Profi- und Juniorenfußball – Sandro Stuppia hat sich einen Namen als erfolgreicher und akribisch arbeitender Nachwuchstrainer gemacht. Dabei setzt Stuppia auch auf (s)eine bewährte Formel…

Sandro Stuppia, 36, spricht eigentlich ungern über sich selbst. Seinen Erfolg, und dessen Arbeit, so Sandro Stuppia, sollen andere bewerten. Jedenfalls geht der Italoschwabe in seiner Arbeit als Trainer komplett auf. Der gelernte Industriekaufmann und -Mechaniker, im Besitz der Uefa-A-Lizenz (die Vorstufe zum Fußballlehrer mit dem Uefa-Pro-Schein), hat schon einiges erlebt, Talente nach vorn gebracht, und auch ein paar Titel gesammelt. Außerdem war er als Co-Trainer Teil der Profimannschaft des VfR Aalen, in der 3. Liga. Seit rund acht Jahren begleiten wir Sandro Stuppias Karriere. Seine Schritte im gehobenen Juniorenfußball, sowie bei den Profis, waren von Engagement und tiefen Emotionen geprägt. Jedenfalls bleibt es spannend, den Weg des deutschitalienischen Trainers weiter zu begleiten. Dass ihn schon etliche Clubs in ihrem Datenpool aufgenommen haben, wissen wir aus sicheren Quellen. Sandro Stuppia nahm sich Zeit für ein Interview mit Checkfussballberater.de

Checkfussballberater.de: Hallo, Sandro, wie geht es Dir momentan, und, vorab, Herzlichen Glückwunsch zur souveränen Meisterschaft mit der U19 von Wehen Wiesbaden. Deine Handschrift war in der Hessenliga gut erkennbar…

Sandro Stuppia: Hallo, Gio, in erster Linie vielen Dank für die Glückwünsche zum „erneuten“ Gewinn der U19-Hesenliga. Zwei Jahre beim SVWW (SV Wehen Wiesbaden), mit zwei Meisterschaften in Folge, sportlich bezogen fühlt es sich richtig gut an. Leider haben wir im Anschluss die Aufstiegsspiele zur U19-Bundesliga verpasst, dennoch bin ich mit der Entwicklung jedes einzelnen Spielers und vor allem im Kollektiv sehr zufrieden. Die Implementierung unserer Spielidee hat harte und intensive Wochen mit sich gebracht. Dies wurde leider nicht mit dem Aufstieg belohnt, aber die Meisterschaft mit einem Punkterekord von 71 nimmt uns keiner mehr. 

Ein absoluter Erfolg definitiv, und im gehobenen Juniorenfußball zählt zwar der harte Wettbewerb, dem habt Ihr Euch, hast Du Dich immer gestellt, und die zwei Meisterschaften sprechen eine klare Sprache. Nichtsdestotrotz, die Mechanismen des Profifußballs zählen auch bei den Top-Juniorentrainern, wie eben bei Dir – wann hat man Dir mitgeteilt, dass man beim SVWW anders planen würde?

Der Verein teilte mit im Februar mit, sich neu aufstellen zu wollen und somit bin ich mit dem Ende des Rückspiels in den Urlaub geflogen, habe zwei Monate in meiner Heimat auf Sizilien verbracht und neben der Aufarbeitung des verpassten Aufstiegs, konnte ich neue und frische Energie sammeln, um für die nächste Aufgabe vorbereitet zu sein. Deshalb, mir geht es sehr gut derzeit. Aber ich bin auch gut vorbereitet, wenn ein Club an der Tür steht…

Du hast es selbst angesprochen, das eine sind die souverän gewonnenen Meisterschaften, das andere Ziel jedoch, über die Relegationsspiele auch noch in die U19-Bundesliga aufzusteigen, wurde leider verpasst. Woran lag es letztendlich?

Am Ende des Tages entscheiden Details den Ausgang solcher Begegnungen, die mit voller Vorfreude und Emotionen gelebt werden. Deshalb, neben der Tagesform finden nun mal im Spiel Phasen statt. In einer ausgeglichenen Phase im Rückspiel (1:1 Hinspiel) mit dem Chancenplus auf unserer Seite (Doppelter Alutreffer hintereinander), kippt das Spiel in der 27. Spielminute durch zwei Rote Karten in einer Aktion auf unserer Seite. Im Spiel elf gegen neun ist es kein Spiel mehr, zumindest nicht so wie wir es gerne sehen wollen. Ob berechtigt oder nicht, möchte ich nicht kommentieren. Die Glückwünsche sind nach Kaiserslautern gegangen und somit ist die Sache beendet. 

 Sind es oft nur kleine Nuancen, oder war das Gefälle in diesem Beispiel, gegen den 1. FC Kaiserslautern, dann doch zu hoch, selbst wenn man sich sehr gut vorbereitet?

Wie Du sagst, Giovanni, kleine Nuancen definitiv. Der FCK ist eine wahre Stahl- und Strahlkraft, auch im Juniorenbereich. Allein die Infrastruktur, über das ganze Jahr unter Top Bedingungen trainieren zu dürfen, ist auf langer Sicht einfach nur „gut“. Wir haben mit unseren, kleinen Möglichkeiten jedoch ohne Ausrede unser Spiel (siehe Hinspiel) erfolgreich auf den Platz bringen können. Das ist genauso gut, und umso schöner, auch wenn es etwas härter ist.

Sandro Stuppia beim Aktiven Coaching während eines Spiels…

Deine Spielphilosophie und Handschrift ist tatsächlich das 3-1-4-2-System – was nicht gleichzusetzen ist mit dem 3-5-2-System, was einige Leute und Fans jedoch glauben. Kannst Du es kurz erklären, das System, und weshalb tust Du dieses bevorzugen?

Die Dreierkette mit einer strategischen 6 ermöglicht mir, in den letzten zwei Reihen des Gegners viel Personal positionieren zu können, um in gewisse Spielprinzipien zu kommen. Aus dieser Grundordnung entsteht unsere Spielidee. Aber aufgepasst, Systeme sind für mich persönlich eher zweitrangig.  Warum? Systemunabhängig ist unser Spiel, über den Ansatz, „Grundsätze + Haltung = Spielidee“ zu gestalten, das ist meine persönliche und bevorzugte Formel. Da ich eine offensive Art und Weise meiner Mannschaften sehen möchte, und dementsprechend mit voller Überzeugung Spieler in ihren Positionsanforderung individuell stärken will, nutze ich eben die „Positionierungen“ als einen unserer Wege im Angriff, um erfolgreich spielen zu lassen. Grundformationen sind da, um organisiert zu sein. Die Formel mit all ihrem Inhalt zeichnet am Ende Mannschaften aus. 

 
Der Nachwuchsfußball hat es Dir angetan, und Du hast etliche Spieler geformt und weitergebracht. Beim VfR Aalen, warst Du Trainer der U19, hast sogar die Fußballschule sowie das Leistungszentrum geleitet, bevor Du sogar Co-Trainer der Profimannschaft wurdest, danach ging es in die Jugend-Akademie von Eintracht Frankfurt, wo Du auch ganz oben um die Meisterschaft mitgespielt hattest, und nun seit zweieinhalb Jahren beim SV Wehen Wiesbaden. Du hast den Vergleich – ist der Juniorenfußball Dein Ding, oder willst Du mal wieder zu einer Herrenmannschaft im Profibereich wechseln?

Nun bekomme ich einen kurzen Moment Gänsehaut… nicht nur wegen der aufgezählten Stationen, jedoch ist die Zeit ohne es so zu ahnen, und wahrzunehmen, wie im Schnelldurchlauf vergangen. Auch hier stelle ich fest, dass zu schnell und oftmals unüberlegt entschieden wird, wo man sich einordnen soll. Persönlich und mit voller Überzeugung auch hier sage ich Dir, dass ich „für alles OFFEN“ bin. Die Arbeit macht tierisch Spaß, von den Inhalten, die es zu vermitteln gilt, bis über die Spieler, die ich mit meinem Team entwickeln und formen darf. Das ist doch exakt das, was jeder Trainer mag. Und Träume, die haben wir Alle. Zur richtigen Zeit wird die passende Aufgabe kommen.

 Wie unterscheidet sich der Juniorenbereich, die Infrastruktur, beim SVWW im Vergleich zur Frankfurter Eintracht?

Die Eintracht ist ein Traditionsverein, um einiges größer als jeder andere Klub in Hessen. Diese Aspekte sollte man immer vor Augen haben, bevor man Vergleiche in dieser Größenordnung macht. Einen Aspekt darf man mit Sicherheit erwähnen: „die Man-Power.“ Jeder Austausch bringt eine andere Dynamik mit sich. Umso mehr Personen involviert sind, desto einfacher oder auch schwieriger gewisse Entscheidungen. Das ist ein wesentlicher Unterschied, mit denen man in erster Linie als Mensch unheimlich viel an Erfahrung gewinnt. Diese Erfahrungen haben mir sowohl die Eintracht zuvor, als auch der SVWW, geben können.

Ist die Uefa-Pro-Lizenz immer noch das Fernziel? In Deutschland, oder eher in Italien, Coverciano?

Die Hürde ist nicht einfacher geworden, ganz im Gegenteil. Und trotzdem ist das ein persönlicher Ansporn, sich verbessern zu wollen, weiterhin alles zu geben, um eben eines Tages die Pro-Lizenz hier in Deutschlang absolvieren zu dürfen. Das schließt natürlich nicht aus, die Fußball-Akademie in Coverciano besuchen zu wollen…

Fokussiert und stets aktiv beim Coaching – Stuppia führt Teams gern zum Erfolg.

Wie schaltest Du in der fußballlosen Zeit ab, und wohnst Du nun fest in Wiesbaden?

Da wäre in allererster Linie, meine Familie, meine wunderbare Ehefrau, sowie unsere wundervollen zwei Mädels. Bessere Bedingungen zum Abschalten gibt es nicht. Auch für meine Freunde finde ich immer wieder Zeit zum Ausgehen und Lachen. Da mein Vertrag in Wiesbaden zum 30. Juni ausgelaufen ist, bin ich wieder zurück nach Kirchheim/Teck gezogen. In Wiesbaden wie auch in Frankfurt war ich im Besitz einer Zweitwohnung, um in solchen Situationen wie aktuell auch einen festen Anker im Hauptwohnort zu haben.

Sandro, hast Du mögliche Tipps an Juniorenspieler, die unbedingt den Traum des Profifußballs leben und erreichen wollen?

Der Profifußball ist und bedeutet immer auch, ELITE. Willst Du diese Elite erreichen, dann gilt es im individuellen Bereich auf deiner Position hart an sich zu arbeiten, sich stets verbessern zu wollen, und sich nicht zufrieden geben mit den ersten, kleinen Erfolgen der täglichen Arbeit. Konfrontier dich als Spieler mit deiner Positionsanforderung, sei in deinen Bereichen ein Monster deiner Stärke, setze permanent konstruktive Kritik um, und fülle jeden Schritt dorthin mit Leben. So entwickelt sich auch die mentale Komponente, und Stärke. Das wäre so mein Weg, Spieler konsequent zu verbessern und auf Spieler zu setzen, die all diese Tipps und Kritiken in der Sache, auch auf- und annehmen wollen.

Vielen Dank Sandro, für Deine Zeit und das interessante Interview.

  • Infos zur Person:
    Sandro Stuppia, 36,

    Beruf: Fußballtrainer im Hauptamt (gelernter Industriemechaniker & Industriekaufmann)
     
    Palmarés / Erfolgsbilanz seiner bisherigen Trainerkarriere:
  • U19-Hessenliga Meisterschaft 22/23 (SV Wehen Wiesbaden)
  • U19-Hessenliga Meisterschaft 21/22 (SV Wehen Wiesbaden)
  • U16-Hessenliga Vize-Meisterschaft 19/20 (Eintracht Frankfurt)
  • U19-Oberliga BW Vize-Meisterschaft 15/16 (VfR Aalen)
  • Profivertrag Co-Trainer VfR Aalen 3.Liga 18/19

 
Sandro Stuppias Motto: „I never lose. Either i win, or i learn!

Link zu vorherigen Berichten/ Interviews:

https://www.rund-magazin.de/news/1527/76/Interview-Sandro-Stuppia/ https://checkfussballberater.de/?s=Sandro+Stuppia

Calcio al dente: Roberto Mancini wird der neue Saudische Nationalcoach – und Luciano Spalletti als „Mister“ der Azzurri ist die richtige Wahl… Italien in der Woche voller Polemik!

Má nooo, in der Tat, „umgebracht“ hat Roberto Mancini, der scheidende Nationalcoach und Europameister der Italiener, wahrlich keinen – wie er fast larmoyant entschuldigend meinte… Umgebracht, das finden wir, hat er nur die Wahrheit. Roberto Mancini, der den Italienern zwar mit dem Europameistertitel vor knapp zwei Jahren einiges an neuem Stolz bescherte, obwohl auch er es nicht schaffte, die Azzurri zur WM nach Qatar zu bringen, hat sich mit seinem Abschied aus Italien mutlos und auch etwas verlogen, herauslaviert… Dabei hatten es die Spatzen nur wenige Stunden nach Mancinis „Scheidung“ vom italienischen Verband, von den Dächern gepfiffen, zuerst als Spekulation, weil es so nahe lag, dann doch ganz der Wahrheit entsprechend: Mancini wird doch nicht, wird doch nicht, etwa nach Saudi Arabien gehen – der Verlockung des Geldes wegen?

Bereits zu Ferragosto, am Wochenende, des Italieners Feiertag am Strand und Meer, platzte die Bombe, dass Mancini hingeworfen habe. Und schon kursierten Spekulationen, ob er nicht in die Saudische Liga wechseln würde…? Aber nicht doch, wiegelte selbst Mancini ab – es kam zur schmutzigen Scheidung auf Italienisch. Der sei Schuld, und der, dann wieder der, welcher den Italienischen Verband, la FIGC, leite, Presidente Gravina, der Mancini einfach eine Staff aufdiktieren wollte. Der wiederum dementierte, alles sei abgesprochen worden. (Che confusione, sará perche ti amo… e volavola, sissá… welch schöner passender Refrain)

Es wurde wahr, und die Tifosi und Experten nehmen es Mancini schon übel, dass er tatsächlich hingeworfen hat, weil ihm das Angebot, Nationalcoach Saudi Arabiens zu werden, schon längst vorgelegen habe. Wahrlich ein Grund, andere Gründe vorzuschieben. Dabei ist das doch nur Business as usual, und es herrscht eben Angebot und Nachfrage, wer aber dem alten, etwas nostalgischen und ehrlichen Fußballsport nachhängt, der hätte sich von Roberto Mancini, einen anderen Abgang gewünscht… Stefano Cecchi, Publizist, Journalist und Kommentator bei Radio Sportiva, (Microfono Aperto), bracht es auf den Punkt – nicht der Abgang an sich, sei das Problem, und dass Mancini, dem Geld folge (90 Millionen Euro für drei Jahre), sondern vielmehr, dass man sich in Mancini etwas getäuscht habe – nein, er passe ganz klar, in diese Fußballwelt. Irgendwie hatte man es geahnt, was auch die Schlagzeilen bereits am 14. August zeigten:

Roberto Mancini, in den Augen vieler Tifosi, ein Fremdgänger…

Hinzu komme, dass Roberto Mancini, in ein Land und eine Kultur wechseln würde, die der westlichen so richtig fremd sei, auch wenn es in vergangenen Jahrhunderten viele Berührungspunkte der Wissenschaft gab. Tempi Passati.

So wurde also Roberto Mancini, international von Riad aus, Saudi Arabien, der Welt vorgestellt. Und Mancini, beteuerte, es wäre eine Ehre, Nationalcoach Saudi Arabiens zu sein. Er habe, so er über sich selbst, in Europa Großes geleistet (Italien, Manchester City, Inter Mailand), und wolle nun für Saudi Arabien Großes leisten! Klar, muss er das sagen, alles andere, selbst wenn er nicht immer vor Ort leben und wohnen wird, wäre bei diesem Salär, über 90 Millionen, schließlich Arbeitsverweigerung. Und Mancini hob auch hervor, dass die Arabische Liga mit all den neuen, westlichen Spielern auch anspruchsvoller und stärker würde. Das bleibt mal abzuwarten.

Jedenfalls, und wir werden demnächst noch näher auf den neuen Coach, CT, Comissario Tecnico, der Azzurri, Luciano Spalletti, eingehen. (Hier auf Checkfussballberater.de , haben wir uns bereits mit ihm, während der Zeit bei INTER, mit ihm beschäftigt).

Als frischgebackener Meistertrainer mit der SSC Napoli, aber auch schon davor, durch seine hervorragende Arbeit mit Inter Mailand, der Roma (beide Teams stets in die Champions League gebracht, gar Pokale gewonnen), aber auch im Ausland, St. Petersburg, zweimaliger Meister und Pokalsieger, kam man an Luciano Spalletti, dem emotionalen „Leiseredner“ (von wegen Lautsprecher), nimmer vorbei. Ja, selbst über die Ablösesumme und Klausel, einigten sich der Verband und SSC-Napoli-Mäzen, Aurelio De Laurentiis. Die Fans votierten in etlichen Umfragen pro Spalletti, es was also eine ausgemachte Sache. Der 64-jährige Toskaner Luciano Spalletti, er kommt aus der ‚Fiorentiner‘ Region, bringt alles an Erfahrungen mit, was nötig ist, eine ausgewogene Squadra Azzurra aus jungen Talenten und erfahrenen Spielern, den Senatoren, zu formen. Schließlich, wollen die Tifosi, dass ITALIA wieder an einer Weltmeisterschaft partizipiert.

Als ehemaliger Profispieler, bei kleineren Clubs, unter anderem in Empoli, weiß er, wie Profis ticken, und wie er sie anpacken und motivieren muss. Als Trainer hat er sich zuerst ebenfalls weiter unten mit Aufstiegen bis in die Serie A profiliert. ‚Mister‘ Spalletti kann sehr emotional sein, aber er wahrt immer die Form. Zudem kann er Spiele und Systeme anderer Mannschaften und Trainer sehr gut lesen, und analysieren.

Für die ersten großen Aufgaben im September, gegen Mazedonien und die Ukraine, hat er sein Trainerteam bereits bestellt, und nun geht es an die Berufung der Spieler in den Nationalkader. Fortsetzung folgt, der Beginn einer neuen erfolgreichen Ära ganz sicher…

Giovanni Deriu

Luciano Spalletti, ein großer Trainer und Analyst des Spiels…

…immer in Aktion, und nah bei den Spielern dran – Meisterschaften gewann er mit Napoli und St. Petersburg

FIGC, Squadra Azzurra: Scheidung auf Italienisch – Nationalcoach und Europameister, Roberto Mancini, sagt überraschend „Ciao, ciao, schön war’s…“ Nun werden Luciano Spalletti und Antonio Conte heiß gehandelt!

Die Nachricht hatte wie eine Bombe eingeschlagen, am Sonntag, des ‚Ferragosto‘-Wochenendes, wo fast alle Italiener am Strand, la Spiaggia, verweilten. Im Nu‘ gab es ab dem Mittagessen kein anderes Thema mehr für die Italiener: Il CT, Ci-ti, ‚Commissario tecnico‘, Roberto Mancini, Italiens Nationaltrainer, habe ganz unerwartet die Brocken hingeworfen.

Wie? Was? Warum? Habe er nicht noch vor kurzem, seinen eigenen Handlungsspielraum- und Verantwortungsbereich erweitert, weil er es so wollte, und der italienische Fußballverband, FIGC, habe es einfach so hin- und aufgenommen? Für Mancini schließlich, der Italien wieder den Stolz zurückgab, indem er das Land und die Squadra Azzurra, zum Europameister krönte, wolle der Verband schließlich alles machen -obwohl auch Roberto Mancini, die Weltmeisterschaftsteilnahme in Katar, unsäglich, gegen Nordmazedonien vergeigte.

Auf dem Höhepunkt bei der Squadra Azzurra in England…

Roberto Mancini, der frühere Nationalspieler und eine Legende des Clubs Sampdoria Genua, sollte ab sofort auch für die Nachwuchs-Nationalkader der U21 und U19 zuständig sein. Von ihm selbst erwünscht.

Nun also das AUS, von der Ferieninsel Mykonos, wo sich Mancini und dessen Frau aufhalten, am Samstagabend, in einem kurzen Communiqué, an den italienischen Fußballverband, kurz, knapp und teils auch emotionslos, mitgeteilt. Aus einer Laune heraus? (Das fragten sich dann alle Experten, Insider, Fachleute des Calcio, und der Nationaltrainers, darunter auch enge Teamkameraden von einst) MITNICHTEN, eher wohl überlegt, auch den Zeitpunkt, den der CT wählte…

Rund 30 Tage vor dem ersten Match gegen Mazedonien und die Ukraine, auf dem Weg zur Europameisterschaft in Deutschland. Und schon in wenigen Wochen müsse der Kader der Squadra Azzurra benannt werden. Wer bitteschön, soll das nun auf die schnelle, und doch wohlüberlegt, tun?

Roberto Mancini, hier auch als Motivator schlechthin – das Team gab alles

Natürlich wurden sogleich Namen gehandelt – und auch wir werden das im Auge behalten (haben wir doch schon vorab auf Instagram und Facebook, berichtet, und die Inhalte der Sportblätter und Sportsendungen im Radio wie Fernsehen, durchleuchtet), ganz groß im Rennen sind natürlich die Fußballlehrer, die erfolgreich sind und waren, und zugleich „frei wären“ momentan.

Da wären die (üblichen Verdächtigen), Luciano Spalletti, jüngst mit der SSC Napoli Meister geworden (wie übrigens auch in Russland mit St. Petersburg, gleich zwei Mal), dazu noch in Italien bei der Roma und mit Inter stets in der Champions League gespielt; oder aber Antonio Conte, nach seinem Aus bei Tottenham, in Wartestellung. Zudem war Conte bereits Nationaltrainer und prägte eine interessante Übergangszeit mit der Squadra Azzurra, als er ging, sagte er bewusst „Arrivederci“ auf Wiedersehen. Nur, ob er derzeit tatsächlich selbst möchte? Der mehrmalige Meistertrainer Juves, sowie als Spieler ein Kämpfer, zog es ja bekanntlich vor, täglich mit einer Mannschaft auf dem Platz zu stehen – die tägliche und wöchentliche Trainingsarbeit mit einem Team, präferiere er sehr.

Zwei, die gehandelt werden – die Squadra Azzurra zu führen…

Carlo Ancelotti? Der versprochene Bräutigam, wäre eigentlich prädestiniert für die Aufgabe, ABER: nach dieser letzten Saison mit Real Madrid, steht er mit einem Vertrag bereits in Brasilien für die Selecao im Wort. Der ‚Traualtar‘ ist gerichtet, Carlo Ancelotti, Champions-League-Rekordgewinner, muss in Brasilien nur noch „Ja“ sagen… Schade irgendwie.

Wer konnte aber auch denken, dass Roberto Mancini, quasi aus dem Nichts, die „Scheidung“ einreicht. Schatz, so Mancini zum Verband, FIGC, „schön war’s… aber ich bin leer und habe keinen Bock mehr!“ – die Erinnerungen an den EM-Titel wolle er aber immer im Herzen tragen. Schickte Mancini nach, in einem Post auf Instagram, selbst dessen Mutter war überrascht, und, es seien „rein persönliche Dinge“ gewesen, für diese Entscheidung… Eigentlich wie so oft, bei Trennungen, in denen der eine Partner, irgendwie die Form wahren, und nicht noch mehr Gefühle verletzen möchte. Irgendwie wirkte der Verbandspräsident Italiens, Gabriele Gravina dann doch bedröppelt und bedient. Nicht mal er habe es so kommen sehen, gab er zu Protokoll. Gefangen zwischen Anschuldigungen und Vermutungen der Medien – zu denen wir gleich kommen – und der Aufgabe, schnellstens einen würdigen Nachfolger zu finden, der die kommenden Aufgaben auch zügig angeht….

Nichts, rein gar nichts, wollte Gravina, selbst nach einem letzten Telefonat, Tage vor Mancinis Rücktritt, vernommen haben. Außer, dass sich Roberto Mancini insgesamt Gedanken mache… sehr kryptisch also, hörte sich Mancini schon an.

Europameister Mancini, als die Welt noch okay für ihn war…

Nun zu den allseits geäußerten und voller Spekulationen enthaltenen Vermutungen, in den Medien – durch Experten und Insider, was Mancini zu diesem Schritte bewogen haben könnte:

  • Das wäre dann wirklich zynisch – so die Gazzetta dello Sport (Bei Mancinis Abschied weht ein Hauch Zynismus mit….) – aber, so sei der Fußball nun einmal geworden, und erst recht, seit die Saudis mit ‚unmoralischen Angeboten‘ ums Eck kommen. Die Fans meinen selbst schon ironisch-sarkastisch, „lasst ihn dann ziehen, wenn ihm die Saudis wichtiger sind, als wir…“ WIR, die Tifosi, im ganzen Land.
  • Oder aber, Mancini war so angefressen, wurde auch vermutet, Radio Sportiva brachte diese Vermutung mitein, so dass selbst andere Experten ins Grübeln kamen, weil Verbandschef Gravina, die Torwartlegende Gianluigi Buffon zum Teammanager/Delegationsverantwortlicher auserkoren hatte, ohne etwa Roberto Mancini zu fragen? Anscheinend, das aber haben wir nur aufgegriffen, herrsche zwischen Buffon, dem Juve- und Azzurri-Idol eine kleine versteckte Feindschaft, noch aus den Tagen, als Mancini für Lazio Rom spielte, und Buffon als Keeper bei Parma. Mancini schoss sein wohl schönstes Tor gegen Buffon – so ein Experte im Radio. Danach dann war Buffon Rekordmeister bei Juve, und Juventus wird geliebt oder gehasst. Man erinnere sich, Roberto Mancini war ein eingefleischtes Samp-Kind und Familienmitglied, wie auch Gianluca Vialli (jüngst verstorben, und auch bei Juve später). Jedenfalls sollte Buffon nun als „Idol und Aushängeschild des italienischen Fußballs“, die Squadra Azzurra repräsentieren und neben Mancini irgendwie – ‚führen‘. Möglichst so wie Vialli, nämlich Mancini unterstützend, die Ideen festigend im Team…
  • hinzu kommt wohl, dass Gravina sogar Leonardo Bonucci, Juves ausgemusterten Abwehrrecken, fragen wollte, ob dieser nicht in den Trainerstab Mancinis wechseln wolle… War das vielleicht für Mancini zu viel? Eine Art Untergrabung seiner Autorität? Plötzlich die Freunde Mancinis gegen Juventus-Größen zu ersetzen? Jedenfalls nicht die Art und Weise, wie sie Mancini sich wünscht.
  • Roberto Mancini gilt zwar als Gentleman, aber er kann auch stringent agieren, und seine Macht subtil demonstrieren – wehe, wenn ihm jemand anders kommt… wie eben Gravina.
  • Und zuletzt, wahrscheinlich aber von Allem etwas: Ja, Roberto Mancini litt schwer, und leidet noch immer, unter dem Verlust seines kongenialen Teamkameraden, sowie Freund und „Bruder“, Gianluca Vialli(das bestätigte sogar Mancinis Mutter gegenüber eines Magazins) beide verbrachten die schönsten Fußballerjahre bei Sampdoria Genua, schrieben dort Geschichte – und zuletzt auch noch als Teamführer der Squadra Azzurra hin zum Gewinn des EM-Titels… Viallis Tod im vergangenen Jahr, nach langer schwerer Krankheit, hat Mancini ein Stück weit allein zurückgelassen. Brüder im Geiste, die sich blind verstanden und vertrauten.
  • Es wäre natürlich nur schwer zu akzeptieren für die Fans, würde Mancini nach Saudi Arabien wechseln – egal in welcher Position, ob als Clubtrainer oder Nationalcoach. Nur, wer weiß schon, wie Mancini seine Trauer bewältigen möchte?

Fortsetzung folgt…

https://www.corrieredellosport.it/news/calcio/italia/2023/08/14-111639606/spalletti_nuovo_ct_italia_incontro_con_gravina_a_forte_dei_marmi

https://www.gazzetta.it/Calcio/Nazionale/14-08-2023/nazionale-mancini-si-dimette-sara-spalletti-il-nuovo-ct-dell-italia.shtml?refresh_ce

https://www.gazzetta.it/Calcio/Nazionale/14-08-2023/mancini-senza-scuse-dopo-l-addio-all-italia-il-commento-del-direttore-barigelli.shtml

Porträts und Biographien: Der Deutsche Torben Witajewski ist Assistenztrainer der Nationalelf Pakistans! Ein langweiliges ‚Trainerleben‘ sieht jedenfalls anders aus. Von Lahore aus gilt es, den Fußball in Pakistan zu puschen…

Gerade mal Achtundzwanzig Jahre alt, und als Fußballlehrer (mit der umkämpften Uefa-Pro-Lizenz) schon einiges erlebt – wer kann das schon von sich behaupten? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, so jedenfalls heißt es im Volksmund. Und der gebürtige Niedersachse (Hannover) mit polnischen Wurzeln, Torben Witajewski, wagte und riskierte bisher recht viel. Und gewonnen? An Erfahrungen allemal. Mit dem pakistanischen Fußball-Nationalcoach, Shahzad Anwar, feilt Torben Witajewski jedenfalls an einer schlagfertigen Truppe, die irgendwann einmal (bald), den ersten Sieg in einer Weltmeisterschafts-Qualifikationsrunde, feiern soll.

Bis dato, ist es dem Pakistanischen Fußballverband noch nie gelungen, sich also für eine WM, geschweige denn, Asien-Meisterschaft zu qualifizieren! (https://de.wikipedia.org/wiki/Pakistanische_Fu%C3%9Fballnationalmannschaft )

Immerhin, Pakistan, ist in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 201, von 208 Nationalteams. Die Turks- und Caicos-Inseln (schon einmal von ihnen gehört?), sowie Guam, und Sri Lanka, ja auch San Marino (208er, und Letzter!), liegen hinter Pakistan. Was aber schmerzen dürfte, selbst Liechtenstein, Aruba und Gibraltar, Afghanistan sowieso, ja, auch Tadschikistan, und die Bahamas (wäre ja auch ein schöner Flecken auf der Welt), liegen weit vor Pakistan.

Aber damit eines klar ist – Torben Witajewski verdient unseren ganzen (Fußballer-)Respekt, in einem Land an der Seitenlinie zu stehen, als Co-Trainer der Nationalelf Übungseinheiten zu leiten, wo der Fußball absolut das dritte Rad am „Nationalen“ Lasten-(Fahr)Rad ist.

Im Westen und dem Rest der Welt, heißt es quasi „König“ Fußball, fristet er in Pakistan ein, nun ja, Bettler(?)-Dasein um etwas Aufmerksamkeit. Cricket und Hockey sind in Pakistan als Lieblingssportarten absolut anerkannt, dazu noch gut organisiert, und auch international sehr erfolgreich, dort wo der Westen und Europa eben oft das Nachsehen hat. Hockey- und Cricketprofis werden gefeiert.

Fu´ßballprofis(?) dagegen, gibt es sie überhaupt?, müssen noch gesucht und gefunden werden. Meistens sind es sowieso Spieler, die irgendwo im Westen aktiv sind.

Typische Trainingseinheiten auch in Pakistan, wo Hockey und Cricket die Nr. 1 sind…

Man stelle sich mal vor, Torben Witajewski, ist nun dort als Uefa-Pro-Trainer aktiv, wo nicht einmal der längst verstorbene Fußballlehrer und deutsche Vize-Meister (1963/64 mit dem Meidericher SV, nun MSV Duisburg), „Riegel-Rudi“ Gutendorf, seine Zelte je aufgeschlagen hat. In über 55 Ländern trainierte Gutendorf als „Weltenbummler“, selbst in Tonga, Tansania, Simbabwe und Nepal. Keine einfachen Pflaster, um den Menschen das Fußballspiel beizubringen.

Witajewski hätte auch in Deutschland, im beschaulichen Hannover bleiben können. Stattdessen? Lahore, Islamabad und Karatschi. Allesamt Metropolen in Pakistan und bekannt im Nahen Osten.

Wie kam’s dazu, wollten wir von Torben wissen. Am Telefon spricht er recht offen und auch amüsant, wie sich alles entwickelt hat. Die „Uefa-Pro-Lizenz“, so Witajewski, habe er nicht über den DFB, sondern beim Englischen Verband, „Ja, in London“ absolviert. Der Hannoveraner ergatterte einen der beliebten Plätze, und ging durch alle Seminare und Module, und dabei entstand natürlich auch ein „internationales Netzwerk mit Freundschaften“, von all denen, die den Traum als Profi-Trainer zu arbeiten, auch lebten. Zwölf Monate und etliche Hospitationen später, „die absolvierte ich beim britischen Club, Blackburn…“, hatte er die begehrte Lizenz dann erworben.

Witajewski schmunzelt und meint, ein „recht Fußball verrückter Haufen“, an Absolventen. Dabei entstand auch die Freundschaft zum Nationalcoach von Pakistan, Shahzad Anwar, und der fragte Torben irgendwann einmal, ob er es sich nicht vorstellen könnte, an dessen Seite das Pakistanische Nationalteam zu führen, „und zu trainieren“. Er hatte es sich kurz überlegt, und es sei ja auch eine „Ehre gewesen, gefragt zu werden“, und sagte letztendlich zu – auch wenn es sich noch ein Weilchen zog, bis alles geplant und unter „Dach und Fach“ gebracht wurde – „etwas pakistanisch eben“, nicht alles so stressig zu nehmen.

In Pakistan, das hörten wir im Telefonat heraus, ticken die Uhren wirklich anders, aber Witajewski, zudem gelernter Bürokaufmann, ist dort gut aufgenommen worden, als Coach aus dem Westen, aus Deutschland. Und dann so jung, ist das denn kein Problem? Witajewski dazu: „Nein, die Nationalspieler merken, dass ich ein Fußballfundament und Wissen habe. Ich musste wegen zweier Kreuzbandrisse leider viel zu früh aufhören…“, dass er aber kicken könne, merken alle – und die Uefa-Pro-Lizenz bekommen man ja auch nicht „einfach so geschenkt!“ – das machte dann schon Eindruck.

Dass Torben Witajewski auch im Bereich der Video-Spielanalyse „zuhause“ ist, war wohl ein weiteres Plus für die Aufnahme als Co-Trainer im Pakistanischen Nationalteam. Es herrsche wahre Aufbruchsstimmung, aber auch echte „Aufbauarbeit“ sei nötig.

Eine eigene funktionsfähige Liga? „Nein, ist leider nicht gegeben…“, nur eine Liga und eher amateurmäßige Meisterschaften von „so genannten Betriebsmannschaften.“ Der Nachwuchsfußball, die Junioren, ob es denn da Ligen und Wettbewerbe gäbe? „Nein, auch da gibt es nichts adäquates, wie in Deutschland und anderswo im Westen…“ – Sollen wir ihn nun bemitleiden, ist dieser Job nicht eher ein „Himmelfahrtskommando“?

Torben Witajewskis Meinung, hier auf einer PK, hat auch in Pakistan Gewicht.

Torben Witajewski sieht das nicht so, im Gegenteil. Es sei eine absolut interessante Aufgabe, mit den Menschen vor Ort, den Fußball noch „etwas professioneller zu gestalten, den Fußballsport zu puschen….“.

Interessiert seien schon viele Menschen im Lande, trotz Hockey und Cricket, am Fußballsport – jedoch spiele man diesen eben in Parkanalagen, auf den Straßen, einfach als Hobby, und man verfolge natürlich „die europäischen Topclubs und Stars in England, Italien und Spanien…“ Im Fernsehen und Internet.

So trägt sich dann auch die Pakistanische National-Elf mit Spielern, die einfach etwas mehr Profi-Erfahrungen haben, und da gilt es auch die 3. und 4. Ligen in Europa im Auge zu behalten, zum Beispiel aus der 1. Liga in Portugal, oder in Dänemark, mit Abduallh Iqbal, aber auch in Aserbaidschan, sowie in den unteren englischen Ligen (Nadia Khan, Doncaster Rover).

Ja, man hört es heraus, Torben Witajewski und der Trainerstab um Headcoach Anwar, muss wahre Netzwerkpflege betreiben und ein intaktes Scouting-System aufbauen.

  • Wo existieren weitere ambitionierte und gut ausgebildete Spieler, mit Pakistanischer Herkunft, die so genannten „Doppelstaatler“, aus Europa?
  • Wo sind die großen pakistanischen Communitys der Immigranten, der Gastarbeiterfamilien? In Asien, in Kanada und den USA, oder in den skandinavischen Ländern? Auch da ist der deutsche Assistenztrainer mitinvolviert.

Zurück zu den Ergebnissen der Pakistani, die quasi ohne feste und intakter Infrastruktur bei Qualifikationsspielen antreten. Immerhin, ganz hohe Niederlagen müssen sie nie einstecken, und, Pakistan trifft auch das eine oder andere Mal ins Tor.

Bei der Qualifikation zur WM in Qatar, setzte es bereits in der 1. Runde gegen Kambodscha zwei Niederlagen, 0:2 und 1:2.

Jüngst erst im Juni, unterlag Pakistan der Republik Dschibuti mit 1:3, und davor gegen Kenia(0:1) und Mauritius (0:3).

Natürlich gibt es einiges zu tun – doch hinter jedem Ergebnis, steckt auch eine Geschichte. Erst einmal, „nicht zu vergessen“, so Witajewski, die weite Anreise der wenigen Leistungsträger auf Europa und anderswo. Das schüttelt man nicht so einfach aus den Knochen.

Und all die organisatorischen Dinge, die auch manchmal „politisch beladen“ seien. Klar, dazu habe man besser keine Meinung, aber wo Pakistan und Indien nah beieinander liegen, müssen auch Visa-Fragen für die Fußballer stets geklärt und erteilt werden.

Vor dem Match in „oder auf Mauritius“, sei das pakistanische Team quasi „die Nacht durchgeflogen“, weil es mit der Visa-Erteilung in Mumbai, irgendwelche Probleme gab, sie mussten über Indien fliegen, erst um 16.30 Uhr sei man gelandet und im Hotel angekommen – Bereits um halb Acht am Abend, standen die Pakistani dann auf dem Feld, pünktlich zum Anpfiff.

Geschichten, die man sonst so in den westlichen Fußball-Hemisphären kaum noch kennt. Aber wie gesagt, „einfach“ geht immer – Torben Witajewski aus Hannover, fühlt sich in Pakistan vor Ort wohl, reist immer wieder auch aus Deutschland an.

Und was sind Torbens Fernziele? Der junge Fußballlehrer sagt: „Ich möchte in Pakistan noch etwas bewegen, dann vielleicht noch Erfahrungen in einem anderen Land sammeln…“, Asien gefalle ihm ganz gut. Aber er ist auch ehrlich und gibt zu, „auf lange Sicht würde ich schon auch gern in Deutschland höherklassig arbeiten!“

Zwischen Hannover und Karatschi, wir verfolgen den Weg auch auf Checkfussballberater.de weiter.

FC Bayern II: Er war nicht nur viermaliger Deutscher Meister, und ebenso oft Deutscher Pokalsieger, sondern 2010 auch Champions-League-Finalist. Erste Trainer-Erfahrungen sammelte er auch bei Bayerns Junioren. Nun feierte Martin Demichelis mit RIVER PLATE auf Anhieb die argentinische Meisterschaft!

Man kann schon sagen, ein Profi durch und durch, dessen berufliche Vita bereits früh feststand, da er wie kaum ein anderer Profispieler das Spiel lesen konnte, wie ihm einige Trainer, darunter auch Ottmar Hitzfeld, obwohl deren Verhältnis als angespannt galt, immer attestierten. Martin Demichelis machte seinen Weg in der Innenverteidigung, und lernte sehr viel von Felix Magath und Louis van Gaal.

Der argentinische Abwehrspieler hatte wohl die besten Trainer, die man sich als Spieler wünschen kann – vor allem hochinteressante, nicht nur erfolgreiche sondern auch sehr unterschiedliche Charakteren als Trainer haben Martin Demichelis wohl geprägt, und dem FC Bayern verdankt Demichelis bis heute sehr viel.

In München wurde er wohl der Spieler, über den man heute noch spricht. Eine solide Bank in der Abwehrreihe. Aber auch als Juniorentrainer bei den Bayern, (sein Co-Trainer war u. a. Danny Schwarz), überzeugte er mit seiner sportlichen Leistung, seiner Aura und professionellen Einstellung. Und, trotz der Pandemischen Unterbrechung, sorgten Demichelis und dessen Trainerstab auch in der Jugendabteilung, und mit der U23 des FC Bayern, also die kleinen Bayern II, für Furore. https://de.wikipedia.org/wiki/Mart%C3%ADn_Demichelis

Als Spieler in Deutschland, Spanien und England mehr als erfolgreich, gibt er nun Profis seine Erfahrungen weiter – Demichelis, so sagen sie in Argentinien, habe seinen ganz eigenen, auch emotionalen, (Spiel-)Stil.

Nun also feierte Demichelis gleich in der ersten Saison mit River Plate die begehrte Meisterschaft. >> Denn durch das 3:1 im heimischen „El Monumental“ gegen Estudiantes (Wir haben uns das Match auf DAZN und auf einem Spanischen Kanal live angesehn) de La Plata steht der Verein aus Buenos Aires bereits zwei Spieltage vor dem Saisonende als argentinischer Meister fest. „Ich habe immer gesagt, dass ich davon geträumt habe, dass überall, wo ich arbeite, das Stadion voll ist, weil meine Mannschaft gut spielt, und der Beifall der Leute hat mich bewegt“, erklärte Demichelis nach der Partie bei ESPN.

Nicht nur aufgrund des Titels seien die Fans glücklich, sondern auch wegen der Art und Weise. Die dominante sowie offensive Philosophie von Demichelis spiegelt sich auch in den Statistiken wider. Die 45 erzielten Treffer sind der Bestwert der Liga.<<

Diese emotionale Art, selbst wenn Freudetränen fließen, mögen die Leute und vor allem die Fans…

Calcio al dente: Juventus Turin – 100 Jahre im Besitz der Agnelli-Dynastie

Über hundert Jahre alt, aber kein bisschen leise. Italiens Rekordmeister, Juventus Turin, feiert sein Vereinsjubiläum seit dem Einstieg der Agnelli-Dynastie.

Ganz Italien gratulierte. Morgens zur besten ‚Stauzeit‘ im Auto, riefen Fans und Gegner gleichermaßen bei den Radiosendern oder im Frühstücksfernsehen an und wünschten, „Tanti Auguri, alles Gute, für die nächsten 100 Jahre…“, oder wie ein Inter Mailand-Tifoso es ausdrückte: „Ich bin zwar absoluter Juve-Gegner, aber dieser Club ist dennoch einmalig. Und, was wäre die Serie A ohne Juve und diese Feindschaft auf dem Platz…?“

Juventus wurde zwar bereits 1897 gegründet, doch im Juli 1923, übernahm Edoardo Agnelli, der Sohn von FIAT-Gründer Giovanni den Verein als Präsident. Von nun an, fast ein Jahrhundert lang, waren Juventus Turin, die FIAT-Automobilgruppe und der Agnelli-Clan – eine wahre Dynastie mit viel Melodramatik – eng miteinander verwoben.

Der Fußballclub Juventus war ein Spielzeug und Hobby der Agnellis. Und der Stolz der bei Fiat angestellten Belegschaft. Nach der Maloche kam sofort der Fußball, und zu feiern gab es in der Tat viele Erfolge: 36 Meistertitel, 23 nationale Pokalerfolge, UEFA-Cup, Europapokal der Landesmeister, Champions League, Europapokal der Pokalsieger, Weltpokal und UEFA-Supercup. Insgesamt über 60 Pokale stehen in den Vitrinen des stolzen Turiner Klubs.

Gianni Agnelli, der Sohn Edoardos, ein smarter Typ und Mann des Jetsets, gilt bis heute als beliebter Industrieller, der die alte Dame mal selbst managte und führte, oder dem Ex-Spieler Giampiero Boniperti den Vorstand als Presidente. Im Hintergrund aber war ‚Avvocato‘ Gianni Agnelli immer der wahre Patron.

Spieler wie Dino Zoff, Platini, Boniek, Paolo Rossi, Zinedine Zidane oder die deutschen Nationalspieler Jürgen Kohler, Thomas Hässler und Andreas Möller feierten mit Juve Erfolge.

Die Bianconeri tragen diese typische Sieger-DNA in sich. Der letzte wahre Agnelli, nämlich Andrea, Sohn von Umberto Agnelli (Gianni war der Onkel), feierte auch etliche Erfolge mit der Alten Dame, zudem holte Andrea Cristiano Ronaldo zu Juve, muss sich aber nun mit der Staatsanwaltschaft und Anwälten abgeben. Es gilt seinen eigenen, und den Ruf der Vecchia Signora zu verteidigen. Viele sagen, gar wieder herzustellen. (…)

Hier geht’s weiter zu meinem Artikel: https://www.fussballeuropa.com/news/juventus-turin-juventus-turin-100-jahre-im-besitz-der-agnelli-dynastie-2023-07

Calcio al dente: Die ‚Alte Dame‘, La Vecchia Signora, wird 100!

Einhundert Jahre alt, und kein bisschen leise. Italiens Rekordmeister, Juventus Turin, feiert sein Vereinsjubiläum.

Ganz Italien ist am Gratulieren. Morgens zur besten ‚Stauzeit‘ im Auto, riefen Fans und Gegner gleichermaßen bei den Radiosendern oder im Frühstücksfernsehen an, und wünschten, „Tanti Auguri, alles Gute, für die nächsten 100 Jahre…“, oder wie ein Inter Mailand-Tifoso es ausdrückte: „Ich bin zwar absoluter Juve-Gegner, aber dieser Club ist dennoch einmalig. Und, was wäre die Serie A ohne Juve und diese Feindschaft auf dem Platz…?“

Im Juli 1923, übernahm Edoardo Agnelli, der Sohn des Giovanni und FIAT-Gründers, den Club als Präsident. Von nun an, fast ein Jahrhundert lang, waren Juventus Turin, die FIAT-Automobilgruppe und der Agnelli-Clan (keine normale Familie, sondern eine wahre Dynastie mit viel Melodramatik) eng miteinander verwoben.

Der Fußballclub Juventus, war ein Spielzeug und Hobby der Agnellis. Zudem auch der Stolz der bei Fiat angestellten Bürgerschaft. Nach der Maloche kam sofort der Fußball, und zu feiern gab es in der Tat viele Erfolge:
36 Meistertitel, den Scudetto, zwei Meisteritel wurden gar aberkannt, sowie alle Europapokale, und den Weltpokal, finden sich in der Historie wieder, sowie in den Vitrinen des stolzen Turiner Clubs.

Gianni Agnelli, der Sohn Edoardos wiederum, ein smarter Typ und Mann des Jetsets, gilt bis heute als beliebter Industrieller, der die alte Dame mal selbst managte und führte, oder dem Ex-Spieler Giampiero Boniperti den Vorstand als Presidente. Im Hintergrund aber war ‚Avvocato‘ Gianni Agnelli immer der wahre Patron. 

Spieler und Legenden wie Dino Zoff, Platini, Boniek, Paolo Rossi, und Champions-League-Kapitän Gianluca Vialli (jüngst verstorben), sowie die deutschen Nationalspieler wie Jürgen Kohler, Thomas Hässler und Andreas Möller feierten mit Juve Cupsiege.

Die Bianconeri tragen diese typische Sieger-DNA in sich. Der letzte wahre Agnelli, nämlich Andrea, Sohn von Umberto Agnelli (Gianni war der Onkel), feierte auch etliche Erfolge mit dem Club, zudem holte Andrea Cristiano Ronaldo zu Juve, muss sich aber nun mit der Staatsanwaltschaft und Anwälten abgeben. Es gilt seinen eigenen, und den Ruf der Vecchia Signora zu verteidigen. Viele sagen, gar wieder herzustellen.

Bilanztricksereien, falsche Gehälterangaben und das Ignorieren des Financial Fairplay, von der Uefa streng überwacht, standen zuletzt leider im Fokus.

Möchte sich Juventus mit dem neuen Interimspräsidenten Gianluca Ferrero, des Namens Agnelli gar entledigen?

Jahrzehntelang war es Tradition (bei aller Moderne), dass sich die Mannschaft vor Saisonbeginn im piemontesischen Villar Perosa zum Stelldichein und Trainingsspiel traf. Dazu noch ein Dinner auf dem Anwesen der Agnellis. Doch diesmal? Gecancelt.

Die Tifosi möchte man gleich ins beliebte Juve-Stadium bitten, unter Andrea Agnelli entstanden. Juventus möchte so schnell wie möglich wieder in der Champions League dabei sein. Doch ausgerechnet zum 100. Geburtstag muss die Alte Dame kleinere Brötchen backen. Ein ganz neues Gefühl für die Bianconeri, die Tifosi des Rekordmeisters.

https://www.gazzetta.it/Calcio/Serie-A/Juventus/24-07-2023/juve-agnelli-100-anni-di-storia.shtml

20. Sparkassen-Bundesliga-Cup! Schalkes Nachwuchstrainer Norbert Elgert im Interview: „Trainer sind zu sehr auf Konzepte, Projekte und Resultate fixiert“

Norbert Elgert ist einer der erfolgreichsten Jugendtrainer im deutschen Fußball. Als Dauergast beim Sparkassen-Cup in Hall ist der 66-Jährige mit seinen Blauweißen vom FC Schalke bereits 19. Mal in Folge dabei.

Norbert Elgerts Mannschaft gewann durch einen Arbeitssieg mit 1:0 gegen die Sportfreunde Schwäbisch Hall. Der Coach hat aber höhere Ansprüche als puren Ergebnisfußball. Welche das sind, erläutert der Fußballlehrer im Interview mit Fussballeuropa.com.

Fussballeuropa: „Hallo, Herr Elgert, Gib alles – nur nie auf! Diesen Ausspruch kennen Sie doch…“

Norbert Elgert: „Sie spielen auf mein Buch an – so nennt sich der Titel, und wurde bewusst so gewählt!“

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Norbert Elgert arbeitet seit 1996 für Schalke – Foto: Giovanni Deriu

Fussballeuropa: „Verstehe ich Sie richtig, dass Sie diesen Titel auch auf das Leben gemünzt wissen möchten?

Norbert Elgert: „Das kann man so verstehen, ja.“

Fussballeuropa: „Also, frage ich Sie direkt, bei all Ihrer Erfahrung – was hat sich in den vergangenen 15 bis 20 Jahren im Nachwuchsfußball verändert?

Norbert Elgert: „Sagen wir mal so, früher war zwar nicht alles besser, aber momentan sind wir als Trainer allgemein wohl zu sehr auf Konzepte, Projekte und Resultate fixiert. Wir geben wohl alles zu sehr vor, zu viele Details für das Spiel. Wo bleiben der Platz für die Entscheidungsfreiheit, für die Verantwortung, die ein Jugendspieler vor dem Sprung zu den Aktiven, mal selbst übernehmen soll. Das Fußballspiel lebt doch auch von Spontaneität, von unvorhersehbaren Aktionen…“

Fussballeuropa: „Entscheidungsfreiheit und Verantwortungsbewusstsein – Begriffe, die auch im Leben, also außerhalb des Rasens, eine wichtige Rolle spielen.

Norbert Elgert: „Genau so ist es auch gemeint. Es ist eine, nein, meine Art Lebensaufgabe, die jungen Fußballer ein Stück weit zu begleiten.“

Fussballeuropa: „Nicht viele aus den A-Jugend-Teams, werden auch Profis…“

Norbert Elgert (unterbricht kurz und stringent): „…Ja, die wenigsten, so ist es…“

Fussballeuropa: „Was also sollte man noch vermitteln, wenn es nicht nur die Fußballtechnik und Taktik sein soll?

Norbert Elgert: „Die Jungs sollen bei uns wachsen. Mein Trainerteam und ich versuchen, aus den Jugendfußballern lebens- und alltagstaugliche Männer zu formen, die für ihr Tun tatsächlich auch Verantwortung übernehmen können.“

Fussballeuropa: „Sie haben viele namhafte Topstars und Nationalspieler trainiert und geformt. Besteht da noch Kontakt zum einen oder anderen, melden sich die Spieler noch bei Ihnen?

Norbert Elgert: „…aber natürlich – doch es geht nicht um mich. Es geht um die Spieler – ob sie sich melden oder nicht, jeder hat seinen Charakter, und das ist auch gut so.“

Fussballeuropa: „Sie sehen Ihren Fußball ganzheitlicher?

Norbert Elgert: „Wir spielen Fußball, um zu gewinnen, das ist ein Wettbewerb. Man spielt für und mit dem Team. Aufgeben ist keine Option, auch nicht im Leben. Man darf immer Fehler machen, aber aus ihnen auch lernen. Darum geht es. Aber ja, der Fußball soll mehr vermitteln. Daran arbeite auch ich.

Fussballeuropa: „Herr Elgert, Danke für Ihre Zeit.“

Das Interview führte Giovanni Deriu.

Link-Empfehlung:
Doku über Norbert Elgert: Der königsblaue Star-Macher

Verwendete Quellen

youtube.com; https://www.youtube.com/watch?v=o5q8Rlg6wdY

https://www.fussballeuropa.com/news/schalke-04-mister-knappenschmiede-norbert-elgert-mochte-talente-nicht-nur-fusballerisch-formen-2023-07

Norbert Elgert auf der Trainerbank, immer fokussiert… (gid)

Von Karamgümrük zu Sampdoria! Andrea Pirlo ist als Stratege gefragter denn je…

Auch als Weltmeister in die Serie B – Sampdoria ist Pirlos neuer Club

Der eine Weltmeister, Fabio Grosso, der Frosinone wieder in die Serie-A gebracht hatte, sagte dem Traditionsclub Sampdoria ab, dafür sagte Andrea Pirlo, ebenfalls Weltmeister von 2006, bei Sampdoria Genua zu. Die Unterschrift wird in den kommenden Tagen erwartet, wie die Gazzetta dello Sport berichtet.

Fabio Grosso führte tiefe Gespräche mit dem Management von Sampdoria, doch letztendlich passte es nicht ganz. Fabio Grosso wird zudem mit dem französischen Club aus Marseille in Verbindung gebracht. Außerdem hatte Grosso seine Meisterleistung in der hart umkämpften Serie B bereits vollbracht, er führte Frosinone zurück ins italienische Oberhaus.

Andrea Pirlo wurde ebenfalls gefragt, und es fanden bereits drei Meetings statt, um alle Feinheiten für das Projekt „sofortiger Wiederaufstieg“ zu klären.

Es spricht zudem für Andrea Pirlo, dem einstigen Strategen auf dem Feld sowie jetzt auch auf der Bank, dass er auch die Serie B in Betracht zieht – wobei Sampdoria immer eine feine und namhafte Adresse ist.

Mit dem türkischen Club Karagümrük SK erreichte Pirlo den siebten Platz in der Süper Lig. Das zählt als Achtungserfolg in dieser schwierigen Liga. Davor gewann Andrea Pirlo als Trainer von Juventus Turin den Supercup sowie den italienischen Pokal.

Außerdem, auch hier auf Checkfussballberater.de

( https://checkfussballberater.de/ein-mann-viele-geniestreiche-andrea-pirlo-ich-denke-also-spiele-ich/ )

Buch-Rezension: Wie tickt Thomas Tuchel wirklich? – Und, wir dürfen gespannt sein, wie sich der FC Bayern unter den gegebenen Voraussetzungen, nun tatsächlich entwickelt…

BUCH
WIE TICKT THOMAS TUCHEL?
Eine im Sommer veröffentlichte Biografie bietet eine faszinierende Annäherung an diese komplexe Trainerpersönlichkeit, der in Mainz, Dortmund und Paris Erfolge feierte. Von Giovanni Deriu

 Thomas Tuchel Buchcover

Thomas Tuchel Buchcover

Die Biografie über 190 Seiten hatte ich in knapp drei Tagen durch. Normalerweise macht sich der Autor dieser Zeilen auch spätestens einen Tag danach an die Rezension. Diesmal sind es fast zehn Tage geworden, so erschlagen, ob der geschilderten Impressionen und Erzählungen, aber auch sehr begeistert war ich von diesem Buch, der Biografie, über den deutschen Fußballlehrer, Thomas Tuchel. Recherchiert und hervorragend zusammengefasst von den Journalisten Daniel Meuren und Tobias Schächter.

Letzterer spielte gar einmal mit dem VfR Mannheim in der Regionalliga, es war in den 90ern, gegen Thomas Tuchel, der damals für den SSV Ulm aufgelaufen ist. Tobias Schächter, der als Freiberufler lang für die SZ geschrieben hat, ist nun bei den „Badischen Neuen Nachrichten“ in Karlsruhe, der andere Autor, Daniel Meuren, schreibt für die FAZ, und sprach Thomas Tuchel 2009 das erste Mal, am Rande des Finals um die Deutsche A-Jugendmeisterschaft, das Tuchel mit den A-Junioren von Mainz 05 auch gewonnen hat.

Es ist noch ganz frisch, erst vor Kurzem konnten wir Thomas Tuchel am Bildschirm beobachten, wie er mit seinem Starensemble von Paris St. Germain, PSG, den Bayern ganz knapp im Finale um die Champions-League in Lissabon, unterlegen ist – fast gleichauf spielten beide Teams, Chancen hatte auch PSG, aber letztendlich ging der Bayern-Sieg auch in Ordnung, wie Tuchel unmittelbar danach offen, und gar nicht verbittert zugab. Nein, im Gegenteil, der deutsche Trainer attestierte seinem Team, und auch dem, vor Enttäuschung heulenden Neymar, eine gute kämpferische Leistung. Und schon weit vor dem Finale, meinte Stürmerstar Kylian Mbappé, das ganze Team sei absolut „froh, dass Thomas Tuchel unser Trainer ist…“

Aus Solisten hat Tuchel ein Kollektiv geformt, und in den knapp zweieinhalb Jahren so ziemlich alles abgeräumt an Titeln. Zwei Mal hintereinander Meister, in dieser Corona-Saison gar das Double. Unvergessen auch die Bilder des 47-jährigen Coach, mit seinem Gips und der dicken Schiene, fast zur Unbeweglichkeit gezwungen, der Schwabe hatte sich den Mittelfußknochen am linken Bein gebrochen, und den Knöchel verstaucht. Bei einer Trainingseinheit.

Tuchel mischt noch mit, viel zu früh musste er nämlich selbst als Spieler, seine eigene ambitionierte Karriere ebenfalls verletzungsbedingt beenden – auch diese Episode wird im Buch ausführlich beschrieben. Tuchel, auf der Kühlbox oder einer Alukiste hockend, coachte von Außen so gut es ging, ja, er wäre wohl auch mit dem Kopf unterm Arm, in diese Champions-League-Finalrunde eingezogen.

Den Anspruch und Ehrgeiz, nie aufzugeben hat der Fußballtrainer jedenfalls.

Was für ein erfolgreicher Weg, vom Deutschen Meister der A-Junioren 2009 mit dem Underdog 1. FSV Mainz 05, die Mainzer Clubführung ließ sich diesen Titel sogar im Briefkopf verewigen, bis hin zum Toptrainer einer weltbekannten Mannschaft. Man kennt Tuchel schon lange in den Fußballfachkreisen der Topligen Europas.

Zurück zur Biografie, die dermaßen gut gelungen und tief recherchiert ist, dass es wirklich schwer fällt, einzelne Kapitel und Storys herauszugreifen, um sie länger hier in dieser Buchkritik zu besprechen. Ich versuche aber, mit einzelnen Hinweisen, die Erkenntnisse und Erlebnisse herauszuarbeiten, wie Tuchel zu der (Trainer-) Persönlichkeit wurde, die er letztendlich ist, beziehungsweise, wie er so tickt.

Die im Anschluss des Buches genannte Dankesliste an die Gesprächspartner ist lang, und sehr oft hat man den Eindruck, dass der ehemalige Manager und Sportdirektor von Mainz 05, Christian Heidel, die meisten Storys und Begebenheiten erzählte – und dies auch recht authentisch, mit Lob in Maßen, aber auch mit Selbstkritik, denn Tuchels Abgang in Mainz, vor dessen Sabbatical, war ja ziemlich kurzfristig und auch unschön, und zwar dafür, was Tuchel mit MAINZ IN DEN FÜNF BUNDESLIGAJAHREN, nach der Klopp-Ära, so erreicht hatte.

Einmal sieben Auftaktsiege in Folge, sowie zwei Mal Platzierungen für die Europapokalqualifikation. Stets, wie Heidel betont, mit geringem Budget, und Thomas Tuchel habe nie abstruse Forderungen gestellt. Vorgänger JÜRGEN KLOPP, so steht es mehrmals im Buch, und man liest es auch heraus, war ein Volkstribun, bis heute beliebt, Kloppo besitzt noch eine Wohnung in Mainz.

Tuchel dagegen wirkte immer distanziert und oft unnahbar, obwohl auch in Mainz heute noch jeder Fan von Thomas Tuchels Art, wie er Fußball spielen ließ, nahezu schwärmt. Es waren erfolgreiche Jahre. Und herzlich und freundlich war er auch.

Thomas Tuchel, ein richtiger Konzeptionstrainer, geriet nur manchmal in Rage, oder wirkte angefressen, wenn zu Beginn seiner Mainzer Zeit, zu oft von Klopp geredet, oder beide gar verglichen wurden.

Umso erstaunlicher, dass Tuchel sich nach Mainz ausgerechnet den BVB aussuchte, um abermals Jürgen Klopps Nachfolger zu werden. Zwei Meisterschaften, DFB-Pokal-Gewinne und das verlorene Champions-League-Finale gegen die Bayern, bescherte Kloppo der Borussia in Dortmund.

Es scheint ganz so, als wollte Tuchel zeigen, dass man durch akribische Arbeit und mit viel Motivation, sowie ausgetüftelten Trainingsübungen, noch viel erfolgreicher und attraktiver spielen (lassen) könne.

Auch in Dortmund war Klopp ein Volkstribun, ja fast eine Club-Ikone bis heute. Und Tuchel? Obwohl er wusste, wie emotional die Borussia und die Fans sind – Tuchel war stets um Abstand bemüht, ließ sich nicht für Dinge außerhalb des Trainingsplatzes oder der Arena vereinnahmen – fast zu direkt, bürstete er Ideen eines BVB-Edel-Fans, nach einer Filmproduktion ehemaliger Legenden und Trainer ab, und brüskierte den Fan, so etwas, interessiere ihn, Tuchel nicht. Er sei dafür zuständig, was auf dem Platz geschehe. Tuchels Akribie und Professionalität kann auch weh tun – den anderen.

Auch den Spielern, egal ob ehemalige Juniorenspieler, Tuchel war ja auch beim FC Augsburg NLZ-Leiter und Juniorentrainer, oder später bei den Profis, Tuchels Übungen im Training waren und sind ziemlich anspruchsvoll. Oft waren die Spieler im Kopf müde, simple Abschlussspiele im Training, Elf gegen Elf gibt es selten, die bringen ja wenig, vielmehr werden Spielformen einstudiert, mit verengten Teilfeldern auf dem Platz, wie sie im Spiel auch ständig vorkommen. Die pure Simulation, und die ständige Suche nach Lösungen – hier lässt Tuchel den kreativen Spielern durchaus Freiheiten.

Immer wieder kommt im Buch der Hinweis verschiedener Akteure, dass Tuchel hin und wieder richtig angepisst sein konnte, meint ein Spieler, der viele Jahre mit ihm zusammen gearbeitet hat, „… man konnte sich abseits des Platzes unterhalten, er ist intelligent und witzig. Aber 20 Prozent der Zeit, war er schon immer der Psychopath, der es übertreibt, der überehrgeizig ist. Dann wurde er persönlich, vergriff sich im Ton, war beleidigend… “, auf die Art und Weise, habe Tuchel wohl auch einige Spieler kaputt gemacht, so der nicht genannte Spieler. Tuchel konnte schon recht ungehalten und vor allem ungeduldig werden, wenn Spieler die Dinge nicht umsetzten, keine Fortschritte erzielten.

Andererseits wiederum, wird im Buch zwei Seiten zuvor, auf Seite 33, relativ weit vorn berichtet, dass alle Spieler, die einen längeren Weg mit Tuchel, zum Beispiel in Mainz gegangen seien, unisono bestätigen, „Tuchel macht Spieler besser“, er treibe sie zu Höchstleistungen.

Dass Thomas Tuchel auf Mannschafts-Rituale setzt, wie z. B. die einheitliche Kleidung, gemeinsame Mahlzeiten, bei denen jeder wartet, bis alle fertig sind, oder die Einführung eines gemeinsamen Frühstücks, bei dem alle Spieler reihum, selbst das Frühstück für alle organisieren mussten. Vor dem Frühstück also einkaufen, und die Liste mit allen Wünschen und Besonderheiten abarbeiten. Das schule die Aufmerksamkeit für die Spieler und Personen im Kader.

Das alles seien Mosaiksteinchen für den großen Erfolg, aber vor allem, auch das wird mehrmals erwähnt, fühle sich jedes Team sicher, wenn sie von Tuchel auf den Gegner vorbereitet wird. Alles sei detailliert, und die Spieler laufen ohne Nervosität aufs Feld, weil Tuchel für mögliche Situationen exakt eine Handlungsempfehlung mit an die Hand, bzw. auf den Fuß gebe. Ja, die Analyse des Gegners, ist Tuchel und dessen Trainerteam immer wichtig. Genauso die technischen Basics der Spieler, die Ballan- und mitnahme muss sitzen, die Passgenauigkeit auch mit viel Drall, absolut präzise auf den jeweiligen Fuß folgen, so wird das Spiel schneller gemacht.

Tuchel gilt in der Bundesliga zudem als Vorreiter für Videoanalysen, und diese auch vom eigenen Training, oder in einem Spiel bereits zur Halbzeit, mit ein paar Sequenzen, zur Veranschaulichung.

Dieser Thomas Tuchel, dachte ich mir schon damals, als er sein Debut in der Bundesliga gab, und wie er authentisch und sachlich, quasi ganz egal, wie andere über ihn in diesem Business urteilten, seine Interviews gab, werde bestimmt einen langfristigen erfolgreichen Weg gehen. Er behauptete sich schon mit Mainz gegen die Großen von Bayern und BVB, die Bayern von van Gaal hatte das Tuchelteam auch schon rennen lassen, und besiegten sie. Achtungserfolge, selbst wenn nur Unentschieden, mit Mainz 05 gegen Klopp.

Hier ein paar kurz beschriebene Splitter aus dem Buch, die auch erklären, wie Tuchel zu diesem Toptrainer wurde, und wie er als Mensch schon immer tickt(e) :

◾ Im Buch kommt auch der ehemalige KSC- Trainer und ehemalige Profi, Alois Schwartz, zu Wort. Er war Tuchels erster Kapitän bei den Stuttgarter Kickers, in der 2. Liga. Später besuchten sie beide, die Sporthochschule in Köln, um das Fußballlehrer-Diplom zu machen, hatten aber keinen engeren Kontakt. Immerhin kommt Alois Schwartz in der Biografie ausführlich zu Wort, immer sachlich und auch fair. Schwartz erzählt, wie der damalige Trainer-Feuerwehrmann, Rolf Schafstall, ein Ruhrpott-Original, die Zügel im Abstiegskampf angezogen hat, und Thomas Tuchel als jungen Spieler entweder links liegen ließ, oder ihn sogar zu demütigen versuchte. Tuchel bewahrte aber immer die Contenance und den Anstand, ja, durch seine Art, und auch damals zu seinen Ansichten über Taktik und Systeme, hatte er dennoch seine Stellung im Team.

Wahrscheinlich aber prägte ihn diese Zeit unter Schafstall doch mehr als gedacht – bis heute…

◾ Tuchel musste die Profikarriere früh verletzungsbedingt beenden, was bedeutete, dass er so erst einmal in ein tiefes Loch fiel. Aber, schnell fand er dann doch einen Plan B, viel Geld hatte er noch nicht verdient, und er wollte in Stuttgart BWL studieren. Nebenbei jobbte er sogar als Kellner in einem Club, der Radio-Bar. Sein einstiger Ulmer Trainer, Achtung(!), Ralf Rangnick trainiert jetzt den VfB Stuttgart in der Bundesliga. Tuchel fasst seinen Mut zusammen und klopft an, ob er es als Spieler nochmals in der zweiten Mannschaft versuchen könnte. Als Spieler geht’s dann doch nimmer, aber dank Rangnick, und dem anderen schwäbischen Trainerfuchs, Hansi Kleitsch aus Kirchheim, später war Kleitsch auch Scout beim FC Bayern (Insider kennen ihn), nimmt Tuchels Trainerkarriere im Juniorenbereich ihren Anfang. Hansi Kleitsch sah Tuchels Begabung von Anfang an. Die Raumdeckung und das Offensivspiel forcierte Tuchel immer, und konnte dies auch Junioren gerecht vermitteln.

◾Später wird Thomas Tuchel dann, Julian Nagelsmann in Augsburg für den Trainerberuf gewinnen.

◾ Das Stichwort, oder Tuchels Lieblingsbegriff, ist der „Klebstoff“. Wie, Klebstoff? Klebstoff als Definition, für die Maßnahmen und psychologischen Instrunente und Motivations-Kniffe (davon werden einige beschrieben), die eine Mannschaft von der Nummer Eins bis zur 22, also jeden im Kader, zusammen schweißen.

◾ Während zwei ehemalige Spieler, Wölki und Laux, bei den Tuchels am Samstagabend die Sportschau anschauen, ging er damals mit seinen Eltern zur Kirche – das war ihm wichtig.

◾ Überhaupt spielt auch Demut für Tuchel eine große Rolle, Siege und Niederlagen müssen gleichermaßen mit Anstand aufgenommen werden.

◾ Natürlich werden im Buch auch die schwierigen Stunden und Tage nach dem Bombenattentat auf den Mannschaftsbus thematisiert, und wie es zum Bruch mit dem BVB kam. Tuchel holte in Dortmund als Trainer die meisten Punkte, qualifizierte die Borussia stets für die Champions-League, und gewann zum Abschied den DFB-Pokal.

Übrigens hat Familienvater Tuchel auch das Diplom als Betriebswirt, das er dann doch noch absolviert hatte.

Zuletzt, und diese Biografie gibt noch so viel mehr her, lassen wir noch den Profi und ehemaligen Borussen, Nuri Sahin, zu Wort kommen.

Auf Seite 171 heißt es, ausgerechnet im Pokalfinale verzichtet Tuchel auf den BVB-Recken. Das kam weder im Verein, noch in der Mannschaft gut an.

Klar, Sahin ist enttäuscht, Gründe für diese Entscheidung liefert Tuchel nicht [ er wird seine Erkenntnisse gehabt haben ], aber Sahin gilt als loyaler Mensch und tritt nicht nach, im Gegenteil, der Türke aus Meinerzhagen hat bei großen Clubs wie dem FC Liverpool und Real Madrid sowie unter erfolgreichen Trainern wie Jürgen Klopp, José Mourinho oder Carlo Ancelotti und Fatih Terim sowie Brendan Rodgers gespielt. In einer Kolumne des Sportmagazin „Socrates“, schreiben die Autoren der Biografie, bezeichnet Sahin jedoch Tuchel als „taktisch den besten Trainer, den ich je hatte“.

Anmerkung im Nachgang, aktuell:

Wie wir nun alle wissen, verlief die Ablösung von Julian Nagelsmann bei den Bayern sehr holprig – von internen Führungsproblemen, bis hin zu den Ergebnissen und Problemen Tuchels mit dem übernommenen Kader – die Spieler schienen fast wie ausgelutscht, das Saisonende herbeisehnend. Mit Ach und Krach wurde wenigstens, oder zumindest, die Meisterschaft noch gesichert. Aus der Champions-League sowie dem DFB-Pokal schieden die Bayern aus. Hatte Thomas Tuchel das Team vielleicht sogar in kurzer Zeit etwas überfordert, oder waren etliche Bayernstarts bereits platt? Jedenfalls hat Thomas Tuchel nun die Zeit, zu Beginn sogar als eine Art „Teammanager“, den Kader selbst zusammenzustellen, und die Vorbereitungszeit richtig und intensiv zu nutzen, sein Spiel, und seine Handschrift, zu vermitteln. Wir werden sehen, es bleibt spannend, mit diesem Typen von Trainer.

( https://www.rund-magazin.de/news/1789/32/Buch-Thomas-Tuchel/ )

Giovanni Deriu, RUND Autor, analysiert und beschreibt Biografien.

RUND – Das Fußballmagazin – SPIELKULTUR (rund-magazin.de)