

FUSSBALLBÜCHER als Geschenkidee
Neymar senior über Pelé 2.0
Die Biographie des brasilianischen Wunderknaben ist als Dialog mit seinem Vater, der seine Profikarriere früh beenden musste, angelegt. Von Giovanni Deriu. www.rund-magazin.de

Die ganze (Fußball-)Welt nahm Anteil, als sich Neymar im Viertelfinale gegen Kolumbien verletzte. Warum das Schicksal des brasilianischen Wunderknaben so viele bewegte, kann man nur verstehen, wenn man einen Blick in die Biographie von Neymar da Silva Santos Junior, also Neymar Junior, wirft. Kurz, in einem von Beginn an eher mittelmäßig aufspielendem brasilianischen Team galt Neymar als „Heilsbringer“. Der Druck um das Team von Trainer Felipe Scolari war immens, doch als der brasilianischen Selecao quasi ihr Rückgrat brach, weinte nicht nur Neymar vor Schmerzen auf – er hatte durch Juan Zunigas krudes Foul einen Wirbelbruch erlitten. Fans in aller Welt ahnten, dass damit der brasilianischen Elf das Herzstück und die Kreativität verloren gegangen war.
Neymar – eine ganz neue Spielergeneration weiterlesen
BUCH
Trainer des Jahrhunderts und Vier-Minuten-Meister
Mit Schalke holte er den Uefa-Cup und 2001 fast den Titel, nun ist er zurück beim VfB Stuttgart: Die Biographie von Huub Stevens kommt dem Menschen recht nah, geschrieben hat sie der Niederländer Theo Vaessen, erschienen ist die Biographie im riva-Verlag. Eine Rezension von Giovanni Deriu.
Der Autor kennt seinen Protagonisten schon sehr lange. Der vielgereiste Theo Vaessen beobachtet Huub Stevens seit den Zeiten, als der als 16-Jähriger bei Fortuna Sittard spielte. Im WM-Jahr 1974 war das. Aus zahlreichen Gesprächen mit Stevens sowie dessen Umfeld entstand dieses Buch, das schlicht: „Huub Stevens“ betitelt ist.
Nicht immer waren holländische Trainer in der Bundesliga beliebt (wenn auch erfolgreich) – man denke nur an Rinus Michels, den „General“ in Köln und Leverkusen, immerhin Pokalsieger – oder Aad de Mos bei Werder Bremen, der nach nur einem Jahr im Amt als Nachfolger von Otto Rehhagel entlassen wurde. Anders Huub Stevens. Dass es quasi gleich auf Anhieb bei den Schalkern klappte, lag vielleicht auch an Stevens‘ Herkunft selbst:
Huub entstammt als dritter Sohn einer Grubenarbeiterfamilie. Vater Joseph Stevens, später kam er in Belgien ausgerechnet bei einem Autounfall durch einen deutschen Lkw-Fahrer ums Leben, arbeitete 30 Jahre lang in der staatlichen Grube Staatsmijn Maurits, und baute in mehreren hundert Metern Tiefe Kohle ab. Stevens erinnerte sich: „Vater ackerte wie ein Pferd …“. Die Familie war nicht reich, aber niemand durfte es wagen, sie als arm zu bezeichnen. Mia, die Mutter, war das Familienoberhaupt. Und sie setzte auf Disziplin – wer nicht gehorchte, wurde bestraft – nur, so, liest man zwischen den Zeilen, könne eine Familie zusammen gehalten werden. Mit Disziplin, Pflichten – aber nicht zu vergessen, mit der Liebe einer Mutter.
Ein authentischer Holländer im Schwabenland! Wird er zum VfB-Retter? weiterlesen
INTERVIEW
Morales: Twitter, Internet und die üblichen Verdächtigen
Er war Assistent von Giovanni Trapattoni in München, brachte die Fortuna aus Düsseldorf wieder in die 3. Liga und coachte Waldhof Mannheim sowie die Stuttgarter Kickers. Ein Leben ohne Fußball? Unvorstellbar für den sympathischen Coach. Interview Giovanni Deriu.

Massimo Morales im Jahre 2004 als Trainer bei Fortuna Düsseldorf
Sein Name klingt wie Musik. Und als Fußballtrainer liebt Coach Massimo Morales auch einen offensiven Rhythmus im Spiel seiner Teams. Morales ist in Deutschland, in Europa allgemein, kein Unbekannter. Vom B-Juniorentrainer der Bayern wurde er schnell ins Rampenlicht der 1. Bundesliga sowie der Medien katapultiert. Anfang der 1990er-Jahre, als sich Massimo Morales neben Giovanni Trapattoni auf der Trainerbank wiederfand – als dessen Assistent und Dolmetscher. Dass Morales ein Auge für Junioren und Talente habe, merkten die Verantwortlichen des FC Bayern München schnell. Danach trainierte Morales gar Ghanas Junioren-Nationalmannschaft und war als Scout, unter anderem, für den AC Milan in der Serie A tätig.
Wir meinen: Die Festlegung des Marktwerts hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten verselbstständigt
Es ist legitim, wie ich schon im anderen Blog-Artikel beschrieb, dass sich Vereine, je nach Budget und Kassenlage, eigene Scouting-Abteilungen leisten. Viele greifen immer noch auf Freiberufler zu – viele ehemalige Fußballprofis sind darunter, einigen echten Experten bin ich schon begegnet und wurde in interessante Gespräche mit ein bezogen. (Immer wieder ein Genuss, ich lerne immer dazu.)
Ja, das Scouting wurde zu einer „Informationsbeschaffungs-Branche“, wie die Autoren der Studie „Die Berechnung des Siegers: Marktwert, Ungleichheit, Diversivität (…)“ es selbst benennen. Die Informationsgewinnung und Auswertung ist extrem wichtig geworden, und hat etlichen Beobachtern, Beratern und „Evaluatoren“, auch Analysten genannt, Tätigkeiten zukommmen lassen. Scouting bringt Nutzen – wie kommt der Marktwert aber zustande? weiterlesen
Transfersummen, Vermittlungsprovisionen und der Spieler-Marktwert! oder:
Wie kommt der Marktwert eines Spielers zustande?
U N D Geld schießt eben doch Tore – auch wenn es viele Fußballfans nicht wahrhaben wollen, wissen tun es im Grunde alle, und die Funktionäre und Manager der Profi-Clubs sowieso. Aber selbst in unteren Breitensport-Ligen versuchen Funktionäre ihr Team zu verstärken, wettbewerbsfähig zu machen – ja, sogar im Juniorenfußball. Ist dem Club ein Spieler etwas Wert, greift man schon mal in einen Geldbeutel, oder verschenkt „Einkaufs-Gutscheine“, oder deckt den Spieler, den man unbedingt haben möchte mit „neuen Klamotten“ ein, wie uns eine Gastmutter eines talentierten U17-Spielers bestätigte.
Was im Profifußball usus ist, und bestätigt wurde, zieht sich manchmal bis nach unten, in die Fußball-Niederungen. Der Berater will immer partizipieren! Wovon und wofür? weiterlesen
Ursachenforschung:
Wie ein Spieler zum „albanischen Ronaldo“ wurde
Auch diese Geschichte kam uns erst neulich zu Ohren, dass ein Juniorenspieler, ansässig im Schwäbischen, die Eltern bodenständig, und einst aus dem Kosovo dem Bürgerkrieg entflohen, dass eben dieser Juniorenspieler der U19 ganz plötzlich die „Bodenhaftung“ – evtl. nicht selbstverschuldet – verlor.
Entdeckt und kennengelernt habe ich diesen (sehr)guten Kicker, damals noch 16,5 Jahre alt bei einem Punktematch in Waiblingen vor den Toren Stuttgarts. Eigentlich hatte ich einen ganz anderen Beobachtungsauftrag. Wenn Junioren plötzlich abheben – nur nicht auf dem Feld weiterlesen
SPANIEN
4:3:3 statt Defensive
Wie Real Madrid Mourinhos Ära vergessen möchte: Die italienische „Gazzetta dello Sport“ macht sich Gedanken, was Carlo Ancelotti für die „Ent-Mou-isierung“ Reals tun könnte. Von Giovanni Deriu. Erschienen bei rund-magazin.de
José Mourinhos Erfolgsbilanz war für seine Ansprüche zu wenig: Eine Meisterschaft, ein Pokalsieg und dreimal im Halbfinale der Champions-League gescheitert. Auf den selbst ernannten „The Special One“ folgt nun der ausgleichende Moderator und Taktiker, Carlo Ancelotti, der zuletzt Paris Saint-Germain zum französischen Meister gemacht hatte.Die italienische „Gazzetta dello Sport“ macht sich Gedanken, was Carlo Ancelotti für die „Ent-Mou-isierung“ Reals tun könnte
Wie Ancelotti bei REAL „The Special One“ ablöste weiterlesen
„Ich bin nicht der Matthias Sammer von Pilsen“
Es ist der zweite Titel nach 2011: Viktoria Pilsen ist am Wochenende erneut tschechischer Meister geworden. Für RUND nahm sich Sportdirektor Kuka während der Feierlichkeiten Zeit für ein kurzes Interview. Das Gespräch führte Giovanni Deriu.

Über weite Strecken der Saison lieferten sich der FC Viktoria Pilsen und der traditionsreiche Hauptstadtklub Sparta Prag in der tschechischen Gambrinus-Liga ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zwei Punkte Vorsprung hatte die Viktoria vor dem letzten Spieltag. Dabei blieb es auch, weil FC Viktoria Pilsen beim Absteiger FC Hradec Kràlové schon nach einer Minute durch Vladimir Darida in Führung ging – 3:0 für die Pilsener stand es am Ende. Als die Elf von Trainer Pavel Vrba dann kurz vor Mitternacht endlich in Pilsen ankam, wurde sie gefeiert. Mittendrin auch der noch recht frische Sportdirektor, Pavel Kuka (44), der den FC Viktoria seit Januar unterstützt. Pavel Kuka, 44, wurde mit Tschechien Vize-Europameister 1996, und gewann mit dem 1. FC Kaiserslautern 1996 den DFB-Pokal und zwei Jahre später die Deutsche Meisterschaft. Für RUND nahm sich Sportdirektor Kuka während der Feierlichkeiten Zeit für ein kurzes Interview. Das Gespräch führte Giovanni Deriu.
RUND: Herr Kuka, es ist sehr laut bei Ihnen. Wo sind Sie gerade?
Pavel Kuka: Guten Tag, wir sind gerade am Stadion von FC Viktoria, an der Geschäftsstelle, wo die Feierlichkeiten zur Meisterschaft heute weiter gehen.
RUND: Gratulation zur zweiten Meisterschaft in der Gambrinus-Liga, hatten Sie in den vergangenen Wochen jemals Zweifel, dass es klappen würde?
Pavel Kuka: Naja, wir haben immer an unser Team geglaubt, und wir hatten ja eigentlich immer einen kleinen Vorsprung. Klar, die zwei Niederlagen zuletzt gegen den Meister der vergangenen Saison, Slovan Liberec oder Slavia Prag, machten die Meisterschaft noch einmal spannend, aber auch Sparta zeigte sich eben nicht souveräner als wir. Wir hatten immer Vertrauen in unsere Mannschaft!
RUND: Sie sind ja noch nicht so lange beim FC Viktoria, haben aber schon die wichtigen Spiele in der Europa-League miterlebt, wie hoch ist Ihr Anteil an der Meisterschaft?
Pavel Kuka: Oh, das müssen andere Leute beurteilen, mit denen ich täglich zusammen arbeite – ich kann nur sagen, dass es mir sehr viel Spaß macht, und dass ich den Verein FC Viktoria sehr schätze. Ich genieße natürlich den Moment.
RUND: Haben Sie als Sportdirektor möglicherweise die selbe Funktion wie Matthias Sammer beim FC Bayern inne? Quasi als Bindeglied des Teams zum Vorstand sowie als Motivator und Mahner?
Pavel Kuka: (kurze Pause, ein kleiner Seufzer) Nein, ich bin nicht mit Matthias Sammer und dessen Funktion bei Bayern zu vergleichen. Ich bin noch dabei zu lernen. Ich lerne jeden Tag dazu in meiner noch sehr jungen Funktion. Klar, ich bringe auch meine Erfahrungen mit ein, aber auf dem Platz stehen immer die Spieler, letzendlich haben es immer die Spieler in der Hand – oder auf dem Fuß – was passiert. Wir genießen jetzt unseren Erfolg, das Team und alle die dazu gehören.
RUND: Was sind Ihre weiteren Ziele mit der Viktoria?
Pavel Kuka: Natürlich da weitermachen und anknüpfen, was die Pilsener in den vergangenen drei Jahren aufgebaut mit mitgemacht haben: Meisterschaft, Champions-League und Teilnahme am Uefa- bzw. Europa-League-Pokal.
RUND: Ist die Viktoria schon wieder europatauglich?
Pavel Kuka: Wir werden uns natürlich verstärken müssen im Rahmen unserer Möglichkeiten. Wir haben schnell gelernt, dass Erfolg in Europa auch eine Frage des Geldes ist: Hier zum Beispiel die Viktoria mit einem Budget von sechs bis sieben Millionen Euro, dort unser letzter Gegner Fenerbahce Instanbul mit einem Etat von 180 Millionen Euro.
RUND: Sind bei der Meisterschaftsfeier auch ehemalige Spieler dabei?
Pavel Kuka: Also Pavel Nedved (Scout und Delegierter bei Juventus Turin, Anm. der Red.) wird hier sein, und zu ihm halte ich mit FC Viktoria auch den Kontakt. Zudem kooperieren wir manchmal, was die Ausbildung von Junioren betrifft.
RUND: Und jetzt nach diesem Erfolg und einer intensiven Saison wartet der wohlverdiente Urlaub?
Pavel Kuka: Jetzt geht es mit Nedved erst einmal zum Abschiedsspiel von Michael Ballack nach Leipzig. Danach laufen schon die Planungen für die Qualifikationsspiele zur Champions League, die Mitte Juli schon beginnen. Ich haben keinen Urlaub, aber das ist egal. Die Arbeit macht viel Spaß.