Die Größe der Trainer oder der Klubs? – zum Kommentar von Alfred Draxler in der Sport-Bild: „Ein Trainer ist nie so groß wie der Klub!

Was wäre so mancher Klub finanziell und von seiner Größe heutzutage ohne die Trainer, die davor den erfolgreichen Weg ebneten…?

Eines ist auch klar, einem Chefredakteur wie Alfred Draxler, widerspreche ich ungern, denn zu tief ist dieser Bild-Journalist in der Materie zwar drin, aber dennoch wagen wir hier einen Einwurf – auch wenn es stimmt, größer als ein Klub kann ein Trainer nie werden. Zu schnelllebig ist das Fußballgeschäft, das Trainer-Karussell (der Eitelkeiten) dreht sich immer schneller, der Klub bleibt immer bestehen, weil er von den Mitgliedern allgemein getragen und belebt wird. Nur, wie erfolgreich und beliebt ein Klub letztendlich ist und bleibt, hängt immer mit den Akteuren und Repräsentanten zusammen, die für die Erfolge und Sympathien sorgen: Im Fußball sind es letztendlich immer die Stars und Spieler, sowie die Trainer, die einen erfolgreichen Fußball spielen und Titel sammeln lassen. Was hingegen immer neuer wird und zunimmt ist, dass sich Manager und Funktionäre, Scouts und „Kaderplaner“ mit den Trainern messen wollen – nur die wenigsten taugen für eine ruhige und gelassene Zu-Arbeit im Hintergund. Profilneurosen nehmen zu. Vielleicht auch beim BVB, nur deshalb steht Thomas Tuchel in der Kritik…

Also wenn es die Bild und Draxler bereits von den Dächern pfeifen, dass es im Jahr Zwei nach Klopp bei der Borussia intern knirscht, ja, dann ist da auch definitiv etwas dran. Es zeigt aber auch, dass, und wie gegen einen erfolgreichen (Konzept-)Trainer Stimmung gemacht wird. Nun, ist uns Thomas Tuchel bestimmt nicht mega sympathisch, aber darum geht es nicht, er wirkt dennoch authentisch, wenn auch ein bisschen „besserwisserisch“? Tuchel, eine Art „deutscher Pep Guardiola“, ist den Machern in Dortmund plötzlich ein bisschen fremd und nimmer ganz koscher. Jeder Trainer wird am Erfolg gemessen, und im Moment läuft es bei der Borussia nicht ganz so rund, die Champions-League-Plätze aber immer noch in Reichweite. Hans-Joachim Watzke, sowie Michael Zorc, die Bosse, nennt sie Draxler, planen wohl schon die Saison Eins nach Tuchel. Tuchel wird gerade scheibchenweise demontiert.

Tuchel, der einen engen und freundschaftlichen Kontakt zu Guardiola pflegt, wird nun in den (General-)Verdacht gestellt, den Klub, also den BVB, wie einst Guardiola die Bayern, verändern zu wollen. Ist das die Absicht eines Trainers, der doch nur dafür da ist, Erfolge zu garantieren, eine eigene Spielphilosophie, einen eigenen Wiedererkennungswert, zu kreieren? Womit sonst werden Klubs, namhafte und efolgreiche zudem, in Verbindung gebracht? Mit einer eigenen DNA, den Erfolgen, und einer authentischen Spielweise (so wie auch Klubs ohne Titel deswegen beliebt sein können, man denke nur an den SC Freiburg, die TSG 1899 Hoffenheim, jetzt RB Leipzig oder auch wieder der 1. FC Köln, und andere mehr), oder etwa nicht?

Wo war der BVB zum Beispiel noch vor ca. 20 Jahren? Fast mit einem Bein in der 2. Bundesliga, er strauchelte oft, bis Ottmar Hitzfeld den Grundstein für eine eigene Ära mit Erfolgen legte, auf dem auch andere Nachfolger aufbauen konnten. Matthias Sammer, auch er wurde Meister mit Dortmund, und etwas später danach dann fast sieben Jahre lang Jürgen Klopp, der seinen Abgang dann selbst bestimmte – er fühlte es, das Verhältnis flaute ab, die Erfolgsspur kam ins Schlingern, die Ideen gingen aus – und Zorc und Watzke? Machten irgendwie gute Miene zum schlechten Spiel. Nur, ein Jürgen Klopp hätte sich auch nie vorführen oder demontieren lassen!

Draxler vergleicht Tuchel zu sehr mit Guardiola, der trotz aller Erfolge, nie richtig bei den Bayern ankam. Letztendlich, so liest man heraus, war man wohl froh, als der stolze Katalane nach England ging. Zu groß sei die Schneise gewesen, die Pep bei den Bayern, vor allem die medizinische Abteilung hineingeschlagen hatte.

Ja, viele Klubs scheuen sich vor Veränderungen, und, so Draxler, die neuen Star-Trainer, wie eben Tuchel, verstünden sich „als viel mehr“, nicht nur als Fußball-Lehrer… woher weiß das der renommierte Alfred Draxler?

Die Bayern bleiben immer die Bayern, der BVB immer der BVB, denn die Erfolge (waren zuerst) und die Finanzen (kamen danach auf Grund der Erfolge) werden immer gut verwaltet. Aber der Zeitfaktor ist auch wichtig, und zu oft wird die Unruhe zwar von außen, aber immer auch von internen Funktionären in das Team, und damit in den Klub, getragen. Wenn ein Trainer, wie zuletzt Tuchel (oder Luhukaj beim VfB) nicht mehr in Kaderplanungen involviert und gefragt wird, Spieler einfach verpflichtet werden – was an sich nicht schlimm ist, wenn der Trainer informiert wird – oder ständig wegen der Spielweise hinterfragt wird, dann ist der Abschied nicht mehr weit. Wir sind der Meinung, die Unruhe wurde von den Funktionären hineingetragen und so leidet momentan das (flüssige) Spiel darunter. Auch die Unruhe um Aubameyangs „Wechsel-hin-und-her“, und Spieler, die Tuchel letztendlich nicht bekam. Tuchel, so schätzen wir ihn ein, ist schlau genug, um zu analysieren, was beim BVB noch geht – und was eben nicht mehr.

Es gibt viele Beispiele großer Klubs von heute, die vom Namen groß blieben, auch wenn Jahre ohne Erfolge einbrachen – aber sie wurden erst durch die TRAINER wirklich große Klubs, man nehme nur die (Erfolgs-)Story des AC Milan, es war Arrigo Sacchi (damals nur den Experten bekannt!), der den AC MILAN von heute prägte – zumindest die moderne Spielweise. Der FC Chelsea London mit José Mourinho, wurde auch erst durch den Coach eine Größe, davor kannte Chelsea kaum jemand, außerhalb Englands.

Ein Klub bleibt immer größer als ein Trainer, sowie eine Stadt immer bestehen und „groß“ bleiben wird, auch wenn die Bürgermeister wechseln – aber die erfolgreichen Trainer und Bürgermeister bleiben immer in Erinnerung – weil sie die Stadt, oder den großen Klub bis heute prägen…

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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