Heißer Mai: Wenn die Wechselphase die Nerven der Eltern strapaziert

Wie bereits berichtet, von April bis Juni, aber besonders im heißen Mai, stellen sich viele Spieler, aber noch mehr die Eltern die Frage: „WIE GEHT ES WEITER?“  Und vor Allem: WO?

In all den vergangegen Jahren, in denen ich als Journalist aber auch als Scout und Vermittler, die Transfer- und Wechselphase, besonders im U19 bis U17-Bereich, verfolge, teils auch aktiv beiwohne, ist der Mai stets unruhig gewesen. Mich beruhigt aber immer wieder zu sehen, dass besonders die Spieler cool bleiben, und wissen, dass sie mit Ihrer Leistung und ihrem Talent auch dann einen guten Club finden, wenn sie im bisherigen Club ein „Nein“ erhielten.

Leistung setzt sich immer durch, heißt es, und dennoch wundern sich auch Experten, wenn gewisse Spieler in einem Verein „doch keinen Vertrag oder keine Verlängerung“ erhalten. Leistung ist manchmal eben doch „subjektiv“, selbst wenn man objektive Leistungsdaten und den Faktencheck bemüht…

Jedenfalls ist das „Profilieren“, das Schreiben und Verfassen objektiver und nachvollziehbarer Spielerprofile sehr wichtig.

Und dennoch verwundert es auch immer wieder, wie sehr Trainer und Clubs taktieren, um Spieler gegebenenfalls doch noch zu halten, und um neue Spieler zu testen.

In den letzten Wochen nahm es wieder Überhand (aber eigentlich ist es alljährlich im Mai bis Juni so), dass bereits feststehende Aufsteiger (besonders die, in die Junioren-Bundesliga; aber auch in die Oberligen hinein) ihre Kader zusammenstellen, und sich vor Angeboten und Empfehlungen von Spielern „kaum retten“ können, wie mir neulich ein Jugendleiter bestätigte.

Plötzlich werden aber auch Vorhaben und Philosophien über den Haufen geworfen, und mit allen(!), auch den unseriösesten Beratern verhandelt – weniger mit den Eltern, nein, plötzlich stehen Berater mit ambitionierten Spielern an der Tür, mit denen der Club sonst nie verhandelt hätte.

Bundesliga-Aufsteiger, nicht nur bei den Profis, nein, besonders im Juniorenbereich, stehen von Beginn an unter Druck. Die Trainer wollen im ersten Jahr natürlich oben bleiben.

Waren es erst Spieler aus der Region, aus dem näheren Umkreis, müssen es nun Spieler aus dem gesamten Bundesgebiet sein. Da reisen dann Junioren aus dem Norden, „Moin, moin“, in den Süden zum Probetraining, und umgekehrt. Nicht immer zu Clubs mit einem Internat, aber das N L Z ist klar ein MUSS.

Immer wieder wurde ich in den vergangegen Wochen kontaktiert, um Einschätzungen zu geben, und um ggf. selbst ein bisschen zu beraten.

Ich bin dann quasi in der Funktion als Berater der Eltern im Umgang mit deren Berater(n).

Viele Berater, das wird auch klar, beraten nicht mehr richtig, wenn sie eben in ihrem „Pool“ mit circa 30 Spielern die Prioritäten anders legen. Da vergisst der Berater mal den ein oder anderen Spieler, der im Fall eines Wechsels wegen Nichtverlängerung, wirklich Hilfe bräuchte, also Probetrainings bei Clubs, die davor „analysiert“ und angeschrieben wurden.

Die Eltern sind in dieser Zeit oft sehr, sehr angespannt, weil: eine Ära oder Zeit endet, und plötzlich muss der Junior seinem Traum, Profi zu werden, wo anders nachgehen. Nur, wo und wie, wird oft gefragt. Dann ist da die Sache mit der Schule und Ausbildung, sollte ja alles geklärt werden.

Und es ist wirklich oft so, dass besonders in dieser Zeit manche Berater rar sind, weil sie sich eben momentan um andere, wichtigere(?) Spieler kümmern müssen.

Glauben Sie mir, diese Berater nutzen sich schnell ab und sind einfach: unglaubwürdig.

Meine Tipps und Ratschläge:

ernst gemeint:  bleiben Sie ruhig, ist Ihr Junior ein Guter, dann wird er weiterhin gefragt sein, auch wenn der nächste Schritt vielleicht für Außenstehende wie ein kleiner Rückschritt wirken mag, oftmals entpuppte sich dieser langfristig als Fortschritt. Und auch vom scheidenden Verein nimmt der Spieler immer etwas mit, das sich verwerten lässt in der Karriere, in der sportlichen Vita!

Und auch die Schulsuche, besonders bei weiterführenden Schulen, genauso bei Gymnasien, wird nie zu spät sein. Sicherheitshalber kann man sich an Schulen vorab bewerben, wenn man weiß, wohin der Weg führt.

Aber bisher ist es mir, und genauso den Eltern, immer gelungen, auch noch knapp vor den Sommerferien, ja, sogar gegen Ende der Sommerferien, einen Schulplatz zu sichern. Die Schulen und deren Schulleitungen reagieren oftmals sehr flexibel oder verweisen auf andere Schulen.

Deshalb, bewahren Sie im heißen Mai Ruhe und die Übersicht. Man reagiert dadurch gelassener. So wie der Junior auf dem Fußballplatz.

Probetraining als Abenteuer und Herausforderung!

Diesen Tipp gebe ich aber auch Trainern, die Ihre Junioren „warm halten“, aber gleichzeitig für andere Clubs blockieren. Das ist nicht professionell. Von einem Probetraining des Spielers, selbst wenn Relegations- oder Aufstiegsspiele anstehen, profitieren beide Seiten!

Die Trainer können nicht beides haben, ein fairer Umgang ist nötig, und dieses Thema werde ich noch gesondert behandeln.

Ebenso führe ich demnächst auf, wie professionell unprofessionell manche Bundesligavereine mit Spielerempfehlungen umgehen. Keine Ordnung, keine Datei, Verwechslungen und das Anschreiben falscher Berater oder Scouts mit falschen Spielern. Sie nehmen Abstand von Spielern, die der Scout bzw. Vermittler überhaupt nie empfohlen hat (dann aber mit so selbstbewusstem Anschreiben, das diese zum Himmel schreien vor Frechheit! geschehen bei Hannover 96 – nun bleiben die Profis ja oben – Lockerheit kann wieder eintreten im NLZ)

Man sieht, alle kochen nur mit Wasser, auch in der 1. Bundesliga.

Besonders bei Clubs, in denen die Profis gegen den Abstieg kämpfen.

Da zeigt sich dann die Anspannung bis hinunter in den Juniorenbereich und seinem Nachwuchsleistungszentrum (N L Z). Auch hier täten Lockerkeit und Gelassenheit Not.

Aber es steht fest: Die Mehrheit aller NLZ-Leiter oder Nachwuchskoordinatoren gehen sorgsam mit Empfehlungen und Entscheidungen um.

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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