Atalanta Bergamo kassiert im Champions-League-Duell gegen den Bayern München eine deutliche Niederlage. Doch hinter dem klaren Ergebnis, steckt mehr als nur ein Klassenunterschied. Die Partie zeigt, wie groß die Lücke zwischen europäischer Elite und ambitionierten Herausforderern aktuell ist – und warum Atalanta trotzdem ein Vorbild im modernen Fußball bleibt – es kann ja gar nicht plötzlich alles falsch sein, was sich Atalanta Bergamo über Jahre aufgebaut hat – Ja, Bergamo wird gern nachgeahmt. Bayern dominierte Atalanta jedenfalls in der Champions League komplett, und dieser Meinung sind auch die Redakteure des CORRIERE DELLO SPORT …
Wir machten uns die Mühe, das Match nochmals anzuschauen, einmal komplett, und dann nochmals in Ausschnitten über 20 Minuten – und immer wieder wurden wir daran erinnert, was Trainerlegende Fabio Capello neulich bei den Kollegen von SkySport Italia sagte – die anderen europäischen Teams, und er meinte damals die Norweger von Bodø Glimt (Eine Zeitung titelte, „Bodø shaming“, nachdem die Norweger INTER MAILAND mit zwei Siegen aus dem Wettbewerb warfen), würden mit einem höheren Rhythmus spielen – die Italienischen Clubs würden hinterher laufen. Ich wiederum warf hier die Frage dazu auf, ob sich die Italiener nicht wieder auf ihre eigene DNA, der starken Abwehr, mit perfekter Raumdeckung, orientieren sollten, um laufstarke Mannschaften „totlaufen“ zu lassen, gute und schnelle Stürmer würden dann den Rest besorgen.
Bayern München zeigte in Bergamo jedenfalls eine der stärksten Offensivleistungen der Saison. Mit hohem Tempo, präzisem Passspiel und individueller Qualität kontrollierten die Münchner das Spiel von Beginn an.
Schon früh wurde deutlich, dass Atalanta Probleme haben würde, das Angriffsspiel der Bayern zu stoppen. Besonders über die Flügel erzeugten die Gäste immer wieder gefährliche Situationen. Der deutsche Rekordmeister nutzte seine Chancen konsequent und ließ dem italienischen Vertreter kaum Raum zur Entfaltung.
Taktische Entscheidung öffnet Räume Ein zentraler Punkt der Analyse ist die Formation von Atalanta. Trainer Raffaele Palladino begann mit einem 4-4-2-System – eine Abweichung von der gewohnten Dreierkette der Bergamaschi. Diese Umstellung führte dazu, dass Bayern häufiger Eins-gegen-eins-Situationen bekam.
Ohne zusätzliche Absicherung entstanden immer wieder große Räume in der Defensive. Genau diese nutzten die Münchner konsequent aus.
Michael Olise als Schlüsselspieler
Einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz war Michael Olise.
Der Offensivspieler sorgte mit Dribblings, Distanzschüssen und Vorlagen für permanente Gefahr. Sein Tor zum 2:0 sowie seine Beteiligung an weiteren Treffern machten ihn zum entscheidenden Faktor der Partie.
Die wichtigsten Spielstatistiken
Die Daten unterstreichen die Dominanz von Bayern München:
Diese Zahlen zeigen deutlich, wie groß der Unterschied in Chancenqualität und Spielkontrolle war.
Atalanta bleibt trotzdem ein europäisches Erfolgsmodell
Trotz der Niederlage bleibt Atalanta eines der interessantesten Projekte im europäischen Fußball.
Der Klub hat sich in den letzten Jahren durch kluge Transfers, eine klare Spielphilosophie und wirtschaftliche Stabilität einen festen Platz im internationalen Wettbewerb erarbeitet.
Mit mehreren Champions-League-Teilnahmen und dem Gewinn der Europa League gehört Atalanta inzwischen zu den konstantesten italienischen Teams auf europäischer Bühne.
Es gibt Abende im europäischen Fußball, an denen man sich vorkommt wie auf dem Schießstand. Und wenn man Pech hat, ist man nicht der Schütze – sondern die Zielscheibe. Für Atalanta Bergamo war genau das der Fall. Bayern München spielte nicht einfach Fußball, Bayern hielt eine Vorlesung. Tempo, Präzision, individuelle Klasse – alles auf einem Niveau, das die Bergamaschi an diesem Abend schlicht nicht erreichen konnten.
Fazit
Die Niederlage gegen Bayern München ist schmerzhaft, aber sie ändert nichts an der Entwicklung von Atalanta.
Der italienische Klub zeigt weiterhin, dass sportliche Kompetenz und nachhaltige Planung auch im modernen Fußball Erfolg bringen können.
Gegen einen Gegner wie Bayern München reicht das manchmal trotzdem nicht.
Aber genau solche Spiele zeigen, wo sich der europäische Spitzenfußball aktuell befindet. Es existiert eben doch ein Gefälle, aber es kommt auch sehr darauf an, wieviele Experten den Trainer unterstützen, um im Vorfeld den Gegner und die Spieler richtig zu lesen…
Es gibt Gespräche, die bleiben. Nicht wegen der Lautstärke. Nicht wegen großer Schlagzeilen. Sondern wegen der Atmosphäre. So war es bei dem Austausch mit Walter Sabatini. Im Online-Videozoom, und Walter Sabatini, direkt aus seinem Wohnzimmer.
Ein Gespräch, das sich langsam entwickelte. Fast tastend. Mit dieser besonderen Mischung aus Leidenschaft, Müdigkeit und Erinnerungen. Nach etwa einer halben Stunde sagte Sabatini ruhig, er müsse bald aufhören. Sein Sauerstoffgerät warte. Es war kein dramatischer Moment. Eher ein stiller, er hatte interessant und sehr lebhaft von seinen Erfahrungen erzählt. Und mit seiner nun chronischen Erkrankung geht er offen um. Man kennt ihn, Walter, ja bestens im italienischen Fußball.
Und dann sagte er einen Satz, der viel über ihn verrät. Der Fußball, der Austausch darüber, die Zeit bei Salernitana, habe ihn lebendig gehalten.
Man merkte sofort: Das war keine Floskel.
Dieses Gespräch, wir mochten es kaum glauben, kam nur zustande, durch den Workshop von Dozent Gianfranco Multineddu. Dessen Netzwerk ist über Jahre gewachsen, geprägt von tiefer Freundschaft.
Ein Mann, der es immer wieder schafft, Menschen aus dem Innersten des Fußballs zusammenzubringen. Scouts, Sportdirektoren sowieso, Manager, und Praktiker des Fußballs überhaupt. (Dazu gehören auch Antonio Di Battista, oder Ignazio Argiolas, beide hatten schon die unterschiedlichsten Posten inne, und oft auch sehr erfolgreich)
Und an diesem Abend neulich, eben auch Sabatini. Es ist schon fast drei Wochen her, aber wir mussten das Gespräch setzen, ja, nachwirken lassen…
Ein Leben im Fußball
Heute würde man ihn wahrscheinlich „Kaderplaner“ nennen. Früher hieß es schlicht: Sportdirektor. Beobachter, Scout, Verhandler in Personalunion.
Sabatini hat viele Stationen erlebt. Viele Vereine. Viele Projekte. Doch besonders gern erinnerte er sich an eine Zeit. Damals, Palermo, Sizilien.
Der Club, den er gemeinsam mit Präsident Maurizio Zamparini prägte. Eine Beziehung voller Reibung. Voller Emotion. Sabatini selbst beschrieb sie einmal als „turbulent, aber wunderbar“.
Zamparini sei ein authentischer Mann gewesen. Direkt. Unberechenbar. Manchmal schwierig. Aber eben auch einzigartig. Heute, so sagte Sabatini, fehlten ihm solche Figuren im Fußball. Zamparini starb 2022. Ein Verlust, der Sabatini sichtbar berührt. Er erwähnte auch die Tragödie um Zamparinis Sohn, der Jahre zuvor in London ums Leben kam. Ein Schmerz, der einen Vater nie verlässt. Zamparini, der harte Hund, sei an gebrochenem Herzen gestorben, ist sich Sabatini ziemlich sicher.
Fußball vor der Datenflut
Der Fußball hat sich verändert. Nicht nur sportlich. Auch medial. Früher gab es nur die Zeitungen. Mal einen Radiosender, bisschen Fernsehen. Alles überschaubar. Die großen Sportseiten am Morgen. Mehr nicht.
Heute gibt es permanente Öffentlichkeit. Ständige Bewertung. Zig Sender, Blogs, Internet-Plattformen. Und Sabatini sagt offen: Als ehemaliger Profi sehe er den Fußball auch etwas anders. Er spielte selbst auf hohem Niveau, unter anderem bei Perugia und Varese, sowie für die AS Roma. Wer selbst auf dem Platz gestanden habe, erkenne Dinge schneller. Zum Beispiel, „Talent“. Ein echtes Talent, sagt Sabatini, sei immer sichtbar. Man müsse nicht lange suchen. Ein echter Topspieler „frisst den Platz“. Er nimmt ihn in Besitz. Die anderen? Sie werden vom Platz verschluckt.
Hier mit US Palermo Presidente, Maurizio Zamparini, Walter Sabatini
Der romantische Teil des Scoutings
Sabatini erinnerte sich dabei auch an die frühen Jahre seines Scoutings. Eine Zeit, die heute fast romantisch wirkt. Fußball pur. Er erzählte, wie er früher mit einem kleinen Notizheft und einem Kugelschreiber unterwegs war. Oft saß er stundenlang im Auto. In einem alten Fiat 500.
Acht oder neun Stunden Fahrt waren nichts Ungewöhnliches.
Er fuhr durch ganz Italien. Bis in die tiefsten Provinzen. Kleine Plätze. Staubige Trainingsfelder.
Dort, wo kaum jemand hinschaute. Dort suchte er Spieler, folgte den Tipps anderer Jugendtrainer. Keine Datenbanken. Keine Videoplattformen. Nur das Auge. Und das „sichere“ Gefühl, ja, da könnte ein neuer Totti oder Cavani sein.
Sabatini, der Architekt von Mannschaften
Natürlich ging es auch um seine Arbeit als Sportdirektor. Besonders um die Zeit bei der AS Roma. Sabatini war einer der Architekten der Mannschaft, lange bevor sie sportlich wieder an die Spitze kam. Transfers. Mutige Entscheidungen. Risiken. Er gab zu, im Onlinegespräch, ja, er sei auch Risiken eingegangen. Aber er habe sich immer durchgesetzt. In jedem Club. Nicht mit Lautstärke. Sondern mit Überzeugung.
Viele große Spieler kamen durch ihn nach Italien.
Bei der US Palermo, in der Zamparini-Ära, entstand eine Mannschaft, die heute fast nostalgisch wirkt. Eine Mischung aus Talent und Instinkt. Viele mutige Spieler, die nach Sizilien passten. Namhafte Spieler, wie Javier Pastore, Edinson Cavani, oder, Josip Iličić, spielten plötzlich gemeinsam. Dazu Figuren wie Fabrizio Miccoli.
Eine Mannschaft, die sogar die Großen der Serie A nervös machte. Sabatini sprach darüber nicht mit großem Stolz. Eher mit leiser Verwunderung, dass es so gut klappte. Vertrauen in seine Arbeit, seinem Bauchgefühl, hatte Walter aber immer – selbst, wenn auch er sich „hin und wieder in einem Talent, mit seinem Durchhaltewillen“ getäuscht habe. Aber er schwärmt schon, von dieser Zeit in Palermo, von diesem Team der Unbekannten.
Talent reicht nicht
Im Raum hörte man kaum ein Geräusch. Die Workshopteilnehmer hörten aufmerksam zu. Scouts, Sportdirektoren, und Beobachter generell. Alle lauschten. Es war ein Moment des Lernens. Und auch ein Moment des Respekts. Denn Sabatini sprach nicht nur über Transfers. Er sprach über Menschen. Über Charakter.
Über das, was einen echten Profi ausmacht. Talent allein genügt nicht. Das haben viele. Entscheidend sei der Charakter.
Die Fähigkeit, Druck auszuhalten. Selbstbewusstsein. Und fame, Hunger. Ein Spieler müsse sich durchsetzen wollen. Immer wieder. Auch wenn niemand mehr an ihn glaubt. Sabatini ist überzeugt:
Talente verschwinden nie. Es gibt sie immer wieder. Zum Beispiel, wie aktuell, Spieler wie Antonio Vergara, von der SSC Napoli mit Trainer Antonio Conte. Oder junge Spieler aus Akademien wie Atalanta Bergamo, die später bei Clubs wie Cagliari Calcio Spielzeit bekommen.
Trainer spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sie müssen Mut haben. Mut dazu, junge Spieler einzusetzen. Mit gerade einmal 17, oder mit 18. So wie es in Spanien oder Deutschland längst üblich sei, in der Bundesliga zum Beispiel („Deriu muss es wissen und kann es bestägigen…“, spricht er mich direkt an, nachdem ich mich vorstellen und zwei Fragen stellen konnte)
Scouting ist Begegnung
Sabatini betonte auch etwas anderes. Scouting passiert nicht (nur) am Laptop. Man muss auf die Plätze gehen. Zu den Spielen. Zu den Trainings. Man muss sehen, wie sich ein Spieler verhält. Wie er spricht. Wie er reagiert. Talent zeigt sich im Spiel. Charakter zeigt sich im Alltag. Eine besonders talentreiche Region in Italien sei übrigens Latium (Lazio). Rund um Rom. Dort herrsche eine Talentdichte, auch durch die unzähligen Clubs. Und ebenso viele junge Spieler.
Ein Leben zwischen Leidenschaft und Abgrund
Doch bei aller Fußballromantik blieb das Gespräch auch persönlich. Sehr persönlich, Moderator Multineddu moderiert gekonnt und zurückhaltend. Sabatini sprach offen über sein Leben. Über seine Familie. Für ihn sei sie das Licht seines Alltags. Sabatini, ein ehrliche, tiefe Haut. Oft klingt er wie ein melancholischer Poet des Fußballs. Vielleicht passt das, denn Sabatini hat selbst einmal, in einem anderen Intervirw gesagt, er fühle sich manchmal wie ein verfluchter Dichter. Ein Mann zwischen Leidenschaft und Selbstzerstörung. Seine Zitate sind berühmt. Radikal. Schonungslos. Einmal sagte er: „Ich begehe jeden Tag Selbstmord.“ Damit meinte er seine Lebensweise. Nächte voller Arbeit. Unzählige Zigaretten. Fünfzehn Kaffees am Tag.
Er beschrieb sich selbst einmal so:
„Ich habe ein linkes Gehirn und einen rechten Körper. Sie sind ständig im Konflikt.“
Der Preis eines Lebens im Fußball
Sabatini hat schwere gesundheitliche Krisen erlebt. 2019 erlitt er eine lebensbedrohliche Atemwegserkrankung. Er fiel ins Koma. Die Serie A, der italienische Fußball bangte um ihn.
Heute leidet er unter chronischen Problemen mit Lunge und Bronchien. Zwei Stents stabilisieren sein Herz. Das Rauchen musste er aufgeben. Nicht aus Überzeugung. Aus Notwendigkeit. Manchmal dampft er eine E-Zigarette. Selten.
Er selbst nannte seine frühere Beziehung zu Zigaretten einmal eine „nostalgische Liebesgeschichte“. Trotz allem blieb er dem Fußball treu. Vielleicht, weil der Fußball selbst eine Art Sauerstoff ist. Für Menschen wie ihn.
Ein Satz zum Abschied
Als das Gespräch endete, blieb eine stille Stimmung von Dankbarkeit im Raum. Keine große Geste. Kein Applaus. Nur Respekt. Und ein großes „Grazie mille“, von uns Teilnehmern, für einen Mann, der den Fußball nie als Geschäft verstanden hat. Sondern als Leben.
Und vielleicht fasst ein Gedanke von Sabatini alles zusammen: „Der Fußball gehört den Mutigen. Wer keine Risiken eingeht, wird nie entdecken, wie groß ein Spieler wirklich sein kann.“
Giovanni Deriu
Anmerkung und Dank:
Ein besonderer Dank gilt Dozent und Workshop-Leiter Gianfranco Multineddu, der diesen außergewöhnlichen Austausch möglich gemacht hat. Seine Workshops bringen regelmäßig Persönlichkeiten des internationalen Fußballs zusammen. Gast- und Impulsgeber wie Mario Marino, Antonio Di Battista, Cristiano Giaretta oder Ignazio Argiolas, gewähren dabei seltene Einblicke in ihre Erfahrungen, Entscheidungen und Denkweisen.
Für alle Teilnehmer sind diese Begegnungen mehr als nur Vorträge. Sie sind Fenster in eine Welt, die man nur versteht, wenn man ihr wirklich zuhör, und auch ein wenig dazugehört. Man muss zuhören können, oder wie es Sabatini auch sagte: „Ich habe Leuten immer zugehört, ja, zuzuhören, war eine meiner Hauptaufgaben, und ich tu‘ es noch heute…“ – Und an diesem Abend hörten alle besonders aufmerksam zu…
Ein großes PerCarità, wie auf unseren Social-Media-Kanälen
Tempi passati? Magari…
Come ho già scritto nella discussione del nostro „workshop per Osservatori“, di GianfrancoMultineddu:
…ma diciamolo chiaramente: in passato è successo tante volte che squadre più veloci e più atletiche si siano comunque schiantate contro club italiani tatticamente impeccabili.
Oggi invece sembra che abbiamo tradito il nostro DNA.
I club italiani e la Squadra Azzurra non erano solo squadre. Erano un’identità. Erano organizzazione, disciplina, intelligenza calcistica.
Erano difesa di ferro, dominio degli spazi, superiorità nel gioco di posizione.
Ed adesso? Abbiamo rinunciatto proprio a ciò che ci rendeva temuti e rispettati in tutto il mondo…
Giovanni Deriu, dalla Germania, https://checkfussballberater.de VergangeneZeiten? Vielleicht…
Wie ich bereits in der Diskussion unseres „Workshop per Osservatori“ von GianfrancoMultineddu geschrieben habe:
„…aber sagen wir es ganz klar: In der Vergangenheit ist es viele Male passiert, dass schnellere und athletischere Mannschaften dennoch an taktisch makellos agierenden italienischen Vereinen abgeprallt sind. Heute hingegen scheint es, als hätten wir unsere DNA verraten. Die italienischen Vereine und die Italienische SquadraAzzurra waren nicht nur Teams. Sie waren eine Identität. Sie waren Organisation, Disziplin, fußballerische Intelligenz.
Sie waren eine Abwehr aus Eisen, Raumbeherrschung, Überlegenheit im Positionsspiel.
Und jetzt? Wir haben genau auf das verzichtet, wofür sie uns in der ganzen Welt gefürchtet, bewundert und respektiert haben…
Selbstkritische und „unzufriedene“ Spieler sind immer gut, denke viele Trainer. Doch dem ist nicht so – es muss überall ein gesundes (Mittel-)Maß herrschen, was Kritik und Freude oder Zufriedenheit betreffen! Denn echte Entwicklung beginnt nicht im Jubel. Sie beginnt im Anspruch an sich selbst. Nach einem Sieg darf man gern auch abschalten, und sich mal gehörig feiern – lassen.
Viel zu oft empfiehlt der Mentalcoach, Francesco Borrelli, seinen Athleten – ganz gleich welchen Alters –, einer gefährlichen Versuchung aus dem Weg zu gehen: nämlich, dem ständigen Vergleichen. Wer ist schneller? Wer spielt öfter? Wer hat mehr Scorerpunkte? Wer wird mehr gefeiert?
Dieser Reflex ist menschlich. Aber er ist Gift für deinen Fokus.
Wer permanent nach links und rechts schaut, verliert die Spur nach vorne. Entwicklung ist kein Wettrennen gegen andere. Es ist ein Prozess gegen dich selbst.
Und du, Junge, der mit drei Punkten aus Arezzo im Kleinbus sitzt und trotzdem hadert: Wenn du dich vergleichen willst, dann mach es richtig. Vergleich dich mit dem Spieler, der du gestern warst.
Warst du mutiger im Eins-gegen-eins?
War deine Körpersprache stärker?
Hast du nach Fehlern sofort reagiert – oder bist du in ihnen stecken geblieben?
Das ist der einzige Vergleich, der dich wachsen lässt. Alles andere ist Lärm.
Leistung entsteht aus Klarheit. Klarheit entsteht aus Fokus. Und Fokus entsteht, wenn du deinen Weg akzeptierst – mit all seinen Kurven, Rückschlägen und Fortschritten.
Bleib bei dir. Arbeite. Wachse. Schritt für Schritt.
Wir, von Checkfussballberater.de , sind über unser italienisches Scouting-und Fußballnetzwerk, an dieser Personalie hängengeblieben, weil sie uns aus der Seele spricht -Leseempfehlung für Alle, die dabei sind, ihre Leichtigkeit zu verlieren!! Bitte nicht, der Fußball, Euer Hobby, sollte immer Freude bereiten…
Über Francesco Borrelli
Francesco Borrelli ist zertifizierter Mental Coach (ACSI – CONI). Nach seinem Jurastudium an der Universität Genua spezialisierte er sich im Bereich NLP durch Master- und Weiterbildungen in der Privatwirtschaft.
Seit Jahren verbindet er seine Leidenschaft für Sport mit seiner Tätigkeit als Unternehmensberater im Bankensektor und als Autor für ligurische Sportmedien.
Als Mental Coach begleitet er Athletinnen und Athleten auf dem Weg zu Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sowie Fußballer aller Altersklassen – von der Jugend bis zur ersten Mannschaft.
Sein Traum? Ganz klar: als Coach eines Tages sein Büro direkt neben der „Legenden-Gym“ in Milanello zu beziehen – Tür an Tür mit Ibra. Träume zur Zielverfolgung sind immer wichtig…
Und doch sitzt man jedes Wochenende wieder da – mit diesem leisen, kindlichen Trotz im Herzen. Mit der Hoffnung, dass es eben nicht immer die Reichen sind. Dass es noch diese eine Mannschaft gibt, die sich nicht berechnen lässt.
Vielleicht ist das naiv. Vielleicht ist es genau das, was diesen Sport rettet.
Denn immer wieder stehen plötzlich Teams da oben, die niemand eingeladen hat. Und dann beginnt dieses Flüstern. Erst in den Kurven. Dann in den Medien. Und irgendwann im ganzen Land.
So entstehen Legenden.
Leicester und die Explosion des Glaubens
Als Leicester City 2016 die Premier League gewann, war das kein Betriebsunfall – es war ein Aufstand gegen die Logik. Unter Claudio Ranieri wuchs eine Mannschaft zusammen, die diszipliniert verteidigte, gnadenlos konterte und mental unerschütterlich blieb. Ein Star war natürlich als Goalgetter, Jamie Vardy…
Kein Starensemble. Kein Milliardenprojekt. Nur Überzeugung.
Montpellier statt PSG
2011 setzte Frankreich auf Paris. Doch Meister wurde Montpellier HSC. Olivier Giroud traf 21-mal, Trainer Girard formte aus Außenseitern eine verschworene Einheit.
Kein Glanz. Keine große Bühne. Aber ein Team, das wusste, wofür es kämpft.
Kaiserslautern – Rehhagels Meisterstreich
1998 gelang dem 1. FC Kaiserslautern das Undenkbare: Aufstieg – und direkt Meister.
Angeführt von Otto Rehhagel, einem Trainer, der wusste, dass Struktur stärker ist als Eitelkeit. Defensive Stabilität, klare Rollen, Selbstvertrauen. Gleich am ersten Spieltag Sieg in München.
Das war kein Märchen. Das war akribische Arbeit – mit Mut.
Hellas Verona – der italienische Paukenschlag
1985 stellte Hellas Verona FC die Welt auf den Kopf.
Vor ihnen: Maradona, Platini, Rummenigge. Hinter ihnen: die gesamte Hierarchie des italienischen Fußballs.
Trainer Osvaldo Bagnoli baute keine Showtruppe. Er baute ein Kollektiv. Mit Preben Elkjaer-Larsen, Hans-Peter Briegel und Giuseppe Galderisi hatte Verona Qualität – aber keine Übermacht.
Was sie hatten, war Balance. Physis. Disziplin. Und diesen unerschütterlichen Glauben, der größer war als jedes Stadion.
Der FC AC HellasVerona spielte damals nicht für Schlagzeilen. Verona spielte für Geschichte. Das Team von einst, mit Hans-Peter-Briegel, Preben Elkjaer-Larsen, Galderisi, Fanna, Marangon oder Keeper Garella, wird heute noch gefeiert für dieses Fußballmärchen, das aus einem Teamspirit entstanden ist…
Weitere Sensationsmeister
UC Sampdoria 1991 – Vialli und Mancini schossen Genua ins Glück.
Nottingham Forest unter Brian Clough – vom Aufsteiger zum Meister und zweimal Europas Krone.
Blackburn Rovers 1995 – die „SAS“ als Albtraum der Favoriten.
Deportivo La Coruña – das „Super Depor“.
Bursaspor 2010 – Ende der Istanbuler Vorherrschaft.
Boavista FC 2001 – Titelklau in Portugal.
Trainer Vujadin Boskov, Überraschungsmeister mit Sampdoria Genua, 1991!
Und auch Nationalteams schrieben Wunder
Die Dänische Fußballnationalmannschaft 1992 – als Nachrücker zur EM – und am Ende ganz oben.
Die Griechische Fußballnationalmannschaft 2004 – diszipliniert, defensiv kompromisslos, getragen von echtem Team Spirit. Rehhagel setzte auf eine starke Abwehr, klare Abläufe, totale Geschlossenheit. Viele spotteten. Am Ende standen sie ganz oben.
Vielleicht brauchen wir diese Wunder mehr als die Favoriten ihre Titel.
Vielleicht erinnern sie uns daran, dass Fußball kein Rechenmodell ist – sondern ein Versprechen.
Und vielleicht entsteht das nächste Meistermärchen genau dann, wenn wieder alle sagen: Das ist unmöglich.
Giovanni Deriu – überzeugt davon, dass Teamgeist stärker ist als jede Bilanz.
Im modernen Fußball ist Scouting längst mehr als Bauchgefühl und Erfahrung. Videoanalyse, Datenmodelle, Softwarelösungen und standardisierte Bewertungsraster gehören heute zum Alltag. Und doch: Trotz globaler Tools und ähnlicher Technologien wird Fußball nicht überall gleich beobachtet.
Denn jede Nation schaut durch ihre eigene kulturelle und fußballerische Brille auf das Spiel. Die Methodik der Spielerbeobachtung ist immer auch ein Spiegel der jeweiligen Fußballkultur. Hier, das möchte ich festhalten, ist nur ein Kurzabriss zum Thema – mit Gianfranco Multineddu, der sogar einen Workshop zum Argentinischen Fußball konzipiert hat und momentan abhält, sind wir noch tiefer in die verschiedenen Fußball-DNA, vorgedrungen…
Italien – Taktik, Disziplin und defensive Verantwortung
In Italien beginnt die Beobachtung eines Spielers oft mit einer einfachen, aber entscheidenden Frage: „Kann er sich innerhalb einer Mannschaftsstruktur richtig verhalten?“
Nicht nur individuelle Qualität zählt, sondern vor allem das taktische Verständnis. Positionsspiel, Raumaufteilung, defensives Mitdenken – auch bei offensiven Spielern – sind zentrale Bewertungskriterien. Ein Außenverteidiger mit starken Offensivaktionen, aber schwacher Absicherung, wird schnell kritisch gesehen.
Das italienische Scouting ist stark geprägt von der eigenen taktischen Tradition: Zonenverteidigung, kollektives Pressing, Spielintelligenz. Ebenso wichtig ist die mentale Komponente – Leidensfähigkeit, Disziplin und die Bereitschaft, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen.
Deutschland – Struktur, Standards und physisch-mentale Selektion
Das deutsche Scouting war lange Zeit sehr strukturiert und stark normiert. Klare Profile, definierte Mindestanforderungen und standardisierte Bewertungsbögen prägten die Arbeit. Körperliche Parameter spielten – und spielen teilweise noch – eine große Rolle: Innenverteidiger über 1,85 m, Torhüter über 1,90 m, robuste Stürmer.
Doch es geht nicht nur um Größe und Kraft. Der Fokus liegt stark auf Konstanz, mentaler Belastbarkeit und Leistungsstabilität. Spieler werden anhand klarer Kriterien bewertet, häufig mit Punktesystemen und KPI-Logiken. Verhalten unter Druck ist dabei ebenso relevant wie technische Qualität.
Spanien – Technik, Spielintelligenz und kreative Freiheit
In Spanien steht die Beziehung zum Ball im Mittelpunkt. Körperliche Aspekte treten deutlich in den Hintergrund. Entscheidend ist, wie ein Spieler den Ball behandelt, Räume erkennt und Spielsituationen kreativ löst.
Scouts achten auf technische Sauberkeit, Entscheidungsfindung und Spielverständnis. Beobachtungen finden oft in freien Spielformen, Jugendturnieren oder Akademien statt. Videoanalyse wird genutzt, jedoch eher unterstützend – das subjektive Empfinden bleibt wichtig.
Das spanische Scouting ist weniger normativ, dafür flexibler. Talent wird nicht in feste Raster gepresst, sondern als Entwicklungsprozess verstanden.
Argentinien – Instinkt, Widerstandsfähigkeit und Straßenfußball
In Argentinien ist Scouting stark von der Kultur des Straßenfußballs geprägt. Spieler wachsen in engen Räumen, unter schwierigen Bedingungen und mit hoher Intensität auf. Entsprechend liegt der Fokus auf Technik unter Druck, Durchsetzungsvermögen und mentaler Stärke.
Beobachtungen erfolgen oft pragmatisch, mit wenig technischer Infrastruktur, aber großem Erfahrungswissen. Gesucht werden Spieler mit „Hunger“, Kreativität und der Fähigkeit, sich in chaotischen Spielsituationen zu behaupten.
Viele argentinische Talente bringen bereits früh eine hohe Belastbarkeit mit – eine Qualität, die ihnen den Übergang in physisch geprägte europäische Ligen erleichtert.
Fazit – Scouting braucht Kontext und Balance
Unabhängig vom Land gilt: Keine Methode funktioniert isoliert. Weder reine Datenanalyse noch ausschließlich Live-Beobachtung liefern ein vollständiges Bild.
Erfolgreiches Scouting basiert auf einem ausgewogenen Zusammenspiel aus:
Live-Beobachtungen (Spiel und Training)
gezielter Videoanalyse
Verständnis der kulturellen und sportlichen Umgebung
menschlicher Einschätzung und Erfahrung
Denn hinter jedem Wert, jeder Aktion und jedem Zentimeter Körpergröße steht eine individuelle Fußballgeschichte. Gute Scouts erkennen nicht nur Leistung – sie verstehen den Kontext, aus dem sie entsteht.
Old School, Vecchia Scuola? – ein Plädoyer für den Menschen und die echten Charaktertypen im Fußball – was sagen Algorithmen schon wirklich aus?
Vielleicht bin ich ein wenig „old school“. Vecchia scuola. Und ja – ich meine das nicht entschuldigend, sondern bewusst.
Ich glaube auch nach wie vor daran, dass man einen Fußballer nicht vollständig in Datensätzen, Grafiken und Algorithmen findet. Sondern draußen. Am Spielfeldrand. Dort, wo man nicht nur Bewegungen misst, sondern Menschen beobachtet. Dort, wo Erfahrung das Auge schult – und manchmal dreißig Minuten, eine Halbzeit wirklich genügen, um ein Gefühl zu entwickeln.
Ariedo Braida (wir haben ihn hier auf checkfussballberater.de vor ein paar Jahren bereits vorgestellt; https://checkfussballberater.de/der-mann-der-1000-kontakte-fuer-die-einen-die-fleissige-biene-fuer-die-anderen-ein-stiller-agent-ariedo-braida-neuer-sportdirektor-des-fc-barcelona/) hat dieses Selbstverständnis einmal treffend, auch für die Gazzetta dello Sport beschrieben. Er sagte, er gehe Spieler live anschauen, und mit seiner Erfahrung reiche ihm oft eine halbe Stunde, um eine Entscheidung zu treffen. Irren könne man sich immer, natürlich. Doch er verlasse sich mehr auf seine Augen als auf die aseptischen Daten einer Tabelle. Algorithmen könnten helfen, weil sie Zahlen, Statistiken und objektive Werte liefern. „Aber entscheiden müsse am Ende immer der Mensch…“
Ein Satz wie aus einer anderen Zeit – und doch aktueller denn je.
Denn was hätte ein Algorithmus, führt Braida weiter aus, über Van Basten, Gullit, Rijkaard, Savicevic, Shevchenko oder Kaká wirklich ausgesagt? Er hätte Schüsse gezählt, Laufwege analysiert, Tore kategorisiert – rechter Fuß, linker Fuß, Kopfball. Alles korrekt. Alles messbar. Aber wo bleibt die Persönlichkeit? (Dazu hat uns auch Gianfranco Multineddu im Scouting- und Beobachter-Fortbildungskurs der FIGC, der Scouting-Clinic, immer und immer wieder angehalten, die Spieler und Talente auch im Kontext und Miteinander des Clubs, mit anderen Spielern, auch im Training, zu sehen, zu analysieren…) Wo die Haltung gegenüber den Mitspielern? Wo das Verhalten gegenüber dem Trainer, gerade dann, wenn es schwierig wird?
Wie ist sein Auftreten nach Sieg oder Niederlage auch in der Öffentlichkeit?
Das sind keine statistischen Größen. Das sind Charakterfragen.
Vielleicht ist es kein Zufall, dass mir dieser Blick so wichtig ist. Nicht nur, aber als Pädagoge interessiert mich immer auch der Mensch hinter dem Talent.
Wer ist dieser Spieler, wenn das Spiel kippt? Wie reagiert er auf Druck, auf Kritik, auf Ungerechtigkeit?
Wie fügt er sich in eine Gruppe ein, wie übernimmt er Verantwortung?
Fußball ist Technik, Tempo, Taktik – keine Frage. Aber Fußball ist eben auch Beziehung. Haltung. Reife.
Genau deshalb ist mir der Austausch so wichtig. Mit Menschen, die Fußball nicht nur sezieren, sondern verstehen. Mit Kennern und Experten wi– um nur einige zu nennen. Menschen, die den Fußball über den sportlichen, über den menschlichen Tellerrand hinaus denken.
Vielleicht passt dieser Ansatz nicht immer in den Zeitgeist. Vielleicht ist er nicht effizient genug, nicht schnell genug, nicht digital genug. Aber bei CheckFussballBerater.de, glauben wir daran, dass Algorithmen unterstützen können. Dass Zahlen helfen. Dass Daten sicherlich gut strukturieren.
Doch bewerten, einordnen, verstehen – das kann nur der Mensch.
Und manchmal reicht dafür ein Blick. Ein Moment. Und ein geschultes Auge am Spielfeldrand. Oder ein Gespräch mit Tiefe danach…
Internationale Bühne, regionales Herz: Mit Sandro Palmeri unterwegs in Murcia. Er hat uns interessante Einblicke gewährt. Raus aus dem Frost, rein in den Fußball.
Stuttgart noch grau, die Kälte hängt am Rollfeld. Der Flug ‚EW 2530‘ hebt frühmorgens ab – Ziel Valencia. Wenige Wochen vor Weihnachten. Der Körper reist, der Kopf ist längst im Spiel. Fußball kennt kein Wetter, nur Momente. Valencia, und gleich weiter nach Murcia. Sonne, offene, gut gepflegte Plätze, internationale Stimmen. Wo die Talente von morgen zu sehen sind, da lauern stets viele Berater. Bekannte und unbekannte. So ist der Fußball, bei einer Talentschau und „Messe“, wie dieser, nahe Valencia, Alicante – Urlaubsorte.
Treffpunkt der Scouts und Beraterszene. Notizblöcke, Tablets, kurze Gespräche, Blicke mit Bedeutung. Mittendrin: Sandro Palmeri – präsent, wach, überall willkommen. Manche erinnern sich sofort: an seine spielstarken, erfolgreichen Jugendteams von einst, vor den Toren Stuttgarts. An Waiblingen. An Ideen, die geblieben sind. Die Spieler tragen sie jedenfalls noch in sich. Denken gern zurück, und profitieren auch im aktiven Herrenbereich, oder im gehobenen Juniorenfußball davon, was Palmeri und sein Trainerstab ihnen vor Jahren mitgegeben haben.
Zurück nach Murcia. Auf dem Rasen: das U18-Vier-Länder-Turnier. Mit den Partien, Deutschland gegen Holland, sowie Norwegen und Dänemark, sind auch dabei. Pure Intensität, Tempo, höchste Nachwuchsbühne. Viele Scouts, wir zählen nur ein paar auf, von international bekannten Clubs wie Newcastle United, Genua, Torino Calcio, Hellas Verona, US Lecce – sind alle ganz nah dran. Holland gewinnt, die DNA des niederländischen Voetball total, des schönen offensiven Spiels mit der Flexibilität der Spieler, die Positionen auch schnell zu tauschen, Räume zu besetzen, den Gegner zu dominieren, lebt irgendwie weiter. Deutschland folgt knapp dahinter. Ergebnisse zählen. Eindrücke mehr.
Für Palmeri ist es eine besondere Reise. Dahrel Tchitchi ist nämlich auch vor Ort. Heute U19-Kaderspieler, er hält als Verteidiger des FC Heidenheim die gegnerischen Stürmer in Schach, und läuft auch in Spanien für das DFB-Team auf – plötzlich weckt Tchitchi Begehrlichkeiten bei Clubs (teils auch von Sandro Palmeri aufgetan, ihn erreichten Anfragen), und auch Beratern (die Dahrels Entwicklung jedoch nie mitverfolgt, begleitet, haben). Sandro Palmeri, der sich längst einen Namen als Team- und Talent-Entwickler gemacht hat, gibt nur so viel bekannt, und das nach mehrmaliger Nachfrage: „Ich kenne ihn seit der ersten C-Jugend in Waiblingen“, erzählt der Fußballfachmann. Es folgte der KSC, dann der Wechsel zum FCH, nach Heidenheim – ein Weg, der Sinn ergibt, fasst Palmeri leise zusammen. Ruhig, ehrlich – vielleicht auch ein kleines Stück weit stolz (sich nicht getäuscht zu haben).
Zwischen den Spielen ein weiterer Moment: Austausch mit Jon Dahl Tomasson. Ex-VfB-Spieler zu Trapattonis Zeiten in Stuttgart, und ehemaliger AC Milan-Star (dort gewann Tomasson ein paar internationale Titel). Fußball über Generationen hinweg. Kurz. Intensiv. Wertvoll. Jede Nation hat so ihre eigene Fußball-Kultur und DNA.
„Solche Momente bleiben“, sagt Palmeri. Und man spürt: Der Italoschwabe meint nicht nur das Turnier. Sondern alles dazwischen. Kaum zurück in Stuttgart, wieder diese kalte, klirrende Luft – sitzt Sandro Palmeri auch schon wieder am Spielfeldrand. Auswärtsspiel des FSV Waiblingen in Aalen-Hofherrnweiler. Verbandsliga, regionale Luft, statt Mittelmeersonne. Aber, wie immer, die gleiche Leidenschaft.
Valencia. Murcia. Waiblingen. Der Fußball treibt ihn an. Und wer genau hinschaut, merkt: Das ist keine Reise – das ist (s)ein Rhythmus…
Wer Spitzensport verstehen will, muss dorthin schauen, wo Kameras selten verweilen. Genau das tut Daniel Müksch in seinem Buch „Die Star Macher – Wie Ärzte, Manager und Mentaltrainer unsere Sportstars erschaffen!“ (erschienen im riva Verlag, https://www.m-vg.de/riva/shop/article/19706-die-starmacher/).
Ob Talente im Jugendalter oder Semiprofis auf dem Weg nach ganz oben – echte Stars entstehen nicht allein durch Begabung. Sie entstehen durch Konstellationen: durch Menschen, Vertrauen, Geduld und Expertise.
Ich selbst habe als Scout und Beobachter im Fußball unzählige Karrieren, Umwege, Hoffnungen und Brüche erlebt. Und genau hier setzt dieses Buch an. Man merkt Daniel Müksch auf jeder Seite an, dass er Sport nicht nur liebt, sondern lebt. Seine Lehrerin sagte einst: „Daniel und sein Ball.“ Treffender kann man es kaum formulieren.
Müksch war für unterschiedlichste Redaktionen unterwegs, hat ein starkes Netzwerk aufgebaut, beobachtet genau – und vor allem: Er hört zu. Für dieses Buch führte er zahlreiche Gespräche, quer durch die Sportarten. Fußball, Tennis, Formel 1. Männerdomänen, in denen Frauen wie Sabine Kehm oder Britta Roeske längst prägende Rollen spielen. Dazu Ärzte wie Christian Fink und andere Experten, die trotz großer Erfolge bewusst auf den Guru-Status verzichten.
Das Buch zeigt den Staff hinter den Stars. Die stillen Architekten des Erfolgs. Menschen, die Karrieren über Jahre begleiten, auffangen, fordern, schützen. Oder wie es im Buch sinngemäß heißt: Die größten Sportstars haben eines gemeinsam – sie sind umgeben von Charakteren, denen sie blind vertrauen. Schattenmänner und -frauen des Erfolgs.
Sachlich, respektvoll, gut recherchiert. Kein Hochglanz-Mythos, sondern ehrliche Einblicke und Hintergrundwissen auf über 220 Seiten.
Ein Buch für Talente, Eltern, Trainer, Manager – und für alle, die Spitzensport jenseits der Schlagzeilen verstehen wollen. Und ja: Auch ein sehr gutes Buch für den Gabentisch zu Weihnachten.
Wer sich mit Gesundheit beschäftigt, stolpert früher oder später über eine simple Wahrheit: Unsere Organe arbeiten Tag und Nacht – und wir schenken ihnen erstaunlich wenig Aufmerksamkeit. Während Muskeln stolz beim Training zur Schau gestellt werden, verrichten Leber, Lunge, Schilddrüse & Co. im Hintergrund Schwerstarbeit. Genau hier setzt „Yoga für die Organe“ von Friederike Reumann an, erschienen im Riva Verlag (https://www.m-vg.de/riva/shop/article/23211-yoga-fuer-die-organe/), der seit Jahren verlässlich praxisnahe und fundierte Gesundheitsliteratur veröffentlicht. Und, mal ehrlich, in Zeiten wie diesen, wer interessiert sich nicht, für Selbstheilungskräfte? Aktiviere sie, spornt und Autorin Reumann in ihrem Buch an.
Reumann – Yogalehrerin, Therapeutin und im deutschsprachigen Raum längst eine gefragte Stimme – nähert sich dem Thema mit einer Mischung aus Fachwissen, Warmherzigkeit und pragmatischer Anleitung. Ihr Buch ist klar strukturiert: drei große Kapitel, die Körperwissen, Organfunktionen und gezielte Yoga-Praxis miteinander verbinden. Das macht es leicht, sowohl einzusteigen als auch sich über bestimmte Schwerpunkte zu informieren. Die Organe in Schwung bringen. Sport ist das eine, egal ob für den Anfänger, Neustarter, aber auch für Profis, Yoga ist seit Jahren nimmer aus dem Übungs- und Aufwärm-Programm wegzudenken, und wenn es nur ein paar Übungen in regelmäßiger Wiederholung sind, die einfach zur angenehmen Routine und zum Benefit werden.
Yoga für die Organe heißt das Buch der praktizierenden Yogalehrerin und Therapeutin, Friederike Reumann, die im deutschsprachigen Raum sehr bekannt ist, und sich einer immer größeren Community von Yogis erfreut. Und wie gesagt, auch im Profisport, einst von, sein Name ist (fast) Programm, Weltmeister Jogi Löw und Jürgen Klinsmann auch im Profifußball implementiert, kommen Yoga-Übungen immer wieder vor. Stärkung der Muskulatur und Atmung – wir selbst lernten Yoga einst intensiv von einem indischen Guru, Dr. Yogi Ram, im „Yoga Planet“ in Hongkong vor Jahren. Keine Gewichte, nur der eigene Körper, und mit Atmung ging vieles leichter, auch die Entgiftung des Körpers.
Besonders spannend im Buch, ist der Blick auf die Organe im Wandel der Zeit: Wie verändern sich Herz, Nieren, Verdauung oder Schilddrüse durch unseren modernen Lebensstil? Wie wirken Stress, Bewegungsmangel oder ein Überangebot an Reizen auf Funktionen, die eigentlich für Ruhe, Ausgleich und Regeneration gebaut sind? Reumann schafft es, historische und moderne Perspektiven leichtfüßig zu verbinden – ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit Neugier und Begeisterung.
Die Praxis kommt natürlich nicht zu kurz. Auf über 200 Seiten finden sich klar fotografierte Schrittfolgen, die sowohl Anfänger als auch Yogis mit Erfahrung gut abholen. Die Haltungen sind nicht kompliziert, aber spezifisch genug, um bestimmte Organe zu aktivieren, Durchblutung zu fördern und – ganz wichtig – die Atmung bewusster zu nutzen. Denn mit der Atmung beginnt jede innere Ordnung.
Zwei Beispiele zeigen, wie detailreich das Buch arbeitet:
Seite 179 – Die Leber: Reumann beschreibt die Leber als zentrales Stoffwechselorgan, das im Laufe des Tages eine beeindruckende Menge an Aufgaben bewältigt – von der Entgiftung über den Hormonhaushalt bis zur Energieverarbeitung. Die dazugehörigen Yoga-Übungen setzen genau dort an: sanfte Drehhaltungen und Atemführung, die den Energiefluss im Oberbauch anregen. Hier wird deutlich, wie eng Anatomie und Praxis zusammenspielen.
Seite 199 – „Klärwerk des Körpers“: Die Nieren und die Blase werden hier als feinabgestimmte Filtersysteme vorgestellt, die wir meist erst bemerken, wenn etwas nicht stimmt. Reumann beschreibt ihre Aufgaben präzise und lebensnah, erklärt, wie sehr Stress und Flüssigkeitsmangel die Funktion belasten, und zeigt anschließend Übungen, die den gesamten unteren Rücken sowie die Meridianlinien anregen. Der Begriff „Klärwerk des Körpers“ ist nicht nur einprägsam, sondern macht sofort klar, wie essenziell diese Organe für Balance und Wohlbefinden sind.
Was dieses Buch insgesamt so wertvoll macht: Es erzeugt ein Verständnis für den eigenen Körper, das über reines Nachturnen hinausgeht. Man begreift, warum die Organe so arbeiten, wie sie arbeiten – und wie Yoga ihnen helfen kann, wieder in ihr natürliches Gleichgewicht zu finden. Die Verbindung aus Anatomie, Tradition und moderner Gesundheitslehre macht das Lesen zu einer kleinen Entdeckungsreise durch den eigenen Organismus.
Nicht zuletzt ist „Yoga für die Organe“ auch ein wunderbarer Anstoß, selbst aktiv zu werden. Egal ob Neustarter, Wiedereinsteiger oder Profi – es ist nie zu spät, dem Körper zuzuhören und Routinen zu schaffen, die guttun. Reumann begleitet ihre Community zusätzlich über ihren Blog und YouTube, sodass man Theorie und Praxis ideal kombinieren kann.
Fazit:Dieses Buch ist informativ, motivierend und überraschend unterhaltsam. Es eignet sich hervorragend als Geschenk – gerade zu Weihnachten –, weil es etwas vermittelt, das vielen fehlt: die Einladung, dem eigenen Körper mit Respekt, Neugier und ein wenig täglicher Achtsamkeit zu begegnen. Vielleicht beginnt alles mit einem Sonnengruß. Und wer weiß, wohin er führt. Namaste…