Berater-Splitter: Wenn Top-Clubs schrumpfen! Und: Seriöse Berater suchen nicht die Öffentlichkeit

Ereignisse der Wechselphase / und ein Kurztelefonat mit Berater(Vermittler) Robert Brehm von fair-sport.

Und so wurden wir, vielmehr ich, wieder einmal von Eltern damit konfrontiert, dass Berater „das Blaue“ vom Himmel erzählen und versprechen, und danach nichts käme. Leider sind einige „Berater“ ziemlich unvorbereitet, denn wären ein paar Berater besser informiert und gebrieft, und hätten sie ihre Hausaufgaben gemacht, wäre den Spielern so einiges an Zeit und Enttäuschung erspart geblieben. Denn ihre Zeit müssen die Spieler gut nutzen, besonders wenn sie sich anderweitig orientieren und Probetrainings anstehen.

So bin ich durch meine Kontakte ziemlich früh im Bilde, welche Clubs noch auf „Spielersuche“ sind, oder welche Teams ihre Kaderplanung bereits beendet haben. Klar, im Auftrag der Spieler und deren Eltern (U17 bis U19) starte ich dennoch immer wieder „Anfragen“, ob vielleicht nicht doch vakante Positionen auftreten, einfach um schneller handeln zu können. Oft kontaktieren mich auch die Trainer oder Clubscouts. Ich date daher die Spieler und deren Eltern immer aktuell up!

Umso erstaunlicher, als ich neulich mitbekam, wie sich ein Berater aus dem schwäbischen Raum, aus der Ecke Reutlingen, einem Spieler wahrlich anbot, um diesen in eine bessere Mannschaft zu bringen. Von der Junioren-Oberliga nach oben quasi. From Zero to Hero! Der athletische Spieler, afrikanischer Herkunft, war (auch) in dieser Saison eine Art „Edelreservist“, ja, manchmal ein Joker, der stach. Der Stürmer machte oft seine Tore, wenn er eingewechselt wurde. Ob in Aalen oder in Hollenbach, wo er noch im Kader ist.

Jedenfalls schien nun, durch die Kontakte des „Beraters und Immobilienmaklers“, ein besserer Club drin zu sein. Ja, vielleicht die Stuttgarter Kickers (nur wusste ich damals schon, dass der Kader voll war, dennoch spielte dieser Berater mit der Kickers-Option)? Lange Zeit Stille. Dann, so berichtete der junge U19-Stürmer seinem langjährigen Bekannten und Förderer, habe ihm der Berater gar von der Möglichkeit 1860 München erzählt.

Über eine dritte Person allerdings! Sind sie nun verwirrt, liebe Leser? Also, der schwäbische Berater ließ seinen Freund, der gleichzeitig Trainer einer anderen U19-Mannschaft ist, beim afrikanischen Spieler „anklopfen“, ob dieser sich auch 1860 München vorstellen könne? Natürlich, sagte der talentierte Stürmer. (Wer wäre über eine solche Option nicht froh?).

Wieder vergingen Wochen ohne Einladung zum Probetraining (denn: auch hier waren die Kaderplanungen, zumal mit Internatsplatzvergabe, längst abgeschlossen, was mir der NLZ-Leiter bereits Anfang April bestätigte).

Und so heißen dann die „heißen“ Offerten, bis sie verglühen, oder schrumpfen:

Stuttgarter Kickers,  1860 München und am Ende TSG Balingen, wo der Trainer arbeitet, und nebenbei Spieler anderer Teams, wie den afrikanischen Stürmer, „zum Gehen“ bewegt.

Der genaue Sinn, Nebelkerzen zu werfen, speziell in diesem Fall, erschließt sich mir nicht ganz.

Denn, wer darauf spekuliert, Geld schon im Juniorenbereich als Berater oder Vermittler verdienen zu wollen, sollte zumindest gut vorbereitet sein! Es geht schließlich um die Juniorenspieler.

Profis, auch das steht fest, werden die wenigsten.

(Deshalb, liebe Berater oder Vermittler, wie die Herren Würtz und Co. : setzen, Sechs!)

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Versuch eines Interviews am Telefon, trotz netter Absage:

Begegnet bin ich Robert Brehm, Geschäftsführer und lizenzierter Spielervermittler von fair-sport in den vergangenen Jahren ein paar Mal, Smalltalk gab es immer mal wieder telefonisch oder auf den Sportplätzen, speziell wenn es um Junioren-Talente aus dem süddeutschen Raum ging. Und, nicht immer waren „meine“ Talente wirklich solche, die auch für fair-sport wirklich als Talente und Profis der Zukunft gesehen wurden. Bei zwei oder dreien vielleicht schon, aber dennoch nahm die Agentur um Robert Brehm, sowie Gründer und Gesellschafter Uli Ferber, Abstand, weitere U19 bzw. U17-Spieler aufzunehmen! Es muss einfach passen.

Für diesen Blog sowie für ein Projekt schickte ich (nicht nur) fair-sport Fragen zu. Selbstverständlich auch kritische rund um den Berater-Beruf. Viele lassen noch auf sich warten, aber Robert Brehm antwortete immerhin telefonisch, nach etwa fünf Wochen. Immerhin. Fair, wie ich finde.

Das kurze Telefonat verlief in etwa so (habe mir danach Notizen gemacht, und versuche das Telefonat so nah wie möglich wiederzugeben!):

Kurze Begrüßung – nett, dass Sie auf meine Email hin zurückrufen Herr Brehm!

Robert Brehm: Ja, kein Problem, ich würde Ihnen gern ein kurzes Feedback geben… (sprach mit gedämpfter ruhiger Stimme, wie er es immer tut)  …Ihre Fragen sind sehr interessant, aber Sie wissen doch Herr Deriu, es ist nicht unsere Philosophie, in der Öffentlichkeit zu stehen.

Ja, das verstehe ich Herr Brehm, aber gerade nach Erscheinen von Kai Psottas Buch über die „Paten der Liga“, wollte ich einfach einmal wissen, wie Sie die Berater-Branche sehen. Es gibt eben schon im Juniorenbereich viele unseriöse Berater und nur wenige seriöse unter ihnen…

R.B. : Sie wissen aber auch, dass der Reporter Psotta nur mit wenigen und vor-ausgesuchten Beratern der Branche sprach, die, die sprechen wollten…

Ja, das ist es ja, in dieser Branche wollen viele nur anonym Auskunft geben, darauf weist Psotta im Buch hin… als wäre diese Branche per se  unseriös. Warum alles heimlich und anonym?

R.B. : Das müssen Sie die Berater fragen. Wichtig ist, dass man eine Philosophie und Linie fährt. Ich arbeite sehr gern im Hintergrund. Ich will nicht in den Medien stehen, und möchte meine Arbeit auf die Spielerbetreuung fokussieren. Wir bei fair-sport schauen nicht auf andere Berater und Agenturen auf dem Markt. Damit fahren wir seit Jahren ganz gut.

Okay, ich möchte Sie nun nicht länger aufhalten, aber sind Berater denn im U17 oder U19 Bereich tatsächlich nötig?

R.B.: Jeder geht anders damit um. Wir beobachten und analysieren sehr lang, bevor wir einen Juniorenspieler, eher ab der U19, unter Vertrag nehmen. Es ist auch immer eine Kostenfrage, und das sage ich, obwohl es unserer Agentur bestimmt gut geht. Man muss natürlich einiges investieren und weiß nicht, ob das Talent mit 15, oder 16 Jahren auch noch eines mit 18 oder 19 ist. Karriere-Wege verlaufen sehr unterschiedlich. Wir sind der Meinung, junge Talente sollen sich frei entwickeln, ohne zu viel fremden Input von Außen…

Danke noch einmal für Ihren Rückruf. Tschüß.

Tschüß, Herr Deriu.

*Anmerkung: Die Berater der fair-sport  Agentur, vor allem Robert Brehm, gehören zu den leisen und „unaufgeregten“ der Branche. Brehm sieht und hört man kaum. Auf den Sportplätzen, nationalen wie internationalen, kann man ihn mitunter übersehen. Aber wirken tut er dennoch.

Die FAIR-SPORT hat ihren Sitz in Aspach unweit von Stuttgart, und ganz nah an Backnang. Ihr Gründer Uli Ferber, Hotelier/Sportmanager und mit der Schlagersängerin Andrea Berg verheiratet, wurde als Manager und Berater von Mario Gomez und Alexander Hleb bekannt. Knapp 10 Mitarbeiter umfasst das fair-sport-team. Die Anzahl der betreuten Spieler ist überschaubar, was eine adäquate und enge Zusammenarbeit sowie Betreuung zulässt.

Schlagworte der Agentur (wie bei zig anderen auch): Karrierplanung, Management, Beratung – der Spieler soll Talent, Willen und Charakter mitbringen, um den Rest kümmert sich fair-sport!

Anmerkung: Die Agentur sucht sich ihre Spieler selbst, beobachtet diese aber intensiv, und muss ganz selten auf Scouts von außen zurückgreifen.

 

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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