WFV Pokal – der Pokalabend mit Herz, Drama und Traumtoren – Die Sportfreunde Schwäbisch Hall liefern Regionalligist VfR Aalen einen echten Pokalfight!
Heute mal wieder in Schwäbisch Hall. Und manchmal sind es genau diese Fußballabende, die zeigen, warum dieser Sport so besonders ist. Nicht nur wegen Ergebnissen und Tabellen – sondern wegen der vielen Begegnungen, Geschichten und Menschen.
Schon vor dem Anpfiff lag etwas Besonderes in der Luft. Ein nettes Vorgeplänkel vor einem WFV-Pokalspiel, das auf dem Papier eine klare Sache schien: Verbandsligist Sportfreunde Schwäbisch Hall gegen den neuen alten Regionalligisten VfR Aalen.
Aber Papier spielt bekanntlich keinen Fußball.
Schön war es auch wieder, alte Freunde zu treffen. Die italienische Trainerfraktion gehört natürlich dazu.
Chefcoach #BeniMolinari, dazu seine Assistenten Giusé Catizone und LuigiCampagna. Drei echte Fußballtypen, die Leidenschaft, Erfahrung und Kompetenz verkörpern, und(!), auch vorleben Über Luigi Campagna musste ich natürlich schmunzeln. Die Sportfreunde waren ja auch immer wieder mal an ihm dran.

„Aber…“, lächelt Luigi vielsagend mit seinem typischen Augenzwinkern.
Manchmal sagt ein einziges Wort mehr als ein langer Satz.
Mister Molinari kann jedenfalls froh sein, so ein erfahrenes Trainerteam an seiner Seite zu haben. Und er ist es auch. Schließlich war es genau sein Wunsch, diese Konstellation zu schaffen.
Zum Spiel sagt Beniamino Molinari vor dem Anpfiff: „Gio, was soll ich sagen? Du weißt es – der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Aber klar, unserer Favoritenrolle wollen wir gerecht werden.“
Ein Satz, den jeder Fußballromantiker kennt. Denn der Pokal ist eben jener verrückte Wettbewerb, in dem David manchmal den Goliath ärgert.
Und die Sportfreunde von Trainer Tobi Weiß?
Die kamen mit breiter Brust. So gut wie lange nicht mehr in die Saison gestartet. Die Mannschaft wirkte geschlossen, mutig und voller Energie.
Das Wetter spielte mit. Der Rasen war nach der Belastung durch American Football zwar etwas ramponiert, aber Greenkeeper Klaus und der Regen hatten ganze Arbeit geleistet. Der Platz präsentierte sich wieder saftig grün.
Die Bühne war bereitet.
Und was dann folgte, war ein Pokalabend, wie man ihn sich wünscht.
Die Sportfreunde starteten frech und mutig. Kein Respekt vor dem großen Namen, kein Verstecken vor dem Regionalligisten. Die Abwehr wirkte gut eingespielt, das Umschaltspiel variabel und gut einstudiert.
Bereits in der 6. Minute schlug der Außenseiter zu.
1:0 L. Pfeiffer (6.), ohne Hemmungen angestaubt.
Schwäbisch Hall setzte nach und belohnte sich für den starken Beginn. Nur acht Minuten später bebte das Stadion erneut.
2:0 Philipp Minder (14.) Und was für ein Treffer! Ein satter Schlenzer, ein traumhafter Bogenschuss – ein Tor wie gemalt. Der Ball flog wie ein kleiner Komet Richtung Torwinkel.
Der VfR Aalen musste sich erst einmal schütteln.
Doch ein Regionalligist gibt nicht einfach auf. Und hat eben die nötige Qualität. Die Halbprofis drehten etwas auf.
2:1 S. Seitz (21.), die VfR-Tifosi auf der Gegentribüne flippten aus, die Hoffnung war ja nie weg. Aalen meldete sich zurück.
Die Sportfreunde beeindruckten trotzdem weiter. Sie spielten mutig, sicher und mit einer Mentalität, die jedem Fußballfan Freude machte.
Der VfR hatte sichtbar Probleme mit dem nicht perfekten Untergrund und wirkte in einigen Situationen nicht ganz abgestimmt. Lange Unterbrechung vor der Halbzeitpause, der VfR-Keeper und Abwehrspieler Barth prallen zusammen. Zumindest einer mit einer Platz-Wunde.
Doch Pokalspiele sind wie Marathonläufe, mit Sprintphasen. Und die hatten es in sich.
Der VfR Aalen blieb dran.
In der Pause wurde bei Aalen sachte Klartext geredet. Co-Trainer Catizone, ,,Ach, die Jungs haben sich untereinander selbst heiß gemacht…“
Die Folge:
2:2 S. Maksimovic (56.)
Alles wieder offen. RESET. Davor vergaben die Sportfreunde jedoch das 3:1.
Dann wurde es dramatisch.
Weit über eine Stunde war gespielt, die 70. Minute, ein Tackling, Nickligkeiten, und eine mega Rudelbildung, und dabei sah sogar Ersatzkeeper Bojan Spasojevic, die Rote Karte. Später in den Katakomben wirkte der Ersatztorwart noch ratlos, und etwas kleinlaut.
Doch manchmal wächst eine Mannschaft gerade dann über sich hinaus. Die Haller brannten noch.
Der Regionalligist dagegeb blieb ruhig, spielte abgeklärt und zeigte seine Erfahrung. Chancen im S-Bahn-Takt. Da merkte man auch, was der Begriff Kondition beinhaltet. Es folgte das 2:3 (84.),
Die Wende war geschafft. Und in der Nachspielzeit setzte D. Melo den Schlusspunkt.
2:4 D. Melo (90.+2)
Ein Traumtor zum Abschluss eines echten Pokalfights. Die aktiven VfR-Fans begleiteten ihre Mannschaft über die komplette Spielzeit lautstark. Kein Durchatmen, kein Verstummen – Fußball pur.
Trainer, il Mister, Beni Molinari hatte es vorausgeahnt: Der Underdog wird alles investieren. Und genau das taten die Sportfreunde.
Am Ende setzte sich der Favorit aus Aalen durch. Nicht unbedingt, weil er über 90 Minuten alles dominierte, sondern weil er in den entscheidenden Momenten die Ruhe und Qualität eines Regionalligisten zeigte. Der Pokalabend hatte zwei #Gewinner.
Der VfR Aalen nimmt den Sieg und das Weiterkommen mit.
Aber die Sportfreunde Schwäbisch Hall dürfen trotz der Niederlage stolz sein. Diese Leistung, diese Leidenschaft und diese Mentalität sind ein starkes Zeichen.
Wenn dieses Team so weitermacht, dann wird Coach Tobi Weiß mit seiner Mannschaft in der Verbandsliga noch viel Freude haben. Vielleicht sogar ganz oben angreifen.
Denn manchmal ist eine Niederlage, nur ein anderes Wort für eine große Bewerbung, ein Dosenöffner, für höhere Aufgaben und Projekte.
Der Fußball schreibt eben seine eigenen Geschichten. Und wie früher in den 70ern, oder den 80er-Jahren, hatte es das ‚Derby‘ Schwäbisch Hall gegen Aalen wieder mal in sich… Danke für einen tollen Pokalabend!
Giovanni Deriu
