in Deutschland geboren und aufgewachsen, geprägt von einer Familie, die trotz schwieriger Lebensbedingungen immer zusammengehalten hat. Wer Moses kennt, spürt schnell: Hier steht kein Mensch, der nur über sich selbst spricht. Er vergisst seine Herkunft nicht, er vergisst die Menschen nicht, die ihn begleitet haben.

Wir durften Moses einst als Scout und Pädagogen über mehr als vier Jahre intensiv begleiten. Es war eine Begegnung, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägt war – gegenüber Moses, aber auch gegenüber seiner Familie, seinen Eltern und Geschwistern, die ihren eigenen Weg unter nicht immer einfachen Bedingungen gegangen sind. Moses spielt den Ball zurück, und bedankt sich aufrichtig über die Unterstützung und ehrlichgemeinten Ratschläge von früher, die ihm sehr weitergeholfen hatten – ,,damals, als es noch keine echten guten Berater gab“, wie es Moses beschreibt.

Heute ist Moses Ngwisani als Profi im Ausland unterwegs. Nach Stationen in Luxemburg und der Regionalliga Berlin, sowie beim VfL Bochum, Borussia Mönchengladbach sowie Erzgebirge Aue und den FC Heidenheim, führte ihn sein Weg nach Aserbaidschan. Aktuell nutzt er die Zeit, um Familie und Freunde in Ulm zu besuchen. Dabei wirkt Moses ruhig, reflektiert und angekommen. „Gesundheit ist das Wichtigste“, sagt er. Ein Satz, der zeigt, dass Fußball für ihn viel bedeutet, aber nicht alles im Leben ist.

Aserbaidschan – mehr als nur ein Fußball-Abenteuer

Viele Menschen unterschätzen den Fußball in Aserbaidschan. Moses sieht das anders. Für ihn war der Aufenthalt dort eine echte Auslandserfahrung, eine neue Kultur und eine wichtige Station in seiner Entwicklung.

„Luxemburg, mit dem FC Wiltz 71 war zwar im Ausland, aber durch die Nähe zu Deutschland fühlte es sich nicht immer wie Ausland an“, erzählt Moses. „Aserbaidschan war etwas ganz anderes.“

Dort habe er viel gelernt – über Fußball, über Menschen und über sich selbst. Die Fans seien herzlich, die Menschen hilfsbereit. „Man erkennt mich auf der Straße“, erzählt Moses mit einem Lächeln. Es ist ein Zeichen dafür, dass er sich dort Respekt erarbeitet hat.

Auch sportlich sieht Moses das Niveau höher, als viele vermuten. Viele Spieler kommen aus Erstligen in der Türkei, Portugal oder Frankreich. Das Niveau vergleicht er mit starken europäischen Zweitligen: „Deutschland 2. Liga oder Belgien – das ist schon ein gutes Niveau.“ Moses wollten sie beim FC Karvan unbedingt haben. Als erfahrener Abwehrspieler mit Offensivqualitäten, sollte Moses Ngiwsani auch die Defensive verstärken.

Besonders die Kontrahenten und Klubs von Qarabağ FK und Sabah FK sieht er auf einem hohen Level. „Diese Mannschaften können absolut mithalten.“

Sein Abenteuer Aserbaidschan war kein Zufall. Der Klub wollte ihn bewusst für die Premier League des Landes gewinnen. Für Moses war es eine Chance, die Welt des Profifußballs noch einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.

VfB Stuttgart: Eine Schule fürs Leben

Der Weg von Moses führte auch über die Nachwuchsarbeit des VfB Stuttgart. Diese Zeit hat ihn geprägt. Besonders ein Name bleibt ihm im Gedächtnis: Domenico Tedesco. „Er hat mich geprägt“, sagt Moses. Tedesco habe ihn zum stabilen offensiv agierenden Verteidiger umgeschult (Moses war nämlich immer als linker Flügelflitzer und Mittelfeldspieler gebucht – mit einer ganz feinen Technik und Körpertäuschung beim Dribbling), ihm neue Perspektiven gegeben, aber auch sehr viel gefordert. Manchmal sei er fast unzufrieden gewesen – nicht aus Ablehnung, sondern weil er immer mehr sehen wollte.

Tedesco stand für eine klare Idee: Fußball sollte aktiv und offensiv gespielt werden – auch aus der Defensive heraus. Für Moses bedeutete das, Verantwortung zu übernehmen und sein Spiel weiterzuentwickeln. Tedesco war es denn auch, der Moses den Weg in den Profifußball ebnete. Domenico Tedesco wurde Trainer bei einer Art „Rettungsmission“, in der 2. Bundesliga bei Erzgebirge Aue, und en passant, mit viel Einsatz, schafften es die beiden auch. Mission impossible, Klassenerhalt geschafft!

Viele Trainer haben Moses auf seinem Weg begleitet. Schwer, einzelne hervorzuheben, sagt er. Aber Namen wie Jan Siewert, oder Michael Zielinski und weitere Wegbegleiter aus Luxemburg bleiben ihm besonders in Erinnerung. „Sie haben mich alle gefördert und gepusht.“

 Talent allein reicht nicht – Geduld entscheidet

Der Profifußball ist ein Geschäft voller Entscheidungen, Momente und manchmal auch Zufälle. Moses weiß das.

Bei Borussia Mönchengladbach beispielsweise verpasste er den Sprung näher an den Profikader, als ein neuer (schwedischer) Spieler für die Position verpflichtet wurde. Plötzlich änderten sich die Voraussetzungen, Moses fand sich stärker in der zweiten Mannschaft wieder.

Doch er blickt nicht verbittert zurück. Er weiß: Im Fußball spielen viele Faktoren eine Rolle. „Glück? Ich glaube, Glück muss man sich erarbeiten“, sagt Moses. Ein Satz, der viel über seine Einstellung verrät.

Sein Weg war kein gerader Sprint auf einer perfekten Bahn, sondern eher ein Marathon mit verschiedenen Etappen. Jede Station hat Spuren hinterlassen, jede Herausforderung hat ihn stärker gemacht.

Nie vergessen, woher man kommt


Trotz vieler Stationen hält Moses weiterhin Kontakt zu früheren VfB-Kameraden. Freundschaften aus der Jugendzeit bleiben bestehen. Für ihn gehört das dazu.

„Man darf nie vergessen, woher man kommt“, sagt er ruhig. Es klingt nicht wie ein Spruch, sondern wie eine Haltung.

Moses wirkt mit sich im Reinen. Er hadert nicht mit dem, was vielleicht anders hätte laufen können. Er schaut nach vorne.

Auch privat gibt ihm seine feste Beziehung viel Kraft. Seine Verlobte ist ein wichtiger Rückhalt in einem Leben, das durch den Fußball immer wieder Veränderungen mit sich bringt.

Die nächsten Schritte warten

Moses Ngwisani setzt sich weiterhin Ziele. Egal, ob man jung ist oder schon einige Erfahrungen gesammelt hat – Stillstand passt nicht zu ihm.

„Ich arbeite an meinen nächsten Schritten“, sagt Moses.

Und genau das beschreibt ihn vielleicht am besten: Er ist ein Spieler, der seinen Weg weitergeht. Mit Geduld, mit Ehrgeiz und mit der Erfahrung, dass jede Station einen Wert besitzt. Moses kann sich vorstellen in Aserbaidschan zu bleiben, aber er sondiert gerade internationale Angebote.

Der Fußball schreibt viele Geschichten. Manche sind laut und spektakulär. Andere erzählen von Beharrlichkeit, Charakter und dem langen Atem eines Menschen, der nie aufgehört hat, an sich zu glauben. Moses Ngwisani gehört zu dieser zweiten Kategorie. Und eines steht fest: Der Weg ist noch lange nicht zu Ende…

Giovanni Deriu

Porträts, Clubs & Biographien: Ein kleines Fußballmärchen, manch einer meint, Fußballwunder, wurde in der Serie A wahr! FC Como – Das internationale Team „Jugend foscht“ vom Comer See, spielt in der kommenden Saison in der Champions League! Fabregas hat dem Verein seinen Stempel aufgedrückt…

Der Fußball schreibt noch immer Geschichten, die größer sind als jedes Datenblatt, größer als jeder Algorithmus und manchmal sogar größer als die Milliarden der modernen Eigentümerstrukturen.

Der FC Como 1907 ist genau so eine Geschichte.

Eine Geschichte von Tradition, Leidenschaft, Geduld, Vision – und von einem Club, der viele Jahrzehnte im Schatten lebte, ehe plötzlich wieder Licht über den Comer See fiel. Wer heute durch Como spaziert, spürt sofort, dass dieser Verein mehr ist als nur ein Fußballclub. Die Menschen dort tragen Como im Herzen. Blau und Weiß gehören zur Stadt wie der See, die engen Gassen oder die Piazza Cavour.

Als der Aufstieg in die Serie A perfekt war, verwandelte sich die Stadt in ein einziges großes Fußballfest. Menschen feierten bis tief in die Nacht. Fahnen aus den Fenstern. Gesänge am Wasser. Euphorie überall.

Und ehrlich gesagt: Es war verdient.
Denn dieser Aufstieg war kein Zufall.
Und schon gar kein kurzfristiges Fußballmärchen.


Wie wir bereits auf Checkfussballberater.de während der Saison 2024/25 berichteten, war früh erkennbar, dass in Como etwas Besonderes entsteht. (https://checkfussballberater.de/fussball-saison-2023-2024-alle-wege-fuehren-nach-madrid-fuer-fussballliebhaber-jedoch-ueber-die-route-leverkusen-stuttgart-bergamo-bologna-como-oder-wenn-clubs-fuer-ueberraschungen-dur/ )

Damals lobten wir ausdrücklich die Philosophie von Cesc Fabregas, der bereits in der Serie B einen mutigen, modernen und intelligenten Fußball spielen ließ.

Und genau dort beginnt die eigentliche Geschichte. Denn wer die italienische Serie B kennt, weiß: Diese Liga ist brutal.
Vielleicht ist sie sogar die härteste zweite Liga Europas.
Taktisch anspruchsvoll. Körperlich intensiv. Emotional extrem.
Und jedes Wochenende ein Kampf.

Traditionsvereine, volle Stadien, hoher Druck, kaum einfache Spiele.
Zwischen Platz drei und Platz zehn liegen oft nur wenige Punkte.
Jeder Fehler wird bestraft.

Viele internationale Beobachter unterschätzen diese Liga massiv.
Doch wer sich dort durchsetzt, besitzt Charakter. (Auch der ehemaliga Nationalspieler und Bayern-ChampionsLeague-Legende, Stefan Effenberg, verhalf der Fiorentina wieder zum Aufstieg)

Como setzte sich durch. Mit einem jungen Kader. Fast einem U23-Kader.
Mit einer klaren Idee. Mit viel Geduld.
Und mit einem Trainer, der den modernen Fußball versteht.

Cesc Fabregas wurde in Como längst mehr als nur ein ehemaliger Weltstar.

Er wurde eine wahre Identifikationsfigur. Vom Spieler, an seinem Karriere-Ende, hin zum U19-Coach. Letztendlich zum Cheftrainer. Eine Entwicklung, die im heutigen Fußball fast romantisch wirkt.

Und genau diese Authentizität spürt man im gesamten Verein.
Der Club lebte jahrelang in den unteren Regionen des italienischen Fußballs.
Sogar in der Serie D.

Doch amerikanische und später indonesische Investoren erkannten früh das Potential dieses historischen Vereins. Sie sahen:
den interessanten Standort, klein aber fein, edel, an einem wahnsinnig schönen See.
Viel Geschichte. Noch mehr Emotionen.
Und die Möglichkeiten erst…

Aber vor allem:
Eine Stadt, die nach Fußball hungerte.

Der Neustart begann bewusst. Nicht laut. Schon gar nicht künstlich. Sondern sehr strukturiert. Heute gehört Como zu den spannendsten Fußballprojekten Europas
Interessant ist dabei vor allem, trotz der finanziellen Möglichkeiten wurde nie ausschließlich auf große Namen gesetzt.

Fabregas setzte bewusst auf junge Spieler.
Hungrige Spieler.
Entwicklungsfähige Spieler.

Viele Stammspieler waren unter 23 Jahre alt.

Das macht den Erfolg noch bemerkenswerter.

Fabregas selbst sprach nach dem historischen Erfolg davon, dass diese Mannschaft ein „Capolavoro“, ein Meisterwerk, sei.

Und damit hat er recht.

Denn Como gewann nicht durch Zufall.
Sondern durch Entwicklung. Durch tägliche Arbeit.

Durch eine Idee. Der Spanier sprach nach der Saison offen darüber, dass die Champions League nun andere Anforderungen stellt.

Mehr Erfahrung.
Mehr Tiefe.
Mehr Reife.

Und dennoch möchte Como seine Identität nicht verlieren.

Das ist entscheidend.

Viele Clubs scheitern genau an diesem Punkt:
Sie verlassen ihre DNA, sobald Erfolg kommt.

Como scheint diesen Fehler vermeiden zu wollen.

Die Verantwortlichen arbeiten ruhig.
Strategisch.
Klar.

Präsident Mirwan Suwarso und Fabregas wirken dabei wie ein ungewöhnlich harmonisches Duo.

Der emotionale, impulsive Fußballmann Fabregas.
Der ruhige, analytische Präsident.
Beide ergänzen sich hervorragend.

Auch sportlich denkt man langfristig.

Die Academy wird massiv ausgebaut.
Junge Spieler sollen integriert werden.
Italienische Talente gewinnen wieder Bedeutung.

Die UEFA-Listen zwingen Clubs mittlerweile dazu, stärker auf eigene Strukturen zu achten. Und genau dort setzt Como an.

Natürlich wird auch der Transfermarkt spannend.

Spieler wie Miretti oder andere technisch starke Mittelfeldspieler passen perfekt zur Philosophie des Clubs. Como sucht keine bloßen Namen.
Como sucht Fußballintelligenz.

Das macht den Unterschied.

Interessant bleibt auch die wirtschaftliche Seite.

Die Hartono-Brüder aus Indonesien gehören mittlerweile zu den reichsten Clubbesitzern der Serie A.

Doch anders als viele kurzfristige Investoren scheinen sie verstanden zu haben:
Ein Verein wächst nicht nur über Geld.

Sondern über Kultur.

Über Vision.

Über Identifikation.

Und genau deshalb lieben die Menschen Como aktuell so sehr.

Dieser Club wirkt nicht künstlich.
Nicht konstruiert.
Nicht steril.

Sondern lebendig.

Wer die Bilder der Feierlichkeiten gesehen hat, verstand sofort:
Hier feierte keine Marketingmaschine.

Hier feierte eine Stadt. Natürlich erinnert vieles auch an frühere Zeiten.

An Hansi Müller.
An Dan Corneliusson.
An Gianluca Zambrotta, der in Como geboren wurde und dort ausgebildet wurde.

Der Verein hatte immer eine gewisse Magie. Nun ist sie zurück.

Und vielleicht beginnt jetzt erst das eigentliche Kapitel.

Denn die Herausforderung wird gigantisch.

Serie A. Europa, jetzt gleich über die
Champions League. Der Druck wächst, die Erwartungen sowieso.

Fabregas weiß das.

Er sagte selbst:
„Wenn du nicht vorbereitet bist, bekommst du in gewissen Stadien sechs Gegentore.“

Genau deshalb wirkt Como momentan so interessant.

Weil dort niemand komplett abgehoben erscheint.

Der Club träumt.
Aber mit Realitätssinn.

Und genau diese Mischung macht erfolgreiche Projekte oft langfristig stabil.
Como ist heute nicht einfach nur ein Aufsteiger.

Como ist ein Symbol dafür, dass Fußball trotz Milliarden, Datenanalysen und Hyperkommerzialisierung noch immer emotionale Geschichten schreiben kann.

Geschichten über Städte.
Menschen.
Visionen.
Und Trainer, die mutig genug sind, ihren eigenen Weg zu gehen.

Cesc Fabregas könnte dabei tatsächlich zu einem der spannendsten Trainer Europas werden. Nicht irgendwann. Sondern vielleicht genau jetzt.

Und der FC Como 1907?

Der ist längst zurück auf der großen Fußballkarte Italiens.

Vielleicht stärker als je zuvor…

Giovanni Deriu

Fußball, Porträts & Biographien – aktuelles italienisches Thema: Über Fabio Paratici, die Fiorentina und der neue stilvolle multitask „Viola Park“!Warum der FC Florenz gerade versucht, Italiens Fußball neu zu denken…

Es gibt diese Menschen im Fußball, die laut wirken müssen, damit man sie wahrnimmt. Und es gibt Fabio Paratici. Ruhig. Kontrolliert. Fast kühl wirkend.
Aber wenn er spricht, hört die italienische Serie A, ach, was, der Fußball international, trotzdem zu. Vielleicht gerade deshalb.
Beim Panel und Diskussionsforum, „Cosa può imparare l’Italia dal sistema Premier“ , in Solomeo, ging es offiziell um die Frage, was Italien von England lernen könne.

In Wahrheit ging es um viel mehr. Um Struktur. Mentalität. Professionalität.
Und um eine unbequeme Wahrheit:

Die Premier League ist dem europäischen Fußball aktuell enteilt.

Nicht nur finanziell. Sondern organisatorisch. Strategisch.
Und oft auch kulturell. Fabio Paratici, der nach seiner erfolgreichen Zeit bei Juventus Turin, ein Intermezzo in der Premier League bei Tottenham hatte, formulierte es sachlich. Fast nüchtern. Die besten Spieler entscheiden sich heute meistens gegen die Serie A. Und für England.

Früher war Italien Sehnsuchtsort.
Heute ist die Serie A oft Durchgangsstation.

Eine harte Wahrheit. Aber eben auch eine ehrliche.
Und genau diese Ehrlichkeit machte den Auftritt von Paratici interessant.
Denn der ehemalige Juventus- und Tottenham-Manager, verfiel nicht in nostalgisches Gejammer. Keine Ausreden.
Keine Romantik über „früher“. Sondern eine sachliche und tiefgreifende Analyse.

Und genau dort wurde es spannend. Denn Paratici sieht Italiens Problem eben nicht beim „vernachlässigten“ Talent. Sondern eher bei der Weiterentwicklung.
Die Spieler seien vorhanden. Die Qualität ebenfalls.

Aber man arbeite teilweise noch immer mit veralteten Methoden. Besonders deutlich wurde er beim Thema Nachwuchsarbeit.



In England, so erklärte Paratici, gebe es bis zum Alter von 14 Jahren häufig keine klassischen Tabellen. Der Fokus liege dort auf individueller Entwicklung.

Trainer sollen verbessern. Nicht nur gewinnen. Ein Satz, der zunächst viel zu simpel klingt. Aber eigentlich beschreibt er den Kern des modernen Fußballs.
Wer Kinder nur nach Ergebnissen bewertet, produziert oft früh fertige Spieler.
Aber selten außergewöhnliche.

England habe das schon früh verstanden. Italien kämpft noch damit.

Interessant war dabei auch, dass Paratici keineswegs alles an England glorifizierte.
Er sprach vielmehr über Standards. Über Professionalität.

Über Zugangsvoraussetzungen!

In der Premier League, so erklärte er, könne ein Trainer nicht einfach beliebig seinen kompletten Staff mitbringen. Die Liga prüft genau. Qualifikation.
Die adäquaten Erfahrungen. Und auch ein gewisses Niveau muss vorhanden sein.

Nicht jeder erhält automatisch Zugang. Auch das ist Professionalität. Struktur schützt Qualität.

Und genau hier hinkt Italien vielerorts noch hinterher. Spannend wurde es dann beim Thema Scouting. Denn trotz aller modernen „Datenwelten“ blieb Paratici erstaunlich „old school“. Algorithmen seien hilfreich, Daten auch wichtig.

Aber Fußball bleibe am Ende menschlich.
Er erzählte von Fernando Torres.

Von einem gemeinsamen Abendessen. Und von diesem Gefühl, dass das Feuer verschwunden war. Paritici, immer ein guter stiller Beobachter, erzählt glaubwürdig: „Ich sah den Fußball nicht mehr in seinen Augen.“
Ein bemerkenswerter Satz. Weil er zeigt, was Topmanager oft auszeichnet:

M E N S C H E N K E N N T N I S !


Nicht jede Entscheidung entsteht am Bildschirm. Manche entstehen im Blickkontakt.Ganz anders bei Carlos Tevez. Dort hätten fünf Minuten gereicht.
Tevez, der argentinische Kämpfer und Mittelfeldmotor, sprühte und strahlte Energie aus. Viel Hunger. Und vor allem, Mentalität. Man habe sofort gespürt: Dieser Spieler will noch alles gewinnen. Und genau diese Dinge lassen sich bis heute kaum vollständig berechnen.

Der moderne Fußball spricht oft nur noch über Datenmodelle.
Expected Goals. Algorithmen. Natürlich auch KI-generiert.

Aber die Wahrheit bleibt komplizierter. Fußball besteht aus Menschen.
Aus Emotionen. Aus Charakteren. Aus Dynamik.

Vielleicht erklärt genau das auch, warum Fiorentina aktuell so interessant wirkt. Aber, wir von Checkfussballberater.de, gehen nicht nur, wie oben von Paratici erwähnt, beim allumfassenden Scouting der „old School“ mit, sondern auch darin, dass in einem Verein, jeder seinen Part zum Erfolg beiträgt, und nicht nur die erste Elf auf dem Platz. Auch wir, Sandro Palmeri, der Multitask-Funktionär und Sportvorstand, sowie ehemaliger Trainer, und wir als Scout und Vermittler, suchen immer Verbindungen und Synergien, und setzen auf echte TEAMPLAYER. Sandro Palmeri war im November 2025 mit einer kleinen Delegation (MG Sportlerberatungs-Agentur), sowie den Eltern des U19-DFB-Juniorennationalspielers, Dahrel Tchitchi, und natürlich mit Dahrel selbst, bei der Fiorentina, vor Ort. Eingeladen vom Club und dessen NLZ – aber auch die Profispieler-Abteilung war bereits im Bilde.

Denn in Florenz entsteht gerade etwas. Noch unfertig. Und dennoch ein echter Hingucker. Noch nicht perfekt. Aber, man kann sich schon vorstellen, so Sandro Palmeri, „Wie es dann am Ende aussehen wird…größer als das Gelände der Bayern, von Leipzig, und ja sogar von Milan und Juventus…“

Noch nicht ganz fertig, aber sichtbar. Die vergangene Saison verlief phasenweise schwierig. Zu wenig Konstanz.
Zu viele Schwankungen. Teilweise fehlte Stabilität. Und trotzdem rettete sich Fiorentina am Ende. Fabio Paratici, wurde während der Saison bei der Fiorentina installiert, und war an allen Ecken und Enden gefragt – auch über Dahrel Tchitchi war Paratici von dessen Staff informiert, konnte aber vorerst am Vertragsangebot, weil die erste Priorität dem Serie-A-Club galt, nichts auf die Schnelle nachjustieren. Dennoch, ließ sich das Angebot für den U19-Nationalspieler des FC Heidenheim durchaus sehen. (Es sei angemerkt, dass Dahrel Tchitchi von Sandro Palmeri entdeckt und gefördert wurde, seit knapp acht Jahren begleitet Palmeri nicht nur die sportliche Vita des hochtalentierten Abwehrspieler. Verbindlichkeit, so unser gemeinsames Motto, ist ALLES! – dass ein Spieler wie Tchitchi plötzlich auch bei anderen Agenturen Begehrlichkeiten weckte, gehört zum Profi-Business dazu…)

Palmeri berichtet, wie andere Beobachter in Italien auch, der Club arbeite vor allem im Hintergrund intensiv an seiner Zukunft. Florenz ist eine überschaubare Welt- und Tourismusmetropole, und der Fußballclub ein legendäres Aushängeschild. Italien ohne Fußball und die Fiorentina, wäre wie Florenz ohne die Uffizien, und Kunst an sich. Atemberaubend schön.

Wie gesagt, es ist noch alles recht frisch abgespeichert, Sandro war erst kurz vor Jahreswechsel vor Ort – Auch Fabio Paratici war zwar kurz auf dem Areal, konnte aber nur Grüße ausrichten lassen, aber über die NLZ-Staff, war alles vorbereitet, auf Dahrel Tchitchi abgestimmt. Und der Eindruck vom Viola Park war eindeutig:
Dieses Projekt ist enorm. Der „Viola Park“ ist nicht einfach ein Trainingszentrum.
Es ist fast eine eigene Fußballstadt.
Modernste Trainingsplätze. Analysezentren. Medizinische Bereiche.
Nachwuchsabteilungen, bei denen es an nichts mangelt.
Auch der Frauenfußball wird hat seine Wertigkeit.
Das Athletik-Center, mit eigenem Oval, und so weiter.
Das Kommunikations- und PR-Zentrum, nach höchsten und modernsten Standards.

Alles wirkt durchdacht.

Effizient.

International.

Und gleichzeitig typisch italienisch. Mit Stil.
Mit Identität. Mit Emotion. Viele Besucher sprechen inzwischen davon, dass selbst manche Premier-League-Klubs keine vergleichbaren Anlagen besitzen.

Auch Paratici sagte sinngemäß genau das, beim Gespräch mit der Fachzeitung von „TuttoSport“. (https://www.corrieredellosport.it/news/calcio/serie-a/fiorentina/2026/02/25-146857393/paratici_e_la_rivoluzione_della_fiorentina_cos_il_nuovo_manager_sta_cambiando_tutto )

Und plötzlich versteht man, warum Fiorentina trotz aller sportlichen Unruhe langfristig interessant bleibt. Paratici sieht in der Fiorentina auch (s)ein neues Projekt, das in Italien, aber in Europa überhaupt, für Furore sorgen wird. Fabio Paratici hat die Erlaubnis, den FC Florenz zu revolutionieren.

Der Klub denkt größer. Nicht nur von Transferperiode zu Transferperiode.
Sondern strukturell. Das ist selten geworden.
Besonders im italienischen Fußball.

Dort fehlen vielerorts moderne Stadien. Trainingszentren.
Klare Entwicklungsstrukturen. Die Fiorentina versucht genau dort anzusetzen.

Und damit kommt man automatisch zu Rocco Commisso.
Eine polarisierende Figur. Direkt.
Emotional. Nicht immer diplomatisch.
Aber eines kann man ihm kaum absprechen:
Er hat investiert. Ganz real.
Sichtbar. Nachhaltig.

Der „Viola Park“, nach den Vereinsfarben, bleibt sein Vermächtnis.



Und vielleicht wird man erst in einigen Jahren wirklich verstehen, wie wichtig dieses Projekt für Fiorentina war. Paratici und Generaldirektor Alessandro Ferrari beschrieben in Solomeo vor allem die menschliche Seite von Commisso.
Kein distanzierter Besitzer.

Sondern jemand, der täglich durch das Trainingszentrum fuhr.
Mit Jugendspielern sprach. Sich Trainingseinheiten ansah.
Fragen stellte. Fast wie ein Familienoberhaupt.

Und vielleicht passt genau das zu Fiorentina. Denn dieser Klub war nie gewöhnlich.
Fiorentina war immer emotional.

Immer ein wenig melancholisch. Immer besonders.
Allein die Namen derer, die für die Fiorentina spielten:

Batistuta.
Baggio.
Effenberg.
Rui Costa.
Toni.
Heute De Gea.

Spieler mit Ausstrahlung. Mit Aura.
Florenz selbst verstärkt dieses Gefühl zusätzlich.

Kaum eine Stadt verbindet Fußball, Geschichte, Schönheit und Leidenschaft so intensiv. Und genau deshalb bleibt Fiorentina trotz aller sportlichen Schwankungen ein Name mit internationalem Klang.
Die Aussagen von Fabio Paratici zeigen dabei vor allem eines:
Italien muss sich modernisieren. Aber nicht durch blindes Kopieren.

Sondern durch Verstehen.
Warum funktioniert England?
Warum entwickelt sich die Premier League so dynamisch?
Warum verlassen Talente früh die Serie A?

Die Antworten liegen oft nicht nur im Geld. Sondern in Strukturen.

Und genau dort versucht Fiorentina aktuell anzusetzen.
Noch ist nicht alles gelöst. Noch fehlen sportliche Konstanten.

Aber etwas bewegt sich. Und vielleicht beginnt genau dort Zukunft:
Nicht im nostalgischen Blick zurück. Sondern im mutigen Aufbau neuer Infra-Strukturen. Italienisch, vielleicht hier und da „Old School“ als Kodex des Miteinanders, aber dennoch modern, an Technik für Effizienz, darf es nie mangeln.

Florenz scheint das verstanden zu haben. Und wer einmal selbst durch den „Viola Park“ gegangen, oder mit den E-Mobilen gefahren ist, versteht schnell:

Die Fiorentina möchte zurück. Nicht irgendwann. Sondern bald.
Zurück in den modernen europäischen Fußball… Was für ein Zukunftsprojekt!

Giovanni Deriu

(Anmerkung: Die Familie hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, Dahrel Tchitchi hat sich letztendlich für ein Engagement und einen Vertrag beim belgischen Traditionsclub FC Brügge entschieden – natürlich wird es weiter begleitet, selbst wenn eine andere Agentur „mit an Bord ist“ – menschliche Verbindungen kappt man nicht einfach – und auch bei der Fiorentina hat man Dahrel Tchitchi nicht abgeschrieben, dessen Weg wird weiter beobachtet – ein weiterer Name aus unserem Pool kursiert bereits auch in den höheren Amateurligen Italiens: Und zwar der, von Oleg Scheiermann… Denn wie sagte Sportdirektor Paratici im Text sinngemäß? „Denn trotz aller modernen „Datenwelten“, sei er, Paratici selbst, erstaunlich „old school“. Algorithmen seien hilfreich, Daten auch wichtig. Aber Fußball bleibe am Ende menschlich...! Das ist auch immer unser Motto gewesen!)

Palmeris Jugendarbeit in Waiblingen hatte sich überall herumgesprochen!

VfR Aalen – das Meisterstück! Unsere italienische Version! Molinari e Catizone, il miracolo VfR Aalen – Il VfR Aalen, al Sud della Germania, era quasi sparito dalle mappe del calcio che conta… fino a scorso sabato sera, era tutto diverso. Ora invece si é ribaltato tutto. Tra Stoccarda e Heidenheim, si torna finalmente a parlare anche di Aalen…

Un club storico, passato appena quattordici anni fa dalla 2. Bundesliga, poi precipitato tra crisi sportive, instabilità e delusioni continue. Aalen sembrava aver perso identità, fiducia e prospettiva. E invece, nel silenzio operoso del ‚Rohrwang‘ dové l’arena, qualcosa è cambiato davvero. Non con proclami. Non con investimenti folli. Ma con idee, lavoro e personalitá.

Dietro questa rinascita ci sono due uomini dal cuore italiano:
Beniamino Molinari (la famigia di Napoli) e Giuseppe Catizone (Calabria)

Un tandem moderno e complementare.
Uno vive il calcio con energia, emozione e spirito offensivo. L’altro porta calma, lettura tattica e organizzazione.

Insieme hanno rimesso in piedi un club che sembrava smarrito.
E soprattutto hanno restituito anima a una squadra che l’aveva persa.

Molinari, nato a Schwäbisch Gmünd, è stato per anni un attaccante prolifico nei campionati del sud della Germania. Oltre 200 reti in carriera, raccontano quelli che lo conoscono bene. Numeri forse mai contati davvero, perché “Beni” ha sempre preferito il campo alle statistiche.



Da allenatore ha mantenuto la stessa filosofia:
calcio offensivo, aggressivo, intenso.
“Offensiv, wild und voller Energie”, ripete spesso.


Dopo le esperienze alla TSG Backnang e al TSV Essingen, il salto nel professionismo è arrivato grazie ad un vecchio compagno di viaggio: Alexander Zorniger.
Con lui, Molinari ha conquistato il titolo cipriota con l’Apollon Limassol, vivendo un’esperienza che lo ha profondamente formato. Successivamente è arrivata anche l’esperienza allo FC Schalke 04, in uno degli ambienti più esigenti del calcio tedesco.

Esperienze che oggi si riflettono chiaramente nel suo lavoro ad Aalen.
Molinari trasmette fame, mentalità e coraggio.
E soprattutto ha saputo creare un gruppo compatto.

Al suo fianco lavora Giuseppe Catizone.
Ex professionista del VfB Stuttgart, cresciuto nella scuola calcistica sveva, Catizone rappresenta il lato razionale dello staff tecnico.

Se Molinari accende la squadra, Catizone la equilibra.
Analisi tattica, preparazione delle partite, calci piazzati, dettagli strategici: moltissimo passa dalle sue mani.

Ma il suo peso umano conta altrettanto.
I giocatori ascoltano “Giuse”, si fidano della sua esperienza e percepiscono immediatamente la credibilità di chi il calcio professionistico lo ha vissuto davvero.

Anche Catizone arrivava da un successo importante: la promozione in Verbandsliga con il FSV Waiblingen. Subito dopo i festeggiamenti, erano già iniziate le prime riunioni con Molinari per pianificare il futuro del VfR Aalen.

I due si conoscono da oltre vent’anni.
Giocavano insieme alla Normannia Gmünd.
Condividono cultura calcistica, mentalità e ambizione.

E oggi questa sintonia si vede chiaramente in panchina. Emozione e analisi.
Intensità e calma.
Fuoco e controllo.

Il VfR Aalen gioca con identità, coraggio e organizzazione.
La squadra appare finalmente viva, unita e mentalmente forte.

La promozione in Regionalliga rappresenta molto più di un semplice salto di categoria.
È il simbolo di una ricostruzione credibile.
Di un club che ha ritrovato stabilità e ambizione.



Nel calcio moderno, spesso dominato dall’improvvisazione, il lavoro di Molinari e Catizone assomiglia davvero ad un piccolo capolavoro sportivo.
E forse il viaggio non è ancora finito.

Perché entrambi custodiscono da sempre lo stesso sogno:
allenare un giorno nella loro Italia.
La terra delle origini, della famiglia e della passione calcistica.

E chissà che, prima o poi, una panchina italiana — magari in Serie D, oppure ancora più in alto — non aspetti davvero i due italosvevi che hanno riportato il VfR Aalen alla vita.

Il capolavoro del VfR Aalen è stato praticamente sigillato nella decisiva sfida di Heilbronn contro il Neckarsulm.
A firmare il gol dell’1-0, quasi simbolicamente, è stato un altro italiano: Luigi Campagna, autore di una rete pesantissima nel momento più importante della stagione. A la fine hanno festegiatto un 4-0 con 2000 tifosi fuori casa.

GiD




Fließende Grenzen – Akteure & Scouting: Die Trainerlegende und der mehrfache Meister und Champions-League-Sieger, Fabio Capello, kritisiert den Spielrhythmus und die Grundidee des italienischen Fußballs auf SkySport Italia. Wir antworten nur kurz… auf Italienisch und Deutsch!

Ein großes PerCarità, wie auf unseren Social-Media-Kanälen

Tempi passati? Magari… 

Come ho già scritto nella discussione del nostro „workshop per Osservatori“, di GianfrancoMultineddu: 

…ma diciamolo chiaramente: in passato è successo tante volte che squadre più veloci e più atletiche si siano comunque schiantate contro club italiani tatticamente impeccabili.

Oggi invece sembra che abbiamo tradito il nostro DNA.

I club italiani e la Squadra Azzurra non erano solo squadre. Erano un’identità. Erano organizzazione, disciplina, intelligenza calcistica.

Erano difesa di ferro, dominio degli spazi, superiorità nel gioco di posizione.

Ed adesso? Abbiamo rinunciatto proprio a ciò che ci rendeva temuti e rispettati in tutto il mondo…

Giovanni Deriu, dalla Germania, https://checkfussballberater.de
VergangeneZeiten? Vielleicht…

Wie ich bereits in der Diskussion unseres „Workshop per Osservatori“ von GianfrancoMultineddu geschrieben habe:

„…aber sagen wir es ganz klar: In der Vergangenheit ist es viele Male passiert, dass schnellere und athletischere Mannschaften dennoch an taktisch makellos agierenden italienischen Vereinen abgeprallt sind.
Heute hingegen scheint es, als hätten wir unsere DNA verraten. Die italienischen Vereine und die Italienische SquadraAzzurra waren nicht nur Teams. Sie waren eine Identität. Sie waren Organisation, Disziplin, fußballerische Intelligenz.

Sie waren eine Abwehr aus Eisen, Raumbeherrschung, Überlegenheit im Positionsspiel.

Und jetzt? Wir haben genau auf das verzichtet, wofür sie uns in der ganzen Welt gefürchtet, bewundert und respektiert haben… 

Giovanni Deriu (Deutschland)
skysportitalia 

ScoutingClinic

Gianfranco Multineddu

Buch-Tipps und Rezensionen: Diesmal, aus dem riva-Verlag eine tolle Geschenkidee (nicht nur) zu Weihnachten. Ein interessantes Buch hat der Autor Daniel Müksch vorgelegt. Der Titel? „Die Star-Macher – Wie Ärzte, Manager und Mentaltrainer unsere Sportstars erschaffen!“

Die Stars im Licht – und die Macher im Schatten

Wer Spitzensport verstehen will, muss dorthin schauen, wo Kameras selten verweilen. Genau das tut Daniel Müksch in seinem Buch „Die Star Macher – Wie Ärzte, Manager und Mentaltrainer unsere Sportstars erschaffen!“ (erschienen im riva Verlag, https://www.m-vg.de/riva/shop/article/19706-die-starmacher/).

Ob Talente im Jugendalter oder Semiprofis auf dem Weg nach ganz oben – echte Stars entstehen nicht allein durch Begabung. Sie entstehen durch Konstellationen: durch Menschen, Vertrauen, Geduld und Expertise.

Ich selbst habe als Scout und Beobachter im Fußball unzählige Karrieren, Umwege, Hoffnungen und Brüche erlebt. Und genau hier setzt dieses Buch an. Man merkt Daniel Müksch auf jeder Seite an, dass er Sport nicht nur liebt, sondern lebt. Seine Lehrerin sagte einst: „Daniel und sein Ball.“ Treffender kann man es kaum formulieren.

Müksch war für unterschiedlichste Redaktionen unterwegs, hat ein starkes Netzwerk aufgebaut, beobachtet genau – und vor allem: Er hört zu. Für dieses Buch führte er zahlreiche Gespräche, quer durch die Sportarten. Fußball, Tennis, Formel 1. Männerdomänen, in denen Frauen wie Sabine Kehm oder Britta Roeske längst prägende Rollen spielen. Dazu Ärzte wie Christian Fink und andere Experten, die trotz großer Erfolge bewusst auf den Guru-Status verzichten.

Das Buch zeigt den Staff hinter den Stars. Die stillen Architekten des Erfolgs. Menschen, die Karrieren über Jahre begleiten, auffangen, fordern, schützen. Oder wie es im Buch sinngemäß heißt:
Die größten Sportstars haben eines gemeinsam – sie sind umgeben von Charakteren, denen sie blind vertrauen. Schattenmänner und -frauen des Erfolgs.

Sachlich, respektvoll, gut recherchiert. Kein Hochglanz-Mythos, sondern ehrliche Einblicke und Hintergrundwissen auf über 220 Seiten.

Ein Buch für Talente, Eltern, Trainer, Manager – und für alle, die Spitzensport jenseits der Schlagzeilen verstehen wollen.
Und ja: Auch ein sehr gutes Buch für den Gabentisch zu Weihnachten.

Giovanni Deriu

Fußball, Biographien und Porträts: Heute, die Kurz-Reflexion des Gianfranco Multineddu – über das Scouting und Beobachten von Spielen und Spielern. Ein bisschen Nostalgie und die Trends von heute. War früher Alles besser, oder nur qualitativ etwas tiefer…? Jedenfalls ging es damals nicht nur um den Fußball und Talente an sich, sondern auch um das Alltagsleben und den Charakter des jeweiligen Spielers!

Den Dozenten des italienischen Fußballverbands, FIGC, Gianfranco Multineddu, müssen wir hier nicht mehr vorstellen – der erfahrene Sarde und gebürtige Römer, hat den Fußball Italiens in den vergangenen Jahren erheblich mitgeprägt – wenn auch meist unerkannt im Hintergrund (was ihm auch ganz Recht ist, aber klar, in der Fußballbranche kennen ihn diejenigen, die ihn kennen müssen, oder sollten…).

Hier haben wir auch schon über den Entdecker, u. a. von Marco Verratti – einst in Pescara geboren, und dort auch spielerisch ausgebildet worden – berichtet. Gianfranco Multineddu, ist, nun ja, das Wortspiel lädt ein mit seinem Namen, eben multitask! Scout, Beobachter, Talentsichter, Match-Analyst – was ja beim Scouting auch dazugehört – sowie Trainer und, noch viel öfter, dank seiner globalen Sichtweise, auch Sportdirektor. Ein Könner und Kenner, Teams und Kader adäquat zusammenzustellen. Was haben wir ihm gern gelauscht, in privaten Gesprächen am Rande eines Trainingscamps, oder bei den Fortbildungen, wie zuletzt, von ihm mit-organisiert! Jedes Gespräch ist ein wahrer Erkenntnisgewinn… (https://checkfussballberater.de/italiens-mister-scouting-gianfranco-multineddu-gefragter-dozent-an-der-sportschule-sowie-als-sportdirektor-der-entdecker-von-marco-verratti-moechte-die-fussball-strukturen-ausbauen/)

So, und nun, zwischen Tür und Angel, zwischen Whatsapp und Social Media, Fußballentwicklungen immer im Blick, haben wir folgende Reflexion von Multineddu, der sicht stets Gedanken rund um den Ball, und damit auch um die Akteure macht, einfach mal aufgefangen, und niedergeschrieben, sowie ein bisschen kommentiert! Aber, lest selbst:

>> Teil dieser „großen“ Generation von Sportdirektoren zu sein, erfüllt mich mit Stolz – manche würden vielleicht sagen: mit einer gewissen „alten Schule“ . Es bringt mich zum Nachdenken über die Methode, über das Verständnis der Rolle eines Beobachters oder Scouts. Wir müssen wissen, dass einige der bedeutendsten #Sportdirektoren, bevor sie dieses Amt antraten, viele Jahre lang als Scouts gearbeitet haben: #LucianoMoggi etwa war fast 20 Jahre lang Beobachter, #GiovanniSartori, Pietro Lo Monaco, Andrea Berta, #WalterSabatini, Andrea Jaconi, Nicola Salerno, Ninni Imborgia, Pietro Leonardi, und viele andere. Das sind jene, die ich entweder persönlich kennenlernen durfte, die ich verfolgte oder deren Arbeit ich zutiefst schätzte.

Diese Herren – so berichten es manche Geschichten und Lehren (Luciano Moggi, Andrea Jaconi, Ninni Imborgia, Nicola Salerno, Mimmo Gentile) – gingen nicht einfach nur ins Stadion, um ein Spiel zu sehen. Und ich, der ich diese, ihre Lehren erhalten, und miterlebt habe, musste denselben Weg gehen. Wenn ein Spieler ihr Interesse geweckt hatte, dann besuchten sie auch die Trainingseinheiten, oder sie hielten sich in der Nähe seiner Wohnung auf, um sein Verhalten, und seinen Charakter auch außerhalb des Platzes zu verstehen. Sie beobachteten die Spieler im normalen Leben, um einschätzen zu können, ob sie charakterlich und menschlich zu jenen Vereinen passten, in die man sie integrieren wollte. Es ging nicht nur um das Spiel – es ging um das Leben, die Gewohnheiten und die Persönlichkeit der Fußballer.

  • Heute hingegen wird diese Rolle meist nur noch „am Wochenende“ gespielt – Samstag oder Sonntag im Stadion, und man nennt sich schon Scout. Die großen Meister aber haben uns etwas anderes gelehrt. Und genau deshalb wurden sie später zu den wirklich großen Sportdirektoren. <<

Wir fügen hinzu, weil wir uns oft und tief mit Gianfranco unterhalten durften, dass hier auch eine weitere Wahrheit liegt, die nicht immer thematisiert wird: nämlich, dass jeder Scout und Beobachter, besonders als externer Zuarbeiter, die Einsamkeit kennt, sie manchmal sogar liebt – nicht nur bei Entscheidungen, sondern im alltäglichen Tun, auf den Sportplätzen, in den Stadien, fernab der Leute. . . ◾️

gid

Eine Bilderreihe, seit wir Gianfranco Multineddu, beim Probetraining eines deutsch-bosnischen Stürmers in Lanciano, kennen- und schätzen lernen konnten – bis heute, unser Mentor. Ein Fachmann, und noch schöner, ein echter Freund!

Abschluss in der Scouting-Clinic des FIGC, mit-organisiert von Gianfranco Multineddu, 2025

Multineddus Scouting- und Beobachtungs-Notizheft auch bei den Topclubs immer dabei!

Gianfranco Multineddu ist als Fußballfachmann und Dozent immer gefragt!

Fußball, Biographien und ein Vereinsporträt: ERBARMEN – zu spät, der SVHummetroth ist DA! Oder: Famiglia Trizzino – Visionär trifft Tatendrang – und, Neid muss man sich ein Stück weit erarbeiten! Der neue Hessenmeister will sicher nicht als Kanonenfutter enden…

#PerCarità und #CalcioPur

Nach gut zwei Stunden Fahrt – wenig Autobahn, viel grüne Provinz – thront der SV Hummetroth tief im Odenwald. Höchst? Um’s Eck. Darmstadt? Nicht weit. Eintracht? Ganz nah. Doch wir kamen bewusst hierher: zum frischgebackenen Hessenmeister SV Hummetroth. Unter Coach Artug Özbakir, ursprünglich als „No‑Name“ gehandelt, scheint auf einmal Magie zu wirken: Historisch! Über 101 Tore, knapp 40 Gegentreffer – Sturm gewinnt Spiele, die Abwehr il Campionato.

Famiglia Trizzino – Visionär trifft Tatendrang

Dass so ein Dorfverein zur Hessenliga-Hochzeit aufsteigt, ist kein Zufall – hier weht ein Hauch italienischer DNA. Stefano Trizzino, Vorsitzender, Mäzen und Teil der Familie, gilt als „Odenwald-Millionär“ – sein Ziel: SV Hummetroth zum Leuchtturm machen, ganz ohne TSG-Hopp-Gloria, aber mit Herz und starken Investitionen (torgranate.de). Seit 2017 steigt der Klub durch die Ligen: C‑Liga, A‑Liga, Gruppenliga, Verbandsliga – bis zur Hessenliga 2025 (de.wikipedia.org).

Mit „Familia“ im Rücken: Sohn Luca Trizzino, Lizenztrainer, ist nicht nur Betreuer der Juniorinnen‑Frauenmannschaft, sondern auch federführend im Trainingscamp für Talente – knallharte Förderung in kleinen Gruppen mit Feldspielern wie auch Torhütern, Preisstaffelung inklusive (svceres.de). Aber auch sonst ist die Familie mit Verwandten und Helfern im Club gut vertreten – und, sie können sich einfach aufeinander verlassen, anders wären diese Erfolge auch nicht möglich gewesen! Die Familie (unter-)stützt sich, und so wird auch das Ehrenamt belebt…

Frauenteams & Nachwuchs – ein echter Quantensprung

Inzwischen hat der SVH drei Jugend- und zwei Frauenteams gemeldet – nachdem Trizzino gemeinsam mit Jugendcoach Torsten Stegmüller das Team aus Erbach holte (fupa.net). Den Spielerinnen ging es nicht ums Geld, sondern um Gemeinschaft – und saubere Kabinen: „Das hat uns nochmal einen Push gegeben.“ (fupa.net)

Ohne viel Tamtam – echter Fußball, echte Vision

Keine lautstarken Marketing-Kampagnen, kein Glitzer: Der Klub wirkt urig, kultig – Calcio Pur eben. Das Sportheim zum Treff, knarzige Tribünen, aber auch blau-gelbe Sitzschalen, eben echter Dorfcharme. Doch hinter den Kulissen wird professionell gearbeitet: Ceres GmbH unterstützt infrastrukturell und finanziell, Fußballcamps und Trainingscamps gehören zum festen Programm (svceres.de).

Der Abschied von Burgio – emotional & berührend echt

Gigante farewell: Torjäger Giuseppe Burgio – charismatisch, torgefährlich – verabschiedet sich mit Standing Ovations. Die Worte: bewegend. Burgio:

„Danke für Alles, was ich mit Euch allen erleben durfte, das werde ich nie vergessen. Ich war hier gern Spieler… danke an alle, auch den Helfern hinter dem Team…!“ Ein Spiegelbild dessen, was Trizzino aufgebaut hat: Familie, Respekt, Stolz.

Der Knatsch um den Acker – und der Aufbruch nach Erbach

Doch nicht alles ist idyllisch: Der Rasenplatz in Hummetroth – Löcher, Furchen, Wasserschlachten – ist Verbandsliga-tauglich, für die Hessenliga aber nicht genug. Trizzino: „Ich schäme mich für den Acker“ (fupa.net). Der Umzug nach Erbach (und Pfungstadt) ist beschlossen – auch für Frauen‑ und Jugendteams (fupa.net).

Und jetzt? Willkommen in der Hessenliga!

SV Hummetroth – nicht nur Aufsteiger, sondern Herausforderer mit Anspruch. „Wir wollen nicht nur dabei sein, wir wollen mitspielen“, sagt Trizzino. Mit Neueinkäufen wie Ahmet Dogan und zwei Brasilianern ist der Kader verjüngt & verstärkt (fupa.net).

Neid ist auch eine Form von Anerkennung – oder?

Es brodelt in mancher Provinz, wenn der Name Trizzino fällt. Dass sich Stefano Trizzino einst – augenzwinkernd, aber selbstbewusst – mit Dietmar Hopp verglich, hat bei manchem Lokalpatrioten die Ohren schlackern lassen. Doch: Wo andere nur „Geld“ sehen, fehlt oft der Blick fürs Ganze. Denn hier fließt nicht in Luxus, sondern in Leidenschaft. In Trainingsmaterialien. In Kabinen. In Rasenpflege (soweit möglich). Und ganz besonders in Jugendarbeit: Mädchen-, Jungen- und Talentförderung laufen auf hohem Niveau – ohne Marketingtamtam.

Dass das Kapital aus harter Arbeit stammt, wird gern übersehen. Trizzino investiert zielgerichtet – nicht zum Protzen, sondern zum Aufbauen. Ja, da ist ein bisschen Politik dabei. Man wünscht sich mehr Support von den Gemeinden. Mehr Fläche. Mehr Flexibilität. Aber anstatt zu jammern, macht der SV Hummetroth eben weiter. Und vielleicht schmerzt das so manche Neider am meisten: Dass hier nicht nur geredet, sondern gemacht wird.

#PerCarità – da steckt einfach mehr dahinter als nur Geld.

Fazit

‚Avantitutta‚ – mit Herz, Hirn und Finesse.
Ein Verein, der zeigt: Mit italienischer Leidenschaft plus deutscher Bodenhaftung kann selbst ein Dorfklub Großes schaffen – ganz ohne Eitelkeiten, aber mit Familie, Gemeinschaft und Vision. Klar gibt’s Neider – so what? Der SV Hummetroth antwortet mit Toren, Teamgeist und Stil. Wir bleiben dran.

Provinz trifft Piazza – SV Hummetroth, wir kommen!

Hier nach dem Meisterstück, mit dem Meistertrainer, Özbakir, davor ein NoName..?

Hier, wie kann es anders sein, mit „Töppi“, dem bekanntesten Feldreporter von einst!

-gid-

Fußball, Fortbildung der Beobachter: Zwischen Leidenschaft, Analyse und Ehrlichkeit – Einblicke in die FIGC-Scouting-Clinic! Viel Reflexion und Demut, aber auch mit etwas Krokodilshaut kommt man weiter…

Nach intensiven 80 Unterrichtsstunden, organisiert vom italienischen Fußballverband (FIGC), ziehe ich Bilanz: Die Online-Fortbildung für Scouts und Beobachter, geleitet von Gianfranco G. Multineddu (u.a. Entdecker von Marco Verratti) und Roberto „Bobby“ Venturini, war weit mehr als eine reine Weiterbildung – sie war ein Blick hinter die Kulissen des modernen Scoutings, mit all seinen Chancen, Fallstricken und realen Geschichten. So sind viele Kursteilnehmer – Sportdirektoren, Trainer, Scouts und/oder Vermittler, wie wir – im oberen Amateur- oder semiprofessionellen und Profi-Bereich aktiv, oder gerade wie im Juniorenbereich ab der B- und A-Jugend (U17 bis U23 – von BundesligaTeams). Und es war bereichernd, die unterschiedlichen Herangehensweisen und Denkansätze zu erleben. Selbst das Thema Honorar und Vermittlungsvergütung wurde offen angesprochen – transparent, mit kleinen regionalen Unterschieden, aber ähnlich strukturiert.

Einzigartiges Format, starker Austausch

Als einziger deutsch-italienischer Teilnehmer aus Deutschland war ich Teil eines Kurses, der neben fachlichem Tiefgang auch echten Austausch zwischen Profis, Trainern und Sportdirektoren ermöglichte. Gastreferenten wie Riccardo Guffanti, Michele Fratini (PSG) und Cristiano Giaretta gewährten praktische Einblicke. In rund 45 Online-Unterrichtseinheiten (plus Praxis und Thesis) wurde ein breites Themenspektrum behandelt – von Spielanalyse über Technologieeinsatz bis zur Kommunikation zwischen Scouts und Trainern. Multineddu stellte auch die Thesen des Scouting-Experten des AC Milan, Thiago Estevao vor. Das Resultat: ein belastbares Netzwerk und viele neue Perspektiven.

Theorie trifft Praxis

Im Zentrum standen Thesenarbeiten zur Rolle des Scouts, Methodik, Technologieeinsatz und ländervergleichender Scoutingpraxis. Ergänzend praktische Fälle: Wie kann das Scouting die Entwicklung junger Spieler fördern? Wie läuft die Bewertung von Profis ab? Und: Warum ist Kommunikation mit Trainern und Vereinen essenziell?

Wissen trifft Erfahrung

Multineddu und Venturini boten nicht nur Theorie, sondern auch Anekdoten aus dem echten Fußballleben – von Provinzplätzen auf Sardinien bis hin zum Ligaverbleib eines fast abgestiegenen Teams. Es ging um Hierarchien in Kabinen, den Mut, Strukturen zu verändern, und die oft übersehene Einsamkeit in Führungsrollen.

Multineddu in der sardischen Provinz

Besonders bewegend waren die Erzählungen von Gianfranco Multineddu: Als Sportdirektor in der tiefen sardischen Provinz – umgeben von trockenen Trainingsplätzen, meckernden Ziegen, blökenden Schafen, gackernden Hühnern und neugierigen Eseln – stand er mit einem fast abgestiegenen Team vor dem Nichts. Aber auch in dieser Ursprünglichkeit, fernab von Hochglanzstadien, bewahrte er Haltung. Seine Frau gab ihm Mut: „Du hast schon ganz andere Dinge geschafft!“ Und tatsächlich – er führte das Team zum Klassenerhalt. Mit Mut, Analyse, Umsicht und dem festen Glauben daran, dass auch „aussortierte“ Spieler nochmal wertvoll werden können. Man müsse die richtigen Menschen erkennen – nicht nur den perfekten Spieler. Und, so ein Geheimtipp gegen Besserwisser im Hintergrund, „manchmal muss man sich eine harte Krokodilshaut zulegen…“, lächelt Multineddu vielsagend via Zoom.

Videoanalysen mit Tiefgang

Das Seminar war zudem topaktuell: Per Videoanalyse wurde u.a. das U19-Finale Spanien gegen Frankreich durchleuchtet – detailreich, mit Fokus auf taktische Entwicklungen, Raumaufteilung, Antizipation. Besonders intensiv war die Analyse von Son Heung-min, dem späteren Europa-League-Sieger. Noch vor dem Finale wurde er im Kurs besprochen – als Musterbeispiel für Vielseitigkeit: Kämpfer, Techniker, Antreiber, Balljäger, Vorlagengeber, Torjäger – und menschlich gefestigt. Ein echter Führungsspieler mit Spielintelligenz und mentaler Stärke. Auch hier zeigte sich: Talent ist mehrdimensional – das „Wie“ ist oft wichtiger als das „Was“.

Eine ausgiebige Analyse zum polyvalenten Spieler, SON, Tottenham

Der Blick aufs Ganze

Guter Fußball beginnt nicht nur mit Talent, sondern mit Verstand, Analyse und Gefühl. Der „Osservatore“ verlässt sich nie allein auf Videosequenzen. Er beobachtet vor Ort, erkennt Körpersprache, Trainingsverhalten, Sozialverhalten. Der Spieler wird ganzheitlich erfasst – eingebettet in Stadt, Kultur und Umfeld. Wie lebt der Club? Wie reagiert die Stadt? Das sind Fragen, die zählen.

Technik und Menschlichkeit – kein Widerspruch

Die neuesten Plattformen und Tools – ja. Aber: Datenbanken ohne Menschenkenntnis sind leer. Es geht auch um Leadership, Agonismus, mentale Stärke. „Der Fußball ist unsere Leidenschaft“, so Multineddu, „aber der Mensch dahinter zählt mindestens genauso.“ Und immer wieder fiel der Begriff, l’anima, die Seele. Nur mit Seele im Club und in einer Mannschaft, erreiche man das Beste!

Fußball ist kein Algorithmus

Statt Schwarz-Weiß-Denken lernten wir differenzierte Sichtweisen: Ob Spielanalysen wie Spanien – Frankreich (U19) oder die taktische und spielerische Vielseitigkeit von Son Heung-min – nie ging es nur ums Faktische, sondern ums Verstehen, Einordnen, Entwickeln. So wurde Son Heung-min, weit vor dessen Europa-League-Finalsiegs mit Tottenham im Kurs besprochen. Aktualität und Kenntnisse internationaler Spieler, waren damit auch gegeben.

Erkenntnis: Der beste Scout irrt auch mal

Erfolg im Scouting? Meist unsichtbar, selten planbar. Viele beobachtete und gescoutete Talente schaffen es nicht in die Profiligen – vielleicht acht von 2000. Aber es bleibt: Leidenschaft, Integrität und der Wille, den Fußball besser zu machen.

Und zum Schluss…

Das erworbene FIGC-Diplom sehen wir eher symbolisch. Was zählt, ist das Wissen, das bleibt – und die Haltung: Im Sinne der Spieler, Talente und Trainer geben wir unser Bestes. Nicht stehen bleiben, nicht ins Blaue philosophieren – denn das wäre Rückschritt. Der Fußball rollt weiter. Und wir – Scouts, Beobachter, Vermittler, Trainer – wir tun alles, damit diese Leidenschaft weiterlebt. Deshalb an Gianfranco Multineddu, Roberto Venturini, den Referenten und Gästen, sowie allen Teilnehmern: Dankeschön für Inspiration, Einsichten und diesen ehrlichen Blick in das, was der Fußball wirklich ist – und was er sein kann.

GiD