Manchmal erzählt ein Fußballweg mehr über einen Menschen als jede Statistik. Nicht jeder Weg führt geradeaus ins Rampenlicht, nicht jeder talentierte Spieler steht irgendwann auf der großen Bühne der Bundesliga. Manche Karrieren sind anders geschrieben – mit Umwegen, Herausforderungen und Erfahrungen, die einen Spieler nicht nur sportlich, sondern vor allem menschlich wachsen lassen.
Moses Ngwisani ist so ein Fußballer. Übrigens berichteten wir hier auf unserem Blog bereits über ihn [https://checkfussballberater.de/junioren-fussball-in-eigener-sache-wir-freuen-uns-sehr-fuer-moses-ngwisani-ueber-den-profivertrag-beim-fc-erzgebirge-aue-ab-juli-2017-weiter-so-disziplin-und-biss-zahlen-sich-aus/ ]. Moses, ein Spieler mit kongolesischen Wurzeln, in Deutschland geboren und aufgewachsen, geprägt von einer Familie, die trotz schwieriger Lebensbedingungen immer zusammengehalten hat. Wer Moses kennt, spürt schnell: Hier steht kein Mensch, der nur über sich selbst spricht. Er vergisst seine Herkunft nicht, er vergisst die Menschen nicht, die ihn begleitet haben.

Wir durften Moses einst als Scout und Pädagogen über mehr als vier Jahre intensiv begleiten. Es war eine Begegnung, die von gegenseitiger Wertschätzung geprägt war – gegenüber Moses, aber auch gegenüber seiner Familie, seinen Eltern und Geschwistern, die ihren eigenen Weg unter nicht immer einfachen Bedingungen gegangen sind. Moses spielt den Ball zurück, und bedankt sich aufrichtig über die Unterstützung und ehrlichgemeinten Ratschläge von früher, die ihm sehr weitergeholfen hatten – ,,damals, als es noch keine echten guten Berater gab“, wie es Moses beschreibt.
Heute ist Moses Ngwisani als Profi im Ausland unterwegs. Nach Stationen in Luxemburg und der Regionalliga Berlin, sowie beim VfL Bochum, Borussia Mönchengladbach sowie Erzgebirge Aue und den FC Heidenheim, führte ihn sein Weg nach Aserbaidschan. Aktuell nutzt er die Zeit, um Familie und Freunde in Ulm zu besuchen. Dabei wirkt Moses ruhig, reflektiert und angekommen. „Gesundheit ist das Wichtigste“, sagt er. Ein Satz, der zeigt, dass Fußball für ihn viel bedeutet, aber nicht alles im Leben ist.
Aserbaidschan – mehr als nur ein Fußball-Abenteuer
Viele Menschen unterschätzen den Fußball in Aserbaidschan. Moses sieht das anders. Für ihn war der Aufenthalt dort eine echte Auslandserfahrung, eine neue Kultur und eine wichtige Station in seiner Entwicklung.
„Luxemburg, mit dem FC Wiltz 71 war zwar im Ausland, aber durch die Nähe zu Deutschland fühlte es sich nicht immer wie Ausland an“, erzählt Moses. „Aserbaidschan war etwas ganz anderes.“
Dort habe er viel gelernt – über Fußball, über Menschen und über sich selbst. Die Fans seien herzlich, die Menschen hilfsbereit. „Man erkennt mich auf der Straße“, erzählt Moses mit einem Lächeln. Es ist ein Zeichen dafür, dass er sich dort Respekt erarbeitet hat.
Auch sportlich sieht Moses das Niveau höher, als viele vermuten. Viele Spieler kommen aus Erstligen in der Türkei, Portugal oder Frankreich. Das Niveau vergleicht er mit starken europäischen Zweitligen: „Deutschland 2. Liga oder Belgien – das ist schon ein gutes Niveau.“ Moses wollten sie beim FC Karvan unbedingt haben. Als erfahrener Abwehrspieler mit Offensivqualitäten, sollte Moses Ngiwsani auch die Defensive verstärken.
Besonders die Kontrahenten und Klubs von Qarabağ FK und Sabah FK sieht er auf einem hohen Level. „Diese Mannschaften können absolut mithalten.“
Sein Abenteuer Aserbaidschan war kein Zufall. Der Klub wollte ihn bewusst für die Premier League des Landes gewinnen. Für Moses war es eine Chance, die Welt des Profifußballs noch einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.
VfB Stuttgart: Eine Schule fürs Leben
Der Weg von Moses führte auch über die Nachwuchsarbeit des VfB Stuttgart. Diese Zeit hat ihn geprägt. Besonders ein Name bleibt ihm im Gedächtnis: Domenico Tedesco. „Er hat mich geprägt“, sagt Moses. Tedesco habe ihn zum stabilen offensiv agierenden Verteidiger umgeschult (Moses war nämlich immer als linker Flügelflitzer und Mittelfeldspieler gebucht – mit einer ganz feinen Technik und Körpertäuschung beim Dribbling), ihm neue Perspektiven gegeben, aber auch sehr viel gefordert. Manchmal sei er fast unzufrieden gewesen – nicht aus Ablehnung, sondern weil er immer mehr sehen wollte.
Tedesco stand für eine klare Idee: Fußball sollte aktiv und offensiv gespielt werden – auch aus der Defensive heraus. Für Moses bedeutete das, Verantwortung zu übernehmen und sein Spiel weiterzuentwickeln. Tedesco war es denn auch, der Moses den Weg in den Profifußball ebnete. Domenico Tedesco wurde Trainer bei einer Art „Rettungsmission“, in der 2. Bundesliga bei Erzgebirge Aue, und en passant, mit viel Einsatz, schafften es die beiden auch. Mission impossible, Klassenerhalt geschafft!
Viele Trainer haben Moses auf seinem Weg begleitet. Schwer, einzelne hervorzuheben, sagt er. Aber Namen wie Jan Siewert, oder Michael Zielinski und weitere Wegbegleiter aus Luxemburg bleiben ihm besonders in Erinnerung. „Sie haben mich alle gefördert und gepusht.“
Talent allein reicht nicht – Geduld entscheidet
Der Profifußball ist ein Geschäft voller Entscheidungen, Momente und manchmal auch Zufälle. Moses weiß das.
Bei Borussia Mönchengladbach beispielsweise verpasste er den Sprung näher an den Profikader, als ein neuer (schwedischer) Spieler für die Position verpflichtet wurde. Plötzlich änderten sich die Voraussetzungen, Moses fand sich stärker in der zweiten Mannschaft wieder.
Doch er blickt nicht verbittert zurück. Er weiß: Im Fußball spielen viele Faktoren eine Rolle. „Glück? Ich glaube, Glück muss man sich erarbeiten“, sagt Moses. Ein Satz, der viel über seine Einstellung verrät.
Sein Weg war kein gerader Sprint auf einer perfekten Bahn, sondern eher ein Marathon mit verschiedenen Etappen. Jede Station hat Spuren hinterlassen, jede Herausforderung hat ihn stärker gemacht.
Nie vergessen, woher man kommt
Trotz vieler Stationen hält Moses weiterhin Kontakt zu früheren VfB-Kameraden. Freundschaften aus der Jugendzeit bleiben bestehen. Für ihn gehört das dazu.
„Man darf nie vergessen, woher man kommt“, sagt er ruhig. Es klingt nicht wie ein Spruch, sondern wie eine Haltung.
Moses wirkt mit sich im Reinen. Er hadert nicht mit dem, was vielleicht anders hätte laufen können. Er schaut nach vorne.
Auch privat gibt ihm seine feste Beziehung viel Kraft. Seine Verlobte ist ein wichtiger Rückhalt in einem Leben, das durch den Fußball immer wieder Veränderungen mit sich bringt.
Die nächsten Schritte warten
Moses Ngwisani setzt sich weiterhin Ziele. Egal, ob man jung ist oder schon einige Erfahrungen gesammelt hat – Stillstand passt nicht zu ihm.
„Ich arbeite an meinen nächsten Schritten“, sagt Moses.
Und genau das beschreibt ihn vielleicht am besten: Er ist ein Spieler, der seinen Weg weitergeht. Mit Geduld, mit Ehrgeiz und mit der Erfahrung, dass jede Station einen Wert besitzt. Moses kann sich vorstellen in Aserbaidschan zu bleiben, aber er sondiert gerade internationale Angebote.
Der Fußball schreibt viele Geschichten. Manche sind laut und spektakulär. Andere erzählen von Beharrlichkeit, Charakter und dem langen Atem eines Menschen, der nie aufgehört hat, an sich zu glauben. Moses Ngwisani gehört zu dieser zweiten Kategorie. Und eines steht fest: Der Weg ist noch lange nicht zu Ende…
Giovanni Deriu
