INTERVIEW
„Kopiert wird bei uns nicht“
Ernst Tanner über die Uefa Youth League, Ralf Rangnick und das „Tracking System“ im Jugendfußball. Teil 2 des Interviews mit dem Nachwuchsleiter von Red Bull Salzburg. Interview Giovanni Deriu.
Teil 2, der Juniorenfachmann spricht: Um Leistungen abzurufen, muss die Umgebung stimmen weiterlesen
Teil 1, Der Juniorenfachmann spricht: Menschliche und fußballerische Ausbildung ist wichtig

und Geschäftsführer der Nachwuchsabteilung von RB Salzburg, kennt flache Hierarchien und Kreativität.
Einfluss im Jugendbereich und Restriktionen
Die Beliebtheit eines Internatsplatz‘: Aber nur die besten Talente erhalten einen begehrten Ausbildungsplatz
Woran man ggf. ein Talent erkennt? Ein großes Fußballtalent? Wahrscheinlich, wenn das Juniorentalent bereits im U16-Bereich einen begehrten Internatsplatz bei einem großen Club erhält. Was bedeutet die Definition, ein großer Club?
Nun, ein erfolgreicher Verein, der zum Beispiel bekannt ist für seine hervorragende Jugendarbeit. Es kann auch ein kleinerer Verein mit wenigen Titeln sein, aber erfolgreich im Ausbilden von Juniorenfußballern bis hin zu den Profis. Selbst wenn diese Talente dann später verkauft werden. Immerhin amortisierte sich die Ausbildung, die immer „teuer“ ist. In Deutschland wird ganz hart kalkuliert, wie ich schon an anderer Stelle im Blog erwähnte, beziffert sich die Ausbildungssumme samt Internatsplatz auf bis zu 40 000 €. Pro Jahr.
Im Ausland, so meine bisherigen Erfahrungen, traut man Talenten bereits früher etwas zu, so bekommen z. B. in England nicht nur Auswahlspieler einen begehrten Internatsplatz in einer Academy. Oder manchmal die Kaderzusage, und einen Platz bei einer Gastfamilie, was auch immer populärer wird. Einfluss im Jugendbereich und Restriktionen weiterlesen
In memoriam: „MV“ – Mit allen Wassern gewaschen! Zwischen Kritik und Erfolg. Nun ist Gerhard Mayer-Vorfelder gestorben.
FUNKTIONÄR
„Meinen Skalp hat keiner am Gürtel“
Ein erzkonservativer Politiker, der als Fußballfunktionär gleichwohl die Moderne einläutete: Am 3. März feierte Gerhard Mayer-Vorfelder, einst Präsident des DFB und des VfB Stuttgart, seinen 80. Geburtstag. Von Giovanni Deriu.
Ehemaliger Präsident des DFB und des VFB Stuttgart: Gerhard Mayer-Vorfelder.
Wer im Schwabenländle groß geworden ist, und zur 1970er Generation gehört, den hat Gerhard Mayer-Vorfelder nachhaltig geprägt. „MV“ war in den vergangenen 30 Jahren zwischen der allabendllichen „Tagesschau“ und Sportsendungen ebenso präsent, wie Helmut Kohl, Franz Beckenbauer oder Boris Becker. In memoriam: „MV“ – Mit allen Wassern gewaschen! Zwischen Kritik und Erfolg. Nun ist Gerhard Mayer-Vorfelder gestorben. weiterlesen
Mister Manchester United – Alex Ferguson, ein smarter Trainer
BUCH-TIPP
Vom Pubbesitzer in die Champions League
Die Autobiographie von Alex Ferguson liefert einen spannenden Einblick in die Arbeitswelt eines Topklubs. Der schottische Erfolgstrainer lässt sich nach seiner Karriere auf 430 Seiten tatsächlich in die Karten schauen.
Stolz wie ein Schotte: Alex Ferguson stellt seine Biographie vor.
Alex Ferguson, ein Großer seiner Zunft, Schotte dazu, prägte 27 Jahre das Gesicht und die Geschichte des englischen Traditionsvereins Manchester United. Ein Vierteljahrhundert lebte Alex Ferguson für ManU – dass dabei einiges an Erlebnissen zusammenkommt, ist einleuchtend. Ferguson ist aber auch immer eine streitbare Person geblieben – und so gelungen die Autobiographie von „Sir“ Alex Ferguson (erschienen im Edel-Verlag: Alex Ferguson – Meine Autobiographie) auch sein mag, gleicht sie doch an vielen Stellen einer Abrechnung mit alten Weggefährten und mit Trainerkollegen. Zwar nie richtig derb, aber subtil feinsinnig, wie „Föhn“ Alex Ferguson selbst.
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Taktikfüchse, die einst auch Praktikanten waren
PRAKTIKANTEN
Wie hat der das gemacht?
Arrigo Sacchi hospitierte bei Ernst Happel, Ralf Rangnick schaute sich Arsène Wengers Training in London an: Selbst im Spitzenfußball waren große Trainer mal Praktikanten. Von Giovanni Deriu.

Taktikfachmann und RB-Sportdirektor Rangnick
Die Generation Praktikum ist im Fußball ein alter Hut: Angehende Fußballlehrer und bereits die Teilnehmer der Vorstufe, die A-Lizenz-Anwärter, müssen zwei bis drei Monate bei Bundesligisten hospitieren. Auch ehemalige Profis wie Bruno Labbadia, Mehmet Scholl oder Stefan Effenberg standen als Praktikanten am Spielfeldrand. Am beliebtesten ist Arsenal London mit seinem Coach Arsène Wenger: Matthias Sammer, Felix Magath und Ralf Rangnick hospitierten bei Arsenal und beobachteten Wengers Training und Umgang mit den Spielern.
Jeder angehende Fußballlehrer lernt, dass der Trainer seine Spieler kennen und analysieren muss, welches Konzept am besten zu ihm passt. Nichts ist schlimmer, als eine undefinierbare Handschrift des Trainers, und ein Konzept oder Spielsystem, das die Mannschaft total überfordert. Im Profi-Fußball bleibt keine Zeit, um den Schaden zu beheben.
Ralf Rangnick perfektionierte das Pressing und Spiel gegen den Ball, weil er es verstand, die Eindrücke und Erlebnisse seiner Beoachtungen (teilweise auch stundenlang am Fernseher) des AC Milan von Arrigo Sacchi in den späten 80ern zuerst auf den Amateurfußball (SSV Ulm) herunterzubrechen, um ihn dann später noch besser in der Bundesliga zu praktizieren.
Mehrmals gab Rangnick zu, dass das Milan-Team als Schablone galt, ebenso Zdenek Zemans US Foggia. Die schaute sich Rangnick während seines Urlaubs in Südtirol im Trainingslager an. Sein Schlüsselerlebnis war als Rangnick als Spielertrainer von Viktoria Backnang gegen Lobanowskis Kiew spielte. Rangnick dachte immer, das Team von Kiew habe drei Mann mehr auf dem Platz. Als die damalige UDSSR dann in Stuttgart 1988 während der EM auch noch die Italiener vorführte, schwärmten alle vom Forechecking und Pressing der Russen – dieses Spiel kostete aber Kraft, im Finale von München siegten die Holländer 2:0 gegen die UDSSR. Gerade Goalgetter Marco van Basten und Ruud Gullit aus der Ajax-Schule waren fast ein Jahrzehnt mit verantwortlich für Milans Erfolge unter Arrigo Sacchi und Capello. Letzterer übernahm Sacchis Taktik, jedoch wiederum eine Prise defensiver. Einengen der Räume, wenn der Gegner am Ball war, schnelles Kurzpassspiel und plötzliche Steil- oder Diagonalpässe aus dem Nichts, Rangnick kopierte vieles von Sacchi, und schon war das Märchen der TSG 1899 Hoffenheim geboren. Ganze Heerscharen angehender Trainer aus Japan und China wollten Rangnicks Wunder-System in Sinsheim hautnah miterleben.
Egal ob Valerij Lobanowski oder Arrigo Sacchi, auch sie waren gute Beobachter und immer offen für neue Ideen. Ernst Happel, längst verstorben, und immer noch eine Legende in Hamburg, war seiner Zeit voraus, das gaben die Italiener gern zu, denn Ernst Happel holte den Henkel-Pott, damals der Landesmeister-Cup, 1983 gegen die favorisierte Elf von Juventus Turin. Gegen den AC Milan verloren Happels Mannschaften nie, halb Italien und Silvio Berlusconi wollten ihn holen, aber nie folgte der grantige Österreicher den Rufen der italienischen Klubs. Sacchi studierte Happels Training mit dem HSV direkt in Hamburg, und das über zwei Wochen lang. Gespeist mit eigenen Ideen und den passenden Spielern, war eine neue Übermacht geboren.
Doch alles ist vergänglich, jede Ära endet irgendwann. Milan, Inter, Barcelona und Arsenal haben das schmerzhaft erleben müssen. Ein Trost bleibt, dass auch bei den neuen jungen Konzepttrainern die Ideen von Happel, Lobanowski, Rinus Michels oder Johan Cruyff weiterleben. Ganz neu erfinden kann den Fußball niemand.
Giovanni Deriu, 43, Freier Journalist und DaF-Dozent
Wenn Spielerberater und Agenturen übertreiben- oder, falscher Ehrgeiz schadet immer

Neymar – eine ganz neue Spielergeneration
FUSSBALLBÜCHER als Geschenkidee
Neymar senior über Pelé 2.0
Die Biographie des brasilianischen Wunderknaben ist als Dialog mit seinem Vater, der seine Profikarriere früh beenden musste, angelegt. Von Giovanni Deriu. www.rund-magazin.de

Die ganze (Fußball-)Welt nahm Anteil, als sich Neymar im Viertelfinale gegen Kolumbien verletzte. Warum das Schicksal des brasilianischen Wunderknaben so viele bewegte, kann man nur verstehen, wenn man einen Blick in die Biographie von Neymar da Silva Santos Junior, also Neymar Junior, wirft. Kurz, in einem von Beginn an eher mittelmäßig aufspielendem brasilianischen Team galt Neymar als „Heilsbringer“. Der Druck um das Team von Trainer Felipe Scolari war immens, doch als der brasilianischen Selecao quasi ihr Rückgrat brach, weinte nicht nur Neymar vor Schmerzen auf – er hatte durch Juan Zunigas krudes Foul einen Wirbelbruch erlitten. Fans in aller Welt ahnten, dass damit der brasilianischen Elf das Herzstück und die Kreativität verloren gegangen war.
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Ein authentischer Holländer im Schwabenland! Wird er zum VfB-Retter?
BUCH
Trainer des Jahrhunderts und Vier-Minuten-Meister
Mit Schalke holte er den Uefa-Cup und 2001 fast den Titel, nun ist er zurück beim VfB Stuttgart: Die Biographie von Huub Stevens kommt dem Menschen recht nah, geschrieben hat sie der Niederländer Theo Vaessen, erschienen ist die Biographie im riva-Verlag. Eine Rezension von Giovanni Deriu.
Der Autor kennt seinen Protagonisten schon sehr lange. Der vielgereiste Theo Vaessen beobachtet Huub Stevens seit den Zeiten, als der als 16-Jähriger bei Fortuna Sittard spielte. Im WM-Jahr 1974 war das. Aus zahlreichen Gesprächen mit Stevens sowie dessen Umfeld entstand dieses Buch, das schlicht: „Huub Stevens“ betitelt ist.
Nicht immer waren holländische Trainer in der Bundesliga beliebt (wenn auch erfolgreich) – man denke nur an Rinus Michels, den „General“ in Köln und Leverkusen, immerhin Pokalsieger – oder Aad de Mos bei Werder Bremen, der nach nur einem Jahr im Amt als Nachfolger von Otto Rehhagel entlassen wurde. Anders Huub Stevens. Dass es quasi gleich auf Anhieb bei den Schalkern klappte, lag vielleicht auch an Stevens‘ Herkunft selbst:
Huub entstammt als dritter Sohn einer Grubenarbeiterfamilie. Vater Joseph Stevens, später kam er in Belgien ausgerechnet bei einem Autounfall durch einen deutschen Lkw-Fahrer ums Leben, arbeitete 30 Jahre lang in der staatlichen Grube Staatsmijn Maurits, und baute in mehreren hundert Metern Tiefe Kohle ab. Stevens erinnerte sich: „Vater ackerte wie ein Pferd …“. Die Familie war nicht reich, aber niemand durfte es wagen, sie als arm zu bezeichnen. Mia, die Mutter, war das Familienoberhaupt. Und sie setzte auf Disziplin – wer nicht gehorchte, wurde bestraft – nur, so, liest man zwischen den Zeilen, könne eine Familie zusammen gehalten werden. Mit Disziplin, Pflichten – aber nicht zu vergessen, mit der Liebe einer Mutter.
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Motivator und Entdecker Massimo Morales
INTERVIEW
Morales: Twitter, Internet und die üblichen Verdächtigen
Er war Assistent von Giovanni Trapattoni in München, brachte die Fortuna aus Düsseldorf wieder in die 3. Liga und coachte Waldhof Mannheim sowie die Stuttgarter Kickers. Ein Leben ohne Fußball? Unvorstellbar für den sympathischen Coach. Interview Giovanni Deriu.

Massimo Morales im Jahre 2004 als Trainer bei Fortuna Düsseldorf
Sein Name klingt wie Musik. Und als Fußballtrainer liebt Coach Massimo Morales auch einen offensiven Rhythmus im Spiel seiner Teams. Morales ist in Deutschland, in Europa allgemein, kein Unbekannter. Vom B-Juniorentrainer der Bayern wurde er schnell ins Rampenlicht der 1. Bundesliga sowie der Medien katapultiert. Anfang der 1990er-Jahre, als sich Massimo Morales neben Giovanni Trapattoni auf der Trainerbank wiederfand – als dessen Assistent und Dolmetscher. Dass Morales ein Auge für Junioren und Talente habe, merkten die Verantwortlichen des FC Bayern München schnell. Danach trainierte Morales gar Ghanas Junioren-Nationalmannschaft und war als Scout, unter anderem, für den AC Milan in der Serie A tätig.