Fußball, Biografien und Akteure: Zeugwart und Betreuer Bernhard „Bernie“ Dangelmaier. Seit über 40 Jahren „Mädchen für Alles“, und er selbst sieht sich als „Betreuer und Freund zur Mannschaft“

Egal welcher Club der Welt und Größe, ob Profis, wie beim FC Bayern, dem VfB Stuttgart oder Real Madrid und dem FC Barcelona – ohne SIE kommt keine Mannschaft der Welt wirklich klar, weder bei den Profis noch bei den Amateuren bis hin in die untersten Klassen: Die Zeugwarte im Team und Club. Manchmal „Mama-Ersatz“, Kickschuhpfleger oder gar Busfahrer. Der Zeugwart und oft auch Betreuer (in Personalunion) ist stets nah dran am Team und immer auch ein fester Bezugspunkt für die Spieler, aber auch für das Trainer-Team. Nicht immer sickern die Namen durch, die im Hintergrund „werkeln“. Wer kennt schon Josef „Sepp“ Schmid, der lang beim FC Bayern Stars heranwachsen sah, neulich feierte Sepp Schmid den 90sten Geburtstag. Oder etwa den dienstältesten Zeugwart der Bundesliga, Walter Notter des FSV Mainz 05, dem „Herrscher der Leibchen“? Der FC Normannia Gmünd hat ebenfalls einen ganz speziellen Zeugwart und Betreuer: Bernie Dangelmaier. Man könnte auch sagen, dass Dangelmaier zumindest in der Region zwischen Schorndorf und Schwäbisch Gmünd (im Ostalbkreis), aber in Baden-Württemberg allgemein, wie kein anderer die Profession des Zeugwarts prägte und immer noch beherrscht – Bernie Dangelmaier ist „noch am Ball“, und sitzt meist ganz außen auf der Auswechselbank, immer bereit, aufs Feld zu rennen, wenn sich ein Spieler verletzt.  Endlich Zeit, ihn einmal zu porträtieren hier auf checkfussballberater.de, und das ganze natürlich „per Du“,  denn Bernie hat uns nämlich jahrelang selbst betreut und begleitet im Juniorenbereich der C- bis A-Jugend. Der 65-jährige Zeugwart Dangelmaier nahm sich Zeit für ein Gespräch, und kann einiges aus dem Leben und vom Fußball erzählen.

 Checkfussballberater.de : Hallo, Bernie, wo erreichen wir Dich gerade, was treibst Du so?  „Bernie“ Dangelmaier: Ich bin gerade zu Hause. Aber normalerweise trifft man mich auf dem Fußballplatz.

 Was antwortest Du, wenn wir meinen, Der Fußball ist Dein Leben? Das trifft voll auf mich zu. Seit meiner Kindheit hat mich Fußball begeistert. Hab auch in der Jugend gespielt.

 Momentan bist Du beim Verbandsligisten FC Normannia Gmünd Betreuer, Zeugwart und sogar Sponsor, richtig? Wie kam es dazu, besonders, im Juniorenbereich als Sponsor einzusteigen? 

Ja das stimmt ich bin als Betreuer in Gmünd tätig und es macht mir auch unheimlich Spaß mit den Jungs zu arbeiten. Ich sage auch immer, wenn man mit jungen Menschen zu tun hat, bleibt man auch selber jung. Ich habe es auch nie bereut, dass ich diesen Schritt gegangen bin. Ja, dass ich auch als Sponsor tätig bin bei der Normannia hat ja auch einen Hintergrund. Ich war ja lange beim früheren VfL Schorndorf in der Jugend tätig, und darum liegt mir auch die Jugend sehr am Herzen.

 Nennst Du Dich selbst Betreuer oder Zeugwart oder gar ganz international Magazineur? Ich nenne mich nur Betreuer und Freund zur Mannschaft.

 Ohne den Zeugwart kommt keine Fußballmannschaft, ob im Profi- oder Amateurbereich aus, oder wie siehst Du es? Jede Mannschaft braucht einen Ansprech-Partner zwischen Trainer und Spielern, und so sehe ich mich, zu mir kann jeder Spieler kommen. Ich habe immer ein offenes Ohr für ihn in jeder Lebenslage. Ich bin auch dafür da, dass alles vor und nach dem Training so organisiert ist, dass es einen reibungslosen Trainingsablauf gibt.

 Ist es ein Kompliment, eine Tatsache oder eine Übertreibung, wenn man Dich „Mädchen für Alles“ im Club nennt?

Das ist für mich ein Kompliment.

Wie sieht Dein Ablauf an einem normalen Trainingstag, und wie an einem Spieltag aus? Das kann man nicht immer so pauschal sagen, da die Trainingsbedingungen bei der Normannia ja nicht immer die gleichen sind. Im Herbst kann nicht immer im Stadion trainiert werden, so müssen wir dann eben manchmal flexibel im Schießtal trainieren. Das heißt dann wieder, dass alle Trainingsutensilien dorthin gefahren werden müssen.

Aber sonst richte ich eben alles her, was zum Training dazu gehört. Ganz wichtig sind wie immer die Bälle, die bereite ich zum Training vor: den Druck überprüfen, die Hütchen, Trainingshemdchen und Getränke bereitstellen und selbstverständlich eine kühlende Eisbox. Vor dem Spiel schaut das gesamte Betreuer Team danach, dass alle Trikots, auch die Ersatzhemden wirklich da sind, und dass das Gästeteam gut versorgt und betreut wird, und natürlich auch der „Schieri“.

 Mit wem stehst Du auf Clubseite in ständigem Kontakt?

Mit dem Spielleiter Claus Krischke. (auch ein „Urgestein“ und Funktionär des FC Normannia; Anm. d. Red.)

Gibt es noch Überraschungen oder ist nach so vielen Jahren, Du bist ja bestimmt seit 40 Jahren im Job, Vieles schon Routine?  Überraschungen gibt es schon noch ab und zu. Aber darüber will ich nicht sprechen. Ansonsten ist sonst schon vieles Routine, die sich in fast 45 Jahren eingespielt hat.

 Du wohnst noch in Schorndorf, und warst früher auch Juniorentrainer beim VfL Schorndorf, später bei der SG Schorndorf. Du bist auch immer Co-Trainer sowie Betreuer, Zeugwart und Schiedsrichter gewesen. Hattest Du je echte Freizeit, und welche Tätigkeit gab Dir am meisten?

Ja ich wohne in Schorndorf, und war Juniortrainer in Schorndorf: beim VfL und TuS, und später bei der SG Schorndorf. Ich habe die A-, B- und C-Jugend in Schorndorf trainiert. Später war ich aktiv als Schiedsrichter unterwegs. Außerdem als Assistent-Trainer in der Landesliga unter Trainer Lothar Mattner. Dazwischen auch immer mal wieder Betreuer in der Jugend und bei den Aktiven. Freizeit hatte ich in der Tat nicht so viel, weil mein Leben war und ist bis heute der Fußball. Ich bin halt etwas fußballverrückt, wie mich auch einmal die „Schorndorfer-Zeitung“ titulierte. Nicht umsonst wurde mir der höchste Preis, den die SG Schorndorf verleihen kann, zuteil. Nämlich, den Richard-Kaphan-Preis erhielt ich für mein Engagement.

 Irgendwann, bist Du als treue Schorndorfer „Seele“ und als Betreuer mit dem Coach und Uefa-Pro-Trainer Lothar Mattner zur Normannia gekommen. War die Umstellung schwer?

Ja das stimmt, ich bin mit Lothar nach Gmünd gekommen. Das ist mir nicht schwer gefallen, weil Lothar Mattner und ich uns gut verstanden haben. Er hat mich immer unterstützt, so wie eben auch in Schorndorf. Ich bin ihm auch heute noch dankbar, dass er mich nach Gmünd mitgenommen und bei der Normannia empfohlen hat. Ich bin danach auch gern in Gmünd geblieben, weil ich sehr gut von der Mannschaft aufgenommen wurde und gute Freunde gefunden habe. Das Umfeld und die kameradschaftliche Atmosphäre fördert gute Leistungen.

 Trainer gehen, aber Du bist als Betreuer und Zeugwart stets da geblieben. Wie viele Trainer hast Du so erlebt? Und welche Trainer behältst Du sehr gern in Erinnerung? Wer war der „schrägste“ Übungsleiter?

Ja, wie ich schon gesagt habe: Es ist mir schwer gefallen, dass Lothar Mattner bereits nach einem Jahr wieder gehen musste. Mattner wollte mich ja nach Reutlingen mitnehmen, aber da war mir der Aufwand zu groß, ihm zu folgen. So bin ich in Gmünd geblieben und freue mich heute noch, bei der Normannia in Gmünd zu sein. Ich habe es nicht bereut, weil der Verein mir ans Herz gewachsen ist und ich viele neue Freunde gefunden habe. Trainer habe ich natürlich einige erlebt, und mit ihnen dann auch alle Höhen und Tiefen im Fußball. Mein bester Trainer, also nach meinem persönlichen Empfinden, war Lothar Mattner. Wer mich dagegen nicht überzeugen konnte, war Rainer Kraft.  Kraft gab sich zwar auch Mühe, aber auf mich persönlich, und wohl auch auf andere, wirkte seine Art und Kommunikation etwas abgehoben, klar, er ist ein Fachmann, und ist dann dennoch aus der Oberliga abgestiegen. Leider!

 Wird Deine Meinung in der Mannschaft auch abgefragt, immerhin hast Du in 45 Jahren etliche Spiele und Spieler erlebt?

Ja, manchmal schon. Aber das Spiel hat sich ja auch in den Jahren verändert, es wird heute viel, viel athletischer und schneller sowie auf taktisch hohem Niveau gespielt, als noch in früheren Jahren. Darum ist die Meinung älterer Mitarbeiter und Leute nicht mehr so gefragt. Wenn man aber gewisse Spiele heute noch so sieht, wäre es auch nicht schlecht, wenn man die Ratschläge älterer Kameraden und Mitarbeiter annehmen würde.

 Welcher Spieler brachte es sportlich am Weitesten?   Ein paar, die bei mir schon trainiert haben in der Jugend, haben es bis zur Verbandsliga geschafft.

Welchen Tipp würdest Du jungen Talenten mit auf den Weg geben? 

Nie aufgeben, und immer gewisse Ratschläge älterer Mitspieler annehmen, sowie die eigene Leistung nie selbst überschätzen, und immer den eigenen Weg gehen.

 Zum Abschluss, ein anderes Thema, Bernie, das Leben schreibt auch eigene und andere Geschichten. Du hast 1990 die Leukämie, den Blutkrebs, quasi bekämpft und besiegt. Wie siehst Du diese Zeit rückblickend, und wie hat sie Dich geprägt?

Ich möchte nur sagen, ich habe meinen Blutkrebs nach vier Chemo-Therapien 1990 auch nur deshalb überwunden, weil ich echte Freunde hatte, auch über den Fußball, und als ich dem Tod wirklich nur knapp entkam, bin ich gleich wieder meinem Hobby nachgegangen – dem Fußball.

…Der Fußball vermittelt also auch viel in harten „Krisen- und Krankheitsfällen“?

Ja, also bei mir war es so. Die Krankheit besiegte ich auch mit eisernem Willen und Energie, sowie mit etwas Glück und Überlebenswillen.

Bernie, vielen Dank für Deine Zeit.

 

 

(und hin und wieder lässt Bernie auch ein paar Euro für einen Trikotsatz springen; Sponsor Bernie)

 

 

Das Lebensmotto des 65-jährigen Fußball-Zeugwarts und Maschinenschlosser, Bernhard Dangelmaier, lautet: „Leben und leben lassen…“

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien;
Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist.
Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz.
In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert.
Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

2 Gedanken zu „Fußball, Biografien und Akteure: Zeugwart und Betreuer Bernhard „Bernie“ Dangelmaier. Seit über 40 Jahren „Mädchen für Alles“, und er selbst sieht sich als „Betreuer und Freund zur Mannschaft““

    1. Danke für Ihren Kommentar und Ihre nette Anfrage. Wir haben auch via Mail geantwortet. Dem stimmen wir gern zu…

      Mit sportlichen Grüßen

      GiD

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