Porträts und Biographien: Auf ein Telefonat mit Martin Andermatt. Eigentlich sollte der ehemalige Aufstiegstrainer des SSV Ulm, als Sportdirektor beim FC Yverdon-Sport die Geschicke lenken. Doch nun ist Andermatt (ganz aktuell und notgedrungen), als Interimstrainer beim schweizer Challenge-League-Club, der zweithöchsten Liga, eingesprungen. Das fast Unmögliche, der Wiederaufstieg, soll möglich gemacht werden. Ausgesprochen ruhig wirkt Andermatt…

Rettungsmission am Neuenburgersee – Ein Telefonat mit Martin Andermatt

Der Fußball schreibt Geschichten, und manchmal schließt sich ein Kreis. Als ich dieser Tage spontan mitMartin Andermatt telefoniere, klingt seine Stimme ruhig, wie immer, ja, unaufgeregt – aber auch fokussiert. Es sind intensive Tage beim Yverdon-Sport FC. Der Traditionsklub aus der Westschweiz steckt in einer schwierigen Phase, und ausgerechnet jetzt ist Andermatt wieder ganz nah dran an der Linie. Der 64-Jährige hatte eigentlich eine andere Rolle im Verein. Als „sportlicher Verantwortlicher“, also Sportdirektor, plante er langfristig. Doch im Fußball kommt es oft anders. Nun steht er selbst wieder im Mittelpunkt der täglichen Arbeit auf dem Trainingsplatz.

„Im Moment denke ich 24 Stunden an diese Mission“, sagt Martin Andermatt im Gespräch. Seine Worte wirken nicht dramatisch – eher nüchtern. Wer ihn kennt, und seine sportliche Vita bereits als Jugendlicher in Deutschland verfolgte, weiß: Genau so arbeitet er.

Zeit ist gerade ein knappes Gut. Das merkt man auch am Telefon. Der Schweizer Trainer entschuldigt sich fast, dass das Gespräch kurz bleiben müsse.Training, Analyse, Gespräche mit Spielern, Austausch mit dem Staff – die Tage sind voll. Doch trotz der Situation nimmt er sich einen Moment, um über Fußball zu sprechen. Über Spieler. Über Chancen. Und über Geduld. (https://www.blick.ch/sport/fussball/challengeleague/wiederaufstieg-weit-weg-trainerknall-bei-yverdon-ursea-muss-gehen-id21766675.html )

Immer wieder erreichen ihn Anfragen – auch von Probespielern, Beratern und auch Scouts (so wie wir, das nur am Rande), oder jungen Talenten. Andermatt bleibt dabei konsequent. Der Proficoach: „Versprechen kann ich nichts“, sagt er offen.

Eine gute Analyse brauche Zeit. Wer helfen könne, müsse genau geprüft werden. Dabei gehe es nicht nur um Talent. Ganz entscheidend seien Charakter und Sozialverhalten. Erst danach komme das fußballerische Können. Und dann natürlich der Wille, sich durchzusetzen. Neue Spieler müssen zum Club passen, und natürlich werde zuerst in der eigenen Jugendabteilung gesichtet.

Diese Haltung zieht sich durch seine gesamte Karriere. Martin Andermatt ist sich immer treu geblieben. Vielleicht ist genau das der Grund, warum Spieler ihm zuhören.



Denn auch beim FC Yverdon-Sport, geht es jetzt um mehr als nur Taktik. Es geht um Identifikation. Um Verantwortung gegenüber einem Verein, einer Stadt und einer ganzen Region. Der Klub hat Tradition. Und genau daran erinnert Andermatt seine Mannschaft immer wieder. Wenn die Spieler wirklich wollen, wenn sie sich mit dem Verein und der Region identifizieren, wenn sie bereit sind zuzuhören – dann könne hier noch etwas entstehen. Großes vielleicht sogar, meinen wir. Aber klar, Andermatt ist näher dran. Realismus ist Pflicht momentan. Yverdon fiebert jedenfalls mit.

Es sind keine großen Parolen. Eher ruhige Überzeugungen. Und wer Andermatt kennt, weiß: Er sagt so etwas nicht leichtfertig.

Während des Telefonats denken wir auch kurz, abschweifend, an eine wichtige Station seiner Vergangenheit. Die Zeit beim SSV Ulm 1846. Ein Klub, der (leider) aktuell wieder um den Klassenerhalt in der 3. Liga kämpfen muss. Auch dort kennt man Andermatt als ruhigen, strukturierten Fußballarbeiter, und Aufstiegstrainer in die 1. Bundesliga. Die geordnete, laufintensive sowie offensive Spielweise war damals, 1999, im deutschen Fußball, schon etwas Sensationelles.

Und auch in Liechtenstein, beim FC Vaduz, sowie als Nationaltrainer der Liechtensteiner, einem Fußballzwerg, ließ Andermatt aufhorchen. Andermatt feierte mit der Nationalmannschaft im Fürstentum Liechtenstein historische Erfolge: ein 2:2 gegen Portugal und wenig später einen 4:0-Sieg in Luxemburg. 

Der Fußball kann manchmal seltsame Parallelen schreiben: Ulm kämpft derzeit gegen den Abstieg – und Yverdon steckt ebenfalls in einer wichtigen und schwierigen sportlichen Phase zugleich. Doch Andermatt, das spürt man, denkt nicht in Nostalgie. Sein Blick geht nach vorne. Analyse. Struktur. Gespräche.

Und Schritt für Schritt wieder Stabilität.

Für uns persönlich hat dieses Gespräch übrigens noch eine besondere Note. Schon vor Jahren haben wir uns journalistisch mit Martin Andermatt beschäftigt – damals für das Rund-Magazin sowie später auch für unseren Blog hier, CheckFussballberater.de. [ https://www.rund-magazin.de
ews/1562/80/Interview-Martin-Andermatt/]  ++++ [https://checkfussballberater.de/martin-andermatt-befreien-von-dem-was-einen-nach-unten-zieht/ ] Der Kontakt, und das erfüllt uns ein Stück weit mit innerer Freude, ist nie abgerissen.

Schon damals fiel auf: Dieser Trainer denkt langfristig. Und er legt Wert auf Menschen.

Vielleicht passt genau das gerade jetzt zu dieser Situation in Yverdon. Denn Rettungsmissionen im Fußball beginnen selten mit großen Schlagzeilen. Sie beginnen mit ehrlicher Arbeit. Mit Gesprächen. Mit Vertrauen.
Und mit einem Trainer, der sich selbst treu bleibt.
Wir bleiben jedenfalls in Kontakt – das ist gewiss.


– Zur Person: Martin Andermatt

Martin Andermatt – wurde am 28. November 1961 in Baar in der Schweiz geboren. Als Profispieler war er vor allem im Schweizer Fußball aktiv, unter anderem beim FC Basel  sowie beim Club Grasshopper Zürich.

Nach seiner aktiven Karriere wechselte er früh ins Trainerfach und arbeitete bei verschiedenen Vereinen im Profi- und Nachwuchsbereich.
Zu seinen Trainerstationen gehörten unter anderem der FC Vaduz, Young Boys Bern, und auch der deutsche Traditionsverein SSV Ulm 1846, danach auch das Engagement bei Eintracht Frankfurt.

Zudem war er viele Jahre im Nachwuchsbereich des FC Basel tätig, wo er als Ausbilder junger Talente arbeitete. Seit einiger Zeit ist Andermatt beim FC Yverdon-Sport, in verantwortlicher Position aktiv – aktuell sogar wieder direkt an der Seitenlinie. Der 64-Jährige Proficoach, gilt als analytischer Trainer mit klaren Werten: Charakter, Teamgeist und Disziplin stehen für ihn an erster Stelle. Andermatt meinte auch, charakterfest und glaubwürdig, „müssen auch die Trainer selbst sein…“, und er fügt feinsinnig hinzu: Es gibt die Übungsleiter, „die über 750 Übungen abrufen können, und es gibt die Trainer, mit ihren gelebten Erfahrungen…“ Vielleicht genau die Mischung, die ein Klub in schwierigen Zeiten braucht. Egal, bei wem und wo, übrigens…

Giovanni Deriu

  • LINKS ZU INTERVIEWS MIT ANDERMATT

https://youtu.be/JdpKQMJSpZk?is=SwKpLt6hUCOcwI0t  (Wiedersehn 24 Jahre später, mit dem SSV Ulm)

https://youtu.be/fHrdn6W-0oA?is=NYsnepbGeCCAjGQK  (Im Kopf des Trainers)

Fußball, Akteure & Scouting, sowie Erkenntnisse! Der FC Bayern zerlegt Atalanta: Eine Lehrstunde im Champions-League-Fußball – und das, obwohl auch Atalanta einen gepflegten Fußball bieten kann…Ein paar Nachgedanken und eine Analyse

Atalanta Bergamo kassiert im Champions-League-Duell gegen den Bayern München eine deutliche Niederlage. Doch hinter dem klaren Ergebnis, steckt mehr als nur ein Klassenunterschied. Die Partie zeigt, wie groß die Lücke zwischen europäischer Elite und ambitionierten Herausforderern aktuell ist – und warum Atalanta trotzdem ein Vorbild im modernen Fußball bleibt – es kann ja gar nicht plötzlich alles falsch sein, was sich Atalanta Bergamo über Jahre aufgebaut hat – Ja, Bergamo wird gern nachgeahmt.
Bayern dominierte Atalanta jedenfalls in der Champions League komplett, und dieser Meinung sind auch die Redakteure des CORRIERE DELLO SPORT …

Wir machten uns die Mühe, das Match nochmals anzuschauen, einmal komplett, und dann nochmals in Ausschnitten über 20 Minuten – und immer wieder wurden wir daran erinnert, was Trainerlegende Fabio Capello neulich bei den Kollegen von SkySport Italia sagte – die anderen europäischen Teams, und er meinte damals die Norweger von Bodø Glimt (Eine Zeitung titelte, „Bodø shaming“, nachdem die Norweger INTER MAILAND mit zwei Siegen aus dem Wettbewerb warfen), würden mit einem höheren Rhythmus spielen – die Italienischen Clubs würden hinterher laufen. Ich wiederum warf hier die Frage dazu auf, ob sich die Italiener nicht wieder auf ihre eigene DNA, der starken Abwehr, mit perfekter Raumdeckung, orientieren sollten, um laufstarke Mannschaften „totlaufen“ zu lassen, gute und schnelle Stürmer würden dann den Rest besorgen.

Bayern München zeigte in Bergamo jedenfalls eine der stärksten Offensivleistungen der Saison. Mit hohem Tempo, präzisem Passspiel und individueller Qualität kontrollierten die Münchner das Spiel von Beginn an.

Schon früh wurde deutlich, dass Atalanta Probleme haben würde, das Angriffsspiel der Bayern zu stoppen. Besonders über die Flügel erzeugten die Gäste immer wieder gefährliche Situationen. Der deutsche Rekordmeister nutzte seine Chancen konsequent und ließ dem italienischen Vertreter kaum Raum zur Entfaltung.

Taktische Entscheidung öffnet Räume
Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Formation von Atalanta.

Trainer Raffaele Palladino begann mit einem 4-4-2-System
– eine Abweichung von der gewohnten Dreierkette der Bergamaschi. Diese Umstellung führte dazu, dass Bayern häufiger Eins-gegen-eins-Situationen bekam.

Ohne zusätzliche Absicherung entstanden immer wieder große Räume in der Defensive. Genau diese nutzten die Münchner konsequent aus.

Michael Olise als Schlüsselspieler

Einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz war Michael Olise.

Der Offensivspieler sorgte mit Dribblings, Distanzschüssen und Vorlagen für permanente Gefahr. Sein Tor zum 2:0 sowie seine Beteiligung an weiteren Treffern machten ihn zum entscheidenden Faktor der Partie.

Die wichtigsten Spielstatistiken

Die Daten unterstreichen die Dominanz von Bayern München:

* Torschüsse: 25 (Bayern) – 11 (Atalanta)
* Schüsse aufs Tor: 13 – 3
* Expected Goals (xG): 4,58 – 2,09

Diese Zahlen zeigen deutlich, wie groß der Unterschied in Chancenqualität und Spielkontrolle war.

Atalanta bleibt trotzdem ein europäisches Erfolgsmodell

Trotz der Niederlage bleibt Atalanta eines der interessantesten Projekte im europäischen Fußball.

Der Klub hat sich in den letzten Jahren durch kluge Transfers, eine klare Spielphilosophie und wirtschaftliche Stabilität einen festen Platz im internationalen Wettbewerb erarbeitet.

Mit mehreren Champions-League-Teilnahmen und dem Gewinn der Europa League gehört Atalanta inzwischen zu den konstantesten italienischen Teams auf europäischer Bühne.

Es gibt Abende im europäischen Fußball, an denen man sich vorkommt wie auf dem Schießstand. Und wenn man Pech hat, ist man nicht der Schütze – sondern die Zielscheibe. Für Atalanta Bergamo war genau das der Fall. Bayern München spielte nicht einfach Fußball, Bayern hielt eine Vorlesung. Tempo, Präzision, individuelle Klasse – alles auf einem Niveau, das die Bergamaschi an diesem Abend schlicht nicht erreichen konnten.



Fazit

Die Niederlage gegen Bayern München ist schmerzhaft, aber sie ändert nichts an der Entwicklung von Atalanta.

Der italienische Klub zeigt weiterhin, dass sportliche Kompetenz und nachhaltige Planung auch im modernen Fußball Erfolg bringen können.

Gegen einen Gegner wie Bayern München reicht das manchmal trotzdem nicht.

Aber genau solche Spiele zeigen, wo sich der europäische Spitzenfußball aktuell befindet. Es existiert eben doch ein Gefälle, aber es kommt auch sehr darauf an, wieviele Experten den Trainer unterstützen, um im Vorfeld den Gegner und die Spieler richtig zu lesen…

Giovanni Deriu

Biographien, Akteure & Scouting: Ein echtes Highlight, das immer bleiben wird! Ein Gespräch mit Walter Sabatini, unserem „Maestro“, der Scouts, Sportdirektoren und Kaderplaner! Über Talent, Risiko und die Nostalgie des ‚alten Scoutings’…

Es gibt Gespräche, die bleiben. Nicht wegen der Lautstärke. Nicht wegen großer Schlagzeilen. Sondern wegen der Atmosphäre. So war es bei dem Austausch mit Walter Sabatini. Im Online-Videozoom, und Walter Sabatini, direkt aus seinem Wohnzimmer.

Ein Gespräch, das sich langsam entwickelte.
Fast tastend. Mit dieser besonderen Mischung aus Leidenschaft, Müdigkeit und Erinnerungen.
Nach etwa einer halben Stunde sagte Sabatini ruhig, er müsse bald aufhören. Sein Sauerstoffgerät warte. Es war kein dramatischer Moment. Eher ein stiller, er hatte interessant und sehr lebhaft von seinen Erfahrungen erzählt. Und mit seiner nun chronischen Erkrankung geht er offen um. Man kennt ihn, Walter, ja bestens im italienischen Fußball.

Und dann sagte er einen Satz, der viel über ihn verrät. Der Fußball, der Austausch darüber, die Zeit bei Salernitana, habe ihn lebendig gehalten.

Man merkte sofort: Das war keine Floskel.

Dieses Gespräch, wir mochten es kaum glauben, kam nur zustande, durch den Workshop von Dozent Gianfranco Multineddu. Dessen Netzwerk ist über Jahre gewachsen, geprägt von tiefer Freundschaft.

Ein Mann, der es immer wieder schafft, Menschen aus dem Innersten des Fußballs zusammenzubringen. Scouts, Sportdirektoren sowieso, Manager, und Praktiker des Fußballs überhaupt. (Dazu gehören auch Antonio Di Battista, oder Ignazio Argiolas, beide hatten schon die unterschiedlichsten Posten inne, und oft auch sehr erfolgreich)

Und an diesem Abend neulich, eben auch Sabatini. Es ist schon fast drei Wochen her, aber wir mussten das Gespräch setzen, ja, nachwirken lassen…

Ein Leben im Fußball

Heute würde man ihn wahrscheinlich „Kaderplaner“ nennen. Früher hieß es schlicht: Sportdirektor. Beobachter, Scout, Verhandler in Personalunion.

Sabatini hat viele Stationen erlebt. Viele Vereine.
Viele Projekte. Doch besonders gern erinnerte er sich an eine Zeit. Damals, Palermo, Sizilien.

Der Club, den er gemeinsam mit Präsident
Maurizio Zamparini prägte. Eine Beziehung voller Reibung. Voller Emotion.
Sabatini selbst beschrieb sie einmal als
„turbulent, aber wunderbar“.

Zamparini sei ein authentischer Mann gewesen.
Direkt. Unberechenbar.
Manchmal schwierig. Aber eben auch einzigartig. Heute, so sagte Sabatini, fehlten ihm solche Figuren im Fußball.
Zamparini starb 2022. Ein Verlust, der Sabatini sichtbar berührt. Er erwähnte auch die Tragödie um Zamparinis Sohn, der Jahre zuvor in London ums Leben kam. Ein Schmerz, der einen Vater nie verlässt. Zamparini, der harte Hund, sei an gebrochenem Herzen gestorben, ist sich Sabatini ziemlich sicher.

Fußball vor der Datenflut

Der Fußball hat sich verändert. Nicht nur sportlich. Auch medial.
Früher gab es nur die Zeitungen. Mal einen Radiosender, bisschen Fernsehen. Alles überschaubar. Die großen Sportseiten am Morgen. Mehr nicht.

Heute gibt es permanente Öffentlichkeit.
Ständige Bewertung. Zig Sender, Blogs, Internet-Plattformen. Und Sabatini sagt offen:
Als ehemaliger Profi sehe er den Fußball auch etwas anders. Er spielte selbst auf hohem Niveau, unter anderem bei Perugia und Varese, sowie für die AS Roma. Wer selbst auf dem Platz gestanden habe, erkenne Dinge schneller.
Zum Beispiel, „Talent“. Ein echtes Talent, sagt Sabatini,
sei immer sichtbar. Man müsse nicht lange suchen.
Ein echter Topspieler „frisst den Platz“. Er nimmt ihn in Besitz. Die anderen?
Sie werden vom Platz verschluckt.

Hier mit US Palermo Presidente, Maurizio Zamparini, Walter Sabatini

Der romantische Teil des Scoutings

Sabatini erinnerte sich dabei auch an die frühen Jahre seines Scoutings.
Eine Zeit, die heute fast romantisch wirkt.
Fußball pur. Er erzählte, wie er früher mit einem kleinen Notizheft und einem Kugelschreiber unterwegs war. Oft saß er stundenlang im Auto.
In einem alten Fiat 500.

Acht oder neun Stunden Fahrt waren nichts Ungewöhnliches.

Er fuhr durch ganz Italien.
Bis in die tiefsten Provinzen.
Kleine Plätze. Staubige Trainingsfelder.

Dort, wo kaum jemand hinschaute.
Dort suchte er Spieler, folgte den Tipps anderer Jugendtrainer. Keine Datenbanken.
Keine Videoplattformen.
Nur das Auge. Und das „sichere“ Gefühl, ja, da könnte ein neuer Totti oder Cavani sein.

Sabatini, der Architekt von Mannschaften

Natürlich ging es auch um seine Arbeit als Sportdirektor. Besonders um die Zeit bei der
AS Roma. Sabatini war einer der Architekten der Mannschaft, lange bevor sie sportlich wieder an die Spitze kam.
Transfers. Mutige Entscheidungen. Risiken.
Er gab zu, im Onlinegespräch, 
ja, er sei auch Risiken eingegangen.
Aber er habe sich immer durchgesetzt.
In jedem Club. Nicht mit Lautstärke.
Sondern mit Überzeugung.

Viele große Spieler kamen durch ihn nach Italien.

Bei der US Palermo, in der Zamparini-Ära,
entstand eine Mannschaft, die heute fast nostalgisch wirkt. Eine Mischung aus Talent und Instinkt. Viele mutige Spieler, die nach Sizilien passten. Namhafte Spieler, wie Javier Pastore,
Edinson Cavani, oder, Josip Iličić, spielten plötzlich gemeinsam. Dazu Figuren wie
Fabrizio Miccoli.

Eine Mannschaft,
die sogar die Großen der Serie A nervös machte.
Sabatini sprach darüber nicht mit großem Stolz. Eher mit leiser Verwunderung, dass es so gut klappte. Vertrauen in seine Arbeit, seinem Bauchgefühl, hatte Walter aber immer – selbst, wenn auch er sich „hin und wieder in einem Talent, mit seinem Durchhaltewillen“ getäuscht habe. Aber er schwärmt schon, von dieser Zeit in Palermo, von diesem Team der Unbekannten. 

Talent reicht nicht

Im Raum hörte man kaum ein Geräusch.
Die Workshopteilnehmer hörten aufmerksam zu.
Scouts, Sportdirektoren, und
Beobachter generell.
Alle lauschten. Es war ein Moment des Lernens.
Und auch ein Moment des Respekts.
Denn Sabatini sprach nicht nur über Transfers.
Er sprach über Menschen.
Über Charakter.

Über das, was einen echten Profi ausmacht.
Talent allein genügt nicht.
Das haben viele. Entscheidend sei der Charakter.

Die Fähigkeit, Druck auszuhalten.
Selbstbewusstsein. Und fame, Hunger.
Ein Spieler müsse sich durchsetzen wollen.
Immer wieder. Auch wenn niemand mehr an ihn glaubt. Sabatini ist überzeugt:

Talente verschwinden nie. Es gibt sie immer wieder. Zum Beispiel, wie aktuell, Spieler wie Antonio Vergara, von der SSC Napoli mit Trainer Antonio Conte. Oder junge Spieler aus Akademien wie Atalanta Bergamo, die später bei Clubs wie
Cagliari Calcio Spielzeit bekommen.

Trainer spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Sie müssen Mut haben.
Mut dazu, junge Spieler einzusetzen.
Mit gerade einmal 17, oder mit 18.
So wie es in Spanien oder Deutschland längst üblich sei, in der Bundesliga zum Beispiel („Deriu muss es wissen und kann es bestägigen…“, spricht er mich direkt an, nachdem ich mich vorstellen und zwei Fragen stellen konnte)

Scouting ist Begegnung

Sabatini betonte auch etwas anderes. Scouting passiert nicht (nur) am Laptop.
Man muss auf die Plätze gehen. Zu den Spielen.
Zu den Trainings. Man muss sehen,
wie sich ein Spieler verhält. Wie er spricht.
Wie er reagiert. Talent zeigt sich im Spiel.
Charakter zeigt sich im Alltag.
Eine besonders talentreiche Region in Italien sei übrigens Latium (Lazio).
Rund um Rom. Dort herrsche eine Talentdichte, auch durch die unzähligen Clubs.
Und ebenso viele junge Spieler.

Ein Leben zwischen Leidenschaft und Abgrund

Doch bei aller Fußballromantik
blieb das Gespräch auch persönlich.
Sehr persönlich, Moderator Multineddu moderiert gekonnt und zurückhaltend.
Sabatini sprach offen über sein Leben.
Über seine Familie. Für ihn sei sie das Licht seines Alltags. Sabatini, ein ehrliche, tiefe Haut. Oft klingt er wie ein melancholischer Poet des Fußballs. Vielleicht passt das, denn Sabatini hat selbst einmal, in einem anderen Intervirw gesagt,
er fühle sich manchmal wie ein verfluchter Dichter. Ein Mann zwischen Leidenschaft und Selbstzerstörung. Seine Zitate sind berühmt.
Radikal. Schonungslos.
Einmal sagte er: „Ich begehe jeden Tag Selbstmord.“ Damit meinte er seine Lebensweise. Nächte voller Arbeit.
Unzählige Zigaretten. Fünfzehn Kaffees am Tag.

Er beschrieb sich selbst einmal so:

„Ich habe ein linkes Gehirn und einen rechten Körper. Sie sind ständig im Konflikt.“

Der Preis eines Lebens im Fußball

Sabatini hat schwere gesundheitliche Krisen erlebt. 2019 erlitt er eine lebensbedrohliche Atemwegserkrankung. Er fiel ins Koma. Die Serie A, der italienische Fußball bangte um ihn.

Heute leidet er unter chronischen Problemen mit Lunge und Bronchien. Zwei Stents stabilisieren sein Herz. Das Rauchen musste er aufgeben.
Nicht aus Überzeugung. Aus Notwendigkeit. Manchmal dampft er eine E-Zigarette. Selten.

Er selbst nannte seine frühere Beziehung zu Zigaretten einmal eine „nostalgische Liebesgeschichte“. Trotz allem blieb er dem Fußball treu. Vielleicht, weil der Fußball selbst eine Art Sauerstoff ist. Für Menschen wie ihn.

Ein Satz zum Abschied

Als das Gespräch endete, blieb eine stille Stimmung von Dankbarkeit im Raum.
Keine große Geste. Kein Applaus. Nur Respekt. Und ein großes „Grazie mille“, von uns Teilnehmern, für einen Mann,
der den Fußball nie als Geschäft verstanden hat.
Sondern als Leben.

Und vielleicht fasst ein Gedanke von Sabatini alles zusammen: „Der Fußball gehört den Mutigen. Wer keine Risiken eingeht, wird nie entdecken, wie groß ein Spieler wirklich sein kann.“

Giovanni Deriu

Anmerkung und Dank:

Ein besonderer Dank gilt Dozent und Workshop-Leiter
Gianfranco Multineddu,
der diesen außergewöhnlichen Austausch möglich gemacht hat. Seine Workshops bringen regelmäßig Persönlichkeiten des internationalen Fußballs zusammen. Gast- und Impulsgeber wie
Mario Marino, Antonio Di Battista, Cristiano Giaretta oder Ignazio Argiolas,
gewähren dabei seltene Einblicke in ihre Erfahrungen, Entscheidungen und Denkweisen.

Für alle Teilnehmer sind diese Begegnungen mehr als nur Vorträge. Sie sind Fenster in eine Welt, die man nur versteht, wenn man ihr wirklich zuhör, und auch ein wenig dazugehört. Man muss zuhören können, oder wie es Sabatini auch sagte: „Ich habe Leuten immer zugehört, ja, zuzuhören, war eine meiner Hauptaufgaben, und ich tu‘ es noch heute…“ – Und an diesem Abend hörten alle besonders aufmerksam zu…

Akteure & Scouting sowie Nachwuchsfußball: Vergleiche, die dich bremsen, oder brennen lassen? – Der Unterschied zu anderen Kickern, liegt oft nur im „Detail“ – und im Auge des Beobachters! Es gibt Momente im Fußball, die prägen sich ein, und Dich selbst auch. Drei Punkte im Gepäck. Auswärtssieg. Pflicht erfüllt. Und trotzdem sitzt da einer im Bus, Blick aus dem Fenster, innerlich unzufrieden. Warum nur? Die Kunst es ernst und dennoch leicht zu nehmen…

Selbstkritische und „unzufriedene“ Spieler sind immer gut, denke viele Trainer. Doch dem ist nicht so – es muss überall ein gesundes (Mittel-)Maß herrschen, was Kritik und Freude oder Zufriedenheit betreffen! Denn echte Entwicklung beginnt nicht im Jubel. Sie beginnt im Anspruch an sich selbst. Nach einem Sieg darf man gern auch abschalten, und sich mal gehörig feiern – lassen.

Viel zu oft empfiehlt der Mentalcoach, Francesco Borrelli, seinen Athleten – ganz gleich welchen Alters –, einer gefährlichen Versuchung aus dem Weg zu gehen: nämlich, dem ständigen Vergleichen. Wer ist schneller? Wer spielt öfter? Wer hat mehr Scorerpunkte? Wer wird mehr gefeiert?

Dieser Reflex ist menschlich. Aber er ist Gift für deinen Fokus.

Wer permanent nach links und rechts schaut, verliert die Spur nach vorne. Entwicklung ist kein Wettrennen gegen andere. Es ist ein Prozess gegen dich selbst.

Und du, Junge, der mit drei Punkten aus Arezzo im Kleinbus sitzt und trotzdem hadert: Wenn du dich vergleichen willst, dann mach es richtig. Vergleich dich mit dem Spieler, der du gestern warst.

  • Warst du mutiger im Eins-gegen-eins?
  • War deine Körpersprache stärker?
  • Hast du nach Fehlern sofort reagiert – oder bist du in ihnen stecken geblieben?

Das ist der einzige Vergleich, der dich wachsen lässt. Alles andere ist Lärm.

Leistung entsteht aus Klarheit. Klarheit entsteht aus Fokus. Und Fokus entsteht, wenn du deinen Weg akzeptierst – mit all seinen Kurven, Rückschlägen und Fortschritten.

Bleib bei dir. Arbeite. Wachse. Schritt für Schritt.

Wir, von Checkfussballberater.de , sind über unser italienisches Scouting-und Fußballnetzwerk, an dieser Personalie hängengeblieben, weil sie uns aus der Seele spricht -Leseempfehlung für Alle, die dabei sind, ihre Leichtigkeit zu verlieren!! Bitte nicht, der Fußball, Euer Hobby, sollte immer Freude bereiten…

Über Francesco Borrelli

Francesco Borrelli ist zertifizierter Mental Coach (ACSI – CONI). Nach seinem Jurastudium an der Universität Genua spezialisierte er sich im Bereich NLP durch Master- und Weiterbildungen in der Privatwirtschaft.

Seit Jahren verbindet er seine Leidenschaft für Sport mit seiner Tätigkeit als Unternehmensberater im Bankensektor und als Autor für ligurische Sportmedien.

Als Mental Coach begleitet er Athletinnen und Athleten auf dem Weg zu Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sowie Fußballer aller Altersklassen – von der Jugend bis zur ersten Mannschaft.

Sein Traum? Ganz klar: als Coach eines Tages sein Büro direkt neben der „Legenden-Gym“ in Milanello zu beziehen – Tür an Tür mit Ibra. Träume zur Zielverfolgung sind immer wichtig…

Fußball & Scouting: Im Rahmen meiner Scouting-Diplom-Weiterbildung über die FIGC, dem italienischen Fußballverband, mit den Dozenten Gianfranco Multineddu und Bobby Venturini, wurden im Kurs auch interkulturelle Beobachtungs-Aspekte und Parameter besprochen…

Im modernen Fußball ist Scouting längst mehr als Bauchgefühl und Erfahrung. Videoanalyse, Datenmodelle, Softwarelösungen und standardisierte Bewertungsraster gehören heute zum Alltag. Und doch: Trotz globaler Tools und ähnlicher Technologien wird Fußball nicht überall gleich beobachtet.

Denn jede Nation schaut durch ihre eigene kulturelle und fußballerische Brille auf das Spiel. Die Methodik der Spielerbeobachtung ist immer auch ein Spiegel der jeweiligen Fußballkultur. Hier, das möchte ich festhalten, ist nur ein Kurzabriss zum Thema – mit Gianfranco Multineddu, der sogar einen Workshop zum Argentinischen Fußball konzipiert hat und momentan abhält, sind wir noch tiefer in die verschiedenen Fußball-DNA, vorgedrungen…

Italien – Taktik, Disziplin und defensive Verantwortung

In Italien beginnt die Beobachtung eines Spielers oft mit einer einfachen, aber entscheidenden Frage:
„Kann er sich innerhalb einer Mannschaftsstruktur richtig verhalten?“

Nicht nur individuelle Qualität zählt, sondern vor allem das taktische Verständnis. Positionsspiel, Raumaufteilung, defensives Mitdenken – auch bei offensiven Spielern – sind zentrale Bewertungskriterien. Ein Außenverteidiger mit starken Offensivaktionen, aber schwacher Absicherung, wird schnell kritisch gesehen.

Das italienische Scouting ist stark geprägt von der eigenen taktischen Tradition: Zonenverteidigung, kollektives Pressing, Spielintelligenz. Ebenso wichtig ist die mentale Komponente – Leidensfähigkeit, Disziplin und die Bereitschaft, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.

Deutschland – Struktur, Standards und physisch-mentale Selektion

Das deutsche Scouting war lange Zeit sehr strukturiert und stark normiert. Klare Profile, definierte Mindestanforderungen und standardisierte Bewertungsbögen prägten die Arbeit. Körperliche Parameter spielten – und spielen teilweise noch – eine große Rolle: Innenverteidiger über 1,85 m, Torhüter über 1,90 m, robuste Stürmer.

Doch es geht nicht nur um Größe und Kraft. Der Fokus liegt stark auf Konstanz, mentaler Belastbarkeit und Leistungsstabilität. Spieler werden anhand klarer Kriterien bewertet, häufig mit Punktesystemen und KPI-Logiken. Verhalten unter Druck ist dabei ebenso relevant wie technische Qualität.

Spanien – Technik, Spielintelligenz und kreative Freiheit

In Spanien steht die Beziehung zum Ball im Mittelpunkt. Körperliche Aspekte treten deutlich in den Hintergrund. Entscheidend ist, wie ein Spieler den Ball behandelt, Räume erkennt und Spielsituationen kreativ löst.

Scouts achten auf technische Sauberkeit, Entscheidungsfindung und Spielverständnis. Beobachtungen finden oft in freien Spielformen, Jugendturnieren oder Akademien statt. Videoanalyse wird genutzt, jedoch eher unterstützend – das subjektive Empfinden bleibt wichtig.

Das spanische Scouting ist weniger normativ, dafür flexibler. Talent wird nicht in feste Raster gepresst, sondern als Entwicklungsprozess verstanden.

Argentinien – Instinkt, Widerstandsfähigkeit und Straßenfußball

In Argentinien ist Scouting stark von der Kultur des Straßenfußballs geprägt. Spieler wachsen in engen Räumen, unter schwierigen Bedingungen und mit hoher Intensität auf. Entsprechend liegt der Fokus auf Technik unter Druck, Durchsetzungsvermögen und mentaler Stärke.

Beobachtungen erfolgen oft pragmatisch, mit wenig technischer Infrastruktur, aber großem Erfahrungswissen. Gesucht werden Spieler mit „Hunger“, Kreativität und der Fähigkeit, sich in chaotischen Spielsituationen zu behaupten.

Viele argentinische Talente bringen bereits früh eine hohe Belastbarkeit mit – eine Qualität, die ihnen den Übergang in physisch geprägte europäische Ligen erleichtert.

Fazit – Scouting braucht Kontext und Balance

Unabhängig vom Land gilt: Keine Methode funktioniert isoliert.
Weder reine Datenanalyse noch ausschließlich Live-Beobachtung liefern ein vollständiges Bild.

Erfolgreiches Scouting basiert auf einem ausgewogenen Zusammenspiel aus:

  • Live-Beobachtungen (Spiel und Training)
  • gezielter Videoanalyse
  • Verständnis der kulturellen und sportlichen Umgebung
  • menschlicher Einschätzung und Erfahrung

Denn hinter jedem Wert, jeder Aktion und jedem Zentimeter Körpergröße steht eine individuelle Fußballgeschichte.
Gute Scouts erkennen nicht nur Leistung – sie verstehen den Kontext, aus dem sie entsteht.


Akteure & Scouting: Ein paar Reflexionen mit Ariedo Braida – dem „Scouting-Papst“, und natürlich, mit Gianfranco Multineddu, der uns immer dazu ermuntert, den Fußball, das Scouting und die Talente, ganzheitlich zu sehen…!

Old School, Vecchia Scuola? – ein Plädoyer für den Menschen und die echten Charaktertypen im Fußball – was sagen Algorithmen schon wirklich aus?

Vielleicht bin ich ein wenig „old school“. Vecchia scuola.
Und ja – ich meine das nicht entschuldigend, sondern bewusst.


Ich glaube auch nach wie vor daran, dass man einen Fußballer nicht vollständig in Datensätzen, Grafiken und Algorithmen findet. Sondern draußen. Am Spielfeldrand. Dort, wo man nicht nur Bewegungen misst, sondern Menschen beobachtet. Dort, wo Erfahrung das Auge schult – und manchmal dreißig Minuten, eine Halbzeit wirklich genügen, um ein Gefühl zu entwickeln.

Ariedo Braida (wir haben ihn hier auf checkfussballberater.de vor ein paar Jahren bereits vorgestellt; https://checkfussballberater.de/der-mann-der-1000-kontakte-fuer-die-einen-die-fleissige-biene-fuer-die-anderen-ein-stiller-agent-ariedo-braida-neuer-sportdirektor-des-fc-barcelona/) hat dieses Selbstverständnis einmal treffend, auch für die Gazzetta dello Sport beschrieben. Er sagte, er gehe Spieler live anschauen, und mit seiner Erfahrung reiche ihm oft eine halbe Stunde, um eine Entscheidung zu treffen. Irren könne man sich immer, natürlich. Doch er verlasse sich mehr auf seine Augen als auf die aseptischen Daten einer Tabelle. Algorithmen könnten helfen, weil sie Zahlen, Statistiken und objektive Werte liefern. „Aber entscheiden müsse am Ende immer der Mensch…“


Ein Satz wie aus einer anderen Zeit – und doch aktueller denn je.

Denn was hätte ein Algorithmus, führt Braida weiter aus, über Van Basten, Gullit, Rijkaard, Savicevic, Shevchenko oder Kaká wirklich ausgesagt?
Er hätte Schüsse gezählt, Laufwege analysiert, Tore kategorisiert – rechter Fuß, linker Fuß, Kopfball. Alles korrekt. Alles messbar.
Aber wo bleibt die Persönlichkeit? (Dazu hat uns auch Gianfranco Multineddu im Scouting- und Beobachter-Fortbildungskurs der FIGC, der Scouting-Clinic, immer und immer wieder angehalten, die Spieler und Talente auch im Kontext und Miteinander des Clubs, mit anderen Spielern, auch im Training, zu sehen, zu analysieren…)
Wo die Haltung gegenüber den Mitspielern?
Wo das Verhalten gegenüber dem Trainer, gerade dann, wenn es schwierig wird?

Wie ist sein Auftreten nach Sieg oder Niederlage auch in der Öffentlichkeit?



Das sind keine statistischen Größen. Das sind Charakterfragen.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass mir dieser Blick so wichtig ist. Nicht nur, aber als Pädagoge interessiert mich immer auch der Mensch hinter dem Talent.

  • Wer ist dieser Spieler, wenn das Spiel kippt? Wie reagiert er auf Druck, auf Kritik, auf Ungerechtigkeit?
  • Wie fügt er sich in eine Gruppe ein, wie übernimmt er Verantwortung?

    Fußball ist Technik, Tempo, Taktik – keine Frage.
    Aber Fußball ist eben auch Beziehung. Haltung. Reife.

    Genau deshalb ist mir der Austausch so wichtig. Mit Menschen, die Fußball nicht nur sezieren, sondern verstehen. Mit Kennern und Experten wi– um nur einige zu nennen. Menschen, die den Fußball über den sportlichen, über den menschlichen Tellerrand hinaus denken.

    Vielleicht passt dieser Ansatz nicht immer in den Zeitgeist. Vielleicht ist er nicht effizient genug, nicht schnell genug, nicht digital genug.
    Aber bei CheckFussballBerater.de, glauben wir daran, dass Algorithmen unterstützen können. Dass Zahlen helfen. Dass Daten sicherlich gut strukturieren.

    Doch bewerten, einordnen, verstehen – das kann nur der Mensch.

    Und manchmal reicht dafür ein Blick.
    Ein Moment.
    Und ein geschultes Auge am Spielfeldrand. Oder ein Gespräch mit Tiefe danach…

Giovanni Deriu

Porträts, Akteure & Scouting: Raus aus dem Frost, rein in den Fußball – Sandro Palmeri zwischen Valencia, Murcia und Waiblingen. Das ist keine Reise – das ist (s)ein Rhythmus…

Internationale Bühne, regionales Herz: Mit Sandro Palmeri unterwegs in Murcia. Er hat uns interessante Einblicke gewährt. Raus aus dem Frost, rein in den Fußball.

Stuttgart noch grau, die Kälte hängt am Rollfeld. Der Flug ‚EW 2530‘ hebt frühmorgens ab – Ziel Valencia. Wenige Wochen vor Weihnachten. Der Körper reist, der Kopf ist längst im Spiel. Fußball kennt kein Wetter, nur Momente. Valencia, und gleich weiter nach Murcia. Sonne, offene, gut gepflegte Plätze, internationale Stimmen. Wo die Talente von morgen zu sehen sind, da lauern stets viele Berater. Bekannte und unbekannte. So ist der Fußball, bei einer Talentschau und „Messe“, wie dieser, nahe Valencia, Alicante – Urlaubsorte.

Treffpunkt der Scouts und Beraterszene. Notizblöcke, Tablets, kurze Gespräche, Blicke mit Bedeutung. Mittendrin: Sandro Palmeri – präsent, wach, überall willkommen. Manche erinnern sich sofort: an seine spielstarken, erfolgreichen Jugendteams von einst, vor den Toren Stuttgarts. An Waiblingen. An Ideen, die geblieben sind. Die Spieler tragen sie jedenfalls noch in sich. Denken gern zurück, und profitieren auch im aktiven Herrenbereich, oder im gehobenen Juniorenfußball davon, was Palmeri und sein Trainerstab ihnen vor Jahren mitgegeben haben.

Zurück nach Murcia. Auf dem Rasen: das U18-Vier-Länder-Turnier. Mit den Partien, Deutschland gegen Holland, sowie Norwegen und Dänemark, sind auch dabei. Pure Intensität, Tempo, höchste Nachwuchsbühne. Viele Scouts, wir zählen nur ein paar auf, von international bekannten Clubs wie Newcastle United, Genua, Torino Calcio, Hellas Verona, US Lecce – sind alle ganz nah dran. Holland gewinnt, die DNA des niederländischen Voetball total, des schönen offensiven Spiels mit der Flexibilität der Spieler, die Positionen auch schnell zu tauschen, Räume zu besetzen, den Gegner zu dominieren, lebt irgendwie weiter. Deutschland folgt knapp dahinter. Ergebnisse zählen. Eindrücke mehr.

Für Palmeri ist es eine besondere Reise.
Dahrel Tchitchi ist nämlich auch vor Ort. Heute U19-Kaderspieler, er hält als Verteidiger des FC Heidenheim die gegnerischen Stürmer in Schach, und läuft auch in Spanien für das DFB-Team auf – plötzlich weckt Tchitchi Begehrlichkeiten bei Clubs (teils auch von Sandro Palmeri aufgetan, ihn erreichten Anfragen), und auch Beratern (die Dahrels Entwicklung jedoch nie mitverfolgt, begleitet, haben). Sandro Palmeri, der sich längst einen Namen als Team- und Talent-Entwickler gemacht hat, gibt nur so viel bekannt, und das nach mehrmaliger Nachfrage: „Ich kenne ihn seit der ersten C-Jugend in Waiblingen“, erzählt der Fußballfachmann. Es folgte der KSC, dann der Wechsel zum FCH, nach Heidenheim – ein Weg, der Sinn ergibt, fasst Palmeri leise zusammen. Ruhig, ehrlich – vielleicht auch ein kleines Stück weit stolz (sich nicht getäuscht zu haben).

Zwischen den Spielen ein weiterer Moment: Austausch mit Jon Dahl Tomasson. Ex-VfB-Spieler zu Trapattonis Zeiten in Stuttgart, und ehemaliger AC Milan-Star (dort gewann Tomasson ein paar internationale Titel). Fußball über Generationen hinweg. Kurz. Intensiv. Wertvoll. Jede Nation hat so ihre eigene Fußball-Kultur und DNA.

„Solche Momente bleiben“, sagt Palmeri. Und man spürt: Der Italoschwabe meint nicht nur das Turnier. Sondern alles dazwischen. Kaum zurück in Stuttgart, wieder diese kalte, klirrende Luft – sitzt Sandro Palmeri auch schon wieder am Spielfeldrand. Auswärtsspiel des FSV Waiblingen in Aalen-Hofherrnweiler. Verbandsliga, regionale Luft, statt Mittelmeersonne. Aber, wie immer, die gleiche Leidenschaft.

Valencia. Murcia. Waiblingen.
Der Fußball treibt ihn an.
Und wer genau hinschaut, merkt: Das ist keine Reise – das ist (s)ein Rhythmus…

GiD

Fußball, Club-Porträts und Geschichten allgemein – ein Reisebericht zu den Fußballplätzen Südtirols: Hoch hinaus – Eine grüne Bühne für große Fußballträume – Da, wo die Luft klar ist und der Rasen grüner kaum sein kann, wo sich morgens das Zirpen der Grillen mit dem Duft von Espresso mischt – dort liegt Natz, ein verträumtes Plateau über Brixen…

Auf über 1.000 Metern Höhe, eingebettet zwischen Apfelhainen und Bergsilhouetten, finden jedes Jahr Spitzenklubs aus Italien und Deutschland ihr Trainingsparadies.

Mit dabei: unsere Jungs, Mardo und Oleg (wie neulich berichtet). Zwei aufstrebende Talente, mit genügend Erfahrung, auf dem Sprung, begleitet auf einer Reise durch die Höhenlagen des Fußballsommers.

Der Rasen? Fast zu schade zum Drauftreten. Sattgrün, dicht und perfekt vertikutiert – ein kleines Wimbledon der Dolomiten. Die (Probe-)Spieler staunten, mal weg von den Kunstrasenplätzen, wo alles eben künstlich wirkt… Kein Wunder, dass hier der FC Heidenheim seine Zelte aufschlägt. Genauso wie US Lecce, aus der Serie A. Diszipliniert, schweißtreibend, aber mit Aussicht – das ist Sommervorbereitung Südtirol-Style.

Natz selbst? Ein Ort wie aus dem Bilderbuch. Ruhig, freundlich, mit einem Hauch Melancholie in der Luft – aber auch voller Tatkraft. Halb Italien, halb Österreich – oder vielleicht doch ein bisschen Deutschland? Hier grüßen fleißige Hände, man sagt „Grüß Gott“ und „Ciao“ in einem Atemzug.

Und dann ist da noch der FC Natz – frisch gebackener Meister, voller Elan. Der Verein lebt Aufbruch. Mit Trainer Alex Schraffl und Sportdirektor Hannes Peintner stehen zwei Macher am Steuer, die wissen, wie man junge Spieler formt. Hier wachsen nicht nur Äpfel, sondern auch Talente. Spielen, wo der Tourismus stets boomt – Die beiden nennen es „Vier-Jahreszeiten-Tourismus“. Nur der November sei ein bisschen ruhiger – wie eine Atempause zwischen zwei Spielzeiten.

Ein paar Serpentinen weiter liegt Valles. Ein Ort, der in seiner Ursprünglichkeit fast übersehen wird – wenn nicht gerade der FC Bologna samt Tross einzieht. Ciro Immobile, der Rückkehrer, ackert dort für sein Comeback. Die Höhenlage tut ihm gut, der Mannschaft auch. Wer hier läuft, braucht Lunge – und Willen.

Und dann: Dimaro im Trentino. Ein kleines Dörfchen, das sich jedes Jahr verwandelt – zur temporären Hauptstadt des Südens. Wenn die SSC Napoli anrückt, sind plötzlich 6.000 Tifosi im Ort. Blaue Fahnen wehen aus Balkonen, Trikots mit Maradona und Osimhen, Lukaku und jüngst auch mit dem Namen „De Bruyne“, bei Groß wie Klein, prägen das Straßenbild. Dimaro wird zu „Little Napoli“, eine Mischung aus Volksfest, Trainingscamp und religiöser Verehrung. Für viele Fans ist das Pflichttermin und Pilgerreise zugleich.

All das: im 90-Kilometer-Karree. Südtirol, Trentino – ein Schmelztiegel des Sports und der Kulinarik. Ob Knödel oder Pasta, Pizza oder Speckplatte – Genießer kommen genauso auf ihre Kosten wie Ausdauerläufer.

Für uns, Sandro Palmeri, sowie Giovanni Deriu, ist es nicht nur Arbeit. Es ist Privileg. Immer wieder dürfen wir dabei sein, wenn unsere Kicker sich durch Höhenmeter und Trainingseinheiten kämpfen. Schwitzen, laufen, wachsen – in luftigen Höhen.

Ob beim SSC Napoli, beim FC Bologna, bei Lecce oder beim aufstrebenden FC Natz – der Fußball lebt. Und wir mittendrin…

GiD

Trainingslager Napolis, auch die Kleinsten wissen, wer der Größte war!Dimaro 2025!



Und wie immer in Italien, von Nord bis Süd: Die Medien immer am Ball!

Fußball, Club-Porträt und Biographien, Teil 2: Wer geht schon freiwillig in die Berge? Wo Talente geschliffen werden – eine gute Vorbereitung ist Alles! Oder, leben und kicken, wo andere Urlaub machen. „Im Herzen der Berge – der ASV Natz hebt ab“ – mit Augenmaß und gesunder Planung, soll in Natz Etwas Neues entstehen – vielleicht eine Oase, für junge und hungrige Spieler, die genug Talent haben, um auch weiter wachsen zu wollen? Dafür sorgt Coach Alex Schraffl! Eines ist klar, ohne harte und ehrliche Arbeit geht da droben in Südtirol gar nichts. Mardo Mourera und Oleg Scheiermann möchten diesen Weg gehen…

Zwei Neue, zwei Typen, ein Ziel

Wenn man in Natz dieser Tage über den gepflegten Trainingsplatz blickt, sieht man nicht nur das idyllische Bergpanorama, sondern auch zwei, die sofort ins Auge stechen: Oleg Scheiermann und Mardochee „Mardo“ Mourera – zwei Fußballer mit einer ganz eigenen Geschichte, Charakter und einem Traum. Und beide haben jetzt ein neues Ziel vor Augen: den Weg über Südtirol in Richtung Profifußball. Und das Zeug dazu, haben beide, wie von einigen Experten, darunter Uefa-Pro-Trainern sowie A-Lizenz-Inhaber analysiert wurde. (Jeder weiß, auch wenn Sandro Palmeri und ich über Jahre ein gutes Auge, auch als Juniorentrainer entwickelten, lassen wir stets Spieler gegenchecken… und jeder weiß auch, manchmal bedarf es andere Wege, um nach vorn zu kommen!)

Oleg – Disziplin, Technik, Willensstärke

Der eine ist gerade mal 18, kommt aus einem gut organisierten Fußballhintergrund – aber hat längst seine eigenen Wege eingeschlagen. Oleg Scheiermann, Defensivspieler mit ausgezeichneter Technik und einem bemerkenswerten Auge für Spielsituationen, hat Stationen bei TSG Hoffenheim, Sandhausen und Magdeburg hinter sich. Früh weg von daheim, früh auf sich allein gestellt – ein Spieler, der gelernt hat, Verantwortung zu übernehmen. Nicht immer lief alles rund, aber auch Rückschläge hauten ihn nicht um, im Gegenteil, er hat einen festen Glauben an sich selbst, es schaffen zu können. Im Testmatch gegen US Lecce, kam es öfter zum direkten Vergleich mit dem Leihstürmer des AC Milan, Francesco Camarda, und Oleg machte auch eine gute Figur, bella figura – auch wenn der deutsche Defensivspezialist zugibt: „Das ist schon ein Guter. Spritzig und schnell, wie alle Profis auf diesem hohen Level…“, aber da möchte Oleg ja auch hinkommen.

Geprägt wurde Oleg Scheiermann vom heutigen FSV-Waiblingen-Sportvorstand Sandro Palmeri, der als Jugendcoach nicht nur Regeln vermittelte, sondern vor allem Charakter formte. Das Ergebnis war danach eine „attraktive Spielweise“, von der man heute noch überregional schwärmt.

„Nicht die Mama packt die Sporttasche. Wer Profi werden will, muss sich selbst organisieren. Sonst Bank – egal, wie gut du bist“, so Palmeri trocken. Das war schon das Motto vor über acht Jahren.

Und genau das blieb hängen. Oleg, einst Teil der legendären U15 des FSV Waiblingen, die selbst Bayern, Juve und Lissabon das Fürchten lehrte, bringt diese Werte nun mit nach Südtirol. Und die Eltern, die damals wie heute dabei sind – unterstützend, aber nie wie die bekannten „Helikoptereltern“, überall hineinreden zu wollen, im Gegenteil – sie vertrauen, und wir vertrauen ihnen. Ihr Junge, Oleg, muss seinen Weg selbst gehen. Und das tut er. Es ist aber schön, wenn die Eltern die ersten Schritte im Ausland begleiten, und mitfiebern – auch mit dem zweiten Probespieler und Sportskameraden.

Mardo – Der Stürmer mit Hunger

Und dann ist da Mardo Mourera, 23 Jahre alt, Stürmer, kongolesische Wurzeln, entdeckt in der Kreisliga rund um Stuttgart, wo man gerne übersieht, wie viele Rohdiamanten eigentlich auf staubigen Plätzen schlummern. Doch Palmeri und Deriu übersehen nichts. Palmeri glaubte immer an Mourera, schon nach seiner ersten Sichtung, auch als viele andere noch dagegenredeten. Giovanni Deriu, stets in Austausch mit Sandro Palmeri und dessen Meistertrainer Catizone beim FSV Waiblingen, analysierte Mardo ausgiebig, und meint auch: „Da ist noch viel mehr Potential – ausschlaggebend wird aber sein, wie sehr sich Mardo auf die Ziele fokussieren kann…“ – genau diese Meinung teilt auch Sandro Palmeri, der Mardo in zahlreichen Gesprächen, auf das neue „gemeinsame Projekt“ vorbereitete.

Mardo, körperlich stark, zielstrebig, torgefährlich, war ein Baustein für den Meistertitel und Aufstieg des FSV. Doch dann kam der Punkt: der Kader muss kleiner werden, so Palmeri. Keine einfache Entscheidung, aber: „Ich musste Mardo neue Wege aufzeigen – denn sein Potenzial ist da. Aber er braucht, eine Bühne.“

Diese Bühne könnte nun Natz sein. Die Mannschaft, echte Südtiroler, hat Mardo und Oleg „super aufgenommen!“

Der Plan: Südtirol als Sprungbrett

Gemeinsam mit Giovanni Deriu, dem Scout und Spielervermittler mit Herz, wurde eine Perspektive erarbeitet: Ein duales Modell aus Fußball und Ausbildung, eingebettet in semiprofessionelle Strukturen, wie sie beim FC Natz nun unter Schraffl und Peintner mit Leben gefüllt werden.

„Es geht nicht darum, Luftschlösser zu bauen“, sagt Deriu, „sondern um konkrete Schritte – Trainingslager, Testspiele, Feedback, Integration.“

Schon beim ersten Probetraining hinterließen beide Jungs Eindruck. Besonders das Testspiel gegen US Lecce, das zufällig während deren Trainingslager in Natz stattfand, war eine Art Standortbestimmung. Und was man hörte: positiv. Sehr positiv. Vor allem aber auch, von der menschlichen Seite.

Ein Verein als Plattform

Der FC (ASV) Natz wird damit zur kleinen, feinen Talenteschmiede – ein Ort, an dem Fußballträume nicht mit Pathos verkauft, sondern mit Bodenhaftung angepackt werden. Ein Klub, der Spielern wie Oleg und Mardo nicht nur Trikot und Kabine bietet – sondern ein echtes Sprungbrett. Es sei aber auch angemerkt, dass in diesem Team noch andere entwicklungsfähige italienische Spieler bereit sind, alles zu geben.

Und wer Schraffl kennt, der weiß: Hier wird niemand verheizt. Hier wird entwickelt.

„Ich bin kein Träumer. Ich bin Fußballarbeiter“, sagt Schraffl. Und das merkt man.

Was bleibt?

Zwei Jungs, zwei Wege, ein Ziel. Und ein Verein, der sich als Heimat anbietet – in einem Bergdorf, wo man sich kennt, sich hilft, aber auch fordert. Wo Holzfassaden nicht nur Hotels zieren, sondern Geschichten erzählen.
Und genau hier – im Herzen Südtirols – beginnt vielleicht das nächste Fußballmärchen. Dass Scouts regelmäßig den Weg nach Natz und Brixen finden, hat sich längst herumgesprochen…

Fortsetzung folgt. Versprochen.

GiD

Probetrainingstage: Nach dem Testmatch Natz-US Lecce, mit Mardos Gegenspieler, Kialo Gaspar

Fußball, Club-Porträt und Biographien, Teil 1: „Im Herzen der Berge – der ASV Natz hebt ab“ – mit Augenmaß und gesunder Planung, soll in Natz Etwas Neues entstehen – vielleicht eine Oase, für junge und hungrige Spieler, die genug Talent haben, um auch weiter wachsen zu wollen? Eines ist klar, ohne harte und ehrliche Arbeit geht da droben in Südtirol gar nichts. Aber: dem fußballverrückten Dorf bei Brixen soll ein attraktiver Fußball geboten werden!

Eine neue Ära im Südtiroler Fußball beginnt mit Alex Schraffl und einem Dorf, das Großes vorhat.

Wenn man sich von Brixen den Hang hinaufschlängelt, vorbei an Apfelbäumen, Hotelchalets und duftenden Wiesen, erreicht man ein Dorf, das nicht nur ein Urlaubsidyll ist – sondern seit Jahren auch eine kleine, aber feine Fußballhochburg: Der ASV, aber im Volksmund kurz, FC Natz genannt. In der 1. Amateurliga ließ man zuletzt nichts anbrennen und sicherte sich verdient den Meistertitel. Doch damit nicht genug: Jetzt will man auch in der Landesliga, vergleichbar mit der Verbandsliga Baden-Württemberg, ein gewichtiges Wörtchen mitreden. Große Clubs und deren Scouts und Trainer haben immer einen Blick auf das kleine Dorf Natz. Diese schöne steile Strecke nehmen sie gern auf sich.

Was nach einem typischen Aufsteigertraum klingt, hat in Natz Hand und Fuß – und das liegt vor allem an einem Mann: Alex Schraffl.

Und das Trainerteam um Alex Schraffl steht!

Ein Fußballfachmann kehrt heim

Der 50-jährige Brixner ist kein Unbekannter in der italienischen Fußballszene. Zwölf Jahre lang formte und leitete er die Nachwuchsabteilung beim FC Südtirol, jenem aufstrebenden Profiklub, der in den letzten Jahren den Durchmarsch in die Serie B schaffte. Acht Spieler, die aktuell im Serie-B-Kader des FCS stehen, wurden unter Schraffls Ägide ausgebildet. Einer von ihnen schaffte sogar den Sprung in die Serie A.

„Wir haben dort eine starke Akademie aufgebaut. Darauf bin ich stolz“, sagt Schraffl – mit der ruhigen Stimme eines Mannes, der nicht laut werden muss, um gehört zu werden. Und auch wir von Checkfussballberater.de sind ein Stück weit Stolz, seit über 10 Jahren mit Alex Schraffl in regelmäßigem Austausch zu stehen.

Jetzt ist Schraffl zurück in seiner Heimat, zurück im „Bergdorf über Brixen“, wie er es nennt. Und wer ihn kennt, weiß: Er kommt nicht, um nostalgisch in alten Zeiten zu schwelgen – sondern, um etwas Neues aufzubauen. Dazu hat der Fußballfachmann noch so viel Power, so viel Energie und Gestaltungswillen, um junge hungrige Spieler in Kombination mit „erfahrenen Spielern“, weiter zu bringen, zu formen – nicht nur als Fußballer, sondern auch als Männer, uomini veri.

Eine langjährige Freundschaft, die verbindet – Offenheit und Kritikfähigkeit, die stets konstruktiv ist!

Frischer Wind auf 890 Metern

Der FC Natz ist bereit für den nächsten Schritt. Mit einem jungen, dynamischen Funktionsteam, einem durchdachten Staff und einer gesunden Mischung aus erfahrenen Spielern und hungrigen Talenten will man das „Abenteuer Landesliga“ nicht nur überstehen, sondern aktiv mitgestalten.

Mit an Bord ist auch Hannes Peintner, Sportdirektor, ehemaliger Spieler, Lokalpflanze. Und: Ein Mann, der einst selbst unter Schraffl spielte. Hannes Peintner: „Der Alex war schon immer ein starker und fordernder, aber nie überfordernder Trainer, und ich war 18, als ich unter ihm in der Ersten spielte“, erzählt Peintner, im Hauptberuf Holzbau-Ingenieur. Das verbindet natürlich. Obwohl sich die Wege danach trennten, Alex Schraffl, der studierte Pädagoge, ging zum FC Südtirol, damals noch in der Lega Pro, die 3. Liga – und Hannes Peintner absolvierte seine Ausbildung und dessen Studium in Italien, Deutschland und Schweden – wo „Hannes“ natürlich auch den Fußball international beobachtete. Heute trägt Peintner Verantwortung – nicht nur sportlich, sondern auch kaufmännisch. Er identifiziert sich zu „100 % mit dem Verein.“

„Wir wollen den FC Natz als Plattform für junge Spieler entwickeln – mit einer klaren Handschrift, und damit den Club in der höchsten Spielklasse auch etablieren“, sagt Hannes Peintner.

Dass diese Plattform bereits funktioniert, zeigte sich jüngst: Zwei Nachwuchskicker aus Deutschland absolvierten ein Probetraining – organisiert von Sandro Palmeri, Sportdirektor und Spieleragent aus Waiblingen, sowie Giovanni Deriu, langjähriger Scout und Netzwerker. Die beiden kennen Schraffl seit über 12 Jahren. Der Kontakt wurde nie gekappt – im Gegenteil: Man vertraut sich, man arbeitet zusammen. Und, was man schätzt, gerade bei Spielerprofilen und Empfehlungen – die konstruktive Kritik und Ansätze, passende Spieler zu finden, die auch charakterlich passen! Ein ganz wichtiger Aspekt… (und oft unterschätzt! So, aber auch jüngst bei unserer Fortbildung der FIGC, des italienischen Verbandes für Beobachter und Scouts, immer wieder vom Dozenten Gianfranco Multineddu wiederholt…)

Zweieinhalb Tage Probetraining für die Spieler Mardo Mourera, einem spielstarken Mittelstürmer (22), sowie Oleg Scheiermann (18), einem Abwehr-Allrounder mit Offensivqualitäten, sehr ballsicher und antizipierend, der für sein junges Alter schon herumgekommen ist (Bundesliga-Juniorenteams), und eine gute Ausbildung genossen hat. Das Team mit Trainer Alex Schraffl ist da für die beiden die richtige Adresse, um weiter ausgebildet zu werden, und das Maximale herauszuholen. Krönung des Wochenendes? Ein Testspiel gegen US Lecce – Serie A – direkt in Natz, während des Trainingslagers der Süditaliener mit Trainer Eusebio Di Francesco, der oft und gern Underdogs der Serie A trainiert. (Das Testspiel ging nur 0:11 verloren – in einer Halbzeit stand es 0:8, in der 2. HZ fielen nur drei weitere Treffer für den Erstligisten – und Mourera wie Scheiermann spielten je 45 Minuten, und machten dennoch mit den Natzern, bella figura, jeder hatte seine Impressionen gegen die Profis! Darauf kam es auch an – bei Zweikämpfen und in der Raumaufteilung nicht klein beizugeben)

Hannes Peintner, als Sportdirektor mit Weitblick, in Gesprächen mit den etwaigen Neuzugängen…

„Solche Kooperationen entstehen nur, wenn Vertrauen, Netzwerk und Seriosität zusammenkommen“, sagt Giovanni Deriu, der Schraffl einen „Garanten für fundierte Jugendarbeit“ nennt. Beziehungsweise für einen Trainer mit Weitblick im Amateur- und Profifußball, der junge Spieler weiterentwickeln kann…

Vision und Bodenhaftung

Was in Natz passiert, ist kein Strohfeuer. Hier arbeitet ein Team mit Weitblick – und der nötigen Demut. Man weiß, woher man kommt. Aber man weiß auch, wo man hinwill. Fußball wird hier gelebt – wie in ganz Italien, nur eben auf fast 900 Metern Seehöhe.

Die Trainingsplätze sind top, das Spiel auf dem gepflegten Rasen (auch deshalb kommen Bundesligisten gern hier her, der FC Heidenheim war auch hier, danach gleich US Lecce aus Italiens Serie A), das Umfeld familiär, die Atmosphäre professionell. Hier oben, wo gefühlt jedes zweite Holzhaus ein Wellnesshotel ist, wächst auch etwas Großes im Fußballbereich.

Mardo Mourera und Oleg Scheiermann, motiviert vor dem Probetraining und Testmatch gegen Lecce!

Und Alex Schraffl? Der wirkt so zufrieden wie lange nicht mehr – zurück auf dem Platz, zurück im direkten Austausch mit Spielern, Eltern, Scouts, Kollegen. Seine Augen funkeln, wenn er von Ideen, Spielern, Trainingsinhalten spricht. Bereits nach den ersten Trainingseinheiten, und zum gegenseitigen Kennenlernen meinten Mardo Mourera und Oleg Scheiermann auch gegenüber #TM Suedtirol, quasi unisono: „Das Training macht Spaß, ist intensiv, der Trainer ein Fachmann, der klare Ansagen macht…“, und die Mannschaft habe beide sehr gut aufgenommen.

Fortsetzung folgt…Denn was der FC Natz aufbaut, verdient nicht nur Applaus – sondern auch Aufmerksamkeit.

GiD

Mein kongenialer Partner Sandro Palmeri und in der Mitte, Trainer Eusebio Di Francesco, US Lecce.