Porträts & Biographien: Ein bisschen „Real“ in Pforzheim – und ganz viel Bodenhaftung. Beim Testspiel in Waiblingen, siegt der Drittligist SG Sonnenhof-Großaspach 2:0 über den Oberligisten CfR Pforzheim. Das Team von Pablo Gil, erst vor einer Woche in die Saison gestartet, hielt gegen die Profis sehr gut mit.

Waiblingen. Manchmal kommt es im Fußball eben anders, als man denkt. Das gilt für Spiele ebenso wie für Trainerkarrieren. Und manchmal führt genau dieser Umweg einen ehemaligen Profi und Trainer aus dem Umfeld von Real Madrid ausgerechnet an die Seitenlinie eines Oberligisten in Pforzheim.

Bei der Raseneinweihung in Waiblingen stand für den 1. CfR Pforzheim zwar am Ende eine verdiente 0:2-Niederlage gegen Drittliga-Aufsteiger SG Sonnenhof Großaspach. Rund 400 Zuschauer sahen aber weit mehr als nur zwei Tore. Sie sahen eine Mannschaft, die trotz schwerer Beine mutig nach vorne spielte, und einen Trainer, der jede Szene aufsaugte wie ein Schwamm.

Natürlich war Großaspach insgesamt reifer, eingespielter und kaltschnäuziger. Der ambitionierte Dorfclub hätte durchaus mit 4:2 oder 5:3 gewinnen können. Doch auch der CfR versteckte sich keineswegs. Mal im 3-4-3, mal im 4-3-3 suchten die Goldstädter konsequent den Weg nach vorne. Was fehlte, war weniger der Wille als vielmehr die Präzision im Abschluss.

Hier mit Neuzugang, Gianluca Trianni.

Genau dafür sind Testspiele schließlich da.

Während auf dem Platz munter durchgewechselt wurde, analysierte Pablo Gil Sarrión nahezu jede Aktion. Nach dem Schlusspfiff verschwand der neue Cheftrainer zunächst mit seinem Trainerstab zur Nachbesprechung. Besonders auffällig: die intensive, aber ausgesprochen wertschätzende Zusammenarbeit mit Co-Trainer Steven Riechers. Hier wurde nicht diskutiert, um Recht zu behalten, sondern um gemeinsam besser zu werden.

Kurz danach nahm sich Gil Zeit für ein Gespräch.

Der 37-Jährige spricht erstaunlich gutes Deutsch. Ruhig. Überlegt. Fast leise. Einer, der lieber nachdenkt als große Schlagzeilen produziert.

„Es muss noch besser, noch tiefer werden“, sagt er selbstkritisch. Und meint damit zunächst sich selbst.

„Ich muss den Spielern die Dinge noch verständlicher erklären.“

Dieser Satz verrät vermutlich mehr über den Spanier als jede Trainerlizenz. Verantwortung beginnt für ihn nicht bei den Spielern, sondern beim Trainer.

Warum aber entscheidet sich ein Mann mit einer Vita, die Stationen bei Real Madrid umfasst, ausgerechnet für den CfR Pforzheim?

Gil lächelt.

„Pforzheim hat sich ehrlich und aufrichtig um mich bemüht. Vor allem Giuseppe Ricciardi. Wir kennen und schätzen uns. Dieses Projekt hat mich gereizt.“

Es ist kein Satz für die Galerie, sondern einer, den man ihm abnimmt.

„Wenn man irgendwann wieder weiter oben im Profifußball arbeiten möchte, muss man bereit sein, unten etwas aufzubauen.“

Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch seine Philosophie.

Wer jetzt allerdings glaubt, der Spanier komme mit königlichem Glamour nach Pforzheim, liegt völlig daneben.

Ja, Pablo Gil arbeitete zuletzt fünf Jahre als Trainer und Technischer Direktor im internationalen Ausbildungsprogramm der Stiftung von Real Madrid in Mexiko. Dort ging es nicht nur um Fußball, sondern auch um Werte, Persönlichkeit und soziale Verantwortung.

Und ja – als Spieler trainierte der ehemalige Innenverteidiger bei Real Madrid Castilla sogar regelmäßig unter José Mourinho mit den Profis. Namen wie Iker Casillas, Sergio Ramos, Pepe, Marcelo, Mesut Özil, Sami Khedira, Kaká, Karim Benzema oder Cristiano Ronaldo gehörten damals zum Trainingsalltag.

Doch von Starallüren ist bei Gil nichts zu spüren.

Als ich ihn frage, wie der CfR Pforzheim von diesen Erfahrungen profitieren könne, lächelt er erneut.

„Ob Real Madrid oder Pforzheim – jeder Spieler möchte gewinnen.“

Dann macht er eine kurze Pause.

„Der Leistungsgedanke ist überall derselbe.“

Seine Fußballphilosophie klingt fast verblüffend einfach.

„Jeder Spieler muss seine Stärken kennen.“

Und weiter:

„Ich möchte die Spieler begeistern und ihnen helfen, besser zu werden. Vom Einfachen zum Schweren.“

Für Gil beginnt guter Fußball nicht mit spektakulären Spielzügen, sondern mit den Grundlagen. Saubere Pässe. Klare Laufwege.
Konsequente Balleroberungen.

Automatismen.

„Das muss man immer wieder trainieren.“

Es klingt unspektakulär.

Ist aber wahrscheinlich genau der Grund, weshalb erfolgreiche Mannschaften am Ende oft die einfachen Dinge außergewöhnlich gut beherrschen.

Professionalität ist Pablo Gil wichtig. Allerdings kennt er die Realität eines Oberligisten sehr genau.

„Fußball muss so professionell wie möglich sein“, sagt er.

Dann schiebt er einen Satz nach, der seine Bodenständigkeit unterstreicht.

„Aber ohne die Mannschaft zu überfordern.“

Schließlich gehen die meisten CfR-Spieler tagsüber ganz normalen Berufen nach. Großaspach lebt den Profifußball, Pforzheim lebt den Amateurfußball mit professionellem Anspruch.

Auch das gehört zur Wahrheit.

Umso mehr freut es den neuen Trainer, wie offen seine Mannschaft arbeitet.

„Die Spieler sind sehr interessiert und lernwillig.“

Das hört jeder Trainer gern.

Und wann hat man in der Oberliga schon die Möglichkeit, unter einem Coach zu trainieren, der nicht nur bei Real Madrid gearbeitet, sondern unter José Mourinho mit Weltstars auf dem Trainingsplatz gestanden hat?

Nein, der CfR Pforzheim wird deshalb morgen nicht zu den Königlichen.

Aber vielleicht gelingt es Pablo Gil, etwas viel Wichtigeres nach Pforzheim mitzubringen: eine klare Idee vom Fußball, eine Kultur des Lernens und den Glauben daran, dass große Entwicklungen fast immer mit kleinen, sauberen Schritten beginnen.

Ein bisschen Real ist also tatsächlich beim CfR angekommen.

Nicht als Glamour.

Sondern als Haltung.

Ich finde, diese Version kommt deinem Stil sehr nahe: erzählerisch, mit feinen Beobachtungen, pointierten Übergängen und einem Schluss, der nicht pathetisch wirkt, sondern nachhallt.

Giovanni Deriu

Hier Checkfussballberater.de, Giovanni Deriu mit SGS-Profi, Luca Molinari, den wir

von Kindesbeinen an kennen. Gewann im Testmatch 2:0 (GiD)


Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Lehrer und Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin und FussballEuropa.com Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen. ◾⚽ Auch Sportjournalismus, und besonders dieser Info-Blog und diese Website der Porträts und Biographien ist ohne Zeit und Rechercheaufwand (nebenberuflich) nicht zu 'wuppen'. Für kleine Spenden und Unterstützungen sind Wir Euch jederzeit dankbar, auch wenn es nur für einen Espresso an der Bar ist - dort entstehn meist neue Ideen und Storys. Diejenigen, die selbst wenig haben, bitte ich ausdrücklich darum, das Wenige zu behalten. Umso mehr freut mich Unterstützung von allen, denen sie nicht weh tut. Für neue Geschichten und Recherchen, hier die Bankverbindung, IBAN: DE58 6149 0150 1124 9940 09 VR-Bank Ostalb, Schwäbisch Gmünd. Verwendungszweck: Zuwendung

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