Zwar nur eine Randnotiz und Fußnote, aber die hatte es in sich. Nach dem Finalspiel ist vor der großen Sause – ManCity am Ziel seiner Träume, und Coach Pep Guardiola hatte es endlich wieder geschafft – davor ja bereits zwei Mal mit dem FC Barcelona, 2009 und 2011, nur mit dem FC Bayern schaffte er es nicht.
Dass allesamt Profis durch und durch sind, gut bezahlte dazu, muss man nicht erwähnen. Rausch- und Genussmittel sind eigentlich Tabu – aber siehe da, um bei den Feierlichkeiten nicht zu früh einzuknicken, dachte sich wohl Torspieler Ederson, müsse er sich ein wenig (auf-)puschen. Die (leichte?) Modedroge, nein, das Genussmittel SNUS, diesen bekannten Kautabak, der eine Art Revival mitmacht, schob sich der Keeper zwischen die Lippen und das Zahnfleisch. https://www.fanpage.it/sport/calcio/il-video-di-ederson-nella-festa-del-city-diventa-virale-stava-assumendo-snus-davanti-a-tutti/
In Skandinavien mit viel Tradition seit Jahrzehnten, kommt SNUS auch wieder hier in Mode, besonders bei den Sportlern, und damit auch bei jüngeren Generationen. Was das Idol vormacht, können wir doch auch. Auch in den Schulen, so die Schulleiter, sei der Kautabak angekommen. Zumal SNUS anscheinend als weniger gesundheitsgefährdend als Zigaretten gelten soll. Doch ist das so? Wie dem auch sei. Der Topkeeper, Ederson, der auch mit dem Fuß ganz gut Akzente setzen kann – deshalb auch für das „Guardiolaspiel“ so wichtig – braucht wohl eben auch eine Art Ersatz-Nascherei oder Stimulation.
Nur, muss das dann ganz so offensichtlich sein? Und, wie lange ist SNUS nachweisbar, gilt es noch nicht als Dopingmittel?
Das letzte Mal, dass ich von Snus und Kautabak gehört habe, war etwa in den 90er Jahren, als, ebenfalls ein Fußballer, nämlich der Schwede, Glenn Peter Strömberg, von Atalanta Bergamo. Der Hüne mit der besonderen Übersicht, war ein ruhiger Zeitgenosse, der sich aber auch gern den Kautabak, sogar vor dem Match unter die Lippen geschoben hat. Mein lieber Schwede…
Neulich, beim Relegationsfinale in den Amateurniederungen, sah man einmal mehr, wie sehr die Fans mitfiebern, sich mit ihrem Club identifizieren. Und selbst wenn nur in der Kreisliga A, wo es um den Klassenverbleib (TSV Hessental)https://tsv-hessental.de/ und Aufstieg (SV Rieden) https://www.sv-rieden.de/index.php?id=3&no_cache=1 ging – die Spieler gaben bei großer Hitze ihr bestes. Allesamt „Freizeitkicker“. Doch wie meinte der ehemalige italienische Nationalspieler, und erst jüngst (leider zu früh) verstorbene Gianluca Vialli (bereits eine Legende)? Es gäbe keinen Unterschied in den Emotionen und Gefühlen zwischen einem Spieler in der Champions League, und in den unteren Klassen.
Der TSV Hessental hielt als Kreisliga-A- Team letztendlich die Klasse, und der SV Rieden musste nach Elfmeterschießen doch unten bleiben. Freud und Leid so nah beisammen. Spannung pur, über 120 Minuten. Am Ende war es eher eine „Erleichterungsfeier“ der Hessentaler im Jubiläumsjahr. Der SV Rieden hielt über weite Strecken gut mit, war sogar tonangebend, und die Fans waren der Hammer, zahlreich vor Ort, dazu bunt in den Vereinsfarben, und lautstark über das ganze Spiel. https://www.swp.de/sport/mehr-lokalsport/schwaebisch-hall/sieg-in-der-relegation-der-tsv-hessental-bleibt-in-der-kreisliga-a-70936925.html
Bei den Hessentalern ragte auch der Torwart Victor Balz, ein Oldie, wirklich heraus, fischte er doch glatt zwei Bälle aus dem Winkel. Und der gebürtige Nigerianer und Goalgetter, Nasiru (Oluwashola Riliwon) – „Hessentals Lukaku“ – drehte den frühen Rückstand um, zum 2:1, ehe der SV Rieden wieder ausgleichen konnte.
sdr
Worum geht es hier? Wir haben uns dieses Match rund um Schwäbisch Hall bewusst ausgesucht, kennen wir doch selbst den einen oder anderen (jungen)Spieler. Und, wir wollen aufzeigen, dass das Schöne an diesem Sport tatsächlich die Leidenschaft ist, mit der alle dabei sind. Und, wir wollen auf die emotionalen Worte Viallis in der Kabine bei den Spielern der unteren Klassen erinnern. Gianluca Vialli war ein echter Champ, der den Fußballsport liebte.
Ich weiß nicht, wann, und zu welchem Team er sprach, zu einer Amateurmannschaft in seiner Heimat, rund um #Cremona…? Aber diese Ansprache, wird dieses Team niemals vergessen!
>>… Wie Ihr wisst, habe ich ganz oben, in der Champions League gespielt, Weltmeisterschaften mit der Nationalelf, und vor lauter Anspannung konnte ich nicht einschlafen. Aber ich habe auch auf Eurem Level und Niveau gespielt, auf unebenen Rasenplätzen, Hartplätzen, ich weiß, was es bedeutet, auch ohne Publikum. Und wisst Ihr, was der Unterschied, zwischen diesen zwei Fußballwelten ist, die so weit auseinander scheinen? Es GIBT KEINEN! ES gibt keinen Unterschied, denn am Ende gibt es Dinge, die überall gleich sind in diesem schönen Sport. Die Essenz dieses wunderschönen Spiels ist immer diesselbe, man ist eine Mannschaft, es ist ein Spiel zu spielen, man möchte gewinnen, man möchte den Gegner schlagen, seinem Teamkameraden auf dem Platz helfen. Ich habe etwas verstanden, die wahren Helden seid Ihr, Leco, Alessandro, Nino, Asenzio, Cinio, il Bomber, ecc. , ich habe es in Euren Augen gesehn, arbeitet jeden Tag gemeinsam daran, ein besseres Team zu werden, Ihr könnt es schaffen, mein Tipp, kehrt nie um…! <<
Wir haben die Chance genutzt, und uns in Stuttgart im netten Heusteigviertel getroffen, denn wer weiß, wohin es Profi-Fußballlehrer Rainer Kraft (Uefa-Pro-Lizenz) wieder ziehen wird. Nach der erfolgreichen Zeit in Ghana mit den Accra Lions, genießt Rainer Kraft die Zeit daheim in der Landeshauptstadt. Doch der gebürtige Stuttgarter kann es kaum erwarten, wieder ein ambitioniertes Team zu coachen, ob im Youth-Academy – oder Profifußball-Bereich.
Eine durchaus interessante und kurzweilige Unterhaltung zwischen zwei Getränken am warmen Sommernachmittag, hat sich erst neulich ergeben.
◾ Hallo, Rainer, schön Sie mal wieder hier in Stuttgart zu sehen, wenn wohl auch nur auf Zwischenstopp. Erzählen Sie mal, wie war das mit Ihrem Abschied aus Ghana, bei den Accra Lions, nach immerhin zweiundeinhalb Jahren? Dazu noch als Meister und Aufsteiger… stand Accra da Kopf? Und, warum lässt man einen Meistertrainer und Aufsteiger ziehen?
Rainer Kraft: Mein Vertrag lief aus und es war an der Zeit für mich, mal wieder Privates in den Vordergrund zu stellen. Das lief ganz geräuschlos ab, mein Nachfolger stand schon länger fest und war bereits ins´ Trainerteam integriert. Da steht auch niemand Kopf, da wir ein kleiner und sehr junger Verein waren, der eher unter dem Radar fliegt.
◾ Weiterhin besteht ein kurzer und guter Draht nach Ghana?
Rainer Kraft: Ja, ich bin mit den Verantwortlichen regelmäßig im Austausch und habe auch öfter Kontakt mit „meinen“ Spielern, von denen bereits eine ganze Menge weltweit unterwegs sind.
◾ Sie haben quasi auch Rekordnationalspieler und Fernsehexperte Lothar Matthäus die Infrastruktur installiert, denn er engagiert sich Medien zufolge nun auch bei den Accra Lions. Ghana scheint ein Land echter Talente zu sein…?
Rainer Kraft: In Ghana trifft man wirklich auf viele „Bewegungstalente“ und Fußball wird eben von klein auf und praktisch überall gespielt – so etwa wie bei uns früher.
◾ Sie sind ja gut vernetzt, und haben als Fußballlehrer und Inhaber der Uefa-Pro-Lizenz Fußball-Projekte des VfL Wolfsburg und Schalke 04 in China sowie Mexiko geleitet, junge Talente trainiert, die deutschen Clubs repräsentiert und Trainer vor Ort ausgebildet bzw. weitergebildet. Was reizt sie besonders, und gibt es wieder konkrete Anfragen?
Rainer Kraft: Reizvoll ist zum einerseits die Vielfalt des Trainer-Berufes, Sie haben es in der Frage ja schon angedeutet Andererseits war ich schon als Kind fasziniert von den Geschichten über fremde Länder, habe Reiseberichte verschlungen und wollte schon immer die Welt bereisen. Das ich mit diesem Beruf beides verbinden kann, empfinde ich als großes Geschenk und bin dankbar dafür! Es gibt immer wieder Anfragen, aber es muß auch vieles passen. Ich werde im Juli und August für einen deutschen Bundesligisten ein Projekt in China betreuen, da freue ich mich schon sehr darauf!
◾ Kann Sie eigentlich noch irgendetwas groß überraschen? Interkulturell sind Sie, Rainer, auch gut aufgestellt. Sie haben in Ghana, in Aserbaidschan und China trainiert und Erfolge gefeiert, ja, sogar im Iran, Teheran, wurden Sie und Cheftrainer Erich Rutemöller, verehrt, woran erinnern Sie sich gern, und welcher Kulturkreis liegt Ihnen am Besten?
Rainer Kraft: Einzelne Erinnerungen herauszustellen ist aufgrund der schieren Anzahl fast unmöglich. Besonders sind immer die Erlebnisse mit den verschiedenen Menschen und ihren Kulturen! Wer sich auf Andere einläßt, begreift sehr schnell, daß wir auf dieser Erde so verschieden nicht sind, uns Menschen eint mehr als uns trennt. Natürlich gibt es Gänsehautmomente – vor 100.000 Zuschauern im Azadi-Stadion in Teheran zu spielen oder das erste Mal auf der chinesischen Mauer zu stehen ist eben nicht alltäglich!
◾ Nennen Sie bitte drei Unterschiede, zwischen unseren deutschen Nachwuchstalenten, und jungen Talenten in Ghana, oder Mexiko?
Rainer Kraft: Die größten Unterschiede gibt es sicher zwischen Deutschland und Ghana, Mexico liegt irgendwie dazwischen. Eine Nachwuchsförderung wie bei uns sucht man in Ghana vergeblich, wobei es seltene Ausnahmen gibt. Den „Straßenfußball“, den wir hier so schmerzlich vermissen, ist sicher ein Markenzeichen der ghanaischen Kinder und Jugendlichen. Über den Fußball ein besseres Leben zu führen, die Familie zu unterstützen und „Armut“ zu entkommen ist in Ghana ein großer Antrieb!
◾ Der längst verstorbene Kulttrainer und Weltenbummler, Rudi Gutendorf, ist sogar im Guiness-Buch der Rekorde, weil er international, von Chile bis Fischi, Australien und Peru, die meisten Teams und Nationalmannschaften trainiert hat. Und, er konnte auch kulturell einiges erzählen. Was verbinden Sie mit Ihrem Job, und dem Fußball, allgemein?
Rainer Kraft: Es macht mir einfach Spaß, über und durch den Fußball meinen Horizont zu erweitern, ferne Länder zu bereisen oder dort sogar einige Zeit zu leben. Ich habe wirkliche Freunde gefunden, überall. Und ich liebe es, wenn ich Anderen in ihrem Weiterkommen helfen kann, egal ob jugendlicher oder erwachsener Spieler!
Ein Buch, nein eine Biographie, mit dem Titel, „Berlusconi – Showmaster der Macht“ (Autoren, Giovanni Ruggeri /Mario Guarino; von 1994), trifft die Person Silvio Berlusconi, jüngst am 12. Juni 2023 verstorben, wohl am besten.
Und das meinen wir hier gar nicht despektierlich, im Gegenteil, wir sind der Meinung, Silvio Berlusconi hatte die Politik und die Gesellschaft durchschaut – er wusste, wie er, und vielleicht auch, mit welcher Unterstützung er große werden und wachsen konnte, und wonach das italienische Volk damals, aber nicht nur das italienische, strebte und dürstete. Wir möchten gar nicht näher auf Berlusconis Politikstil und dessen Biographie eingehen, sondern vielmehr den sportlichen Teil seiner Vita beleuchten, und Protagonisten zu Wort kommen lassen, die Silvio Berlusconi begleitete und stützte, und die auch zeigen, dass ohne Silvio Berlusconis Menschlichkeit, seinen Motivationskünsten und dessen Beharrlichkeit, ein Erfolg über Jahre, wie der des AC Milan niemals möglich gewesen wäre.
Es zeigt auch Berlusconis Talent und Können, auch als Netzwerker der Macht, die richtigen und geeigneten Menschen zusammengeführt zu haben. Und von wegen, wie manch einer meint, alles gekaufte Leute, die sich Berlusconi gefügig machte, sondern eher kritische „Geister“, die durchaus auch Berlusconi kritisierten, ihm jedoch einen Teil ihres Erfolges auch verdankten. Silvio Berlusconi, und mögen noch so viele Leute und Kritiker posthum auf sein Grab spucken, (viele Neider und linksgerichtete Gutmenschen vor Allem, wobei auch die politische Linke mit Berlusconi gern paktierte), wird als Mann mit Visionen in Erinnerung bleiben, der den Fußballsport, und die Fernsehlandschaft Ende der Achtziger bis Ende der Neunziger Jahre tüchtig revolutionierte. Von daher stimmt es schon, er war ein Showmaster der Macht, der das Leben selbst und sich selbst nie zu ernst nahm, die Menschen jedoch schon – die Bürger Italiens und seinen engsten Freundeskreis und Mitarbeiterstab, was meist ein und dasselbe war.
Er musst etwas geahnt haben, denn er suchte am Ende, kurz vor seinem Ableben und Aufsuchen der Klinik, noch einmal die Gastro-Bar von Milano 2 (due) auf (wo er mit vielen Menschen sprach, und den Kindern Eis spendierte), der Satellitenstadt, einst von ihm erfunden und entworfen, sowie realisiert. Damals eine Stadt mit Statussymbol, 10.000 Bewohner in 2.500 Appartements, 40 Quadratmeter Grundfläche pro Einwohner, gegen gerade mal vier in Mailand. Es wurden damals kurz mal 5000 Bäume und ein künstlicher See implementiert. Modellstadt oder Luxusghetto hieß es damals, heute weiß man, man nehme nur Stuttgart 21, Berlusconi wollte eine Wohlfühloase für die Menschen, die arbeiteten, fernab des Verkehrs. Und, wieder ganz Geschäftsmann, natürlich wurden die Appartements mit dem Empfang von Berlusconis Privatsender, der Mediaset-Gruppe, ausgestattet. Und da spielten Filme, Shows und der Fußball, il Calcio, eben immer eine große Rolle. Für heute, umgerechnet, knapp 40 Millionen Euro, kaufte sich Berlusconi beim krisengeschüttelten AC Milan ein, und kaufte sich auch einen Kader zusammen. Natürlich hörte er auf externe Berater. Der AC Milan als Spielzeug und Werbemaschinerie des Berlusconi-Imperiums. Und, die nächsten Jahre sollte die ganze Fußballfachwelt über den AC Milan berichten, schwärmen und diesen auch analysieren. Und darum geht es eben auch hier.
Einer, der den AC Milan wirklich groß gemacht hat, war schließlich der Trainer, il Mister, Arrigo Sacchi, den Silvio Berlusconi und dessen Mitgesellschafter und Freund, Adriano Galliani, unbedingt haben wollten, für das neue Team. Man stelle sich vor, einen großen Namen hatte Arrigo Sacchi aber noch nicht. Der gelernte Buchhalter, und späterer Außendienstmitarbeiter für den Verkauf von Schuhen, war selbst nur Amateurfußballer, trainierte niederschwellige Clubs und die Jugend, eher den AC Parma von der 3. Liga, Serie C, in die 2. italienische Liga B, brachte, was ein großer Erfolg gewesen ist. Und als Sacchi mit seinem Team aus Parma den AC Mailand aus der Coppa Italia geworfen hat, sagte sich Silvio Berlusconi, das ist ‚unser Mann‘. Diesen Mann, Arrigo Sacchi, ein leiser Vertreter und Idol seiner Zunft, der quasi mit dem AC Milan alles gewinnen sollte, und als italienischer Nationalcoach anno 1994 Vize-Weltmeister in den USA wurde, als man Brasilien erst nach Elfmeterschießen unterlag, lassen wir hier erzählen, wie er Silvio Berlusconi erlebte. ( https://www.gazzetta.it/Calcio/Serie-A/Milan/13-06-2023/sacchi-berlusconi-milan-galliani-borghi-agnelli-4602024042734.shtml?refresh_ce )
Noch sichtlich bewegt über den Tod Berlusconis, blickte Sacchi neulich in der Gazzetta dello Sport zurück. Natürlich sei er überrascht gewesen, als ihn der AC Milan unbedingt wollte, und Silvio Berlusconi dabei war, den AC Mailand komplett umzustrukturieren, und zwar, von der C-Jugend an.
Der Auftrag an Arrigo Sacchi war kein geringerer, als, „erfolgreich zu spielen – zu gewinnen, und zu überzeugen…“, wie Sacchi Berlusconis Wunsch zusammenfasst.
Erst sollte man Italien erobern, dass Europa und dann die Welt – der AC Mailand sollte zur Marke werden, was ihm, Sacchi sowie Berlusconi auch gelang (später sollte auch Trainer Fabio Cappello diesen Weg weitergehen).
Einen Fußball-Spektakel wolle man bieten, das sei Berlusconis Order gewesen – wenn das Team gut spiele, stellen sich die Ergebnisse von selbst ein. Zu Begin gelang es nicht gleich, doch Berlusconi und Galliani waren von Arrigo Sacchi überzeugt, und gaben ihm auf dem Trainingscamp und Spielfeld freie Hand.
Arrigo Sacchi gibt zu, dass er eigentlich ein „Mister Niemand“ gewesen sei, aber niemals habe Berlusconi an dessen Idee und Philosophie gezweifelt. Es war eher so, dass Sacchi die Spieler für neue Trainingsmethoden gewinnen musste, die ja ganz andere Übungen und taktische Vorgehensweisen gewohnt waren. Sacchi musste alles umkrempeln, aber sein Erfolg im Pokal gegen Milan hatte überzeugt. Man sollte ihm vertrauen, er stellte sich immer hinter seine Spieler. Wichtig waren aber auch Berlusconis Worte an die Spieler, zu Beginn der Saison, und diese waren sehr eindringlich, wie Sacchi erzählt, damals im Büro von Berlusconi: „Leute“, sagte Berlusconi den Spielern, allen in die Augen schauend, „Sacchi ist der Trainer, Euer Trainer, den ich ausgesucht habe. Und er wird auch nächstes Jahr mein Trainer sein, von Euch jedoch weiß ich noch nicht, wer nächstes Jahr hier spielen wird…“, und diese Worte an die Spieler hatten gereicht, um Eindruck zu machen. Sie halfen natürlich auch Sacchi.
In der Gazzetta beantwortet Arrigo Sacchi folgende Frage, Stimmt es, dass Berlusconi Ancelotti nicht kaufen wollte?, wiefolgt:
„Er hatte Zweifel an Carlettos körperlicher Verfassung. Er sagte: „Wir können keinen Spieler nehmen, der 20 Prozent Behinderung in einem Knie hat.“ Ich antwortete: „Präsident, ich würde mir Sorgen machen, wenn ich an Behinderung denken würde. Ich garantiere Ihnen, wenn Sie Ancelotti kaufen, werden wir den Scudetto gewinnen.“ Ich war am Ende zufrieden, und Silvio ebenfalls, da wir ihm den Scudetto nach Hause brachten.
Es bleibt festzuhalten, dass Milan zwar immer im Duell mit Juventus, Neapel oder Inter stand, aber Berlusconi hatte immer einen guten Draht zu den anderen Präsidenten, aber natürlich wollte er besonders dem Turiner, Gianni Agnelli und Juventus, eine Schippe schlagen, und deren Vorherrschaft ablösen. Agnelli und Berlusconi, beide erfolgreiche Geschäftsmänner, verstanden sich eigentlich prächtig.
Probleme mit dem Team und Berlusconi? Eigentlich nie, nur als Silvio Berlusconi dem Team in seiner Villa in Arcore eröffnete, beziehungsweise darum bat, es gehe um die Meisterschaft, und das Team solle fast einen Monat auf Sex verzichten. Frei raus und direkt, das Team staunte nicht schlecht – allein, der Holländer Ruud Gullit muckte auf, und kritisierte Berlusconi. Wahrscheinlich war das noch mehr Antrieb, es dem Cavaliere und späteren Präsidenten zu zeigen. Scudetti, zwei Mal den Europapokal der Landesmeister, die Champions League also, sowie den Weltpokal gewonnen, was will man mehr?
Anno 1991 trennten sich dann die Wege, aber wie Arrigo Sacchi heute noch sagt, „unser Kontakt blieb immer intakt“, auch als Sacchi Nationaltrainer wurde, später gar in Madrid tätig war, und später auch kurz zu Milan zurückkehrte. Und als der Präsident Berlusconi sein letztes Projekt, mit dem AC Monza startete, und ebenfalls eine Erfolgsstory mit Galliani schrieb, Monza spielt nun auch Serie A, bat Berlusconi auch Arrigo Sacchi nach Tipps und Ratschlägen. Berlusconi, so Sacchi, sei ein durch und durch seriöser und zuverlässiger „Presidente“ gewesen.
Und zum Abschluss, der langjährige Torwart von AC Milan, Sebastiano Rossi, meinte neulich in einem Interview mit TAG24, Italia, „Silvio Berlusconi ist ein großer Präsident gewesen“, und er werde ihnen allen sehr fehlen, denn Berlusconi habe den Spielern stets gelehrt, „immer an uns selbst zu glauben…“
Und Rossi sagt zum Abschluss, 29 Titel in 31 Jahren, sprechen für Berlusconis Ära, und Rossi selbst feierte 5 Meisterschaften und einen Champions-League-Sieg, von Berlusconi habe er wirklich gelernt, mental stark zu bleiben, sich von „Niederlagen, langwierigen Verletzungen und vor allem von Neid nicht unterkriegen zu lassen, niemals!“ Berlusconi habe Dinge und Prinzipien gelehrt, die nicht nur im Fußball, sondern auch im Alltagsleben zählten.
Gratulation, tant’auguri , an die SSC Neapel, (wir berichteten hier und auf der Seite von Tichys Einblick), nach 33 Jahren endlich wieder den Scudetto an den Vesuv und Golf von Neapel geholt. Eine Stadt, ach, was, eine ganze Region spielte verrückt. Und, es gelang einem ganz besonderen „Mister“ (wie die Trainer seit Jahrzehnten in Italien genannt werden), und Meistermacher, nämlich, Luciano Spalletti, den ich mir zum Beispiel schon nach Turin, zur Vecchia Signora gewünscht hatte. Spalletti steht für Erfahrung, Offensivfußball, und ein laufintensives Spiel, bei geordneter Abwehr. Dass die SSC Napoli dann auch noch so souverän die Meisterschaft sicherte, spricht für den breiten Kader, und für Spallettis Spielphilosophie. Wir werden hier noch näher auf Luciano Spalletti eingehen, wie wir es bereits in der Vergangenheit gemacht haben, aber auch auf die anderen Erfolgstrainer, selbst wenn der ganz große Wurf am Ende dann fehlte…
Luciano Spalletti schaffte es, diese drei Leistungsträger im Sinne des Kollektivs richtig einzusetzen, bei der SSC Napoli rannte jeder für jeden, stopfte Lücken, und ließ sich auf Spallettis System ein. Und Spalletti kann eine Menge verlangen von den Spielern, doch sie sehen, es fruchtet…
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Die AS Roma mit Coach José Mourinho konnte in dieser Saison dann doch keinen Titel holen, immerhin schafften es die Römer noch hinein in die Europa League. Tage zuvor verloren sie unglücklich nach Elfmeterschießen gegen Sevilla in Budapest. Nichtsdestotrotz, nach dem erstmaligen Sieg des Cups in der Conference League im vergangenen Jahr, und dem abermaligen Einzug in ein europäischen Cupfinale, hat „Hexenmeister“ Mourinho abermals unter Beweis gestellt, dass er auch mit jungen, relativ unbekannten Spielern, oder einem eher mittelmäßigen Kader, (was den Kaderwert betrifft), großes leisten kann. Wir werden auf „Mou“ zurückblicken, wie er nach der Niederlage reagierte, und wie er die Seinen wieder aufbaute. Die Capitale mit der AS Roma und deren Tifosi stehen absolut hinter Mourinho, und wollen auch, dass er seiner Arbeit in Rom, am Clubgelände Trigoria, weiter nachgeht. Angebote von überallher flatterten bereits herein, aber ich glaube auch, dass Mourinho mit einem besser aufgestellten Kader noch etwas Großes in Rom erreichen möchte.
Es hört sich paradox an, sagte Mourinho unmittelbar nach dem verlorenen Finale von Budapest gegen Sevilla, ein Glück habe man sich (noch) nicht für die Champions League in der Serie A qualifiziert – aber, so Mourinho, der Kader, oder besser, die „Kadertiefe an Qualität“, wäre noch nicht reif für die Champions League. Fünf Finals hätte er gewonnen, und dieses Finale nun eben verloren, aber noch nie sei er „so stolz zurückgekehrt…“ – das habe er, Mourinho, auch seiner Mannschaft im Spielerkreis gesagt, während der FC Sevilla bereits den Sieg nach Elfmeterschießen feierte, „Ihr habt alles gegeben, manche Spiele gehen eben so aus. Es war knapp, aber wir haben uns nichts vorzuwerfen. Man kann uns alles nehmen, das Ergebnis, das Finale, aber niemals die Professionalität und den eigenen Stolz, für diese Stadt, für diese Mannschaft zu spielen!“
Da war er wieder, Mourinho, der Motivationsguru und Psychokrieger. Für dieses Team, für diese Spieler, wolle er in Rom bleiben. Doch, wie wir alle wissen, kann es im Fußball immer sehr schnell gehen.
rbt
Aber, Mourinho passt auf jeden Fall in diese italienische Serie A, er wertet sie auf, so wie er die AS Roma aufgewertet hat… (auch wenn der Stadtrivale die SS Lazio, Vizemeister wurde, und tatsächlich in der CL spielt – Coach hier: Maurizio Sarri, der wiederum überzeugt ist, mit Lazio die Vizemeisterschaft erreicht zu haben, sei weit schwieriger gewesen, da Lazio nicht über so individuell starke Spieler wie die AS Roma verfügen würde. Klar hat Sarri auch hier Großes geleistet! Die Rivalität belebt das Geschäft, und die Fußballstadt lebt).
Es war bereits der zweite Abend, und wie immer ein ‚Großes Hallo‘ von Fußballbegeisterten, aber nicht nur…
Doch lest selbst, wie diese Idee entstanden ist:
#PerCarità und #Fundstück
CalcioECucina
@pizzeria.ionio @snake308
#PizzeriaIonio #Welzheim >> Welzheim. Die besten Ideen entstehen wie so oft: spontan. So ging es auch zwei fußballverrückten Italienern, der eine Enzo Sollazzo, Junior-Chef der traditionsreichen Pizzeria Ionio in Welzheim, und Giovanni Deriu, ehemaliger Integrationsbeauftragter für Welzheim, Kaisersbach und Alfdorf. Beide aber kennen sich schon über zwei Jahrzehnte. Hinzu kommt, dass Enzo Sollazzo ein bekennender Interista, also Inter-Mailand-Fan ist, und Deriu ein Juventino (Fan der „alten Dame“, Juventus Turin). Das aber tat der Freundschaft nie einen Abbruch, obwohl man sich natürlich immer mal wieder gegenseitig aufzieht. Ein großerFreund und Kumpel, aber leider mit einer großen Macke, er ist ein Interfan, oder eben „Juventino“, sagt der eine über den jeweils anderen.
Das Derby d’Italia, des italienischen Calcio, Juventus gegen Inter, stand also an, unddas wollten Sollazzo und Deriu unbedingt gemeinsam ansehen, aber nicht ganz allein.
Die Pilot-Idee war entstanden, das Ionio für Liebhaber des italienischen Fußballs und natürlich der Küche, zu öffnen. So war das Motto, Calcio e Cucina, schnell geboren, geplant, und die Gäste eingeladen. Und sie-he da, die Freunde und Bekannte kamen, sahen und feierten miteinander.
Darunter Fußballtrainer aus dem Schwäbischen Wald, aber auch aus dem Remstal und Ostalbkreis. Neutrale Beobachter des Spiels waren auch da, und so saßen Schwaben sowie hier beheimatete Italiener, Kroaten, Rumänen sowie türkische Fans und Griechen nebeneinander, aßen zusammen und, ja, fachsimpelten über den Fußball. (…) <<
Die Ionio-Chefin, Mamma Sollazzo, streift Massimo di Benedetto die Kapitänsbinde von Zannetti über.So einen interkulturellen und genussvollen Fußballabend, lässt sich mein ehemaliger Kollege, und ZVW-Redakteur, Jörg Hinderberger, auch nicht nehmen. Toll, dass er persönlich samt Fotograf vorbeischaute!
Wobei wir festhalten, Erfolg ist immer relativ. Es kommt natürlich auf die Spielerstärke und den Kader an (viele sprechen von „Spielermaterial“, was irgendwie unpersönlich wirkt). Carlo Ancelotti, ein wahrer Meister- und Champions-League-Trainer, wurde von mir ausreichend über Jahre analysiert – und es wurde auch sichtbar, wie dieser Coach, früher selbst Spieler von Weltformat, gewachsen ist. Auch aus einer weniger erfolgreichen Phase, gewann er Erkenntnisse durch eine knallharte Selbstreflektion – eine Stärken-Schwäche-Analyse quasi…
Egal, in welcher Liga ein Trainer trainiert, im Profibereich, bei den Junioren oder im Amateurbereich: Man muss den Job lieben, Vorbild sein, sein Team und all die Spielercharakteren und deren fußballtechnischen Talente, gut analysieren und kennen. Die Kunst ist wirklich, die Spieler auf die jeweilig passende Position zu setzen. Wohl dem, der polyvalente Spieler hat, die zwei bis drei Positionen sehr gut ausfüllen können. Aber auch Das, muss erst einmal erkannt werden…
Die Fußball-AG und ihre neue Konzeption an der Schloss-Schule Kirchberg – DER BALL ROLLT WIEDER
29.09.2021
News
Auch im Fußball zählt, „was das Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmermehr“, so hieß auch das Motto des, leider schon verstorbenen Trainers und Fußballlehrers, Thomas Albeck (einst Jugendkoordinator, NLZ-Leiter beim VfB Stuttgart und RB Leipzig), der auch Übungsleiter und Mentor, Giovanni Deriu, an der Sportschule des WFV, in Ruit, ausgebildet hat.
Dass der Fußball die Massen anzieht, auch immer für Gesprächsstoff sorgt, sowie stets Kinder und Jugendliche motiviert, sich ganz nach ihrem Können zu betätigen, ja, ihren natürlichen Bewegungstrieb und ihre Motivation zu kicken und zu bolzen, anregt, ist unbestritten. Gib den Kindern einen Ball und Du wirst sehen, dass sie sofort mitmachen und jegliche Barrieren oder kulturelle sowie sprachliche Hindernisse überwinden. Der Fußball verbindet.
Das ist auch das erklärte Ziel der Fußball-AG, unter der Leitung von Giovanni D. und Matthias Kamml, im Fußball zwar die essentiellen Basics, aber vor allem Spaß, Sport und Fairness zu vermitteln. Man könnte auch sagen, „Gemeinsam wolle man lernen, mit Anstand zu gewinnen, aber auch verlieren zu können“.
Zwei Mal pro Woche findet das Fußballspielen in der AG unter fester Anleitung statt, mit einem Intro-Training in verschiedenen Spielformen und Übungen, die der Schnelligkeit, Koordination und dem Ballgefühl dienen. Jeder Teilnehmer soll nach seinen Fähigkeiten angeleitet und auch verbessert werden, denn nur so macht das gemeinsame Kicken am meisten Spaß, wenn der Spieler selbst auch Fortschritte bemerkt.
Für Schüler, die in ihrer Heimat, fest einem Verein und einer Juniorenmannschaft zugehören, dient die Fußball-AG auch dazu, weiterhin im Trainingsfluss zu bleiben, sich fit zu halten – gern bestätigen wir das auch dem Heimatclub und sprechen uns mit dem Trainer ab oder legen den Schwerpunkt auf gewisse Übungen.
Außerdem ist uns auch die bestehende Kooperation mit dem hiesigen Verein, die TSG 1861 Kirchberg, sehr wichtig. Vielleicht möchte sich ja der eine oder andere Internatsschüler auch seinen Klassenkameraden hier in Kirchberg anschließen?
Die Fußball-AG soll natürlich auch ein Stück weit wettbewerbsfähig sein, die AG-Mannschaft der Schloss-Schule wird auch an Freizeitturnieren und Freundschaftsspielen teilnehmen und es werden Kontakte zu anderen Internaten, organisatorisch in den Händen von Matthias K., hergestellt. Neben den Fußballspielen sollen auch neue Sportkameraden kennengelernt werden, sowie Regionen und Städte, wenn das Team mal Reisen in andere Gegenden antritt.
Unter der Woche können sich die Spieler auch außerhalb der AG-Zeiten den Ball schnappen und gemeinsam frei kicken, aber die Leitung der AG, mit Mentor Giovanni D. garantiert, dass immer ein diensthabender Erzieher und Mentor in regelmäßigen Abständen die Aufsicht übernimmt.
„Alles was ich im Leben über Moral oder Verpflichtungen des Menschen gelernt habe, verdanke ich dem Fußball.“ Dieses Zitat wird dem Schriftsteller und Philosoph, sowie Literatur-Nobelpreisträger, Albert Camus, zugeschrieben, der im Übrigen auch als begeisterter Torhüter galt.
Dass die Mentoren und Leiter der Fußball-AG, samt Betreuer und Erzieher, wie z. B. Mouad B. und Valerio S., selbst international sind und eigene Schwerpunkte miteinbringen, versteht sich selbstredend.
Was die Mentoren und Anleiter von den Schülern und Teilnehmern/innen, (Schülerinnen sind natürlich ebenso willkommen!), verlangen, nicht nur im sportlichen Bereich, sondern auch im sozialen Umgang miteinander, der stets von Respekt vor dem anderen geprägt sein soll, müssen die Übungsleiter natürlich selbst auch vorleben und das ist eine Selbstverständlichkeit.
33 Jahre nach dem letzten Meistertitel zollen auch die abgehängten Topfavoriten aus dem hohen Norden, nämlich die ‚Vecchia Signora‘ und Rekordmeister Juventus Turin, der AC Milan sowie Inter Mailand den Neapolitanern ihren ganzen Respekt.
Man könnte auch sagen, der Vesuv ist ausgebrochen. Hell erleuchtet der späte Abend bis weit nach Mitternacht, rote und orangefarbene, aber auch blau-weiße bengalische Sprühfeuer vernebelten das Stadion in Udine, wo die SSC Napoli ein 1:1-Unentschieden bereits reichte, um die italienische Meisterschaft, den Scudetto (Annäher auf dem kommenden Trikot und Trophäe in den italienischen Farben), unter Dach und Fach zu bringen.
Fünf Spieltage sind zwar noch zu absolvieren, aber die Fußballerische Sportgesellschaft, SSC Neapel, ist nimmer einzuholen. Das nennt man souverän. Und dieses Mal, 33 Jahre nach dem letzten Meistertitel, zollen auch die abgehängten Topfavoriten aus dem hohen Norden, nämlich die ‚Vecchia Signora‘, alte Dame, sowie Rekordmeister Juventus Turin, der AC Milan und Inter Mailand den Neapolitanern ihren ganzen Respekt. Vorbei die arroganten Zeiten von einst, als die norditalienischen Sport-Gazzetten mit einem Anflug von Ressentiments noch titelten: „Nordafrika gewinnt die Meisterschaft“.
Der Weg zum Meistertitel war lang und steinig, aber steter Tropfen höhlt den Stein, die Stadt lebt Fußball wohl wie keine andere, die SSC-Fans, Tifosi in Italien wie die Immigranten im Ausland, würden für ihre Squadra di Napoli sterben. Für ihre Stadt sowieso. Neapel sehen und sterben eben. Auch als Juve-Sympathisant und Schreiber dieser Geschichte muss ich gestehen, Hafen und Golf Neapel hält einen in Atem. Und der Fußball ist das Lebenselixier dieser Stadt.
Das Match in Udine verfolgten dann auch über 60.000 Zuschauer, Fans und ganze Familien im ‚Stadio Diego Armando Maradona‘, wo unmittelbar nach dem Schlusspfiff alle Dämme brachen. Raketen und Bengalos, Silvester im Mai. In der Stadt herrschte weit nach Mitternacht noch Chaos, der Verkehr stillgelegt, aber auch das ist Neapel pur.
Napoli ohne Diego Maradona, der argentinischen Legende und Weltmeister? Nicht auszudenken. Maradona, dessen Tod bis heute betrauert wird, wachte über diesen SSC Napoli. Da sind sich alle Tifosi einig. Maradona, ob als Statuetten, Handpuppen oder auf den großflächigen Wänden, den Murales (eine Attraktion für jeden Touristen), ist in Napoli omnipräsent. Maradona ein Argentinier? Nein, eher ein Neapolitaner, von den Fans und der Stadt längst adoptiert. Unvergessen, als die Stadt und Fans bei der heimischen Weltmeisterschaft 1990 ausgerechnet im Halbfinale gegen Argentinien ihrem Maradona und nicht den Azzurri die Daumen drückten. Wir erinnern uns, Deutschland wurde später gegen Argentinien Weltmeister. Tempi passati.
Wie ist denn das kleine Wunder der Serie A nun zu bewerten? Mit Chefcoach Luciano Spalletti, der auch Erfolge in Russland mit St. Petersburg feierte und davor die AS Roma wiederholt in die Champions League brachte, sorgte ein Mann endlich für ein Teamkollektiv auf und neben dem Platz. Einen weiteren Maradona gab es wohl nicht, aber hungrige Talente und Spieler, die es allen zeigen wollten. Intelligent und mit vollem Einsatz setzten sie ‚Mister‘ Spallettis System um, das auf eine geordnete Abwehr und viel Laufarbeit baut.
Die Idole und Rekordtorschützen Lorenzo Insigne und der Belgier Dries Mertens mussten wohl tatsächlich erst für diesen Riesenerfolg Platz machen. Spalletti, der bei aller Euphorie sachlich und demütig blieb, meinte, er habe auf der Arbeit von Maurizio Sarri (jetzt Lazio Rom) sowie Carlo Ancelotti (Real Madrid) aufgebaut. Und wer schoss die Tore? Da wäre Victor Osimhen, der Maskenmann aus Nigeria, der nach einer Verletzung seinen Carbonschutz als Glückbringer weiterhin wie eine Brille aufzog und einst beim VfL Wolfsburg als ‚untauglich‘ weitertransferiert wurde. Osimhen, so Experten, sei noch ein größerer Allrounder im Angriff als Erling Haaland. Dann wäre da noch der Mittelfeldmann und Stürmer aus Georgien, Chwitscha Kwarazchelia. Wer kannte den schon? Über zehn Tore steuerte auch er bei. Trickreich wie ein, nun ja argentinischer Rastelli.
Ohne Geld, ja Millionen, kam auch der neue italienische Meister Napoli nicht aus. Team und Staff kosten. Der Präsident und Mäzen, Aurelio de Laurentiis, ein gebürtiger Römer, aber Wahlneapolitaner liebt seine SSC. Der graumelierte Presidente, 73, machte ein Vermögen als Filmproduzent und Aufkäufer alter Schinken. Kurz, Aurelio de Laurentiis verkauft Träume. Und schon vor der Entscheidung von Udine meinte er auf dem Pressepodium ganz trocken: „Unser Erfolg ist auch ein Erfolg über den gekauften Fußball. Wir haben immer solide und ehrlich gewirtschaftet …“, ein Bodycheck gegen Juventus Turin, dem erst 15 Punkte ab- und dann wieder anerkannt wurden – finanzielle Ungereimtheiten, Bilanztricksereien en passant.
Der Fußball lässt auch die Politik in Italien nie kalt. Vize-Premier Matteo Salvini, bekennender AC Milan-Fan und eifriger Stadionbesucher, gratulierte der SSC und allen Fans zur „überverdienten Meisterschaft, dem Scudetto“, und Neapels Bürgermeister, der parteilose Gaetano Manfredi, vor Jahren auch schon Minister für Forschung, hob die Stadt durch den Erfolg aufs neue Siegerpodest: „Es ist auch ein Sieg der Menschen hier. Der gelebte Erfolg einer weltoffenen Stadt …“, zudem ein Beispiel für die Menschen im Süden. Endlich andere Schlagzeilen als nur Erdbeben, Müll und die Camorra, die Mafia am Vesuv. Mit Teamgeist schaffe man alles.
Das denkt auch Trainer Spalletti. In der Champions League wolle man wieder weit kommen. Nein, am besten gleich gewinnen, sagt Präsident und Filmemacher De Laurentiis. Für die Träume, ist er natürlich zuständig. Und träumen tun sie in Neapel gern.
TE-Autor Giovanni Deriu ist Kenner der italienischen Serie A, beobachtet und analysiert diese seit über 30 Jahren.
Wie schon seit einigen Jahren, sind auch wir bei renommierten und internationalen U19-Bundesliga-Cup der KSK in Schwäbisch Hall stets dabei, und berichten auch: Hier mit BVB-Coach Mike Tullberg und Scouting-Kollege und Freund, Matthias Kamml (ebenfalls aus der Pädagogik kommend).Hier mit dem BVB-U19-Co-Trainer, Daniel Rios Ramirez, Tullbergs Assistent und sehr guter Analytiker. Tullberg und Rios ergänzen sich beim aktiven „Coaching“ genial.