Fußball, Porträts & Biographien, sowie Calciomercato Oberliga Baden-Württemberg: Luigi Mignano (20) – Einer, der lieber abliefert als redet! Zwischen Waiblingen, Hoffenheim, Heidenheim und Darmstadt – Und, warum der nächste Schritt jetzt Normannia Gmünd heißt…

Manche Spieler reden viel. Luigi Mignano gehört nicht dazu. Wenn er etwas zeigen will, macht er das lieber auf dem Platz.

Wer Luigi zum ersten Mal trifft, erlebt einen ruhigen, oft nachdenklichen jungen Mann. Einen, der lieber zuhört als große Reden schwingt. Einen, der selten im Mittelpunkt stehen will. Doch sobald der Ball rollt, verändert sich das Bild. Dann wird aus dem eher zurückhaltenden Typen ein Fußballer voller Ideen, Energie und Entschlossenheit.

Wir von Checkfussballberater.de kannten Luigi Mignano bereits aus seiner Zeit im Nachwuchs der TSG Hoffenheim. Richtig intensiv beschäftigt haben wir uns mit ihm allerdings erst über Sandro Palmeri, während Luigis Jahre beim 1. FC Heidenheim. Seitdem verfolgen und begleiten wir gemeinsam einen Spieler, dessen Entwicklung spannend geblieben ist – sportlich wie menschlich.

„Lui“, wie ihn Freunde, Mitspieler und Wegbegleiter nennen, ist ein moderner Angreifer. Einer, der auf mehreren Positionen spielen kann, polyvalent also, dazu auch technisch sehr stark ist, und immer wieder spielerisch Lösungen findet. Vor dem Tor sucht er konsequent den Abschluss, gleichzeitig hat er den Blick für den besser postierten Mitspieler.

Vor allem aber spielt er mit Überzeugung.

Geprägt von Waiblingen – Fußball mit Idee und Kreativität

Die ersten wichtigen Grundlagen bekam Luigi beim FSV Waiblingen. Dort arbeitete er unter Sandro Palmeri, dessen Mannschaften damals über Jahre hinweg, für mutigen Offensivfußball und starke Nachwuchsarbeit bekannt war.

Lui, Italoschwabe mit Doppelpass, erinnert sich gern an die Zeit bei Palmeri als Trainer zurück: „Sein Spiel war sehr stark von Kombinationen und einem klaren Tiki-Taka-Gedanken geprägt. Genau das trage ich bis heute in mir“, erzählt Mignano.

Wer ihn heute spielen sieht, erkennt diese Prägung sofort.

Er ist keiner, der vorne auf Zuspiele wartet. Luigi will am Spiel teilnehmen, Bälle fordern, kombinieren und selbst Lösungen finden. Er lässt sich gerne fallen, verbindet Mannschaftsteile miteinander und taucht dann genau dort auf, wo es gefährlich wird.


„Ich bin ein Stürmer, der gerne aktiv ins Spiel eingebunden werden will. Meine Stärken liegen in meiner technischen Ausführung, meinem Abschluss und meiner Spielintelligenz.“

Seine Bewegungen wirken oft unspektakulär. Aber genau darin liegt eine seiner Qualitäten. Er erkennt Räume früh, trifft gute Entscheidungen und denkt mehrere Aktionen voraus.

Talent ist dabei nur ein Teil der Geschichte.
Der andere Teil heißt Arbeit.

Lehrjahre fern von zuhause

Der Weg führte den jungen Schwaben früh weg von seinem gewohnten Umfeld.
Erst zur TSG Hoffenheim, später zum 1. FC Heidenheim und zuletzt zu Darmstadt 98.

Drei Vereine. Drei unterschiedliche Philosophien. Drei wichtige Kapitel seiner Entwicklung.

„In Hoffenheim lag der Schwerpunkt sehr stark auf der technischen und taktischen Ausbildung. Dort wurde viel Wert auf Ballbesitz, Spielverständnis und die individuelle Entwicklung gelegt.“

Die Zeit bei der TSG brachte ihm viele fußballerische Werkzeuge mit auf den Weg.

In Heidenheim kamen andere Dinge hinzu.

„Dort habe ich vor allem gelernt, wie wichtig Mentalität, Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit sind.“
Werte, die den Verein bis heute auszeichnen.
Auch Darmstadt hinterließ Eindruck.

„Man merkt, dass die ganze Stadt hinter dem Verein steht. Die Fans und das Umfeld sorgen für eine besondere Atmosphäre.“

Was viele allerdings vergessen: Der Weg durch die Nachwuchsleistungszentren besteht nicht nur aus Fußball. Wer schon in jungen Jahren seine Heimat verlässt, erlebt auch Momente, in denen Familie und Freunde weit weg sind. Trotz neuer Kontakte und neuer Mannschaften gibt es Phasen, in denen man vieles mit sich selbst ausmachen muss. Gerade daran wächst man.

Auch Luigi ist in diesen Jahren gereift. Nicht nur als Spieler, sondern als Mensch.

Warum der Wechsel zur Normannia mehr als nur ein Vereinswechsel ist

Luigi hätte bei Darmstadt 98 bleiben können. Die Tür war keineswegs geschlossen. Gespräche gab es. Möglichkeiten ebenfalls. Auch Regionalligisten fragten an, selbst Norditalien meldete sich – aber die meisten befinden sich noch in der Entscheidungsphase, Entscheidungsfindung…

Doch dauerhaft auf die eine Chance zu warten, war ihm zu wenig. Wer mit ihm über Fußball spricht, merkt schnell: Er will spielen. Er will Verantwortung übernehmen. Er will auf dem Platz zeigen, was in ihm steckt. Man darf nie vergessen, dass in den meisten U23-Mannschaften, der Zweiten eines Proficlubs, auch immer die Rekonvaleszenten, die Profispieler nach ihren auskurierten Verletzungen herangeführt werden (müssen). Sie erhalten stets den Vorzug, auch dazu dienen die Zweiten Mannschaften, meist die U23.

Luigi dazu: „Es gab durchaus Gespräche darüber, in Darmstadt zu bleiben. Am Ende habe ich mich aber bewusst für den Wechsel zur Normannia entschieden.“

Die Entscheidung fiel nicht aus dem Bauch heraus. „Mir wurde eine klare Perspektive aufgezeigt, wie ich mich sportlich weiterentwickeln kann.“


Für Mignano geht es nicht darum, möglichst schnell irgendwo auf einer höheren Bühne zu landen. Ihm geht es darum, die richtigen Schritte zu gehen.

Schritte, die Sinn ergeben. Schritte, bei denen Entwicklung im Mittelpunkt steht.
Denn Luigi brennt für Fußball. Das merkt man sofort, wenn er über seine Leidenschaft spricht. Dann leuchten die Augen des sonst eher ruhigen Angreifers.

„Ich gebe immer alles.“

Wer seine Trainingswoche betrachtet, erkennt schnell, dass dieser Satz keine Floskel ist. Fünf bis sechs Einheiten pro Woche, dazu das Spiel am Wochenende. Immer mit voller Intensität.

Doch ein Spieler wie Mignano braucht mehr als Training.
Er braucht Vertrauen.

„Wenn ich das Vertrauen des Trainers spüre und die Freiheit bekomme, mein Spiel auf den Platz zu bringen, kann ich meine Stärken am besten entfalten.“
Genau dieses Gefühl entstand früh in den Gesprächen mit der Normannia.

Ein wichtiger Faktor war dabei auch der Trainerwechsel. Patrick Faber, ein ehemaliger Normannia-Spieler und geprägt von der bekannten Zorniger-Schule, überzeugte Mignano mit seiner Philosophie und seiner Idee vom Fußball. Die Spielweise passt.

Die Perspektive passt. Das Umfeld passt.

Und manchmal sind genau diese Dinge wichtiger als alles andere.

Hinzu kommt, dass Giovanni Deriu das Umfeld der Normannia seit Jahren kennt. Die Gespräche verliefen offen, ehrlich und auf Augenhöhe. Auch Sandro Palmeri unterstützte den Schritt als Karriereberater von Anfang an.

Beide schätzen Mignano nicht nur wegen seiner fußballerischen Qualitäten.

Sondern vor allem wegen seiner Art.
Talent haben viele. Charakter nicht immer.

Genau deshalb halten Palmeri und Deriu große Stücke auf Luigi Mignano.

Jetzt wartet der Schwerzer

Besonders auffällig ist, wie reflektiert Luigi über seinen bisherigen Weg spricht.
Er redet selten über sich selbst. Viel häufiger spricht er über Menschen, die ihn geprägt haben.
„Besonders hervorheben möchte ich Timm Fahrion und Patrick Mayer. Unter ihnen habe ich großes Vertrauen gespürt und gleichzeitig die Freiheiten bekommen, die ich brauche.“

Wieder fällt dieses Wort. Vertrauen.

Vielleicht beschreibt es seinen Weg besser als jedes andere.

Denn Luigi Mignano ist kein Spieler, der den einfachen Weg sucht.

Er sucht den richtigen.

Jetzt beginnt für ihn ein neues Kapitel.

Nicht mehr Hessenliga.

Nicht mehr die regelmäßigen Duelle mit Mannschaften wie Kickers Offenbach oder Eintracht Frankfurt II.

Jetzt wartet die Oberliga Baden-Württemberg.
Eine Liga mit Tradition.
Mit Leidenschaft.

Mit vielen Herausforderungen.

Und mittendrin die Normannia.

Im Schwerzer, diesem besonderen Stadion mitten in einer Wohngegend, hoffen die Fans auf frischen Wind und neue Impulse.

Vielleicht auch auf Tore. Die Voraussetzungen dafür bringt Luigi Mignano mit. Denn er ist einer dieser Spieler, die nicht viele Worte brauchen.
Einer, dessen Augen leuchten, wenn es um Fußball geht.

Einer, der lieber abliefert als viel zu reden.

Und genau deshalb darf man gespannt sein, ob „Lui“ dabei hilft, dass bei der Normannia ein neuer Ruck entsteht…

GiD

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Lehrer und Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin und FussballEuropa.com Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen. ◾⚽ Auch Sportjournalismus, und besonders dieser Info-Blog und diese Website der Porträts und Biographien ist ohne Zeit und Rechercheaufwand (nebenberuflich) nicht zu 'wuppen'. Für kleine Spenden und Unterstützungen sind Wir Euch jederzeit dankbar, auch wenn es nur für einen Espresso an der Bar ist - dort entstehn meist neue Ideen und Storys. Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut. Für neue Geschichten und Recherchen, hier die Bankverbindung, IBAN: DE58 6149 0150 1124 9940 09 VR-Bank Ostalb, Schwäbisch Gmünd. Verwendungszweck: Zuwendung

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