Aktuell++ aktuell! Italien fehlt mit seiner Squadra Azzurra – ist aber bei der WM dabei: Wie der Maschinenraum des Calcio den Weltfußball weiter antreibt… ganz ohne italienisches „Knowhow geht es doch nicht!

Der italienische Fußball taumelt noch – die Nationalmannschaft hat die WM verpasst, die Wunden sind frisch, die Stimmung irgendwo zwischen Melancholie und Espresso doppio. Aber – und jetzt kommt der Teil, bei dem man die Augenbraue hebt – ganz weg ist Italien von der großen Bühne eben doch nicht. Denn wenn die Welt 2026 in Nordamerika rollt, steht „Made in Italy“ weiterhin geschniegelt an der Seitenlinie. Und zwar nicht zu knapp.

Zusammenfassung – süffisant, aber sauber gespielt

Also gut: Italien fährt nicht zur WM. Sagt das Ergebnis von Zenica, und das ist so endgültig wie ein schlecht verteidigter Standard in der Nachspielzeit. Aber wer glaubt, die Italiener bleiben im Juni alle am Strand von Rimini, hat das Spiel nicht verstanden.

Denn während die Azzurri zu Hause die Narben zählen, exportiert Italien weiter das, was es seit Jahrzehnten kann: Fußballhirn, Taktik, Staff-Power.

Allen voran Carlo Ancelotti. Der Mann, der jetzt ausgerechnet Brasilien organisiert – also Defensive zuerst, Struktur rein, und vorne dürfen dann Künstler wie Vinícius tanzen. Ein bisschen wie ein Architekt, der in Rio plötzlich deutsche Baupläne ausrollt. Funktioniert? Sieht so aus.

Dann Vincenzo Montella. Der „Aeroplanino“ hat die Türkei zurück zur WM gebracht – nach 24 Jahren Pause. Und das mit einem Team, das mehr kann, als viele denken. Viertelfinale bei der EM, solide Gruppe bei der WM – Montella liefert. Leise, aber effizient. Kein Spektakel, sondern Substanz.

Und Fabio Cannavaro? Der Weltmeister von 2006 schreibt das vielleicht charmanteste Kapitel: WM-Debüt mit Usbekistan. Ein Fußballmärchen zwischen Moscheen und Außenseiterträumen. Und ganz ehrlich – genau solche Geschichten machen Turniere groß.

Die eigentliche Pointe – Italiens unsichtbare Armee

Jetzt wird’s interessant. Denn Italien ist nicht nur Trainerland, sondern eine Art geheime Supermacht im Maschinenraum des Fußballs:

Fitnesstrainer, die mehr laufen als die Spieler
Physiotherapeuten, die Karrieren verlängern
Analysten, die Gegner seziern wie Chirurgen

Beispiele? Bitte sehr:

Yuri Annecchiarico bei Frankreich – Weltmeister 2018, wieder heißer Kandidat.
Guido Nanni in Algerien – der Mann vom legendären Totti-Selfie, arbeitet nun Trainer Petkovic zu.
Mario Pafundi – vom Radsport zum Vertrauensphysio eines der besten Stürmer der Welt.
Fabio Massimo Francioni – Sportwissenschaftler beim Katar-Team.
Andrea Lanfranco – Daten, Reha, Präzision bei der Schweiz.

Das ist kein Zufall. Das ist System. Italien liefert keine Masse mehr auf dem Feld – aber Klasse hinter den Kulissen.

Fazit, das Hoffnung macht

Die bittere Wahrheit: Italien fehlt auf dem Platz.
Die süße Wahrheit: Italien ist trotzdem überall.

Vielleicht ist genau das die neue Realität: weniger Hymne vor dem Spiel, mehr Einfluss währenddessen. Weniger Pathos, mehr Professionalität.

Oder, um es im passenden Ton zu sagen:
Italien hat die WM verpasst – aber den Fußball noch lange nicht.

Giovanni Deriu

Quelle: La Gazzetta dello Sport

(https://www.gazzetta.it/Calcio/nazionali/storie/03-04-2026/ancelotti-montella-cannavaro-gli-italiani-che-vanno-al-mondiale/gli-italiani-al-mondiale.shtml)

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Lehrer und Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin und FussballEuropa.com Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen. ◾⚽ Auch Sportjournalismus, und besonders dieser Info-Blog und diese Website der Porträts und Biographien ist ohne Zeit und Rechercheaufwand (nebenberuflich) nicht zu 'wuppen'. Für kleine Spenden und Unterstützungen sind Wir Euch jederzeit dankbar, auch wenn es nur für einen Espresso an der Bar ist - dort entstehn meist neue Ideen und Storys. Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut. Für neue Geschichten und Recherchen, hier die Bankverbindung, IBAN: DE58 6149 0150 1124 9940 09 VR-Bank Ostalb, Schwäbisch Gmünd. Verwendungszweck: Zuwendung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert