Der FANS-Zusammenschweißer
Ein Mann, viele Geniestreiche: Andrea Pirlo – „Ich denke, also spiele ich“ weiterlesen
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Berater und Scouts sind immer unterwegs, willkommen sind die Turniere in der Provinz weiterlesen
INTERVIEW
Wiedersehen auf der Ostalb
Doppelinterview nach Spielschluss: Alexander Zickler gewann mit den Bayern die Champions League, Andreas Hinkel holte mit Celtic Glasgow die schottische Meisterschaft. Beide arbeiten inzwischen im Jugenbereich. Hinkel beim VfB Stuttgart, Zickler in Salzburg. Das Gespräch führte Giovanni Deriu.
Sie trafen sich bei einem so genannten Blitz-Turnier beim VfR Aalen, wo die U16 des VfB Stuttgart gegen RB Salzburg spielte. Alexander Zickler, mehrmaliger Deutscher Meister und Champions-League-Sieger 2001 mit den Bayern, betreut die Jungbullen. Andreas Hinkel, schottischer Meister mit Celtic Glasgow, ist inzwischen Co-Trainer des VfB. Nach dem 2:0-Sieg der Stuttgarter über Salzburg, gab es zwischen beiden Shakehands, und beide nahmen sich Zeit für ein Kurz-Interview mit RUND.
RUND: Herr Zickler, Herr Hinkel, hallo zusammen, wie ernst nimmt man so ein kleines Turnier mit den Junioren? Brennt der Ehrgeiz in Ihnen wie als Spieler früher?
Alexander Zickler: Ja, bei mir schon. Im Fußball will man ja immer gewinnen, genau das lebe ich ja auch vor. Das Turnier war eine gelungene Abwechslung zum Training in der Vorbereitungszeit, die auch bei den Junioren hart ist. Die Jungs wollen immer spielen…
Andreas Hinkel: Ja, sehe ich genauso. Im Spiel kann man auch gleich sehen, ob es mit der Umsetzung der Übungen aus dem Training klappt. Ehrgeizig bin auch ich, und beim VfB möchte man auch immer gewinnen.
RUND: Herr Zickler, Sie haben mit den Bayern, aber auch in Österreich mit Salzburg einiges gewonnen, Torschützenkönig waren Sie auch, aber der Champions League-Sieg 2001 gegen Valencia war wohl das Größte für Sie. Was dachten Sie beim diesjährigen Champions-League und Triple-Gewinn?
Alexander Zickler: Ganz große Klasse, ich habe mit den Bayern mitgefiebert. Und ehrlich, sie haben es sich total verdient, weil auch hart erarbeitet. Von Nichts kommt nichts, das sagen wir auch den Junioren immer wieder.

Von 2008 bis 2011 bei Celtic Glasgow: Andreas Hinkel. Foto Pixathlon
RUND: Bei Ihnen Herr Hinkel, kamen die Erfolge eher im Ausland, in Spanien beim FC Sevilla sowie in Schottland mit den Celtics. Jetzt sind Sie beim VfB verantwortlicher U12-Trainer sowie Co-Trainer bei der U16, inwiefern profitieren die Junioren von Ihren Erfahrungen?
Andreas Hinkel: Ja, meine Erfolge im Ausland haben mich auch geprägt, besonders in Schottland, wo ich auch schon immer den Juniorenfußball beobachtet habe. In aller erster Linie möchte ich auch den Jungs Erfahrungen weitergeben, die ich in Stuttgart als Jugendspieler selbst gemacht habe. Ich kam auch mit 12 Jahren in den Verein, von einem Club aus der Provinz. Da ist man als junger Kerl manchmal etwas unsicher. Ich versuche den Jungs, Ängste zu nehmen, und Mut zu zu sprechen. Klar, im Ausland bin ich selbstständiger geworden. Aber auch die Vizemeisterschaft mit dem VfB in der Bundesliga werde ich nie vergessen.
RUND: In Salzburg Herr Zickler, sind Sie ja auch Nachwuchskoordinator im unteren Jahrgansbereich, wie sehen Sie Ihre Aufgabe zum Beispiel heute auf dem Turnier?
Alexander Zickler: Ja, bei uns haben wir klare Aufgabenteilungen im Club. Natürlich bringe ich meine Erfahrungen wie Andreas Hinkel mit ein. Ich gebe Tipps und Ratschläge, schaue, dass die Jungs sich sportlich bewegen und benehmen – aber die Junioren kennen unseren Leitfaden, die RB-Philosophie. Als Co-Trainer unterstützte ich den Coach, gebe Feedback und motiviere natürlich die Spieler wo ich nur kann. Vier Augen sehen oft mehr als zwei… aber ganz klar: Ich möchte den Jungs etwas von meiner tollen Ausbildung zum Fußballer weitergeben!
RUND: Fast die obligatorische Frage an Beide zum Schluss, zieht es Sie als Trainer in den Aktiven- oder gar Profibereich?
Alexander Zickler: Für mich momentan kein Muss. Mir macht die Arbeit im Juniorenbereich viel Spaß, und es soll ja so sein, dass die Trainer mit der besten Ausbildung auch im Juniorenbereich tätig sein sollten.
Andreas Hinkel: Ich lasse alles auf mich zukommen, man sollte nie „Nie“ sagen, aber jetzt genieße ich die Arbeit beim VfB, die Zeit mit meiner Familie und bilde mich weiter.
Anmerkung: Andreas Hinkel wird, Stand heute, den VfB Stuttgart als Juniorentrainer (U17-Assistent sowie U12-Trainer) verlassen; sachliche wie deftige Kritik wurde in einem Artikel der Stuttgarter Nachrichten auch an der Nachwuchsabteilung des VfB geübt, weil auch U17-Coach Domenico Tedesco den VfB in Richtung TSG 1899 Hoffenheim verlässt!
Interview Giovanni Deriu, während des Junioren-Blitzturniers 2013 in Böbingen/Ostalbkreis
INTERVIEW
„Kopiert wird bei uns nicht“
Ernst Tanner über die Uefa Youth League, Ralf Rangnick und das „Tracking System“ im Jugendfußball. Teil 2 des Interviews mit dem Nachwuchsleiter von Red Bull Salzburg. Interview Giovanni Deriu.
Teil 2, der Juniorenfachmann spricht: Um Leistungen abzurufen, muss die Umgebung stimmen weiterlesen

Die Beliebtheit eines Internatsplatz‘: Aber nur die besten Talente erhalten einen begehrten Ausbildungsplatz
Woran man ggf. ein Talent erkennt? Ein großes Fußballtalent? Wahrscheinlich, wenn das Juniorentalent bereits im U16-Bereich einen begehrten Internatsplatz bei einem großen Club erhält. Was bedeutet die Definition, ein großer Club?
Nun, ein erfolgreicher Verein, der zum Beispiel bekannt ist für seine hervorragende Jugendarbeit. Es kann auch ein kleinerer Verein mit wenigen Titeln sein, aber erfolgreich im Ausbilden von Juniorenfußballern bis hin zu den Profis. Selbst wenn diese Talente dann später verkauft werden. Immerhin amortisierte sich die Ausbildung, die immer „teuer“ ist. In Deutschland wird ganz hart kalkuliert, wie ich schon an anderer Stelle im Blog erwähnte, beziffert sich die Ausbildungssumme samt Internatsplatz auf bis zu 40 000 €. Pro Jahr.
Im Ausland, so meine bisherigen Erfahrungen, traut man Talenten bereits früher etwas zu, so bekommen z. B. in England nicht nur Auswahlspieler einen begehrten Internatsplatz in einer Academy. Oder manchmal die Kaderzusage, und einen Platz bei einer Gastfamilie, was auch immer populärer wird. Einfluss im Jugendbereich und Restriktionen weiterlesen
FUNKTIONÄR
„Meinen Skalp hat keiner am Gürtel“
Ein erzkonservativer Politiker, der als Fußballfunktionär gleichwohl die Moderne einläutete: Am 3. März feierte Gerhard Mayer-Vorfelder, einst Präsident des DFB und des VfB Stuttgart, seinen 80. Geburtstag. Von Giovanni Deriu.
Ehemaliger Präsident des DFB und des VFB Stuttgart: Gerhard Mayer-Vorfelder.
Wer im Schwabenländle groß geworden ist, und zur 1970er Generation gehört, den hat Gerhard Mayer-Vorfelder nachhaltig geprägt. „MV“ war in den vergangenen 30 Jahren zwischen der allabendllichen „Tagesschau“ und Sportsendungen ebenso präsent, wie Helmut Kohl, Franz Beckenbauer oder Boris Becker. In memoriam: „MV“ – Mit allen Wassern gewaschen! Zwischen Kritik und Erfolg. Nun ist Gerhard Mayer-Vorfelder gestorben. weiterlesen
BUCH-TIPP
Vom Pubbesitzer in die Champions League
Die Autobiographie von Alex Ferguson liefert einen spannenden Einblick in die Arbeitswelt eines Topklubs. Der schottische Erfolgstrainer lässt sich nach seiner Karriere auf 430 Seiten tatsächlich in die Karten schauen.
Stolz wie ein Schotte: Alex Ferguson stellt seine Biographie vor.
Alex Ferguson, ein Großer seiner Zunft, Schotte dazu, prägte 27 Jahre das Gesicht und die Geschichte des englischen Traditionsvereins Manchester United. Ein Vierteljahrhundert lebte Alex Ferguson für ManU – dass dabei einiges an Erlebnissen zusammenkommt, ist einleuchtend. Ferguson ist aber auch immer eine streitbare Person geblieben – und so gelungen die Autobiographie von „Sir“ Alex Ferguson (erschienen im Edel-Verlag: Alex Ferguson – Meine Autobiographie) auch sein mag, gleicht sie doch an vielen Stellen einer Abrechnung mit alten Weggefährten und mit Trainerkollegen. Zwar nie richtig derb, aber subtil feinsinnig, wie „Föhn“ Alex Ferguson selbst.
Mister Manchester United – Alex Ferguson, ein smarter Trainer weiterlesen
PRAKTIKANTEN
Wie hat der das gemacht?
Arrigo Sacchi hospitierte bei Ernst Happel, Ralf Rangnick schaute sich Arsène Wengers Training in London an: Selbst im Spitzenfußball waren große Trainer mal Praktikanten. Von Giovanni Deriu.

Taktikfachmann und RB-Sportdirektor Rangnick
Die Generation Praktikum ist im Fußball ein alter Hut: Angehende Fußballlehrer und bereits die Teilnehmer der Vorstufe, die A-Lizenz-Anwärter, müssen zwei bis drei Monate bei Bundesligisten hospitieren. Auch ehemalige Profis wie Bruno Labbadia, Mehmet Scholl oder Stefan Effenberg standen als Praktikanten am Spielfeldrand. Am beliebtesten ist Arsenal London mit seinem Coach Arsène Wenger: Matthias Sammer, Felix Magath und Ralf Rangnick hospitierten bei Arsenal und beobachteten Wengers Training und Umgang mit den Spielern.
Jeder angehende Fußballlehrer lernt, dass der Trainer seine Spieler kennen und analysieren muss, welches Konzept am besten zu ihm passt. Nichts ist schlimmer, als eine undefinierbare Handschrift des Trainers, und ein Konzept oder Spielsystem, das die Mannschaft total überfordert. Im Profi-Fußball bleibt keine Zeit, um den Schaden zu beheben.
Ralf Rangnick perfektionierte das Pressing und Spiel gegen den Ball, weil er es verstand, die Eindrücke und Erlebnisse seiner Beoachtungen (teilweise auch stundenlang am Fernseher) des AC Milan von Arrigo Sacchi in den späten 80ern zuerst auf den Amateurfußball (SSV Ulm) herunterzubrechen, um ihn dann später noch besser in der Bundesliga zu praktizieren.
Mehrmals gab Rangnick zu, dass das Milan-Team als Schablone galt, ebenso Zdenek Zemans US Foggia. Die schaute sich Rangnick während seines Urlaubs in Südtirol im Trainingslager an. Sein Schlüsselerlebnis war als Rangnick als Spielertrainer von Viktoria Backnang gegen Lobanowskis Kiew spielte. Rangnick dachte immer, das Team von Kiew habe drei Mann mehr auf dem Platz. Als die damalige UDSSR dann in Stuttgart 1988 während der EM auch noch die Italiener vorführte, schwärmten alle vom Forechecking und Pressing der Russen – dieses Spiel kostete aber Kraft, im Finale von München siegten die Holländer 2:0 gegen die UDSSR. Gerade Goalgetter Marco van Basten und Ruud Gullit aus der Ajax-Schule waren fast ein Jahrzehnt mit verantwortlich für Milans Erfolge unter Arrigo Sacchi und Capello. Letzterer übernahm Sacchis Taktik, jedoch wiederum eine Prise defensiver. Einengen der Räume, wenn der Gegner am Ball war, schnelles Kurzpassspiel und plötzliche Steil- oder Diagonalpässe aus dem Nichts, Rangnick kopierte vieles von Sacchi, und schon war das Märchen der TSG 1899 Hoffenheim geboren. Ganze Heerscharen angehender Trainer aus Japan und China wollten Rangnicks Wunder-System in Sinsheim hautnah miterleben.
Egal ob Valerij Lobanowski oder Arrigo Sacchi, auch sie waren gute Beobachter und immer offen für neue Ideen. Ernst Happel, längst verstorben, und immer noch eine Legende in Hamburg, war seiner Zeit voraus, das gaben die Italiener gern zu, denn Ernst Happel holte den Henkel-Pott, damals der Landesmeister-Cup, 1983 gegen die favorisierte Elf von Juventus Turin. Gegen den AC Milan verloren Happels Mannschaften nie, halb Italien und Silvio Berlusconi wollten ihn holen, aber nie folgte der grantige Österreicher den Rufen der italienischen Klubs. Sacchi studierte Happels Training mit dem HSV direkt in Hamburg, und das über zwei Wochen lang. Gespeist mit eigenen Ideen und den passenden Spielern, war eine neue Übermacht geboren.
Doch alles ist vergänglich, jede Ära endet irgendwann. Milan, Inter, Barcelona und Arsenal haben das schmerzhaft erleben müssen. Ein Trost bleibt, dass auch bei den neuen jungen Konzepttrainern die Ideen von Happel, Lobanowski, Rinus Michels oder Johan Cruyff weiterleben. Ganz neu erfinden kann den Fußball niemand.
Giovanni Deriu, 43, Freier Journalist und DaF-Dozent