Giovanni Trapattoni: 77 Jahre und kein bisschen leise! Aber der „Mister“ wird noch gehört. Kein Wunder, seine Titel sprechen für sich!

Man kann schon sagen, dass der „Trap“ momentan noch der erfolgreichste Clubtrainer der Welt ist, mit sage und schreibe 23 Titeln. Die Europapokale hat Trapattoni als Spieler sowie als Trainer gewonnen. Den Uefa-Pokal (heute Europa League) gar mit zwei verschiedenen Teams. Heuer steigt der VfB Stuttgart ab, Giovanni Trapattoni wurde einst als Trainer am Wasen entlassen (Er schulte die jungen Spieler, und stand bei seiner Entlassung auf dem 7. Tabellenplatz), zu ungeduldig waren sie dort – Armin Veh holte zwar anschließend die Meisterschaft, doch geblieben ist von damals (2007) wenig. Dass Trapattoni oftmals im Ausland seine „Zeit“ brauchte, hatten andere begriffen.

Jedenfalls gewann Trapattoni mit Teams wie Juventus Turin etliche Meisterschaften, den Europapokal der Landesmeister (Champions League), und führte seine Erfolge auch in Deutschland mit den Bayern weiter (Meisterschaft und DFB-Pokalsieg), sowie bei Benfica Lissabon und RB Salzburg. Der Trap wird immer noch gehört, und ist als Kommentator in Italien und anderswo stets gefragt. Im März erst 77 geworden, nimmt der alternde „Maestro“ kein Blatt vor den Mund. Das merkte die Squadra Azzurra erst neulich, als sie 1:4 gegen Deutschland in München unterlag. Trapattoni sprach Klartext, und das live im Fernsehen. Man kann auch festhalten, die über 20 Titel sprechen für Trapattoni, weil er seiner Linie und Philosophie stets treu blieb. Zuerst die Grundlagen üben, dann muss die „Null stehen“.

Mit einem berühmten Alltagsfluch aus dem Italienischen „Porca P…“, sorgte Trapattoni als Kommentator im Fernsehen für aufsehen, als dem Spieler Okaka abermals ein Fehlpass auf El Shaarawy unterlief (soft zu übersetzen mit einem „schmutzige Hu…“). Was in Deutschland ein „no go“ gewesen wäre, sorgte in Italien in den Social Media eher für Belustigung und Sympathien. Trap fiebere eben immer mit. Entschuldigen wollte sich Trapattoni selbstverständlich nicht! Niemals werde er sich auf seine alten Tage nochmals ändern, schließlich, so Trapattoni, sei er ein Mann des Sportplatzes und der Kabinen. Giovanni Trapattoni war selbst Spieler, und ein höchst erfolgreicher dazu.

Weil Giovanni Trapattoni einst blond war, und ein nüchterner Trainer und Analytiker, erhielt er in Italien den Beinamen, „Il tedesco“, der Deutsche.

„Der Trainer ist wie der Regisseur eines Schauspiels“, gab Trapattoni einmal zum Besten.

367 Profi-Spiele absolvierte Trapattoni als Spieler, meist Außenläufer, für den AC Milan und Varese Calcio. In einem Länderspiel anno 1963 stoppte Trapattoni gar die brasilianische Legende Pelé, die sich nach 26 Minuten gar auswechseln ließ. 3:0 siegte Italien im Länderspiel gegen Brasilien. Die Gazzetten meinten, Trapattoni sei einem Pelé gleich. Darauf Giovanni Trapattoni bescheiden wie immer: „Trapattoni ist Trapattoni, und Pelé ist Pelé.“

Über die Jugendabteilung in Mailand, beim Heimatclub AC Milan, beginnt Trapattoni seine Trainerkarriere, und qualifiziert sich in Coverciano zum Fußballlehrer. Trapattoni hat beim großen schwedischen Trainer, Nils Liedholm, seinem ersten Lehrmeister, der für ihn Vater und Psychologe war, gelernt, dass „der Trainer seine Spieler erzieht“, so der Skandinavier.

In den Jahren zwischen 1972 und 1976 behauptete sich Trapattoni und empfahl sich zugleich für höhere Aufgaben, über den Posten als Assistenztrainer, wurde letztendlich Chefcoach beim AC Milan und Juventus Turin.

Es folgten überaus erfolgreiche Jahrzehnte mit Juventus Turin, aber auch mit Inter Mailand, dem nahen Konkurrenten.

Spitzenspieler formte der Trap, und brachte sie groß heraus: Marco Tardelli, Cabrini, Claudio Gentile, Gaetano Scirea (leider schon verstorben), sowie Fanna, Zbgniew Boniek und Michel Platini.

Bei Inter Mailand schwärmen sie heute noch von der Trapattoni-Ära (vier Jahre) mit Meisterschaft und Uefa-Pokalsieg. Mit Nicola Berti, Walter Zenga, Ferri sowie den deutschen Andreas Brehme, Lothar Matthäus und Jürgen Klinsmann war die Mailänder Zeit eine recht erfolgreiche, die lange anhielt, bis José Mourinho erst wieder international erfolgreich wurde.

Vor allem Matthäus, Brehme und Klinsmann schwärmten in Deutschland immer wieder von den Taktik-Finessen eines Trapattoni. Man kann auch sagen, dass Trapattoni, Ernst Happel und Udo Lattek Fußball-Europa nach Belieben gestalteten. Das war in den 80ern und 90ern.

Trapattoni galt als ausgewiesener Taktik-Spezialist, mit sehr viel Geduld, besonders bei jungen Spielern, die er nach und nach für höhere Aufgaben im Profifußball formte. (auch in Irland, wo Trapattoni fünf Jahre das Nationalteam betreute, sind Trapattonis Fähigkeiten noch sehr präsent)

Trapattoni hatte stets feste Vorstellungen, wie die Mannschaften mit

„aber auch ohne Ball zu handeln haben“

Viele Komponenten müssen für einen Sieg zusammen spielen:

„Es seien Präzision, schnelle Ausführungen, absolute Beherrschung der Technik, Intelligenz, kreative Autonomie, die Situation allgemein, sowie technisches Rüstzeug und die Taktik“

Die Abwehr müsse immer sattelfest sein, und selbst ein weiter gelungener Abschlag eines Torhüters sei immer ein Beitrag zum Offensivspiel!

(Daran dockten dann auch Meistertrainer wie Van Gaal, Arséne Wenger und viele andere an, der moderne Torspieler muss mitspielen!)

Aber auch bei den Bayern lobt man den „Mister“ bis heute in den höchsten Tönen, besonders zu Zeiten, in denen der Erfolg weiterhin an der Säbener Straße zu Hause ist, und der Trap ist in München als „Freund und Erfolgstrainer“ immer willkommen. Einfach war es in München einst nicht, unvollendet ging Trapattoni, und kam dann wieder zu seiner zweiten Schaffenszeit. (Die urige wie legendäre „Struunz-Rede“, „Haben gespielt wie Flasche leer…“, wollen wir hier nicht wieder bemühen, aber selbst TV-Experte und Ex-Profi Thomas Strunz lässt nichts über den Trap kommen)

 

Trap2

Trapattoni wurde Meister, DFB- und Ligapokal-Sieger. Viel wichtiger aber, Trapattoni brachte das internationale Taktiktraining italienischer Schule nach München, und nach Deutschland.

Daran erinnert sich auch der ehemalige Bayern-Profi und Sport1-Moderator Thomas Helmer noch heute, selbst wenn Trapattonis Trainingseinheiten anfangs gewöhnungsbedürftig waren. Dazu Helmer: „Besonders nach Drogbas 1:1 im Finale dahoim gegen die Bayern, erinnerte ich mich sofort daran, was Trapattoni immer wieder sagte, >> Die kleine Situazione entscheide die Spiel…<<. Mit kleinen Situationen meinte er, Einwürfe, Ecken und Freistöße. Besonders, wenn die Spiele ausgeglichen sind…“

Oft schauten sich die Bayern-Profis damals fragend an, Trapattoni wollte ja alles selbst erklären, in seinem limitierten Deutsch, Co-Trainer Massimo Morales (ein Interview und Porträt auch hier im Blog) übersetzte immer eins-zu-eins, damit die Spieler ja kein Alibi hatten.

Geschätzt, so Helmer, wurde der „Mister“ aber immer, weil er menschlich war, sehr viel Geduld und eine extrem angenehme Art hatte.

Statt Fünf gegen zwei, ließ Trapattoni gern, bei einem Ballkontakt, „Acht gegen drei“ spielen. Das schulte die Konzentration und das Auge.

Selbst an sich „fertige“ Talente, steigerten unter Trapattoni ihre Form, und wurden gar Nationalspieler. Viele dachten oft, welch einfache Übungen, die kennen wir doch schon, aber diese hatten es in sich.

Nach dem Mannschaftstraining bestellte der Trap oft Alexander Zickler und Carsten Jancker zum Extratraining, die anderen Spieler feixten, weil Trapattoni ihnen den Ball stets auf den schwächeren linken Fuß zuwarf. Die Bälle erinnert sich Helmer, flogen anfangs nur so durch die Gegend, doch diese Maßnahme hatte Erfolg.

Im Lauf der Saison, konnten beiden den Ball sehr gut annehmen und sauber weiter spielen. Eigentlich das kleine Einmaleins im Fußball. Später lachte keiner mehr im Team.

„So intensiv, wie Trapattoni sie (und andere) gefördert hat, haben sie ihm viel zu verdanken. Es sind die simplen Sachen. Das Üben der Grundlagen.“

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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