Der Fußball schreibt noch immer Geschichten, die größer sind als jedes Datenblatt, größer als jeder Algorithmus und manchmal sogar größer als die Milliarden der modernen Eigentümerstrukturen.
Der FC Como 1907 ist genau so eine Geschichte.
Eine Geschichte von Tradition, Leidenschaft, Geduld, Vision – und von einem Club, der viele Jahrzehnte im Schatten lebte, ehe plötzlich wieder Licht über den Comer See fiel. Wer heute durch Como spaziert, spürt sofort, dass dieser Verein mehr ist als nur ein Fußballclub. Die Menschen dort tragen Como im Herzen. Blau und Weiß gehören zur Stadt wie der See, die engen Gassen oder die Piazza Cavour.
Als der Aufstieg in die Serie A perfekt war, verwandelte sich die Stadt in ein einziges großes Fußballfest. Menschen feierten bis tief in die Nacht. Fahnen aus den Fenstern. Gesänge am Wasser. Euphorie überall.
Und ehrlich gesagt: Es war verdient.
Denn dieser Aufstieg war kein Zufall.
Und schon gar kein kurzfristiges Fußballmärchen.

Wie wir bereits auf Checkfussballberater.de während der Saison 2024/25 berichteten, war früh erkennbar, dass in Como etwas Besonderes entsteht. (https://checkfussballberater.de/fussball-saison-2023-2024-alle-wege-fuehren-nach-madrid-fuer-fussballliebhaber-jedoch-ueber-die-route-leverkusen-stuttgart-bergamo-bologna-como-oder-wenn-clubs-fuer-ueberraschungen-dur/ )
Damals lobten wir ausdrücklich die Philosophie von Cesc Fabregas, der bereits in der Serie B einen mutigen, modernen und intelligenten Fußball spielen ließ.
Und genau dort beginnt die eigentliche Geschichte. Denn wer die italienische Serie B kennt, weiß: Diese Liga ist brutal.
Vielleicht ist sie sogar die härteste zweite Liga Europas.
Taktisch anspruchsvoll. Körperlich intensiv. Emotional extrem.
Und jedes Wochenende ein Kampf.
Traditionsvereine, volle Stadien, hoher Druck, kaum einfache Spiele.
Zwischen Platz drei und Platz zehn liegen oft nur wenige Punkte.
Jeder Fehler wird bestraft.
Viele internationale Beobachter unterschätzen diese Liga massiv.
Doch wer sich dort durchsetzt, besitzt Charakter. (Auch der ehemaliga Nationalspieler und Bayern-ChampionsLeague-Legende, Stefan Effenberg, verhalf der Fiorentina wieder zum Aufstieg)
Como setzte sich durch. Mit einem jungen Kader. Fast einem U23-Kader.
Mit einer klaren Idee. Mit viel Geduld.
Und mit einem Trainer, der den modernen Fußball versteht.
Cesc Fabregas wurde in Como längst mehr als nur ein ehemaliger Weltstar.
Er wurde eine wahre Identifikationsfigur. Vom Spieler, an seinem Karriere-Ende, hin zum U19-Coach. Letztendlich zum Cheftrainer. Eine Entwicklung, die im heutigen Fußball fast romantisch wirkt.
Und genau diese Authentizität spürt man im gesamten Verein.
Der Club lebte jahrelang in den unteren Regionen des italienischen Fußballs.
Sogar in der Serie D.
Doch amerikanische und später indonesische Investoren erkannten früh das Potential dieses historischen Vereins. Sie sahen:
den interessanten Standort, klein aber fein, edel, an einem wahnsinnig schönen See.
Viel Geschichte. Noch mehr Emotionen.
Und die Möglichkeiten erst…
Aber vor allem:
Eine Stadt, die nach Fußball hungerte.
Der Neustart begann bewusst. Nicht laut. Schon gar nicht künstlich. Sondern sehr strukturiert. Heute gehört Como zu den spannendsten Fußballprojekten Europas
Interessant ist dabei vor allem, trotz der finanziellen Möglichkeiten wurde nie ausschließlich auf große Namen gesetzt.
Fabregas setzte bewusst auf junge Spieler.
Hungrige Spieler.
Entwicklungsfähige Spieler.
Viele Stammspieler waren unter 23 Jahre alt.
Das macht den Erfolg noch bemerkenswerter.
Fabregas selbst sprach nach dem historischen Erfolg davon, dass diese Mannschaft ein „Capolavoro“, ein Meisterwerk, sei.
Und damit hat er recht.
Denn Como gewann nicht durch Zufall.
Sondern durch Entwicklung. Durch tägliche Arbeit.
Durch eine Idee. Der Spanier sprach nach der Saison offen darüber, dass die Champions League nun andere Anforderungen stellt.
Mehr Erfahrung.
Mehr Tiefe.
Mehr Reife.
Und dennoch möchte Como seine Identität nicht verlieren.
Das ist entscheidend.
Viele Clubs scheitern genau an diesem Punkt:
Sie verlassen ihre DNA, sobald Erfolg kommt.
Como scheint diesen Fehler vermeiden zu wollen.
Die Verantwortlichen arbeiten ruhig.
Strategisch.
Klar.
Präsident Mirwan Suwarso und Fabregas wirken dabei wie ein ungewöhnlich harmonisches Duo.
Der emotionale, impulsive Fußballmann Fabregas.
Der ruhige, analytische Präsident.
Beide ergänzen sich hervorragend.
Auch sportlich denkt man langfristig.
Die Academy wird massiv ausgebaut.
Junge Spieler sollen integriert werden.
Italienische Talente gewinnen wieder Bedeutung.
Die UEFA-Listen zwingen Clubs mittlerweile dazu, stärker auf eigene Strukturen zu achten. Und genau dort setzt Como an.
Natürlich wird auch der Transfermarkt spannend.
Spieler wie Miretti oder andere technisch starke Mittelfeldspieler passen perfekt zur Philosophie des Clubs. Como sucht keine bloßen Namen.
Como sucht Fußballintelligenz.
Das macht den Unterschied.
Interessant bleibt auch die wirtschaftliche Seite.
Die Hartono-Brüder aus Indonesien gehören mittlerweile zu den reichsten Clubbesitzern der Serie A.
Doch anders als viele kurzfristige Investoren scheinen sie verstanden zu haben:
Ein Verein wächst nicht nur über Geld.
Sondern über Kultur.
Über Vision.
Über Identifikation.
Und genau deshalb lieben die Menschen Como aktuell so sehr.
Dieser Club wirkt nicht künstlich.
Nicht konstruiert.
Nicht steril.
Sondern lebendig.
Wer die Bilder der Feierlichkeiten gesehen hat, verstand sofort:
Hier feierte keine Marketingmaschine.
Hier feierte eine Stadt. Natürlich erinnert vieles auch an frühere Zeiten.
An Hansi Müller.
An Dan Corneliusson.
An Gianluca Zambrotta, der in Como geboren wurde und dort ausgebildet wurde.
Der Verein hatte immer eine gewisse Magie. Nun ist sie zurück.
Und vielleicht beginnt jetzt erst das eigentliche Kapitel.
Denn die Herausforderung wird gigantisch.
Serie A. Europa, jetzt gleich über die
Champions League. Der Druck wächst, die Erwartungen sowieso.
Fabregas weiß das.
Er sagte selbst:
„Wenn du nicht vorbereitet bist, bekommst du in gewissen Stadien sechs Gegentore.“
Genau deshalb wirkt Como momentan so interessant.
Weil dort niemand komplett abgehoben erscheint.
Der Club träumt.
Aber mit Realitätssinn.
Und genau diese Mischung macht erfolgreiche Projekte oft langfristig stabil.
Como ist heute nicht einfach nur ein Aufsteiger.
Como ist ein Symbol dafür, dass Fußball trotz Milliarden, Datenanalysen und Hyperkommerzialisierung noch immer emotionale Geschichten schreiben kann.
Geschichten über Städte.
Menschen.
Visionen.
Und Trainer, die mutig genug sind, ihren eigenen Weg zu gehen.
Cesc Fabregas könnte dabei tatsächlich zu einem der spannendsten Trainer Europas werden. Nicht irgendwann. Sondern vielleicht genau jetzt.
Und der FC Como 1907?
Der ist längst zurück auf der großen Fußballkarte Italiens.
Vielleicht stärker als je zuvor…
Giovanni Deriu
