Porträts & Biographien: Ein bisschen „Real“ in Pforzheim – und ganz viel Bodenhaftung. Beim Testspiel in Waiblingen, siegt der Drittligist SG Sonnenhof-Großaspach 2:0 über den Oberligisten CfR Pforzheim. Das Team von Pablo Gil, erst vor einer Woche in die Saison gestartet, hielt gegen die Profis sehr gut mit.

Waiblingen. Manchmal kommt es im Fußball eben anders, als man denkt. Das gilt für Spiele ebenso wie für Trainerkarrieren. Und manchmal führt genau dieser Umweg einen ehemaligen Profi und Trainer aus dem Umfeld von Real Madrid ausgerechnet an die Seitenlinie eines Oberligisten in Pforzheim.

Bei der Raseneinweihung in Waiblingen stand für den 1. CfR Pforzheim zwar am Ende eine verdiente 0:2-Niederlage gegen Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach. Rund 400 Zuschauer sahen aber weit mehr als nur zwei Tore. Sie sahen eine Mannschaft, die trotz schwerer Beine mutig nach vorne spielte, und einen Trainer, der jede Szene aufsaugte wie ein Schwamm.

Natürlich war Großaspach insgesamt reifer, eingespielter und kaltschnäuziger. Der ambitionierte Dorfclub hätte durchaus mit 4:2 oder 5:3 gewinnen können. Doch auch der CfR versteckte sich keineswegs. Mal im 3-4-3, mal im 4-3-3 suchten die Goldstädter konsequent den Weg nach vorne. Was fehlte, war weniger der Wille als vielmehr die Präzision im Abschluss.

Hier mit Neuzugang, Gianluca Trianni.

Genau dafür sind Testspiele schließlich da.

Während auf dem Platz munter durchgewechselt wurde, analysierte Pablo Gil Sarrión nahezu jede Aktion. Nach dem Schlusspfiff verschwand der neue Cheftrainer zunächst mit seinem Trainerstab zur Nachbesprechung. Besonders auffällig: die intensive, aber ausgesprochen wertschätzende Zusammenarbeit mit Co-Trainer Steven Riechers. Hier wurde nicht diskutiert, um Recht zu behalten, sondern um gemeinsam besser zu werden.

Kurz danach nahm sich Gil Zeit für ein Gespräch.

Der 37-Jährige spricht erstaunlich gutes Deutsch. Ruhig. Überlegt. Fast leise. Einer, der lieber nachdenkt als große Schlagzeilen produziert.

„Es muss noch besser, noch tiefer werden“, sagt er selbstkritisch. Und meint damit zunächst sich selbst.

„Ich muss den Spielern die Dinge noch verständlicher erklären.“

Dieser Satz verrät vermutlich mehr über den Spanier als jede Trainerlizenz. Verantwortung beginnt für ihn nicht bei den Spielern, sondern beim Trainer.

Warum aber entscheidet sich ein Mann mit einer Vita, die Stationen bei Real Madrid umfasst, ausgerechnet für den CfR Pforzheim?

Gil lächelt.

„Pforzheim hat sich ehrlich und aufrichtig um mich bemüht. Vor allem Giuseppe Ricciardi. Wir kennen und schätzen uns. Dieses Projekt hat mich gereizt.“

Es ist kein Satz für die Galerie, sondern einer, den man ihm abnimmt.

„Wenn man irgendwann wieder weiter oben im Profifußball arbeiten möchte, muss man bereit sein, unten etwas aufzubauen.“

Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch seine Philosophie.

Wer jetzt allerdings glaubt, der Spanier komme mit königlichem Glamour nach Pforzheim, liegt völlig daneben.

Ja, Pablo Gil arbeitete zuletzt fünf Jahre als Trainer und Technischer Direktor im internationalen Ausbildungsprogramm der Stiftung von Real Madrid in Mexiko. Dort ging es nicht nur um Fußball, sondern auch um Werte, Persönlichkeit und soziale Verantwortung.

Und ja – als Spieler trainierte der ehemalige Innenverteidiger bei Real Madrid Castilla sogar regelmäßig unter José Mourinho mit den Profis. Namen wie Iker Casillas, Sergio Ramos, Pepe, Marcelo, Mesut Özil, Sami Khedira, Kaká, Karim Benzema oder Cristiano Ronaldo gehörten damals zum Trainingsalltag.

Doch von Starallüren ist bei Gil nichts zu spüren.

Als ich ihn frage, wie der CfR Pforzheim von diesen Erfahrungen profitieren könne, lächelt er erneut.

„Ob Real Madrid oder Pforzheim – jeder Spieler möchte gewinnen.“

Dann macht er eine kurze Pause.

„Der Leistungsgedanke ist überall derselbe.“

Seine Fußballphilosophie klingt fast verblüffend einfach.

„Jeder Spieler muss seine Stärken kennen.“

Und weiter:

„Ich möchte die Spieler begeistern und ihnen helfen, besser zu werden. Vom Einfachen zum Schweren.“

Für Gil beginnt guter Fußball nicht mit spektakulären Spielzügen, sondern mit den Grundlagen. Saubere Pässe. Klare Laufwege.
Konsequente Balleroberungen.

Automatismen.

„Das muss man immer wieder trainieren.“

Es klingt unspektakulär.

Ist aber wahrscheinlich genau der Grund, weshalb erfolgreiche Mannschaften am Ende oft die einfachen Dinge außergewöhnlich gut beherrschen.

Professionalität ist Pablo Gil wichtig. Allerdings kennt er die Realität eines Oberligisten sehr genau.

„Fußball muss so professionell wie möglich sein“, sagt er.

Dann schiebt er einen Satz nach, der seine Bodenständigkeit unterstreicht.

„Aber ohne die Mannschaft zu überfordern.“

Schließlich gehen die meisten CfR-Spieler tagsüber ganz normalen Berufen nach. Großaspach lebt den Profifußball, Pforzheim lebt den Amateurfußball mit professionellem Anspruch.

Auch das gehört zur Wahrheit.

Umso mehr freut es den neuen Trainer, wie offen seine Mannschaft arbeitet.

„Die Spieler sind sehr interessiert und lernwillig.“

Das hört jeder Trainer gern.

Und wann hat man in der Oberliga schon die Möglichkeit, unter einem Coach zu trainieren, der nicht nur bei Real Madrid gearbeitet, sondern unter José Mourinho mit Weltstars auf dem Trainingsplatz gestanden hat?

Nein, der CfR Pforzheim wird deshalb morgen nicht zu den Königlichen.

Aber vielleicht gelingt es Pablo Gil, etwas viel Wichtigeres nach Pforzheim mitzubringen: eine klare Idee vom Fußball, eine Kultur des Lernens und den Glauben daran, dass große Entwicklungen fast immer mit kleinen, sauberen Schritten beginnen.

Ein bisschen Real ist also tatsächlich beim CfR angekommen.

Nicht als Glamour.

Sondern als Haltung.

Ich finde, diese Version kommt deinem Stil sehr nahe: erzählerisch, mit feinen Beobachtungen, pointierten Übergängen und einem Schluss, der nicht pathetisch wirkt, sondern nachhallt.

Giovanni Deriu

Hier Checkfussballberater.de, Giovanni Deriu mit SGS-Profi, Luca Molinari, den wir

von Kindesbeinen an kennen. Gewann im Testmatch 2:0 (GiD)


WM 2026, Porträts und Biographien – der Brasilianische Traum ist wieder geplatzt. Woran lag es, wenn es selbst der beste Clubtrainer der Welt nicht vermochte, die Selecao bis ins Finale zu bringen? Eine Analyse über Brasilien und Carlo Ancelotti…

Oder: Carlo Ancelotti – Warum auch der erfolgreichste Trainer der Welt in Brasilien an Grenzen stößt

Als Carlo Ancelotti 2009 nach London ging, sprach er kein Wort Englisch. Er redet bis heute auf seine ganz eigene Weise: ruhig, gelassen, auf Italienisch, oft durchsetzt mit römischem Dialekt. Schlagfertige Bemerkungen und Aphorismen gehören ebenso zu ihm wie die acht Jahre in Rom (171 Spiele, 12 Tore), die ihm im Blut geblieben sind – genauso wie seine emilianischen Wurzeln, auch wenn man in seiner Sprache kaum einen regionalen Akzent heraushört. In Rom fand er zudem die Liebe: Seine erste Ehefrau Luisa schenkte ihm die beiden Kinder Davide und Katia.

Heute, siebzehn Jahre später, spricht Ancelotti fließend Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch und inzwischen auch Portugiesisch – eine Sprache, in die er sich unmittelbar nach seiner Ernennung zum Nationaltrainer Brasiliens vertieft hat. Nichts Außergewöhnliches: Wer als Spitzenprofi quer durch Europa und die Welt zieht, muss sich verständigen können – mit Spielern, Funktionären und seinem Umfeld. Es ist nicht nur eine berufliche Notwendigkeit, sondern auch eine Frage des alltäglichen Lebens.

Seine Stationen – vom FC Chelsea zu Paris Saint-Germain, von Real Madrid zum FC Bayern München, später zum FC Everton, mit einem Zwischenstopp in Neapel und nun in Rio de Janeiro – zwangen ihn immer wieder, sich sprachlich und kulturell anzupassen. Das gelang ihm scheinbar mühelos. Sein wichtigstes Prinzip, als Mensch wie als Trainer, lautet: führen und managen. Das hat er in seiner Familie ebenso bewiesen wie in nahezu jedem Verein, den er trainierte – selbst beim Everton oder in Neapel, wo die großen Titel ausblieben. Seine größte Stärke ist die Empathie, mit der er Beziehungen zu Vereinsführungen, Spielern, Fans und Medien aufbaut.

Am Ende bleibt jedoch der Erfolg das entscheidende Kriterium, nach dem ein Trainer beurteilt wird. Anders kann es kaum sein. Der Mensch Ancelotti gilt als loyal, direkt, freundlich, sympathisch und geistreich. Er zeigt nur selten scharfe Kanten und besitzt den gutmütigen, geduldigen und toleranten Charakter eines Mannes vom Land. Der Trainer dagegen muss sich an den Ergebnissen seiner Mannschaften messen lassen.

Brasilien scheiterte bei der Weltmeisterschaft – zunächst spielerisch, dann auch hinsichtlich der eigenen Ambitionen. Das Aus gegen Norwegen im Achtelfinale löste einen Sturm der Kritik aus. Der frühere Nationaltrainer Vanderlei Luxemburgo (1998–2000) ließ kein gutes Haar an seinem Nachfolger. Nachdem er Ancelotti bereits für dessen Umgang mit Neymar kritisiert hatte („Unser bester Spieler hätte immer spielen müssen“), ging er noch weiter:

„Ancelotti hat bei der Aufstellung, bei seinen Entscheidungen und bei der Spielanalyse Fehler gemacht. Dadurch haben wir die Chance auf den sechsten WM-Stern verspielt. Wäre der Trainer Brasilianer, würde die Presse bereits seinen Rücktritt fordern, Sondersendungen ausstrahlen und das gesamte Projekt für gescheitert erklären. Bei einem Ausländer scheint es dagegen immer eine Entschuldigung zu geben, den Wunsch, ein Auge zuzudrücken, und eine Geduld, die man brasilianischen Trainern nie entgegengebracht hat. Schluss mit diesem Minderwertigkeitskomplex, der uns glauben lässt, alles, was von außen kommt, sei besser. Der brasilianische Fußball braucht mehr Brasilien. Mehr Identität, mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und mehr Respekt für unsere Fachleute und für das Wesen unseres Fußballs. Sollen sie über die Premier League, die Champions League oder worüber auch immer sprechen. Für mich bedeutet Fußball noch immer legendäre Trikots, bunte Tribünen, Späße und Legenden, bemalte Straßen, Kinder, die ihre Nationalmannschaft zum ersten Mal Weltmeister werden sehen – und vor allem jene Leidenschaft, die nur die Brasilianer wirklich verstehen.“

Eine solche Reaktion ist nachvollziehbar und keineswegs ungewöhnlich. Einige Personalentscheidungen, manche taktischen Einschätzungen und vor allem eine ausgesprochen vorsichtige Spielweise stehen im Widerspruch zur traditionellen brasilianischen Fußballkultur, die stets vom Angriff lebte – immer angreifen, überall angreifen, mit Außenverteidigern, Innenverteidigern und Mittelfeldspielern. Selbst dann, wenn Beobachter mehr Vorsicht und mehr Balance empfohlen hätten.

Auch die brasilianische Presse zeigte sich nicht gnädiger und griff im Wesentlichen denselben Gedanken auf wie Luxemburgo: „Wäre er Brasilianer, wäre er längst entlassen worden.“

Nach der Niederlage, besiegelt durch den Doppelpack von Erling Haaland, sprach Ancelotti dennoch vom Beginn eines neuen Zyklus. Es ist schwierig, die Grenze zwischen der inzwischen seit Jahren offensichtlichen technischen Schwäche vieler brasilianischer Spieler – mit wenigen Ausnahmen – und der Verantwortung des Nationaltrainers zu ziehen. Natürlich trägt auch der Trainer seinen Anteil an einem Debakel, das durch einen Ballbesitzanteil verschärft wurde, der Kritiker und Fans fast noch mehr verärgerte als die Niederlage selbst, weil Brasilien den Norwegern die Kontrolle über das Spiel überließ.

Zwar stimmt es, dass Norwegen die einzige Nationalmannschaft der Geschichte ist, die Brasilien noch nie besiegen konnte (drei Siege und zwei Unentschieden in den bisherigen Duellen). Ebenso stimmt, dass die besten Torchancen bis zehn Minuten vor Schluss überwiegend auf Seiten der Seleção lagen und der norwegische Torhüter Ørjan Nyland der beste Mann auf dem Platz war. Und ebenso richtig ist, dass Brasilien ohne Vitinha und Lucas Paquetá sowie mit einem nie richtig durchgestarteten Endrick, einem eher blassen Gabriel Martinelli und einem Mittelfeld um Casemiro, Bruno Guimarães und Gabriel weit von den großen Mannschaften vergangener Jahrzehnte entfernt ist. Dennoch waren die Erwartungen ungleich höher. Sehr viel höher. Aberglaube, Glück oder Pech spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Auch wolle Ancelotti kein Vorbild für andere sein, entgegnete er einer Journalistin, die fragte, was denn von ihm überdauern solle? Carlo wörtlich auf der PK nach der Niederlage: ,,Ich bin immer der Gleiche, ich will kein Vorbild sein – ich liebe die Passion zum Fußball seit ich ein kleiner Junge war. Erfolge und auch eben solche Niederlagen gehören zum Fußball dazu…“

„König Carlo“ als Trainer wurde von seinen Kritikern – und nicht nur von ihnen – stets als außergewöhnlich glücklich bezeichnet. Dabei war ausgerechnet er es, der mir einst erklärte, dass es im Sport, im Fußball, kein Glück gebe. Damals war er noch Spieler und ich ein junger Reporter. Immer wieder sagte er zu mir:

„Du kannst den Pfosten treffen, wegen eines Abprallers, eines schlechten Rasenstücks oder einer abgefälschten Aktion verlieren oder nicht gewinnen. Aber du hast 90 Minuten Zeit zu zeigen, dass du besser bist. Wenn dir das nicht gelingt, ist es deine Schuld – und das Verdienst des Gegners.“

Dieser Satz gilt heute genauso wie damals. Er beschreibt Ancelottis Fußballphilosophie besser als jede Trophäensammlung. Und vielleicht muss er sich nun an seinen eigenen Worten messen lassen.

Ancelotti hat bei der Seleção noch vier Jahre Vertrag. Genug Zeit, um Kritiker zu widerlegen und Brasilien wieder zu alter Stärke zu führen. Leicht wird das nicht. Doch wenn einer weiß, dass Erfolg weder Glück noch Zufall ist, sondern das Ergebnis harter Arbeit, dann ist es Carlo Ancelotti.

Boa sorte, Carletto. Viel Glück.

Giovanni Deriu

Fußball, Porträts & Biographien: Von Aue bis Bologna – Domenico Tedesco vor dem Engagement beim ambitionierten SerieA-Club Bologna: Der Italo-Schwabe kehrt zu seinen Wurzeln zurück… Eine ganz spannende Personalie für Italien!

Die Zeichen verdichten sich. In Bologna gilt die Verpflichtung von Domenico Tedesco inzwischen nahezu als beschlossene Sache. Noch sind einige bürokratische Details mit Fenerbahçe zu klären, doch die italienischen Medien berichten übereinstimmend von einer Einigung. Für den ehemaligen belgischen Nationaltrainer wäre es die erste Trainerstation in der Serie A.

Die Fans der Rossoblù dürfen sich auf einen Trainer freuen, der trotz seiner erst 40 Jahre bereits eine bemerkenswerte Karriere hinter sich hat. Für uns bei Checkfussballberater.de besitzt diese Personalie noch eine zusätzliche Bedeutung. Wir durften Domenico Tedesco bereits in seinen frühen Jahren als Nachwuchstrainer beim VfB Stuttgart und später bei der TSG Hoffenheim erleben und mit ihm sprechen. Schon damals war er keiner, der laut auftrat oder große Schlagzeilen produzieren wollte. Stattdessen überzeugte er mit Fachwissen, Akribie und einer bemerkenswerten Bodenständigkeit.

Es war die Zeit, in der sich bereits abzeichnete, dass dieser Italo-Schwabe seinen Weg im Profifußball gehen würde. (https://checkfussballberater.de/nachwuchstrainer-talente-domenico-tedesco-ein-unverkrampfter-klassenprimus-mit-10-zum-fussballlehrer/ ) sowie auf RUND (https://www.rund-magazin.de/news/1525/25/Interview-Domenico-Tedesco/ )

Vom Klassenbesten zum Bundesliga-Trainer

Geboren wurde Tedesco 1985 im kalabrischen Rossano, aufgewachsen ist er in Deutschland. Parallel zu seinem Studium als Wirtschaftsingenieur entwickelte er sich zu einem der spannendsten Nachwuchstrainer des Landes.

Während seiner Zeit bei der TSG Hoffenheim absolvierte er den renommierten Fußballlehrer-Lehrgang des DFB. Die Doppelbelastung zwischen Trainertätigkeit und Ausbildung meisterte er mit Bravour. Am Ende stand die Bestnote 1,0 und die Auszeichnung als Jahrgangsbester des Fußballlehrer-Lehrgangs 2016.

Schon damals beeindruckte Tedesco mit seiner klaren Vorstellung von moderner Trainerarbeit. Seine Mannschaften sollten mutig, offensiv und gleichzeitig strukturiert auftreten. Besonders wichtig war ihm jedoch immer die individuelle Entwicklung seiner Spieler.

Sein Grundsatz lautete:

„Ein Spieler muss durchgängig bestmöglich begleitet werden.“

Diese Philosophie zog sich durch seine gesamte Laufbahn.

Die Chance in Aue und der Blick für Talente

Seinen Durchbruch im Profifußball schaffte Tedesco im Frühjahr 2017 beim FC Erzgebirge Aue. Die Sachsen standen damals mit einem Bein in der 3. Liga, als der junge Trainer die Verantwortung übernahm.

Innerhalb weniger Wochen gelang ihm das, was viele Beobachter kaum noch für möglich hielten: der Klassenerhalt.

Tedesco strukturierte die Mannschaft neu, ordnete Spieler ihren optimalen Rollen zu und entwickelte sofort eine klare Spielidee. Die erfolgreiche Rettungsmission machte ihn schlagartig bundesweit bekannt.

Interessant aus unserer Sicht: Nach seinem Wechsel nach Aue nahm Tedesco auch Moses Ngwisani, (s)einen ehemaligen Spieler aus dem Nachwuchsbereich des VfB Stuttgart mit nach Sachsen. Einen Spieler, dessen Entwicklung wir über Jahre persönlich begleitet und beobachtet haben. Auch das zeigte schon damals eine der großen Stärken Tedescos: Er erkannte Potenziale, schenkte jungen Spielern Vertrauen und war bereit, Verantwortung für ihre Entwicklung zu übernehmen. (https://checkfussballberater.de/junioren-fussball-in-eigener-sache-wir-freuen-uns-sehr-fuer-moses-ngwisani-ueber-den-profivertrag-beim-fc-erzgebirge-aue-ab-juli-2017-weiter-so-disziplin-und-biss-zahlen-sich-aus/)

Nach Aue ging es steil bergauf. Schalke 04 verpflichtete den damals erst 31-Jährigen. Es folgten die Vizemeisterschaft in der Bundesliga, Stationen bei Spartak Moskau und RB Leipzig sowie der Gewinn des DFB-Pokals mit den Sachsen.

Warum Bologna auf Tedesco setzt

Heute steht Domenico Tedesco vor dem nächsten spannenden Kapitel seiner Laufbahn. Die italienische Sportzeitung Corriere dello Sport titelte bereits „Il Bologna di Tedesco“ und unterstreicht damit die Erwartungen rund um den Traditionsverein aus der Emilia-Romagna.

Sportdirektor Giovanni Sartori soll sich bereits seit längerer Zeit mit dem Deutsch-Italiener beschäftigt haben. Schon nach dem Abschied von Thiago Motta galt Tedesco als Kandidat. Nun scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein.

Der ehemalige belgische Nationaltrainer spricht sechs Sprachen, verfügt über internationale Erfahrung und steht für modernen, kontrollierten Offensivfußball. Seine Mannschaften sollen schnell torgefährlich werden, ohne dabei die defensive Stabilität zu verlieren.

Dabei denkt Tedesco nie in starren Systemen. Viel wichtiger ist für ihn, die vorhandenen Qualitäten einer Mannschaft bestmöglich zu nutzen.

Mit Bologna übernimmt er einen Verein, der sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt hat und erneut europäische Ambitionen verfolgt.

Für Tedesco schließt sich damit zugleich ein Kreis. Der gebürtige Kalabrese kehrt erstmals als Cheftrainer in das Land seiner Wurzeln zurück.

Bologna bekommt keinen Selbstdarsteller. Bologna bekommt einen akribischen Fußballfachmann, der Spieler besser machen kann und Mannschaften entwickelt.

Genau deshalb könnte diese Verbindung hervorragend funktionieren.

Giovanni Deriu

Porträts, Clubs & Biographien: Ein kleines Fußballmärchen, manch einer meint, Fußballwunder, wurde in der Serie A wahr! FC Como – Das internationale Team „Jugend foscht“ vom Comer See, spielt in der kommenden Saison in der Champions League! Fabregas hat dem Verein seinen Stempel aufgedrückt…

Der Fußball schreibt noch immer Geschichten, die größer sind als jedes Datenblatt, größer als jeder Algorithmus und manchmal sogar größer als die Milliarden der modernen Eigentümerstrukturen.

Der FC Como 1907 ist genau so eine Geschichte.

Eine Geschichte von Tradition, Leidenschaft, Geduld, Vision – und von einem Club, der viele Jahrzehnte im Schatten lebte, ehe plötzlich wieder Licht über den Comer See fiel. Wer heute durch Como spaziert, spürt sofort, dass dieser Verein mehr ist als nur ein Fußballclub. Die Menschen dort tragen Como im Herzen. Blau und Weiß gehören zur Stadt wie der See, die engen Gassen oder die Piazza Cavour.

Als der Aufstieg in die Serie A perfekt war, verwandelte sich die Stadt in ein einziges großes Fußballfest. Menschen feierten bis tief in die Nacht. Fahnen aus den Fenstern. Gesänge am Wasser. Euphorie überall.

Und ehrlich gesagt: Es war verdient.
Denn dieser Aufstieg war kein Zufall.
Und schon gar kein kurzfristiges Fußballmärchen.


Wie wir bereits auf Checkfussballberater.de während der Saison 2024/25 berichteten, war früh erkennbar, dass in Como etwas Besonderes entsteht. (https://checkfussballberater.de/fussball-saison-2023-2024-alle-wege-fuehren-nach-madrid-fuer-fussballliebhaber-jedoch-ueber-die-route-leverkusen-stuttgart-bergamo-bologna-como-oder-wenn-clubs-fuer-ueberraschungen-dur/ )

Damals lobten wir ausdrücklich die Philosophie von Cesc Fabregas, der bereits in der Serie B einen mutigen, modernen und intelligenten Fußball spielen ließ.

Und genau dort beginnt die eigentliche Geschichte. Denn wer die italienische Serie B kennt, weiß: Diese Liga ist brutal.
Vielleicht ist sie sogar die härteste zweite Liga Europas.
Taktisch anspruchsvoll. Körperlich intensiv. Emotional extrem.
Und jedes Wochenende ein Kampf.

Traditionsvereine, volle Stadien, hoher Druck, kaum einfache Spiele.
Zwischen Platz drei und Platz zehn liegen oft nur wenige Punkte.
Jeder Fehler wird bestraft.

Viele internationale Beobachter unterschätzen diese Liga massiv.
Doch wer sich dort durchsetzt, besitzt Charakter. (Auch der ehemaliga Nationalspieler und Bayern-ChampionsLeague-Legende, Stefan Effenberg, verhalf der Fiorentina wieder zum Aufstieg)

Como setzte sich durch. Mit einem jungen Kader. Fast einem U23-Kader.
Mit einer klaren Idee. Mit viel Geduld.
Und mit einem Trainer, der den modernen Fußball versteht.

Cesc Fabregas wurde in Como längst mehr als nur ein ehemaliger Weltstar.

Er wurde eine wahre Identifikationsfigur. Vom Spieler, an seinem Karriere-Ende, hin zum U19-Coach. Letztendlich zum Cheftrainer. Eine Entwicklung, die im heutigen Fußball fast romantisch wirkt.

Und genau diese Authentizität spürt man im gesamten Verein.
Der Club lebte jahrelang in den unteren Regionen des italienischen Fußballs.
Sogar in der Serie D.

Doch amerikanische und später indonesische Investoren erkannten früh das Potential dieses historischen Vereins. Sie sahen:
den interessanten Standort, klein aber fein, edel, an einem wahnsinnig schönen See.
Viel Geschichte. Noch mehr Emotionen.
Und die Möglichkeiten erst…

Aber vor allem:
Eine Stadt, die nach Fußball hungerte.

Der Neustart begann bewusst. Nicht laut. Schon gar nicht künstlich. Sondern sehr strukturiert. Heute gehört Como zu den spannendsten Fußballprojekten Europas
Interessant ist dabei vor allem, trotz der finanziellen Möglichkeiten wurde nie ausschließlich auf große Namen gesetzt.

Fabregas setzte bewusst auf junge Spieler.
Hungrige Spieler.
Entwicklungsfähige Spieler.

Viele Stammspieler waren unter 23 Jahre alt.

Das macht den Erfolg noch bemerkenswerter.

Fabregas selbst sprach nach dem historischen Erfolg davon, dass diese Mannschaft ein „Capolavoro“, ein Meisterwerk, sei.

Und damit hat er recht.

Denn Como gewann nicht durch Zufall.
Sondern durch Entwicklung. Durch tägliche Arbeit.

Durch eine Idee. Der Spanier sprach nach der Saison offen darüber, dass die Champions League nun andere Anforderungen stellt.

Mehr Erfahrung.
Mehr Tiefe.
Mehr Reife.

Und dennoch möchte Como seine Identität nicht verlieren.

Das ist entscheidend.

Viele Clubs scheitern genau an diesem Punkt:
Sie verlassen ihre DNA, sobald Erfolg kommt.

Como scheint diesen Fehler vermeiden zu wollen.

Die Verantwortlichen arbeiten ruhig.
Strategisch.
Klar.

Präsident Mirwan Suwarso und Fabregas wirken dabei wie ein ungewöhnlich harmonisches Duo.

Der emotionale, impulsive Fußballmann Fabregas.
Der ruhige, analytische Präsident.
Beide ergänzen sich hervorragend.

Auch sportlich denkt man langfristig.

Die Academy wird massiv ausgebaut.
Junge Spieler sollen integriert werden.
Italienische Talente gewinnen wieder Bedeutung.

Die UEFA-Listen zwingen Clubs mittlerweile dazu, stärker auf eigene Strukturen zu achten. Und genau dort setzt Como an.

Natürlich wird auch der Transfermarkt spannend.

Spieler wie Miretti oder andere technisch starke Mittelfeldspieler passen perfekt zur Philosophie des Clubs. Como sucht keine bloßen Namen.
Como sucht Fußballintelligenz.

Das macht den Unterschied.

Interessant bleibt auch die wirtschaftliche Seite.

Die Hartono-Brüder aus Indonesien gehören mittlerweile zu den reichsten Clubbesitzern der Serie A.

Doch anders als viele kurzfristige Investoren scheinen sie verstanden zu haben:
Ein Verein wächst nicht nur über Geld.

Sondern über Kultur.

Über Vision.

Über Identifikation.

Und genau deshalb lieben die Menschen Como aktuell so sehr.

Dieser Club wirkt nicht künstlich.
Nicht konstruiert.
Nicht steril.

Sondern lebendig.

Wer die Bilder der Feierlichkeiten gesehen hat, verstand sofort:
Hier feierte keine Marketingmaschine.

Hier feierte eine Stadt. Natürlich erinnert vieles auch an frühere Zeiten.

An Hansi Müller.
An Dan Corneliusson.
An Gianluca Zambrotta, der in Como geboren wurde und dort ausgebildet wurde.

Der Verein hatte immer eine gewisse Magie. Nun ist sie zurück.

Und vielleicht beginnt jetzt erst das eigentliche Kapitel.

Denn die Herausforderung wird gigantisch.

Serie A. Europa, jetzt gleich über die
Champions League. Der Druck wächst, die Erwartungen sowieso.

Fabregas weiß das.

Er sagte selbst:
„Wenn du nicht vorbereitet bist, bekommst du in gewissen Stadien sechs Gegentore.“

Genau deshalb wirkt Como momentan so interessant.

Weil dort niemand komplett abgehoben erscheint.

Der Club träumt.
Aber mit Realitätssinn.

Und genau diese Mischung macht erfolgreiche Projekte oft langfristig stabil.
Como ist heute nicht einfach nur ein Aufsteiger.

Como ist ein Symbol dafür, dass Fußball trotz Milliarden, Datenanalysen und Hyperkommerzialisierung noch immer emotionale Geschichten schreiben kann.

Geschichten über Städte.
Menschen.
Visionen.
Und Trainer, die mutig genug sind, ihren eigenen Weg zu gehen.

Cesc Fabregas könnte dabei tatsächlich zu einem der spannendsten Trainer Europas werden. Nicht irgendwann. Sondern vielleicht genau jetzt.

Und der FC Como 1907?

Der ist längst zurück auf der großen Fußballkarte Italiens.

Vielleicht stärker als je zuvor…

Giovanni Deriu

Porträts, Clubs & Biographien: Wie die Brüder Nicos und Kiri Gountoulas aus Skepsis ihnen gegenüber beim SV Fellbach, echte Begeisterung machten! Jedenfalls haben sie es hervorragend verstanden, eine schlagfertige junge Mannschaft aufzubauen. Und nicht nur das, selbst die Spielweise ist recht attraktiv. Vielleicht auch im Wissen, dass einem jungen Team, Fehler schneller verziehen werden…?

Der SV Fellbach (ein ziemlich mitgliedsstarker Verein vor den Toren Stuttgarts) verliert im heimischen „Max-Graser-Stadion“ zwar deutlich mit 0:4 gegen die Sportfreunde Schwäbisch Hall. Eine klare Revanche der Haller, nachdem Fellbach das Hinspiel in Schwäbisch Hall noch mit 3:1 gewonnen hatte. Aber, die Saison ist quasi gelaufen, und der SV Fellbach steht weiter oben, als vor der Saison überhaupt geglaubt und gedacht.

Die kurze Abfolge der Tore:

  • 0:1 L. Minder (6.)
  • 0:2 M. Bunk (26.)
  • 0:3 L. Pfeiffer (61.)
  • 0:4 G. Schmidt (89.)

Doch wie so oft im Fußball, erzählt das Ergebnis nicht die komplette Wahrheit. Denn so deutlich der Sieg der Sportfreunde auf dem Papier aussieht – der SV Fellbach war keineswegs chancenlos oder hoffnungslos unterlegen. Die Haller waren schlicht wacher, effizienter und nutzten ihre Momente eiskalt aus. Besonders nach einem unglücklichen Zusammenprall zweier Fellbacher Spieler wirkte die junge SVF-Elf im Kollektiv kurz benommen. Schwäbisch Hall erkannte diese Phase sofort, und schlug gnadenlos zu.

Aber: Trotz der Niederlage bleibt der SV Fellbach Tabellenvierter – und genau das ist die eigentliche Geschichte dieser Saison.

Nach dem Abstieg und einer finanziell notwendigen Neustrukturierung setzte der Verein mutig auf ein extrem junges Team und auf zwei Trainer, die außerhalb der Szene zunächst kaum größere Bekanntheit hatten:
Nicos Gountoulas (33) und Kiri Gountoulas (35). Natürlich kannten wir von Checkfussballberater.de die beiden schon als Juniorentrainer, aber, Viele waren skeptisch.
Zu jung. Zu unbekannt. Zu riskant? Wir kannten zwar die Beiden, wie erwähnt, aus dem gehobenen Juniorenbereich, waren aber dennoch etwas skeptisch. Zwei Juniorentrainer, direkt in die Verbandliga zu einem wichtigen Traditionsclub? Unser guter Podcastfreund Michele Vulcano (#PizzaHawaii2025), Kenner des Fußballs und SVF speziell, damals auch noch innerhalb des Vereins als Sponsoren-Betreuer und Organisator aktiv, meinte nur: ,,Wartet ab, die haben schon was drauf. Schwieriger wird das zweite Jahr…“ Heute muss man sagen: Der Mut des Vereins wurde belohnt.

15 Siege, 3 Unentschieden, 11 Niederlagen, bis dato – das ist für diese Voraussetzungen ein bemerkenswerter Saisonerfolg.

Der Fußball der Fellbacher ist besonders. Laufintensiv, mutig, technisch anspruchsvoll. Teilweise wirkt das Spiel beinahe vogelwild. Aber nur auf den ersten Blick. Dahinter stecken klare Abläufe, feste Zuordnungen und bewusst eingeräumte Freiheiten im Offensivspiel.

Die „Gebrüder“ Gountoulas stehen für „mutigen und frechen Fußball“, wie es der Verein formuliert. Junge Spieler sollen Verantwortung übernehmen, kreativ sein und sich entwickeln dürfen. Der Schlüssel zum Erfolg, einem kleinen lokalen Märchen, benennt Nicos Gountoulas so: „Klare Vorgaben und verständliche Spielsysteme“, als Grundlage der Entwicklung. Bruder Kiri ergänzt:
„Die jungen Spieler wollen einfach zeigen, was sie draufhaben.“

Und genau dieses Feuer hat Fellbach in dieser Saison ausgezeichnet.

Die beiden Trainer bringen gemeinsam 13 Jahre Erfahrung aus dem Jugendfußball mit. Sie arbeiteten erfolgreich beim FSV Waiblingen, entdeckt und gestützt von Sandro Palmeri, und trainieren zuletzt die U19 des FSV 08 Bietigheim-Bissingen. Besonders der Klassenerhalt mit der U15 des FSV Waiblingen in der Regionalliga 2021/22 gilt als wichtiger Erfolg ihrer bisherigen Laufbahn. Immerhin konnten sie sich mit Topteams und anderen Trainern messen, aus Hoffenheim, Heidenheim und Stuttgart.

Ab Sommer übernehmen sie offiziell die Nachfolge von Trainer Tomislav Zoric beim SV Fellbach.

Wichtig dabei:
Die Planung des Vereins ist langfristig angelegt – unabhängig davon, ob man in der Oberliga oder Verbandsliga spielt. Mit Sportdirektor Theo Fringelis kam zusätzlich Stabilität und Struktur in den Verein.

Nach dem Spiel zeigen sich die Brüder entspannt, humorvoll und bodenständig. Man merkt schnell: Hier arbeiten keine Blender, sondern echte Fußballtypen.

Kiri Gountoulas beschreibt sich und seinen Bruder mit einem Lächeln selbst als „Menschenfischer“. Spieler überzeugen, motivieren, emotional mitnehmen – genau darin liegt offenbar ein großer Teil ihres Erfolgs.

„Die Spieler folgen uns blind“, sagt er grinsend.

Und wenn man diese Fellbacher Mannschaft beobachtet, glaubt man ihm das sofort.

Auf Seiten der Sportfreunde Schwäbisch Hall endet dagegen langsam eine Ära. Trainer Schift befindet sich auf Abschiedstour. Zur kommenden Saison übernimmt Ex-Profi Tobias Weiss, der bereits jetzt Einfluss auf die Kaderplanung nimmt. Sein Ziel ist klar: Schwäbisch Hall soll wieder ganz oben angreifen.

Doch egal ob in Fellbach oder Schwäbisch Hall:
Am Ende bleibt Fußball vor allem Menschenführung.

Oder einfacher gesagt:
Du musst Menschen und Spieler erst einmal erreichen, bevor sie für dich laufen…

Giovanni Deriu

Porträts, Clubs & Biographien: Das MEISTERSTÜCK DES VfR AALEN – Wie ein Traditionsclub seine Seele wieder zurückeroberte… mit schwäbischer Gründlichkeit und italienischem Flair. Der VfR Aalen so scheint es, hat aus seiner Vergangenheit die richtigen Schlüsse gezogen. Die Stadt und Fans stehen jedenfalls wieder hinter ihrem Verein…und das will was heißen!

Am Ende gab es kein Halten mehr, mit dem Abpfiff im Heilbronner Stadion am See, stürmten die rund 800 VfR-Fans den Rasen, und feierten ausgelassen mit dem ganzen Team. Mit einer 4:0-Galavorstellung, machte der VfR Aalen drei Spieltage vor Schluss den Knopf drunter.

Ja, es gibt Aufstiege, die liest man nüchtern in Tabellen. Und es gibt Aufstiege, die riechen nach Schweiß, Hoffnung und gekonnter Souveränität durch Fleiß…

Der VfR Aalen hat nicht einfach die Oberliga gewonnen. Der VfR Aalen hat ein Stück seiner Identität zurückerobert.

Vor zehn Jahren spielte dieser Verein noch in der 2. Bundesliga. Große Stadien. Große Gegner. Großer Fußball. Danach kamen schwere Zeiten. Enttäuschungen. Zweifel. Unruhe. Vom FC Heidenheim und zeitweise Ulm überholt. Klar schmerzte das, Vereine aus der Nachbarschaft. Viele Vereine verschwinden nach solchen Abstürzen langsam im Nebel der Bedeutungslosigkeit.

Doch manche Clubs tragen ein besonderes Feuer in sich.

Aalen ist so ein Club.

Jetzt ist das Meisterstück vollbracht.
Der VfR steigt in die Regionalliga Südwest auf und setzt damit ein starkes Zeichen im württembergischen Fußball.

Und das Beeindruckende daran:
Eigentlich war dieser Erfolg erst für nächstes Jahr geplant.
Doch manchmal beschleunigt Fußball seine eigenen Geschichten.

Das 4:0 gegen Neckarsulm in Heilbronn war mehr als nur ein Sieg.
Es war die Krönung monatelanger Arbeit.
Schon nach 25 Minuten war klar: Mannheim spielt nur 3:3 in Villingen. Der VfR ist Meister. Viele Mannschaften hätten danach Spannung verloren. Doch Aalen spielte weiter mit Hunger, mit Kontrolle und mit der Aura eines echten Champions.



Campagna eröffnete den großen Feier-Abend am Nachmittag.
Hannam erhöhte.
Meien legte nach.
Maksimovic setzte den Schlusspunkt.

Vier Tore wie vier Hammerschläge auf die Tür zur Regionalliga. Und auch noch schön anzusehen, zollten selbst die Gegner von Türkspor Neckarsulm Respekt und gratulierten später voller Anerkennung!

Die Bilder danach waren emotional.
800 Fans machten Heilbronn kurzzeitig zu Aalener Stadtgebiet. Gesänge. Fahnen. Emotionen. Und später verlagerte sich die Feier tief hinein in die Aalener Innenstadt.

Diese Stadt hatte wieder das Gefühl, der VfR lebt. Großen Anteil daran trägt Cheftrainer Beniamino Molinari. Er wurde genau für diesen Auftrag verpflichtet. Den VfR dorthin zurückzuführen, wo Vereine wie Göppingen bereits angekommen waren: in die Regionalliga Südwest. (Und wieder runter mussten.)

Und Molinari lieferte.
Doch Erfolg im Fußball entsteht nie allein.

Giuseppe Catizone bildet gemeinsam mit ihm ein Trainerduo, das Fußball nicht nur versteht, sondern lebt. Beide bringen Erfahrung aus höheren Spielklassen mit. Beide wirken authentisch. Beide verbinden Emotion mit Analyse. Und vor allem, beide heben immer auch das Funktionsteam, und weitere Trainer des Teams hervor.

Das ist heute selten geworden.

  • Viele Trainer wollen modern wirken.
    Viele Trainer wollen sich inszenieren.
    Doch Molinari und Catizone wirken wie Fußballarbeiter alter Schule – nur mit modernen Ideen.
  • Akribisch. Detailverliebt.
    Klar in der Kommunikation.

    Vor allem aber: glaubwürdig.

    Die Mannschaft folgte ihnen blind.

    Das war während der gesamten Saison sichtbar.
    Variable Systeme. Flexible Rollen. Hohe Intensität. Gleichzeitig Stabilität und Ordnung. Der VfR konnte dominant auftreten, aber auch leiden. Er konnte Tempo spielen oder geduldig sein.

    Genau diese Balance macht Meistermannschaften aus.

    Interessant war auch die emotionale Seite nach dem Spiel. Beide Trainer bedankten sich öffentlich bei ihren Familien und besonders bei ihren Frauen.

    Ein oft unterschätzter Aspekt im Fußball.

    Trainer leben nicht nach Uhrzeiten.
    Sie leben in Spielplänen, Analysen und Drucksituationen. Die Familie trägt vieles mit. Sie stabilisiert. Sie opfert Zeit. Sie fängt Emotionen auf.

    Deshalb wirkten diese Worte ehrlich.

    Und Ehrlichkeit war ohnehin ein Markenzeichen dieser Saison.
  • Auch im Vorstand.
    Denn selbst Präsident Michael Schäfer wurde anfangs skeptisch betrachtet. Viele wollten erst Ergebnisse sehen. Doch gemeinsam mit Sportdirektor Marc Elser und Mehmet Deli entstand eine bemerkenswert ruhige Führungsebene.

    Keine großen Schlagzeilen.
    Keine öffentlichen Machtkämpfe.
    Keine Selbstdarsteller.

    Sondern Struktur.

    Der Vorstand schuf die Rahmenbedingungen und ließ die sportliche Verantwortung dort, wo sie hingehört: beim Trainerteam.

    Ein entscheidender Faktor. Gerade im Amateur- und Halbprofifußball scheitern viele Projekte an Eitelkeiten und internen Reibungen. In Aalen dagegen entstand Vertrauen.

    Und Vertrauen ist im Fußball oft wertvoller als jedes Budget.

    Vor einigen Wochen gratulierte sogar Göppingens Gästecoach Gianni Coveli bereits frühzeitig zur Meisterschaft. Auch das zeigte, wie dominant und konstant dieser VfR in dieser Saison agierte. Das Derby mit mehreren italienischen Trainern an der Seitenlinie hatte ohnehin besonderen Charme. Leidenschaft. Emotion. Temperament.

    Man spürte förmlich:
    Hier geht es um mehr als nur Punkte.

    Fußball ist Kultur. Fußball ist Familie. Fußball ist Identität.
    Und genau diese Identität hat der VfR Aalen zurückgewonnen.
    Vielleicht liegt darin die größte Leistung dieser Saison. Nicht nur der Aufstieg.

    Sondern die Tatsache, dass Fans und Stadt wieder gemeinsam hinter diesem Verein stehen.

    Drei Spieltage vor Saisonende darf gefeiert werden. Verdient gefeiert werden.

    Doch gleichzeitig beginnt jetzt bereits die nächste Herausforderung.

    Die Regionalliga wird härter.
    Schneller. Noch einen Tick professioneller. Kurz, die Regionalliga ist größtenteils bereits Profibetrieb. Aber Aalen wirkt vorbereitet.
    Nicht nur sportlich.

    Sondern strukturell.

    Und genau deshalb fühlt sich dieser Aufstieg nicht wie ein Zufall an.

    Sondern wie der Beginn von etwas Neuem.

    Vielleicht wird es noch dauern bis zur Rückkehr in den Profifußball. Vielleicht wird der Weg steinig.

    Doch der VfR Aalen hat wieder eine Richtung.

    Und manchmal ist genau das im Fußball der wichtigste Sieg überhaupt. Die eindrucksvollen Fans feierten dies bis spät in die Nacht, oder besser, in den frühen Morgen hinein. Der pure Wahnsinn, wie Giuse und Beni immer wieder kopfschüttelnd vor Freude festhielten…

    Giovanni Deriu

Fußball, Akteure & Biographien: „Mister“ Giovanni Stroppa trägt das AC Milan-Gewinner-Gen in sich. Stroppa gilt als knurrender Aufstiegstrainer. Oder, als Mann für besondere und schwierige Missionen. Wir hatten einst das Vergnügen, den italienischen Coach in Südtirol persönlich kennenzulernen. Jedenfalls ist Stroppa wieder in der Serie A angekommen – Venezia jubelt!

Warum die lautesten Trainer selten die besten sind – und was Giovanni Stroppa anders macht? Er schreit nicht. Er inszeniert sich nicht.
Und wahrscheinlich genau deshalb, gewinnt er mit seinen Teams, die ihm folgen.
Während andere Trainer Schlagzeilen produzieren, baut Stroppa Mannschaften.
Still. Konsequent. Erfolgreich.
Ein Gegenentwurf zum modernen Fußball-Lärm.

Im Fußball herrscht oft ein Irrglaube: Wer laut ist, wirkt kompetent. Wer sich verkauft, gilt als Führungspersönlichkeit. Doch die Realität auf dem Platz sieht anders aus. Erfolg entsteht nicht durch Show – sondern durch Struktur, Klarheit und Glaubwürdigkeit. Und vor allem, durch die tägliche Arbeit auf dem Platz, und außerhalb im Stillen mit all den planerischen Dingen.

Giovanni Stroppa ist der lebende Beweis dafür.

Wer ihn früher beim FC Südtirol erlebt hat, erinnert sich nicht an große Reden. Sondern an Präsenz. An Beobachtung. An dieses Gefühl: Der Mann weiß genau, was er tut – auch wenn er es nicht permanent ausspricht. Jedenfalls waren seine Augen damals überall, auch bei den Juniorenteams, U17, U19, la Primavera oder Berretti.

Knurrig? Vielleicht. Direkt? Sicher.
Aber vor allem: authentisch.

Und genau das ist der Punkt, den viele im (Jugend-)Fußball unterschätzen.


Junge Spieler hören nicht auf Worte – sie hören auf Menschen. Sie spüren sofort, ob ein Trainer Erfahrung hat, ob er Situationen selbst erlebt hat oder nur darüber spricht. Stroppa bringt diese Tiefe mit. Seine Vergangenheit bei AC Milan ist kein dekorativer Eintrag im Lebenslauf – sie ist Fundament. Stroppa bringt diese DNA des ,,Gewinnenwollens“, in allen Facetten mit: im Auftreten, nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch außerhalb, in jedem Club.

Champions-League-Sieger. UEFA-Cup-Gewinner. Aber wichtiger: jemand, der den Weg kennt.

Und genau deshalb funktioniert sein Ansatz.

Erfolg ist kein Zufall – sondern Wiederholung

Vier Aufstiege. Nicht irgendwie. Nicht einmalig.
Sondern wiederholt, bestätigt, reproduzierbar.

Mit dem FC Crotone.
Mit AC Monza – historisch, erstmals in die Serie A. Damals bereits unter dem bereits verstorbenen, Silvio Berlusconi, mit seinem Topdirektor Adriano Galliani. Monza? Das war wie der AC Milan, nur etwas kleiner…
Dann, noch etwas schwieriger, mit US Cremonese.
Und zuletzt, mit Venezia FC. Vergangenes Jahr runter, und gleich wieder aufgestiegen – wem trauten sie es zu, na klar, Giovanni Stroppa. Genau sein Umfeld.

Der jüngste Aufstieg sagt alles:
2:2 bei Spezia Calcio – und wieder oben.
Venezia? Nur elf Monate nach dem Abstieg zurück in der Serie A.
Kein Zufall. Kein Lauf. Ein Muster.

Vier Aufstiege in sechs Jahren.

Wenn das kein System ist – was dann?

Der Unterschied: Stroppa baut – andere reagieren

Viele Trainer leben von Momenten.
Ein guter Lauf. Eine starke Phase. Eine glückliche Saison.
Stroppa lebt von Konstruktion.

Er kommt in einen Verein – und redet nicht sofort. Er schaut.
Stroppa analysiert gut und lang, wie es die Zeit eben erlaubt.
Er versteht die Dynamik.

Erst dann greift er ein.

Sein Fußball ist kein Chaos mit Glückstreffern.
Er ist organisiert:
hohes Pressing, enge Linien, klarer Aufbau.
Das klingt simpel – ist aber brutal anspruchsvoll.
Denn es verlangt Disziplin. Und Überzeugung.

Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Kein Dogma – aber eine klare Handschrift

Der nächste Punkt, den viele übersehen:
Stroppa ist kein sturer Ideologe.



Er passt sich an – ohne sich zu verlieren.
Unterschiedliche Teams, unterschiedliche Spielertypen, unterschiedliche Ziele.
Und trotzdem erkennt man seine Handschrift.

Das ist hohe Trainerkunst.

Nicht stur bleiben. Aber auch nicht beliebig werden.

Warum genau solche Trainer eigentlich in den Nachwuchs gehören

Hier wird es unbequem – aber notwendig:

Die besten Jugendtrainer sind nicht die lautesten.
Nicht die, die am meisten erklären. Sondern die, die verstanden werden.

Warum? Weil sie es selbst erlebt haben.

Ein Spieler akzeptiert Kritik nur dann wirklich, wenn sie glaubwürdig ist. Wenn sie von jemandem kommt, der die Situation kennt. Der Druck gespürt hat. Der Fehler selbst gemacht hat.

Stroppa ist genau so ein Trainer. Er schaut auch immer bei den Junioren zu, schätzt die Arbeit der Trainer.

Und genau deshalb nimmt er sich Zeit für Nachwuchs, für Gespräche, für empfohlene Spieler. Nicht aus Imagegründen – sondern aus Überzeugung.

Serie A ist kein Ziel mehr – sondern Mindeststandard

Hier liegt die vielleicht wichtigste Entwicklung:
Früher galt:
Stroppa bringt Teams nach oben.
Heute gilt: Stroppa gehört nach oben. Nur noch eine Frage der Zeit, wann ihm ein Champions-League taugliches Team anvertraut wird. Er kann Serie B, genauso aber europäischen Fußball, genau das Niveau, das er auch als Profikicker erlebt und geatmet hat.

Die Serie A ist kein Bonus mehr.
Sie ist die logische Konsequenz seiner Arbeit.

Und jetzt beginnt die eigentliche Aufgabe:
Nicht nur aufsteigen. Sondern bleiben.
Und bestehen.

Die leisen gewinnen am Ende

Es gibt dieses Bild:
Spiel vorbei. Sieg eingefahren.
Und Stroppa? Kein Ausrasten. Kein Jubel-Drama. Aber klar, die Freude sieht man ihm schon auch an.

Ein kurzes Lächeln.
Ein Blick nach vorne. Das war’s.
Warum? Weil er weiß: Das Ziel liegt nicht im Sieg.
Sondern im nächsten Schritt.

Der moderne Fußball liebt Geschichten.
Hype. Emotion. Lautstärke.

Aber am Ende gewinnt oft etwas anderes:

Klarheit. Struktur Und echte Erfahrung.

Giovanni Stroppa liefert genau das.

Ohne Show. Ohne Theater.
Ohne Ausreden.

Und genau deshalb ist er einer der Trainer, über die man mehr sprechen sollte…

Giovanni Deriu

Porträts und Biographien: Auf ein Telefonat mit Martin Andermatt. Eigentlich sollte der ehemalige Aufstiegstrainer des SSV Ulm, als Sportdirektor beim FC Yverdon-Sport die Geschicke lenken. Doch nun ist Andermatt (ganz aktuell und notgedrungen), als Interimstrainer beim schweizer Challenge-League-Club, der zweithöchsten Liga, eingesprungen. Das fast Unmögliche, der Wiederaufstieg, soll möglich gemacht werden. Ausgesprochen ruhig wirkt Andermatt…

Rettungsmission am Neuenburgersee – Ein Telefonat mit Martin Andermatt

Der Fußball schreibt Geschichten, und manchmal schließt sich ein Kreis. Als ich dieser Tage spontan mitMartin Andermatt telefoniere, klingt seine Stimme ruhig, wie immer, ja, unaufgeregt – aber auch fokussiert. Es sind intensive Tage beim Yverdon-Sport FC. Der Traditionsklub aus der Westschweiz steckt in einer schwierigen Phase, und ausgerechnet jetzt ist Andermatt wieder ganz nah dran an der Linie. Der 64-Jährige hatte eigentlich eine andere Rolle im Verein. Als „sportlicher Verantwortlicher“, also Sportdirektor, plante er langfristig. Doch im Fußball kommt es oft anders. Nun steht er selbst wieder im Mittelpunkt der täglichen Arbeit auf dem Trainingsplatz.

„Im Moment denke ich 24 Stunden an diese Mission“, sagt Martin Andermatt im Gespräch. Seine Worte wirken nicht dramatisch – eher nüchtern. Wer ihn kennt, und seine sportliche Vita bereits als Jugendlicher in Deutschland verfolgte, weiß: Genau so arbeitet er.

Zeit ist gerade ein knappes Gut. Das merkt man auch am Telefon. Der Schweizer Trainer entschuldigt sich fast, dass das Gespräch kurz bleiben müsse.Training, Analyse, Gespräche mit Spielern, Austausch mit dem Staff – die Tage sind voll. Doch trotz der Situation nimmt er sich einen Moment, um über Fußball zu sprechen. Über Spieler. Über Chancen. Und über Geduld. (https://www.blick.ch/sport/fussball/challengeleague/wiederaufstieg-weit-weg-trainerknall-bei-yverdon-ursea-muss-gehen-id21766675.html )

Immer wieder erreichen ihn Anfragen – auch von Probespielern, Beratern und auch Scouts (so wie wir, das nur am Rande), oder jungen Talenten. Andermatt bleibt dabei konsequent. Der Proficoach: „Versprechen kann ich nichts“, sagt er offen.

Eine gute Analyse brauche Zeit. Wer helfen könne, müsse genau geprüft werden. Dabei gehe es nicht nur um Talent. Ganz entscheidend seien Charakter und Sozialverhalten. Erst danach komme das fußballerische Können. Und dann natürlich der Wille, sich durchzusetzen. Neue Spieler müssen zum Club passen, und natürlich werde zuerst in der eigenen Jugendabteilung gesichtet.

Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Karriere. Martin Andermatt ist sich immer treu geblieben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Spieler ihm zuhören.



Denn auch beim FC Yverdon-Sport, geht es jetzt um mehr als nur Taktik. Es geht um Identifikation. Um Verantwortung gegenüber einem Verein, einer Stadt und einer ganzen Region. Der Klub hat Tradition. Und genau daran erinnert Andermatt seine Mannschaft immer wieder. Wenn die Spieler wirklich wollen, wenn sie sich mit dem Verein und der Region identifizieren, wenn sie bereit sind zuzuhören – dann könne hier noch etwas entstehen. Großes vielleicht sogar, meinen wir. Aber klar, Andermatt ist näher dran. Realismus ist Pflicht momentan. Yverdon fiebert jedenfalls mit.

Es sind keine großen Parolen. Eher ruhige Überzeugungen. Und wer Andermatt kennt, weiß: Er sagt so etwas nicht leichtfertig.

Während des Telefonats denken wir auch kurz, abschweifend, an eine wichtige Station seiner Vergangenheit. Die Zeit beim SSV Ulm 1846. Ein Klub, der (leider) aktuell wieder um den Klassenerhalt in der 3. Liga kämpfen muss. Auch dort kennt man Andermatt als ruhigen, strukturierten Fußballarbeiter, und Aufstiegstrainer in die 1. Bundesliga. Die geordnete, laufintensive sowie offensive Spielweise war damals, 1999, im deutschen Fußball, schon etwas Sensationelles.

Und auch in Liechtenstein, beim FC Vaduz, sowie als Nationaltrainer der Liechtensteiner, einem Fußballzwerg, ließ Andermatt aufhorchen. Andermatt feierte mit der Nationalmannschaft im Fürstentum Liechtenstein historische Erfolge: ein 2:2 gegen Portugal und wenig später einen 4:0-Sieg in Luxemburg. 

Der Fußball kann manchmal seltsame Parallelen schreiben: Ulm kämpft derzeit gegen den Abstieg – und Yverdon steckt ebenfalls in einer wichtigen und schwierigen sportlichen Phase zugleich. Doch Andermatt, das spürt man, denkt nicht in Nostalgie. Sein Blick geht nach vorne. Analyse. Struktur. Gespräche.

Und Schritt für Schritt wieder Stabilität.

Für uns persönlich hat dieses Gespräch übrigens noch eine besondere Note. Schon vor Jahren haben wir uns journalistisch mit Martin Andermatt beschäftigt – damals für das Rund-Magazin sowie später auch für unseren Blog hier, CheckFussballberater.de. [ https://www.rund-magazin.de
ews/1562/80/Interview-Martin-Andermatt/]  ++++ [https://checkfussballberater.de/martin-andermatt-befreien-von-dem-was-einen-nach-unten-zieht/ ] Der Kontakt, und das erfüllt uns ein Stück weit mit innerer Freude, ist nie abgerissen.

Schon damals fiel auf: Dieser Trainer denkt langfristig. Und er legt Wert auf Menschen.

Vielleicht passt genau das gerade jetzt zu dieser Situation in Yverdon. Denn Rettungsmissionen im Fußball beginnen selten mit großen Schlagzeilen. Sie beginnen mit ehrlicher Arbeit. Mit Gesprächen. Mit Vertrauen.
Und mit einem Trainer, der sich selbst treu bleibt.
Wir bleiben jedenfalls in Kontakt – das ist gewiss.


Zur Person: Martin Andermatt

Martin Andermatt – wurde am 28. November 1961 in Baar in der Schweiz geboren. Als Profispieler war er vor allem im Schweizer Fußball aktiv, unter anderem beim FC Basel  sowie beim Club Grasshopper Zürich.

Nach seiner aktiven Karriere wechselte er früh ins Trainerfach und arbeitete bei verschiedenen Vereinen im Profi- und Nachwuchsbereich.
Zu seinen Trainerstationen gehörten unter anderem der FC Vaduz, Young Boys Bern, und auch der deutsche Traditionsverein SSV Ulm 1846, danach auch das Engagement bei Eintracht Frankfurt.

Zudem war er viele Jahre im Nachwuchsbereich des FC Basel tätig, wo er als Ausbilder junger Talente arbeitete. Seit einiger Zeit ist Andermatt beim FC Yverdon-Sport, in verantwortlicher Position aktiv – aktuell sogar wieder direkt an der Seitenlinie. Der 64-Jährige Proficoach, gilt als analytischer Trainer mit klaren Werten: Charakter, Teamgeist und Disziplin stehen für ihn an erster Stelle. Andermatt meinte auch, charakterfest und glaubwürdig, „müssen auch die Trainer selbst sein…“, und er fügt feinsinnig hinzu: Es gibt die Übungsleiter, „die über 750 Übungen abrufen können, und es gibt die Trainer, mit ihren gelebten Erfahrungen…“ Vielleicht genau die Mischung, die ein Klub in schwierigen Zeiten braucht. Egal, bei wem und wo, übrigens…

Giovanni Deriu

  • LINKS ZU INTERVIEWS MIT ANDERMATT

https://youtu.be/JdpKQMJSpZk?is=SwKpLt6hUCOcwI0t  (Wiedersehn 24 Jahre später, mit dem SSV Ulm)

https://youtu.be/fHrdn6W-0oA?is=NYsnepbGeCCAjGQK  (Im Kopf des Trainers)

Biographien, Akteure & Scouting: Ein echtes Highlight, das immer bleiben wird! Ein Gespräch mit Walter Sabatini, unserem „Maestro“, der Scouts, Sportdirektoren und Kaderplaner! Über Talent, Risiko und die Nostalgie des ‚alten Scoutings’…

Es gibt Gespräche, die bleiben. Nicht wegen der Lautstärke. Nicht wegen großer Schlagzeilen. Sondern wegen der Atmosphäre. So war es bei dem Austausch mit Walter Sabatini. Im Online-Videozoom, und Walter Sabatini, direkt aus seinem Wohnzimmer.

Ein Gespräch, das sich langsam entwickelte.
Fast tastend. Mit dieser besonderen Mischung aus Leidenschaft, Müdigkeit und Erinnerungen.
Nach etwa einer halben Stunde sagte Sabatini ruhig, er müsse bald aufhören. Sein Sauerstoffgerät warte. Es war kein dramatischer Moment. Eher ein stiller, er hatte interessant und sehr lebhaft von seinen Erfahrungen erzählt. Und mit seiner nun chronischen Erkrankung geht er offen um. Man kennt ihn, Walter, ja bestens im italienischen Fußball.

Und dann sagte er einen Satz, der viel über ihn verrät. Der Fußball, der Austausch darüber, die Zeit bei Salernitana, habe ihn lebendig gehalten.

Man merkte sofort: Das war keine Floskel.

Dieses Gespräch, wir mochten es kaum glauben, kam nur zustande, durch den Workshop von Dozent Gianfranco Multineddu. Dessen Netzwerk ist über Jahre gewachsen, geprägt von tiefer Freundschaft.

Ein Mann, der es immer wieder schafft, Menschen aus dem Innersten des Fußballs zusammenzubringen. Scouts, Sportdirektoren sowieso, Manager, und Praktiker des Fußballs überhaupt. (Dazu gehören auch Antonio Di Battista, oder Ignazio Argiolas, beide hatten schon die unterschiedlichsten Posten inne, und oft auch sehr erfolgreich)

Und an diesem Abend neulich, eben auch Sabatini. Es ist schon fast drei Wochen her, aber wir mussten das Gespräch setzen, ja, nachwirken lassen…

Ein Leben im Fußball

Heute würde man ihn wahrscheinlich „Kaderplaner“ nennen. Früher hieß es schlicht: Sportdirektor. Beobachter, Scout, Verhandler in Personalunion.

Sabatini hat viele Stationen erlebt. Viele Vereine.
Viele Projekte. Doch besonders gern erinnerte er sich an eine Zeit. Damals, Palermo, Sizilien.

Der Club, den er gemeinsam mit Präsident
Maurizio Zamparini prägte. Eine Beziehung voller Reibung. Voller Emotion.
Sabatini selbst beschrieb sie einmal als
„turbulent, aber wunderbar“.

Zamparini sei ein authentischer Mann gewesen.
Direkt. Unberechenbar.
Manchmal schwierig. Aber eben auch einzigartig. Heute, so sagte Sabatini, fehlten ihm solche Figuren im Fußball.
Zamparini starb 2022. Ein Verlust, der Sabatini sichtbar berührt. Er erwähnte auch die Tragödie um Zamparinis Sohn, der Jahre zuvor in London ums Leben kam. Ein Schmerz, der einen Vater nie verlässt. Zamparini, der harte Hund, sei an gebrochenem Herzen gestorben, ist sich Sabatini ziemlich sicher.

Fußball vor der Datenflut

Der Fußball hat sich verändert. Nicht nur sportlich. Auch medial.
Früher gab es nur die Zeitungen. Mal einen Radiosender, bisschen Fernsehen. Alles überschaubar. Die großen Sportseiten am Morgen. Mehr nicht.

Heute gibt es permanente Öffentlichkeit.
Ständige Bewertung. Zig Sender, Blogs, Internet-Plattformen. Und Sabatini sagt offen:
Als ehemaliger Profi sehe er den Fußball auch etwas anders. Er spielte selbst auf hohem Niveau, unter anderem bei Perugia und Varese, sowie für die AS Roma. Wer selbst auf dem Platz gestanden habe, erkenne Dinge schneller.
Zum Beispiel, „Talent“. Ein echtes Talent, sagt Sabatini,
sei immer sichtbar. Man müsse nicht lange suchen.
Ein echter Topspieler „frisst den Platz“. Er nimmt ihn in Besitz. Die anderen?
Sie werden vom Platz verschluckt.

Hier mit US Palermo Presidente, Maurizio Zamparini, Walter Sabatini

Der romantische Teil des Scoutings

Sabatini erinnerte sich dabei auch an die frühen Jahre seines Scoutings.
Eine Zeit, die heute fast romantisch wirkt.
Fußball pur. Er erzählte, wie er früher mit einem kleinen Notizheft und einem Kugelschreiber unterwegs war. Oft saß er stundenlang im Auto.
In einem alten Fiat 500.

Acht oder neun Stunden Fahrt waren nichts Ungewöhnliches.

Er fuhr durch ganz Italien.
Bis in die tiefsten Provinzen.
Kleine Plätze. Staubige Trainingsfelder.

Dort, wo kaum jemand hinschaute.
Dort suchte er Spieler, folgte den Tipps anderer Jugendtrainer. Keine Datenbanken.
Keine Videoplattformen.
Nur das Auge. Und das „sichere“ Gefühl, ja, da könnte ein neuer Totti oder Cavani sein.

Sabatini, der Architekt von Mannschaften

Natürlich ging es auch um seine Arbeit als Sportdirektor. Besonders um die Zeit bei der
AS Roma. Sabatini war einer der Architekten der Mannschaft, lange bevor sie sportlich wieder an die Spitze kam.
Transfers. Mutige Entscheidungen. Risiken.
Er gab zu, im Onlinegespräch, 
ja, er sei auch Risiken eingegangen.
Aber er habe sich immer durchgesetzt.
In jedem Club. Nicht mit Lautstärke.
Sondern mit Überzeugung.

Viele große Spieler kamen durch ihn nach Italien.

Bei der US Palermo, in der Zamparini-Ära,
entstand eine Mannschaft, die heute fast nostalgisch wirkt. Eine Mischung aus Talent und Instinkt. Viele mutige Spieler, die nach Sizilien passten. Namhafte Spieler, wie Javier Pastore,
Edinson Cavani, oder, Josip Iličić, spielten plötzlich gemeinsam. Dazu Figuren wie
Fabrizio Miccoli.

Eine Mannschaft,
die sogar die Großen der Serie A nervös machte.
Sabatini sprach darüber nicht mit großem Stolz. Eher mit leiser Verwunderung, dass es so gut klappte. Vertrauen in seine Arbeit, seinem Bauchgefühl, hatte Walter aber immer – selbst, wenn auch er sich „hin und wieder in einem Talent, mit seinem Durchhaltewillen“ getäuscht habe. Aber er schwärmt schon, von dieser Zeit in Palermo, von diesem Team der Unbekannten. 

Talent reicht nicht

Im Raum hörte man kaum ein Geräusch.
Die Workshopteilnehmer hörten aufmerksam zu.
Scouts, Sportdirektoren, und
Beobachter generell.
Alle lauschten. Es war ein Moment des Lernens.
Und auch ein Moment des Respekts.
Denn Sabatini sprach nicht nur über Transfers.
Er sprach über Menschen.
Über Charakter.

Über das, was einen echten Profi ausmacht.
Talent allein genügt nicht.
Das haben viele. Entscheidend sei der Charakter.

Die Fähigkeit, Druck auszuhalten.
Selbstbewusstsein. Und fame, Hunger.
Ein Spieler müsse sich durchsetzen wollen.
Immer wieder. Auch wenn niemand mehr an ihn glaubt. Sabatini ist überzeugt:

Talente verschwinden nie. Es gibt sie immer wieder. Zum Beispiel, wie aktuell, Spieler wie Antonio Vergara, von der SSC Napoli mit Trainer Antonio Conte. Oder junge Spieler aus Akademien wie Atalanta Bergamo, die später bei Clubs wie
Cagliari Calcio Spielzeit bekommen.

Trainer spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Sie müssen Mut haben.
Mut dazu, junge Spieler einzusetzen.
Mit gerade einmal 17, oder mit 18.
So wie es in Spanien oder Deutschland längst üblich sei, in der Bundesliga zum Beispiel („Deriu muss es wissen und kann es bestägigen…“, spricht er mich direkt an, nachdem ich mich vorstellen und zwei Fragen stellen konnte)

Scouting ist Begegnung

Sabatini betonte auch etwas anderes. Scouting passiert nicht (nur) am Laptop.
Man muss auf die Plätze gehen. Zu den Spielen.
Zu den Trainings. Man muss sehen,
wie sich ein Spieler verhält. Wie er spricht.
Wie er reagiert. Talent zeigt sich im Spiel.
Charakter zeigt sich im Alltag.
Eine besonders talentreiche Region in Italien sei übrigens Latium (Lazio).
Rund um Rom. Dort herrsche eine Talentdichte, auch durch die unzähligen Clubs.
Und ebenso viele junge Spieler.

Ein Leben zwischen Leidenschaft und Abgrund

Doch bei aller Fußballromantik
blieb das Gespräch auch persönlich.
Sehr persönlich, Moderator Multineddu moderiert gekonnt und zurückhaltend.
Sabatini sprach offen über sein Leben.
Über seine Familie. Für ihn sei sie das Licht seines Alltags. Sabatini, ein ehrliche, tiefe Haut. Oft klingt er wie ein melancholischer Poet des Fußballs. Vielleicht passt das, denn Sabatini hat selbst einmal, in einem anderen Intervirw gesagt,
er fühle sich manchmal wie ein verfluchter Dichter. Ein Mann zwischen Leidenschaft und Selbstzerstörung. Seine Zitate sind berühmt.
Radikal. Schonungslos.
Einmal sagte er: „Ich begehe jeden Tag Selbstmord.“ Damit meinte er seine Lebensweise. Nächte voller Arbeit.
Unzählige Zigaretten. Fünfzehn Kaffees am Tag.

Er beschrieb sich selbst einmal so:

„Ich habe ein linkes Gehirn und einen rechten Körper. Sie sind ständig im Konflikt.“

Der Preis eines Lebens im Fußball

Sabatini hat schwere gesundheitliche Krisen erlebt. 2019 erlitt er eine lebensbedrohliche Atemwegserkrankung. Er fiel ins Koma. Die Serie A, der italienische Fußball bangte um ihn.

Heute leidet er unter chronischen Problemen mit Lunge und Bronchien. Zwei Stents stabilisieren sein Herz. Das Rauchen musste er aufgeben.
Nicht aus Überzeugung. Aus Notwendigkeit. Manchmal dampft er eine E-Zigarette. Selten.

Er selbst nannte seine frühere Beziehung zu Zigaretten einmal eine „nostalgische Liebesgeschichte“. Trotz allem blieb er dem Fußball treu. Vielleicht, weil der Fußball selbst eine Art Sauerstoff ist. Für Menschen wie ihn.

Ein Satz zum Abschied

Als das Gespräch endete, blieb eine stille Stimmung von Dankbarkeit im Raum.
Keine große Geste. Kein Applaus. Nur Respekt. Und ein großes „Grazie mille“, von uns Teilnehmern, für einen Mann,
der den Fußball nie als Geschäft verstanden hat.
Sondern als Leben.

Und vielleicht fasst ein Gedanke von Sabatini alles zusammen: „Der Fußball gehört den Mutigen. Wer keine Risiken eingeht, wird nie entdecken, wie groß ein Spieler wirklich sein kann.“

Giovanni Deriu

Anmerkung und Dank:

Ein besonderer Dank gilt Dozent und Workshop-Leiter
Gianfranco Multineddu,
der diesen außergewöhnlichen Austausch möglich gemacht hat. Seine Workshops bringen regelmäßig Persönlichkeiten des internationalen Fußballs zusammen. Gast- und Impulsgeber wie
Mario Marino, Antonio Di Battista, Cristiano Giaretta oder Ignazio Argiolas,
gewähren dabei seltene Einblicke in ihre Erfahrungen, Entscheidungen und Denkweisen.

Für alle Teilnehmer sind diese Begegnungen mehr als nur Vorträge. Sie sind Fenster in eine Welt, die man nur versteht, wenn man ihr wirklich zuhör, und auch ein wenig dazugehört. Man muss zuhören können, oder wie es Sabatini auch sagte: „Ich habe Leuten immer zugehört, ja, zuzuhören, war eine meiner Hauptaufgaben, und ich tu‘ es noch heute…“ – Und an diesem Abend hörten alle besonders aufmerksam zu…

Fußballgeschichten, Clubbiographien und Erfolge: Meister der Unmöglichen – Europas größte Fußballmärchen! Der moderne Fußball erzählt uns jeden Tag dieselbe Geschichte: Geld regiert. Kaderwert entscheidet. Algorithmen wissen alles… und dann gibt es immer wieder Ausnahmen!

Und doch sitzt man jedes Wochenende wieder da – mit diesem leisen, kindlichen Trotz im Herzen. Mit der Hoffnung, dass es eben nicht immer die Reichen sind. Dass es noch diese eine Mannschaft gibt, die sich nicht berechnen lässt.

Vielleicht ist das naiv. Vielleicht ist es genau das, was diesen Sport rettet.

Denn immer wieder stehen plötzlich Teams da oben, die niemand eingeladen hat. Und dann beginnt dieses Flüstern. Erst in den Kurven. Dann in den Medien. Und irgendwann im ganzen Land.

So entstehen Legenden.

Leicester und die Explosion des Glaubens

Als Leicester City 2016 die Premier League gewann, war das kein Betriebsunfall – es war ein Aufstand gegen die Logik. Unter Claudio Ranieri wuchs eine Mannschaft zusammen, die diszipliniert verteidigte, gnadenlos konterte und mental unerschütterlich blieb. Ein Star war natürlich als Goalgetter, Jamie Vardy…

Kein Starensemble. Kein Milliardenprojekt. Nur Überzeugung.

Montpellier statt PSG

2011 setzte Frankreich auf Paris. Doch Meister wurde Montpellier HSC. Olivier Giroud traf 21-mal, Trainer Girard formte aus Außenseitern eine verschworene Einheit.

Kein Glanz. Keine große Bühne. Aber ein Team, das wusste, wofür es kämpft.

Kaiserslautern – Rehhagels Meisterstreich

1998 gelang dem 1. FC Kaiserslautern das Undenkbare: Aufstieg – und direkt Meister.

Angeführt von Otto Rehhagel, einem Trainer, der wusste, dass Struktur stärker ist als Eitelkeit. Defensive Stabilität, klare Rollen, Selbstvertrauen. Gleich am ersten Spieltag Sieg in München.

Das war kein Märchen. Das war akribische Arbeit – mit Mut.

Hellas Verona – der italienische Paukenschlag

1985 stellte Hellas Verona FC die Welt auf den Kopf.

Vor ihnen: Maradona, Platini, Rummenigge. Hinter ihnen: die gesamte Hierarchie des italienischen Fußballs.

Trainer Osvaldo Bagnoli baute keine Showtruppe. Er baute ein Kollektiv. Mit Preben Elkjaer-Larsen, Hans-Peter Briegel und Giuseppe Galderisi hatte Verona Qualität – aber keine Übermacht.

Was sie hatten, war Balance. Physis. Disziplin. Und diesen unerschütterlichen Glauben, der größer war als jedes Stadion.

Der FC AC Hellas Verona spielte damals nicht für Schlagzeilen. Verona spielte für Geschichte. Das Team von einst, mit Hans-Peter-Briegel, Preben Elkjaer-Larsen, Galderisi, Fanna, Marangon oder Keeper Garella, wird heute noch gefeiert für dieses Fußballmärchen, das aus einem Teamspirit entstanden ist…

Weitere Sensationsmeister

  • UC Sampdoria 1991 – Vialli und Mancini schossen Genua ins Glück.
  • Nottingham Forest unter Brian Clough – vom Aufsteiger zum Meister und zweimal Europas Krone.
  • Blackburn Rovers 1995 – die „SAS“ als Albtraum der Favoriten.
  • Deportivo La Coruña – das „Super Depor“.
  • Bursaspor 2010 – Ende der Istanbuler Vorherrschaft.
  • Boavista FC 2001 – Titelklau in Portugal.
Trainer Vujadin Boskov, Überraschungsmeister mit Sampdoria Genua, 1991!

Und auch Nationalteams schrieben Wunder

Die Dänische Fußballnationalmannschaft 1992 – als Nachrücker zur EM – und am Ende ganz oben.

Die Griechische Fußballnationalmannschaft 2004 – diszipliniert, defensiv kompromisslos, getragen von echtem Team Spirit. Rehhagel setzte auf eine starke Abwehr, klare Abläufe, totale Geschlossenheit. Viele spotteten. Am Ende standen sie ganz oben.

Vielleicht brauchen wir diese Wunder mehr als die Favoriten ihre Titel.

Vielleicht erinnern sie uns daran, dass Fußball kein Rechenmodell ist – sondern ein Versprechen.

Und vielleicht entsteht das nächste Meistermärchen genau dann, wenn wieder alle sagen: Das ist unmöglich.

Giovanni Deriu – überzeugt davon, dass Teamgeist stärker ist als jede Bilanz.

Und, was meint Ihr so?