Fußball, Champions-League-Finale: In zehn Jahren – von Arezzo in der Serie B nach Cardiff. Und ein paar Spieler sind noch dabei…

I T A L I E N  hatte 2006 fulminant und dennoch irgendwie typisch italienisch die Weltmeisterschaft in Deutschland gewonnen – im Halbfinale wurde die DFB-Elf mit 2:0 nach Verlängerung besiegt (Grosso und Del Piero), im Finale brauchten die Azzurri gar das Elfmeterschießen gegen Frankreich. In Italien und bei den Fans brachen alle Dämme. Die Squadra Azzurra hatte dem italienischen Fußball seinen Stolz zurück gegeben – aber schon damals gärte es im Kessel, Calciopoli, der Manipulationsskandal war bereits aufgedeckt, und bald darauf wurden die Strafen verhängt: selbst die altehrwürdige Dame Juve musste in die Serie B zwangsabsteigen, und dort mit Minus neun Punkten starten, gleich nach dem WM-Titel. Aber, JUVE (er-)trug es mit Fassung, die Vereinsführung wollte einen Schlussstrich unter dieses erbärmliche Kapitel (um Ex-Manager Luciano Moggi und Antonio Giraudo) ziehen, und einen sofortigen Neustart initiieren, wenn auch weiter unten. Auch weil ein paar Stars gehalten werden konnten, die bis heute noch sehr verehrt werden bei den tifosi, gelang der sofortige Wiederaufstieg aus den Niederungen des italienischen Fußballs. In Cardiff gegen Real Madrid soll der zehnjährige Zyklus geschlossen werden.

    Juve hatte auch so Geschichte geschrieben, mit einem 5:1 über Arezzo auswärts machte die Alte Dame den Aufstieg perfekt. Juventus Turin hatte die Strafe abgegolten und war wieder in der Serie A. Die Wiedergeburt des neuen Juventus startete dort: am 19. Mai 2007 erzielten Alessandro Del Piero und Giorgio Chiellini jeweils zwei Treffer, den letzen setzte Goalgetter David Trezeguet in die Maschen.

Am Ende war Juve mit 85 Punkten aus 42 Spielen aufgestiegen. Sage und schreibe 28 Siege, zehn Unentschieden und nur vier Niederlagen standen zu Buche. Und das, obwohl Juve mit minus 9 Punkten gestartet war. Wie auch die 2. Bundesliga, gewinnt man die Serie B eben nicht einmal so en passant. Gegen das „verhasste“ Juventus wollte jeder Gegner siegen – allein, die Mittel hierzu fehlten dann doch.

Und die Juve-Fanszene erstreckte sich wie heute und seit Jahrzehnten übers ganze Land. Es gibt (auch bei Juve) noch einige Spieler, die aktiv sind, wir stellen hier ein paar vor, die damals die Juventus-Biografie mitgestaltet hatten. Einige Legenden darunter, weil sie sich nicht zu schade waren, in der Serie B anzutreten.

Als da wären:

Natürlich „Gigi“ Buffon, Torspieler-Mythos ganzer Generationen. Auch Manuel Neuer wurde von Buffon beeinflusst. Weltmeister wurde er bravourös, er erlebte in den zehn Jahren quasi alles mit Juve – auch die sechs Meisterschaften in Folge. Aber dass Gigi nun auch noch mit 39 Jahren im Kasten steht, hat einen Grund: der Pott der Champions-League fehlt ihm noch, in Berlin vor zwei Jahren gegen FC Barcelona (1:3) reichte es (noch) nicht… Abwehrrecke Giorgio Chiellini, mit der wichtigste Mann in der Abwehr-Achse B-B-C. Bonucci, Barzagli und eben Chiellini. Giorgio Chiellini schaffte es eben in diesen Jahren seit der Serie B, wo er anfing zu wachsen, zu einem der besten Abwehrspielern zu reifen. Vielleicht ist er gerade mit Bonucci und Barzagli auf dem Höhepunkt, die Juve-Abwehr gilt als beste der Welt! Chiellini erklomm über die Jahre eine Hierarchiestufe nach der anderen… ein Vorbild und Idol bei Juve.

Claudio Marchisio, auch ihn mag man aus dieser Mannschaft nicht mehr wegdenken. Claudio ist in den Jahren mit Juve gewachsen, und spielte als Achter und kreativer Wasserträger neben Leuten wie Andrea Pirlo, Vidal, Pogba, Khedira und eben Pjanic. Il Principino, der kleine Prinz, begehrte gegen Del Piero nie auf, er fand seine Rolle dennoch. Marchisio hat ein enormes spielerisches und taktisches Talent und Spielverständnis.

Der Tscheche Pavel Nedved ebenso ein Idol, auch die tschechische Furie genannt, weil Nedved kaum zu stoppen war, wenn er zu seinen Dribblings ansetzte. Nedved ist ein tschechischer Italiener geworden. Er ging mit Juve in die Serie B, und ist heute noch ein Bindeglied im Club als Funktionär und Bord-Mitglied im Vorstand. Er nimmt auch eine Art Team-Manager-Position ein, und kommt bei den Fans bestens an. Am Hauptsitz von Juve, dem Corso Galileo Ferraris, schätzt man Nedved auch als wichtige Quelle mit Kontakten nach Tschechien und die Slowakei, wo auch immer Talente erblühen.

David Trezeguet gilt bei Juventus noch heute als bester ausländischer Torschütze, wo er in zehn Jahren weit über 140 Tore in allen Wettbewerben erzielte. Auch in der Serie B war er dabei. Eine Legende noch heute in Turin, Weltmeister wurde Trezeguet 1998 mit Frankreich, und 2000 gar Europameister gegen Italien. Danach wechselte er zur alten Dame. Jonathan Zebina, kam damals von der Roma 2004 zu Juventus, und er blieb bis 2010, ehe Zebina wieder über Brescia nach Frankreich zurück ging. Dort spielte er für Brest, Toulouse und Avignon, mit 37 zog er sich zurück.

Der Uruguayer Marcelo Zalayeta bleibt ebenso in bester Erinnerung bei den tifosi, immerhin erzielte der Angreifer in 160 Spielen 34 Tore. Danach wollte er in seiner Heimat nur noch seinen Gemüseladen am Laufen halten. Neben Cristiano Zanetti, der bei Juve zwischen 2006 und 2009 im Mittelfeld den Takt angab, und dann über Florenz zu Carrarese wechselte (und dort die U23 trainierte), spielte auch ein Original und Fußballprofi durch und durch, den wir auch aus Deutschland kennen, für Juventus, nämlich Robert Kovac. Richtig, er ist der Bruder des Eintracht Frankfurt-Coach Niko Kovac, und Robert ist heute auch der Assistent des Bruders. Beide waren lange kroatische Nationalspieler, und Robert spielte bei der Alten Dame von 2005 bis 2007, bekam also den ganzen Schlamassel um den Club mit. Auch er wird verehrt, weil er Juve auch in der Serie B treu blieb. Leider war Robert Kovac öfter verletzt, und so wechselte er noch zu Dinamo Zagreb und nach Dortmund. Frankfurt hat somit heute auch ein bisschen das Juve-Winner-Gen im Team…

Dalla B a Cardiff. Che fine hanno fatto 10 anni dopo i protagonisti della serie cadetta?

Veröffentlicht von

Giovanni Deriu

Giovanni Deriu, Jahrgang 1971, Vater, 2 Kinder, lebte lange Zeit in Asien; Dipl. Sozialpädagoge (FH) für Jugend- und Erwachsenenbildung, sowie Biographie-Arbeit. Außerdem: Industriekaufmann und gelernter Journalist. Schreibt regelmäßig für das RUND Magazin. Fünf Jahre als Juniorentrainer tätig gewesen mit Jugendtrainer-Lizenz. In Hongkong die Junioren einer internationalen Soccer-Academy trainiert. Weiterhin als Scout (für Spiele und Spieler) unterwegs. Deriu analysiert für Spieler und Eltern die Spielerberater (und Agenturen), erstellt Profile und gibt Einschätzungen.

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